Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 15.12.1839 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 15.12.1839 (Blankenburg)
(UBB 88, Bl 288, Brieforiginal 1 Bl 8° 1 ½ S.+Adr. - Die erwähnten beiden beiliegenden Abschriften von Briefen Hochstädters scheinen nicht erhalten zu sein.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 15 Xr 39.


Mein lieber Langethal.

Du wirst Dich gar sehr wundern heut schon wieder einen Brief von
mir zu erhalten; ich muß Dich eigentlich deßhalb um Entschuldigung
und Nachsicht bitten denn der Grund davon liegt eigentlich in meiner
durch des Lebensdrang herbey geführten Vergessenheit. Wie dieß leider
auch schon bey meinem jüngsten Briefchen an Dich es der Fall war.
Ich habe nemlich heut auf den mehrseitig an mich ergangenen
Wunsch und Aufforderung einen Brief an Carl Clemens nach
Morgenthal abgehen lassen; ich hielt es den Umständen angemessen
ihm das hiesige neue Unternehmen in einer Art historischen Zusammen[-]
hang und in Beziehung auf den Erfolg besonders mit einigen Thatsachen
Beweisen vorzuführen. Im Augenblick des Absendens nun be-
merke ich zu meinem Leidwesen, daß die Abschriften von zwey
Briefen, die neuerrichtete Kinder- Pflege- Spiel- u Beschäftigungsans[talt]
zu Frankfurt a/m betreffend mangelten. Die etwas starke und
schon lange Zeit hier auf Abfertigung gewartet habende Sendung wollte
ich deßhalb nicht länger zurück behalten, so sandte ich die Sachen ohne diese
Abschriften ab. Nach dem Abgange derselbe[n] aber las ich die Brie[-]
fe selbst nochmals und fand, daß sie nicht allein in das an Karl
Clemens geschickte Ganze nothwendig gehörten, sondern daß
es auch nach meinen und unsern jüngsten Mittheilungen von
hier an Dich, für Dich zur Kenntniß des ganzen Standes der deutschen
Entwickel[un]g der Unternehmung gut sey, wenn Du nicht allein diese
Briefe, sondern wenn Du sie auch bald bekämest. Da setzte ich
mich denn sogleich sie zuerst zum Lesen für Dich, vielleicht auch zur
Mittheilung von Fröhlich - dann aber besonders zur Abgabe an
Karl in Morgenthal abzuschreiben. In Deutschland sind wie
Du aus der Beylage siehst vielseitig die jungen KinderspielAnstalten
ein neues Lebensband, vielleicht auch bey Euch. Karl wird Dich
besuchen dann kannst Du ihm für das was er Dir von hier mittheilen
wird, diese Abschriften zur Gegengabe schenken. NB Vergiß ja nicht
durch den jungen Sprachlehrer die ersten übercompleten No des S. Bl[.]
mir zu schicken. Mid[den]dorff meynte es seyn 15-18 Exemplare. D. FrFr /

[288R]
Denkt Euch! Luise Frankenberg hat einen langen Brief nach Keilhau geschrieben
mit dem anfragenden Wunsche ob sie nicht, im Fall sie aus Amerika
zurückkehre wieder in Keilhau in ihre alten Verhältnisse eintreten könne;
oder vielmehr: - wenn S sie in Keilhau wieder eintreten könne würde sie aus
Amerika zurück kehren.- Frankenberg hatte schon bey mir angefragt ob ich sie
nicht vielleicht einmal an Malchens Stelle in meine[r] Wirthschaft brauchen könne
dieß ist aber nicht was mein Herz ersehnt u bedarf. Ich bedarf Klarheit, Bestimmt[-]
heit; finde ich die nicht ganz; dann suche ich zu behalten was ich habe. Eine Tochter meiner Fr: wünsche ich.
Nochmals muß ich Dir bestimmt aussprechen: Ich halte die Hochstädterschen
Briefe d.h. die Entwickelung in Frankfurt, zur Stellung Deiner Verhältnisse
und Wirksamkeit in B. wichtig; sonst würde ich doch mehr Anstand ge-
nommen haben Dir heut schon wieder zu schreiben; aber ich finde nirgends in
meinem Notizenbuch bemerkt, daß ich Dir diese Abschrift schon gesandt habe.
Ist es aber schon geschehen dann doppelte Bitte um Nachsicht mit dem Vergessenen. /
[288V]
[Zwei Nachschriften am Seitenrand:]
Gott schenke Euch allen recht vergnügte und heitere Weyhnachts[-] u Neujahrfeste. Allen herzliche Grüße.
Künftigen Freytage also am 19' werden wir das Fest feyern, welches die Fürstin Mutter meinen Kindern giebt. Später mehr von beyden. /
[288R]
[Adresse, Poststempel Rudolstadt, 17.12.1839:]
Herrn Heinrich Langethal,
Vorsteher der Waisenhaus Erziehungsanstalt
zu
Burgdorf
Kanton Bern
Schweiz