Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Witz in Blankenburg v. 4.12.1839 (Blankenburg)


F. an Friedrich Witz in Blankenburg v. 4.12.1839 (Blankenburg)
(BN 712, Bl 1, undat.Entwurf 1 Bl 4° 2 S.; Brieforiginal BlM X,2, Bl 27-28, 1 B fol 4 S. und Abschrift v. anderer Hand als Beilage S. 28V)

a) Entwurf

       Wohlgeborner HErr
Hochgeehrtester HErr OberbürgerMeister

Schon vor ein paar Tagen war ich so frey Ihnen ein entsprechendes geachtetes Tagesbl[att]
mitzutheilen in welchem sich eine öffentl[iche]
Stimme über die unter Ihrer persönlichen wie unter des
hiesigen hochedlen Stadtrathes einsichtigen Mitwirkung
u Pflege und der achtbaren Bürgerschaft Vertrauen bestehende Kinderspiel[-] u Beschäftigungsschule aus-
sprach.- So eben empfange ich wieder ein freundlich
anerkennendes Wort Schreiben von dem jüdischen
Schulrathe der israelitischen Gemeinde zu Fr[an]kfurt a/M
in welchem derselbe bestimmt ausspricht, wie er nach dem
Muster der hiesigen Anstalt eine dergl[eichen] in Fr[an]kfurt a/M
errichtet habe die sich eines geseegneten Fortganges
erfreut.
Da ich mich nun bey meinem hiesigen Wirken sowohl des
hiesigen hochedlen Stadtrathes als ganz besonders auch
Ew: Wohlgeb: eingehenden freundlichen Unterstützung Förderung so
wie das Vertrauen [sc.: des Vertrauens] vieler achtbaren [sc.: Achtbarer] u Einwohner der Stadt Vertrauen
zu erfreuen habe. So glaube halte ich es
für Schuldigkeit Ihnen u durch Sie dem hochEdlen Stadtrath
das gedachte anerkennende Schreiben in beyliegender Abschrift zur Kenntniß
zu bringen, weil ich einen Wesentl[ichen] Theil des [sc.: der] mir darin /
[1R]
ewordenen Anerkenntniß dem mir hier in Blankenburg so schön
so freymüthig entgegen gekommenen Vertrauens [sc.: Vertrauen] ver-
danke. Möge darum unser aller ferneres gemeinsam und
gegenseitig vertrauendes u anerkennendes
Zusammenwirken dem [sc.: der] hochachtbaren Bürgerschaft
heilsame Früchte u dem hochedlen Stadtrathe
den verdienten ehrenden Dank bringen.
Empfangen Ew Wohlgeboren die Versicherungen
wahrer Hochachtung und freundschaftlicher aufrichtiger
Ergebenheit
[keine Unterschrift]

b) Brieforiginal

[27]
[Eingangsnotiz von anderer Hand:] Eg [sc.: Eingang?] am 5. December 1839.

         Wohlgeborner Herr,
Hochgeehrtester Herr Oberbürgermeister!

Schon vor ein paar Tagen war ich so frey Ihnen ein geachtetes Tagesblatt
mitzutheilen, in welchem sich eine öffentlich anerkennende Stimme über die un-
ter Ihrer persönlich eingehenden, wie unter des hiesigen Hochedlen Stadtrathes
einsichtigen Mitwirkung und Pflege und der achtbaren Bürgerschaft schön[nem]
Vertrauen bestehenden Kinder- Spiel- und Beschäftigungsschule aussprach.
So eben empfange ich nun wieder ein freundlich anerkennendes Schre[iben]
von dem Schulrathe der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a/M, in welchem [der-]
selbe dankend ausspricht: wie er nach dem Muster der hiesigen Anstalt ei[ne]
dergleichen in Frankfurt errichtet habe, die sich eines geseegneten Fortgangs erfr[eut.]
Da ich mich nun bey meinem Wirken hier, sowohl des hiesigen Hochedlen
Stadtrathes als ganz besonders auch Ew: Wohlgeb. freundlichen För[derung]
so wie des Vertrauens vieler achtbaren [sc.: achtbarer] Einwohner der Stadt zu erfreuen [habe]
so halte ich es für eine angenehme Pflicht Ihnen und, durch Sie, dem Hochedlen
Stadtrathe das gedachte anerkennende Schreiben in der beyliegenden Abschri[ft]
zur Kenntniß zu bringen, weil, wie schon gesagt, ich ja einen wesentlichen [Theil] /
[27R]
des mir darinn [sc.: darin] gewordenen Anerkenntnisses dem mir hier in Blankenburg
so schön und so freytäthig entgegenkommenden Gemeingeistes [sc.: Gemeingeist] und Ver-
trauens [sc.: Vertrauen] verdanke.
Möge darum unser aller ferneres derartiges Zusammenwirken der
achtbaren Bürgerschaft heilsame Früchte und dem Hochedlen Stadtrathe
den verdienten ehrenden Dank bringen.
Empfangen Ew: Wohlgeboren noch besonders für Ihre beachtenden
Gesinnungen die Versicherung wahrer Hochachtung und
Ergebenheit
Friedrich Fröbel.
Blankenburg
am 4en December
1839. /

[28]
[von anderer Hand:]

[Ab]schrift
Der Schulrath der israelitischen Bürger- und Real-Schule zu Frankfurt am Main
an
Herrn Friedrich Fröbel in Blankenburg.

Wir statten Ihnen mit Vergnügen unsern Dank ab für die unserem Herrn Hochstädter bei seiner Anwesenheit in
Blankenburg auf die uneigennützigste Weise ertheilte Unterweisung in Ihrer Unterrichtsmethode.
Der Ruf Ew. Wohlgeboren als ausgezeichneter Pädagog ist in Deutschland zu sehr anerkannt, als daß es nöthig wäre
solchen besonders hervorzuheben. Aber die von Ihnen ins Leben gerufene Idee, der Kindheit fast von ihrem Erscheinen an
eine gemüthliche diesem zarten Alter zusagende Beschäftigungsweise zu verschaffen, sie dadurch an Thätigkeit des Gei-
stes und des Körpers zu gewöhnen und ihr[e] physischen und intellektuellen Kräfte auf angenehme Weise zu entwi-
ckeln, zeugt von Ihrem klaren Blick in die Tiefe des menschlichen Gemüthes und wird Ihnen in den Annalen
der Erziehungskunde eine unvergängliche Stelle verschaffen so wie in den Herzen aller Menschenfreunde
der Mitwelt und Nachwelt ein dauerndes Denkmal gründen.
Nach dem von Ihnen aufgestellten Musterbilde haben wir bereits versucht, in dem uns zugewiesenen
Kreise eine Anstalt zu errichten, die gegenwärtig etliche und zwanzig Kinder zählt und, wie wir hoffen sich
des schönsten Fortganges erfreuen wird.
Wir schmeicheln uns, daß Ew. Wohlgeboren uns fortwährend Ihren gütigen Rath ertheilen werden, und
haben die Ehre hochachtungsvoll zu zeichnen
      Ew. Wohlgeboren
      gehorsamste:
der Schulrath der israelitischen Bürger- und Real-Schule
Bernhard Beer-Eskeles,
d. Z. Präsident.
Frankfurt a/M, am 2ten Dezbr. 1839.