Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 5.1.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 5.1.1840 (Blankenburg)
(UBB 89, Bl 289, Brieforiginal 1 Bl 8° 2. - Der Brief wurde zusammen mit dem von Wilhelm Middendorff an Heinrich Langethal vom selben Tag verschickt. Dem Brief lag offenbar der Brief an Fröhlich in Bern bei, von dem der Entwurf v. 4.1.1840 in BlM erhalten ist.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 5 Jenner 40.


Den reinsten Gruß mit welchem ein Menschengemüth und Menschengeist
und Menschenleben ein anderes begrüßen kann, Dir und Deiner Ernestine
und Euch allen zum frohen Neujahr Gruß.-

Middendorff welcher zuerst den Gedanken hatte den beyliegenden Brief an
Fröhlich in Bern unmittelbar an denselben zu senden, hat sich nachdem der Brief
beendigt war eines anderen besonnen und trägt mir jetzt, Abends 7 Uhr,
wo er noch mit Christianfriedrich Clemens, welcher mich diesen Nachmittag be-
suchte nach Keilhau zurück kehrt von wo er seit Donnerstags entfernt war,
auf die Briefe beyde unmittelbar [sc.: mittelbar] zu senden indem er es ich weiß nicht ob natür-
licher oder besser findet. Genug dem sey wie ihm sey ich befolge seinen Auftrag und
benutze zugleich dieses freye Blatt Dir und Deiner lieben Ernestine meinen
herzlichen Neujahrsgruß auszusprechen. In dem Gruße selbst ist des Grußes Inhalt ge-
geben, was bleibt noch dazu oder davon zu thun.-
Aus dem beyliegenden Druckblättchen, welches Du ja aus dem Briefe an Fröhlich
herausziehen und wiederhineinschieben kannst, kannst und wirst Du das Verhält[-]
niß ersehen in welchem ich, in Beziehung auf meine Unternehmung: - "Begründung, Aus-
und Einführung einer angemessenen Kinderpflege bis zum schulfähigen Alter" - zu
meinen nächsten Umgebungen, zu Blankenburg und zu Deutschland das ver-
gangene 1839e Jahr beschlossen und das neue 1840e Jahr begonnen habe. Du
siehst und findest ein erregendes und erregtes Wirken und Streben aufmuntern
und entgegenkommen von allen Seiten. Angeregt und aufgefordert durch das Frauen-
gemüthe aus welchem der Aufsatz in No 142 und 143 der Frauenzeitung - (:der ich
erwähne es nochmals Du in Bern oder Burgdorf Eingang u Theilnahme zu verschaffen
suchen solltest:) - hervorgegangen ist, ist der Prof Dr Scheidler in Jena in dem hier
beyliegenden Aufsatze die Sache allseitig fördernd ins Feld getreten. Das [sc.: Daß] und wie
er darüber auftritt und sich sich ausspricht, daraus kannst u wirst Du wohl ersehen,
daß er hofft die Sache, der Gegenstand werden gut bereiteten Boden finden. Und
nicht nur so, sondern noch bey weitem besser ist es: Unsere Achtbaren Frauen
hier, zunächst in der befreundeten Frauen drey, der Fr[.] Sup: Örtel der Fr:
Rectorin Maurer
und der Fr: Apotheker Sattler haben nicht erst die Auf-
forderung in einem öffentlichen Blatte und so die von dem wohl vaterländlich ge-
sinnten Scheidler abgewartet, sondern sind zur Fr Feyer, zur wahren Feyer
des lieben Christfestes als eines wahren Kinderfestes
zur Pflege, zur entsprechenden Pflege der Kindheit bis zum schulfähigen Alter
     in Einigung oder zu einem Vereine zusammengetreten.
Sie freuen sich jetzt und sind glücklich dem Zuge und der Forderung des Gemüthes und
des gesammten Lebens gefolgt zu seyn und nicht erst so einer bestimmten Auf- und An-
forderung zuvorgekommen zu seyn, und ich freue mich herzinnig mit ihnen.-
Auch außerhalb Blankenburg hat der Gedanke <nun>
eines allgemeinen deutschen Frauen (und Jungfrauen) Verein[s]
zu dem gleichen Zwecke
wovon nun der Blankenburger Frauen (und Jungfrauen) Verein ein organi[-]
sches Glied und so ein ächtes Gliedganze[s] in sich seyn wird
rege Theilnahme gefunden.
Die Frau von Mannsbach aus Greiz, wo derselbe Gedanke, wie nach /
[289R]
andern Punkten Deutschlands gerade zum lieben Christfest - so wollte es der
Geist des Ganzen - einkehrte, schreibt mir, unmittelbar am Tage des <1en>
Christfestes selbst:
"Eine schönere, ächtere Christgabe, konnten Sie l. Fr. mir nicht bie-
"rei ten als den Gedanken für die Bildung eines deutschen Frauen-
"vereines zu früher Kinderpflege. Mein Dank für Ihre Gabe
"soll seyn, wo ein solcher Verein ins Leben tritt, da fühle ich mich
"ihm angehörend, denn ich will gern der Kinderwelt eine wahre
"Mutter seyn."- (:Übrigens wird sie selbst in diesen Tagen einen
Localfrauenverein unter dem Vortritt ihrer jungen Fürstin in Greiz be-
wirkt haben und ich habe sie aufgefordert diesen Local Verein zu einem
Gliedganzen des von mir und so <nun aus>, bezweckten allgem: deutschen
Frauenvereines herauf zu bilden.:)
Und schon am 29en Decbr schreibt mir dieselbe Fr. v. Mannsbach: -
"Ich entdecke hier immer besseren Boden für unsere Sache; die jungen Müt-
"ter hier sind gläubige Gemüther. Das Dringendste für mich je ist jetzt die
"Ausübung mit kleinen Kindern selbst, dazu hoffe ich nach Neujahr Zeit zu
"gewinnen."-
Dr v. Leonhardi schreibt mir daß der Gedanke eines allgem: deutschen Fr: Verein[s]
zur entsprechenden Kindheit[s]pflege rc. auch in Frkfurt Anklang gefunden habe,
Von Rudolstadt vom Hofe u der Fürstin Mutter u Prinzeß Karl zeigt man sich sogl[eich]
werkthätig als erste u begründende Glieder dieses Vereines. Heut Nachmittags
waren die beyden Schwestern Heubel aus der Strickschule der Fürstin Mutter zu R.
mit dem Mädchen bey mir welches letztere als Kindermädchen für ein Handelshau[s]
zu Frkfurt a/m aus den Töchtern ihrer Strickschule ausgewählt hat und welches
nun auf Kosten der Fürstin Mutter während ¼ Jahr hier dazu theils von
mir und theils von den Gliedern u Frauen des hiesigen Frauenvereines I ihrer
nächsten Wirksamkeit entgegen gebildet wird.
Hätte ich Zeit so würde ich Dir zunächst meinen einenden Brief an die
hiesigen Frauen mittheilen; denn der Gedanke war schon zum öftern vorher
zwischen mir u der Frau Sup: Örtel besprochen worden; vielleicht ein an-
dermale, wenn Du glaubst davon Gebrauch machen zu können. Aus diesen That-
sachen wirst Du Dir nun wohl ein Bild j des jetzt frischen erziehenden Gemüthslebens
b machen können. Doch noch Eines oder hab ich es Dir schon geschrieben?- Abends von ½7
bis 8 trage ich den jungen Bildlingen biblische Geschichten vor. Durch eine Mittheilung
darüber bat mich erst unser junger Herr Rector Neurer und nun seit einigen
Tagen auch der älteste Sohn des Herrn Rath u Amtm: Sigismund (Cand[idat] der Medizin)
daran Antheil nehmen zu dürfen; so wächst das Interesse still und langsam
doch immer mehr u mehr[.]-
Heut Nachmittags bekomme ich die Schachtel durch He. Zeller. Aber sag theurer
Langethal wie kommst Du auf den Gedanken mir diese Sachen zu schicken und war-
um schickst Du sie mir?-?- Hättest Du sie sämtl. verbrannt oder verschenkt
einen herzlichen Dank würde ich Dir sagen, ja <10> und mehrfach danken; aber so?-
Was soll ich mit den Sachen?- Wozu die Erinnerung!- Längst hätte ich dagegen
mein Wort gegen Deine Ernestine gelöst, wenn es mir die Umstände erlaubt hätten.
- Von Mathilden in G. ist noch nichts eingegangen; auch nicht einmal eine Anzeige
ihrer Verbindlichkeit. Lgethal: Wort u That ist im Leben zweyerley.- DFrFr
In Keilhau scheinen Herr Zeller - so wie Zöglinge u Lehrer wie Barop mit Herrn Zeller zufrieden.- An Ferdinand mein[en] Gruß.- /
[289V, Rand]
Heut habe ich einen sehr freundlichen achtenden und in gewisser Beziehung auch eingehenden Brief von einem gewissen <Horlbeil>, Schul Inspector in Greiz erhalten[.]
Theile diesen Brief auch an Fröhlich mit
und siehe <wie der Voigts> dem <freuenden eine>
<auch in Gießen Freundinnen> gewinnen können.