Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 7.12.1839 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 7.12.1839 (Blankenburg)
(UBB 85, Bl 282-283, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. + Adr.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 7 Decbr 1839.


Gott zum Gruß.

Vor wenigen Stunden habe ich Deinen l. Brief vom 30 Nov.
erhalten, leider um wenigstens einen Tag zu spät weil gestern Niemand in
Rudolstadt war. Vorerst meine und unsere Freude (Middendorff ist
nemlich auch hier[)] über Deine und all der Deinen Gesundheit und dem [sc.: den] guten
Fortgang Deines Wirkens. Auch uns geht geht [2x] es Gott sey Dank gut und
ich hätte Dir wieder manche neue Fortentwickelung zu schreiben, doch
will sich heut die Zeit dazu nicht zeigen. Ich denke in den nächsten Tagen
an Karl Clemens nach <Morgenthal> zu schreiben und demselben manches
durch die Fahrpost zu senden da werde ich dann auch das eben gedachte an
Dich beylegen. Doch erwähnst Du ja meiner jüngsten Sendungen an Dich mit
keinem Worte in Deinem Briefe, dieß macht mich fast fragend ob ich Dir
noch weiter darüber etwas mittheilen soll oder Dich Deine Schweizerange-
legenheiten so durch und durch erfassen daß das deutsche und allgemein Menschli-
che darüber das Interesse für Dich verliert.- Doch wie gesagt, das meiste
für Karl Clemens ist schon zusammen gelegt (und ich denke es künftigen
Mittwoch mit der Fahrpost an ihn abzusenden, dann auch für Dich das
oben gedachte[)].- Du wünschst von mir Ver[s]chen, Liedchen, Reimchen
oder wie Du es nennen willst zur 3n und 4n Gabe, um sie mit
angemessenen Tönen zu verknüpfen; ein schöner Wunsch; hier
empfängst Du - denn ich habe mich, so viel auch vor mir zu thun liegt -
sogleich ans Abschreiben gesetzt - einstweilen 3/4 Hundert
zur 3en Gabe. So bald Du mir die, welche Deinen und Deiner Kinder
Beyfall haben erhalten, vielleicht mit den von Dir erfundenen, mit Noten
und Tönen zurücke schickst, sogleich sollst Du wieder ein anderes
3/4 Hundert oder einen frischen ¼ Bogen erhalten. Wenigstens
mit einem ¼ tausend solcher Verschen und Reimchen kann ich
schon dienen welche abwechselnd alle in Anwendung kommen und es
soll mich freuen wenn Du sie mit recht klang- und sangvollen Tönen
- (im Fall sie anders Deinen Beyfall erhalten) beschenken willst.
Wegen des französischen Sprachlehrers hat Barop sein Ultimatum an /
[282R]
Ferdinand geschrieben: nemlich um jeden Preis einen tüchtigen Sprachlehrer
sobald als nur möglich zu verschaffen. Es geht Dir damit auch wie Du mir
schreibst daß es mir mit euch gehe, daß ich mich nicht in Deine Lage versetzen könne;
Keilhau ist dem größten Nachtheil Preis gegeben wenn diese Lücke nicht bald aus-
gefüllt wird. Also das Hemmniß des Gehaltes wird - da das kleinere Übel
immer das leichter zu verschmerzende ist - Barop in seinem Briefe an Ferdinand
aufgehoben haben. Auf diesen Brief bezieh ich mich einzig, er ist gestern an ihn
abgegangen.- Nun zu meinen Angelegenheiten. Auch mich setzest Du mehr[-]
fach in unangenehme Verlegenheit. Erstlich schreibst Du mir jetzt erst daß
von der 1en u 2en Gabe fast nichts verkauft ist; dieß hättest Du mir
gleich in dem ersten Briefe vor Monaten als ich diesen Gegenstand berührte
klar schreiben sollen, so hätte ich Dir sogleich den Auftrag gegeben eine
Sendung davon nach Frankfurt a/m zu machen. Ich bitte Dich also so
schleunig als es nur immer möglich ist
25 bis 30 Exemplare 1e und 2e Gabe nebst Zubehör
und zwar die 1e Gabe oder Bälle von verschiedenen Farben
und 20 bis 25 Exempl. Sonntags Blatt I[.] Band nebst
allem Zubehör und die 5 Nern vom 2 II[.] Bd nebst Lithograph[ien]
Von [sc.: von] Basel aus mit der Schnellfrachtfuhre an die bSchmer-
ersche Buchhandlung in Frkfurt
 a/m zu senden.- Die Schnell-
frachtfuhre ist keinesweges etwa eine Post, sondern ist auch
Güterfähre, die aber auch Tag und Nacht mit Relais fährt.
Du wirst wegen dem Zollverbunde, das Nöthige mit den
Declarationen befragen; vielleicht auch bemerken daß es in Deutsch[-]
land verfertigte Waren sind, welche zurückgesandt werden.
Du wirst Sorge tragen, daß die Sachen noch vor Weyhnachten in Frankfurt eintreffen.
Das zweyte ist was ich ganz und gar nicht begreife was warum Du mir
den längst versprochenen Wechsel von mindestens 80 £ [sc.: Laubthaler ?] nicht
sendest, schon ehe Du die letzte größere Sendung von der 5n Gabe erhältst
sprachst Du davon, und ich rechnete darauf; nach dieser Sendung
glaubte ich wenigstens 100 £ zu erhalten und nun immer noch nicht. /
[283]
Es scheint Dir, ich muß es nochmals erwähnen auch in Beziehung auf mich zu gehen
wie Du mir in Beziehung auf Dir [sc.: Dich] sagest: daß Du Dich nicht an [sc.: in] meine
Lage und Forderungen versetzen kannst. Ich weiß gar nicht was Du
mit der Übersendung dieser Gelder und der gedachten 80 £ mit Ferdi-
nanden zu verkehren hast ich habe Dir gleich Anfangs gesagt, daß
diese Sache und Anstalt rein in sich selbst besteht; wie sollte sie denn
sonst bestehen nun bringst Du diese Sache mit Ferdinand und Willis[-]
au und dem französischen Sprachlehrer in eine Mengerey was gar
nicht zusammen gehört. Ich habe es Dir ja schon so oft so bestimmt geschrie[-]
ben. Ich weiß gar nicht was ich von Dir und Deiner Forderung der Sache
denken soll; brauchte ich das Geld jetzt nicht würde ich nicht darum ge-
schrieben haben; seit einem Jahre fast bitte ich Dich mir eine <Übersicht>
der gesandten <vertriebenen> Sachen zu schicken; hättest Du es nun doch 14 Tage
früher gethan, so hätte ich die Weyhnachtsforderung so schon durch
die Schweizervorräthe decken können. Ich bitte Dich also nun [um]
die beyden Sachen, um die Absendung des Wechsels und um die Se[ndung]
der Waaren nach Frkfurt. Es ist ganz gleich wohin der Wechsel lautet
Frankfurt oder Leipzig[.]
Übrigens kannst Du auch 50 und 60 und mehr Exempl. 1' und 2e
Gabe nach Frankfurt senden, ebenso mit dem Sonntagsbl.;
was soll die Sache sich dort verliegen wenn Du keinen Absatz dafür
hast; melde mir dann sogleich was nach Frkfurt abgegangen ist und
was Du vielleicht noch besitzest. Die Sonntagsblätter aber die
Du nach Frkfurt sendest müssen vollständige Exemplare
d.h. ein completter I[.] Bd und vom II[.] Bd No 1-5 nebst Bey-
lagen seyn.-
Barop hat von seiner Reise 3 neue Zöglinge - Knaben aus
der Familie Barop-Middendorff mitgebracht.- In Keilhau
ist alles wohl wie in Erfurt und Jena. Daß Deinem Br[u]der in Jena
beym Antritt seiner Professur von seine Zuhörern ein Schmaus
gegeben und ein silberner Pokal überreicht worden ist, wirst
Du von ihm wissen.- Gott schenke Euch allen vergnügte Feyer[-]
tage. Dein Gruß an die Fürstin M. ist bestellt.
DFrFr. /

[283R]
[Adresse, Poststempel Rudolstadt, 8.12.1839:]
Herrn Heinrich Langethal
Vorsteher der Waisenhaus Erziehungsanstalt
           in
Burgdorf
Kanton Bern
Schweiz.