Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. / Wilhelm Middendorff / Johannes Arnold Barop an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 7.5.1840 (Blankenburg und Keilhau)


F. / Wilhelm Middendorff / Johannes Arnold Barop an Karoline-Luise Fürstin von Schwarzburg-Rudolstadt in Rudolstadt v. 7.5.1840 (Blankenburg und Keilhau)
(BN 735, Bl 4-5, tw. datierter Entwurf 1 B fol 3 ¼ S. , Teildatierung „1840“. ThStA Rudolstadt, Schloßarchiv D Nr. 9, Bl 27-28, Brieforiginal 1 B fol 4 S., Edition der Reinschrift durch Sellmann 1932, 100-102. Ergänzungen an den Rändern 28V nach Ed.)

a) Entwurf

1. Kindergarten
20) Briefentwürfe 40
Bogen 25
Durchlauchtigste Frau Fürstin
Gnädigste Frau Fürstin u Frau!

Vor einigen Monaten waren wir so glücklich
Ew: Hochfürstl[ichen] Durchlaucht so huldvollen und
gnädigsten als förderlichsten Theilnahme an unsern Erziehungs-
Unternehmungen die erfreulichsten Mittheilungen
zu machen; wir hatten sogar die Freude Ew
Hochfürstl[ichen] Durchlaucht die angenehme Hoffnung
aussprechen zu können daß unser ältester
Mitbegründer u Freund Herr Langethal
zur Erfüllung eines längst in sich geheegten
Wunsches sich hier in Deutschland wieder
mit uns vereinigen würde; allein vielleicht
zur Gewährung Darbiethung einer größeren Freude
wird uns nach den jüngsten Briefe dHE Lange-
thal diese Hoffnung nicht erfüllt indem
er für seine Person durch die seltenen und für Jeder-
mann in die Augen fallenden Ergebnisse
der freyen Anwendung unserer entwickelnden
Erziehungsweise in seinen jetzigen Verhältnissen
u Wirksamkeiten- (das Bild ist nicht
zu stark) nicht allein für seine Person mit Demantenen Ketten
in der Schweiz festgehalten wird, was
ihm die Rückkehr nach Deutschland wenigstens
für jetzt ganz unmöglich macht, sondern
daß man sogar denen beyden von uns welche
für die Pflege der ersten Kindheit in
Blankenburg [wirken] den bestimmten Antrag ge-
macht hat zur Ausführung einer eines gleichen Wirk-
samkeit
Unternehmens wie hier nach der Schweiz u
namentlich nach Burgdorf zur gemein-
samen Wirksamkeit mit Langethal
zurück zu kehren. Die Aufführung
der uns zur Erreichung des Zieles vorgelegten
und nachgewiesenen äußern u materiellen /
[4R]
mittel ist bedeutend; Jedoch konnte
dieß das Vertrauen welches wir in
die menschheitlich u christlich deutschen
Gesinnungen hinsichtlich der Anerkennung früher
entsprechender Kindererziehung
in die Anlagen der deutsche[n] Kindheit u Kinder-
wohl
und unsere sich auf Überzeugung
und Grundsätze stützende Liebe zu unserm
deutschen Vaterlande nicht der wankend
machen zum im Gegentheil glaubten wir
daß diese drey deutschchristl[iche] Gesin[nun]gen
deutsches Kindheitwesen, deutsches Kinder-
leben und deutsche Vaterlandsliebe zusammen
genommen u innig geeint größer u stärker
sey als jedes materielle Gut was von
Außen geboten wurde wird; Ja wenn diese
drey sich im deutschenchristlichen Frauen[-]
gemüth einten wir auch im Stande
wären die gleichen materiellen Mittel,
nun aber geeint u durchdrungen von reiner
christlich deutschen Kind u
Menschheit liebenden Idee also vielfach erhöht
auch von uns aus in die Wagschale zu legen.
Die vertrauensvolle Einigung Vieler
durch verhältnißmäßig geringe Beyträge
[der Einzelnen] zu einem bleibenden
deutschen Kindererziehungswerke
schien uns der in der Zeit dafür gegebene
Weg, es erschien uns dieß ganz besonders in den jetzigen Tagen
der Weg wo sich so Vieles einigt um für
das Himmelsgeschenk der Buchdruckerkunst
seine Dankbarkeit bleibend zu bezeugen.
Es schien uns diese Dankbarkeit im deutschen
Frauengemüthe nicht minder zu ruhen wie es
sich in dem Mannesgeist kund thut auch zu [sc.: in] jener
kein schwächerer Grund zu liegen als in diesem
daß es aber einer Weckung dieses Gedankens
und eines Gegenstandes bedürfe an welchem
er sich kund thue.
Darum erschien es uns als ein sich nach jeder Seite hin nicht nur zu rechtfertigendes, son-
dern sogar wahrhaft gefordertes Unternehmen des Zusammentretens deutscher
Frauen u Jungfrauen zu einem Dankes
Werke. Was liegt aber dem
Frauen[-] u selbst Jungfrauen[-]Gemüth Herze u Leben /
[5]
näher als die Kindheit Pflege als
die Pflege des frühen Kinderlebens.
Darum Deßhalb glaubten wir es könne in der
dießjährigen festlichen Zeit der 400jährigen
Jubelfeyer der Erfindung der Buchdrucker[-]
kunst für die gesammte deutsche Frauen-
u Jungfrauenwelt kein größeres
entsprechenderes u bleibenderes u
u dem Wohl Sinn u Geiste
doch auch wieder angemesseneres und
einfacheres Werk der Dankbarkeit
geben, als die ihre Vereinigung der deutschen
Frauen u Jungfrauen
zu einem zweyfachen
deutschen Erziehungsunternehmen einmal
einer deutschen Muster Anstalt zur
ersten Kindheitpflege bis zur Schulfähigk[eit]
gleichsam eines deutschen Kindergartens
dann einer damit verbundenen Bildungs[-]
anstalt für Kinderpflegerinnen u Erzieherinnen
(und auch wohl Kindererzieher) gleichsam als
Gärtnerinnen u Gärtner in jenem Garten;
- als die Ausführung einer solchen
Erziehungsunternehmung durch den einen mäßigen
Actienbeytrag von Rth
Wir legen nun dieses Allgemeine
Erziehungsunternehmen Ew. Hochfürstl.
Durch[laucht] u durch Höchst Sie Ihrer Durchl.
der Fr: Prinzeß Karl u Ihrer Durchl.
der Fr: Prs. Albert zur Prüfung vor.
Möchte dieß Unternehmen was von uns, wie wir glauben
u hoffen mit so tiefen Vertrauen
in das Gemüth der edelsten u
würdigsten Deutschen besonders auch
erlauchten u fürstl[ichen] Frauen begonnen
wurde – vor allem Ew: Ew Ew [3x] Fürstl[ichen] Durchl[aucht] gefallen
Beystimmung erhalten[.]
Möchte Ees Ew. Fr. Durchl[aucht] Durchl[auchtigste] Huld
u Gnade gefallen es durch huldvolle Vertrau[ensvolle] Unter-
zeichnung zu begründen. –
[5R]
In dieser vertrauensvollen Hoffnung
verharren wir ehrfurchtsvoll
EW. Hochfürstl[ichen] Durchl.[aucht]

b) Brieforiginal

[27]
[Briefkopf: Lithographie mit Bildunterschrift:
"Erziehungsanstalt in Keilhau"]
Durchlauchtigste Frau Fürstin
Gnädigste Frau Fürstin und Frau!

Vor einigen Monaten waren wir so glücklich Ew: Hochfürstlichen Durchlauch[t]
so huldvollen und gnädigsten als förderlichsten Theilnahme an unsern Erzie-
hungs-Unternehmungen die erfreulichsten Mittheilungen zu machen. Wir /
[27R]
Wir hatten sogar die Freude Ew Hochfürstlichen Durchlaucht die angenehme
Hoffnung aussprechen zu können, daß unser ältester mitbegründender Freund,
Herr Langethal, zur Erfüllung eines längst in sich geheegten Wunsches sich
hier in Deutschland wieder mit uns vereinigen würde. Allein - vielleicht zur
Darbiethung einer größeren Freude - wird uns diese Hoffnung nicht erfüllt;
indem er durch die seltenen und für Jedermann in die Augen fallenden Ergeb-
nisse der freyen Anwendung unserer einfachen entwickelnden, erziehenden Lehr-
weise in seiner Wirksamkeit in der Schweiz - (das Bild ist nicht zu stark),
nicht allein für seine Person mit demantenen Ketten festgehalten wird,
was ihm die Rückkehr nach Deutschland, wenigstens für jetzt, ganz un-
möglich macht, sondern daß man sogar denen beyden von uns, welche
für die Pflege der ersten Kindheit in Blankenburg wirken, den bestimmten
Antrag gemacht hat, zur Ausführung eines gleichen Unternehmens wie
hier und zur gemeinsamen Wirksamkeit mit Herrn Langethal nach
der Schweiz und namentlich nach Burgdorf zurück zu kehren. Die
Aufführung der uns zur Erreichung unseres Zieles dort vorgelegten /
[28]
und nachgewiesenen äußern und materiellen Mittel ist bedeutend.
Jedoch konnte dieß das Vertrauen, welches wir in die menschheitlich und
christlichdeutschen Gesinnungen hinsichtlich der Anerkennung früher en[t]-
sprechender Kindererziehung, in die Anlagen der deutschen Kindheit [und]
unsere, sich auf Überzeugung und Grundsätze stützende Liebe zu uns[erm]
deutschen Vaterlande nicht wankend machen. Im Gegentheil glaubten [wir]
daß diese drey, deutschchristliche Gesinnungen, deutsches Kindheitwe[sen]
und deutsche Vaterlandsliebe zusammengenommen, und innig geeint gr[ößer]
und stärker sey als jedes materielle Gut; welches uns von Außen gebot[en]
wird. Ja, wenn diese drey sich im deutschchristlichen Frauengemüth eint[en]
wir auch im Stande wären die gleichen materiellen Mittel von uns aus in
die Wagschale zu legen, welche aber nun, geeint und durchdrungen von chr[istlich-]
deutschen die Kindheit liebenden und die Menschheit umfassenden Idee, vielfa[ch]
erhöht sind.
Die vertrauensvolle Einigung Vieler, durch verhältnißmäßig geringe Bey[träge]
der Einzelnen zu einem bleibenden deutschen Kindererziehungswerke, schien uns [der]
in der Zeit dafür gegebene Weg und dieß ganz besonders in den jetzigen Tag[en]
wo sich so Vieles einigt um für das Himmelsgeschenk der Buchdrucker[kunst]
seine Dankbarkeit bleibend zu bezeugen. Es schien uns diese Dankbar[keit]
im deutschen Frauengemüthe nicht minder zu ruhen, wie sie sich in des Ma[nnes]
Geist kund thut, auch in jenem auf keinem schwächeren Grunde zu ruhen, [als]
in diesem, daß es aber im Frauengemüthe und Leben einer Weckung [die-]
ses Gedankens und eines Gegenstandes bedürfe, an welchem er sich k[nüpfe.] /
[28R]
Darum erschien es uns als ein sich nach jeder Seite hin nicht nur zu recht-
fertigendes sondern sogar wahrhaft gefordertes Unternehmen zum Verein
deutscher Frauen und Jungfrauen in diesen festlichen Tagen ebenfalls zu
einem Dankeswerke einzuladen.
Was liegt aber dem Frauen- und selbst Jungfrauen-Gemüthe, Herz
und Leben näher als die Kindheit-Pflege, als die Pflege des frühesten Kinderlebens.
Deßhalb glaubten wir, es könne in der dießjährigen festlichen Zeit der 400-
jährigen Jubelfeyer der Erfindung der Buchdruckerkunst für die gesammt deutsche
Frauen- und Jungfrauenwelt kein entsprechenderes: kein größeres und doch stilleres,
kein bleibenderes und doch einfacheres Werk der Dankbarkeit geben, als ihre
Vereinigung zu einem zweyfachen, aber in sich einigen deutschen Erziehungs-
werke
, einmal zu einer Musteranstalt zur ersten Kindheitpflege bis zur
Schulfähigkeit, gleichsam einem deutschen Kindergarten, dann zu einer damit
verbundenen Bildungsanstalt für Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen (auch wohl Kinder-
erzieher) gleichsam als Gärtnerinnen und Gärtner in jenem Garten; - es kann dafür
kein größeres Werk geben als die Ausführung einer solchen Erziehungsunterneh-
mung durch einen mäßigen Aktienbeytrag der Einzelnen.
Wir legen nun dieses allgemeine Erziehungsunternehmen Ew. Hochfürstl. Durchlaucht
und durch HöchstSie Ihrer Durchl. der Frau Prinzeß Karl und Ihrer Durchl. der Frau
Prinzeß Albert ehrfurchtsvoll und unterthänigst zu höchstgeneigter Prüfung
und huldvollsten Begründung und Beförderung vor.-
Ehrerbietigst verharren wir
Ew Hochfürstlichen Durchlaucht

unterthänigste
Friedrich Fröbel Wilhelm Middendorff J Barop

Blankenburg-Keilhau
am 7n May 1840