Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 10.11.1839 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 10.11.1839 (Blankenburg)
(UBB 84, Bl 280-281, Brieforiginal 1 B 8° 2 S. + Adresse)

Blankenburg bey Rudolstadt am 10: Nov. 1839


      Des Lebens Gruß am reinsten, klarsten Sonntags Morgen.

Zwar wirst Du l. L. erst vor ein paar Tagen einen Brief von mir nebst
Mittheilungen aus meinem Leben und die Abschrift eines zweyten Auf-
satzes ich glaube in No 290 d. Anz. d. D. vom 24' d. v. M. als den öffentlichen
Ausdruck des Eindruckes welchen mein Wirken bewirkt erhalten haben; doch
Du schreibst mir daß sich auch zunächst um Dir [sc.: Dich] und durch Dich das Bedürfniß
zweckgemäßer Kleinkinderpflegeanstalten regt und man schon von
einzelnen Gemeinden aus Schritte zu deren Ausführungen thut. Da nun bey solchen
Anstalten alles darauf ankommt daß schon mit den ersten Gedanken an die wirkliche
Ausführung einzelner zugleich die wahre Idee ihres Wesens in den Begründe[r]n und
Ausführenden mitgeweckt werde und hervorkeime mindestens alles aus dem Wege
geräumt werde was dieser Weckung und Keimung hinderlich werden könne, ja alles
hervorgehoben und festgehalten werde, was die klare und richtige Auffassung
des Gegenstandes gleich vom ersten Beginne anfordere. Ich beeile mich daher wirklich
Dir daher wirklich [2x] Dir die Abschrift des Au[s]zuges aus einer Darstellung oder wenn Du lie-
ber willst einer Mittheilung über mein Wirken von einer jüngsten Besucherin desselben
an den Herrn Prof[.] Scheidler in Jena zur überschicken.- Du wirst Dich aus meinen
und auch wohl aus Middendorffs Briefen erinnern, daß eine gewisse Fr: von Mannsbach
die Tochter des Herrn Canzlers von Grün in Greitz [sc.: Greiz], eine Frau in den hohen 30igern,
zu deren innern [sc.: innerm] Leben es gehört sich mit Erziehung und Unterricht thatsächlich zu beschäftigen,
daß diese Frau in der ersten Hälfte des v. Mon[ats] während 8 voller Tage hier war,
und während dieser Zeit unausgesetzt in und mit meinem Wirken, besonders in der
Anstalt mit den Kindern lebte und sich beschäftigte. Eine frühere Bekannte von d[em] He.
Prof: Scheidler in Jena, welcher den Gedanken meines Wirkens sehr lebhaft auf-
gefaßt hat und sich gegenwärtig ernst mit der Bearbeitung desselben beschäftigt - wurde
sie von diesem aufgefordert sich ihm möglichst ausführlich über die Sache auszusprechen,
so entstand der Brief, von welchem Du hier einen kleinen Auszug erhältst. Er schien mir
mehrfach besonders für Dich und die Schweizer wichtig indem er die Spiele in ihrem innersten
Keime und Leben entwickelt und so auf ihre Nothwendigkeit hinweißt so die Nothwen-
digkeit und Willkürlosigkeit hervorhebt mit welcher jedes folgende Spiel jede
folgende Beschäftigung steht ihr sich aus dem vorhergehenden entwickelt.- Es kann Dir
nun bey den Rückbeziehungen, welche diese schriftliche Darstellung auf das wirkliche
Leben macht, nicht entgehen wie das hiesige Leben jetzt eine Einheit, eine Tiefe
eine Umfassendheit und eine Fr[e]yheit in welcher doch das Kind in seinem Wesen
und Bedürfen ganz erfaßt wird, gewonnen hat, in welchem das Leben des Kindes
in seiner ganzen Reinheit fließt, von welchem bey Deinem Hierseyn nur eine dunkle
Ahnung hervordämmern konnte. Darum komme ich - was Du mir auch in der
Wirklichkeit dagegen einwenden magst und als Hindernisse der Ausführung
aussprichst - gegen welches ich als Thatsachen nichts haben kann - doch dem der
Gedanken Sache, der Idee nach immer von neuem den Gedanken hervor, daß
Du alles versuchen solltest um einen jungen Mann mit erziehendem kindlichen /
[280R]
eingehenden Gemüthe - wie ich mir den Antonen denke - <hierher> zu
schicken der das ganze Leben als ein frisches Gewächs in sich aufnehme und
es so Dir überbrächte. Nun das schweizerische Leben mag andere For-
derungen habe[n] als ich sie kenne, Deine jungen Leute mögen in sich anders
stehen als ich sie sehe - gegen dieß kann ich nichts haben: allein aussprechen
mußte ich es Dir doch, und somit bin ich zufrieden. Könntest Du sogleich
einmal wieder auf 4 Wochen hierherkommen so wäre es, wenn Du Dich
einmal bleibend als einen Schweizer fühlst und als solcher wenigstens in der
Schweiz Deinen Lebensberuf findest - wogegen ich ebenfalls
ganz und gar nichts habe - freylich am besten. Denn das Ganze steht
in seinem Wesen in seiner Bedeutung viel tiefer als es mich dünkt
daß Du es jetzt noch selbst erkennst und einsiehst; doch darüber
ein anderes mal. Es bedarf darüber auch jetzt weiter keines
Wortes ich freue mich Deines Wirkens.
Nun zur 2n Sache. Sollte sich es mit den beyden Sprachlehrern
sowohl Lehmanns als des andern zerschlagen, so sagt Midden-
dorff
im Namen Barops, der wie Du weißt verreist ist, daß
Du dann bestimmt mit dem jungen Mann aus Neufville (Neuen[-]
stadt[)] abschließen willst möchtest.
Nun das 3e. Ich verstehe Dich nicht wenn Du schreibst "der junge
Mann aus Lausanne wird das Reisegeld von sich aus tragen:
und in diesem Falle denke ich die 80 £. Dir zu schicken["]. Ich habe Dir
ja gesagt daß ich das Reisegeld für den Sprachlehrer nicht tragen kann
darüber hast Du Dich mit Barop zu verständigen, hast Du keine Zahlung
an die Anstalt nach Keilhau zu machen, so muß Dir Barop das Reise[-]
geld schicken. Es <hält / fäl[l]t> für mich gar schwer Auslagen rc von Barop oder
Keilhaus wieder zu erhalten und doch bedarf ich solche[r], wie sollte ich
denn bey meinen jetzigen Unternehmen bestehen?- Also nur für For-
derungen an mich persönlich kann u werde ich einstehen; - dann gestehe
ich auch daß ich gehofft habe mein Guthaben, besonders wieder nach
meiner jüngsten Sendung, von welcher Du mir doch schreibst, daß sie
gesucht würde, - würde größer als £. 80 seyn. Ich schließe
daraus der Absatz und Verbrauch muß sehr gering gewesen
seyn. Da es mir nun jetzt hier an Vorrath zu mangeln beginnt
so werde ich nach und nach die Sachen aus der Schweiz nach Süd-
deutschland zurück ziehen.
Der Postbothe wartet, ich muß schließen so viel noch zur
Mittheilung an Dich vorliegt. Ferdinand Grüße, die herzlichsten
Glückwünsche - viel, viel, hätte ich noch zu schreiben doch
die Glocke ruft.- Lebe wohl
DFrFr. /
[218]
)[leer] /
[218R]
[Adresse mit Poststempel Rudolstadt, 10.11.1839:]
Herrn HeinrichLangethal,
Vorsteher der Waisenhaus Erziehungsanstalt
                 in
        Burgdorf,
K. Bern, in der Schweiz.