Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Rudolf Weber in Esslingen v. 10.11.1839 (Blankenburg)


F. an Johann Rudolf Weber in Esslingen v. 10.11.1839 (Blankenburg)
(BN 683, Bl 8-9, datierter Entwurf 1 B 8° 3 ½ S. Das Bl 9 wird zum zweiten Mal benutzt; 9R enthält von F.s Hand eine überschriebene Widmung für die „Eltern“ einer „Jenny“ v. 15.9.1839. Diese Widmung lautet: „Den liebend sorgsamen Eltern, den treuen Pflegern [ein]es kleinen Engels, [der] herzigen Jenny Fr. Fr Blknbrg am 15en Septbr 1839“.)

An Her[r]n Rud: Weber Musiklehrer aus Zürich g[e]g[e]nwärtig in Eßl[in]g[en]
Blknbrg am 10 Novbr 1839.


Geehrter Herr.
Gleich nach E[i]ng[a]ng Ihres <vertragvollen> [sc.: vertrauensvollen ?] Briefe[s] d d. Eßlng den 20 8br mit dem
Postzeichen Eslin den 30 8br wollte ich Ihnen schreiben u nun sind seit der
Zeit schon fast 8 Tage verflossen was mir gar sehr leid thut doch wollte sich mir
weg[en] gehäufter Geschäfte dazu gar keine Zeit finden.
Ich hätte gewünscht daß Sie sich in Ihrer Zuschrift bestimmter über die Zeit ausge[-]
sprochen hätten in [we]lcher Sie in ein Verhältniß zu meiner Wirksamkeit zu treten
wünschten obschon in diesen [sc.: diesem] Winterhalbjahr oder erst künftige Ostern nach Ablauf
desselben künftige Ostern dieß würde unseren Verhandl[un]gen darüber mehr Tage
gegeben haben.- Um jedoch diese Kürze noch m[ö]glichst zu gewinnen will ich annehm[en]
als hätten Sie im Sinne noch mit dies[em] Ha[b]jahr einzutreten wodurch nichts weiter
verlohren geht; als daß sich vielleicht bis Ostern manches verändert haben könnte
und dann vor dem wirklichen Eintritt noch eine bestimmte Anzeige von Ihnen
wäre, wenn Sie dann nicht lieber die g[an]ze Verhandl[un]g bis zur an die Zeit der wirkl[ichen] Ausfüh[run]g verschieben
wollen.-
Ihre Liebe zu den ju[n]gen u noch kleinen Kindern, Ihre Liebe u Treue gegen[über] Ihr[em] Vaterl.
und die in dieser Beziehung wenigstens von einer u der nicht unwesentlichsten Seiten in dieser Beziehung <weiteßte>
Wicht[i]gkeit der ächter Kleinkinderpflege so wie die allgem.
Achtung u Anerk[enn]ung meines Wirkens macht mich auf Ihren Wunsch: ei[ni]ge Zeit in mein
sich in meiner meinen Anstalten leben u mitwirken zu können um sich zur Füh[run]g von <an> ähnlichen sich vor[-] und aus[-]
zubilden - eingehend[.]
Nur kommt es vor allem darauf an ob Ihnen die Bed[in]g[un]gen zusagen können die
ich nothwendig dabey stellen muß.
Erstlich würde es Ihnen wie die Verhältnisse jetzt stehen ganz u gar nicht
m[ö]glich werden in Keilhau durch Stundengeben sich die Mittel zu erwerben
welche Ihr hiesiger Auff Aufenthalt erforde[r]n würde indem schon 2 Lehrer d für
Musik in Keilhau sind wovon der Eine fast ausschließend für dieß Fach a[n]gestellt
ist und der andere [ein] sehr guter Gesangslehr[er] u Pianist ist. Dagegen könnte
Ihnen Zweytens von hier von Blknbg aus bey einem solchen innern Ei[n]gehen u Erfassen
der Sache wie es sich in Ihrer Zuschrift [zeigt] eine g[an]z wesentl[iche] Hülfsleist[un]g zur
Erreich[un]g Ihres Zweckes zugesichert werden wenn Sie sich - wovon ich übe[r]ze[ugt]
bey dem Ernste Ihres Strebens nicht zweifle - den entschließen können durch
die Ihnen zu gebote stehenden Fähigkeiten u Anlagen förderlich für die hiesigen
Anstalte[n] im Geiste und nach dem Zwecke derselben mitzuwirken und den
hiesigen Bild[un]gsanstalten täglich 5 Stunden von Ihrer Zeit zu widmen und /
[8R]
zwar so daß Sie 2 St[u]nden tägl. (von 3-5 Uhr Nachmittags) die Führung
der hiesigen Kleinkinderpfleg- Spiel- und Beschäftig[un]g[s]anstalt mit mir
oder mein[em] Fr[eun]d Her[r]n Middendorffen oder auch zwischen uns beyden und
den etwa sonst noch gegenwärtigen jungen sich dafür ausbilden[den] <jun[gen]> Män[n]ern
theilten; welche zwey Stunden ja aber eigentl. selbst schon für Ihren
Zweck die Beabsich[tig]te Ausbild[un]g u Gewandtheit nicht nur etwa <blos> wirksam sondern ganz wesentl[ich] nothwendig wären; wodurch
also von den oben
genannten 5 Stunden nur noch tägl[ich] 3 als wirklich der Forde[r]ung der Anstalt
zu widmen übrig blieben. Ich habe aber mit <Fleiß>
diese 2 Stu[n]den auch zu jenen 3 mitgerechnet, damit Sie sich aus Selbst[-]
best[immu]ng u Fr[e]yheit der Willkühr <begeben> ob s Sie u in welcher Form und mit [we]lchem Zweck
Sie an den Kinderspielstunden Antheil nehmen wollen [.]
Der ausgesprochene Zweck würde also der [sein]: der Förde[run]g der Sache u
der Anstalt seyn - (wodurch Sie sogl[e]ich wenn Sie sich selbst verstehen u
sich lieb haben Ihren e[i]gensten Zweck verfolgen u erreichen[)].
Von jenen 3 Stunden würde aber <täglich> wenigstens wieder
eine seyn welche der Fort- und Ausbild[un]g der Musikalischen Seite
meines Wirkens vor allem gewidmet wäre z.B. Prüfung und Einübung auch
wohl Niederschre[i]ben von Kinderliedchen im Bereich unseres Wirkens u Zwecke
u Gesangs Ausbildung der dabey wirkenden Glieder.
Außer diesen 3 Stunden würde ich nun außs[ch]li[e]ßend 2 Stunden
zur Förde[run]g der Anstalt in Anspruch nehmen über deren Gebrauch ich
mir die Best[i]mmung vorbehalten würde wenn solche nicht gerad zu der tägl. Pflege der Musik < ? [sc.: verwendet würden]>. Doch würden diese sehr häuf[i]g zum
Schreiben Ab[-] oder Niederschreiben bestimmt werden, dessen Gege[n]st[an]d
aber jederzeit im Bereiche unseres Wirkens also auch immer wieder
für Sie belehr[e]nd seyn würde.-
Für diese Leistungen an die Anstalt würde ich Ihnen <nun> zu erst
Wohn[un]g - mit Heizung, Licht, Bette auch Waschen der gewöhnl nöthigen
Leibwäsche beso dann die Kost an meinem Tische wie Theil[-]
nahme an den für die jungen Leute täglich von 9-12 Uhr fest
bestimmten < ? > wie an den sonst häuf[i]g < ? > stattfinden[den] Unter[-]
richte d.h[.] Theil an meinen erziehenden Leben u Wirken Mittheil[un]g[en]
wie solche das Leben giebt zusichern.-
Ihnen nun fr[e]ylich außer diesen noch mit Gewißheit Mittel zur
Bestreitung Ihrer nöth[ig]en Ausgaben zu verschaffen sehe ich keine bestimmte Aussicht /
[9]
Aussicht, das Städtchen ist klein, der gewisse Musiklehrer hinl[än]gl[ich]
da, die es nicht einmal gern sehen würden wenn ihn[en] ein kleiner Verd[i]enst
entging denn wie ich höre werden die Stu[n]den sehr ge[r]ing bezahlt.
Doch könnte es wohl seyn daß sich dazu Gel[e]genh[ei]t fände so <war> z[.]B[.]
jüngst <ein> junge[r] Mannes [sc.: Mann] auf ei[ni]ge Wochen hier der sich we[ni]gstens für die Ford[erun]g
der Spiellied[c]hen musikalisch zu bilden suchte und anstendig dafür den ihn Lehrenden honorirte[.]
Auch würde ich Sonst [sc.: sonst] wohl Sorge tr[a]g[en] Ihnen man[c]hes
Einkomm[en] zu verschaffen nur kann ich dieß nicht - we[ni]gstens in diesem
Augenblick nicht verbürgen[.]
Könnten Sie nun auf diese Anerbietung oder wie Sie es lieber nenn[en] wollen Ford[er]ung von meiner Seite e[in]gehen
so stände Ihrem Eintritte in meine Anstalt wieder so wohl noch zur [sc.: zu] diesem
Winterhalbjahr - den[n], [{]der / mein[}] Curs wi[r]d erst in fast 14 T[a]gen beginnen
oder als zum neuen Osterhalbjahre nichts entgegen.
Sollten Sie jedoch auf diese hier gestellten Bed[in]g[ung]en <vor[ra]n[g]ig> Ihrer
Lage gar nicht ei[n]gehen können, so steht es Ihnen f[r]ey mich mit dem
mindesten Bedarf für ihre [sc.: Ihre] laufenden nöth[ig]en Bedürfnisse bekannt
zu machen und zu sehen ob sich eine Quelle zur Deckung derselben auch
auffinden li[e]ß[e]. <Wie> sage ich daß der Bedürfnisse - wenn Sie denn
nicht vielleicht ma[n]che haben die oft au[c]h die sonst tüchtige Menschen sehr <beeinträch->
<tigen> - wenn dieß nicht ist so sage ich daß der Bedürfnisse hier
wenige sind. Nur anstendige ein u reinliche[s] u einfaches ke[i]nesw[e]ges aber <geld[-]>
spielige Äußere wird hier gefordert
die Gesel[li]gen Vergn[ü]gen sind billig für den welcher nicht von ebe[n]gedacht
<selbstgeschaf[f]enen> Bedürfnissen tyrannisirt wird, wie jü[n]gst auch e[i]n junger
Mann welcher sich u mich dad[urc]h in große Unannehmli[c]hkeit gesetzt hat.
Sie sehen daß ich Aufm[erk]s[a]m bin denn ich halte dieß vorher in achtender Annerk[enn]ung <I[hne]n lieber>
besser als nachher in Verdruß.
So wüßte ich Ihnen nun zur Beantwort[un]g ihres Briefes nichts
weiter zu s[a]gen als nochmals herauszuheben wie sehr mich die Stelle
in Ihrem Briefe erfreut hat in welcher Sie sagen. "Mein Muth
könnte."- Hier haben Sie ein so schönes vaterländisches als
wahres Wort gesprochen. Um dieses Wortes willen würde ich
Ihnen Ihren Aufenthalt b[e]y mir noch mehr erleichtern als ich es zu
<thun mich beachte> wenn d[a]s m[ö]gl[ich] wäre. Ich liebe schätze die Musik und
<Un[d]> achte die Musiker - ich liebe beyde wenn sie uns
den edlen reinen Menschen zeigen u bin ich nun auch kein Nägeli u kein
<Frech> nicht einmal ein La[n]gethal für die Musik (denn ich selbst besitze <sie nicht>)
so hoffe ich doch daß sie [sc.: Sie] mich nicht minder väterl finden soll[t]en, wenn
Sie erfahren haben daß oft hinter in dem vät[e]rl. Ernst die rei[n]ste vät[e]rl.
Liebe wohnt.- Um Ihnen nun so weit es mir jetzt mögl. ist eine
kleine Kennt[ni]ß von dem Leben zu verschaffen so mache ich /
[9R]
Sie auf 2 Aufsätze im die im Allgem. Az d. d. jedoch ohne alle meiner Kennt[ni]ß
wie es scheint von 2 achtbaren Blankenbger Familien aus erschienen sind
neml der erste in No 276 vom 20 8br u der zw[e]yte irre ich nicht in
No 290 vom 24 8br. Letzterer wird Sie jedoch am lebenvollsten
in das hiesige Leben einführen. Wenn Sie sich vorher über das was
[in] Blankbg <reift> u Sie hier finden werden orient[i]eren wollen, so muß ich Sie <aber>
<Erstens> auf diese b[e]yden Blättern Aufsätze aufmerksam <bestimm?> machen.
In der Mitte dieses Monats wird auch ein dritter Aufsatz
in der Fraue[n]zeit[un]g herausg[e]g[e]be[n] von Frl. L. Marezoll
im Verlag b[e]y <Rei[c]hart>
in Leip[z]ig erscheinen. Dieser Aufsatz ist ebenfalls das ergebn[i]ß
des langen Aufenthaltes e[i]ner erziehe[n]den Frau hier u ihres ei[ni]gen
Lebens mit den K[i]ndern.-
Seit de[m] 4 d. M. ist eine 2e solche gr[ö]ßere FilialAnstalt in Frkfr/m
in von der isrlsch [sc.: israelitischen] Bürger[-] u Realschule daselbst <unter>
der Leit[un]g eines gewissen He Hochstädter <[we]lcher währ[end]> <längere> <nähere> Wohn[un]g sich h[i]er <dafür> auszubilden <such[t]e>
eröffnet worden - welche ich Sie zu besuchen auffordere
wenn Sie früher von oder später Frkf a/m
besu durchreisen sollten; auch werde ich Sie
g[an]z besonders auf ein[en] Her[r]n Dr v. Leonhardi (Große Esche[n]h[ei]m[er] Gasse Lt D 158)
aufmerksam machen welcher sowohl mit uns Her[r]n L[an]g[e]thal
so wie unserm g[an]zen Kreis inn[i]g verbunden ist - /