Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 27.1.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 27.1.1840 (Blankenburg)
(UBB 95, Bl 302-303, Brieforiginal 1 B 8° 4 S.; Briefliste Nr. 927 dat. irrig. "24.1.". Es gibt zwei Briefe vom selben Tag an Langethal, hier wohl eher 2. Brief. Dem Brief dürfte das Original oder eine Abschrift des Briefs von F. Korn in Obernitz an Fröbel v. 25.1.1840 [BlM X,6, Bl 65-66] beigelegen haben)

Blankenburg am 27 Januar 1840.


Den Seegen stetig zusammenstimmender Lebensentwickelung
                    zum Brudergruß,
      zum Gruß ächter Geschwisterliebe.

Ich fürchte nicht, daß es Dir weder unerwartet noch unlieb seyn wird
jetzt schon wieder einen Brief von mir und hier zu erhalten; denn wenn
das Leben so im Fluß und Bewegung ist wie gegenwärt[i]g das unsere
so kann jede augenblicklich zwar unscheinbare Einwirkung wichtig werden;
so geht es mir und so denke ich mit einem Briefe den ich gestern Abend
von unserm alten vieljährigen und treuen Freunde d. Her[r]n Pfarrer Korn
in Obernitz erhielt. Dieser Mann der wie Du Dich erinnern wirst praktisch
schon vielseitig förderlich in unser Leben durch Bremser, Sophie zuletzt durch
Franz rc eingriff, dieser Mann äußer[t]e auch schon im vorigen Jahre
in gewisser Beziehung eine prophetische oder geistige Einwirku[n]g auf mein
jetziges Unternehmen indem derselbe als ich ihm dasselbe in seinem Unterrichte
vorgeführt hatte den Gedanken aussprach: - "Diese Spiele und mein der-
artiges erziehendes Unternehmen würden einst eine ganze Verän[-]
derung in dem Unterrichts- und Schulwesen bewirken."- Diese Äuße[-]
rung frappirte mich dortmals selbst und dieß um so mehr als ich
wünschte und noch wünsche, daß man dieß ehe wir mit uns in un[-]
serm Wirken nicht noch fester stehen, noch nicht so bestimmt ausgespro-
chen werden möchte; ich antwortete ihm daher dortmals darauf:
Ach, Spiele, wo denken Sie hin, wie mögen diese das bewirken.- Er
erwi[d]erte: Sagen Sie mir dieß nur nicht. In dem gestern empfang[-]
enen Briefe stehen nun wieder einige solche, wie soll ich es be-
zeichnend genug nennen?- Ahnungen, Herausfühlungen aus
dem Leben möchte ich es nennen besonders auf das was zunächst /
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unser beyderseitiges Leben bewegt.
"Die Kräfte eines Fröbels werden zwar für einen kleinen
Kreis ausreichen, aber nicht für das allgemeine große Bedürfniß
für ganz Deutschland."
Nun bezeichnet er dieß Bedürfniß genauer:
"erst viele Seminarien würden erfordert in welchen Lehrer
für Kleinkinderschulen (:ich sage lieber Kinderpfleger in Bethätigungs-
anstalten:)- gebildet würden[.]"
Ehe aber erst viele Seminarien ausf ausgeführt werden können
so muß ganz nothwendig erst eines nur ein einziger [sc.: einziges] da seyn in
welchem die in sich einige GrundIdee auch in aller Mannigfalt[i]gkeit
als eine einige durchgeführt wird. Du siehest daraus wie Korn
uns gleichsam sagt was wir zu thun haben. Dieserhalb ist mir
nun der Brief so aufs höchste wichtig; er erscheint als eine Stimme
eines vieljährigen Beobachters unseres Leben[s] aus dem Volke,
gleichsam ein Dokument eine Grundlage für unser gegenwärti[-]
ges Wollen, ob dieß gleich keinesweges wieder dadurch hervor-
gefördert bestimmt worden ist; allein sie diese Stimme scheint mir
doch klar zu sagen: - in dem was Ihr thut [sc.: thun] wollt habt Ihr ganz
Recht es ist vollkommen Bedürfniß, also Zeit und Orts gemäß; deß[-]
halb theile ich Dir nun auch den Brief Korns in sei[n]er ganzen Aus[-]
dehnu[n]g zu seiner vollen Beachtung mit; dann aber selbst auch in Bezieh[un]g
auf die Wasserheilanstalten und so auch wieder in Bezieh[un]g auf
die welche hier mit dem 1n May ins Leben treten soll; wodurch
also durch das allgemein verknüpfende Element des Wassers auch
eine höhere Lebens Verknüpfung bewirkt werden soll.
Den weitern Gebrauch des Briefes als Dokument für Dich überlasse ich /
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ganz Dir. Ich bezeichne zu diesem Behufe nur auf die Stelle:
"Es ist ein ungeheures großes Feld der Wirksamkeit und ein so
allgemein dringendes, nothwendiges, das selbst in dem kleinsten
Dorfe nicht fehlen sollte."
Daß sich solche Stimmen in Deutschland erheben nur in dem kleinen Kreise
unserer uns zunächst nur nahe stehenden Freunde erheben (Von Frkfurt
Eisenach, Greiz, selbst Leipzig u Dresden eingeschlossen auch Jena Scheidler)
dieß muß auch für Deine nächste Umgebung wieder wichtig seyn; sey
es nur für Ferdinand, Fröhlich, Karl u Wilhelm Clemens.
- Diesen Nachmittag war Barop hier, das erste war daß ich ihm den mir
von der Fr: v. Ahlefeld für u von Christian Friedrich ausgesprochenen Wunsch
mittheilte; er sagte mir, daß er schon gleichen Gedanken für ihn in sich ge-
tragen habe, das Gleiche sprach Middendorff aus, worein auch ich bey[-]
stimmen mußte und so wurde denn entschieden, daß sich ChrFrd selbst
schriftlich an Dich wenden solle. Barop gieng auch auf den Gedanken
ein, daß es sich sowohl für ChristianFrdrich als Ferdinand gut machen
könne, wenn ersterer vielleicht auf einige Zeit zu letzterem ginge. rc.
Von Deinem Entschluße und dem bisher zwischen uns Verhandelten
konnte ich den [sc.: dem] Barop heut noch nichts mittheilen indem Barop
seit längerer Zeit Deine Briefe an mich nicht selbst gelesen hat. Ich
wollte es heut nun einleiten und ihm Deine letzteren Briefe ver-
flossenen Jahres an mich mittheilen doch war dazu heut nicht Zeit
allein mit Bestimmtheit sprach ich ihm ein Zweyfaches aus erstl.
daß man aus Korns Brief ersähe was man von uns erwarte und
daß dieß Steigerung i.e.Vermehrung der Kraft fordere; Zweitens daß
er bald wieder kommen möchte um über Dein Verhältniß zum Ganzen
zu sprechen.- Ich meyne nun so: wenn Du in Dir auch nach Außen hin /
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ganz klar bist, daß Du dann Deinen Entschluß nach den vorliegenden
innern und äußeren Lebensthatsachen und des großen Lebensganzen und
gestützt auf dieselben oder daraus abgeleitet - dem Blankenburg-Keil-
hauer Erziehungs und Lebensganzen und begleitet von Deinen eigenen innern
Gründen einfach und bestimmt aus durch mich aussprichst; dieß
wird für Dich selbst in mehrfacher Beziehu[n]g einmal in Beziehung auf
eigene Klärung, dann Deine Überzeugung mindestens im Kreise
mit Deinen eigenen Worten und in Deinen eigenen Verbindungen be-
kannt zu wissen. Solche Urkunden sind wie für den Einzelnen so
für das Ganze wie für Gegenwart u Zukunft so selbst für Ver[-]
gangenheit wichtig.-
Weiter meyne ich, [so]wie Deine Zurückkunft entschieden d.h.auch in
seinen äußeren Forderung[e]n klar und ausgesprochen ist; daß wir dann
sogleich unsere Wiederverein[i]g[u]n[g] für den Zweck der ersten Kinder- und
Kindheiterziehung bis zum Schulfähigen Alter und für den Zweck
von Kindheiterziehern im [sc.: in] dem Allgem: Anz: der Deutschen zugleich
mit einer klaren Darlegung des Wirkeplanes bekannt machen[.]
- Ich weiß nicht ob ich Dir schon geschrieben habe, daß Luise Frkbrg gern
aus Amerika zurück nach Keilhau möchte. Barop äußerte bey dieser
Gelegenheit, daß ihm jede retrograde (zurückgehende Bewegung[)]
zuwider sey. In der oben gedachten Darlegung ist es also besonders
zu sagen wie deine Rü[c]kkehr nach Deutschland u Blkenbg, kein Rück[-]
schritt in der Entwickelu[n]g sondern ganz das reine Gegentheil sey.-
Grüße Ferdinand, Fröhlich, die Vogt auch Mathilden, die beyden Clemens
auch Schäfer, selbst <Beck> vor allem aber Deine liebe, unsere Erneste, auch den
Spieß im Lichte, in der Liebe u im Leben höherer Einigu[n]g.- Du muß[t] immer mehr
mit mir finden, wäre der Entschluß noch nicht gefaßt, so müßten wir ihn fassen.
DFrFr.