Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Karoline-Luise, Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 9./14.2.1840 (Blankenburg)


F. an Karoline-Luise, Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 9./14.2.1840 (Blankenburg)
(a) datierter Entwurf vom 9.2.1840 in BlM X,9, Bl 151-154, 2 B fol.; b) datiertes Brieforiginal in ThStA Rudolstadt, Schloßarchiv D Nr. 9, Bl 20-26, 5 B fol.; teilweise ediert Sellmann 1932, 97-100; undatiertes Abschriftfragment des Brieforiginals Bl 26 in BN 648, Bl 14.)

a) Entwurf

Blkbg d 9 Febr. 1840


Durchlauchtigste Frau Fürstinn,
Gnädigste Frau Fürstinn und Frau!

(Ew Hochfürstl Durchl zeigten wir schon schuldig <> an)
Ew Hochfürstl[iche] Durchlaucht gaben uns huldvoll den gnädigsten Auftrag
unter den sich dem Lehrfach widmen wollenden jungen Leuten
des Vaterlandes einen zu einem Kinderführer u Lehrer für die
durch Höchst Ihre Huld u Gnade bestehende Kleinkinderschule
zu Rudolstadt ausfündig zu machen. Durch den Mädchenschul-
lehrer HE Menger in Stadtilm wurde uns dazu sein
19jähriger Bruder, Emil Menger aus Böhlau, Sohn eines
dasigen Webermeisters, welcher sich früher schon für das Schul-
fach bestimmt hatte, dann aber durch Mangel an Geldmitteln
zum Gewerbe seines Vaters zurückzukehren genöthigt war,
vorgeschlagen. Durch die vorliegenden Gesammtumstände
fühlten wir uns bestimmt, denselben für die genannte
Wirksamkeit zu wählen. Seit einem Vierteljahr ist
derselbe hier eingetreten, um sich nach den Forderungen
dieser Bestimmung hier auszubilden; und es ist uns nun
Pflicht, Ew Hochfürstl Durchl von dem Ergebniß dieser Zeit
Rechenschaft abzulegen.
Schon durch das günstige Urtheil, welches sich sein Bruder
in seiner Wirksamkeit zu Rudolstadt erworben hat, faßten wir zu dem jungen
Menger, als einstigem Führer kleiner Kinder, gute Hoffnung u es freut
uns gar sehr aussprechen zu können, daß wir der Zuversicht leben,
sie werde in Erfüllung gehen.
Der junge Menger steht zwar durch seine unterbrochene
Schulbildung u durch die zweyjährige Rückkehr zum Gewerbe des Vaters
noch auf einer geringen Stufe der Ausbildung; doch besitzt
er die beyden Eigenschaften, die ihm noch leicht möglich machen
sich nicht nur der ihn zunächst erwartenden Bestimmung
sondern auch einer einstigen Schullehrer-Wirksamkeit
entgegen zu bilden. Ohne eben ein junger Mensch /
[151R]
von ausgezeichneten Talenten zu seyn, <führen ihn> zeigt er doch
die zu dem von ihm gewählten Berufe nöthigen Anlagen
u besonders Fleiß guten Willen, Fleiß und Ausdauer u
besonders zu dem ihn zunächst erwartenden Berufe die
so nöthige Einfachheit, Kindlichkeit u anspruchlose Hingabe.
Zwar zeigt giebt er auch die, jungen Leuten des von ihm gewähl-
ten Berufes fast allgemein eigene Werthlegung auf das Äußere,
zu erkennen, die ein wenig nach Manier neigt; aber bis jetzt auch
doch nur ein wenig, so daß es sich hoffen läßt, ob er wird mit
Festhaltung des äußern Anstandes u gültigen <-> geziemenden Betragens die dem
Erzieher so nöthige Lebensfreyheit sich erringen. Und so hoffen
wir, daß er einst wohlthuend u seegensreich in dem
ihn zunächst erwartenden Berufe wirken könne; u dieß
um so mehr, da er wie durch sein kindliches Betragen das Kinderleben pflegendes Bezeigen so
durch ein angenehmes Äußere sich fest sicher die achtende Liebe der Kin-
der zu erwerben weiß daß sie ihn nicht allein gern haben sondern
achten ihn auch achten; und er uns schon oft den Beweis gegeben
hat, daß er an 24 zum Theil sehr lebhafte Knaben sowohl
in Ordnung als in geregelter Thätigkeit zu erhalten im Stande
ist. Dazu kommt, daß er einen angenehmen wohl
ansprechenden Tenor singt Stimme hat (er singt Tenor). Auch weiß er im Geist
unserer Spielübungen die kleinen Darstellungen der Kinder den[-]
selben durch Heraushebung u Erzählung entwickelnd
u angenehm zu machen.
Wir haben uns hier bemüht Mengers gute Eigen-
schaften so scharf als bestimmt hervorzuheben. Aber deß-
halb dürfen wir auch nicht verfehlen, daß sie eine
feste u ernste Pflege fordern, um zum nothwendigen
Ergebniß (wie wir hoffen) zu führen, besonders zu dem
so höchst wichtigen, in Gegenwart der Kinder ununter-
brochen regen Geistes zu seyn, um über Beachtung des Ein-
zelnen nicht das Ganze aus den Augen zu verlieren,
und umgekehrt. /
[152]
Die Zeit für Tageszeit ist zu seiner Bildung von uns
so geordnet: die Morgenstunden bis um ½9 sind
für ihn zu Selbstarbeiten - zum Festhalten u Niederschreiben
dessen, was der gestrige Tag wichtiges darbot, bestimmt.
Von ½9 bis 9 ist allgemeines Frühstück. Von
9 bis um 10 sind Betrachtungen über das Wesen u die
Natur des Kindes u die daraus hervorgehende
Behandlung Pflege u Erziehungsweise desselben.
Wir stehen jetzt bey der Betrachtung der Eigenschaften
und Forderungen des dreyjährigenKindes. Diesen
Unterricht theilt er jetzt mit noch 5 andern Bild-
lingen
jungen Männern und Töchtern. Unter den erstern
ist ein verheiratheter Lehrer aus Frankfurt a/Mayn, welcher
sich zur Ausführung einer Kinderpflegeanstalt in unserm
Geiste und Grundsätzen auszubilden sucht. Unter den letztern
ist besonders die von Ew. Hochfürstl Durchl[aucht]
Huld und Gnade sich hier zu einer Kinderpflegerinn ausbildende dürfende
Tochter aus Höchst Ihrer Strickschule zu Rudolstadt, Henriette Bräutigam
aus Königsee.- Von 10 bis 11 ist theoretisch-prak-
tische Vorführung der Spiel- und Beschäftigungsmittel der Kinder
nach ihrem Zusammenhang und Forderungen, wo besonders auch
Gesang geübt wird; an dem der
Gegenstand
an welchem Unterricht außer den vorhin genannten noch 3 jun-
ge Mädchen aus der Stadt Theilnehmen sowie im Ganzen die <-> Im Ganzen sind un-
ter diesen 3 Töchter aus der an unsern Bestrebungen sehr regen An-
theil nehmenden Familie des hiesigen HE Raths[-] u Amt-
manns Sigismund sind und zwey andere Mädchen, welche
dieses Jahr die Schule verlassen sind aus andern achtbaren
hiesigen Familien. Von 11 bis um 12 sind Übungen
im Zeichnen, besonders als erste Beschäftigungen für die
Kinder, woran gleichfalls alle Antheil nehmen.
Von 12 bis 1 hat Menger Selbstbeschäftigung, welche
Zeit er besonders benutzt und sich in der Musik (Violine
u Clavier) zu üben. Von 1 bis 2 ist Mittagsessen u
frey. Von 2 bis 3 Selbstbeschäftigung (Schönschreiben)
Von 3 bis um 5 (Mittwochs und Sonnabends von 2 bis 4)
theilt er gleich den übrigen, unter unserer
Leitung, die Beschäftigung der Kinder in der Spielanstalt.-
5 bis gegen 6 Nach 5 ist Vieruhrbrod. Von da an bis ½ 7 hat er Übungen
im Rechnen unter Aufsicht bis . Von ½ 7 bis gegen 8 ist
biblische Geschichte, zugleich als Übung im Lesen und
als Darlegung des Entwicklungsganges im Menschengeschlechte
als zur Grundlage u Vorbild, auch den einzelnen Menschen im Einklange
mit dem von Gott selbst vorgezeichneten Erziehungs-
wege zu erziehen u so Dieser Unterricht bezweckt auch, den jungen Menger in
Übereinstimmung mit der Stunde von 9 bis 10, welche das /
[152R]
Wesen des Menschen u dessen Forderungen in der Erscheinung
des Menschen selbst zu lesen sucht
auf der Kindesstufe vorführt,
einen festen Grund und sichern
Ausgangspunkt zur Erfüllung seines Berufes zu geben. Der Abend
Nach Tische dann gehört der Abend wieder der Selbstthätigkeit und dem eignen Fleiße
des jungen Menger.
Die begründenden Unterrichtsgegenstände, welche Ew
Hochfürstl. Durchl[aucht] in dem Unterrichtsplan desselben jungen Menger ver-
missen werden, als Sprache, Mathematik, Geschichte p p,
die müssen wir jetzt, wo es sich zunächst darum handelt, <->
ihn in den Geist und  Gebrauch der Spiele einzuführen,
als besondere Unterrichtsgegenstände
noch etwas zurücktreten lassen. Jedoch wird so wohl
die Sprache als auch die Mathematik, wofür sich oft
Gelegenheit zeigt, immer vorbereitend beachtet.
Möchte diese einfache vorgeführte Vorführung des Standes der Sache u
der Bildungsverhältnisse des jungen Menger den Erwartungen
Ew Hochfürstl[ichen] Durchl[aucht] genügend genehm seyn ent-
sprechen.
Ew Hochfürstl Durchl haben mir gnädigst erlaubt,
am Schlusse des ersten Vierteljahrs die Berechnung
der sowie überhaupt für jeden jungen Mann Unterhaltungskosten
für den jungen Menger zu überreichen. Ich bin
darum so frey selbige in der Anlage unterthänigst
beyzufügen. Ew Hochfürstl Durchl hohe Theilnahme
möge mir huldvoll zu Gnaden halten, wenn ich mir
erlaube hier noch einige Notizen über den Stand
der hiesigen Verhältnisse bey anzuschließen.
Die Bildungsanstalt der Spiel- und Beschäftigungsanstalt
kleiner Kinder in Verbindung gebracht mit der israelitischen
Bürgerschule zu Frankfurt a/m, unter Mitwirkung eines Lehrers
u einer Lehrerinn geführt von HE Hochstädter, welcher
im vorigen Jahr während 6 Wochen in dieser Beziehung hier
zubrachte, hat den erwünschtesten Fortgang. Die
Zahl der Theil nehmenden Kinder war nach dem letzten Briefe /
[153]
auf 30 angewachsen, u schon hat die Sache solchen Anklang gefunden, daß nicht
nur Inhaberinnen von Kleinkinderbewahranstalten die
von mir aufgestellten
unsere Spiel- und Beschäftigungsmittel d Kinder
so weit diese Personen es vermögen und sie ihnen bekannt sind,
in ihren Schulen bey ihren Kindern in Anwendung bringen;
sondern ein Lehrer an einer der drey Volksschulen
in Frankfurt a/m HE Karl Schneider hat sich dadurch, daß mehrere
Christen sogar ihre kleinen Kinder in d Pflegeanstalt
der Juden geben wollten, wozu jeder nur sich scheut
den Anfang zu machen, wie überhaupt durch die in der sonst erwähnten
allgemeine Antheilnahme welche die Sache bey Frankfurts christl[ichen]
Eltern findet, sich veranlaßt gesehen, seine
Stelle nieder zulegen, um auf eigene Kosten eine
solche Kinderpflegeanstalt in der unserm Geiste u nach
den von uns aufgestellten Spiel- und Beschäftigungsmitteln
auszuführen u ganz in dem von uns angebahnten Sinne
den Kindern bis zur Schulfähigkeit, mit seiner Frau,
ausschließend zu leben. Zu diesem Zwecke lebt
Um sich hierdafür auszubilden u um die gedachte Anstalt
im Monat May zu eröffnen lebt derselbe schon
seit einigen Wochen hier u will so lange bleiben
als es ihm nur immer möglich ist seine Zeit Verhältnisse gestatten.- Fast noch
erfreulicher sind die Nachrichten aus Eisenach,
wo ein junger, sehr thätiger u talentvoller Mann,
HE Kern, Taubstummenlehrer daselbst, welchen wir im vorigen Jahre auf unserer Reise in Leip-
zig daselbst kennen lernten und schon dortmals mehrseitige Mittheilungen
über unsere Bestrebungen machten, mit nächsten Eintreten
der nächsten günstigen Zeit eine Kleinkinder-Pflege-Anstalt,
besonders für die ärmere Classe eröffnenrichten u
daselbst die von uns angebahnten Beschäftigungsmittel
u Weise in Anwendung bringen. Zum Beweis welch
ein Ernst es ihm damit sey, hat er sich sogleich hin
auf seine Kosten für 25 rth Spiel- und Beschäftigungs-
mittel kommen lassen u angezeigt, daß mit /
[153R]
Eintritte des nächsten Bildungscurses für Kinder-
pflegerinnen; dasjenige Frauenzimmer ein für Erzie-
hung schon vorgebildetes Frauenzimmer zu ein hier
eintreten u ein Jahr hier in Blkbg verweilen solle, um sich
zur Vorsteherinn dieser Anstalt auszubilden. Er selbst
wünscht gedenkt zu seiner Vervollkommnung im nächsten Sommer
eine längere Zeit mehrere Wochen hier zu leben. (Mehrere andere Theil-
nehmende Äußerungen die noch in der Entwicklung begriffen
sind unerwähnt
) Allein eine fast noch größere
Wirksamkeit als selbst in Eisenach scheint das Ganze
der Gedanke der frühen Pflege der Kindheit in Bern,
in der Schweiz zu gewinnen, wo unter Vortritt mehrerer
daselbst als Lehrer und Professoren angestellten Deutsche
auch mit dem jetzt beginnenden Frühling eine Kleinkinder-
Pflegeanstalt in gleichem Geiste ausgeführt wird. Ein
sehr kräftiger als Lehrer dort angestellter junger Deutscher,
HE Fröhlich, welcher sich d[urc]h HE Langethal mit allem dahin
Einschlagenden bekannt gemacht hat, wird die Oberleitung
dieser Anstalt bekommen; und dasjenige Frauenzimmer
(die Tochter des HE Prof. med. Vogt daselbst) welche
als Vorsteherinn u Lehrerinn bey dieser Anstalt wirksam
seyn wird, befindet sich schon bey HE Langethal in Burg-
dorf um sich dafür vorzubilden. HE Langethal theilt
in einem soeben jetzt eingegang[enen] Briefe folgende Äußerung von ihr
nach Theilnahme der ersten Stunde, die ich mir erlaube hier
anzuführen, mit. "Wir hatten mit den Kleinen in der Stunde Kugel u
Würfel, u so eben hat sie mir
ausgesprochen wie sie das tief angemessene dieser Be-
schäftigung für d Kinder fühle." "Die Kinder müssen immer
etwas Lebendiges haben, woran sich Alles anknüpft.
Ich brauche nur an mich zu denken, als ich in der
Schule war (sie ist erst 18 Jahr alt). Wir hatten immer
nebenbey den Ball mit dem wir spielten, und [ich] konnte /
[154]
gar nicht begreifen, weshalb man uns deßhalb
schmälen könne." - Eine Gesammtheit edler Berner
Frauen ist so für die Pflege des Ganzen geeint daß <> zur
Unterstützung desselben auch dann wie uns nun von HE Lange-
thal mitgetheilt
sich demnächst ein Frauenverein
mit dem Vorstande der Fr Prof Vogt, g[an]z in Über-
einstimmung mit dem Bestreben Kinder der und Kindheit lieben-
den edlen Frauen in Deutschland, entweder schon gebildet
hat oder bilden wird. Ew Hochfürstl. Durchl können bey
Lesung dieser Mittheilung HE Langethals ermessen wie hoch ich und er-
freut [ich] seyn mußte, daß das, was in Bern in de von
den mütterl[ich] gesinnten Frauen Berns soeben begonnen werden
soll von den gleichgesinnten erziehenden Frauen Blkbgs schon
an dem ersten Tage des Christfestes ins Leben getreten ist
die sich vereint haben, besonders für thätige Mitwirkung zur
Bildung von Kinderpflegerinnenmädchen.
Dieses entschiedene Handeln der achtbarsten hiesigen Frauen
unter dem Vortritt der Fr. Superintendentinn Örtel
geb Bamberg hatte mich schon tief erfreut war mir um
so erfreulicher, als da ich <> in der
letzten Num[m]er vorigen Jahres des erzieh Allg. Anz. d.d. (31 Decbr) eine
<> öffentl[iche] Aufforderung dazu fand las und ich mir wir uns nun sagen
durfte, daß Blkbgs Achtbare Frauen ein[em] allgemein[en] Bedürfnisse aus sich
entgegen gekommen waren, (ohne jedoch öffentlich dazu aufgefor-
dert zu seyn
) wozu jetzt bevor eine allgemeinere öffentl[iche] Stimme
sie dazu aufgefordert. Auch hat es mich fest gefreut fand ich es sehr angemessen
daß dann das in No 13 des A. Anz. d. Deutshen v 13ten Jan.
v. Blkbg aus - ich vermuthe aus der Familie
des HE Rath u Amtm[ann] Sigism[und] - eine Anzeige erschien
welche aussprach, daß der öff[entliche] Wunsch in Blankenb[ur]g
erfüllt werde ehe er im Allg. Anz. sich ausgesprochen worden habe
         Die übrigen mannigfachen übrigen Beweise d Theilnahme
an unserm hiesigen Unternehmen übergehe ich lasse ich unberührt, da sie noch im
Keime der Entw[ickelung] begriffen sind. Nur eine öff[en]tl[iche] Stimme
erwähnen ich wir, welche ausspricht: daß das von uns
angebahnte Unternehmen entspreche einem so allgem[einen] Bedürfnisse
entspreche daß sich dasselbe es sich in das kleinste Dorf sich dasselbe kund gäbe
daß sich dieß bis auf in dem kleinsten Dorfe erstrecke /
[154R]
welches unter Es bedürfe vor allem für Ausführung einer großen
Bildungsanstalt <> dazu taugl[icher] Kinderführer u Kinderführerinnen
bedürfe, als diese <> möchte vor allem in Blkbg ausgeführt werden
möchte daß Aber daß so umfassend solche auch ausgeführt
werden würde möchte, so könne sie doch nur erst einem kleinen Theil vom des offenkundig
daliegenden Bedürfnisses in Deutschland genügen entsprechen würden.
Hierbey erlaube ich mir Ew Hochfürstl Durchl als der
der frühesten u treuesten huldvoll landesmütterl[ichen] Pflegerin
meiner erziehenden Unternehmungen, <-> als sie noch im leisesten
Keime waren, auch zu allererst u ohne daß noch irgend
jemand in Deutschland davon Kunde hat den Gedanken
anzudeuten, daß sich vielleicht noch selbst in diesem Früh-
jahr, HE Langethal gegenwärtig wes in Burgdorf in
d Schweiz wenn durch die im vorigen angedeuteten
Gesammtverhältnisse u den genannten u im Stillen sich
kundgebenden Bedürfnisse Deutschlands er entsprochen sich veranlaßt sieht, seine Stelle
in der Schweiz, wird hoffentl[ich] einem andern aus unserm
Kreise gegenwärtig schon in d Schweiz, abzutreten, um
zur gemeinsam[en] Ausführung des geforderten geforderten
großen Unternehmens u zur Einigung unserer Hauptkräfte
dafür nach Deutschland u zwar zu uns nach Blkbg
zurück zu kehren; was wir darum bitten zunächst nur noch
dem nächsten Kreise anzuvertrauen. Hier muß ich noch erwähnen daß HE
Lgth [sc.: Langethal] uns auch in einem sei[ner] jüngsten Briefe aufgetragen hat
Ew Hochfürstl Durchl für Höchst Ihre huldvolle Theilnahme unter-
thänigst zu danken u seine verehrungsvollste Begrüßung
auszusprechen. Schließl[ich] will ich noch sagen daß wir
in dem Bereiche unser[er] Führung alle Ursache zu haben glauben
der auf sichern mit der uns zur Bildung anvertrauten H[enriette] Bräutigam zufrieden zu seyn.
Sie ist bey dem Unterrichte nicht nur blos äußerl[ich] aufmerksam sondern auch
[un]unterbrochen geistig thätig; ist still, bescheiden sittsam.
sich gern d Kindern u so ah hingiebt und so wie es scheint
allseitig in und für ihren Beruf lebend. Besonders heben wir hervor
daß sie täglich an den 2stündigen Beschäftigungen u Spielen mit den Kleinen Kindern
Antheil nimmt, und daß sie hier nicht nur sucht, mit d Ganzen bekannt zu
zu machen werden, sondern sich auch bes die Beschäftigung besonders
der kleinen Kinder <dieser> im Geiste unserer Spielweise <angelegen hingiebt>
durch die von uns angebahnten Spielmittel sich angelegen seyn läßt.
HE M[iddendorff] vereint mit mir seine <> ehrfurchtvollsten Grüße, indem
ich in tiefer Verehrung u hoher Dankbark[ei]t <-> mich unterzeichne
Ew Hochfürstl[ichen] Durchl[aucht]
        unterthänigster

b) Brieforiginal

[20]
Durchlauchtigste Frau Fürstinn,
Gnädigste Frau Fürstinn und Frau!

Ewr Hochfürstliche Durchlaucht gaben uns huldvoll den
gnädigsten Auftrag unter den jungen Leuten des Vater-
landes, die sich dem Lehrfach widmen wollen, einen zu einem
Kinderführer und Lehrer für die durch Höchst Ihre Huld und
Gnade bestehende Kleinkinderschule zu Rudolstadt ausfündig
zu machen. Durch den Mädchenschullehrer He. Menger /
[20R]
in Stadtilm wurde uns dazu sein 19jähriger Bruder,
Emil Menger aus Böhlau, Sohn eines dasigen Webermei-
sters, welcher sich früher schon für das Schulfach bestimmt hatte,
dann aber durch Mangel an Geldmitteln zum Gewerbe
seines Vaters zurückzukehren genöthigt war, vorgeschlagen.
Durch die vorliegenden Gesammtumstände fühlten wir uns
bestimmt, denselben für die genannte Wirksamkeit zu wählen.
Seit einem Vierteljahr ist derselbe hier eingetreten, um sich
nach den Forderungen dieser Bestimmung hier auszubilden;
und es ist uns nun Pflicht, Ew Hochfürstl Durchl von dem
Ergebniß dieser Zeit Rechenschaft abzulegen.
Schon durch das günstige Urtheil, welches sich sein Bruder in
seiner Wirksamkeit zu Rudolstadt erworben hat, faßten wir
zu dem jungen Menger, als einstigem Führer kleiner Kinder,
gute Hoffnung; und es freut uns gar sehr, daß wir der Zuver-
sicht leben, sie werde in Erfüllung gehen.
Der junge Menger steht zwar durch seine unterbrochene Schul-
bildung und durch die zweyjährige Rückkehr zum Gewerbe des
Vaters noch auf einer geringen Stufe der Ausbildung. Doch be-
sitzt er die beyden Eigenschaften, die ihm noch leicht möglich /
[21]
machen, sich nicht nur der ihn zunächst erwartenden Be-
stimmung, sondern auch einer einstigen Schullehrer-Wirksam-
keit entgegen zu bilden. Ohne eben ein junger Mensch von
ausgezeichneten Talenten zu seyn, zeigt er doch die zu dem von
ihm gewählten Berufe nöthigen Anlagen, besonders guten
Willen, Fleiß und Ausdauer, und zu dem ihn zunächst erwar-
tenden Berufe die so nöthige Einfachheit, Kindlichkeit und an-
spruchlose Hingabe. Zwar giebt er auch die jungen Leuten des
von ihm gewählten Berufes fast allgemein eigene Werthlegung
auf das Äußere zu erkennen, die ein wenig nach Manier neigt.
Aber bis jetzt doch nur ein wenig, so daß sich hoffen läßt, er wer-
de mit Festhaltung des äußeren Anstandes und geziemenden Be-
tragens die dem Erzieher so nöthige Lebensfreyheit sich erringen.
So hoffen wir, daß er einst wohlthuend und seegensreich in dem
ihn zunächst erwartenden Berufe wirken könne; und dieß
um so mehr, da er durch sein das Kinderleben pflegendes Bezeigen,
wie durch ein angenehmes Äußere sich die Liebe der Kinder zu erwerben weiß.
Sie haben ihn nicht nur gern, sondern achten ihn auch, und er hat
uns schon oft den Beweis gegeben, daß er an 24 zum Theil sehr
lebhafte Knaben sowohl in Ordnung als in geregelter Thätig- /
[21R]
keit zu erhalten weiß. Dazu kommt ihm eine wohl ansprechen-
de Stimme (Tenor) gut zu Statten. Auch weiß er im Geist
unserer Spielübungen die kleinen Darstellungen der Kinder d[en-]
selben durch Heraushebung und Erzählung entwickelnd und an-
genehm zu machen.
Wir haben uns hier bemüht, Mengers gute Eigenschaft[en]
so scharf als bestimmt hervorzuheben. Aber deßhalb dürfen wir
auch nicht verfehlen, daß sie eine feste und ernste Pflege fordern
um zum nothwendigen Ergebniß zu führen; besonders zu dem so
höchst wichtigen, in Gegenwart der Kinder ununterbrochen reg[en]
Geistes zu seyn, um über Beachtung des Einzelnen nicht das Ganze
aus den Augen zu verlieren, und umgekehrt.
Die Tageszeit ist zu seiner Bildung von uns so geordnet: die
Morgenstunden bis um ½9 sind für ihn zu Selbstarbeiten -
zum Festhalten und Niederschreiben dessen, was der gestrige Tag
wichtiges darbot, bestimmt. Von ½9 bis 9 ist gemeinschaftliches
Frühstück. Von 9 bis 10 sind Betrachtungen über das Wesen und
die Natur des Kindes, und die daraus hervorgehende Behandlung
Pflege und Erziehungsweise desselben. Wir stehen jetzt bey der
Betrachtung der Eigenschaften und Forderungen des dreyjährigen /
[22]
Kindes. Diesen Unterricht theilt er noch mit 5 andern jungen
Männern und Töchtern. Unter den erstern ist ein verheirathe-
ter Lehrer aus Frankfurt a/Mayn, welcher sich zur Ausführung
einer Kinderpflegeanstalt in unserm Geiste und Grundsätzen
auszubilden sucht. Unter den letztern ist besonders die von
Ew Hochfürstl Durchlaucht Huld und Gnade sich hier zu einer Kinder-
pflegerinn ausbildende Tochter aus Höchst Ihrer Strickschule zu
Rudolstadt, Henriette Bräutigam aus Königsee.- Von
10 bis 11 ist theoretisch-praktische Vorführung der Spiel- und Be-
schäftigungsmittel der Kinder nach ihrem Zusammenhang und
Forderungen, wo besonders auch der dazu gehörende Gesang geübt wird.
An diesem Unterricht nehmen außer den vorhin genannten noch
3 junge Mädchen aus der Stadt Theil. Im Ganzen sind unter diesen
3 Töchter aus der an unsern Bestrebungen sehr regen Antheil neh-
menden Familie des hiesigen He[rrn] Raths[-] und Amtmanns Sigismund
und zwey andere Mädchen, welche dieses Jahr die Schule verlassen,
aus andern achtbaren hiesigen Familien.- Von 11 bis 12 sind Übun-
gen im Zeichnen, besonders als erste Beschäftigungen für die Kin-
der, woran gleichfalls alle Antheil nehmen.- Von 12 bis 1 hat
Menger Selbstbeschäftigung, welche Zeit er besonders benutzt, /
[22R]
um sich in der Musik (Violine und Clavier) zu üben.-
Von 1 bis 2 ist Mittagsessen und frey.- Von 2 bis 3 Selbstbe-
schäftigung (Schönschreiben).- Von 3 bis 5 (Mittwochs und
Sonnabends von 2 bis 4) theilt er, gleich den übrigen, unter un-
serer Leitung, die Beschäftigung der Kinder in der Spielanstalt.-
Nach 5 ist Vieruhrbrod. Von da bis ½7 Übungen im Rechnen un-
ter Aufsicht. Von ½7 bis gegen 8 ist biblische Geschichte, als Übung
im Lesen, und als Darlegung des Entwicklungsganges im Menschen-
geschlechte, zur Grundlage und zum Vorbild, auch den einzelnen
Menschen im Einklange mit dem von Gott selbst vorgezeichneten Er-
ziehungswege zu erziehen. Dieser Unterricht bezweckt auch, den jungen
Menger in Übereinstimmung mit der Stunde von 9 bis 10, welche
das Wesen des Menschen auf der Kindesstufe vorführt, einen festen
Grund und sichern Ausgangspunkt zur Erfüllung seines Berufes zu
geben. Nach Tische dann gehört der Abend wieder der Selbstthätig-
keit und dem eignen Fleiße, denen Stoff genug vorliegt.
Die begründenden Unterrichtsgegenstände, welche Ew Hochfürstl.
Durchlaucht in dem Unterrichtsplan des jungen Menger ver-
missen werden, als Sprache, Mathematik, Geschichte pp, die müssen
wir jetzt, wo es sich zunächst darum handelt, ihn in den Geist und /
[23]
Gebrauch der Spiele einzuführen, als besondere Unterrichts-
gegenstände noch etwas zurücktreten lassen. Jedoch wird sowohl
die Sprache als auch die Mathematik, wofür sich oft Gelegenheit
zeigt, immer vorbereitend beachtet.
Möchte diese einfache Vorführung des Standes der Sache und
der Bildungsverhältnisse des jungen Menger den Erwartungen
Ew Hochfürstlichen Durchlaucht entsprechen.
Ew Hochfürstl Durchl haben mir gnädigst erlaubt am Schlusse
des ersten Vierteljahrs die Berechnung der Unterhaltungskosten für
den jungen Menger zu überreichen. Ich bin darum so frey, selbige
in der Anlage unterthänigst beyzufügen.
Die hohe Theilnahme Ew Hochfürstl Durchl möge mir nun huld-
voll zu Gnaden halten, wenn ich mir erlaube hier noch einige
Notizen über den Stand der hiesigen Verhältnisse anzuschließen.
Die Spiel- und Beschäftigungsanstalt kleiner Kinder in Verbin-
dung gebracht mit der israelitischen Bürgerschule zu Frankfurt
a/Mayn, unter Mitwirkung eines Lehrers und einer Lehrerinn,
geführt von He[rrn] Hochstädter, welcher im vorigen Jahr während
6 Wochen in dieser Beziehung hier zu brachte, hat den erwünschtesten
Fortgang. Die Zahl der Theil nehmenden Kinder war nach dem letzten /
[23R]
Briefe auf 30 angewachsen; und hat schon die Sache solchen
Anklang gefunden, daß nicht nur Inhaberinnen von Kleinkinder-
bewahranstalten unsere Spiel- und Beschäftigungsmittel der Kinder,
soweit diese Personen es vermögen und sie ihnen bekannt sind, bey
ihren Kindern in Anwendung bringen; sondern ein Lehrer an
einer der drey Volksschulen in Frankfurt a/m., He[rr] Karl Schneider,
hat sich dadurch, daß mehrere Christen sogar ihre kleinen Kinder in
die Pflegeanstalt der Juden geben wollten, wozu jeder nur sich scheut
den Anfang zu machen, wie überhaupt durch die allgemeine Theil-
nahme, welche die Sache bey Frankfurts christlichen Eltern findet, ver-
anlaßt gesehen, seine Stelle nieder zu legen, um auf eigene Kosten
eine solche Kinderpflegeanstalt in unserm Geiste und nach den
von uns aufgestellten Spiel- und Beschäftigungsmitteln auszuführen
und den Kindern bis zur Schulfähigkeit mit seiner Frau ausschlie-
ßend zu leben. Um sich dafür auszubilden und um die gedachte
Anstalt im Monat May d. J. zu eröffnen, lebt derselbe schon seit
einigen Wochen hier und will so lange bleiben, als es ihm nur immer
seine Verhältnisse gestatten.- Fast noch erfreulicher sind die
Nachrichten aus Eisenach, wo ein junger sehr thätiger und talent-
voller Mann, He[rr] Kern, Taubstummenlehrer daselbst, welchen /
[24]
wir im vorigen Jahre auf unserer Reise in Leipzig kennen
lernten und ihm dortmals mehrseitige Mittheilungen über
unsere Bestrebungen machten, mit Eintreten der nächsten
günstigen Zeit eine Kleinkinder-Pflegeanstalt, besonders für
die ärmere Classe errichten und daselbst die von uns angebahnten
Beschäftigungsmittel und Weise in Anwendung bringen. Zum
Beweis, welch ein Ernst es ihm damit sey, hat er sich sogleich auf
seine Kosten für 25 rth Spiel- und Beschäftigungsmittel kom-
men lassen und angezeigt, daß mit dem Beginn des nächsten
Bildungscurses für Kinderpflegerinnen ein für Erziehung schon
vorgebildetes Frauenzimmer hier eintreten und ein Jahr in
Blankenburg verweilen solle, um sich zur Vorsteherinn dieser
Anstalt auszubilden. Er selbst wünscht im nächsten Sommer
mehrere Wochen zu seiner Vervollkommnung hier zu leben.-
Allein eine fast noch größere Wirksamkeit als selbst in
Eisenach scheint der Gedanke der frühen Kindheitpflege in Bern
in der Schweiz zu gewinnen, wo unter Vortritt mehrerer daselbst
als Lehrer und Professoren angestellten Deutsche, auch mit dem
jetzt beginnenden Frühling eine Kleinkinder-Pflegeanstalt in
gleichem Geiste ausgeführt wird. Ein sehr kräftiger als Lehrer /
[24R]
dort angestellter junger Deutscher, He[rr] Fröhlich, welcher sich durch
He[rrn] Langethal mit allem dahin Einschlagenden bekannt gemacht hat,
wird die Oberleitung dieser Anstalt bekommen; und dasjenige
Frauenzimmer (die Tochter des bekannten He[rrn] Prof. med. Vogt daselbst)
welche als Vorsteherinn und Lehrerinn bey dieser Anstalt wirksam
seyn wird, befindet sich schon bey He[rrn] Langethal in Burgdorf, um sich
dafür vorzubilden. He[rr] Langethal theilt in einem jetzt eingegange-
nen Briefe folgende Äußerung nach Theilnahme der ersten Stunde
von ihr mit, die ich mir erlaube hier anzuführen. "Wir hatten,"
schreibt er, "mit den Kleinen Kugel und Würfel, und so eben hat
sie mir ausgesprochen, wie sie das tief Angemessene dieser Be-
schäftigung für die Kinder fühle." "Die Kinder müssen etwas
Lebendiges haben, woran sich Alles anknüpft. Ich brauche nur an
mich zu denken, als ich in der Schule war (sie ist 18 Jahr alt). Wir
hatten immer nebenbey den Ball mit dem wir spielten, und ich
konnte gar nicht begreifen, weshalb man uns deßhalb schmälen könne."
Eine Gesammtheit edler Berner Frauen ist für die Pflege des
Ganzen geeint, daß zur Unterstützung desselben sich demnächst
ein Frauenverein unter dem Vorstande der Frau Professorin Vogt,
ganz in Übereinstimmung mit dem Bestreben Kinder und Kindheit /
[25]
liebenden edlen Frauen in Deutschland, entweder schon gebildet
hat oder bilden wird. Ew Hochfürstl. Durchl können bey Lesung
dieser Mittheilung He[rrn] Langethals ermessen, wie hoch ich erfreut
seyn mußte, daß das, was von den mütterlich gesinnten Frauen
Berns begonnen werden soll, von den gleichgesinnten erziehenden
Frauen Blankenburgs schon an dem ersten Tage des Christfestes
ins Leben getreten ist, die sich vereint haben, besonders für thätige
Mitwirkung zur Bildung von Kindermädchen. Dieses ent-
schiedene Handeln der achtbarsten hiesigen Frauen, unter dem
Vortritt der Frau Superintendentinn Örtel, geb Bamberg, war
mir umso erfreulicher, als ich in der letzten Num[m]er des A. Anzeigers
d. Deutschen vom vorigen Jahr (31 Decbr) eine öffentliche Aufforde-
rung dazu las, und ich mir nun sagen durfte, daß Blankenburgs
Frauen einem allgemeinen Bedürfnisse aus sich entgegen ge-
kommen wären, bevor eine öffentliche Stimme sie dazu auf-
gefordert. Auch fand ich es sehr angemessen, daß dann in No 13.
des Allg. Anz. d. D. vom 13ten Jan. von Blankenburg aus - ich
vermuthe aus der Familie des He[rrn] Rath[-] und Amtmann Sigismund, -
eine Anzeige erschien, welche aussprach, daß der öffentliche Wunsch
in Blankenburg erfüllt sey, ehe er im Allg. Anz. ausgesprochen worden. /
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Die mannichfachen übrigen Beweise der Theilnahme an
unserm hiesigen Unternehmen lasse ich unberührt, da sie noch
im Keime der Entwickelung begriffen sind. Nur eine öffentliche
Stimme erwähne ich, welche ausspricht: das von uns ange-
bahnte Unternehmen entspreche einem so allgemeinem Be-
dürfnisse, daß sich dieß herab bis in dem kleinsten Dorfe kund gäbe.
Es bedürfe vor allem einer großen Bildungsanstalt dazu
tauglicher Kinderführer und Kinderführerinnen; diese möcht[e]
in Blankenburg ausgeführt werden. Aber so umfassend solche
auch ausgeführt werden würde, so könne sie doch nur erst einem
kleinen Theil des offenkundig daliegenden Bedürfnisses in Deutsch-
land entsprechen.
Hierbey erlaube ich mir Ew Hochfürstl Durchl, als der
frühesten und treuesten huldvoll landesmütterlichen Pflegerin
meiner erziehenden Unternehmungen, als sie noch im leiseste[n]
Keime waren, auch zu allererst und ohne daß noch irgend
jemand in Deutschland davon Kunde hat, den Gedanken anzu-
deuten, daß sich vielleicht selbst in diesem Frühjahr, He[rr] Lange-
thal
gegenwärtig in Burgdorf in der Schweiz, durch die im
vorigen angedeuteten Gesammtverhältnisse und im Stillen /
[26]
sich kundgebenden Bedürfnisse Deutschlands veranlaßt
sieht, seine Stelle in der Schweiz, hoffentlich einem andern
aus unserm Kreise, gegenwärtig schon in der Schweiz, ab-
zutreten, um zur gemeinsamen Ausführung des geforderten
großen Unternehmens und zur Einigung unserer Hauptkräfte
dafür, nach Deutschland und zwar zu uns nach Blankenburg
zurückzukehren; was wir darum bitten zunächst nur noch
dem nächsten Kreise anzuvertrauen. Hier muß ich noch
erwähnen, daß He[rr] Langethal uns in einem seiner jüngsten
Briefe aufgetragen hat, Ew Hochfürstl Durchl. für Höchst
Ihre huldvolle Theilnahme zu danken und seine verehrungs-
vollste Begrüßung auszusprechen.
Schließlich will ich noch sagen, daß wir in dem Bereiche un-
serer Erfahrung alle Ursache bisher zu haben glauben, mit der
uns zur Bildung anvertrauten Henriette Bräutigam zufrie-
den zu seyn. Sie ist bey dem Unterrichte nicht bloß äußerlich auf-
merksam, sondern auch ununterbrochen geistig thätig; ist still,
bescheiden, sittsam; sich gern den Kindern hingebend, und, so
wie es scheint, allseitig in und für ihren Beruf lebend. Beson-
ders heben wir hervor, daß sie täglich an den zweystündigen /
[26R]
Beschäftigungen und Spielen mit den Kindern Theil ni[mmt]
und daß sie hier nicht nur sucht mit dem Ganzen bekannt [zu]
werden, sondern auch die Beschäftigung, besonders der kleiner[en]
Kinder, durch die von uns angebahnten Spielmittel sich an[ge-]
legen seyn läßt.
He[rr] Middendorff vereint mit mir seine ehrfurchtvo[lle]
Begrüßung. In tiefer Verehrung und hoher Dankbar[keit]
Ew Hochfürstlichen Durchlaucht


    Blankenburg
am 14ten Februar 1840.

unterthänigster
Friedrich Fröbel.