Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 27.1.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 27.1.1840 (Blankenburg)
(UBB 94, Bl 301, Brieforiginal 1 Bl 8 ° 2 S.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 27 Jenner 1840.

Die höchste Geistes Besonnenheit und Mannesruhe zum Gruß
     geeint mit der zartesten weiblichen Pflege und Achtung
                  auch des Besonderen.

Auf Deinen mannhaft entscheidenden Gruß Deinem mannhaft entscheiden-
den Entschluß wollte ich schreiben, jetzt wo die Zeit und das Leben drängt
mir ein Paar wichtige Worte zum gegen Gruß. So ist es! mit klarer
Besonnenheit und Mannes Festigkeit, allein keinesweges mit Gewalt, Hast
und von äußerem Drange getrieben muß der Entschluß gefaßt werden;
er muß so lang als nur immer möglich still im eigenen Gemüthe gepflegt
werden, damit man seiner innern Entwickelung, den Forderungen seines
Wesens immer gleich frey und und unbewegt nachgehen kann; darum unter-
schreibe ich jeden der 5 oder 6 Gedanken mehr als einmal zur, wenn es
möglich ist treuesten Nachlebung; darum unterschreibe ich Deine Äuße[-]
rung vor festester Entscheidung des Ganzen nichts nach Außen hin darü[-]
ber und die zarte liebevolle Mahnung Deiner und unserer Ernestine
nichts, auch nicht dem Freunde zu bestimmt zu versprechen; darum erkenn[e]
ich die treue wahre Tochter unserer verklärten Mutter, wie sich mein
Herz sehnt sie als solche einmal im Leben wieder zu und für gemeinsa-
mes Handeln in dem von dieser geseegneten Geiste zu begrüßen.
Jenes also: meine Bestimmung zu Deinem u Euern Grundsätzen und
Handeln das erste dieses Briefes; das zweyte nun ein Gedanke
von mir u Middendorff vielleicht die Lösung des noch chaotisch vor uns
Liegenden herbey zu führen.- Könnte nicht Ferdinand an Deine Stelle
treten?- Burgdorfs Leben als Glied und Geist des unseren uns zu
sichern müssen wir bis auf den letzteren Punkt hin fest zu halten
suchen und - Ferdinands Wirken bekäme dadurch eine Steigerung
Howald u Antonen höre ich lieben ihn, in B[u]rgdorf ist er geachtet; er
käme in mehrfachere und höhere geistigere Beziehungen theils in Burgdorf
selbst, theils in Bern d[urc]h Vogt und Fröhlich und sonst dünkt er mich wohl
geschickt, seine Zweifel sich nicht mit Kindern abgeben zu können, glaube ich
würden sich bald lösen wenn er sich als Führer in der Mitte eines
solchen Ganzen befände. Überlegt es. Middendorff meynt, das
Schicksal habe gleichsam immer im Stillen diese Stelle für ihn in Ge-
danken gehabt, deßhalb habe sich seine Wahl so spät entschieden,
mich dünkt aber seine Stelle in Kl. Dietwyl war eine Vorbildung
auf Burgdorf. Auch für Keilhau würde dieß gut wirken man würde
darinn eine Fortentwickelung sehen und Ferdinand selbst könnte dann
die Schweiz wenn er will mit noch größerer Hoffnung als seine 2e
Heymath betrachten. Also vor allem in diesem Punkte mit Euch
klar: Auch für Barop würde diese Entwickelung günstig wirken,
denn mit ihm habe ich bis jetzt noch gar nicht über unsern Vor[-]
satz noch weniger also über Deinen Entschluß gesprochen, denn
ich wollte mir die Schwierigkeiten nicht zu sehr häufen, da ich
keinesweges mit einiger Bestimmtheit sagen kann, ob er gleich auf /
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die erste Mittheilung hin für Deinen Weggang aus der Schweiz und Dein
Hierherkommen stimmen wird. Wie gesagt ich erwarte auch von dieser
Sache bestimmte Entgegnungen. Du siehst also l. L. daß ich jeden Fuß
breit Landes in, außer und um mir erkämpfen muß und dennoch
dennoch sehe ich nicht ab wie das Ganze im Geiste unseres Wirkens
und in Beziehung auf den vorliegenden Zweck sich anders als auf dem
jetzt betretenen Wege lösen kann. Ob ich nun gleich, wenn es seyn
muß auch zum Wohle der ganzen Kindheit u durch diese zu dem der
Menschheit auch die Wirksamkeit auch in einem ganzen Lande und
deren Fortentwickelung aufzugeben im Stande bin, so gestehe ich offen
daß ich dieß nicht meyne noch als nothwendig erkenne; sondern ich
glaube daß durch Dein Fortgehen eine höhere Weckung bewirkt werden
soll, so daß Andere z.B. Ferdinand leichter und vollständiger erreichen
was Dir nicht zu erreichen möglich wurde (bey, ich möchte sagen der
höchsten Anerkenntniß Deines Wirkens durch Geist u Person) - so wie
schon Du vorher, freylich mit bestimmteren Gaben vielmehr erreicht
und bewirkt hast als ich. Ferdinand hat Charakterfestigkeit und
doch auch hohe Menschlichkeit, Eigenschaften welche in der Schweiz und
namentlich auch in B[u]rgdorf selbst persönlich bey den Schnells gut
wirken rc. rc.
Das dritte was ich zu schreiben habe ist, daß ich kurz vor Eingang
Deines Briefes einen Brief von der Fr. v Ahlefeld empfing worin
sie mir schreibt daß ChristianFriedrich gar zu gern zu Dir auf
einige Zeit nach Burgdorf möchte. Ich gestehe wie ich den Brief em-
pfing, sahe ich nicht ein wie sich dieß bey Dir vermitteln lassen
würde, nun aber schreibst Du mir von den ersten Streben in Bern
durch Fröhlich wie wäre es wenn ChrstFriedrich sich hier möglichst mit
den Spielen als ein Ganzes bekannt machte und entweder - wenn
Ferdinand selbst nicht so herabsteigen könnte für einige Zeit diesen in
B[u]rgdorf hilf oder was eigentlich mein erster Gedanke wäre:
wenn Christianfrdrich als Gehülfe zu Fröhlich nach Bern ging dort
hätte er die Beste Gelegenheit sich nach jeder Seite hin auszubilden
so wie er doch unter ernster väterlicher - brüderlicher - mütterliche
schwesterliche Leitung stände eine Stellung wie ich solche mir selbst
nicht besser wünschte. Die Reisekosten, die Kosten für Equipierung
will Fr. v. Ahlefeld (so schwer es ihr auch würde) tragen, nur
in der Schweiz wünscht sie zunächst für ihn blos fr[e]ye Station; ich
glaube auch dem Barop sagte diese Entwickelung zu. Dadurch wär
jedoch nicht abgeschnitten daß irgend Jemand von Bern zur Prüfung und Aneignung
der Sache hierher gesandt würde. Dieß erschien
mir sehr wichtig.- Viertens schreibe doch sobald Du in allen Bezieh[-]
ungen entschieden bist an den Musiklehrer Weber nach Eßlingen
bey Stuttgardt vielleicht daß er dann noch seinen Entschluß hierher
zu kommen ausführt, wovon ihn vielleicht mein ernster Brief abgeschreckt hat.-
- Die Beylage erhältst Du zu einem Gruße für Fröhlich u Fr: Vogt. Bald mehr von
DFrFr.