Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 5.6.1840 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 5.6.1840 (Blankenburg)
(Brieforiginal priv. Prof. Michio Ogasawara, Hiroshima, Japan, 1 B 8° 3 S., ed. Pösche 1887, 36f.; Wiederabdruck bei Lück 1929, 3f.; Pösches Ed. mit erheblichen Kürzungen bzw. Änderungen ohne Begründung.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 5n Juny 1840.


Hochgeehrteste, theure Muhme.

Schon wieder komme ich schriftlich zu Ihnen, zwar nicht in
persönlichen Beziehungen doch in altem persönlichen Ver-
trauen und so hoffe ich wegen meiner so baldigen Wieder-
kehr Ihre so gütige, als freundschaftliche Nachsicht.
Zu der bevorstehenden Feyer des 400jährigen Jubelfestes
der Erfindung der Buchdruckerkunst, welche gewiß auch
in Ihrem Kreise vielseitig besprochen worden ist, hat sich
in dem unsrigen, die Feyer dieses in dem Herzen aller Füh-
lenden und Denkenden die lebenvollste Theilnahme er-
weckenden Festes so fortwirkend seegensreich als mög-
lich zu machen, ein Gedanke entwickelt, welcher das Blei-
bende und Seegensreiche dieser Festfeyer an die Kinder-
welt, an das frühere Kinderleben und dessen Pflege und
so an das kinderliebende und kinderachtende Frauengemüth
an die Kinderliebe und Kinderachtung der deutsch[en] Frauen
und Jungfrauen anknüpfen möchte.
In der Anlage erlaube ich mir Ihnen den Plan zu diesem
Werke deutscher Frauen und Jungfrauen zu Ihrer gü-
tigen Mitwirkung zu überschicken um davon förder-
lichen Gebrauch im entsprechende[n] Kreise Ihrer Frauen[-] /
[1R]
bekanntschaft zu machen.
Sollte der Gegenstand was ich mir schmeichle,
so Ihre Theilnahme erwecken, daß Sie glauben könn-
ten dadurch auch die verehrl[iche] Redaction der Gerasch[en]
Zeitung oder ein anderes Localblatt für das Werk
interessiren zu können, so würde es uns freuen
wenn Sie dieselbe, vielleicht durch die Güte Ihres
Herrn Gemahles, des hochgeschätzten Vetters, veran-
lassen könnten von diesem Unternehmen in dem Blat-
te eine entsprechende Anzeige zu geben und zu dessen
Förderung aufzufordern und einzuladen.
Ich bin deßhalb so frey Ihnen hier ein Exemplar
des Aufrufes beyzulegen welcher in jener Beziehung
in der jüngsten Nummer des Rudolstädter Wochen-
blattes erschienen ist.
Wollen Sie mir von dem vorläufigen Ergebniß
Ihrer gütigen Theilnahme bey der Rückkehr des Über[-]
bringers dieser Zeilen einige Nachricht zukommen lassen
so werde ich dafür sehr dankbar seyn.
Ich wollte Sie hätten theure Muhme früher den Vorsatz
ausgeführt und hätten mich mit der Fr. Dr Wild be-
sucht, so bäte jetzt auch meine kleine Kinderwelt, die sich /
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bey der Führung nach den im Plane dargelegten Grundsätzen
glücklich fühlt, Sie in ihrem und durch ihr frohes Kinder-
leben um Ihre frauliche Mitwirkung zur Ausführung
deßselben.
Die herzlichsten Grüße an Ihre gesammte Fami-
lie ganz besonders an den hochgeehrten Vetter Ihren
lieben Gemahl und nehmen Sie gütig auf die Ver-
sicherung unverändert freundschaftlichster Gesinnung
und Hochachtung
Ihres

ergebensten Vetters
Friedrich Fröbel.