Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 12.12.1839 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 12.12.1839 (Blankenburg)
(UBB 86, Bl 284-286, Brieforiginal 1 ½ B 8° 6 S. Es gibt zwei F.-Briefe v. 12.12.1839 an Langethal; hier handelt es sich um den ersten, da F. den anderen am Abend schreibt.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 12 Decbr 1839.


           Gott zum Gruß!
           Lieber Langethal.

Wie mich Dein voriger Brief erkältet hatte, so hat mich Dein jüngster wieder
erwärmt. Nein! Dein voriger Brief l. Langethal, der war ja aus dem äußersten
Norden geschrieben da war ja auch kaum ein Funke allgemeinen Lebens drinne[n]. Ich
kann Dir gar nicht sagen wie derselbe erstarrend und vernichtend auf [mich] gewirkt hat.
Man sah darin nur den sich vereinzelnd hinstellenden Schweizer darinn, denn wie
es mir damit ergieng, so gieng es auch andern damit. Ich gestehe Dir darum ganz
offen, daß wenn nicht der jüngste Brief wieder das Eis aufgethauet hätte Du
schwerlich in diesem Jahr noch einen Brief von mir erhalten haben würdest und
kaum einen zum Beginne und im ersten Monat des neuen Jahres. Nein! daß
das einzelne Leben wie ja das einzelner Kantone und selbst der ganzen kleinen Schweiz
immer nur ist, daß ein solches persönliches Leben das allgemeine Leben in Dir so zurück
drängen könnte wie sich das in Deinem vorigen Briefe mir und uns aussprach, Nein!
das hätte ich nimmer von Dir Langethal gedacht. Was ist denn die ganze kleine winzi-
ge Schweiz und noch vielweniger ein Kanton oder nun gar nur eine einzige Stadt
derselben wenn sie nicht mit Bestimmtheit das ganze Menschheits- und menschheit-
liche, das reine Menschheitsleben pflegend und schützend in sich aufnimmt[?] Daß es
die ganze Schweiz, daß es ein einzelner Kanton, eine einzelne Stadt, eine [sc.: ein]
einzelner Ort in der Schweiz thun könne, wer zweifelt daran, allein auch
dadurch erringt sie sich nicht die Krone, daß sie es wirklich auch thue. Ja!
das unbedeutend kleine, arme, abhängige Blankenburg, welches sich ja nicht ein-
mal mit Langenthal, vielleicht kaum mit Kirchberg vergleichen läßt ist mir
ja in seiner vielseitigen hohen großen Unvollkommenheit lieber als das reiche Burgdorf.
Wir haben nun seit mehr als 8 Jahren in der Schweiz und für die Schweiz durch
die beyden Kantone Luzern u Bern redlich und treu, Du selbst hast seit 4-5 Jahren für sie
ihr durch beyde mit der vollsten Manneskraft gearbeitet; nun muß
es auch zu einem entsprechenden Ergebniß kommen. Was die Schweiz seyn kann
ich sage es nochmals, das soll uns nicht blind machen gegen das was sie ist und thut
das ist und war meine Lebenspraxis, mein Lebensgesetz gegen einzelne Menschen,
gegen bestimmte Zeiten einzelner Menschen, wie gegen ganze Vereine, und soll
meine Lebenspraxis, mein Lebensgesetz gegen einzelne Orte ja gegen ganze
Länder seyn. Der Menschheit gehört unsere Kraft und nur dem Einzelnen in so
fern er sich als organisches Glied des Ganzen, der Menschheit bethätigt, wir glauben
daß er als solcher sich wecken und bethätigen lasse. Täuscht uns aber der Einzel-
ne, mit oder ohne Bewußtseyn, mit oder ohne freye Selbstthätigkeit und zeigen
sich Punkte wo man, mit oder ohne Willen, mit oder ohne Bewußtseyn, aber
thatsächlich factisch seyn will, seyn möchte was man seyn soll, und dazu auch
die kleinste unbedeutend scheinende Kraft gern gebraucht, gern anwendet,
dahin zum Kleinsten, Ärmsten, Unscheinbarsten, soll man dann seine Kraft
seine ganze Kraft zum Wohle des Ganzen, zum Wohle der Menschheit hinwenden[.]
Nicht dahin soll man förder seine Kraft wenden, wo man sagt, wir haben Kraft
und Mittel wir können viel, viel thun; sonde und doch im Wesentlichen, fürs Allgemeine /
[248R]
keinesweges das thut, was man thun könnte und sollte, sondern dahin sollen
wir unsere Kraft wenden, wo auch die im Bewußtseyn kleinste Kraft und gering[-]
sten Mittel sich völlig zur Förderung des Ganzen hingeben wenn sie dafür geweckt,
dafür in Anspruch genommen werden. Darum ist für uns jetzt ein anderer Maaß[-]
stab für die Schweiz und Deutschland, zwischen der Schweiz und Deutschland als vor
Acht, 9, Zehen Jahren eingetreten, und wir, wir sollen nun weise werden u
weise seyn und sollen diesen Maaßstab nun anlegen, denn wir sind Männer
geworden und mann [sc.:man] nennt einen von uns, man nennt mich sogar wohl
schon einen Greis, und das Menschenleben, jedes Menschenleben hat nur eine
bestimmte Kraft, hat nur eine bestimmte Länge, allein es hat die Bestimmung
mit dieser Lebenskraft, mit dieser Lebensdauer mit dieser Lebenslänge das größt
Möglichste zum Wohle der ganzen Menschheit zu schaffen, zu thun, zu wirken
wo seine Wirksamkeit mit Erfassung des Einzelnen am schnellsten sich ver[-]
breite dahin soll der Mann seine ganze Kraft wenden.- Wo der Mensch
- das sehe ich jetzt klar ein - schon glaubt etwas zu seyn,
oder sogar schon weiß
daß er etwas ist schon ist, da ist wenig oder nichts zur machen, so
z[.]B. mit dem Amerikaner; das Wort ich bin freyer Amerikanischer Bürger
das sehe ich schlägt alles gute, d.h. sittlich u menschlich Gute in Ameri-
ka todt, lähmt es wenigstens, statt es zu beleben. Ebenso geht es mit dem
freyen Schweizer Bürger - gilt geht es mit dem Bürger jeder schweizerischen
Stadt. Der Deutsche weiß kaum noch, fühlt es wenigstens kaum in seiner
Richtigkeit u Bedeutung daß er Deutscher ist und was es heißt Deutscher
zu seyn und das ist gut, darum kann und wird er Deutscher so werden,
wird er sich einmal als Deutscher fühlen und erkennen, wird er ein-
mal als Deutscher denken, handeln, seyn leben, denn er will nur
denken, handeln, seyn, leben als das was er wirklich ist, nun ist er aber
durch sein Land, durch seine Sprache, d[urc]h seine Sitten rc, rc, rc rc
Deutscher, nun so wird er auch einmal tüchtiger, ganzer Deutscher
werden u seyn. Der Blankenburger Bürger ist in den Augen der andern
Benachbarten Bürger etwas wenig, allein er will nun Blankenburger
Bürger werden und so wird sich allgemeiner Bürgersinn rc, rc, rc
in ihm entfalten. Es geht hier in allen diesen Fällen wie dem Kinde.
Das Kind weiß das [sc.: , daß] es nichts ist, höchstens das [sc.: daß] es klein u schwach ist
und das [sc.: daß] es ein Kind ist, darum will es groß, stark, ein Mann
eine Frau rc, rc, werden nun aber ist das Kind seinem ganzen Wesen
nach Mensch will aber dennoch bey allem jenem Wollen dasselbe immer nur
als Kind d.h. ein Spiel, und so wird das Kind
groß, stark, ein Mann, eine Frau und in all diesem (:ich sage
nochmals weil es fühlt, daß es als Kind wenig oder Nichts sey) - ein
Mensch, wahrer ächter Mensch. Darum siehst Du daß ich meine Kraft
dahin wende wo ich den Menschen noch im Nichts oder wenn Dir dieß zu stark ist in seiner Schwäche <ruhend> sehe, in dem Kinde[.]
Siehe so hat mich nun Gott endlich im
heißen Lebenskampfe (:wie ich in der Großmutter Wiegenliede gleichsam
prophetisch mir selbst singe:) zu seinem Kinde, zu seinem Sohne geboren; denn
Gott schuf auch aus Nichts und Jesus der Sohn sagt;: wir sollen wie der Vater werden. /
[285]
Du lieber Langethal schreibst mir, daß es Dir auch nicht möglich werde mir nur
das Wenigste über den jetzigen Stand dergesammten Schweizerischen Wir[r]en
mitzutheilen und wie die Zürcher Ereignisse durch alles hindurch bis in
das Kleinste wirken - wir Middendorff u ich obgleich selbst in der
Schweiz gelebt habend würden es doch kaum verstehen, könnten es uns, siehe
mein theurer Langethal, so ganz bis auf das Joda [sc.: Jota] so müßte ich Dir
von meinem Standpunkte aus von meinem und unsern [sc.: unserm] Wirken hier
in Blankenburg aus schreiben; nicht einmal und mit Einem Worte, kann
ich Dir jede der verschiedenartigen Wirkungen die von hier aus jetzt
über und durch Deutschland jetzt gehen andeuten, nicht einmal das Dir
in einigem Zusammenhange so mittheilen was in meinem eigenen
ganz kleinen unbedeutenden Wirken hier in Blankenburg, welches wie
ein Fruchtauge an einem Zeiserchen hängt mittheilen. Nur Eines kann
ich Dir sagen aber, dieses Eine bilde Dir aus: - Alles was Du mir
aus der Schweiz zu sagen hast und sagen könntest ist rein das Gegentheil
von dem was ich Dir von hier von dem hiesigen Wirken zu sagen hätte[.]
Du kannst mir nur von der Gewalt der [{]politischen / schweizerischen} Lebenswirren
dagegen ich Dir nur von der Macht eines unscheinbaren {deutschen / einigen} Kinderhimmels,
schreiben.
Ich will Dir unbefangen und offen aussprechen was ich nach Empfang Deines
vorigen Briefes eben in Beziehung auf jene Wirren und in Hinsicht auf Deinen
hohen Lebensberuf und die Pflicht von dessen treuer Erfüllung zu Middendorff
sagte: höre! - "Ich wollte nur die Schweizer jagten den Langethal auch
fort, dann träten doch die Schweizer ihren Wirren den Boden aus und man
sähe das Leere und Nichtige Äußerliche und man wüßte dann klar was
man an ihnen hätte, und Langethal der würde vor der Erstarrung und Ver-
knöcherung bewahrt."-
Du siehest und hörest mein theurer Lgthl! meine Überzeugung ist in Beziehung auf Dich
noch stets die Alte: - Kannst Du nicht mit Deiner Kraft von Deinem Wirken, und
Standpunkte aus die Schweizerischen d.h. für Dich die Burgdorfer Verhältnisse und
Umstände im Interesse der Menschheit und Kindheit bestimmen, d.h. Verhält-
nisse, Umstände, Personen in diesem Ver Interesse zusammenwirkend machen so
mußt Du wie die Sachen der Kindheit u Menschheit jetzt stehen: die Schweiz ver[-]
lassen nemlich so: Du mußt mit Bestimmtheit fordern was Du im gedachten
Interesse nothwendig fordern mußt und sagen: - wollt, könnt, dürft, mögt
ihr [sc.: Ihr] mir dieß nicht reichen nun gut, so ziehe ich: Mache und gehe Du nur vor-
wärts, Du schreibst es mir ja selbst Deine Freunde, Deine schweizerischen Freunde
werden zuerst nachhicksen und dann nachgehen, thun sie es nicht nun so
hickse Du und endlich gehe Du nach Deutschland zurück. Wenn die Schweiz
nicht Deine Kraft unterstützen, Dein Wirken durch Auffopferung [sc.: Aufopferung], d.i[.] blose [sc.: bloße]
Hergabe von Mitteln fördern will; dann brauchen wir die Schweiz
nicht länger im Interesse der Kindheit u Menschheit denn Stoff d.i[.]
Kinder haben wir jetzt und freudige in Deutschland genug und unsere
Kraft, Einsicht rc rc können wir, sind wir zumal geeint jetzt wie
die Sachen stehen auch zu Mitteln gerad heraus gesagt zu Gelde machen. /
[285R]
Also Kinder haben wir. In meiner Spiel-, ich nenne sie Lebensschule sind 100
sage EinHundert Kinder eingeschrieben.- Vor einigen Tagen waren wieder
3 Fürstinnen 2 große u eine kleine bey uns, nicht äußerlich sondern mit ganzem
Leben: die Prinzeß Albert von Rudolstadt (Tochter der Königin von
Hannover mit ihrer kleinen Prinzeß Elisabeth, dann die Prinzeß Ma[-]
thilde zu Schaumburg-Lippe Tochter des jetzt reg. Fürsten zu Schaumb[ur]g Lippe.
Da waren 80 und etliche Kinder gegenwärtig. Die Fürstinnen spielten selbst
mit und Middendorff gewann durch das kleine Töchterlein ganz besonders
das Herz der Mutter.- Vorgestern gab die Prinzeß Karl (Schwester
der Fürstin Mutter rc) meiner Lebensschule ein Fest; das waren
noch mehr als 100 Kinder gegenwärtig von 2 bis gegen 5 wurde
abwechselnd gespielt und gesungen und in der Zwischenzeit den Kindern
Erfrischung gereicht.- Gegen 9 bis 12 deutsche Fürstenfrauen; (die
mehresten sind Dir davon schon genannt) sind und werden jetzt für
die Sache der Kindheit gewonnen. Eine Anstalt für Kinderpflegerinnen
(Kindermädchen, Kinderzieherinnen) wird jetzt hier mit der Anstalt ver[-]
bunden. Zu Neujahr tritt ein von der Fürstin Mutter u ihrer <erlauchten>
Schwester selbst ausgewähltes Mädchen auf 3 Monate ein, (länger er[-]
laubt es die Zeit nicht[)] und ist dann in eine Familie nach Frankfurt a/m
bestimmt.- Künftige Ostern werde ich einen streng wissenschaftlichen
Kurs mit dem Ganzen verbinden er wird zunächst mit einem jungen
Manne, welchen die Prinzeß Caroline zu Schaumburg Lippe (jetzt in R.[)]
hierhergeben wird beginnen, der junge Mann ist Grimme seit 5/4 Jahren 
Lehrer in Keilhau. Nach Keilhau sendet die Prinzeß eine[n] anderen.
Also für die Kraft giebt es auch Arbeit; und hat Blankenburg auch
nichts zu bieten, so giebt es jetzt die als allseitigste Gelegenheit auf das
Fruchtbringendste seine Kraft in Mittel zur Fortbildung des Ganzen
zu machen. Siehe so stehen [sc.: steht] die Sache in Deutschland. Ich habe nichts da-
gegen daß Du in der Schweiz bleiben willst u bleibst aber dann
muß[t] Du die Schweiz erheben vorwärts drängen; indem Du sagst:
das muß seyn und thut ihr [sc.: Ihr] es nicht so ziehe ich, ziehe in patriam. <Gä>-
be Gott vor Augen u[n]d im Herzen sagst Du mir ja selbst von der Canzel
oder würdest es wenigstens sagen wärest Du nicht ein Pfleger der Kindheit[.]
Nun siehe Gott spricht durch seine Werke. Wie wenn der Frühling komme
nicht keimt u blühet nicht keimen, nicht blühen will wie wenn die Sonne scheint nicht reifen will, die
Sonne wartet nicht, sie zieht von dannen[.]
Gott aber ists der in der Sonne wirkt, der durch sie handelt u wir sehen
gleich u handeln, unser Kinder- und Kindheit u Menschheit liebender
um sie [sc.: ihrer] willen gestorbener Meister sagt es. Dieß ist gewiß mein letzterer Brief
den ich nach der Schweiz schreibe, wenn dieser nichts fruchtet, denn
was habe ich mit der Schweiz zu schaffen, wenn sie nicht das Werk der
aufkeimenden Menschheit der Kindheit alles Ernstes fordern will, nun
zeigt ihr aber Deutschland wie?- Nun soll uns die Schweiz die Mitte[l]
geben das Wie? - nachzuführen. Gieb[t] sie uns diese Mittel nicht
so wollen wir unsere Kraft nicht förder vergeuden sondern diese Mittel hier suchen[.] /
[286]
Ich schrieb Dir oben daß Dein jüngster Brief mich erfreut habe; ja! allein ich
bin auch über ihn ganz erstaunt gewesen. Darüber daß Du den Ball -
die Kugel und den Würfel noch nicht zum allgemeinen Mittelpunkt
Deiner Spiele erhoben hast; da hast Du ja nur das Fleisch ohne den fortent-
wickelnden Kern. Siehe in meiner Lebensschule brauche ich mehr als
30 Bälle zugleich und 50  ja 72 Würfel und gegen 50 und mehr
Kugeln sind zum gleichzeitigen Gebrauche bereit.- Diese E einfachen
Spiele sind sehr häufig den Kindern wegen ihrer rhyt[h]mischen und
Melodischen Gemeinsamheit die liebsten. Hättest Du mir doch nur ein
freundliches Wort davon geschrieben - (ich konnte es ja nicht ahnen[)] - längst
hätte ich Dir für diese Gegenstände allgemeine Spiele geschickt - Spiele
die aus dem Geiste u Leben der Kinder selbst hervorgegangen sind und
die hier mit der größten Lust gespielt werden.
Ein großes und doch höchst einfaches Spiel mit am Ende 50 und mehr
Abänderungen und Anwendungen erhältst Du jetzt. Sind nun die Kugel[n] -
Würfel u Bälle d.h. die erste u zweyte Gabe noch nicht abgesandt, so
fordere zu deren Ankauf, die Anweisung von mindestens Hundert
Franken. Nimm die Sachen für Deine Anstalt aus dem Umgang; dann sende
mir das Geld - (:so will es die Natur, der duftende Baum soll fleischiche, näh[-]
rende, saftende Früchte tragen - so will es Gott durch die Natur - nicht ich!
Gott gab mir das Bedürfniß nicht ich!-:) sende mir das Geld in Wechsel[n]
dann will ich mich hinsetzen und Dir <noch> einen auch wohl zwey Blätter allgemeine
Spiele für Deine Kinder schreiben. Diese allgemeinen
Spiele sind es, die allgemein ergreifen. Und wie ich Dir schon schrieb; sen-
dest Du mir Melodien; so sende ich Dir Verschen, Reimchen, Liedchen
wie Du sie nennen willst; doch arbeiten auch hier viele dafür mit mir doch
sind viele Deiner Liedchen den Kindern sehr zusagend; doch haben wir auch kein
Liedche[n] ohne Melodie. Schon bin ich vielfach aufgefordert worden unser
Liedchen Büchlein heraus zu geben so gefallen sie. Also nochmals Lgethal
Nichts, kein Geld kann ich Dir bieten allein; willst Du Priester der Idee
seyn sch willst Du für sie arbeiten so soll es Dir an keinem Mittel zum
schönen Lebensunterhalte fehlen.- Also tritt auf als Mann: die Wahrheit
hast Du hinter Deinem Rücken, die Überzeugung im Geiste, die Kindheit u Menschhei[t]
trägst Du im Gemüthe und den Erfolg hast Du, das Leben unter Deinen Füßen.
Nun nochmals willst Du in der Schweiz bleiben ich habe nichts dagegen
allein dann mußt Du Rath annehmen und die Sache anders angreifen.
Die Idee wächst Dir und mir in ihren Entwickelungen hier über den Kopf
ich kann mich Dir nicht mehr wie bisher mittheilen, die Zeit u die Kraft
langt nicht hin - also kannst Du nicht kommen so sende und sey es auch
auf Deine eigenen Kosten (:wie gesagt wenn Du in der Schweiz bleiben
und am Ende selbst Schweizer werden willst:) sende dann auf Deine
eigenen Kosten auf ¼ bis ½ Jahr (eigentl[ich] nicht auf weniger[)]
einen jungen Menschen hierher blos um Dir alle Woche zu
referriren was hier geschieht, Dir Darstellungen von allgemeinen
Spielen zu senden rc. rc, aber auch selbst mitzuspielen, damit er, /
[286R]
kehrt er zurück, durch das Thun verdeutlichen kann, was durchs Wort unklar blieb,
So ein junger Mann kostet ja zu erhalten ein Halbjahr keinen Kopf. 200 und etliche Fran-
ken damit läßt sich schon auf ½ Jahr etwas erreichen. Für Un-
terricht will ich nichts haben aber für Kost kann ich nicht sorgen, d.h. die
kann ich nicht unentgeltlich geben. Ist es Dir zu viele, so tritt mit Carl Cle-
mens
und Ferdinand Fröbel, tritt mit dem Pfarrer Franke, tritt
mit dem Pfarrer Bitzius zusammen; wahrlich Ihr 5 werdet doch 100 rth.
prC. also jeder Zirka 50 Franken zusammen bringen können. 75 rth kostet der ½
jährige hiesige Aufenthalt wenn der junge Mann bey mir u mit mir lebt. 25 rth
bleiben ihm zur Hin- und Zurückreise. Dann bekommt ihr [sc.: Ihr] aber auch die Idee
lebenvoll gestaltet in Eure Hand u könnt sie dann für Eure schweizer
Verhältnisse bearbeiten.- Carl Clemens scheint mir geachtet in seinem
Wirken dazustehen er scheint sich wieder innig mit unserm Leben einigen zu wollen
hier - durch Pflege - Fortpflanzung der neuen Idee hat er Gelegenheit dazu.
O Überlegt die Sache - je mehr ich denn durch den Absatz der Spielmit-
tel in den Stand gesetzt werde, die Sache zu fördern, um so mehr kann ich dann
auch in dem Stande seyn geistig Eure Sache und Euer Leben zu fördern, so wird
es dann wieder ein schönes Ganze[s]. Allein damit ich geistig frey und innerlich frey
thätig wirken kann müßt ihr [sc.:Ihr] [mir] nicht noch äußere Sorgen auf
den Hals schieben sondern im Gegentheil abnehmen; diese Erleichterung erwarte ich mit kurzem [sc.: kurzen] Worten durch
Absatz der Spielmittel von der Schweiz
ist dieß nicht möglich muß ich meine Kraft, welche z.B. lange darstellende
Briefe fordern zur Förderung meines eigenen Lebens anwenden; so stehen die Sachen.-
Ihr schreibt mir das Volk müsse zur Theilnahme vorbereitet werden.
Gut ich habe nichts dagegen. Ihr seht aus dem Allgem: Anzeiger und aus der
Frauenzeitung (:die ich zu diesem Zweck Dir unmittelbar zu übersenden
für gut halte auch selbst wenn der Brief Dir [sc.: Dich] 25 Batzen kosten soll[t]e:) daß
wir und die Freunde der Sache dieß hier auch thun. Die Volkshalle
wenn sie in der Schweiz viel gelesen wird ist mir schon recht wenn
sie mir - wie sie wohl könnte - die Sache aus ihrem rechten Gesichts[-]
punkt behandelte. Auch habt ihr [sc.: Ihr] ja nun wahrhaft Stoff genug ihr oder
deren Redaction zu überschicken.- Die hallischen Bl. für Kü[nste] u Wissensch[aft]en
- die zwey Allgem: Anzeiger - dann den Aufsatz von der Fr: von
Man[n]sbach
- dessen Du ja gar nicht erwähntest und jetzt hier wieder
den Aufsatz in der Frauenzeitung eigentl[ich] von derselben Fr. v. Mannsbach.-
(:Im Vorbeygehen könntest Du nicht der Frauenzeitung einen Platz auf dem
Lesetischchen in den Lesezirkeln zu Bern u Burgdorf verschaffen?-:)
Den Herrn Fröhlich grüße auf fröhliche Weise von mir und sage ihm
fröhlich sprösse begönne still und zurück gezogen ein neues Deutschland aus der Kindheit zu entsprossen
und fröhlich könne man hoffen
Deutschland wieder d[urc]h Deutschland zu finden u in Deutschland zu haben.-
Er soll mich ja u ja jedenfalls besuchen; solle er kein Director in Bern
werden können so solle er zu mir kommen ich wolle ihm ein anderes Directo[-]
rium zu verschaffen suchen wo er durch freye Wirksamkeit im Interesse der
Menschheit auch ein fixes Einkommen habe. Bald mehr DFrFr /
[286V, Rand]
(Von Mathilde Kramer ist noch nichts eingegangen. Durch Freunde, Freund! sendet man kein Geld.- Mache ja, daß nach Neujahr der junge Franzose eintritt.
[285R, Rand]
[sachlich Nebenbemerkung zu 285R, mit Einfügungszeichen beginnend, das aber kein Pendant im laufenden Text hat:])
* Bey dem gedachten Feste waren der Ge Superintendent - der Rath u Amtmann - und der Oberbürgermeister der Stadt u mehrere Bürger gegenwärtig.