Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. / Wilhelm Middendorff / Johannes Arnold Barop an Karl Hermann Scheidler in Jena v. 8.5.1840 (Blankenburg u. Keilhau)


F. / Wilhelm Middendorff / Johannes Arnold Barop an Karl Hermann Scheidler in Jena v. 8.5.1840 (Blankenburg u. Keilhau)
(BN 627, Bl 1-2, Brieforiginal 1 B 8° 3 S., BN 735, Bl 7-8, hier: 7R-8V dat. Entwurf 1 Bl fol 2 S. )

a) Entwurf

[7R]
Sr Wohlgeb d HE Prof Dr. Scheidler
in Jena

Blkbg am 8 May 1840


Verehrtester HErr u Freund

Noch bin ich Ihnen meinen Dank für den Eifer
und die Klarheit u Bestimmtheit schuldig mit welchem
Sie im vorigen Jahre für die Sache der Kindheit-
pflege besonders durch Erziehung u Bildung
von Kinderpflegern, Kindermädchen rc
eingetreten sind. Es hat sogl[eich] gute Früchte
getragen; jedoch wie ein guter ächter Obstbaum
seine Früchte in dem künftigen Jahr eigentl[ich]
nicht nur vermehrt sondern auch veredelt
so ist es auch mit dem Gedanken der
ersten Kindheitpflege besonders eines
Erziehungsunternehmens zur möglichst klaren
Aufstellung / Ausführung der Idee derselben und ganz
namentlich auch mit der Bildungs
Unternehmung zur Bildung von Kinderpflegern
KindheitErziehern u Erzieherinnen gegangen.
In der Welt [dem] Großen Gottes All steht
ja nichts allein u soll nichts allein stehen
alles ist ein stetig lebenvoll verknüpftes
Ganzes, jedes wirkt auf das andere ein
u zu dessen Fortentwickelung fort so müssen
ganz besonders menschl[iche] Thatsachen u Gedanken
wechselseitig auf einander einwirken so ist
es denn auch mir mit dem Gedanken
eines deutschen Frauen- u Jungfrauenvereines zur
Pflege des Kindheitlebens bis zu der Kinder
Schulfähigkeit und der jetzigen Feyer des
400jährigen Jubelfestes der Erfindung der
Buchdruckerkunst gegangen.-
Ich lege in der Anlage Ihnen das
Ergebniß dieser Wechselwirkung zur Prüfung
vor. Prüfen Sie verehrtester HErr und
Freund, prüfen Sie dasselbe ernst und
allseitig, ich und wir haben es auch gethan und er-
geht es Ihnen wie mir und uns, daß sich das Ge-
wicht [des Gedankens] nur bey jeder Wiederholung immer tiefer
begründet <-> sondern auch in seinen Folgen
immer allgemeiner u seegensreicher <-> den
vielfachen Lebens-, Gemüths- u Geistes[-] /
[8]
forderungen der jetzigen Zeit ganz, vor
allem aber der Kinder- u Frauen-
welt entspricht, so reichen Sie mir und
uns mit deutschem Gemüthe, deutscher Kraft
u deutschen Geiste die Mannes[-] und
Freundes Hand zur so festen u aus-
dauernden als baldigen und lebenvollen
Ausführung. Vor Allem ersuchen wir Sie
dann im großen Bereiche Ihrer ThätigWirksamkeit
für die Verallgemeinerung wie für die
Anerkennung u Ausführung des Gedankens thätig
zu seyn; besonders ersuchen wir Sie im
Fall das Ganze Ihrem deutschen Mannessinn
entspricht möglichst indem die Zeit drängt
möglichst bald durch einen Aufsatz im
Allgem: Anzeiger der Deutschen für diesen
Verb zu wirken.
Wir können nichts anders als nur
nochmals die unsere tiefste Überzeugung aussprechen
daß wir in der Ausführung des Ihnen in der
Anlage zur Prüfung vorgelegten <-> Wirkens Unternehmens
ein Werk erblicken was dem eigentlich
letzten und innersten Beziehungspunkt aller deutschen
Bestrebungen in allen Richtungen genügt und darum
als ein ächt deutsch sinniges u deutschgeistiges
also als ein ächtvaterländisches u volks-
thümliches und völlig zeitgemäßes Bestreben
sich darstellt.-
Dürfte ich mir in wissenschaftlicher Sprache
darüber eine Andeutung erlauben so soll dad[urc]h
frühe für den Menschen u das Kind eine sicher
zum Ziele also zum Leben führende Lebenshodegetik
angebahnt werden.
Hören Sie auch die Stimme Ihrer trefflichen
lieben Gattinn lassen Sie das Leben und
Bedürfniß Ihres liebenswürdigen
Kindes reden welche wir beyde innigst begrüßen und
sprechen Sie uns nachher durch bey der Rückkehr des Überbringers dieses
einem treusinnigen Lehrers an unsrer Keilhauer
Erziehungsanstalt ist es Ihnen gefällig mit einem
Worte wenigstens Ihre vorläufige Ansicht von
der Sache aus. -
Mit unveränderten deutschen Gesinnungen
Ihre
Verehrer u Freunde [Unterschriften fehlen]

b) Brieforiginal/Reinschrift

[1]
[Briefkopf: Lithographie Keilhaus mit Bildunterschrift:
"Erziehungsanstalt in Keilhau."]

Sr Wohlgeboren dem Herrn Professor Dr. Scheidler in Jena.


Verehrtester Herr und Freund!

Noch bin ich Ihnen meinen Dank für den Eifer, die Klarheit und Bestimmt-
heit schuldig, mit welchem Sie im vorigen Jahre für die Sache der Kindheit-
pflege, besonders durch Erziehung und Bildung von Kinderpflegern, Kinder-
mädchen rc eingetreten sind. Es hat so gleich gute Früchte getragen. Jedoch wie
ein ächter Obstbaum seine Früchte in dem künftigen Jahr eigentlich nicht nur ver-
mehrt sondern auch veredelt, so ist es auch mit dem Gedanken der ersten Kindheit-
pflege, besonders eines Erziehungsunternehmens zur möglichst klaren Aufstellung
der Idee derselben, und ganz namentlich auch mit der Unternehmung zur Bildung
von Kinderpflegern, Kindheit-Erziehern und Erzieherinnen gegangen.
In dem großen Gottesall steht ja nichts allein und soll nichts allein stehen;
alles ist ein stetig lebenvoll verknüpftes Ganzes, jedes wirkt auf das andere ein
und zu dessen Entwicklung fort. So müssen ganz besonders menschliche That- /
[1R]
sachen und Gedanken wechselseitig auf ein ander ein wirken.
So ist es denn auch mir mit dem Gedanken eines deutschen Frauen-
und Jungfrauenvereines zur Pflege des Kindheitlebens bis zur Schul-
fähigkeit und der jetzigen Feyer des 400jährigen Jubelfestes Er-
findung der Buchdruckerkunst gegangen.-
Ich lege in der Anlage Ihnen das Ergebniß dieser Wechsel-
wirkung zur Prüfung vor. Prüfen Sie verehrtester Herr und Freund,
prüfen Sie dasselbe ernst und allseitig, ich und wir haben es auch ge-
than; und ergeht es Ihnen wie mir und uns, so daß sich der Gedanke
bey jeder prüfenden Wiederholung [nicht nur] immer tiefer begründet, sondern auch
in seinen Folgen immer allgemeiner und seegensreicher den vielfachen
Lebens-, Gemüths- und Geistesforderungen der jetzigen Zeit ganz, vor
allem der Kinder- und Frauenwelt entspricht, so reichen Sie mir
und uns mit deutschem Gemüthe, deutscher Kraft und deutschem
Geiste die Mannes und Freundes Hand zur so festen, ausdauernden
als baldigen und lebenvollen Ausführung. Vor allem ersuchen /
[2]
wir Sie dann im großen Bereiche Ihrer Wirksamkeit
für die Anerkennung und Ausführung des Gedankens thätig zu
seyn; besonders ersuchen wir Sie, im Fall das Ganze Ihrem
deutschen Mannessinn entspricht, indem die Zeit drängt, mög-
lichst bald durch einen Aufsatz im Allgem. Anzeiger der Deutschen
dafür zu wirken.
Wir können nicht anders, als nur nochmals unsere tiefste
Überzeugung aussprechen, daß wir in der Ausführung des Ihnen
in der Anlage zur Prüfung vorgelegten Unternehmens ein Werk
erblicken, was dem eigentlich letzten und innersten Beziehungspunkt
aller deutschen Bestrebungen in allen Richtungen genügt, ächt deutsch-
sinnig und deutsch geistig, also als ein ächtvaterländisches, volks-
thümliches und völlig zeitgemäßes Bestreben sich darstellt.-
Dürfte ich mir in wissenschaftlicher Sprache darüber eine An-
deutung erlauben, so soll dadurch, so soll dadurch frühe für den Men-
schen und das Kind eine sicher zum Ziele führende Lebenshodege-
tik angebahnt werden.
Hören Sie auch die Stimme Ihrer trefflichen Gattinn, lassen
Sie das Leben und Bedürfniß Ihres liebenswürdigen Kindes reden,
welche wir beyde innigst begrüßen und sprechen Sie uns nachher bey
der Rückkehr des Überbringers dieses, eines treusinnigen Lehrers an
unsrer Keilhauer Erziehungsanstalt, ist es Ihnen gefällig, mit
einem Worte wenigstens Ihre vorläufige Ansicht von der Sache aus.
Mit unverändert deutschen Gesinnungen und wahrer Hochachtung
Ihre
Freunde
FriedrichFröbel WilhelmMiddendorff JBarop.
Blankenburg, Keilhau
den 8ten May 1840.
[2R]
[leer]