Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an F. W. Witz in Blankenburg v. 15.3.1840 (Blankenburg)


F. an F. W. Witz in Blankenburg v. 15.3.1840 (Blankenburg)
(BlM X,3, Bl 29-30 u. Bl. 32-33V, Brieforiginal 1 B 4°, 4 S. u. Anlage 1 B fol 3 S.; ed. Schmiedeknecht 1927, 6-9.)

          Wohlgeborner,
Hochgeehrtester Herr Oberbürgermeister

Sie haben mir erlaubt Ihnen den Holzbedarf, welcher zur Er-
richtung eines für Blankenburgs Bedürfnisse entsprechenden
Turnplatzes erforderlich seyn würde, einzuhändigen. In der An-
lage bin ich so frey Ihnen die Übersicht davon, wie den Gesammt-
betrag zu überreichen.
Die Einrichtung des Turnplatzes, also auch die Menge des Turn-
zeuges ist wie nach einem annehmbaren mittlern Bedürfnisse
Blankenburgs so besonders auch nach dem Platze berechnet, welchen
Sie, wie ich höre, an zweckmäßigsten dazu gefunden haben, näm-
lich den Platz, der, wenn man von der Kirche herauf an dem
Keller vorbey hinter die Stadt geht, rechts als ehemaliger Stadt-
graben sich hinter der Stadtmauer hinzieht, dessen Breite 24 Fuß
und dessen vorläufig angenommene Länge 200 Fuß betragen würde.
Es ist nicht zu läugnen, daß der Platz sehr viel Günstiges und
Angemessenes hat und daß sich nicht leicht einer für das Ganze
zweckmäßig gelegener finden wird; allein es ist auch nicht /
[29R]
zu läugnen, daß er wegen seiner geringen Breite we-
sentlich das Unangenehme in sich schließt, daß er sich sehr
in die Länge ziehen wird und muß; freylich wird es von
Ew. Wohlgeboren und der betreffenden Behörde abhangen, wel-
chen Längenraum Sie den Turnplatz einzuräumen geneigt
seyn werden.
Bey allen diesen Bestimmungen ist stillschweigend voraus-
gesetzt, daß die Ausführung eines Turnplatzes hier nicht nur
einen der Sache angemessenen, sondern vor allem auch bleibenden,
vielleicht einen solchen Anklang fände, daß man das Ganze in einer
gewissen Vollständigkeit durchführen könnte. Da nun aber der Platz
hinter der Stadt, welcher nur knapp für die nöthigen Turnzeuge hin reicht,
für die eigentlichen freyen Lauf- und Bewegungsspiele wie Übungen
gar keinen Platz darbietet, diese beyden aber nicht weniger
nothwendig sind für die Ausbildung der jungen Leute als für die
körperliche und sittliche Kräftigung im Allgemeinen, so wäre
es zu wünschen, wenn auch dafür noch anderweitig sich ein entspre-
chender Platz fände. Nun höre ich aber zufällig wirklich, daß ein
solcher vorhanden ist, nämlich die sogenannte Bleiche in der Nähe
des neu errichteten Badehauses und der Papiermühle, ein Platz,
der wie er zu anderweitigen Benutzungen ganz unbrauchbar,
so im Gegentheil zu den hier angedeuteten ganz vortrefflich seyn soll. /
[30]
Es fragt sich nun nur, ob Ew. Wohlgeboren und ein hochedler
Rath in Übereinstimmung mit einer hochachtbaren Bürger-
schaft geneigt seyn sollten, diesen Platz zu dem genannten Zweck,
also zu Frey- und Bewegungsübungen wie zu solchen Spielen ein-
zuräumen. Wenn sich Ew. Wohlgeboren und die betreffende
Behörde dazu geneigt finden sollte, so könnte in Übereinstim-
mung mit den betreffenden Eltern und ganz besonders auch mit
den resp. Herrn Geistlichen und Lehrern so zur sittigen als kräfti-
gen Heraufbildung der Jugend namentlich durch Einigen und
Ordnen ihrer gemeinsamen Spiele ein fester Grund und
Halt gewonnen werden. - Auch ist nicht zu zweifeln, daß
sich von denen, welche die Wasserheilanstalt besuchen werden, da-
für Interesse aussprechen wird ja von ihnen ein
solcher Platz für ihren Zweck selbst benutzt werden kann. Jeden
Falls ist das ausgemacht, daß der Anblick der freudig und kräftig
im geordneten Spiele sich bewegenden Jugend auf Jeden und so
namentlich auf den Kranken einen stärkenden Einfluß ausübt.
Ich überlasse nun das Weitere Ew. Wohlgeboren wie der übrigen
betreffenden Behörden und Herren Einsicht und Berathung. -
Durch diesen Wunsch kann aber der Zweckmäßigkeit des Raumes
hinter der Stadt zum Turnplatz nichts benommen werden, weil
es nöthig ist, daß dieser in der Nähe der Kinder bleibt. /
[30R]
Um schließlich noch ein Wort hinsichtlich der Benutzung des
Turnplatzes hinzufügen, so könnten vor der Hand die
Turnübungen für die Knaben vielleicht wöchentlich 2 mal
Mittwochs und Sonnabends in 1 1/2 Nachmittagsstunden
etwa von 1/2 6 bis 7 Uhr Statt finden.
Dies alles zu Ihrer gütigen Beachtung vorlegend unter-
zeichne ich mich mit ausgezeichneter Hochachtung
Ew. Wohlgeboren
ergebensten
Friedrich Fröbel.
Blankenburg
den 15ten März 1840.

[32]
          Bedürfnisse
zu einem Turnplatze in Blankenburg
(Nach Jahn's Turnbuche und den bisherigen Erfahrungen bestimmt)
1) Art und Zahl der Turnzeuge:

1 Freyspringel
1 Stabspringel
2 Schwingel mit Pauschen
2 Schwingel ohne Pauschen
1 Schwebebaum
1 Liegebaum
6 Recke
4 Barren
1 Zweybaum
1 Lehnstange
1 Querbalken
1 Klimmleiter
1 Klettertau
1 Strickleiter
2) Erforderniß des Materials zu jedem.
1 Freyspringel, 2 Fuß unter und 6 Fuß über der Erde (16 Fuß 3 bis 4zöl-
liges Kreuz- oder Ganzholz.)
1 Stabspringel, 3 Fuß unter und 8 Fuß über der Erde 26 Fuß 4zölliges
Kreuz- oder Ganzholz; 8 Fuß desgleichen zu Tritten oder Knakken.
       Dazu: 2 Paar eiserne Bolzen, jeder 6“ lang 2 ½ “ dick.
2 Springschnüre von 10 und 12 Fuß Länge ½ Zoll Stärke.
½ Schock Springstäbe von 7 bis 10 Fuß (6 Stück etwa jeder Art).
2 Schwingel mit Pauschen, einer von 4’ Höhe, einer von 3’ 4“ Höhe. Nöthig
ein Ende Stammholz von 112 Fuß Länge und 16 bis 14 Zoll Stärke.
Zu den Füßen für den ersten 16’ - “
Zu den Füßen für den zweyten 18’ 8“
also im Ganzen 34’ 8“ 4zölliges Kreuz- oder Ganzholz. /
[32R]
2 Schwingel ohne Pauschen, von 3’6“ Höhe 4’8“ Länge. Nöthig
ein Ende Stammholz von 10’ Länge,16 bis 12“ Stärke
Zu den Füßen 30’ 4zölliges Kreuz- oder Ganzholz.
1 Schwebebaum und 1 Liegebaum, jeder von 40’ bis 60’ Länge und
12“ Stärke wenigstens am Stammende. Kann der
Schwebebaum länger seyn, desto besser. Zu den Ge-
stellen 5’ über, 3’ in die Erde, 32’ 5 bis 6zölliges Kreuzholz
6 Recke,  eines von 3’ 6“, eines von 4’, eines von 4’ 6“, eines von 5’,
        eines von 5’ 6“, eines von 6’ 6“ Höhe, jedes von
        8 bis 10 Fuß Länge; dazu 6 Stangen von 8’ Länge
        und 2 3/8“ Stärke. Zu den Ständern:
        einmal 5’ 6“, einmal 6’, einmal 7’, einmal 7 ½ ’,
einmal 8’, zweymal 9’ 6“, im Ganzen 53 Fuß 5zölli-
ges Kreuz- oder Ganzholz.
4 Barren,  jeder 10’ lang, macht Überlagen nöthig 80’ 3zölliges Kreuzholz.
Höhe von der Erde des einen 3’, des einen 3 ½ ’, des einen 4’ 4“,
des einen 5’; macht an Ständern 20’, 22’, 26’, und 30’
4zölliges Kreuzholz, also im Ganzen 98 Fuß.
1 Zweybaum.    Der Klettermast 10 bis 12“ stark, 20’ über und 4’
unter der Erde, also ein Stammende von 24 Fuß. Dazu
2 Kletterstangen 3“ stark, 20’ über und 3 bis 4’ in der
Erde, jede also von 23 bis 24’ Länge.
1 Lehnstange,   4 bis 6“ stark, 24’ über und 4’ in der Erde
1 Querbalken,   5 bis 6“ stark und 24’ lang.
1 Klimmleiter    von 24’ Länge; dazu weiter
1 Strickleiter     von 20’ Länge.


3: Der Holzbedarf, wird also nach dem Angegebenen seyn:
[Links Zeichnung/ Plan
                                  des Blankenburger Turnplatzes]
80 Fuß 3zölliges Kreuz- oder Ganzholz für Überlagen zu 4 Barren
16 Fuß 3 bis 4zölliges Kreuz- oder Ganzholz zum Freyspringel
34 Fuß 4zölliges Kreuz- oder Ganzholz zum Stabspringel /
[33]
         34 Fuß 8 Zoll 4zölliges Kreuz- oder Ganzholz, Füße zu 2 Schwingel mit Pauschen.
         30 Fuß 4zölliges Kreuz- oder Ganzholz, Füße zu 2 Schwingel ohne Pauschen.
         98 Fuß 4zölliges Kreuz- oder Ganzholz für Ständer zu den 4 Barren.
         53 Fuß 5zölliges Kreuz- oder Ganzholz zu den Recken.
         32 Fuß 5 bis 6zölliges Kreuz- oder Ganzholz zum Gestell des Schwebe- und Liegebaumes.
         24’ 5zölliges Kreuz- oder Ganzholz zum Querbalken.
         ½ Schock Springstäbe von 6’ bis 10’, jeder Art ½ Dutzend.
         6 Stangen zu den Recken, jede 8 bis 9’ lang und 2 3/8“ stark.
         1 Ende Stammholz 11 ½ ’ lang und 16 bis 14“ stark zu den Schwingeln.
         1 Ende Stammholz 10’ lang und 16 bis 14“ stark zu den Schwingeln.
         1 Stammende zum Klettermast 24’ lang, 10 bis 12“ stark.
         2 Kletterstangen, 23 bis 24’ lang, 3“ stark.
         1 Lehnstange, 28’ lang und 4 bis 6“ stark.
         1 Schwebebalken von 50 bis 60 Fuß Länge am Stammende wenigstens 12“
         1 Liegebaum von 40 bis 50 Fuß Länge am Stammende wenigstens 12“
         1 Klimmleiter von 24 Fuß Länge.

                 4. Der Raum, welcher nach der kleinsten Raumes-
bestimmung und angemessen den hiesigen Localverhältnissen
für das in möglichst geringer Anzahl angegebene Turnzeug
nöthig ist, wird ein Platz seyn von 200 Fuß Länge und 24 Fuß Breite.
Blankenburg
den 15ten März 1840.
Friedrich Fröbel