Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Gustav Fröhlich in Bern v. 4.1.1840 (Blankenburg)


F. an Gustav Fröhlich in Bern v. 4.1.1840 (Blankenburg)
(BlM X,9, Bl 179-180, datierter Entwurf 1 B fol 3 S.)

Briefentwürfe <-> Bogen 20. 1840
Herrn Fröhlich Lehrer in Bern Blkbg 4/1 1840
      Lieber hochgeschätzter HErr Fröhlich

Wenn Sie sich vielleicht wundern von mir unerwartet von hier, scheinbar ohne alle Veranlassung eine Zuschrift
zu erhalten, so (liegt das einmal) finden können Sie den Grund dafür
finden einmal in dem Leben u Streben der Zeit, welche das ver-
einzelt stehende aber zu einem Ganzen gehörende immer
mehr zu einen sucht; dann in einem der Wirksamkeit eines lebendigen Gedankens
der als eine lebenvolle Einheit sich rastlos immer weiter zu
entfalten strebt, endlich aber als das nächste u wirklich be- vor allem aber und zunächst
stimmende finden Sie den Grund in Ihnen selbst, in Ihren eignen
Streben u Lebens-Äußerungen darüber [.]
HE Lang[e]thal in Burgdorf theilt uns nämlich in seinen jüngsten
Briefen mit nicht nur wie Ihr Wirken in Bern ein
größeres Anerkenntniß gefunden, sondern wie Sie
es in sich selbst dahin geeint haben, daß Ihnen die
Gründe der Überzeugung würden es dahin zur
sich immer mehr davon überzeugen, daß die frühe-
ste Kinderpflege vor allem wichtig ist, daß Sie
eine Kleinkinderpflegeanstalt zu gründen Willens sind,
daß Sie zur Mitwirkung die Frauen vereinen wollen
und Sie selber die Bildungs[-] und Entwicklungsmittel
zur Pflege des Thätigkeitstriebes der Kindheit, wie
Sie [sc.: sie] von Fröbel angebahnt sind, von Grund aus durch
zu arbeiten beabsichtigen.
Diese Bestrebungen treten uns so wesentlich u beack als so wahr, in sich
begründet u beachtungswerth entgegen, so daß wir sie, als
das Menschheitstreben im Auge förderlich, auch von unsrer Seite [aus]
zu pflegen wenn möglich möglich, zu pflegen und zu beachten
beachtend zu pflegen <erkannte>u HE Fröbel mir zustimmte als ich
den Wunsch äußerte daß ich einige Zeilen an Sie richten
möchte u Ihnen Ihnen einige Zeilen von hier zu senden /
[179R]
Da Sie die Gründung einer Kleinkinderpflege Anstalt
im Auge haben, so ist Durcharbeitung der Bildungsmittel
dafür vor allem wichtig. Aber ich mußte mir doch
aussprechen noch wichtiger wäre die Ausführung des
Gedankens, den uns auch HE Langeth. von Ihnen andeutet
daß Sie einen Besuch hierher nach Blankenburg vor[-]
haben. Wenn Sie sich mit den Spielmitteln der
kleinen Kinder beschäftigen, werden Sie selbst
bald finden, wie die anschauliche Vorführung derselben von
einem Kundigen die Auffassung erleich-
tert. Nicht minder wichtig ist das Anschauen ihrer
der Wirkung auf die Kinder selbst, wenn sie auf
in eine größern Gesammtheit Kreise von Kindern an-
gewandt werden. Aber so wesentlich dieß ist um sich
zum Voraus eines sichern gewünschten Erfolges bey eigener Anwen[-]
dung in einem Kreise von Kindern versichert zu wissen,
so ist das doch nur noch ein Geringes gegen den innern
belebenden Gedanken. Daß Sie in dieser eine tiefere
Einsicht erhielten, die dann das Leben und die Entwicklungen
dann selbst gebiert, das ist es vor allem warum
ich Ihnen Sie hierher wünsche um an der Quelle des
Gedankens selber zu schöpfen. So wohl in der erstern, äußern
als in der letztern innern Beziehung gilt in Wahrheit wieder
das alte Wort: Kommet u sehet - sehet die Wirkungen
prüft die Einheit, die Größe das Allumfassende das Neubelebende d[es] Gedankens.
Kommen Sie, und sobald als möglich das wäre somit ist
mein erstes Wort. - Wofür aber kommen? Für Kinder-
pflege. Diese ist So wichtig nach meiner Überzeugung, daß ich es nur bruch[-]
stücke in ihrer Bedeutsamkeit, will ich es versuchen, anführen kann

mich zum voraus begebe wenn ich auf etwas hin weisen ihre Bedeutung
erschöpfen zu wollen daß sich das gar zeige nicht aussagen läßt, sond[ern]
ich nur auf einzel[nes] hin weisen will. Nicht nur weitere unsere
spätere sind daß wir darauf zurück geführt worden vor allem /
[180V]
Nicht nur daß wir darauf hin gewiesen worden
sind durch alle unsere erziehenden Unternehmungen
indem wir in späterer Zeit überall den Grundbau versäumt
und die Grundrichtung gewöhnl versäumt so meist verfehlt
vorfanden, daß die Schulbildung keine sichere Durchführung
keine reine Lebensentwickelung mehr anbahnen konnte. Nein
Aber auch wenn wir auch weiter blicken u das wirkliche Leben
ins Auge fassen, das wir der Umgestaltung für nöthig er-
kennen. Wie [ist] es möglich die festgewurzelten Urtheile
Gesinnungen Gewohnheiten umzuwandeln, wie ist es möglich eine
höhere Gesinnung thatkräftig zu machen[?] Nur wenn das
Leben der Menschen in seiner frühesten Zeit davon wie mit
umgeben u damit als mit reiner Lebensluft <genährt>
wird. So also wenn es uns wirkl[ich] um Lebenserneuung
zu thun ist.
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Denn nach den jüngsten Mittheilungen von HE
Langethal in Burgdorf ist Ihr Streben auf jetzt
auf eine gründliche, allgemeine ja menschheitliche
Erziehung gerichtet. Wie Sie vielleicht früher mehr
den aneignenden Wege verfolgt haben, ist der
Wendepunkt <-> gekommen wo Sie mit Entschiedenheit die
ent-
wickelnde Erziehung als die wahre
u als die des Menschen in zder jetzigen Zeit
[gemäße erkennen.] Hiermit muß Ihnen
entschieden klar geworden seyn daß der aneig-
nende
Weg in der Erziehung nicht mehr genügt
den ge sondern daß der jetzige Bildungsstand
des Geschlechts und das Streben der Geist welcher
in der Zeit sich Bahn machen will, nothwendig die ent-
wickelnde
Erziehung fordert[.]
[auf linkem Rand Notizen:]
Erzieher Ausbildung
1. Erziehung Menschheitserziehung Streben
2. Überzeug[ung]: Erziehung - <frühe genug>
3. Erziehung und Kinderpflege
4. dieselbe Idee und <Besch[äftigung]>
5. Fröb.[els] Gedanken von besondern Kräfte
6. deutlich aus d Sache hervorgeht
7. Gedan u klare Kenntnisse d Sach[e]
8. daran nothwendiges Leben
9. Nicht anders als früher
10. Lust Deutschland zu besuchen <thun>
11. denn in D[eu]tschl[and] mögl
eine Spielschule nach dieser Richtung auszuführen
12. <Aber> solche Spiel[schule] nicht isolirt s[on]d[ern]
in inn[ern] Zusammenhang mit d Ganzen[.]
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1. Menschheitl Erzieh[un]g Streben
2. früher die aneignende
3. jetzt die entwickelnde Seite
4. Kindheitpflege
5. diese durch Pflege d Thätigkeitstriebes
6. Nicht genug diese zu <benennen>
7. diese <auch> zu schauen
8. dazu <> Besuch benutzen
9 In Deutschland Elemente für d Kindpflege
sey aus Lgthl. Mithteilungen besonders
10. Aber jetzt auch sehr u wieder
weiter Bildung aus Männer
durch Wärterinnen
11. Zu Weihnachten Verein a)
Große Deutsche frey wie b)
12. Zusammenstimmend + 11a Aufsatz
in d Anz. d. D.