Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Becker (Redaktion „Allgemeiner Anzeiger der Deutschen“) in Gotha v. 21.5. 1840 (Blankenburg)


F. an Friedrich Gottlieb Becker (Redaktion „Allgemeiner Anzeiger der Deutschen“) in Gotha v. 21.5. 1840 (Blankenburg)
(BN 214, Bl 3-5, hier: 3R-5V, undat. Entwurf 1 B fol 4 S., BN 214, Bl 13-15V Mitte dat. u. korr. Entwurf/Abschr. 1 B u. ¼ Bl fol 4 ½ S. Beide Entwürfe inhaltlich weitgehend übereinstimmend, der zweite mit Erweiterungen. Der erste Entwurf entstand am 21.5. oder kurz vorher.)

a) 1. Entwurf

An die verehrliche Redaction des Allgem: Anzeigers der Deutschen zu Gotha.
Die verehrl[iche] Redaction hat seit dem öffentlichen Auftreten
unseres Eerziehenden Wirken[s] nun fast seit ¼ Jahrhundert
stets thätig den förderlichsten Antheil an demselben ge[-]
nommen und für die wichtigsten Documente desselben
wurde sie darum gleichsam Archiv, deßhalb legen wir der verehrl[ichen] Redaction derselben
hier auch vertrauensvoll dessen die letztere Blüthe unseres Wirkens und Strebens
derselben wieder zur Prüfung, und sollte solche jüngste, was wir -
wir gestehen es – freudig hoffen, der verehrlichen
Redaction angenehm seyn – zur gütigen und förderlichen
Mitwirkung vor. Es ist dieß eigentl[ich] der Ausgangspunkt
der Brennp[un]kt aller Erziehung alles Unterrichtes und aller
Menschenbildung, die erste entsprechende Kindheitbeachtung
u Kinderpflege. Daß diese in allen Ständen u Classen u
in allen Familien so wie d[urc]h öffentl[iche] Anstalten dafür
ganz allgemein, ein Gemeingut des g[an]zen deutschen Volkes
werde dünkt uns eine der wichtigsten Angelegenheit[en] unsers
Volkes, wie der gegenwärtig[en] Zeit[.]
Hierzu scheint sich nun aber auch in dem gegenwärtigen
Augenblick in der jetzigen festlichen Zeit der 400jährigen
Jubelfeyer der Erfindung der Buchdruckerkunst eine
mehrfach günstige Gelegenheit zu biethen, mehrfach
günstig
1. Die Erfindung der Buchdruckerkunst ist eine der höchsten
und wichtigsten Gaben der Menschheit zu ihrer zu des
Menschengeschlechtes Erziehung u Bildung; sollte darum wie
billig auch durch Stiftung eines Erziehungs- und Bildungs[-]
werkes gefeyert werden welches wenn auch im
kleinsten Anfange den Keim einer allgem[ein] Menschheitlichen
Wirksamkeit zum Wohle aller künftigen Geschlechter
in sich trage.
2.) Die Erfindung der Buchdruckerkunst ist in ihrer
Wirksamkeit zur Entwicklung des Menschengeschlechtes
u der Menschheit unbegrenzt sich aus sich lebenvoll
zur u für Vollendung der Menschheit fortentwickelnd[;]
so dünkt es nun müsse auch das Werk, das
eigentliche allgemeine Festzeichen der 400jährigen
Jubelfeyer zu der Erfindung beschaffen seyn.
3. Die Frauen[-] u Kinderwelt verdanken aber der
Erfindung der Buchdruckerkunst unendlich viel, namentl[ich]
die ersten wie hätten sonst Gedanken über die Würde
u Rechte der Frauen über die Pflichten der Mütter so allgemein
verbreitet, so allgemein Anklang Beachtung finden können[.]
4. Die erste Erziehung des Menschen liegt ist ja aber d[urc]h die
Vorsehung besonders in das Gemüth der Frauen, in ihre Hand gelegt
und das Gganze Frauengeschlecht erfaßt
jetzt seine hohe Bestimmung, seinen würdevollen Beruf
als die erste Pflegerin des aufkeimenden Menschengeschlechtes, der
aufkeimenden Menschheit allein es mangeln ihm
noch großen Theils die Kenntniß u die Ane[i]gn[un]g
der entsprechenden Mittel zur Befriedigung des
schönsten Wunsches ihres Herzens, des liebsten Wunsches
ihrer Wirksamkeit[.] - /
[4]
5.) Da wir nun nicht anders glauben können
als daß in dem gern gegen alles empfangende liebe u Gute
so {erkenntliche dankbare} Frauengemüthe dieser der Wunsch legen [sc.: sich rege]
müsse auch sich bey Feyer des
jetzigen Jubelfestes dankbar zu bezeigen, dankbar
durch ein Werk was wie dem Geiste u dem
Streben des Jubelgegenstandes, so ihrem Herzen
u Gemüth wie ihrer ganzen Stellung Bedeutung in dem Menschen[-]
Geschlecht ja in der Menschheit wie (und so) ihrem Beruf u Bestimmung wie in ihrer
ganzen Stellung
in der bürgerlichen Gesellschaft entspreche
so schlagen wir
6. zu einem solchen Feyer[-] und Dankeswerke ein
durch deutsche Frauen u Jungfrauen
auszuführende Erziehungs Unternehmen
zur Pflege u erziehung des Kindes von dem
frühesten Alter bis zur Schulfähigkeit durch
Pflege seines Beschäftigungs[-] u Thätigkeitstriebes
vor.
Den Plan dazu legen wir der verehrlichen Redac[tion]
in dem Beyschlusse zu gütiger Prüfung und wie
wir
vertrauensvoll – wie wir hoffen zur
thätig förderl[ichen] Mitwirkung besonders d[urc]h ver[-]
öffentlichung des Planes durch Aufnahme desselben
in Ihr so weitverbreitetes und in allen
Ständen so viel gelesenes Blatt vor[.]
Auf Ihre gütige u thätige Mitwirkung zählen zu
können dürfen dazu dieß zu hoffen geben uns außer
den angeführten gründen noch die beyden Thatsachen
Muth
erstl[ich] daß die öffentl[iche] d[urc]h Gepränge her-
vortretende Jubelfeyer dieses Festes so
vielseitig besonders auch in hoher mensch[-]
heitl[icher] in religiöser Beziehung zurück ge-
drängt ist, das seiner Natur nach dankbare
menschl[iche] Gemüth sucht aber seinen Dank
gern an das Höchste anzuknüpfen was
sollte aber dem ächt religiösen Dank näher
geneigt seyn als der Gedanke der dem Menschen[-]
Wesen g[an]z genügenden Erziehung von seiner frühesten
Erscheinung auf der Erde an, da wo das
Kind noch nicht um äußerem Zweck und
Absichten willen – sondern wenn ich mich
des Ausdruckes bedienen darf u sie [sc.: Sie] mich
in demselben nicht mißverstehen mindest[ens nicht]
mißdeuten wollen –auch um Gottes oder /
[4R]
[was] eines ist um der Menschheit, oder was
mit allen beyden gleich ist blos um seines
eigensten ursprünglichen Wesen willen beachtet ge-
pflegt u erzogen wird
was kann dem christlich frommen, dem deutschchristl[ichen]
u deutschfrommen Gemüthe – dem menschheitl[ichen]
gott frommen Gemüthe näher liegen als eine
solche Kinderbeachtung u Kinderpflege – als
ein Wirken zu dem Verallgemeinern in und
unter dem g[an]z[en] deutschen Volke zu einem Gemein[-]
gut in Hütte u Palast, in den Weltstädten
wie in dem verborg[en]sten Thal u Felddörfchen.
2ns Ist uns aber auch wirklich so weit unsere
Kunde reicht bis jetzt noch gar keines der Feyer
würdiges noch weniger das g[an]ze deutsche Volk
sowohl in seinem Ausgangspunkt als in seinem
Ziel umfassendes lebenvolles sich aus sich
selbst zur Vollendung in sich wie außer sich
wirkendes Werk zur Kenntniß gekommen
als ein solches Werk glauben wir aber
das ihnen [sc.: Ihnen] hier zur Prüfung vorgelegte in aller
deutschen Bescheidenheit betrachten u ansehen
zu dürfen[.]
Sollten die nun hier angedeuteten Ge
Daß nun für ein solches deutsche Werk verehrl[iche]
Redaction wieder Ihr Blatt als ein so bewährtes deutsches
Volks[-] u Nationalblatt
welches in unserm lieben Vaterland u unter unserm
geliebten Volke schon so viel bleibendes Gutes
geweckt und gegründet hat, halten wir für dasselbe g[an]z
würdig ja wichtig; es ist würdig u wichtig
daß ein solches Volks[-] u Nationalunternehmen
auch zuerst durch ein solches Volks[-] und National[-]
Blatte dem deutschen Volke, ja der deutschen
Nation in seinen verschiedenen Zügen bekannt ge-
macht zu[ge]führt werde, ja es dünkt uns des
Gegenstandes wie des Blattes gleich wichtig
daß ein solches Blatt als Vertreter des Ganzen Ge[-]
dankens mit auf[-] und eintrete.
Sollten nun die hier angedeuteten Gründe
die verehrl[iche] Redaction veranlassen können
die von uns in dieselbe gesetzte Hoffnung und
dasdem zu derselben gesorgte deutsche Vertrauen /
[5]
gütig entgegen zu kommen und mit der Sache entsprechende
<-> Begleitworte den Gegenstand in die
Öffentlichkeit einzuführen – zur öffentlichen
Kunde zu bringen, so würden wir auch
gar sehr dankbar seyn, wenn die verehrl[iche]
Redaction erlauben wollte daß entweder
mit jedem Exemplar des allgem: An. d. D.
in welchem der Gegenst[an]d behandelt wird
ein Actienunterzeichnungsschein ausgegeben würde
oder daß die wohllöbl[iche] Expedition des
Blattes anzeige daß von ihr gegen portofreye
Einsendung Ex eingesendete Wünsche Actienscheine
übersandt werden würden[.]
* Wir würden in beyden Fällen
so viele Actienunterzeichnungs[-]
scheine zu ihrer [sc.: Ihrer] Verfügung stellen
als von ihnen [sc: Ihnen] gewünscht würde. [*]
Wir glauben in Beziehung auf den rein[en] Geist
den edlen uneigennützigen Zweck u die größe
des Gegenstandes willen wohl die Bitte thun [zu]
dürfen die verehrliche Redaction möge uns <darüber>
entweder schriftl[ich] oder durch den Druck in
dem Blatte selbst ihre[n] auf einer langen Reihe von
Erfahrungen beruhende[n] Willen zu kommen
lassen.-
Da sehr zu wünschen ist daß wenigstens
bis zum 20 Juny die Unterzeichnungsscheine des erste[n] Hundert[s] der der
das Werk begründenden Frauen
eingegangen seyn möchte[n] so empfehlen wir das
Ganze Ihrer baldigen Beachtung; daß wir
[*] hoffen dürfen daß das Unternehmen in der
Frauenwelt Anklang fände glauben wir
daraus schließen zu können, daß obgleich
der Gegenst[an]d nur auch in sehr engen Grenzen
bekannt geworden ist ohne noch irgendwo
in die Öffentl[ichkeit] getreten zu seyn wozu wir
als ersten Blatt Grund nur Ihr Volks Blatt geeignet finden
konnten – dennoch schon mehrere Actien un[-]
terzeichnungen erfolgt sind so auch von den Durchl
Frau[en] der Unseres Hofes so g[an]z namentl[ich]
von der reg Fürstin Durchl u der Durchl
Frau Fürstin Mutter. Und von unsern [sc.: mehrern]
Seiten der Frauenwelt ist uns die
thätigste Mitwirkung zu gesichert worden; selbst [*]
Über die Geschäftseinrichtung des Ganzen werden
wir uns bey ähnlichen Instituten um jeden
Mißgriff möglichst zu vermeiden Raths
ersehen so z.B. in Gotha selbst bey der
Lebensversicherungs- und Feuerversicherung[-]B[an]k rc.
So glauben wir nun nichts mehr hinzu[-]
fügen zu können u dürfen als den sich uns aufzu[-]
drängenden Gedanken daß selbst einem so
großen u wirksam umfassenden Institut wie
das der Herausgabe ihres [sc.: Ihres] die hohen Zwecke des Volks wie der Menschheitlichen
stets ins Auge gefaßten Blattes – welches seine
[dessen] Wirksamkeit eben d[urc]h die Erfindung der Buchdruckerey
so vervielfacht u weit verbreitet wurde, daß
selbst einem solchen Institute es Freude machen müsse
eine AnGelegenh[ei]t zu bekommen der seine Dankbar[-]
keit auf eine solche Weise bethätigen zu können. – Genehmigen Sie
[Unterschrift fehlt]

b) 2. Entwurf (Abschrift)

[13]
21 May 1840                  An die verehrl[iche] Redaction des Allgem. Anz. d. Deutschen zu Gotha.
Die verehrl[iche] Redaction hat seit dem öffentl[ichen] Auftreten unseres erziehenden Wir-
kens nun fast seit einem Vierteljahrh[un]d[er]t stets den förderlichsten Antheil an demselben
genommen u für die wichtigsten Documente desselben wurde dieses eigentl deutsche Ihr
Blatt Volks- u Nationalblatt gleichsam das Archiv. Deßhalb legen wir derselben
(der Redaction) die jüngste Blüthe unsers Wirkens u Strebens ihr hier vertrau-
ensvoll wieder zur Prüfung vor, u sollte solche, was wir - wir gestehen
es – freudig hoffen, der verehrl[ichen] Redaction angenehm seyn, zur gütigen u förder-
samen Mitwirkung vor. Es betrifft diese eigentl[ich] den Ausgangs-, den Keimpunkt
aller Erziehung, alles Unterrichtes u aller M[en]schenbildung[:] die erste entsprechende Kindheit[-]
beachtung u Kindheitpflege. Daß diese in allen Ständen u Classen, in allen Familien
so wie durch öffentl[iche] Anstalten dafür ganz allgemein, ein Gemeingut des ganzen
Volkes werde dünkt uns eine der wichtigsten Angelegenheit[en] unsers
Volkes wie der gegenwärtigen jetzigen Zeit[.]
Hierzu scheint sich auch in dem gegenwärtigen Augenblicke, in der jetzigen festlichen
Zeit der 400jährigen Jubelfeyer [der Erfindung] der Buchdruckerkunst eine mehrfach günstige
Gelegenheit zu biethen; mehrfach günstig, denn
1. Die Erfindung der Buchdruckerkunst ist eine der höchsten u wichtigsten Gaben d Menschheit
zu ihrer, zu des Menschengeschlechtes Erziehung u Bildung;
[*] sie ist in ihrer Wirksamkeit zur Entwicklung der M[en]schheit
unbegrenzt, sich aus sich lebenvoll zur für Vollendung der Menschheit fortentwickelnd [*];
sie sollte darum
wie billig auch durch Stiftung eines Erziehungs- und Bildungswerkes gesteigert[sc.: gefeyert] werden,
welches, wenn auch im kleinsten Anfang den Keim einer allgemein mensch[-]
heitl[ichen] Wirksamkeit zum Wohl aller künftigen Geschlechter in sich trage, denn so
2, dünkt es uns muß auch das Werk das eigentl[iche] allgemeine Festzeichen
der 400jährigen Jubelfeyer zu deren Erfindung beschaffen seyn.
2, Die Frauen[-] u Kinderwelt verdanken aber dieser Erfindung unendl[ich] viel
namentl[ich] die erstern; wie hätten sonst Gedanken über die Würde u Rechte
der Frauen, Belehrungen über die Pflichten der Mütter u Mittel zu deren
Erfüllung so allgemeine Verbreitung, so allgemeine Beachtung u Anwendung finden können[.]
3. Da wir nun nicht anders glauben können als daß in dem, gern gegen
alles empfangene Liebe u Gute so dankbaren Frauengemüth der Wunsch
liegen müsse: sich auch bey der Feyer des jetzigen Jubelfestes auch dankbar zu be-
zeigen, dankbar durch ein Werk das wie dem Geiste u dem Streben des Jubel-
gegenstandes so ihrem Herzen u Gemüthe, so wie ihrer Bedeutung in dem
Menschengeschlechte in der Menschheit - ihrem Beruf u Bestimmung in dem Men-
schengeschlechte wie ihrer ganzen Stellung in der bürgerl[ichen] Gesellsch[aft] entspräche;
4, da die erste Erziehung des Menschen <-> durch die Vorsehung besonders in das
Gemüth der Frauen gelegt ist; da das ganze Frauengeschlecht jetzt seine
hohe Bestimmung, seinen würdevollen Beruf als erste Pflegerin des auf-
keimenden Menschengeschlechtes fühlt, ihm aber groß vielseitig wie die
Kenntniß so der Besitz u die Aneignung der entsprechenden Mittel zur
Befriedigung des schönsten Wunsches ihres Herzens, des liebsten Gegenstandes ihrer
Wirksamkeit mangelt, so schlagen wir /
[13R]
5, zu einem solchen Denk- u Dankeswerke der 400jährigen
Jubelfeyer d Erfindung der Buchdruckerkunst
ein durch deutsche Frauen u Jungfrauen auszufüh-
rendes Erziehungsunternehmen zur Pflege u Erziehung
des Kindes von dem frühesten Alter bis zur Schulfähigkeit
besonders durch Pflege seines Thätigk[ei]ts[-] u Beschäftigungstriebes
vor.
Den Plan dazu legen wir der verehrlichen Redac[tion]
in dem Beyschlusse zu gütiger Prüfung vertrauensvoll wie
wir hoffen, zur thätig förderl[ichen] Mitwirkung, besonders durch Aufnahme
des (Planes) selben in Ihr so weit verbreitetes u in allen
Ständen vielgelesenes Blatt u dadurch zu seiner Veröffentlichung
vertrauensvoll vor[.]
Auf Ihre gütige u thätige Mitwirkung zählen zu <-> dürfen, dazu
geben uns außer den angeführten Gründen noch die beyden
Thatsache[n] die freudige Hoffnung
1) daß [da] die öffentl[iche] durch Gepränge hervortretende Jubel-
feyer dieses Festes nicht so vielseitig besonders auch in hoher
menschheitl[icher] in rel[igiöser] Beziehungen zurückgedrängt [erscheint]; das
seiner Natur nach dankbare menschl[iche] Gemüth sucht aber
seinen Dank gern an das Höchste anzuknüpfen; was
sollte aber dem ächt rel[igiösen] Dank näher verwandt, ja ge-
eint[er] seyn als der Gedanke der einer dem Menschen ganz ge-
nügenden Erziehung von seiner frühesten Erscheinung auf
der Erde an, einer Erziehung, wo das Kind noch nicht
um äußere Zwecke u Absichten willen – sondern, wenn
ich mich des Ausdruckes bedienen darf (und Sie mich in dem-
selben nicht mißverstehen mindestens nicht mißdeuten wollen)
– noch um Gottes oder was eins ist, um der Menschheit
oder was mit alle beyden gleich ist, blos um seines eigensten u
ursprüngl[ichen] Wesens willen, beachtet gepflegt u erzogen willen
wird. Was kann dem christl[ich] frommen, dem deutsch
christl[ichen], dem deutschfrommen Gemüthe näher liegen als eine
solche Kinderbeachtung u Kinderpflege, als ein Werk zu deren Ver-
allgemeinerung in u unter dem ganzen deutschen Volke
zu einem Gemeingut in Hütte u Palast, in den königl[ichen]
städten wie in dem verborgensten Bauerndörfchen.
[*] Da nun gar manche 10 rth welche von deutschen Männern zur Feyer
dieses Festes bestimmt waren, durch
Zurückdrängung öffentl[icher] Feyerlichk[ei]ten
unbenutzt geblieben sind, so wäre
es schön wenn dies selbige
ihren Frauen (den Müttern ihrer Kinder) als ihren Schwestern , Töchtern
u Freundinnen zur Förderung dieses Werkes zu Geschenk u so gewiß
davon den <-> am meisten entsprechenden Gebrauch machten [*]
2) Die 2te Thatsache ist die: So weit unsere Kunde reicht, so ist uns
bis jetzt noch keines der Feyer ganz würdiges, noch weniger
das ganze deutsche Volk sowohl in seinem Ausgangspunkte
als in seinem Ziel umfassendes lebenvolles sich aus sich selbst /
[14]
2. An die Redaction d Allg. Anz. d. Deut
21sten May 1840
zur Vollendung führendes Werk zur Er
Kenntniß gekommen. Als ein solches
Werk aber glauben wir das der verehrl.
Redaction hier zur Prüfung vorgelegte mit aller deutschen
Bescheidenh[ei]t betrachten u ansehen zu dürfen[.]
Daß nun für ein solches deutsche Werk
verehrl[iche] Redaction Ihr Blatt als ein so Tages-
blatt als ein so bewährtes Volks[-] u National-
blatt, welches in unserm lieben Vaterland
unter unserm geliebten Volke schon so viel bleibend
Gutes geweckt und gewirkt hat gegründet hat
Ihr Blatt in gleicher Gesinnung fortwirke
halten wir für dasselbe so würdig als wichtig;
es ist würdig u wichtig daß ein solches Volks[-] u
Nationalunternehmen, daß ein solches Volks[-]
u Nationalunternehmen [2x] auch zuerst durch
ein solches Volks[-] und Nationalblatt dem deutschen
Volke, ja der deutschen Nation in ihren ver-
schiedenen Zungen Mundarten Stämmen bekannt gemacht u zuge-
führt werde, ja es dünkt uns des Blattes
wie des Gegenstandes gleich wichtig, daß ein
solches Blatt als Vertreter des Gedankens mit
auf[-] und eintrete.
Sollten nun die hier angedeuteten Gründe die
verehrl[iche] Redaction veranlassen können
die von uns in dasselbe gesetzte deutsche
Vertrauen und die von derselben gehegten
Hoffnung zu erfüllen, und mit der Sache
entsprechendem Begleitworte den Gegen-
stand in das allgemeine Publicum einzu-
führen so glauben wir in Beziehung auf
den reinen Geist u den edlen un eigen-
nützigen Zweck der Unternehmung die Bitte an
die verehrliche Redaction thun zu dürfen, daß
entweder mit jedem Exempl: des A. Anz. d. D.
in welchem der Gegenst[an]d behandelt wird ein
Actienunterzeichnungsschein ausgegeben werde
oder daß die wohllöbl[iche] Exped[ition] d Blattes anzeige
daß von ihr gegen Portofrey eingesendete /
[14R]
Wünsche Actienunterzeichnungsscheine einge-
sandt werden würden. In jedem dieser Fälle
würden wir so viele Scheine zur Ver-
fügung der wohllöbl[ichen] Exped[ition] stellen,
als von ihr gewünscht würden. Wir würden der ver-
ehrl[ichen] Redaction auf das verbindlichste dank-
bar seyn wenn sie uns zur Förderung dieses
wie wir glauben Volks[-] u Nationalwerkes
entweder mit ein Paar Worten schriftl[ich] oder
durch den Druck in dem Blatte selbst ihre
auf einer langen Reihe von Jahren ruhende vieljährige Erfahrung
Auf ruhende Meinung hier darüber zu kommen ließe.
Da sehr zu wünschen ist, daß wenigstens
bis zum 20ten Juny die Unterzeichnungsscheine des
ersten Hundert der das Werk begründenden Frauen
eingegangen seyn möchten, damit am 24 Juni
zur Feyer des Festes der g[an]ze Plan unsrer hohen
Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt werden könnte,
so empfehlen wir das Ganze Ihrer baldigen gütigen
Beachtung.
Wir glauben hoffen zu dürfen daß das Unter-
nehmen in der Frauenwelt Anklang finde, indem
obgleich der Gegenst[an]d nur in sehr engen Grenzen bekannt
geworden ist u noch nirgend in die Öffentl[ichkeit]
getreten ist, wozu wir als erste Grundlage u Ausgangs-
punkt nur Ihr Volksblatt geeignet finden konnten,
– indem dennoch schon mehrere Actienunter-
zeichnungen erfolgt sind, so auch von den durchlauch-
tigsten Frauen unseres Hofes, so ganz namentl[ich]
von der regierenden Fürstin Durchlaucht, von
der Durchlauchtigsten Frau Fürstin Mutter u
auch von mehrern andern Seiten d Frauenwelt
ist uns die thätigste Mitwirkung zugesichert
worden. Alles fordert u erwartet jetzt nur
das zweckmäßige Hervortreten d Sache Gegenstandes in
die Öffentlickeit.
Über die Geschäftseinrichtung des Ganzen werden
wir uns bey ähnl[ichen] Instituten, um jeden Mißgriff
in der Ausführung möglichst zu vermeiden Raths ersehen
so z.B. in Gotha selbst, bey der Lebensversicherungs- wie
bey der Feuerversicherungs Bank [.] /
[15]
3. An die Redact. DAllg Anz.d.D.
21 May 1840.
So glauben wir nun nichts mehr hinzufügen
zu können u zu dürfen als den sich uns vielseitig ent-
gegendrängenden Gedanken, daß selbst einem so großen
u umfassenden Institute wie das der Herausgabe
Ihres die hohen Zwecke des Volks wie der Menschheit
stets in[s] Auge fassenden u fördernden Blattes
dessen Wirksamkeit eben durch die Erfindung der
Buchdruckerkunst so vervielfacht weit verbreitet
u seegensreich wurde, daß selbst einem solchen Institute
es hohe Freude machen müsse eine angemessene
Gelegenheit zu bekommen seine Dankbarkeit dafür
auf eine solche Weise bethätigen zu können.
[*] Es sollte uns freuen wenn wir dadurch einem Gedanken
der verehrl[ichen] Redaction begegnen der in ihr Ihnen selbst
schon eine angemessene Bethätigung gesucht hat [*]
Genehmigen Sie d Versicherung der ausgezeichnetsten
Hochachtung
der Verein

Wir erlauben uns ein zweytes Exemplar zu freyer
Bestimmung vielleicht zu unmittelbarer Förderung des
Werkes oder als Zeichen der Hochachtung für den frü-
heren verehrten HE Redactör, Herrn Legations-
rath Hennicke
bey zu legen[.]