Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 18.5.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 18.5.1840 (Blankenburg)
(UBB 106, Bl 331-332, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 18 May 1840.


Erschließen und Eindringen in des Lebens Mitte z. Gruß.


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Du empfängst hier l. L. die Dir im letzteren Brief verspro-
chenen und angezeigten vollständigen Exemplare des Ent-
wurfes 15 Exemplare nebst zu jedem 2 Ex: Unterzeich-
nungsscheine auch diese in ihrer jetzigen vollkommenen Gestalt.
Weil wir so immer wiederkehrend wegen der Zeit und Art der
Einzahlung der Aktion befragt werden so finde ich es zwar
für gut daß der Satz im Entwurf S. 11 oben welcher sich
darüber bestimmt ausspricht unten unter die Unterzeichnungs[-]
scheine nochmals abgedruckt werde wie ich es in dem hier
beyliegenden blos zur Nachachtung für Dich gethan habe, doch
glaube ich ist dieser Mangel für Dich nicht wesentlich weil
Du auch mit den Meisten welche Du durch Übergabe des
Entwurfes rc zur Theilnahme einladest zugleich mündlich
verkehrst und Du also sogleich darüber belehren kannst.-
Vor allem arbeite Dich mit Deinen Gedanken in die Lebens-
mitte des Strebens ein; so [e]ine Verwirklichung dünkt mich
für jeden Einzelnen, wie für jedes Ganze u das Allganze
auf das Höchste wichtig; das Leben selbst, sich äußernd in
und als Lebens- oder Thätigkeitstrieb, das schaffende Leben
in jeder Beziehung der Ausgangs- und Anfangs- wie der Rück- /
[331R]
[leer]
[332]
Beziehungspunkt aller Erziehung aller ächter Menschen-
pflege, was kann höheres oder wenn Du lieber willst,
tieferes gefunden werden als dieß. Doch ich bin von
dem Treiben des Tages so müde, daß ich auch nicht ein
Wort in ihr darüber aussprechen kann, und spricht
die Sache nicht selbst, spricht sie nicht selbst für sich, was
würde mein Reden helfen: also die Sache Gott befohlen
und Deinem Geiste, Gemüth und Wirken aufein gegeben.
Nochmals arbeite nur die Sache gehörig durch, suche in das
innerste Leben derselben einzudringen, den letzten Beziehungspunkt dersel-
ben zu erfassen; lasse Dich nicht durch äußere Entgegnungen
und Hem[m]nisse hindern es ist - ein Prüfstein -
für oder wider - da oder dort; so mußt Du es es er-
fassen alle[i]n die Prüfung sey eben gründlich, sey um[-]
fassend. Hat sich <Springli> von seinem Schreck wegen
des <Züriputsch> erholt, so theile ihm die Sache mit
vor allen den im vorigen Brief schon genannten: Ris - Spieß [-]
Fröhlich - Bitzius - R. R. Schneider - Voigts - vielleicht <aus>
<Deiner> Kraft - Stähli - <Lingwald> - dann denen in Luzern
<B?>, <Kostmann> <Pfeffer>, d.h. deren Frauen, Töchter
Freunden, <Bekannten>[.] Theile mir bald ein Resultat mit.
Jetzt <nun> kann es sich zeigen, ob in der Schweiz Allgemeinsinnige
sind. Jetzt dünkt mich hast Du von allem einen Beziehungs<plan>/
[332R]
jetzt kannst Du das Leben regen und bewegen
doch darf mann [sc.: man] vor Entscheidung und Erscheinung
eines öffentlichen Für oder Wider in und außer sich
nichts entscheiden, allein es zu einer solchen Ent-
scheidung zu führen. Dazu dünkt mich ist jetzt Zeit
Ort und Art gegeben. Prüfe! Prüfet es.-
Auch den Tod[t]en können dadurch Denkmale gesetzt
werden; doch ich glaube Dir alles dieß schon
angedeutet zu haben.- Wäre doch Neuhaus
eine allgemein feurige Natur.
Ihm und Ihr ist alles geweyhet alles
anheim gegeben
DFrFr

Morgen ist Taufe bey Barop. Er hat die
hiesige Kleinkinderpflegeanstalt zur Mit-
hülfin erwählt. Sie wird von 1 Mutter mit
Kinde (der Fr. Superint.) einer Kinderpflegerin
(der ältesten Tochter des Herrn Rath u Amtmanns[)]
und einem Kinderführer Erzieher (dem He.
Cand. Scheider[)] vertreten.- Die Kinder
bringen zum Geschenk Ein <Taufzug> - Ein Lasset die
Kindlein zu mir kommen - und einen Spielkasten mit 6 Bällen der
6 regenbogen Farben rc -