Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 2.4.1840 (Blankenburg)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 2.4.1840 (Blankenburg)
(KN 55,32, Brieforiginal 1 Bl 16° 2 S.)

         Blankenburg am 2' April 1840.


Guten Abend l[ieber] Barop.

In Beziehung auf das was ich gestern Abends mit He. Kohl
verabredete wollte ich Dir doch noch sagen, daß ich es nach
einer das Ganze und Einzelne beachtender Überlegung in mir
für sehr zweckmäßig halte wenn Herr Kohl Sonnabends zu gehö-
riger Zeit hier herüber käme, die Nacht vom Sonnabend zum Sonn-
tage hier bliebe und Sonntags bis wenigstens gegen Abend hier ver[-]
weilte; ich würde dann entweder, nachdem es den Herrn gefällig
wäre den Her[r]n Oberbürgermeister Witz und den Syndikus <Bähring> Tirroff den Sonnabend Nachmittags
oder den Sonntag Nachmittags
zu mir bitten um ihnen das neue Instrument durch Herrn
Kohl, zur Prüfung hören zu lassen, d.h. um durch die Musik
in einen näheren Lebensverkehr mit ihnen zu kommen. Denn
mein l[ieber] Barop wenn Du die Gesammtheit der Lebensthatsachen ins
Auge fassest so wirst Du einsehen, daß man in seiner Wirk-
samkeit in Zukunft ganz vom Einzelnen als solchen absehen
sondern nur immer das Ganze d.h. beziehungsweise Ganze im
Auge haben muß damit der Glaube und das Vertrauen des
Einzelnen gleichsam im Glauben und Vertrauen des Ganzen ge-
sichert sey. Deßhalb wünsche ich daß Du Herrn Kohl auch be-
stimmt Deinen Wunsch für sein Hierbleiben rc als aus dem
Ganzen hervorgehend ausspräche[st] - Ich habe nun wegen des /
[1R]
neuen Lebensplanes viel Wichtiges mit Dir, und bald zu
besprechen, deßhalb komme entweder Du in diesen Tagen
bey dem schönen Wetter zu mir oder ich komme demnächstens
zu Dir, was jedoch nach den vorliegenden Umständen nicht
eher als künftigen Mittwoch Nachmittags d.h. gegen
Abend geschehen könnte.-
Das Leben wird wie ich sehe nun rein in seiner äußern
Gestalt wie in seiner Zusammenordnu[n]g ein ganz neues
ein frisches Lebensauge, ein frischer Lebenstrieb
treibt einen ganz neuen Lebensschoß oder vorläuf[igen]
Zweig welcher sich von dem bisherigen fast wie
Blüthenknospen zu Blätterknospen unterscheiden
will.
Ich bin in mir selten glücklich, ruhig, friedig freudig
Eintracht u Einigung ist der Kern u Keim des neuen
Lebens sey er auch wenn alles alles äußere sinkt
und fällt nur Du - im eigen Gemüthe, eigenen
Geiste, eigenen Leben, und diese Eintracht u Einigung
finden wir noch in dem Kinde, den Kindern, der Kindheit
auf! Darum, laßt uns den Kindern, der Kindheit
leben! laßt uns ihnen leben durch die - welche ihnen
mit Daransetzung ihres Lebens, das Leben gaben[.]
Laßt uns um der Kinder willen dem Frauengemüthe
Frauen Geiste u Frauen leben Leben.

DFrFr.