Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Schulrat der israelitischen Bürger- und Realschule in Frankfurt/M. v.30.12.1839 (Blankenburg)


F. an Schulrat der israelitischen Bürger- und Realschule in Frankfurt/M. v.30.12.1839 (Blankenburg)
(3 Entwürfe: 1. Entw. BlM X,9, Bl 127R-127V, 1 Bl 4°; 2. Entw. BlM X,9, Bl 124-125, 1 B 4°4 S.; 3. Entw. BN 712, Bl 25-26, 1 B fol. 4 S., Teil des 3. Entw. in Rh.Bl. 1872,156-158 u in DDR-Fröbel-Gedenkschr. 1952, 118-119. Die in BlM F 1058/34/2, liegende Abschr. 1 B fol 3 ½ S. wechselt im Brieftext den Adressaten, ist offensichtlich an Riesser, aber einmal auch an das Schulrathskollegium gerichtet. Es handelt sich um die Abschrift der Reinschrift. Bei der Adresse ist von späterer Hand „Dr. Rieser“ eingefügt worden.)

a) 1. Entwurf (BlM)

[127R]
An den isr. Schulrath zu Frkf


Werthe Lehrer <?> Herrn

Bey dem Handeln des Menschen u Mannes zugespr zu sprechen ist allgemein anerkennend machen kommt es auf ein {zwei/drey}faches
an einmal auf die Wahrheit Allgemein[-] u Einfachheit des Grundgedankens
auf welchem es beruht - dann auf die eine so leichte Zugängl[ich]keit dieses Gedankens
zum Herzen der Menschen, daß jeder diesen Gedanken als einen nothwendig menschl[ichen], zugleich als den seinen erkenne -
und so leicht den Gedanken im Leben mitlehre
und endl[ich], das [sc.: daß] die Ausführung, Darstellung desselben in Ge-
stalt[un]g u
That leicht u klar den Gedanken selbst kund thue.
Indem das erste beyde mit dem
Wesen des Menschen gegeben ist; so
kann eigentl nur das 3e aufRechnung
des handelnden u wirkenden [Menschen] kommen.
Sie haben hochachtbare Herrn, mir unterm [Datum fehlt, sc.: 2.12.1839] ein
{freundl/ehrendes} mir Freude Schreiben
zukommen lassen, in welchen Sie mein Wirken für die erste Pflege u Erziehung der
Kindheit in so weit solches Ihnen nicht besonders d[urc]h die Anwendung in der Ihrer
Obhut anbefohlenen Schulanstalt eingeführt bekannt worden ist Ihre Aner-
kenntniß meines Wirkens ausgesprochen bethätigen einen Beweis Ihrer freundl Anerkenntniß geben.
In Beziehung auf dieß so eben Ausgesprochene spreche so verhehle gestehe auch ich Ihnen nun ich
<Rück[sichtlich]> unumwunden u unbefangen aus, daß Ihre Gesammtanerkenntniß des Grundgedankens
meines Wirkens mich innig erfreut, denn ich selbst bin von
der Wahrheit desselben tief in mir überzeugt, indem ich ihn als einen Gedanken
erkenne, der mit dem Wesen des Menschen in höchster Übereinstimmung, ja ich möchte
sagen zugl mit demselben und so mit dem wahrhaften Selbstbewußtseyn des Menschen ge-
geben ist. Ich darf mir Allein eben darum darf ich mir also von dem Wesen u den Wirkungen dieses
Gedankens da er ein nothwendig allgemein mit dem Wesen des Menschen
zugl[eich] gegebener ist nichts als Verdienst anrechnen, im Gegentheil haben Sie
hochachtbare Herren sich einen bleibenden Kranz des Verdienstes erworben
indem Sie einen allgemein menschlichen u menschheitl Gedanken eine solche Allgemeine
Anwendung zu verschaffen suchten, daß nun auch der weniger im Denken u in
der Beachtung geistiger Wirksamkeit Geübte den Gedanken nicht nur als einen
allgemein menschlichen, sondern sogar als den seinen erkennt/ Schulrat der israelitischen Bürger- und Realschule
[127V]
haben sich menschl Verdienst er[worben]
werden sich dasselbe sichern
indem sie dann ihrer [sc.: Ihrer] Entschlossenheit nachgehen
werden mit Dank von der Nachwelt was sie schwerlich ahnete
genannt werden[.]
In dieser höhern Beziehung hat es seinen Grund, daß ich seh[r] gerne schon bisher
und Ihrem Wunsch nachgekommen bin Ihre d[urc]h Hrn Hochstädter geeinte
Spielanstalt in regem Lebens- u Theilnahmsverkehr mit der
hiesigen Quellanstalt zu deren stetig fortgehenden Entwicklung zu
erhalten und es ferner gern thun werde; denn man muß selbst in der
Mitte eines ursprünglich Neuen, - ich möchte sagen Quellebens stehen u
wirken um sich selbst klar zu werden u sich zu überzeugen, welche Menge
neuer Entwicklungen für steigende Vollkommenheit stetig aus demselben
hervorgehen, so daß man sie in ihrer Lebensfrische u Allseitig-
keit kaum zu Papier bringen kann sondern vielmehr sie sogl[eich]
nur von Mund zu Mund zu großer lebenvoller u segensreicher
Anwendung mittheilen möchte. Doch nach Möglichkeit werde ich dieß
fortgehend d[urc] briefl[ichen] Verkehr thun mit Hrn Hochstädter thun und
es soll mich freuen, wenn er sich dad[urc]h veranlaßt finden soll Sie
hochgeachtetste Herren, von dem Fortgang meiner Unternehmung zu benachr[ichti]gen
so wie ich es unmittelbar thun werde, sobald mir dazu von Ihnen
eine Veranlassung kommen würde.
Möchten Sie nun, u das ist es was ich zum Schluße wünschte, in dem auch in diesem meinem jetzigen Handeln
hier ausgesprochen dargelegten unausgesprochen in all seinen Beziehungen den aufrichtigsten schönen Dank finden
den ich Ihnen für Ihr anerkennendes
Schreiben bringen kann u ich zweifle nicht an der Erfüllung desselben denn
Sie selbst lehren mich durch die Errichtung der Anstalt: That u für Lehre Anwendung sey der schönste Dank;
und so wird mein Dank wenn Sie es erlauben bleibende Pflege derselben seyn.
II 54 [Archivsignatur]
Empfangen [Sie] von mir in aller Aufrichtig[kei]t
die Versicherung ausgezeichnetster Hochachtung
[und] <unwandelbarster> Ges[innun]g Ihr Ergeben[er]

b) 2. Entwurf (BlM)

[124]
An den hochachtbaren Schulrath
der israel. Bürger- u Realschule zu Frankfurt a/m.
*
Bey dem Handeln des Menschen u Mannes u bey dem Werthe welcher dem-
selben zuzuschreiben ist kommt es meines Erachtens auf ein dreyfaches
an: - einmal auf die Wahrheit Allgemeinheit u Einfachheit des Grund-
gedankens aus welchem dasselbe hervorgeht - dann auf eine so leichte
Erfaßlichkeit u Zugänglichkeit dieses Gedankens vom Verstande
wie auf eine so leichte Zugänglichkeit desselben zum Herzen u Gemüthe
des Menschen, daß jeder diesen Gedanken wie als überhaupt als
einen nothwendig menschlichen, so deßhalb zugleich auch dazu als den seinigen
höchstens mit Nothwendigkeit erkenne - und endlich, daß die Ausführung, die Darstellung
desselben in Gestalt u That, den Gedanken selbst leicht lebenvoll und
klar selbst kund thue und ihn so, zur allgemeinen Anerkenntniß,
leicht ganz entsprechend ins Leben einführe. Da nun aber das
erste beyde schon mit dem Wesen des Menschen selbst gegeben
ist; (denn ein Mensch soll menschlich u menschheitl denken u wahrhaft menschl u menschheitl Ge-
dachtes soll menschl zugänglich seyn) so kann eigentl nur das 3e auf
Rechnung des handelnden u wirkenden Menschen kommen.
Sie haben nun hochachtbare Herrn, mir unterm [Lücke] Decbr ein
mich ehrendes Schreiben zukommen lassen, in welchem Sie meinem ersten Wirken
für die erste Pflege u Erziehung der Kindheit - insoweit Ihnen
solches besonders durch die thatsächliche Anwendung in der Ihrer Obhut
anbefohlenen Schul- u Erziehungsanstalt bekannt worden ist - den einen
sprechendsten Beweis Ihrer achtungsvollenenden Anerkenntniß geben./
[124R]
In Rückbeziehung nun auf das Eingangs dieses Ausgesprochene könnte
mir nun höchstens in Beziehung auf das Wirken für Gestaltung u Aus-
führung des Gedankens einiger Werth zu kommen; allein eben dieses ist nun auch
meine schwächste Seite u soll es aber auch vielleicht dem höhern Gange der menschheitl
Entwickelung gemäß seyn indem ein allgemein menschheitl allgemein gültiger,
allgemein förderl[iche]r ja allgemein allgem wohlthätiger u seegensreicher Gedanke auch
durch ächt gemeinsames Wirken ausgeführt werden soll.
Sie hochachtbare Herren {erkennen/ersehen} daraus wie wenig ich mir persönlich
von dem von Ihrer Güte mir Ausgesprochenen Aneignen darf
Im Gegentheil haben Sie sich einen bleibenden Kranz des Ver[-]
dienstes erworben indem Sie einen allgemein menschlichen u menschh[eit]l
Gedanken eine solche allgemeine ächt menschl Anwendung zu ver-
schaffen suchten, daß nun auch der weniger im Denken u in der Beachtung
u Auffassung geistiger Wirksamkeit Geübte den Gedanken
wahrer u frühester Kinderpflege nicht nur als einen überhaupt
als einen allgemeinen menschlichen, sondern sogar
jeder der nur als Mensch der spielenden und sich selbstthätig
beschäftigten Kinderwelt nahe kommt; ihn als Danksagung
erkennt. In dieser Beziehung nun spreche ich Ihnen so unbef[an]gen
als unumwunden aus, daß Ihr {der Ausdruck/der Beweis} Ihr Gesammt[-]
anerkenntniß des Grundgedankens meines Wirkens mich innig erfreut
hat, denn ich selbst bin ja von der Wahrheit desselben tief in mir
überzeugt, indem ich ihn als einen Gedanken erkenne, welcher mit
dem Wesen u so dem Entwicklungsgange u Gesetzen des Menschen/
[125]
in höchster Übereinstimmung ist also darum zugl mit dem Menschen u so
mit dem wahrhaftigen Selbstbewußtwerden desselben gegeben
ist. Ich verhehle es Ihnen nicht, daß es mir große Freude ist, daß ein mir aus ihrer Mitte
u vielleicht von einem der umfassendsten u denkendsten ausge-
bildetsten Punkte derselben aus noch vor Ihrer Ausführung Ihrer
Kinderpfleg- u Spielanstalt ausgesprochene Überzeugung:
- daß sich in Ihrer Gemeinsamkeit u unter in IhrerGlaubensgenossen-
schaft eine große Empfänglichkeit für das menschlich, ja menschheitlich
Bessere u Beste finde dem es bisher der es nur bisher an der Auffindung des Besten gefehlt habe sich mir bestätigt hat.
Darum nun hochgeachtetste Herren, haben Sie sich dad[urc]h, daß Sie
einen nicht nur rein[en] u allgemein menschlichen u menschheitl Gedanken, sondern
auch einen Gedanken, welcher das Lebensglück des Menschen
in seinen ersten Bedingungen u Keimen begründet; darum haben Sie sich
dad[urc]h daß Sie einen solchen Gedanken zuerst zur allgemeinen Aus-
führung u Anwendung. ja d[urc]h dieselbe ins Leben, in die Kindheit einführten
ein hohes menschheitl Verdienst erworben, was Ihnen nun,
indem es als Thatsache dasteht Niemand verkürzen kann; so
hoffe ich nun auch tief in mir über Sie werden sich dasselbe zu sichern
suchen werden suchen, daß daselbe die größtmögliche Menge der besten
Früchte trage; Sie werden sich dad[urc]h erringen, was Ihr menschliches u ich darf
gewiß von vielen unter Ihnen sagen Ihr väter-
liches Herz mir u meinem Wirken zusicherte: den
Dank der Nachwelt, und dieß auch nach dem
erwähnten u lebenvollen Worte aus Ihrer Mitte, -
wenn Sie der Empfänglichkeit Ihrer Glaubensgenossen/
[125R]
pflegen; doch will ich Ihnen, da Sie mich einmal mit Ihrem
Vertrauen erfreuen unbefangen gestehen, daß dieß -
eben weil es eine rein menschliche u allgemein menschheitliche Sache
ist - nur in u durch reinsch menschliche u allgemein menschheitl[iche] Ge-
meinsamkeit geschehen kann. - Die Menschheit ist ein einiges
stetiges großes LebensGanze ist ein einiger großer Lebensbaum;
reißt ein Ast, ein Zweig ein Auge ab - tritt Trennung innerhalb derselben
ein, schwierig höchst schwierig ist dann wieder die allgemeine menschheitliche
Einigung. Nur durch die Kindheit, vergessen Sie dieß hochachtbare
an der Spitze der Kinder- u Kindheitpflege Ihrer zahlreichen Glaubensge-
nossen stehende Herren u Männer nicht: - Nur d[urc]h die Kindheit hind[ur]h
ge durch, nur durch die Anerkenntniß der Menschheit in der Kindheit
geht der Weg zur Menschheitseinigung. Wohl Ihnen daß
Sie diesen Weg aus sich, ich möchte sagen, ohne daß Sie selbst
noch wußten, was Hohes Sie ergriffen u ergreifen würden
ergriffen - allein halten Sie es nun auch fest u bedenken Sie
nur in der Gemeinsamkeit liegt der Erfolg, nur in der Bachtung
u Pflege derselben. Diese Wahrheit ist es aus welcher jetzt alle Gemeinsam-
keiten bedingt hervorgeh[en] und haben diese Vereine keinesweges nur einen
äußern u vorübergehenden [in] einer gewissen Mode [liegenden] Grund, sondern sie sind tief in dem allgemeinen
Naturgesetz bgegründet, daß nicht allein das Bestehen sondern auch das sowohl
kräftige als naturgetreue Entwickeln des einzelnen seinen Grund nur im lebenvollen
Verknüpftseyn mit dem Ganzen bedingt ist.

c) 3. Entwurf (BN)

[25]
18 30/Xn 39 An den hochachtbaren Schulrath der israelitischen Bürger-
und Realschule zu Frankfurt a/mayn

Sie haben, hochgeachtetste Herrn, mir unterm 2ten Decbr d.J. ein
mich ehrendes Schreiben zukommen lassen, in welchen Sie meinem
Wirken für die Pflege u Erziehung der Kindheit - insoweitfern Ihnen solche
besonders durch die thatsächliche Anwendung in der Ihrer Obhut an-
befohlenen Schul- u Erziehungsanstalt bekannt geworden ist - einen
freundlichen Beweis Ihrer achtenden Anerkenntniß geben [konnten].
Doch die Früchte des Nachdenkens eines Einzelnen u die Ergebnisse
der Lebenserfahrungen eines Alleinstehenden, welchen innern Werth sie
beyde an sich auch immer haben mögen, sind für das Ganze u dessen Fort-
entwicklung unbedeutend, wenn sie nicht zu allgemeinerer Beachtung u solchen
Gebrauch Anwendung in größere Leb Kreise u in das allgemeine Leben eingeführt werden.
Darum haben Sie hochgeachtetste Herren sich in Vergleich mit mir <sich> im Gegentheil
einen bleibenden Kranz des Verdienstes erworben, indem Sie einen allgemein
menschlichen u menschheitlichen Gedanken unmittelbar eine solche allgemeine ächt menschliche
Anwendung zu verschaffen suchten, daß nun auch der/
[25R]
weniger im Denken u in der Beachtung u Auffassung geistiger Wirksamkeit Geübte den Ge-
danken wahrer u frühester Kindheitpflege nicht nur überhaupt als einen
allgemein menschlichen, sondern daß sogar jeder, der nur als Mensch der spielen-
den u sich selbstthätig beschäftigenden Kinderwelt nahe kommt ihn als den
seinigen erkennen kann ja erkennt.
In dieser Beziehung spreche ich Ihnen denn auch so unbefangen als unum-
wunden aus, daß der Ausdruck Ihrer Gesammterkenntniß des Grundge-
dankens frühester angemessener Kindheitpflege durch entsprechende
Pflege (Beachtung) des Thätigkeitstriebes desselben mich innig erfreut hat.
(und wenn nicht der Dank dafür in der Thatsache selbst läge u ich nicht
fürchtete dieselbe durch die Aussprache meines Dankes in ihrer schönen
Allgemeinheit zu beschränken, so würde ich sagen: ich danke Ihnen dafür)
Denn ich selbst bin ja von der Wahrheit jenes Grundgedankens (desselben)
tief in mir überzeugt, indem ich ihn als einen Gedanken erkenne, welcher
mit dem Wesen, u so den Entwicklungsgesetzen des Menschen in höchster
Übereinstimmung also darum zugleich mit dem Menschen u so mit dem
Selbstbewußtwerden desselben gegeben ist.
Ich verhehle es Ihnen, hochgeachtetste Herren nicht, wie es mir große
Freude ist, daß ein mir eine mir noch vor Ausführung Ihrer Kinder- Pflege- u Spielanstalt
<-> aus Ihrer der Mitte Ihrer Glaubensgenossenschaft u vielleicht von einem der umf denkend umfassendsten u ausge-
bildetsten Punkte derselben, ausgesprochene Überzeugung: - ”daß sich in Ihrer
Glaubensgenossenschaft u Gemeinsamkeit eine große Empfänglichkeit
für das menschlich, ja menschheitlich Bessere u Beste finde, welcher es nur
bisher an der Auffindung dieses Besten gef
wenn es derselben nur auf eine prak-
tisch einsichtige Weise nahe gebracht werde”, - sich bestätigt hat.
Ebe Darum nun hochgeachtetste Herren, haben Sie sich dadurch, daß Sie einen
nicht nur reinen - u allgemein menschlichen (menschheitlichen Gedanken, sondern
auch einen Gedanken, welcher das äußere wie das innere Lebensglück des
Menschen in seinen ersten Bedingungen früh im Kinde keimen macht und
begründet - zuerst zu einer allgemeinen Ausführung u Anwendung gebrachten,
ja durch dieselbe in das Leben der Kindheit, der Familien einführten, ein
hohes menschheitliches Verdienst erworben, welches Ihnen nun, indem es
als Thatsache einmal da steht niemand verkürzen kann; und ich hoffe Sie
werden sich dasselbe nicht nur in aller Reinheit zu erhalten wissen, sondern
werden suchen, daß dasselbe die größtmögliche Menge der besten Früchte trage;
ich wünsche daß Sie sich dadurch erringen, was Ihr menschliches u ich darf
gewiß von Vielen unter Ihnen sagen; väterliches Herz mir u meinem
Wirken zusicherte: der Dank der Nachwelt, und dieß nach dem oben
erwähnten Worte wichtigen Worte aus Ihrer Mitte, wenn Sie die Empfäng-
lichkeit Ihrer Glaubensgenossenschaft für das Bessere treu pflegen; doch
will ich Ihnen, da Sie mich einmal mit Ihrem Vertrauen erfreuen, auch un-
befangen gestehen, daß dieß - eben weil es <-> eine rein menschliche u mensch-
heitliche Sache betrifft <zwischen> nur <dur> in u durch rein menschliche u menschheitliche/
[26]
Gemeinsamkeit geschehen kann.
Die Menschheit ist ein einiges, stetiges, großes Lebensganzes, ist ein
einiger großer Lebensbaum; reißt ein Auge, einen Ast, ein Zweig von
demselben ab, <das heißt> überhaupt, tritt Trennung u Stockung innerhalb der
freyen Thätigkeit desselben ein: schwierig, höchst schwierig ist dann die ur-
sprüngliche, die allgemeine, rein menschheitliche Einigung. Nur durch die
Kindheit, vergessen Sie dieß hochachtbarste an der Spitze der Kinder u Jugend-
Kinder- u Kindheitpflege Ihrer zahlreichen Glaubensgenossen in einer wichtigen Stadt,
stehende Herren u Männer nicht: - nur durch die Kind-
heit hindurch, nur durch die Anerkenntniß der Menschheit in der Kind-
heit geht der Weg zur Menschheitseinigung, zur Erringung wah-
rer Menschenwürde u zur achtenden Anerkennung derselben durch alle
Zeiten. Wohl Ihnen und gewiß hohe Achtung u Dank von allen denen
welche die Früchte davon genießen erndten werden, daß Sie diesen
Weg aus sich, ich möchte sagen, ohne daß Sie selbst noch wußten, welches
Gute <Hehr[e]> Ihnen durch denselben zu Theile werden würde, ergriffen. Allein
nochmals, halten Sie nun auch Weg u Mittel wandellos fest;
u suchen sie recht lebendig in Einzelnen u im ganzen die Überzeugung
zu wecken u zu nähren: - nur in der Gemeinsamkeit liegt der
Erfolg, nur in der Beachtung u Pflege derselben.
Diese Wahrheit ist es aus, welcher jetzt <auch> alles gemeinsame
Wirken hervorgeht Vereine hervorgehen, u. haben diese deßhalb
keinesweges nur einen äußern u vorübergehenden, gleichsam
in einer gewissen Mode liegenden Grund, sondern sie sind tief in dem
allgemeinen Naturgesetz gegründet: daß nicht allein das Bestehen
sondern daß auch das sowohl kräftige als u naturgetreue Entwickeln
des Einzelnen nur in einem lebenvollen Verknüpftseyn mit dem
Ganzen bedingt ist. In dieser sichern Beziehung hat es nun auch
seinen Grund, daß ich schon bisher u ehe mir noch ihr bestimmter Wunsch
deßhalb ausgesprochen wurde, Ihre durch Hrn Hochstädter geleitete
Spielanstalt in regem Lebens- u Theilnahmsverkehr mit der
hiesigen Quellanstalt zu deren ihrer stetig fortgehender Entwicklung zu
erhalten suchte, und es auch ferner, um darin Ihrem bestimmten
Wunsch entgegen kommend, gern thun werde. Denn muß man muß
selbst in der Mitte eines solchen ursprünglich neuen, ich möchte sagen,
Quelllebens stehen u wirken, um sich klar zu werden u zu überzeugen,
welche Menge neuer Entwicklung für steigende Vollkommenheit stetig
aus demselben hervorgehen, so daß man sie in ihrer Lebensfrische
u Allseitigkeit kaum zu Papier bringen kann, sondern sie vielmehr
nur sogleich von Mund zu Mund zu lebenvoller u seegensreicher Anwen-
dung mittheilen möchte. (Diese rasche innere u äußere Entwicklung ist eben auch der Grund, daß sich meine dankende Erwiederung auf Ihr ehrendes Schreiben bis zum Heutigen verspätet hat.)
Nach Möglichkeit werde ich jedoch fortgehend/
[26R]
in dieser Beziehung im brieflichen Verkehr mit Hrn Hochstädter bleiben
und es soll mich freuen, wenn er sich dadurch veranlaßt finden sollte,
Sie hochachtgeachtetste Herren, von dem Fortgang meiner Unternehmung
von Zeit zu Zeit zu <be> unterrichten, so wie ich es unmittelbar
thun würde, sobald mir dazu von Ihnen eine Aufforderung zukommen
sollte.
Möchten Sie nun, u das ist es was ich zum Schlusse wünsche, in dem hier
Vorgelegten den schönen Dank, unausgesprochen in all seinen Beziehungen
finden, den ich Ihnen für Ihr anerkennendes Schreiben zu sagen habe;
und ich zweifle nicht an der Erfüllung dieses meines Wunsches daran denn Sie
selbst werden lehren mich durch die Errichtung Ihrer Anstalt: That sey der schönste Dank.
Und so wird mein Dank dagegen bleibende Pflege derselben seyn.
Mit der ausgezeichnetsten Hochschätzung mich unterzeichnend
hochgeachtete Herrn
Ihren
Ihr
ergebensten [bricht ab]

d) Abschrift (BlM)

[1]
An den Schulrath der israelitischen Bürger- und Realschule [Dr. Rieser] in Frankfurt a/m
            30 Dec 1839.

Sie haben, hochgeehrter Herr, am zweiten dieses Monats
ein mich ehrendes Schreiben mir gesandt, in welchem Sie meinem
Wirken für die Pflege und Erziehung der Kindheit – wie solche
Ihnen besonders durch die thatsächliche Anwendung in der
Ihrer Obhut anbefohlenen Schul- u Erziehungsanstalt
bekannt geworden ist – einen freundlichen Beweis Ihrer
achtenden Anerkenntung gegeben.
Doch die Früchte, das Nachdenken eines Einzelnen und die
Ergebnisse der Lebenserfahrung eines Alleinstehenden, welchen
innern Werth beide auch haben mögen, sind für das Ganze und
dessen Fortentwicklung unbedeutend, wenn sie nicht zu allgemeinerer
Beachtung u Anwendung in größere Kreise und in das allgemeine
Leben eingeführt werden. Darum haben Sie, hochgeehrter
Herr, sich einen bleibenden Kranz des Verdienstes erworben, indem
Sie einen allgemein menschlichen Gedanken unmittelbar eine
solche ächt menschliche Anwendung zu verschaffen suchten, daß nun
auch der weniger im Denken und in der Beachtung und Auffassung
geistiger Wirksamkeit Geübte den Gedanken wahrer u frühe-
ster Kindheitpflege als hochwichtig erkennen kann.
Ich sage Ihnen hier für die Anerkennung meines Grund-
gedankens „früheste angemessene Kindheitpflege durch
entsprechende Pflege des Thätigkeitstriebes“ meinen besten
Dank, da ich von der Wahrheit dieses Grundgedankens
fest überzeugt bin; ich erkenne ihn als einen Gedanken, welcher
mit dem Wesen, und so den Entwicklungsgesetzen des Menschen,
in höchster Uebereinstimmung ist und so mit dem Selbstbewusst-
werden des Menschen gegeben ist.-
Es macht mir große Freude, daß eine mir schon früher von einem /
[2]
Ihrer Glaubensgenossen ausgesprochene Ueberzeugung: ”daß sich
in Ihrer Glaubensgenossenschaft und Gemeinsamkeit eine große Empfäng-
lichkeit für das menschheitlich Bessere finde, wenn es derselben nur
auf eine praktisch-einsichtige Weise nahe gebracht würde”, sich
bestätigt hat. -
Sie, hochgeehrter Herr, haben dadurch, daß Sie einen Gedanken,
welcher das äußere wie das innere Lebensglück der Menschen
in seinen ersten Bedingungen früh im Kinde keimen macht und be-
gründet - zuerst zu einer allgemeinen Ausführung und Anwen-
dung brachten und in das Leben der Kindheit, der Familie,
einführten, ein hohes, menschheitliches Verdienst erworben,
welches Ihnen nun, indem es als Thatsache einmal dasteht,
niemand verkürzen kann. Ich hoffe, Sie werden sich dasselbe
in aller Reinheit zu erhalten wissen und suchen, daß es die
besten Früchte trage. Ich wünsche, daß Sie sich dadurch erringen,
was Ihr väterliches Herz mir und meinem Wirken zusicherte:
den Dank der Nachwelt und dies, nach dem oben erwähnten
wichtigen Worte aus Ihrer Mitte, wenn Sie die Empfänglichkeit
Ihrer Glaubensgenossen für das Bessere treu pflegen.
Doch will ich Ihnen, da Sie mich einmal mit Ihrem Vertrauen
erfreuen, auch unbefangen gestehen, daß dies, eben weil es eine
rein menschliche und menschheitliche Sache betrifft, nur durch
rein-menschheitliche Gemeinsamkeit geschehen kann.
Die Menschheit ist ein einiges, stetiges, großes Lebensganze,
ist ein einiger großer Lebensbaum; reißt ein Zweig, ein Ast
von demselben ab, tritt überhaupt Trennung und Stockung inner-
halb der freien Thätigkeit derselben ein; schwierig, höchst schwierig
ist dann die ursprüngliche, allgemeine Einigung wieder zu ge-
winnen. Nur durch die Kindheit, vergessen Sie dies, Hoch-
achtbarsten, an der Spitze der Kinder- u Kindheitpflege Ihrer
zahlreichen Glaubensgenossen in einer wichtigen Stadt stehenden /
[3]
Herrn nicht: - nur durch die Kindheit hindurch, nur durch die
Anerkennung der Menschheit in der Kindheit, geht der Weg zur
Menschheitseinigung, zur Erringung wahrer Menschenwürde
und zur achtenden Anerkennung derselben für alle Zeiten.
Wohl Ihnen und gewiß hohe Achtung und Dank von allen
denen, welche die Früchte davon ernten werden, daß Sie diesen
Weg aus sich ergriffen, ohne zu wissen, welch’ hohes Gut
Ihnen dadurch zu theil wurde. Allein nochmals halten
Sie nun auch Weg und Mittel wandellos fest, und suchen Sie
recht lebendig im Einzelnen und im Ganzen die Ueberzeugung
zu wecken u zu nähren: - nur in der Gemeinsamkeit liegt
der Erfolg, nur in der Beachtung und Pflege derselben.
Diese Wahrheit ist es, aus welcher jetzt
Vereine hervorgehen, und so haben diese nicht nur einen
äußeren und vorübergehenden Grund, sondern sie sind tief in
dem allgemeinen Naturgesetz gegründet: - daß nicht
allein das Bestehen, sondern auch das naturgetreue, kräftige
Entwickeln des Einzelnen in einem lebenvollen Verknüpft-
sein mit dem Ganzen bedingt ist. - In dieser höheren
Beziehung hat es auch seinen Grund, daß ich schon bisher,
und ehe noch Ihr bestimmter Wunsch mir ausgesprochen wurde,
Ihre durch Herrn Hochstetter geleitete Spielanstalt in regem
Lebensverkehr mit der hiesigen Quellanstalt zu ihrer stetig
fortgehenden Entwicklung zu erhalten suchte, und auch ferner
gern thun werde. Denn man muß selbst in der Mitte eines
solchen ursprünglich neuen, ich möchte sagen, Quelllebens,
stehen und wirken, um sich zu überzeugen, welche Menge
neuer Entwicklungen für steigende Vollkommenheit stetig aus
denselben hervor gehen. In ihrer Lebensfrische und All-
seitigkeit kann man sie kaum zu Papier bringen, sondern man
möchte sie gleich zu lebenvoller und segensreicher Anwendung /
[4]
mündlich aussprechen. Diese rasche innere und äußere Entwick-
lung ist auch der Grund, daß sich meine dankende Erwiederung auf
Ihr ehrendes Schreiben bis zum Heutigen verspätet hat.
Nach Möglichkeit werde ich fortgehend in dieser Beziehung mit
Herrn Hochstetter in brieflichem Verkehr bleiben und es soll mich
freuen, wenn auch Sie, hochgeehrter Herr, an dem Fortgange meiner
Bestrebungen Antheil nähmen.
Möchten Sie nun, und das ist was ich zum Schluß wünsche, in dem
hier Dargelegten den warmen Dank unausgesprochen in all’
seinen Beziehungen finden, den ich Ihnen für Ihr anerken-
nendes Schreiben zu sagen habe. Ich zweifle nicht daran;
denn Sie selbst lehren mich durch die Errichtung Ihrer
Anstalt: That sei der schönste Dank; und so wird mein
Dank dagegen bleibende Pflege derselben sein.
Mit der ausgezeichnetsten Hochschätzung mich unterzeichnend
Ihren ergebensten
          FrFröbel.