Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Jesaias Hochstädter in Frankfurt/M v. 8.11.1839 (Blankenburg)


F. an Jesaias Hochstädter in Frankfurt/M v. 8.11.1839 (Blankenburg)
(BN 482, Bl 1-3, dat. Entwurf 1 B+1 Bl 8°, 5½ S.; Brieforiginal/ Reinschr. nicht überliefert, aber tw. ediert in: EGNF 13/1885, N 8, 4-7)

Blankenburg bey Rudolstadt am 8 Nov. 1839.


Hochgeehrter, lieber Herr Hochstädter.

Wie mich schon die Nachricht von Ihrer freudigen Ankunft in Frankfurt, welche
ich durch unsern gütigen Herrn v. Leonhardi empfing gefreut hat, noch überwiegend mehr hat
mich die von Ihnen selbst vernommene Anzeige von dem glücklichen und frohen Beginne
Ihrer jungen Anstalt wirklich beglückt. Ja, mein lieber Herr Hochstädter! wo die Theil[-]
nahme an der Sache aus reiner unpersönlicher Gesinnung entspringt da wachsen die
Folgen davon auch kräftig und rasch hervor und bringen schöne Blüthen und gute
Früchte. Ich hoffe Ihnen recht bald wieder einen sprechenden Beweis dafür zu bringen;
daß die Anstalt hier seit Ihrer Abreise von hier wieder gar manchen, zum Theil sehr
noch eingehenden und in dieser Beziehung besonders einigen hocherfreuenden Besuch
gehabt hat, wird Ihnen HErr v. L. - gewiß mitgetheilt haben z.B. die Frau von
Mannsbach
aus Greitz, welche hier während voller 8 Tage ganz der Sache gelebt
und das Spielen mit den Kindern gleich einem Kinde mit Liebe und Vertrauen ge-
übt hat; dann der Besuch der vier erlauchten Frauen und Schwestern, sämmtlich aus dem Hause
Homburg: der Prinzeß Karl (Wittwe) von Schwarzburg[-]Rudolstadt
dann der Durchl. der Herzogin von Dessau, dann der Frau Fürstin Mutter
von Schw: Rudolstadt
, endlich der Hohheit, der Frau Erbgroßherzogin von
Mecklenburg Schwerin
. Wie alle sehr achtend eingehend, so hat sich besonders
diese sehr rührend theilnehmend gezeigt und namentlich noch bey Ihrer Durch-
reise in Jena darüber auf das höchste anerkennend ausgesprochen.
Früher schon, also nicht erst durch dieß hervorgerufen, haben sich innerhalb
Blankenburg selbst achtend anerkennende Stimmen erhoben. Ich habe Herrn
v. L. gebeten Ihnen solche mitzutheilen, nemlich in No 276 des Allgem. Anz. der D.
vom 10. Octbr. Wir glauben, daß das Organ derselben Jemand aus der Fami-
lie dHE Amtsact: Schmiedeknecht ist. Später hat sich noch eine zweyte Stimme
von hier in diesem Blatte, als Organ der allgemeinen Stimmung hier in Blkbg
für den Gegenstand, und zwar noch mehr in die Auseinandersetzung des Wesens
der Sache und in die Darlegung des Einzelnen der Ausführung eingehend, ver-
nehmen lassen. Wir glauben mit Gewißheit daß es Jemand aus der Fami-
lie dHE Rathes und Amtmannes Sigismund war, welche in der Person des
Vaters, der Söhne und auch der Töchter, namentlich der kleinen Amalie
welche die Beschäftigungsanstalt besucht den meisten thatsächlichen Antheil an der[-]
selben gleich vom ersten Beginne an genommen hat und noch fortgehend nimmt.
Ich bitte Sie gar sehr sich dieses Blatt zu verschaffen, es wird Sie in mehrfacher Beziehung
gewiß erfreuen; auch werden Sie darinne finden daß Ihre Vorlesung, welche Sie einmal
Abends vor einer Gesellschaft aus Blkbrg in Ihrem Gasthause gehalten haben nicht ohne Er-
folg gewesen ist, denn was der Aufsatz über den Pythagoräischen Lehrsatz enthält muß
in Ihrem Vortrage seinen Grund haben. Noch wird Ihnen der Aufsatz gewiß keine un-
willkommene Gabe seyn Ihren Freunden ein frisches Bild von dem Blkb Leben zu geben, wie
wie es Ihnen eine heitere Erinnerung gewähren wird. Irre ich nicht so ist die N°. ohngefähr
290 vom 24 8br doch könnte es auch eine N° früher oder später seyn.
Daß Sie in Ihrem neuen Wirken so mehrfache u so eingehende Hülfe haben /
[1R]
dazu kann ich Ihnen nur Glück wünschen, so wie auch dazu, daß Sie Ihre
lieben Kleinen täglich 2 mal 2 Stunden beschäftigen können; dieß ist auch
gar nicht zu viel, und ich vermisse es wirklich schmerzlich, daß ich mei-
nen Kleinen hier täglich nicht auch das Doppelte der Beschäftigungszeit wid-
men kann. Der Stoff der Kinderbeschäftigungen ist erstlich schon an sich
so verschieden, dann in oder nach jeder Richtung hin so mannigfaltig,
daß man die Kinder täglich recht gut 2 mal 2 Stunden ohne sie zu
ermüden, noch zu überladen, beschäftigen kann; überdieß fordert es
auch das nun einmal geweckte Leben der Kinder. Denken Sie sich, gestern
holten uns, es war gegen ½ 3 Uhr schon wie so oft geschieht, mehrere Kinder
zur Spielstunde ab, welche, wie sie mir erzählten schon seit 2 Uhr vor
dem Spiel- und Beschäftigungshause auf mich gewartet hatten. Sie sehen daraus
welche gute Verdauungskraft die Kinder auch für ihren Geist besitzen.-
Nun sagen Sie, wo aber nicht nur Speise, sondern auch Wechsel derselben
hernehmen. Dafür lieber sorgsamer Freund ist nun auch nach mehreren
Seiten gesorgt:
Erstlich wenn die Kinder einmal das was irgend ein Spiel Ihnen [sc.: ihnen], ihrem
Geist, Gemüth u Leben reicht, recht gefühlt, tief empfunden haben, dann wünschen
sie und lieben sie den Wechsel nicht so sehr. So ist es jetzt bey mir zum
öfteren, namentlich mit Minna u Thekla Eberhardt auch mit ein paar Knaben
der Fall, daß diese wenn es zu Bewegungsspielen geht, immer gern vorher
noch eine längere Zeit mit den Würfeln u Bauklötzchen spielen mögen, so
rege und ausdauernde Genossen sie auch nachher bey den Bewegungsspielen
sind.
Zweytens ist die kleinste Veränderung im Spiele durch Neues für die
Kinder, was sie wieder eine ganze Zeit beschäftigen u recht lebhaft er[-]
fassen kann[.]
Drittens: Bemerke ich immer mehr daß eigentlich gesunde Kinder, das
Spiel zwar in stetigen, aber immer kleinen Fortschreitungen am meisten lieben [.]
Allein auch schon jede Wiederholung eines schon Dagewesenen giebt dem
Kinde etwas neues, indem schon die größere Klarheit, mit welcher
das Kind den zweyten Bau sieht, demselben etwas Neues giebt u ist.
Viertens. Tragen die Spiele in sich selbst einen solchen Reichthum der
an und schon ganz wesentlichen Richtungen der Entfaltung in sich, daß
schon ein recht ordentlicher Raum der Zeit dazu gehört, ehe sie sich
nur einigermaßen klar und allseitig entwickeln können.
Fünftens. Als einige dieser Richtungen will ich Ihnen nur folgende
angeben. 1) die Ihnen zum Theil schon bekannten Formenspiele.
2.) Ein großer Reichthum sich daraus entwickelnder Zahl- und Zählspiele, die sich
zum großen Theil an die Bewegungsspiele anknüpfen; jedoch mache sie ohnge[-]
achtet dieser Verknüpfung eine ganz eigene Art von Spielen aus. Wir spielen
diese Spiele jetzt auf verschiedene Weise. Ich will es versuchen Ihnen zwey solche
Spiele vorzuführen.
A.    Man nimmt entweder alle Kinder welche gegenwärtig sind, /
[2]
oder eine größere oder kleinere Menge davon heraus. Man kann
wenn sehr viele Kinder sind auch mehrere solche Spielkreise zugleich bilden.
Ich will hier aus Gründen die in der Sache selbst liegen
            Einen Spielkreis von zwölf Kindern annehmen.
Nun kann man wie gesagt, wenn man es entweder selbst beherrschen
kann oder eingehende sey es auch nur augenblicklich eingehende gast-
liche
Hülfe hat deren solcher Kreise zugleich
            Zwey - Drei - auch wohl sogar Vier nehmen[.]
Diese sämmtlichen Spielkreise behandelt aber der Spielführer als einen
einzigen.
Jedes neue Spiel sollte eigentlich immer mit ein paar sammelnden und
einigenden Singworten beginnen. z. B. „ Auf laßt uns nun spielen“ oder
„Wir haben uns in Kreis gestellt“ Oder....Oder....Oder....
Die Summe der Kinder sey also 12 oder 24 oder 36 oder 48.
Der Spielführer ordnet sie schnell in einzelne Spielkreise zu 12.
Die Kinder Eines Spielkreises haben sich Hand in Hand angefaßt, stehen also Seit an Seit.
Der Spielführer zählt singend recitirend I: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12
II „Wir sind jetzt unser 12“ :/: oder „Wir spielen unser 12“
III Nun: „Ein Eins; 2 Eins; 3 Eins, 4 Eins bis 12 Eins (Jetzt muß jedes Kind seine Nachbar[n] loslassen)
IIII. „Zwölf Eins sind 12“. oder anders wiederholt: „12 mal Eins ist 12.“
Es werden möglichst immer beyde Verhältnisse gesprochen einmal
das äußerlich hinzufügende, das additionelle; dann das innerlich ver[-]
mehrende, organische, multiplicirende. Jede Form wird jederzeit immer
dreymal gesprochen.
V. Nun wieder: „Wir spielen unser Zwölf!“ - So wie dieß gesagt
wird, müssen alle Kinder wieder einander die Hände reichen und sich
anfassen. Dieß wieder 3 mal gesungen.
VI. Der Spielführer fängt irgend wo im Kreise an und zählt singend
recitirend: 1.2; 1.2; Eins, Zwey; die Kinder singen dieß im Chor mit.
wo und wie der Spielführer Zwey sagt - trennt er die Kinder, so daß
nun immer 2 sich angefaßt haben.
VII. Nun fängt der Spielführer wieder an singend recitirend zu zählen: „Eins Zwey“, 2 Zwey“, 3 Zwey“...
bis 6 Zwey.“
VIII. Führer: 6 Zwey ist Zwölf; :/::/:; oder 6 mal Zwey ist Zwölf ://:/:
IX. Spielführer: -“Wir spielen unser 6 mal Zwey“ :/: :/:
X. Spielführer: „6 mal Zwey ist 12 mal Eins oder (12 Eins) NB wie
die Kinder 12 Eins oder 12 mal Eins sagen, müssen sich alle Kinder
loslassen, so daß jedes Einzeln steht; so wie alle die Kinder wieder
sagen: „6 mal Zwey ist Zwölf“ in diesem Augenblick müssen alle
Zusammengehörigen Paare sich wieder anfassen. Also
       6 mal Zwey    xx, xx, xx, xx, xx, xx
       ist Zwölf Eins   x x x x x x x x x x x x
       6 mal Zwey    xx, xx, xx, xx, xx, xx
       ist 12 Eins oder 12x1   x x x x x x x x x x x x
Dieß taktmäßige Anfassen und Fahrenlassen macht den Kindern große Freude /
[2R]
XI. Spf. „12 Eins ist Zwölf“ :/: :/: :/: oder „12 x Eins ist 12“
So wie die Kinder Zwölf sagen fassen sie sich alle wieder
an. Dieß Spiel kann nun mit 2 wiederholt werden
oder ein Neues beginnen. Wir thun jetzt hier das Letztere[.]
---------
I. Also 12 Eins ist 12. Und alle haben sich wieder angefaßt.
II. Der Spf. beginnt:              1, 2, 3; 1, 2, 3; 1, 2, 3; 1, 2, 3;
III. Der Spf. zusammenfassend:  drey drey drey drey
Grundton; Terz; Quinte; Octave
IV. D. Spf. zählend       Ein Drey; Zwey Drey; 3 Drey; 4 Drey
V. D. Spf. rezidirend sprechend: „Wir spielen jetzt zu 4 mal drey“ :/: :/:
VI. D.Sp. .............: 4 mal drey ist 12, 4 x 3 = 12; 4 x 3 = 12.
So wie 12 gesagt ist oder wird, fassen die je zu drey stehenden
Kinder sich wieder an; und so wie wieder wiederholt wird
4 mal drey so lassen die Kinder in den Trennungspunkten 3, 1
sich wieder los.
Also:       4 mal 3:     xxx xxx xxx xxx   NB    die Spiele können
     ist Zwölf:    x x x x x x x x x x x x    so wohl in Linie als im
     4 mal 3:      xxx, xxx, xxx, xxx         Kreise gespielt werden wie
     ist Zwölf:    x x x x x x x x x x x x    es der Raum gestattet; doch ist
es gemeinsam immer schöner im Kreis.
VII. Der Sp.f.: Zwölf ist 12 Eins:       x x x x x x x x x x x x
                x x x x x x x x x x x x
VIII. D. Sp.f.: Zwölf Eins (oder 12 x 1) x x x x x x x x x x x x
ist 4 mal 3          xxx, xxx, xxx, xxx
4 mal 3             xxx, xxx, xxx, xxx
ist 12 Eins oder 12 x 1    x x x x x x x x x x x x
12 Eins oder 12 x 1 ist 12    xxxxxxxxxxxx
Nun ist wieder ein Spieltheil beendigt. Man kann nun entweder
das Spiel mit der Zwey einflechten und nun wiederholen:
      Zwölf ist 6 mal Zwey    xx xx xx xx xx xx
      6 mal 2 ist 4 mal 3      xxx, xxx, xxx, xxx
(wo dann das 2e und 5e Paar sich trennen und sich je zu Eins
an das 1e und 3e, wie an das 4e und 6e Paar sich anschließen).
Nun läßt sich zusammenfassen
4 mal 3 ist 12            xxx xxx xxx xxx
6 mal 2 ist 12            xx xx xx xx xx xx
12 mal 1 ist 12          x x x x x x x x x x x x
1 mal 12 ist 12           xxxxxxxxxxxx
--------------------------------
Jetzt beginnt das Spiel von Neuem mit der Vier Spielgang wie bey der Drey
I. D.Spf. Zwölf ist Zwölf!
II. D. Spf. 1,2,3,4; 1,2,3,4; 1,2,3,4.
III. --         Vier      Vier      Vier /
[3]
Doch Sie, mein sorgsamer Freund! haben ganz Recht es gehört, um des
Kindes Thun bis in seinen Quellen nachzugehen und dann dessen
Wesen und Forderungen gleich in jedem Augenblicke - (wie die Na-
tur durch sich selbst bey ihren Pfleglingen thut) - zu genügen,
immer dazu, daß man entweder eine entsprechende Menge
von Spiel- und Thätigkeitsstoff (d.h. Stoff um Spiel u Thätigkeit zu
nähren) überschaut, oder einen und ebendenselben Spielstoff in der
größten Mannigfaltigkeit seiner Anwendungen be kennt und zu
handhaben versteht! Dieß ist eine Sache ganz für sich, und Sie, bey
dem Anklange, welche Ihre Anstalt findet, bey der Einzigkeit mit
welcher sie jetzt noch dasteht, wie bey der Stellung dieser, ihrem Wesen,
wenn auch noch keinesweges ihrer Anerkenntniß nach in Beziehung auf
die Gesammtheit Ihrer Glaubensgenossen hat - genug in all hi darin an-
gedeuteten Beziehungen Sie gleichsam einen solchen Brunnen, aus dem Sie, wie
das Bedürfniß es fordert, sogleich schöpfen könnten, zur Seite haben.
Wie sich aber den verschaffen - dieß nun der Punkt worüber ich mich Ihnen
noch in dem Nachstehenden noch mittheilen will. Alles was Sie jetzt bedürfen
und gz besonders das soeben Herausgehobene scheint
mir dadurch zu erreichten, daß wenn sich Ihr Schulrath entschließten könnte einen jungen Menschen
von 18 - 20 Jahren, welcher nur gut schreibt kann und eine leichte Fassungsgabe
hat auch welcher übrigens sich weder für das Lehr- noch Erziehungsfach bestimmt zu haben braucht, nur aus seinem gewählten Berufe ohngefähr 4 Wochen abkommen kann, auf
diese Zeit hierher zu sendetn um während dieser Zeit nicht nur eine Menge neue[r] Spiele
für Sie zu sammeln, niederzuschreiben, sondern auch jedes derselben ein oder einige[-]
male mitgespielt habe, so daß er bey der Heimkehr zum todten Worte noch die erklärende
Darstellung fügen könne. Dieser junge Mann brächte Ihnen dann die Sache
gleich einem lebendigen Querrotyp und, habe er sein Gesammeltes Ihnen
übergeben, träte er wieder in seinen gewöhnlichen Beruf ein. An einem solchen
jungen Menschen, dächte ich könnte es Ihnen, unter ihren [sc.: Ihren] Glaubensgenossen in Frkfta/m
zumal bey dem Beyfalle den die Sache dort findet nicht fehlen. Wäre ich
daher an Ihrer Stelle gewesen als HErr David Lietzel sein Anerbiethen Ihnen
that wobey er eben nicht noch Eins u Eins zählen wollte, ich hätte ihm sogleich
gesagt: - nun gut ich halte Sie beym Worte, den besten Saamen den sie [sc.: Sie]
uns geben können ist ein solches Spielmagazin eine Spielquelle wie wir gerade jetzt bedürfen, dieß ist auf diese und diese
Weise zu erreichen, versichern Sie die Kosten dazu - und nun die Kosten
unter den angegebenen Umständen wie hoch könnten sich solche denn belaufen? -
75 höchstens 100 fl. Sie können ja dieß am besten und fast auf den Gulden hin berechnen. Könnte
nun zwar ein HErr David Lietzel <?> zu einem solchen Opfer ohngeachtet des Urtheiles
welches die Sache jetzt von dem Richterstuhle des prüfenden Geistes wie des d[urc]hdringenden Gemüthes erhält zum Heil Ihrer Anstalt sich nicht ent-
schließen, - dann wahrl.[ich] sollte es Ihr hochachtsamer
Schulrath zum Ziele ihrer g[an]zen auf u vorwärts nach dem ächt wahrhaft bessern Strebenden Glaubensgenossenschaft, thun. Diesem Gesagten sollten
Sie einer recht ernsten Beachtung u Prüfung mit ihren [sc.: Ihren]
erziehenden Freunden mit dH Dr.
Ries[s]er
u ganz namentl[ich] mit den eingehenden Gliedern Ihres würdigen Schulrathes unterwerfen.
Eine solche Sache muß in Ihren [sc.. ihren] <ersten> Keimen Ihre [sc.. ihre] volle genügende Nahrung erhalten. Ich sage
bestimmt nicht zu viel wie der Sache jetzt nach der gewonnenen Einsicht u der ausgesprochenen Ausführung wozu ich besonders auf das von der Fr. v. Mannsbach auch in ein[em] Brief an dH Prof. Scheidler in
Jena [Mitgetheilte] rechne was ihr HEr von Leonhardi gütigst mitgetheilt hat; Ich sage also nach dem Geiste u Gemüthe wie den äußern vorliegenden Thatsachen gemäß
nicht zu viel daß d[urc]h die angemessene genügende Pflege des angebahnten Gegenstandes Anschauung
<zur> g[an]zen Glaubensgenossenschaft mit dem neuaufkommenden Geschehen von neuem zu <sicherm> Leben> wieder u so zur wieder[-]
erlangung der zurückgedrängten Rechte, wiedergegeben werden könnte. Sollte es denn unter ihren [sc.: Ihren] Glaubensgenossen nicht Männer
<im Amte> g[an]zer Familien geben welche von dem Gedanken in der Hand der Vorsehung <Vertreter> solcher
Wiedergeburt u LebensErneuung zu werden nicht <erglühen>. -Und in diesem Durchdrungenseyn von einem unvergängl[ichen] Wirken nicht äußer[e] Opfer zu bringen mögl[ich] wäre - Sprach nun doch Ihr HEr Dr. Rieser. /
[3R]
von der Bedürftigkeit wie von der Empfänglichkeit Ihrer Glaubensgenossen für das
Bessere.
Überdieß muß man die Zeit der Erwär[m]ung u Theilnahme für Befestigung
u Stärkung einer Sache nicht verfließen lassen, damit sie dann in der Zeit
der zurückgetretenen äußern Theilnahme in u durch sich selbst zu bestehen Kraft
u Antrieb habe. Wäre ich einer der Ihren mit Ihnen strebenden Glaubensgenossen
all mein Sinnen, Denken würde dahin gehen das sich jetzt kundthuende
neue junge frische Leben zum Wohle der g[an]zen Glaubengenossenschaft
mit der größten Sorgfalt zu benutzen, und zwar auf dem ganz einfach[en]
u dem natürlichesten aller Wege, daß ich dahin streben würde das voll-
kommenste, was jetzt <nur> auszuführen mögl[ich] ist unter meinen Glaubensgenossen [in]
Frankfurt zum Muster für die in andern Städten Hamburg rc auszu-
führen. Das Beyspiel ist das Wirksamste. Der Nutzen bleibt dabey ja zunächst
g[an]z allein der jüdischen Glaubensgenossenschaft g[an]z allein[.]
Nicht wird für Fremdes ausgegeben nichts geht verlohren - nur das Beyspiel ist das Wirksamste.
Sie müssen auf jeden Falle zur unverkümmerten Lebevollen frischen kräftigen
Fortentwickelung Ihrer Anstalt im unmittelbaren innigen Verkehr
mit der hiesigen Anstalt bleiben wozu aber meine Zeit u meine Mittel
jetzt zu beschränkt sind. Ich gebe dieß Ihnen u Ihren Freunden u d[urc]h Sie sämtl[ich]
den verehrl[ichen]. Gliedern Ihres hochachtbaren Schulrathes recht ernstlich zu bedenken,
denn es handelt sich hier nun nicht mehr um etwas problematisches sondern um
etwas was sich in der Prüfung nun schon mehrseitig bestätigt hat.- [Unterschrift fehlt]