Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Frau Superintendent Oertel, Frau Rektor Maurer und Frau Apotheker Sattler in Blankenburg v. 23.12.1839 (Blankenburg)


F. an Frau Superintendent Oertel, Frau Rektor Maurer und Frau Apotheker Sattler in Blankenburg v. 23.12.1839 (Blankenburg)
(BN 712, Bl 23-25, datierter Entwurf 2 B fol 5 S. Auf Rest des zweiten Bogens ab 25V-26R Mitte Briefentwurf an israel. Schulrat in Frankfurt/M v.30.12.1839. Der Brief an Oertel u.a. ist ed. von Pösche 1887, 161-165 mit falschem Datum ”25.Christmonat1839” und erweitertem Titel, mglw. nach dem nicht erhaltenen Brieforiginal/ Reinschrift: ”An die Frauen und Mütter Blankenburgs, zunächst an die drei Frauen Superintendent Örtel, Rectorin Maurer und Apothekerin Sattler”)

An die Frau Superintendentin Örtel
An die Frau Rectorin Maurer
An die Frau Apotheker Sattler


Blankenburg d 23 Christmonat 1839


Verehrte Frauen u Mütter!

In den lieben Weyhnachtsfesttagen sind es die Freuden der Kinder,
das frohe Regen der gesammten lieben, besonders der jüngeren
Kinder, welche das Herz der Frauen u Mütterherz so innig bewegen, ja
ihr Leben fast nur auf einen Punkt hinwendetn. indem es die
Mittheilung
Diese Festfreuden sind, welche entweder sie selbst
oder andere den Geliebten ihres Herzens oder denen Anderer machten
die sie u andere den Geliebten Anderer bereiteten, sind der Gegenstand ihrer
frohen Mittheilungen und erhöhen
die in diesen Tagen das Band ihres geselligen Zusammenlebens
erhöhen sind. Darum hoffe ich auch von Ihnen, verehrteste
Frauen u Mütter, Nachsicht, wenn ich am wahren Feste der Kinder
u aller Kinderliebenden, im Interesse eben der frühesten
Kindheit, der Kinder in dem ersten Lebensalter, u ich will
es nur gleich im Beginn offen gestehen, bittend zu Ihnen komme.
Schon in den trüben Tagen des herben Verlustes meiner nun
verklärten Frau u besonders in den Tagen, wo das was ihr
Geist von der Natur erhalten hatte, wo ihre Körperhülle der
Natur zurück gegeben wurde, erschienen mir die achtbarsten
u edeln Frauen Blankenburgs in seiner [sc.: einer] so schönen Einigung
des Gemüthes u Lebens, in einer so stillen
u sinnigen als mich dort-
mals auch tief rührenden Einigung zur Pflege des Herzens u Gemüthes,
daß sich schon damals der stille Wunsch in mir hervordrängte:
dieser schönen u seltenen Fraueneinigung einen ihm würdigen u bleiben-
den Gegenstand geben zu können. Mich Da ich mich jedoch dazu in jener Zeit
in der mir indem alles, was deßhalb mir vor die in dieser Beziehung vor meine Seele trat,
nicht genügte mir nicht genügend war
mich nicht dazu geeignet fühlend, blieb der Gedanke ruhig in meiner
Seele liegen bis jetzt, wo ein anderer aus dem Leben sich mir
entgegendrängt, wodurch durch welchen, auch jener nicht nur neues Leben
sondern auch eine bestimmte lebenvolle Gestalt, ein bestimmtes
klares Ziel im Leben erhält.
Dieser Gedanke, diese Angelegenheit, welche er betrifft, ist es
nun, welche, verehrteste Frauen mich auffordert, gerad in
diesen festlichen Tagen u sogar schriftlich zu Ihnen zu kommen. /
[23R]
Durch das Auftreten der Kinder -, Spiel- u Beschäftigungsanstalt hier,
welche wesentl [Pösche: ersten] durch die pflegende Mitwirkung
der vertrauenden Behörden u Eltern Blankenburgs schnell
zu einem frischen (Gewächs freudig) freudigen Pflanze hervorgewachsene ist Kinder
Spiel- u Beschäftigungsanstalt hier
, ist der Gedanke: daß
nothwendig eine größerer, frühere u allgemeinere Beachtung der
Kindheit überhaupt u zu diesem Zweck der Ausbildung besonders
Beachtung der die Ausbildung von ersten Kinderpflegerinnen (Kinder-
wärterinnen, Kindermädchen) nothwendig sey nicht aber nur im Allgemeinen jetzt öffentlich
sondern letzteres sogar in Beziehung auf die hiesigen Bildungsanstalten letzteres
insbesondere vielfach angeregt worden. Hier nun Man wünscht
man ganz namentl nämlich u fordert mich schon seit längerer Zeit auf
weiter mit meinen hiesigen Bildungsanstalten noch die Ausbildung
von Kleinkinderpflegerinnen oder sogen zunächst von sogenannten
Kindermädchen, wo möglich aber auch wirklichen Erzieherinnen
früherer Kindheit, unmittelbar zu verbinden. Allein ein-
sichtige u erfahrene mütterliche Frauen fühlten auch, daß zur
Ausbildung solcher Personen mehr gehöre als auch der bestwillig-
ste aber alleinstehende Erzieher zu geben im Stande ist; sondern sie
erkennen, daß dazu nothwendig die thätige Ein- u durchgreifende Mit-
wirkung gebildeter <-> u erfahrener Frauen u Mütter wesentlich mit gehöre,
eine Hülfe u Mitwirkung aber, die mir jetzt gänzlich mangelt.
Nun auch durchdrungen So erkenne ich nun Durchdrungen von der Wichtigkeit dieser an mich so
vielseitig ergehenden An u Aufforderung zu dieser wichtigen Sache welche nicht allein wichtig für Blanken-
burger Familien, deren Töchter sich vielleicht zu einem solchen
Wirken Beruf in sich fänden, u nicht bloß für die frühe
Kinderwelt u Kindheit allein, sondern als durchdrungen von
der hohen Wichtigkeit
einer gewiß bald weiter Nachahmung fin-
dender Wirksamkeit wichtig ist für das ganze aufkeimende Menschen-
geschlecht, - erlaubte ich mir nun schon einmal, geehrteste Frau
Superintendentin, Ihnen den Gedanken u Wunsch auszusprechen,
daß sich zunächst einige der gebildetsten, allgemein menschlich
gesinnten u kinderliebenden Frauen Blankenburgs, /
[24]
früh unter sich dadurch für den genannten Zweck geeint, zur
Mitwirkung der und Ausführung eines so allgemein gefühlten
Bedürfnisses und Wünschen sich Herz u Hand Gesinnung u That
reichen möchten.
Jetzt nun aber, gerade in dem Augen-
blick als ich damit umgehe, will mich Ihnen verehrteste Frauen
u Mütter, über diesen Gegenstand mitzutheilen, erhalte ich die
Abschrift eines Aufsatzes, geschrieben von Frauen Hand u hervor-
gegangen aus einem Mutterherzen, welcher zur Prüfung u zu um
dessen seine Einrückung in [ein] allgem. gelesenes deutsches Blatt zu bewirken,
einem denkenden u wissenschaftlichen u patriotisch gesinnten deutschen
Mann übersandt wurde. In diesem Aufsatze nun, welchen
den ich mir erlaube in der Anlage abschriftl hier bey zu legen,
sehe ich nun, daß zu den nur mündlichen u vereinzelten Auf-
forderungen vielleicht auch noch von außen her eine öffentliche
und so mehr geeinte Aufforderung hinsichtl des vorliegenden
Gegenstandes an uns ergeht. Doch wäre auch Aber wäre dieses letztere
jetzt auch nicht der Fall, so lese ich doch darin, verbunden mit dem
Inhalte des Aufsatzes in No 312 des Allg Anz. d D. v. 15ten
Novber die Bestätigung: -- daß eine Vereinigung hiesiger
edler gebildeter u edler Frauen , unter deren Mitwirkung
mir es mögl würde einem so allgemein gefühltes nun auch
schon so vielseitig ausgesprochenes Bedürfniß, besonders die der
Ausbildung von Kindermädchen, zu befriedigen, wie es ja der
dieser anliegende Aufsatz so bestimmt ausspricht: - höchst Zeit-
u Ort[s]gemäß sey; und ich könnte hinzufügen: u daß es schön wäre es, durch
die That der öffentlichen Aufforderung im Wort zu begegnen oder zuvorzukommen.
Deßhalb nun bin ich so frey an dem heutigen lieben Christ-
tage, dem Tage des geborenen Kinder- und Menschheitführers Ihnen
den Gedanken einer solchen Vereinigung zu gemeinsamer
Prüfung u, sollte er sich in derselben bestätigen, zur als rechten Feyer
des Christfestes zur Ausführung vorzulegen.
Ja hochverehrte Frauen u Mütter, möchte die Feyer des heutigen dießjährigen
Christfestes als eines eigentlichen Kinderfestes, als eines Festes /
[24R]
welches die ganze Menschheit in (und mit) der Kindheit segnet; als
eines Festes des der Menschheit gebrachten wahren Lebens, ächten
Lichtes u reiner Liebe; - dem ja alle Kinder entgegengebildet werden
sollen, - möchte diese Feyer zugleich der Einigungstag werden, wie für Kindheit,
u ihre für frühe Kinderpflege im Allgemeinen, so insbesondere für
Ausbildung von <-> wackern Töchtern u braven Jungfrauen
zu ersten Kinderpflegerinnen (Kindermädchen) ins Besondere u zur Hin-
wegräumung beyder entgegenstehender Hemmnisse werden
.
Lassen Sie sich verehrteste Frauen u Mütter durch das Kleine
u fast Unscheinbare des Anfangs u Wirkens eines solchen Vereins,
besonders in dem Gefühle einer dem edlen Frauengemüthe
so natürlichen Bescheidenheit, ja nicht von der Festhaltung u Ausführung
dieses Wirkens u Vereines abhalten; alles wahrhaft Menschlich
Wichtige ist von jeher aus dem Verborgenen, Kleinen u Unscheinbaren, ja
ja das heutige Fest zeigt u sagt es uns ja – oft nur aus einem
dem höchsten Vertrauen hingegebenen weibl Gemüthe hervorgegangen.
Hat so das Ganze zu seinem Beginn den heutigen Tag, an
welchem der Ggöttliche, die Menschheit in der Kindheit, ja das
Göttl in der Menschheit achtende Kinderfreund geboren wurde,
zu seinem Beginn, so wird gewiß der Geist u Seegen desselben
auch auf ihm ruhen; und es werden sich gewiß ohne Zweifel von dem
Sinn u Geiste, von der innern Wahrheit desselben angezogen
noch Mehrere an Sie, an uns, an das Ganze anschließen.
Sie selbst Frau verehrte Fr. Superintendent haben mir wohl
schon manche achtbare hiesige Frau u Mutter genannt, die sich
an diesen Verein anschließen würde; vielleicht auch Jungfrauen
vielleicht wozu Ihr HE Gemahl mir selbst schon eine Möglichkeit an-
sprach, wie wir die älteste Tochter einer jetzt in tiefe Trauer versetzten hochachtbaren
Familie, was, wie es mir jüngst erschien selbst den Wünschen des Vaters
entgegenkommendt und entsprechendspricht.
So könnte durch gemeinsam vertrauendes treues Wirken zunächst in einem kleinen
Kreise u für einen eng begrenzten Zweck diese Ihre Vereinigung, verehrteste Frauen, u
durch den Anschluß anderer hochacht wackerer u achtbarer Frauen Blankenburgs vielleicht
der erste u leise Keim eines allgemeinen deutschen Frauenvereins zur Pflege der frühesten u ersten
Kindheit des Menschen, zur Beförderung derselben u {Hinwegräumung/Beseitigung}der ihr entgegenstehenden Hemmnisse werden. /
[25]
<wir> würden wozu ich vielseitig Die Bedingnisse u Aufforderung dazu
finde ich in den uns umgebenden Zeitergebnissen finden, welchen ich darum
darum trage ich ihn ersehnend im Herzen trage. u von welchem ich habe die feste
Zuversicht habe, daß sich viele edle Frauen Deutschlands, von
nah u fern, wenn nur erst im kleinsten Punkte das Seegens-
reiche eines solchen Vereins als Thatsache sich zeigt, an ihn anschließen werden.
Möchte darum der heutige Tage wenigstens zunächst unter
Ihnen dreyen der Einigungs[-] u so der Stiftungstag des engeren hie-
sigen Wirkens, - dann aber auch des daraus gewiß entkeimen-
den größeren deutschen Frauenvereins für Kindheitpflege
werden.
Wenn nach dem Ergebniß Ihrer Prüfung Sie wünschen sollten
Ihnen die Grundzüge eines solchen Vereins, wie sie
sich einfach aus der Natur der Sache gleichsam von
selbst ergeben, vorzulegen, so würde es mir angenehme
Pflicht seyn Ihrer Aufforderung entgegen zu kommen.
Empfangen Sie verehrteste Frauen den Ausdruck
vorzüglicher Hochschätzung und besonderer
Ergebenheit.