Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 23.4./24.4.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 23.4./24.4.1840 (Blankenburg)
(UBB 104, Bl 324-329, Brieforiginal 3 B 8°12 S. Der Brief endet mit einer Nachschrift Wilhelm Middendorffs.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 23n April 1840.


Mein theurer Langethal.

Ich habe zwar gestern einen Brief und in Barops Briefe ein Zet[-]
telchen an Dich geschrieben und dennoch setze ich mich schon wieder um
schriftlich bey Dir einzusprechen. Der Gegenstand ist aber auch
nicht etwa nur blos für mich und uns oder i[r]gend eine Person oder besondere Gesammt[-]
heit, sondern ich muß meine klarste, tiefe Überzeugung so bestimmt
als nur möglich aussprechen, für die ganze Menschheit und das ganze
All d.h. für die wahre und rechte Erfassung desselben wichtig,
also für den richtigen Gebrauch aller Dinge als eines Ganzen
wie jedes einzelnen derselben; er ist nicht nur für die Gegen[-]
wart und nächste Zukunft, nein! für alle Zukunft, ja auch für
die Vergangenheit zum rechten Verständniß und Anwendu[n]g
für Gegenwart und Zukunft wichtig. Du hast auch ganz recht
der Gegenstand muß abgesehen von aller Person u aller und
jeder Einzelnheit und Äußerlichkeit nicht nur klar und bestimmt
unzweifelbar nachweislich, beweisbar und anwendbar, aus-
führbar seyn, sondern bey dieser Anwendung und Ausführung müssen
auch alle die bestehenden Verhältnisse selbst die allgemeinen Lebensver[-]
wickelungen förderlich wirken. Dieß ist nun aber auch wirklich der
Fall, allein es versteht sich, wie jedes Ding unter Bedingungen; die-
se Bedingungen sind nun aber zweyfach, entweder einfaches, allein
lebenvolles kindliches Eingehen oder mehrfaches ja allseitiges geist- /
[324R]
volles männliches Eindringen. Die erste Bedingung zu erfüllen
der sind wir entnommen, es bleibt nun gar nichts übrig als
die zweyte zu erfüllen. Wie kann nun aber diese zweyte Be-
dingung erfüllt, möglichst erschöpfend erfülltreicht werden?-
Wie können die Forderungen erfüllt werden welche in dieser Beding[-]
ung mit unerläßlicher Nothwendigkeit liegen?- Dieß ist
es was Du, was ihr Euch fragen - was Ihr zu beantworten
- und dann als Forderung der Antwort zu erstreben suchen müßt,
was ganz vor allem dazu erstreben suchen müßt wenn Du innern
und äußern Frieden und endliche Zufriedenheit mit und bleibende
Freudigkeit an Deinem Handeln finden willst. Du kannst hier[-]
bey wieder zwey Wege gehen den des wissenschaftlichen abge[-]
zogenen Denkens oder den des wissenschaftlichen Nachgehens
des durch die Erfahrung, geschichtlich Gegebenen. Beyde Wege
sind, natürlich rein entgegen[ge]setzt, ganz gleich nur weil man
sich dort über den Ausgangspunkt erst verständigen muß hier
aber der Ausgangspunkt ein gegebener ist und gleichsam
die daraus hervorgehenden Wahrheiten gleichsam gestaltet
sind; so wähle ich hier den letzteren; spräche ich mit Dir, so
daß ich mein Wort und meine Rede mehr gestalten könnte,
so würde ich ohne Zweifel den zweyten wählen ?!-
Daß nun die Gesammtheit der Lebenserschein[u]ngen auch einen
in sich einigen, Gesammtzweck haben, dieß sagt jede Natur[-] /
[325]
und Lebenserscheinung, jede Jahres- und Tageszeit, jedes Lebens-
alter ja wieder jeder einzelne Abschnitt derselben; dieß bedarf
hoffentlich keiner weiteren Nachweisung[.] Denn frage nur jedes einzel[-]
ne von den angeführten Ganzen oder was Du immer sonst willst
- was willst Du denn nun eigentlich? - oder anders ausge-
drückt: - was forderst Du? - wieder anders und doch das Gleiche.
was sagst Du? - was lehrst, worüber belehrst Du? - mit
einem Worte: - was offenbarst Du Neues in dem Maaße,
in der Beziehung noch nie Dagewesenes?- In jedem Falle
wirst Du eine ganz bestimmte Antwort erhalten, frage dieß in
irgend einer der Epoche machenden Zeiten, bey irgend einer der Epoche-
machenden Welt[-] und Lebenserscheinung, ja frage es in und bey all[e]m.
Doch wir wollen einzig in und bey unserer jetzig[e]n Zeit und deren Ge[-]
sammterscheinungen stehen bleiben - was wollen diese uns sag[e]n? -
was wollen sie uns lehren, offenbaren? - was fordern sie
im Allgemeinen und von uns?- Ich möchte Dir dieß ehe ich
meine Antwort darauf gebe, als Aufgabe stellen; doch dazu ist
jetzt nicht Zeit, ich muß jetzt aussprechen was ich als Antwort
vornehme, doch dieß stört Dich nicht Du kannst meine Antwort
ganz an die Seite stellen und die Frage ganz unabhängig von
derselben rein aus dem Stande der Sache und nach derselben be-
antworten lassen. Ich sage alles spricht nur Eines aus was
man aber wie einen einfachen musikalischen Gedanken /
[325R]
verschieden drehen, wenden gleichsam vereinen kann, das:
für alles Getrennte, Verschiedene und Verschiedenartige
für alles Mannichfaltige und in und unter sich Entge-
gengesetzte ja Widersprechende, nicht die Vernichtung, sondern die Aufhebung
das ist innere Auflösung, Ausgleichung Einklang mit kurzem
und einem Worte Einigung, Einheit zu suchen. Dieß
ist das Streben aller Vereine, aller Gesellschaften
aller [{]Constitutionen / Verfassungen}, ja aller sogenannten Magazine
Centralbibliotheken, verschiedener Lexika kurz aller
Centralisation und Verallgemeinerung wie sie nur
immer gedacht und genannt werden mögen; ja weiter
aller Erscheinungen des Gewerbs- und Geschäftslebens
Von den Canälen und Dampfschiffen und den Eisenbahnen
und Dampfwagen bis zu den Dampf[-] und anderen Maschinen herab.
- Siehest Du nun aber von und durch eines von diesen
wie durch alles zusammen erreicht, ja nur im hohen
Grade erreicht wornach der Mensch als Einzelner,
die Völker als Gemeinsamheiten und die Menschheit
als ein Ganzes strebt?- Wenn ich auch die Nach<wirkung>
schuldig bleiben muß so kann ich doch nur sagen nein!
und die Thatsachen sagen dieß, dünkt mich, bestimmt genug.
Nun kann aber doch das Streben der Menschheit als Ganzes ja der
Menschheit als ein Einiges kein Ziel[-] u Zweckloses seyn.- /
[326]
Den Beweis kann ich jetzt nicht führen, allein er ist es leicht, Du
kannst ihn Dir leicht führen; er liegt in dem Wesen des Stre-
bens; des ächten Strebens und seines Grundes selbst.
Warum wird denn nur durch all das angegebene das
Ziel der Menschheit nicht erreicht?- Es kann dieß also
nur einzig in der Art und in dem Wege des Strebens liegen
daß das ersehnte Ziel, die gehofften Preise nicht erreicht, nicht
errungen werden?- Wie aber? - und warum?-
Antwort: Alles Getrennte, Verschiedene, Verschiedenar[-]
tige, alles Mannichfache und unter sich Entgegengesetzte
ja Widersprechende kann nur dann wahrhaft innerlich
und so in seinen zerstörenden, Vernichtenden, hemmenden pp
pp Äußerung aufgelöst, ausgeglichen, in Einkla[n]g, mit
kurzem Wort in Einigu[n]g und Einheit gebracht werden
wenn - wenn - alle diese Erscheinu[n]gen mit Noth[-]
wendigkeit aus der Einheit entwickelt in derselb[e]n
mit Nothwendigkeit nachgewiesen, aus derselben
abgeleitet werden
;
dieß aber ist meine und unsere Aufgabe, dieß
aber ist die Aufgabe die ich durch meine Menschen[-]
erziehung löse bis zu und durch das einfachste
kleinste Spiel des Balles und mit dem Balle
herab.
Darum hat es aber auch seinen Grund, daß all meine Be- /
[326R]
strebung von der kleinsten und einfachsten bis zu den
größten und zusammengesetztesten in diesem und somit
in ächter Religiosität und Religion, in der reinsten
und allgemeinsten Menschheitsreligion ihren Grund
und ihr Bestehen haben, denn ihr Ausgangspunkt
und Quelle - wie ihre Erscheinu[n]g und Verlauf,
wie ihr Ziel ist wahre Gotteinigkeit[.]
Deßhalb kann ich so rich[t]ig fest und sicher gehen,
deßhalb bin ich mir alles und in allem so gewiß, deßhalb
die allgemeine Wirksamkeit wo nur Leben das
Leben berührt.-
[Die hier folgenden drei gestrichenen Zeilen sind wegen der zu dichten Streichung nicht rekonstruierbar]
Du wirst Langethal, wenn Du das Ganze so un[-]
partheiisch und so unpersönlich als nur immer möglich prüfest
finden. Siehe Langethal! Du kannst ja Du mußt einsehen,
wenn Du es nur klar willst und die wohl Manches gebende Selbsttäuschung der
wohl gar Manches Äußerliche raubenden Enttäuschung nicht vorziehest,
daß der nach Lebenvollen Einheits- und nach sichern, bestimmten
Lebgesetze[n] alles Äußere und Mannichfaltige aus sich entwik[-]
kelnde Gedanke, die so sich entfaltende Idee, sich nicht von dem
Streben von Außen nach Innen, von der äußeren Mannig[-]
faltigkeit nach der Innern Einheit umwickeln und umfesseln lassen darf. /
[327]
Siehe Langethal die riesigen Felsencolosse der Schweiz und der Erde
siehe die Riesenpyramide die Jungfrau und ihrem klaren Silberblick
dem Silberhorn; Langethal! siehe die Riesenströme der Schweiz
und der Erde siehe den klaren Rhein und die riesenarmige Donau
nach der Mitte nach der Einheit nach der Erfassung der Mitte,
und Einheit strebt alles, siehe den wasserhellen Bergkrystall
der in sich nur ein einiges Eine zu seyn scheint. Weißt Du was
mich nicht etwa blos größer dünkt oder was größer ist als
alles dieß? - weißt Du? - das allerkleinste Punktmoos
auf jenem von der Größe der kleinsten Nadelkuppe und mit
seinen schwarzen Lebenspünktchen und Fünkchen in der Mitte von der
Größe der feinsten Nadelspitze!- Warum?- Siehe dieß
Moos und dieß sich fortflechtende Lebenspünktchen ist der An-
fang der ganzen Gewächswelt, es ist die erste Erscheinung daß
das Anorganische feste so herrlich gestaltete, so gewaltsam
zur Einheit zur Tiefe strebende sich zum Organischen gestalte
denn nach den FlechtMoosen erscheint die erste Dammerde sie bilden
die erste Dammerde in der nun Gräßer, Kräuter, zuletzt
Sträucher, Bäume und Wälder wurzeln können welche die
Grundlage und Bedingung einer noch höher stehend[e]n Classe
organischer Wesen sind. Siehe Langethal ich sehe gern in dem
kleinsten unscheinbarsten organischen Punktmoos mein LebensBild,
wenn nun der wasserklare Bergkrystall, die zum Himmel ragenden /
[327R]
Schweizer und Berneralpen zum kleinsten Punktmoos sagten:
komm werde gleich uns schau unsere großartige, starke,
klare Natur, darf, kann das Punktmoos folgen?-
Mein theurer Langethal! Wahrheit bleibt ewig Wahrheit
ob Einer oder Keiner oder ob die ganze Welt daran glaubt;
soll, kann, darf das Organische zum Anorganischen zurück
sinken?- Du wirst vielleicht sagen der Vergleich ist stark
ist hart; er mag vielleicht als beydes erscheinen allein unwahr
mein Langethal! das ist er nicht denke an das was ich Dir von
dem Christenthum u Constantin und der römischen Staatsreligion
schrieb; denke an das was ich Dir über Chr. Columbus ohne Zwei[-]
fel viel tiefer liegende Weltbestimm[un]g sagte und seine Verbind[un]g
mit Spanien, an Luthers Wollen, dessen Verknüpfen mit
politischen Bestrebungen und den Herzögen von Sachsen rc und nun
das jetzige alte Lutherthum das sich das ächte nennt.-
Du wirst mir entgegnen mein theurer Langethal die zusammen[-]
pressende Atmosphäre, die mechanische Schwere des
Wassers ist nöthig sonst würde uns kein Punktmoos
entstehen, ja ganz recht; aber das Niederstrebende Zu-
sammendrückende, will nur das Freymachen des Lebens-
funkens in dem Punktmoos: Sonne Wasser, Thau u E Regen
will von dem Punktmoos nichts als: - werde was Du
werden sollst nach eigenem Gesetz mit eigener Kraft, siehe /
[328]
unsern Schutz geben wir klaren Krystalle und festen Felsensteine
Dir, unsern Thau und unsern Regen aber auch unser Eis
und unsern Frost unsere Hitze u unsere Kälte daß Du
werdest was Du sollst und kannst. Wachse empor
wachse hervor, unser zusammen strebendes, zusammendrücken[-]
des Gesetz, das mit Nothwendigkeit unser Lebens- und Wirk[-]
gesetz ist soll nicht entgegen seyn, nein es soll förderlich seyn
Deinem Streben, Deinem Entfaltungs- und Entwickel[un]gsgesetz
siehe mein theurer, theurer Langethal so wird und wächst
endlich die deutsche Eiche empor unter nach deren Schutze
und Schatten Du ja auch wie Du mir schreibst unser Schwester[-]
land die somit mit uns einige Schweiz sich sehnt.-
Lasse und mache also mein lieber Langethal so die Schweiz
und zunächst Deine Freunde, ja und hast Du nur einen einzigen
heißt er <S-s>, so laß diesen ß das Streben der Schweiz
nach Einigung, Einklang Einheit erfassen, sie so sind sie uns
mit dem Streben der Menschheit, der Natur der Geschichte
aller Gott[-] u Lebensoffenbar[un]g in Gestalt, Wort u That
so sind wir einig mit ihnen, sie einig mit uns, so sind sie tief
und lebenvoll in sich überzeugt, können und müssen es seyn
daß wir ihre höchsten also reinsten wahrhaftigsten wahresten
Lebenswünsche erkennen, daß wir
daß ich nicht etwa nur mittelbar u indirecte nein daß
ich und wir unmittelbar u directe für sie wirken, so sind
wir einig und der Menschheitsbaum soll keimen nein er soll schon tief Wurzel [fassen] /
[328R]
wachsen, blühen und fruchten und reife Früchte fallen
lassen zur Gesundu[n]g wie zur Stärkung der Menschheit
aus jedes einzelnen Gliedganzen bis zum einzelnen Menschen
und Kinde herab.-
Ist nun Dein <S-s> der edle, großartige und rein
menschlich gesinnte Mann wie Du ihn uns hinstellst, so
woran ich nicht zweifeln will, so dünkt mich doch solche
rein menschliche, solche rein deutschgeistige Gesinnung, die
er ja wie Du sagst ehrt müßte er anerkennend, pflegend
anerkennen, daß sie da am ersten zu pflegen sey wo
sie am tiefsten Wurzel schlagen, den schönsten höchsten
stärksten Stamm bilden und die am weitest verbreite[-]
ten Krone treibe.
Will er sich so zur reinen Menschheitspflege, zur Pflege
der Menschheit vor allem in der Kindheit, des Volkes
und Volksinnes und Lebens in der Familie und durch
dieselbe, in dem Familiensinne und Familienleben
einen, nun so reiche ihm die Hand und sein persönliches
und volksthümliches Streben wird von uns berathen
und pflegend beachtet werden, wie das unsere, wie es ja
eigentlich von uns aus ohne dieß gar nicht anders
der Fall seyn kann und wir in unsern Bestrebungen
eigentlich gar keine Grenzlinie zwischen Deutschem u Schwei-
zerleben ziehen. Über alles dieß besprich Dich nun klar /
[329]
mit Deinem Freunde <S-s> und durch ihn mit Deinen übrigen
Schweizerischen Freunden. Würden Sie [sc.: sie] den eben angedeuteten
Lebensgrundgedanken, der eben skizzirten LebensIdee ver-
trauen, welche ich nicht erfunden habe, sondern die sich allen
und Jedem wie ich schon anführte aus der Nation dem Leben
und der Geschichte ausspricht, welcher sie nur hören und
vernehmen will, würden sie in unsre Idee und durch
diesen Lebensgedanken uns vertrauen so wollten wir
Lebensgärten pflanzen und pflegen in welchen die Menschheit
so gedeihen sollte, wie unser Herz ersehnt.-
Hierüber bringe nun Deiner Freunde bestimmte An-
[sicht] mit nach Frankfurt. Dieser Brief wird hoffentlich Dienstag
den 28' d. Mon. früh bey Dir eintreffen. Nach der Bestimm[un]g
meines gestern an Dich abgesandten Briefes wirst Du mir
an diesem Tage Mittags Antwort senden[.] Du kannst
mir nun zugleich noch den Eingang dieses Briefes und
Deine Meynung über dessen Berücksichtigung melden.-
Mach doch Deinen Fr[eun]d <S-s> aufmerksam, welchen
schönen und in sich vollendeten und zusammenhängenden
Plan ich Ihnen [sc.: ihnen] durch Stähli [Fußnote*-*] <S-s> ist Stählis Schüler,
Nachfolger vielleicht auch Ausführer *der Plan ist bey den Arbeiten
vorgelegt hätten [sc.: hätte] – den hätten sie festhalten sollen.
Mache Deinen Fr[eun]d <S-s> aufmerksam darauf wie die
Schullehrer durch meine Mittheilungen in den Schullehrer[-]
cursen 1834 begeistert worden waren, wie sie sich /
[329R]
wahrhaft erziehend und menschlich darüber auszu-
sprachen, wie aber eine und dort die gewicht[i]gste
Parthey die geistige Erhebung der Schullehrer nicht
gewollt, ja ich möchte sagen sich vor derselben ge-
fürchtet hatten [sc.:hatte] ; allein ohne dieße sey es mit der
Erhebung des Volkes nichts zu thun. Wohl das
weiß ich ist in der Schweiz ein kräft[i]ger gesunder
Boden zur Einsaat allein man muß [sc.: weiß] nur nicht wann
sie auf geht - Gott weiß aus welcher so unheim[-]
lichen als unweisen Furcht mit der Sense sie wieder
abmähen oder mit der Eisen- und Steinwalze
wie in Grund und Boden und in Klump[en] drücken so
verfuhr man 1834/35, und dafür fürchte ich mich.
Mit der halben Hälfte mit der halben Freymachung
des Menschen, des Menschengeschlechtes und der
Menschheit ist nichts gethan, die ganze Befreyung
muß in Plänen in dem Zwecke liegen. Könnte
ich doch Deinem Fr[eun]de alles wiederholen, was ich alles
in dieser Beziehu[n]g nach Bern geschrieben. Allein
man glaubte ich wollte mich. Deutschland erkennt jetzt
daß ich nicht mich will darum hält es mich mit kindlichen
Herzen, Armen u Gefühlen fest, und will und wird mich
nicht lassen es werde denn Höheres und Menschheitliches erreicht[.]-
Über alles dieß so wie diesen Brief selbst - bringe Deiner Freunde be[-]
stimmte Erklärung und Vollmacht nach Frankfurt a/m mit.- /

(Nachschrift an den Rändern 329R-324V rücklaufend, zunächst F.s, dann von Wilhelm Middendorff:)
Am 24n April. Ihr lieben theuern Menschen in der Schweiz und ganz besonders Du Langethal; Ihr müßt bedenken,
daß es sich jetzt keinesweges um ausführung [sc.: Ausführungen] irgend einer persönlichen, noch weniger etwa Fröbelschen Idee oder
eines solchen Gedankens, sondern um Ausführung einer Welt Idee, eines Weltgedanken[s] handelt, welcher in jedes
Menschen Gemüth u Geist sich ausspricht und in Natur u Geschichte pp offenbar, für jeden der Sinn hat, darliegt, handelt[.]
Und so mit denn Gott befohlen. Ich erwarte daß Du am 28n d. M. g[an]z bestimmt schreibst. D. u. E. Fr. Fr.

[Middendorffs Nachschrift:] Menschen! Männer! Deutsche u Deutschgesinnte! Volks- u Vaterlandstreue! Seyd so edel als groß u so groß als edel.
Seyd der Menschheit, seyd der Zeit in der Ihr lebt würdig. Dient der Menschheit dient der Zeit, d.h. dient der Idee, dem
Gedanken welcher in der Zeit als ein Gedanke Gottes sich freymachen sich gestalten soll, mehr kann der Edelste, besser Größte Nicht thun.
Fr. läßt noch sagen: Wenn <S-s> nach Frankfurt mitkommen wolle dagegen habe er nichts. Mir scheint es wichtig[.] Es handelt sich um Menschheitssache. Die stärksten Kräfte Geister sind auf sie zu lenken. Er will Einigung des Astes mit dem Stamme, d Schweiz mit Deutschland. Das geht nur durch den Grundgedanken der beyde einigt, durch das Menschheitsstreben. Er sieht, fühlt, deutsches Leben.
Dann soll
Du sollst diese Möglichkeit < jetzt > in Deinem nächsten Briefe schreiben. Wie unvollkommen wirkt das Schriftwort besonders in gewissen Fällen
wie ganz anders die Überzeugung aus Mund u Herz u anschaulicher Kraft.- Du möchtest nach Frankfurt doch mitbringen:
Einige Expl. Krüsi: Bedeutende Augenblicke p. Die Anschauung des Ganzen und des treibenden Herzpunktes leite d Blick. DWM.