Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich August, König von Sachsen, in Dresden v. 2.5.1840 (Blankenburg)


F. an Friedrich August, König von Sachsen, in Dresden v. 2.5.1840 (Blankenburg)
(BlM F 6, Bl 17-19, 23-26, hier: 17R-19V Mitte, 23-26V, datierter Entwurf 8° 10 ½ S., auf 19V erster abgebrochener undat. Briefbeginn. Mglw. gehört die „Einladung und Aufforderung“ 16R-18V oben dazu, obwohl trotz inhaltlicher Übereinstimmung kein direkter Anschluß vorliegt. Der auf S.23R-20V befindliche 6seitige Text steht nicht in direktem Zusammenhang mit dem Schreiben an den König von Sachsen. Dieser sphärephilosophische Text interpretiert alles Leben als sphärisches Leben.)

[19]
Ew Königl Hoheit hatte die hohe
Huld u Gnade <-> <unmittelbar jüngsten>
aus dem <Pünktlichste> zur Beachtung des
Leben[s] u Thun[s] unscheinbaarer Kinder
geweckt d[urc]h Pfle inniglichste sorgliche
<organische> Pflege ihres schaffenden Thätigkeits[-]
triebes [bricht ab] /

[17R]
Am 2n May 1840        K. M.
Noch ist mein ganzes GWesen - mein
Herz – mein Gemüth in seinem Inner-
sten d[urc]hglüht von der königl[ichen] Huld u
Gnade, mit welcher Ew K. M. <gestern>
eine fast <11> ½ <seitige> <?> Vort[r]age Darlegung}
des Geistes u Wesens der von mir aufge[-]
stellen Spiel- u Beschäftigungsweise <wesen> der
Kinder <?> Ihre Aufmerksamkeit
schenkten. Der Dank dafür lebt
jedoch auch nicht etwa blos immer gleich ungeschwächt, <noch>
täglich
wachsend in meinem Gemüthe, denn
durch die königl[iche] Huld u Gnade mit welcher
Ew K. M. *der
frühesten angemessen[en] Kinderpflege u Beachtung
schenkten [*] einen Gegenst[an]d, welchen
ich nicht allein für jeden <Ein>zelnen
in der Gegenwart
sey er Bewohner der Hütte oder der Paläste
und so für das ganze
Menschengeschlecht
für unaus[-] /
[18]
sprechlich wichtig achte: wurde der prüfende und beacht[end]e <Blick>
vieler auf Einen Gegenst[an]d gerichtet
{welchen den ich nicht allein
für jeden Einzelnen der Gegenwart
sey er rc .......... r[c] für unaussprech[-]
lich wichtig achte. – Doch der ächte
wahre Dank ist kein todter, blos
beachtender oder gar nur geniesende
nein er ist ein immer reger stets schaffender; der beste
Dank aber für empfangene Huld u Gnade
aber ist <den gegeben[en]> den Gegenst[an]d derselben, die größt[-]
möglichste Vollkommenheit u ausbildung zu
geben und dieser Dank lebte von dem
ersten Augenblick als Ew Königl Majest[ät]
den Gedanken frühester
entsprechender Kindheit[-]
pflege d[urc]h ein[e] angemessene
Pflege ihres des Thätigkeits[-]
triebes der Kinder
durch bestimmtes Wort
in seiner Wichtigkeit
anerkannten; in
einem doppelten sich
stets wachsenden
Streben suchte er seit jener Zeit
ein Mittel u einen Weg zu finden sich offen[-]
baren zu können in dem der größtmöglichsten <eigens organischen>
Anwendbarkeit auch in den Hütten
der Ärmsten und in der größtmöglichsten
Allgemein[en] Anwendbarkeit /
[18R]
und die Ergebnisse dieser Bestrebungen
sind es welche ich wage Ew K. H.
hier als Zeichen jenes Bezeichneten
ausgesprochenen Dankes ich hier
wage allerunterthänigst vorzulegen
Seit ein[em] Jahre wo es mir glückte d[urc]h
das freye Vertrauen der Lehrenden u der
Einwohner des hiesigen Städ[t]chens wenn
auch zunächst nur noch für einige
Stunden des Tages eine Spiel- und Be[-]
schäftigungsanstalt für kleine Kinder
bis zur Schulfähigkeit nach den
Grundsätzen auszuführen welche
Ew K.M. darzulegen ich so glücklich
war und die deren Geist und Zw[eck] Ew K. M. bey[zu]stimmen sich
erfreute.
Die Kinder aller Stände des kleinen Städtchens
und jedes Alter[s] selbst noch unter einem Jahr
alt u kaum über 6 Monate
[-] die Zahl derselben wurde von ihren Müttern
oder erwachsenen Geschwistern gebracht [-]
kamen um daran
Antheil zu nehmen,
u darf ich Ew K. M.
in einem so wahren als
großartigen aber
entsprechenden Bilde der Erfahrung
bezeichnen: - wenn der rein mensch[lich]
pflegende Geist nur leis das Leben /
[23]
des Kindes berührte so war es
als wenn im Frühl[ing] die Sonne die
geschwellte Blüthe u Blüthenknospe
sich öffnete, so öffnet sich nicht <etwa eben> Auge
Ohr oder die äußern
Gliedchen des Kindleins, <nein !> seine
Seele sucht wie ein der Hülle ent[-]
schlüpfender Schmetterling sein[e] noch <schweren> Schwingen
zu entfalten. –Doch
wie darf ich es wagen Ew Kg. M. mit fort<wäh[ren-]>
den Einzelheiten zu ermüden,
doch nur einiges noch erlaube ich mir
zu erwähnen, daß <selbst> die sich g[an]z überlass[ene]n Kinder selbst
aus den gedrückte[-]
sten ärmsten Familien
nach dem einstimmigen Urtheile
Aller Beachten[den] namentl[ich] der Eltern wie der Lehrer
sinniger, - sittiger – reinlicher, achtsamer thätiger wurden.
Und diese und ähnl[iche] Erfahrung[en] fanden
nicht etwa blos hier statt nein!
sie traten überall hervor wo
die aufgestellte u Ew K M. darge[-]
legte Kinder[-]Spiel[-] u Beschäftigungsweise ihre
Anwendung fand; denn
seit fast einem Jahre schenkte /
[23R]
besonders die freye Stadt Frankfurth
dem Gegenst[an]d ihre Aufmerksamkeit
3 Anstalten, d[urc]h Männer gegründet
welche sich zur Aneignung der Spiel[-]
weise u zum Eindringen in den Geist
dieser Kinderbeschäftigung die entsprechen[d] längere
Zeit hier auf hielten
sind dort be<rathen> verstanden und zur
Erreichung <erwiesen> 4ns soll wird der Weg angebahnt
von der <Thatkraft> ihrer Ge[-]
meinde daselbst. Über die einzelnen
Ergebnisse würde ich mir erlauben
in der Anlage einiges beyzufügen. –
Ich schätze mich sehr glückl[ich] das [sc.: daß] allein
Confessionsverwandte sich zu dem
Gegenstand u zu der Erkenntniß, Einsicht der Wichtigkeit frühe[-]
ster entsprechender Kinderpflege hinwenden; es ist mir
ein Zeichen daß das der Wahre Christussinn
sich nach u nach in allen zu offenbaren
strebt und daß der Geist u Sinn dessen
der zu erst sprach[:] lasset die Kindlein
zu mir kommen – wieder alle <einen>
wird.
Es konnte nun nicht fehlen daß man
auch wünschte daß eine solche Beachtungs[-] u Beschäftigungs[-]
weise auch der klein[-] /
[24]
sten Kinder immer allgemeiner werden
möchte allein nicht nur in Anstalten, sondern
vorzügl[ich] in Famil[ie]n allein hierzu zeigte
sich bald ein Mangel als [sc.: an]
Kinderpflegern, ja der es zunächst
u erstbedacht <an> erziehenden beachten[den]
Kindermädchen u Kinderwärterinnen u
ich wurde in öffentl[ichen] Blättern z.B.
aufgefordert für Befriedigung dieses
Bedürfnisses sorge zu tragen, was
ich auch nach Möglichkeit seit dem Beginn
dieses Jahres gethan habe; dennoch
allein das Werk ist für den Einzelnen, soll
es ein entsprechendes, gediegenes
Werk seyn u werden zu groß
doch der das den Fortgang des Werkes
sich <ersehnenden> sind viel[e] – wenn auch
getrennt u – das Vertrauen <auf>
u in geeinter Kraft <leisten> die Mittel
zur <Erreichung> auch das <schwierigste> aus zuführen[.]
Möchte es mir nun gelungen seyn Ew
K. M. zu als bleibenden sich aus sich erneuernden Dank Königl[icher]
Huld ein Mittel
zu dieser Verallgem[einerung] zur Prüfung vorzulegen /
[24R]
welches Allerhöchst Ihre Beystimmung
hätte so Allerhöchst Ihre Bey[-]
stimmung gewonnen daß Allerhöchst
Sie sich entschließen könnten selbst
zur Ausführung d[urc]h Vertrauen die Mitwirkung der
für diese [das]
schlummernde Vertrauen vieler zu wecken
wie Ew Königl M Kindheitbe[-}
achtung – der Kindheit beachtung
<von> vieler weckte[.]
-------
Und so lege ich den Unter[zeichnungs-]
den Plan zum Verein aller d[eutschen] Fr[auen] u Jung[frauen]
Ew K. M. zur
Prüfung u Mitwirkung aller[-]
unterthänigst vor[.]
Daß [sc.: Das] durch Gottes Willen ins Daseyn
getretene Wesen des Menschen, das von
Gott dem Menschen geschenkte Daseyn u Leben
welches sich frühe in dem Menschen schon
als Kind als Lebens- als Thätigkeitstrieb sich äußert
ist die höchste Gabe welche der Mensch /
[25]
erhalten konnte, das Leben des Menschen
der Gebrauch des Lebens des Menschen
muß dafür ein starker Dank gegen
Gott seyn, er kann sich aber eben nur
kund thun in dem ächten Beachten u Pflege dem Gebrauch in der
Anwendung dieser
Himmelsgabe – zu diesem Dank
zu dieser Pflege u Anwendung kann
aber der Mensch nicht früh genug ange-
wendet [sc.: angeleitet] werden. Dieß bestimmte
nun Ew K.M. zur <Prüfung> vorgelegte
Idee u Gedanke der frühen Pflege des
Lebens u des Thätigkeits[-]
triebes der Kinder. Doch wenn der
Frühling kommt u das Leben des Keimes
in Wirksamkeit u Thätigkeit hervor[-]
gerufen werden soll, so schränkt sich
die [sc: der] Sonne <Frühlings Hauch> nicht darauf ein, daß ein einziges
Pflänzchen oder sie auch nur vereinzelt blühen
sondern daß der Frühlings Hauch
die Wärme der Sonne ruft viele
schlummernde Keime das ins Leben,
sollte der Mensch nun in Beziehung
auf seine Kinder nicht Gottes /
[25R]
Wege u Offenbarung die er aus in der
Natur der Thatoffenbarung wie in der
Schrift seiner Wortoffenbarung kund
thut nicht nachgehen und frühe den
Lebens[-] u den Thätigkeitstrieb der
Kinder allgemein Pflegen? –
>Dreyes> müssen wir sehen wie dazu
so häufig die Unthätigkeit der Kind[er]
durch Warten auf eine so schwache
Weise oder ihre Thätigkeit auf
eine falsche Weise gemißleitet
wird, dieß gebar gab den Gedanken
einer allgemein[en] Musteranstalt
sowohl zur Pflege der Kindheit
als zur Bildung der Kinderpfleger
oder zu Vorstehern von
Kinderanstalten. Die Anstalt
soll sie genügen muß um[f]assend
muß sicher gegründet seyn an
wen könnte ich mich in dieser
Beziehung nur vertrauensvoll /
[26]
wenden als an die treue Mutter
an den edlen Frauensinn, an das
fromme Frauengemüth indem
ja in der Ausführung einer solchen
Anstalt wie dem Willen Gottes
getreu so der Forderung des Welt[-]
u des Kindheiterlösers erfüllt würde.
* so im Bereich Ihr der Wirksamkeit Ihres
Königlich[en] Frauen Gemüthes
sowie d[urc]h Einfluß auf das Frauen[-]
gemüth zu fördern [*] Hierzu Der Umfang des
Planes müßte die allgemeine
Mitwirkung selbst für das <schon> Kinder
liebende Jungfrauen Gemüthe <empfängl[ich] machen> und
so wage ich Ew.
M. dazu einen Plan in der
Anlage Allerunterthänigst vorzulegen
u sollte es Ihre höchste Beystimmung
genießen ihn wie d[urc]h Ihre Huld zu unterstützen
zu fördern[.]
Daß sich das Ganze ausauf die Feyer des
Jubelfestes der Erfindung der Buchdruckerkunst [bricht ab] /
[16R]
Zu dieser Einladung u Aufforderung
fühlen wir uns ganz besonders
in der jetzigen in der wie für die
Menschheit überhaupt
und die Deutsche insbesondere
so g[an]z besonders auch für die
Deutsche Frauen[-] und Kinderwelt so
höchst wichtigen Zeit, in der Zeit der 400[-]
jährigen Jubelfeyer der Erfindung der
Buchdruckerkunst bewogen. Wie
u Wo würde es mit der Bildung und dem
Zustande des gesammten <Frauen>leben
ohne diese das besondere alle einzeln[en] Bedürfn[iss]e
Forderungen u Gefühle zu einer einzigen gesammt
Wahrnehmung u Gefühl erhebenden Kunst
stehen, wo u wie g[an]z besonders mit
der Erziehung der Kinder u der Kindheit
wie überhaupt so auch mit der Erziehung
unserer deutschen Kinder darum bedarf
es vor allem auch der Dankbarkeit
der gesammten Frauenwelt und den Aus[-]
druck der Dankbarkeit derselben an
und bey der Feyer dieses hohen Fest-
tages. Es bedarf der Dankbar[-] /
[17]
keit u des Ausdruckes der Dankbar[-]
keit welche die hohe Wohlthalt [sc.: that] und Gabe der
durch die Erfindung der Buchdrucker[-]
kunst so wesentl.[ich] geförderten
Geistigen und Lebenseinigung auch schon
frühe auch den Menschen schon auf der Kindheit einschließend wahr
[macht] es bedarf
einer in diesem Geiste u mit diesem
Ziele frühe geleitete Erziehung des
Menschen und so halten wir die Aus[-]
führung des im vorstehenden dargelegten
Werkes als das würdigste entsprech[endste]
u gen[ü]gendste Werk der gesammten
Deutschen Frauen und Jungfrauen[-]
welt zur wie würdigsten so bleibenden
u segensreichen lehrenden fortwirkenden Feyer des 400jährigen
Jubelfestes der gesammten deutschen
Frauen[-] u Jungfrauenwelt und laden
darum zu dessen Ausführung vertrauend
ein, ja wir glauben sogar daß
in der Zeit dieser Jubelfeyer die
Buchdruckerkunst kaum zu einem
bleibenden größern u segensreichen /
[17R]
Werke angefwandt werden
könnte als zum Drucke der
Urk vereinigenden Urkunden
zu diesem Werke[.]

[20]
[Sphärephilosophischer Text]
Das Leben alles dieses deutet aber nicht blos auf
die sphärische Kugliche Ansicht
sondern auf das wirkliche sphärische Kugliche des
Lebens selbst; so sagt man[:] Er <wird> es liegt
im Umkreis (Peripherie) seines Geschäfts[-]
Lebens, Wirkungskreises. Selbst in dem
Wort Alter, Lebensalter – Menschenalter
liegt das Allseitig abgeschlossene u
so ist wohl die Sphärische Kugliche Ballige
Ansicht des Leben[s] d[urc]h Sache –Gegenst[an]d
Sprache u Wort gerecht nicht etwa blos
gerechtfertigt sondern wirkl[ich] thatsächl[ich]
dargethan.
*
Allein auch in der Natur und die Natur <selber>
tritt den Menschen dem Kinde sobald es nur d[urc]h seine
Sinne etwas dafür entwickelt ist als
länglich Ballig Sphärisch entgegen. Ist dieß
nicht an jedem klaren frischen Sternen Herbst oder Winter
Abend, in jeder Sternenklaren, wolkenlosennacht
der Fall, erscheint da der Himmelsraum
nicht (gedrückt) Kugelförmig sphärisch -
tritt dieß dem Kinde nicht überall entgegen wo
es in der Natur etwas in sich abgeschlossen[es]
erblickt, wo bestimmt Kugl[iges] erscheint nicht das
Vollendende dem nur etwas geübten Auge, keines[-]
weges als blose Scheibe - der Apfel den das
Kind so gern ißt, ist rund – die Beeren die
ihm so wohl schmeckten, die Kirschen viel Pfla[umen]
u andere Früchte dem Kinde ein süßer Gruß sind g[an]z kuglich rund oder
sich wenigstens dem runden sehr nähernd [?]
[19R]
Die Krone, der Baum wurden schon
erwähnt aber nicht minder der kleine
Thau[-] u Wassertropfen, wie die Queck[-]
silberkugeln überall wie in den Stein[en]
den Erbsen[-] Bohnensamen u Wicken <-> tritt das
rundl[iche] u runde entgegen[.]
Alle Entwicklung geht aus demselben hervor
u zwar um so mehr als die Entwickelung
selbst allseitig ist so vor allem in dem <Ey>
der TDotter des Eyes[.] Erscheinen nicht am
Menschen selbst alle edlen Theile in
Kugelgestalt u kugl[ich] abgerundet, so vor
allem Kopf Auge, ja aller Ende das Geschl[echt]
tritt nicht dem Kugl[ichen] selbst dieß vor allem
u <vor am entscheiden[dsten]> ob nicht eben dieses
Sinnes u Bedeutung voll der Wahre Ball
in vollkommner in sich gerundeter Kugelgestalt entgegen? -
Ist [sc.: Sind] nicht wie das Samenkorn u Ey so selbst
die Knöpfe kugelförmig; zeigen uns sphärische
Betrachtungen nicht selbst das die Weltkugel
wie das Weltall, eben alte All in
kuglicher sphärischer Gestalt? –
*
Wie alles <tropf[ige]> kann selbst elastisch luftig
gleich seyn sobald es nur <schon> in Kugelform
erscheint, so erscheint auch das Leben wie als
Ganzes so in jeder Einzelerscheinung vor <sich>
als Sphäre[.] /
[21]
Man sollte dagegen von unserer Anschauungs[-]
weise u Sprache von einer Erkenntnißkugel
eines Erkenntnißballes sprechen, nur ist dieß
uns zuungewohnt u unsrer bisherigen
Erkenntniß u Anschauung der Kugel wie des
Balles zu einseitig u dem Leben zu fremd
<gewesen> daher auch das fremdartige
u ungenügende jenes Ausdruckes doch
dieß thut in dem vorliegenden Falle nichts
zur Sache indem nur nachgewiesen
werden soll, daß er das Leben in sich als
ein allseitig in sich abgeschlosse[nes]
Ganze erkenne u anschaue und <schon>
ebenso die Einzel<ganze> des Lebens
ob man es <nun> d[urc]h die Deutschwörter
die einfachen aber mehr <deutlichen> Wörter der deutschen Sprache
Kugel Ball oder d[urc]h das vergeistigte Fremd [-]
Wort Sphäre thue.
Allein auch d[urc]h das entgegengesetzt[e]
der Anschauung u Sprache bezeichnen
beyde das [sc.: daß] sie das Leben als die <theilg[an]ze>
desselben als Ballige Kugliche Sphärische
Ganzes <auffassen>. – Er bildet sich
einseitig aus, <im /ein> Gegensatz, es ist
ein allseitig gebildeter Mensch
er handelt einseitig statt sein
Handeln sowohl <mehr>seitiglich nach
allen Seiten – oder es ist ein /
[20R]
oberflächlich gebildeter Mensch. Allein auf
wieder ähnl[ich] bestimmte Weise wird <diese[s]>
Sphärische Kugliche Allseitigkeit u G[an]zheit
des Lebens <ein Ergebniß> u ausgesprochen z.B. er steht in
der Mitte seines Ge-
schäftes; er umfaßt sein Geschäft g[an]z
er kennt den g[an]zen Umfang seiner Thätigkeit
seines Wirkens, seines Geschäftes[.]
Selbst die Dichter <sagen> von einem <Steigen>
in die <Höhe>, einer Erhebung und zugleich einer
allseitigen Ausbreitung in der Fläche <was>
ja aber <nichts anders> als die Sphärische
Ballige Kugliche Aus<dehnung> des Lebens ver[-]
standen wird. Der Baum aber in seiner
Ganzheit angeschaut stellt auch ein
Sphärisches eine Kugel dar, denn <eben>
spricht man von der Wurzel, von dem
Keime, von der Verzweig[un]g des Lebens
also wieder von der sphärischen kugl. Ansicht
des Leben[s]; man spricht von den all[-]
seitigen Richtungen des Lebens, der allseitigen
Entwickelung der Menschenwelt; diesem
allen aber entspricht nichts u kann nichts
g[an]z entsprechen als das sphärische kugliche
u so ist wohl nicht so wohl die sphärische
kugliche Ballige Ansicht des Lebens als überhaupt
das Sphärische Kugliche Ballige des Lebens selber
entsprechend[.] Man spricht ferner von
einer Tag[-] u einer Nachthöhe eine[r]
Morgen[-] Abend<ruhe> einen Zenith u Nadir /
[22]
Lebens<thätig[keit]> ist
Zuletzt <ganzseitig>
Allseitig.
Wie der Baumkern ein absolut Ganzes in sich u doch leben[-]
volles Glied des Ganzen Baumes ist, d[urc]h welchen
er in der Erscheinung im Zusammen[-] u Verein-
wirken der Natur u des gesammten Weltlebens
sein Daseyn erhielt, und darum alle Kräfte
u Fähigkeiten alle Anlagen des Baumes in sich
trägt, so ist auch das Kind ein <absolutes> Ganzes in
sich und doch lebensvolles Glied
der g[an]zen Menschheit (des ganzen Menschheitlebens)
d[urc]h welche d[urc]h welche [2x] es im Vereinwirken
mit der Natur und des gesammten Weltlebens
sein Daseyn erhielt – Darum nun trägt
auch das Kind alle Kräfte Fähigkeiten [in sich.]
*
Und nun endl[ich] auch im Spiel beacht[et] da das Kind
nicht von allein das Runde g[an]z besonders
das allseitige, das kugelnde - dort in seinen
Kreis[-] u Drehspielen, hier in seinen Ball[-] u
Kugelspielen, dort in seinen <Schnecken>spielen <wie>
hier in seinen Spiel<ausherumwickeln> [.]
[21R]
Auch das Leben ist ein G[an]zes in sich und wird als
solches sowohl von dem einfachen Erfahrungssinn
als solches aufgefasst und d[urc]h die Sprache
bezeichnet[.] Denn man sagt; wer nicht das Leben
als ein Ganzes anschaut, der wird auch nicht das
Einzelne verstehen. Man sieht dieses G[an]ze nun
entweder in allseitiger Flächenausdehnung an
u dann spricht man von einem Kreise des Lebens
u sagt es liegt in dem gesammten Lebenskreis; -
allein auch jedes Einzelnen Thätigkeit als solcher
sieht man in sich wieder als einen Kreis an und
dann sagt man es liegt in seinem Geschäfts[-] seinem
Wirkungskreise – doch bald u in höherer al[l]ge[-]
meiner Anschauung fühlend, daß der Kreis <nicht>
das Erschöpfende sey spricht man die allheit
nicht nur in einer der Richtung sondern in den Richtungen alle <Formen> anschauend
von einer Lebens[-]
sphäre, Sphäre aber d[urc]h die Wissenschaft [-] aus einer Fremd<sprachigen>
[aus] der bisherigen über<ge>tragen u in derselben welche
ihre Anschauungs[-] That[-] u Lebenswahrheit festge[-]
halten, das Wort Sphäre ist ganz gleichbedeutend
mit den Wörtern Kugel Ball. Nun spricht
man nicht von einer Kugel, einem Ball, sondern
<wunderbar gern > nur von einer Sphäre
des Lebens, einer Wirkungs- Geschäftssphäre
von einer Wissenschaft[-] u Kunst[-] sphäre u.s.w. /