Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an E. Heubel in Rudolstadt v.13.2.1840 (Blankenburg)


F. an E. Heubel in Rudolstadt v.13.2.1840 (Blankenburg)
(BlM X,9, Bl 175, datierter Entwurf 1 Bl fol 1½ S.)

17. Briefentwürfe 1840
An die Fräulein Heubel die ältere
       Vorsteherin der Strickschule dFr Fürstin[-]Mutter, Durchl. in Rudolstadt


Blkbg d 13 Febr. 1840


       Geehrte Fräulein

Ihre Fräulein Schwester, welche mich gestern auf Ihre
ihrer Durchreise nach Schwarzburg besucht hat, um sich
wegen der mir von der Fr. Fürstin Mutter Durchl[aucht]
zur Ausbildung als erziehendes Kindermädchen anvertrauten
Henriette Bräutigam bey mir zu er-
kundigen, hat mich ersucht auch Ihnen dasjenigeselbige
mitzutheilen, was ich den bisherigen Äußerungen der jungen
Bräutigam zu folge über dieselbe auszusprechen für
nöthig erachtete, näml daß ich im Bereiche meines theoret.
praktischen Unterrichts ihr das Wesen u d Behandlung des
Kindes in seinen ersten Lebensjahren betreffend u in den sich daran an-
knüpfenden Übungen, <mit> den Kinder[-] Beschäftigungs- u
Spielmitteln, nur Ursache habe mit ihr zufrieden zu
seyn u daß ich die beste Hoffnung hege sie wirklich einst auch
zur Zufriedenheit der Eltern, besonders Mütter, welche
ihr kleine Kinder zur Wartung und erziehenden Pflege
anvertrauen dieselben beachte <meistern> pflege Will
Henriette Br. ist näml in den Stunden wo sie zur
Ausbildung für ihren Beruf unter meinen Augen thätig ist
still u bescheiden aufmerksam u fleißig u selbstthätig
besonders aber auch in den Übungsstunden mit den kleinen
Kindern sich gern u sorglich mit denselben beschäftigend[.]
Alles dieß habe ich auch in ein[em] Schreiben an Ihre Hochfürstl[iche]
Durchl[aucht] die Fr Fürst. Mutter hoch ausgesprochen u Ihre
Fräulein Schwester hat mich versichert, daß Sie mir es nicht
übel deuten würden wenn ich Sie ersuchte dieses Schreiben
vielleicht selbst persönlich durch eine Ihrer Töchter Pflege-
töchter an die Fr Fürstin Mutter Durchl zu besorgen.
Mit dieser Bitte bin ich so frey dieses Schreiben hier bey zu legen.
Ihre Frl. Schwester hat mir noch ausgesprochen, daß ich -
Mde Hanau in Fr[an]kfurt a/m in deren Dienst Henr.[iette]
bestimmt ist veranlassen möchte derselben entweder ein[en] erhofften
Jahrlohn oder im Fall es der Henr.[iette] in Frkf. nicht nach
Jahresfrist nicht gefalle u sie in ihre Heimath zurück
kehren möchte die Reise kosten zu sichern. Ich werde
über d[ie]sen G[e]g[en]st[an]d dMde Han[au] schreiben u ich zweifle nach
[175R]
[dem] was mir früher über diesen G[e]g[en]st[an]d ausgesprochen [worden] ist, nicht
daß sie eine dieser Bestimmungen eingehen wird. Ich freue
mich gar sehr daß mir Ihre Frl. Schwester ausgesprochen hat,
daß sich in Ihrer Anstalt noch ein Mädchen findet, welches Neig
Anlage u Neigung hat sich, sobald sie nur mehr Ausbildung und Sicher-
heit in den weibl[ichen] Arbeiten gewonnen, sich zu einem tüchtigen
u guten Kindermädchen heranzubilden; denn ich kann nun
sogleich, wenn etwa in dieser Beziehung wieder ein[e] Anfrage an mich ergehen
sollte, mit einer bestimmten Antwort begegnen.
Mit Hochachtung unterzeichne ich mich
Ew Wohlgeboren