Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Thusnelda Salzmann in Schnepfenthal v. 10.5.1840 (Blankenburg)


F. an Thusnelda Salzmann in Schnepfenthal v. 10.5.1840 (Blankenburg)
(BN 735, Bl 12-13, dat. Entwurf 1 Bl fol. 2 S.; BlM X,8, Bl 103-104, undat. Reinschr. 1 B 8° 4 S.
Th. Salzmann dürfte Nichte C.G.Salzmanns und Schwester der Gattin Ernst Müllers in Döllstedt sein.)

a) Entwurf (BN)

Ihrer Wohlgeboren der Frau
Hofräthin Salzmann zu Schnepfenthal


Blankenburg d 10 May 1840


Verehrte liebe Muhme!

Dem Oheim Ihres wie ich weiß von
Ihnen sehr ho geschätzten lieben Schwagers
des HE Pfarrer Müller zu Döllstädt
werden Sie es ohne Ihnen auch persönl[ich]
bekannt zu seyn gewiß erlauben, Sie
so freundschaftl[ich] u vertrauend an-
reden zu dürfen, wenn nicht auch
ohne diese Familienverknüpfung schon ein
geistiger Verband durch einen gemein[-]
samen Lebensberuf „Kindheit- und
Jugendpflege u Menschenerziehung“ zwischen
uns Statt fände[.]
Dieses letztere nun noch erhoben u gestärkt
durch Ihr Mutterverhältniß wenn auch
geleitet von der Hand des ersteren /
[12R]
macht mich so frey in der Sache Angelegenheit
eben
der Kindheit, u in einer Sache des
Frauengemüthes u Frauenlebens in der
Angelegenheit d Kindheitpflege, besonders
von der frühen Zeit bis zur Schulfähigkeit
mich an Sie zu wenden. Ich weiß zwar nicht
ob ich voraussetzen darf, daß das was
bisher von mir dafür geschehen, Ihnen auf ir-
gend einem Wege bekannt geworden ist.
Allein dieß thut auch nichts zur Sache.
Genug dieser Gegenstand hat sich jetzt zu einem
solchen Punkte entwickelt, daß ich es
wagen darf, nicht allein die ganze
deutsche
Gesammtheit der deutschen
Mütter, sondern auch die ganze deutsche
Frauen[-] u Jungfrauenwelt dafür zu
interessiren u zur Beförderung der-
selben einzuladen wozu hauptsächlich Hier hat zugleich
die Feyer der nun herannahenden
400jährigen Jubelzeit die jetzt bestimmte Veran-
lassung gegeben hat, Iindem ich in mir
tief überzeugt bin, daß auch die Frauen
u Mütter in dem was den erstern ihnen
u namentl[ich] d Kindern der heraufwachsenden
Kindheit dadurch gereicht worden ist,
sich auch zu einer Dankestheilnahme
auf gefordert u verpflichtet fühlen müssen. Ein
Vorschlag dazu enthält die Anlage
u eine Einladung an alle deutsche Frauen
u Jungfrauen enthält die Anlage. Möchten
auch Sie sich veranlaßt fühlen finden durch Ihren
Beytritt dieselbe zu fördern, u nicht allein
Sie sondern durch Sie u Ihre Verwendung
u Vermittlung alle weit verbreiteten Glieder /
[13]
6. Kindergarten
Br an dFr <-> Hofräthin Salzmann
29 25 Briefentwürfe 40
Bogen 26 (28) 30
des Salzmannschen Hauses u die
Ihnen u demselben nahe stehenden
Frauen u Jungfrauen des ganzen Salz-
mannischen Wirkungskreises, der welcher, wie
es mich dünkt, sich dem Erfinder u für
die Erfindung der Buchdruckerkunst sich beson-
ders dankbar zu fühlen Ursache hat, da
indem durch dieselbe so viele Seegnungen des
alten Salzmannischen Wirkens nach
allen Richtungen Ständen u Altern des
menschl[ichen] Lebens eingeschlossen sind. Ihren
hochgeehrtesten lieben Gattten u Ihrer Familie
gesammten schätzbaren Familie u Hause empfehle ich mich
auf das hochachtungsvollste mich mich
mit den aufrichtigsten Gesinnungen unterzeichnend
Ihrem
ergebensten <Oheim> u Vetter

[Variante auf dem Rand*-*]
[*] In der freudigen Hoffnung, daß zwey
deutsche Erziehungsanstalten u namentl[ich]
die Frauen zweyer solcher Erz[iehungs-] Anstalten
sich zur Ausführung eines solchen Unternehmens
für Kindheitpflege sich gegenseitig förderl[ich] die
Hand reichen indem unterzeichne ich mich mit
dem besondern Gefühl der freundschaftl[ichen] Gesinnungen
verehrteste Muhme
Ihr
ergebener Vetter [*]

Freuen würde es mich, wenn durch
Ihre liebe Schwester Tante u durch deren Verknüpfungen
der Gegenstand auch unter den deutschen Frauen
in d Schweiz angeregt u von dort <als> auch ein för-
derliches Mitwirken sich zeigte[.]

b) Reinschrift (BlM)

[103]
Verehrte liebe Muhme!

Dem Oheim Ihres, wie ich weiß, von Ihnen sehr geschätzten
lieben Schwagers des He.  Pfarrer Müller zu Döllstedt, werden
Sie, auch ohne Ihnen persönlich bekannt zu seyn, es gewiß erlauben,
Sie so freundschaftlich und vertrauend anreden zu dürfen, wenn
nicht auch ohne diese Familienverknüpfung schon ein geistiger Verband
durch einen gemeinsamen Lebensberuf: Kindheit-, Jugendpflege
und Menschenerziehung zwischen uns Statt fände[.]
Dieses letztere nun, noch erhoben und gestärkt durch Ihr
Mutterverhältniß, wenn auch geleitet von ersterm, macht mich
so frey, in Sache der Kindheit in einer Sache des Frauengemüthes
und Lebens, in der Angelegenheit der Kindheitpflege, besonders
von der frühesten Zeit bis zur Schulfäht Schulfähigkeit, mich an Sie zu
wenden. Ich weiß zwar nicht, ob ich voraussetzen darf, daß
das was bisher von mir dafür geschehen, Ihnen auf irgend einem
Wege bekannt geworden ist. Allein dieß thut auch nichts zur Sache.
Genug dieser Gegenstand hat sich jetzt zu einem solchen Punkte
entwickelt, daß ich es wagen darf, nicht allein die Gesammtheit
der deutschen Mütter, sondern auch die gesammte deutsche Frauen-
und Jungfrauenwelt dafür zu interessiren und zur Beförderung des- /
[103R]
selben einzuladen. Hierzu hat insbesondere die Feyer der nun
herannahenden 400jährigen Jubelzeit zuletzt Veranlassung
gegeben, indem ich überzeugt bin, daß auch die Frauen und
Mütter in dem, was ihnen und namentlich den Kindern da-
durch gereicht worden ist, sich zu einer Dankestheilnahme aufge-
fordert und verpflichtet fühlen müssen. Einen Vorschlag dafür
und eine Einladung an alle deutsche Frauen und Jungfrauen enthält
die Anlage. Möchten auch Sie sich veranlaßt finden, durch Ihren
Beytritt dieselbe zu fördern, und nicht allein Sie, sondern durch
Sie und Ihre Vermittelung, alle weit verbreiteten Glieder
des Salzmannischen Hauses und die Ihnen und demselben nahe ste-
henden Frauen und Jungfrauen des ganzen Salzmannschen Wir-
kungskreises, welcher, wie es mich dünkt dem Erfinder u der Erfin-
dung der Buchdruckerkunst sich besonders dankbar zu fühlen Ursache
hat, da durch dieselbe so viele Seegnungen des alten Salzmannschen Wir-
kens nach allen Richtungen, Ständen u Altern des menschlichen Lebens
geflossen sind. Ihrem hochgeehrten lieben Gatten, dem gesammten
schätzbaren Familie und Hause empfehle ich mich auf das achtungs-
vollste. In der freudigen Hoffnung, daß zwey deutsche Erziehungs-
anstalten und namentlich die Frauen derselben zur Ausführung eines
solchen Unternehmens für Kindheitpflege sich gegenseitig förderlich
die Hand reichen, unterzeichne ich mich mit besonders freundschaftlicher
Gesinnung, verehrteste Muhme.
Ihren

ergebenen Vetter
FriedrichFröbel. /

[104]
N.S. Freuen würde es mich, wenn durch Ihre liebe Schwester
und durch deren Verknüpfung die Sache auch unter den
deutschen Frauen in der Schweiz angeregt würde und
von dort aus nicht minder ein förderliches Mitwirken
sich zeigte.-