Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Schulze in Jena v. 9.5.1840 (Blankenburg)


F. an Friedrich Gottlieb Schulze in Jena v. 9.5.1840 (Blankenburg)
(BN 735, Bl 8-9, hier: 8R-9R, dat. Entwurf 1 ½ Bl fol 3 S. F. schreibt „Schulz“, gemeint ist Prof. Dr. F. G. Schulze in Jena.)

[8R]
Blankenburg Keilhau
am 9n May 1840.


Sr. Wohlgeboren dem HE Hofrath u Professor Dr. [Friedrich Gottlieb] Schulz[e]
Director der Landwirthschaftlichen Academie in Jena


        Wohlgeborner Herr
Hochverehrtester Herr Professor

Sie haben uns durch Ihre freundschaftl. Mittheilun[gen] an unsern lieben
Freund u treuen Mitarbeiter Herrrn
Kohl wiederum einen Beweis gegeben
wie Ernst Sie es [nicht nur] <-> mit einer in sich tief
gegründeten deutschen Volkserziehung meynen
sondern auch, welchen durch den Geist befreundeten förder-
lichen Antheil Sie an unserm Gesammtunter[-]
nehmen nehmen. Ja als Ihnen vor nun
fast ¾ Jahren unsere Blankenburger Be-
strebung[en] in Beziehung auf die erste u früheste
Pflege Beachtung der Kindheit durch so entsprechende als
allseitige Pflege ihdes Lebens des Beschäftigungs-
und Thätigkeitstriebes der Kinder von der
frühesten Zeit ihrer leiblichen u geistigen
Entwickelung durch Wort u Beyspiel vor-
geführt wurden erkannte Ihr schnell
blühender Geist nicht nur die tiefe Begründung
Begründung [2x] des ihr ihr [2x] zum Grunde liegenden
ihres Gedankens sondern ihre ächte deutsches
Herz ließ Ihnen Sie sogar darinn die Keime
ächter Volksbildung selbst für den Land-
mann u Bauer ahnen; alles dieß über[-]
haupt aber die Gesammtheit, der Ausgangs[-] wie
der Beziehungspunkt all Ihrer Bestrebungen
was wir hier nur wie der sanfte Hauch
die harmonisch gestimmte Äolsharfe berühren
können um die hin ihr schlummernden Himmelsaccorde
hervorzurufen – alles dieß in seiner Einheit
wie in seiner Umfassendheit bestimmt uns nun
ja fordert uns unwiderstehlich auf Ihnen
ein großes deutsches Erziehungsunternehmen
und doch wieder nur ein ganz kleines u einfaches
die erste Kindheitpflege vom deutschchristlichen
Frauengemüthe u Geiste u Leben aus,
die in seiner ihrer Allseitigkeit u Vollendung
und Allseitigkeit aufgeblühete Idee wovon /
[9]
4. Kindergarten
23. Briefentwürfe 40
Bogen 28
Ihnen im gedachten vorigen Herbste nun
der Keimpunkt mitgetheilt wurde
in der Beylage zur Prüfung vorzulegen.-
Sollte Gedanke u Idee, ZWeg Ziel
u Zweck, Ihrem Herzenswunsche, Geistes[-]
u Lebensbestrebungen entsprechen; woran
wir, wir verhehlen gestehen es Ihnen nicht unumwunden
nicht zweifeln, so empfehlen wir das
Ganze Ihrer treusinnigen deutschsinnigen Be-
förderung u Mitwirkung zur klaren Aus[-]
führung ja wir legen es in dieser Beziehung
als einen Gleichstrebenden vertrauensvoll
mit in ihre [sc.: Ihre] Hand, wie wir hoffen daß es
als ihr die Ausführung gleichsam ihres [sc.: Ihres] eigenen
Lebensgedankens aus Ihrem Herzen u Geiste her[-]
vorgeht. –
Wir ersuchen Sie vorausgesetzt daß uns unsere
Hoffnung deutscher Gleichsinnigkeit nicht
teuscht alle die Mittel welche
in dem weiten Gebiete Ihrer Wirksam-
keit durch Veröffentlichungen u persönlichen
Lebensverband Ihnen zu Dienste stehen
zu benutzen das Werk wie es uns dünkt als ein ächt
deutsches Volks- und Frauenwerk u
als das würdigste zur Feyer des 400[-]
jährigen Jubelfestes nach jeder Seite hin
zu begründen u zu befördern, g[an]z besonders
die Männer wie sich die Frauen wie die heraufgewachsenen
Söhne wie die Töchter ihre reiche ausführl Bekanntschaft unter von Guts[-]
besitzern und vermöglichen Landbebauern
zu begründen wie zur Beförderung des g[an]zen
aufzufordern. Wir glauben für diese
diese wäre das dargelegte Streben
so wohl in Hinsicht auf Kinderpflegerinnen
Kindermädchen u Kinderwärterinnen für das
früheste als wie Erzieher u Erzieherinnen für
das spätere Kindesalter ihrem so tief bestimmt sich
aussprechenden Bedürfnisse entgegen zu bilden aus
ganz besonders wichtig, selbst für
die erstern deren Töchter als einstige Pfleger[-] u Er[zieherinnen]
ihrer Eigenen Kinder[.]
Diese hingeworfenen Andeutungen /
[9R]
müssen uns für jetzt heut genügen.
Findet Gedanke und Ausführung Ihre
Beystimmung so schreiben Sie uns gleich
bey der Rückkehr durch des Überbringers dieses
einen treusinnigen Lehrer unserer
Erziehungsanstalt zu Keilhau
HErn Lom[m]atsch – wie viele Exem-
plare Einladungsschrift u verhältniß[-]
mäßig Aktienunterzeichnungsscheine
Sie für Ihren Kreis bedürfen um
die Sache in den festlichen Tagen selbst
als ein ewiges deutsches Volks[-] u Na-
tionalwerk zu begründen.
Legen Sie vor allem die Sache dem
Geiste u Gemüthe Ihrer trefflichen
Gattin u Mutter und durch diese
dem ganzen würdigen Kreise ihrer Freundinnen
zmit unserer achtungsvollen Begrüßung zur Prüfung
und Begrün, worinn es sie sich auch in
dieser bewährt zur begründenden
Beförderung vor.
Empfangen Sie die Versicherung unserer
so wahrer als ausgezeichneter Hochachtung
von Ihrem
so deutschsinnigen als christl[ich]menschheitl[ich]
strebenden Freunde [Unterschrift fehlt]