Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Lina und Rosalie Günther/ Charlotte Richter in Leipzig v. 22.5.1840 (Blankenburg)


F. an Lina und Rosalie Günther/ Charlotte Richter in Leipzig v. 22.5.1840 (Blankenburg)
(BN 214, Bl 15-16, Entwurf 1 B fol 2 ½ S. mit Datierung auf Rand:„22/V 40“ )

Den verehrten drey Schwestern aus der Familie Günther in Leipzig
[Rand: Notiz mit Datum *] [*] 22/V 40 <Kreiner> veranlassen dBrockhaus dSache in einer dLeipziger
Blätter, in d Allgem Zeit[ung] u Tageblatt durch Freunde
fördern ( Vogel Dir[ektor] nicht damit beschweren)
Vogel <somit>seitig ausgesprochen dSache zu fördern, wenigstens
für <sie> in seinem Kreis dafür thätig sein. [*]
In Bezug <treueste> Beziehung <Erinnerung> auf Ihre gütige Theilnahme
an unsern erziehenden Bestrebungen,
welche Sie bey Ihrer Anwesenheit hier
in Blankenburg schon an den Tag gelegt bezeigt [sc.: bezeugt], u die Sie bey un-
serer Anwesenheit vor voriges <Früh>Jahr in Leipzig für diesen
Zweck aufs Neue
so lebhaft an den Tag gelegt haben erlauben wir
uns von der <-> Fortentwicklung dieser
unsern erziehenden Bestrebungen für die Kindheit
Ihnen einige Nachricht zu geben. Gern hätten
wir zuvor von Ihnen selbst erst eine
Mittheilung, der wir entg glaubten ent-
gegen immer entgegen gesehen haben
<vermerkt>. Doch die jetzigen jetzt /
[15R]
[Randnotiz links oben*-*]
[*] Charlotte verwittwete Richter
Rosalie u Lina?
An die drey Schwestern Günther
Fr. Pastorin Charlotte Richter, geb. Günther u an die
Fräulein Rosalie u Lina in Leipzig in
einem Hause nahe dem Theater
Möchten die Güte haben mit ihrem HE Oheim dem HE Domherrn Günther
u dessen Fräulein Tochter mittheilen
Diesen durch HE Sigismund d Spiele zum Gebrauche überlassen [*]
hier vorgetretene Blüthe oder wenn Sie
lieber wollen, Frucht unserer erziehenden
Strebens zum Wohle der Kindheit glauben
wir Ihrem für das Edle so offenen
Gemüthe u Geiste nicht vorenthalten
zu dürfen. Und dieß um so weniger,
da die Sache der Kindheit hier durch
[*] durch den hier angebahnten Weg [*]
jedem edlen Frauen u Jungfrauen-
gemüthe nicht nur zur Beherzigung
sondern zur thätigen Mitwirkung
dafür so nahe liegt unmittelbar nahe gerückt ist.
Auch müssen wir uns sagen, daß
es edlen edelmüthigen edelsinnigen
Frauenherzen bey einem Feste wie das
bevorstehende, der 400jährigen Jubelfeyer
der Erfindung der Buchdruckerkunst,
wer der durch nicht gleichgültig seyn kann
ob sie den dank auch ihren Dank auch mit
ausdrücken können oder nicht. Daß sie
ihn empfinden läßt sich nicht bezwei-
feln, da sie die <verwandelnden> u bildenden Gaben dieser das geistige
Licht u Leben verbreitenden Kunst
entwed mehr oder weniger unmittel-
bar alle erfahren haben. Wie aber
denselben beweisen? Das äußere Ge-
pränge kann dem lebenvollen Gemüthe
nicht genügen; dieß verlangt Selbst ebenso
ein lebenvolles Fortwirken. Welche Wirk-
samkeit kann aber dem weibl[ichen] Herzen
näher liegen vollkommner seyn als die zum Glück der Kind-
heit. Und wiederum was ist dieses auch die
Feyer dieses Festes würdigen als daß ihr
ein Werk entkeimt, das, worauf /
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diese Kunst stets vor allem gerichtet ist, durch
Licht u Liebe, in ächter Pflege des
Lebens i[m] Kinde das Wohl der kommen-
den Geschlechter, und zwar durch die
Vereinigung deutscher Frauen u Jungfrauen
dafür, zu begründen strebt. So
glauben wir, wird es Ihnen erwünscht will-
kommen
seyn daß wir Ihnen den bey-
liegenden Plan zur Prüfung, u wenn
der Zweck wie wir glauben sich Ihrer Bey-
stimmung erwirbt zur Förderung u
thätigen Mitwirkung vorliege. (Über-
zeugen Sie sich von der Wahrheit u
Wichtigkeit des Gedankens, woran wir
nicht zweifeln, so) u wir werden
uns freuen Sie, Edle, zu den be-
gründenden Frauen u Jungfrauen zu
dieses Vereins zählen zu können.
Sollten Sie sich veranlaßt finden
den Plan auch in dem Kreise
Ihrer Freundinnen u Verwandten, so in dHause[.]
Seyn Sie so gütig den Plan auch im Hause Ihres HE Oheim
den HE Domherr Günther pp.u dessen Tochter
gleichfalls zur Prüfung u Mitwirkung auszutheilen.
Freuen würde es uns wenn Sie
sich veranlaßt finden sollten uns bald
eine gütige GegenMittheilung zukommen
zu lassen. –
Sollten Sie sich bewogen finden, einen
Theil der Freundlichkeit die Sie mir
so gütevoll bewiesen haben, auf den
Überbringer dieses, HE Sigismund
Sohn des hiesigen HE Raths u Justizamtmanns
der in Leipzig seine medizin[ischen] Studien fortsetzen will
überzutragen, so würden wir Ihnen
auch dafür sehr dankbar seyn indem
er ein Freund unserer erziehenden Be-
strebungen ist[.]