Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Maria Leopoldine, Königin von Sachsen in Dresden v.13.5./6.6.1840 (Blankenburg)


F. an Maria Leopoldine, Königin von Sachsen in Dresden v.13.5./6.6.1840 (Blankenburg)
(Nicht überliefert ist das Brieforiginal, wohl aber zwei Entwürfe im BN. Der erste Entwurf BN 735, Bl 15-18V, 2 B fol umfasst 6 ½ S. , ist datiert und enthält auf Rand 17V das Fragment des Briefentwurfs an Bellermann vom 13.5.1840. Der zweite Entwurf BN 735, Bl 19-23, 2 B + 1 Bl fol. 9 ½ S. stammt vom 6.6.1840)

a) 1. Entwurf

31 Briefentwürfe 1840
Kindergarten 7.
Blankenburg d 13 May 1840.
Königliche Majestät.
An die Königin von Sachsen.

Noch ist mein ganzes Wesen (meine g[an]ze Seele)
mein Gemüth in seinem Innersten durchglüht
von der königlichen Huld u höchsten
Gnade, mit welcher Ew. Königl. Majestät
vor nun fast anderthalb Jahren meinem
Vortrage (über den) meiner Darle-
gung des Geistes u Wesens der von
mir aufgestellten Spiel[-] u Beschäfti-
gungsmittel u Weisen für Kleinerer Kinder
allerhöchst Ihre erhebende (menschen-
freundliche, humane) Aufmerksamkeit
schenkten. Der Dank dafür lebt
nicht bloß (der Dank dafür lebt immer
<> gleich ungeschwächt sondern täglich
wachsend, sich entwickelnd u gestaltend
in meinem Gemüthe. Denn durch
die Königl Huld u Gnade mit
welcher Ew Majestät der frühesten
angemessenen Kinderbeachtung u Pflege
aller höchst Ihre Aufmerksamkeit
schenkten wurde der prüfende
u beachtende Blick Vieler auf einen
Gegenstand gerichtet, welchen ich
nicht nur für jeden Einzelnen in der
Gegenwart, sey er Bewahrer des
Palastes oder der Hütte und so für
das ganze Menschengeschlecht in
aller Zukunft für unaussprechlich
wichtig achte. /
[15R]
Doch der rechte Dank ist kein todter,
die empfangene Gabe blos beach-
tender oder gar nur genießender,
nein er ist ein immer reger, stets
(d Gute weiter) alles Gutes schaffender.
Der beste Dank aber für
empfangene Huld u Gnade scheint
mir das Streben zu seyn: dem Gegen-
stand derselben die größtmöglichste
Vollkommenheit der Ausbildung zu geben.
Und dieser Dank lebte von dem
ersten Augenblicke an ununterbrochen in mir, als Ew.
Königliche Majestät den Gedanken
frühester u entsprechender Kind-
heitpflege besonders durch angemessene
Beachtung u Pflege des Thätigkeits-
triebes überhaupt des Lebenstriebes
der Kinder in seiner Wichtigkeit <würdigten>
dadurch daß Hochdieselbe Ihre Huldvollste
u. gnädigste Beystimmung nicht versagten,
- durch bestimmtes
Wort (durch huldvollste u gnädigste
Beystimmung) in seiner Wichtigkeit
anerkannten, ununterbrochen
in mir. In einem doppelten
stets wachsenden Streben suchte
der Dank seit jener Zeit, stets
Mittel u Weg zu finden, sich offen-
baren (darlegen, aussprechen) zu
können: einmal durch größtmög-
liche Vereinfachung u lebenvolle / seegenreiche
Anwendung auch in
den Hütten und für die Verhältnisse
der Ärmsten; dann durch /
[16]
die größtmöglichste Verallgemeine-
rung dieser Anwendung.
Die Ergebnisse (die Früchte) dieser
Bestrebungen sind es nun, welche Ew. Kö-
nigl Majestät als schwaches Zeichen
meines unvergänglichen Dank-
gefühles allerunterthänigst vorzu-
legen ich hier wage.
Seit einem Jahre, wo ich so glück-
lich war
, glückte es mir durch das Vertrauen der
Behörden u der Einwohner des hiesigen
Städtchens, wenn auch zunächst nur
noch für einige Stunden des Tages,
eine Spiel- u Beschäftigungsanstalt
für kleinere Kinder bis zur Schul-
fähigkeit nach den Grundsätzen u in der
Art auszuführen, welche Ew Königl
Majestät darzulegen ich das hohe
Glück genoß (so glücklich war)
u deren Geist u Zweck Ew. Königl
Majestät Huldvoller Beystimmung sich
zu fördernder Erhebung erfreute.
Die Kinder des Städtchens aller
Stände u jedes Alters, lb selbst
noch unter einem Jahre, oft kaum
noch über 6 Monate, welche von ihren
erwachsenen Geschwistern oder selbst von den
Müttern selbst gebracht werden, nehmen
mit diesen zugleich daran Antheil; u ich
darf Ew. Königl Majestät in einem
so wahren als großartigen, in einem /
[16R]
ganz entsprechenden Bilde davon
bezeichnen / aussprechen: - wenn der rein mensch-
lich pflegende Geist nur leise das Leben
des Kindes berührte, so ist war es, als wenn im
Frühling die Sonne die sich schwellenden
Blatt[-] u Blüthenknospen öffnet. Es
öffnen sich aber nicht blos Auge u Ohr
oder die äußeren Gliedchen der Kindheit
nein seine Seele sucht, wie ein der Hülle
eben entschlüpfender Schmetterling seine
noch schwachen Schwingen zu entfalten
zu üben u zu gebrauchen (doch wie) zwar darf
ich mir nicht erlauben Ew. Königl Majestät
mit Vorführung von Einzelnheiten zu ermüden.
Doch noch eines wage ich zu erwähnen
(bitte ich um huldvolle Erlaubniß, er-
wähnen zu dürfen): daß selbst die sich
ganz überlassenen Kinder aus den ge-
drücktesten u ärmsten Familien nach dem
einstimmigen Urtheile aller Beachtenden
namentl[ich] der Eltern, der Nachbarn wie der Lehrer
(denn mehrere schon etwas ältern Kinder be[-]
gleiteten oft die jüngeren in die Spielanstalt)
sinniger, sittiger achtsam u thätiger
geworden. Diese u ähnl[iche] Erscheinungen fan[-]
den nicht etwa blos hier Statt (traten
nicht etwa blos hier hervor) sie traten
überall anderwärts hervor (sie zeigten sich überall)
wo die aufgestellte u Ew Königl Maje-
stät vorgeführte Spiel- u Erziehungsweise
ihre Anwendung fand. Denn seit fast einem
Jahre schenkte besonders die freye Stadt
Frankfurt dem Gegenstand ihre Auf[-] /
[17]
32. Briefentwürfe 1840 13/V
Kindergarten 8.
An die Königin von Sachsen
[links Briefentwurf an Bellermann]
merksamkeit. Drey Anstalten[,] durch
Männer gegründet, welche theoretisch
u praktisch mit dem Erziehungswesen schon
bekannt waren u welche zum Eindringen
in den Geist der hier aufgestellten Kin-
derbeschäftigungsweise u zur Aneignung
u Einübung der (aufgestellten) Spiele
welche sich längere Zeit zu diesem Zwecke
hier aufhielten, sind dort bereits nach
entweder vielseitig vorhergegangener
Prüfung entweder durch die Behörden selbst
oder mit deren Einwilligung erstanden ins Leben getreten,
u zur Errichtung einer 4ten, von der katho[-]
lischen Gemeinde daselbst, wird wie ich höre wie man uns mittheilt
der Weg angebahnt. (Ew Kön) –
Über diese einzelnen Ergebnisse bitte
ich Ew Königl Majestät mir huldvoll
zu erlauben in der Anlage Einiges bey-
fügen zu dürfen.
Sehr glücklich setze [sc.: sehe] ich mich, daß alle
Confessionsverwandte sich zu der Er-
kenntniß u Einsicht der frühesten u
entsprechenden Kinderpflege hinwenden.
Es ist mir ein Zeichen, daß der wahre Christus[-]
sinn sich in allen zu offenbaren strebt,
u daß der Geist u Sinn dessen, welcher zuerst
sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen
- wieder alle vereinigen wird.
Es konnte nun nicht fehlen daß
man auch wünschte, eine solche
Beachtung u Beschäftigungsweise, auch
der kleinsten Kinder, möge mögte immer
allgemeiner werden, u zwar /
[17R]
nicht nur in Anstalten, sondern
vorzüglich auch in Familien. Allein
Hier zeigte sich jedoch bald ein Mangel an
Kinderpflegern, (ja der es zunächst
u zuerst bedarf) an tauglichen beachten-
den u sinnigen Kinderwärterinnen u Kinder-
wärterinnen mädchen u öffentl[iche] Blätter
forderten zur <nun> für die Befriedigung dieser Be-
dürfnisse von hier aus Sorge zu tragen
was das ist denn auch nach Möglichkeit
seit dem Beginne dieses Jahres von
mir geschah geschehen. Allein das Werk ist für den
Einzelnen, soll es ein entsprechendes
u gediegenes seyn u werden, zu groß,
doch der aber den Fortgang die (Erweiterung,
Verallgemeinerung) des Werkes innig
Ersehnenden <-> sind viele, wenn auch ge-
trennt. Das Vertrauen aber eint nur ist das Einende,
u in geeinter Kraft lassen sich die Mit-
tel zur Erreichung auch des Größten
finden, und das Schwierigste läßt sich
ausführen.
[Randnotiz*-*]
[*] Viele sind die seine Erweiterung wünschen
doch stehen sie getrennt. Das Vertrauen aber eint.
Die geeinte Kraft aber ist d <Eigenste u gesellsch mögl[iche]>
Möchte es mir nun gelungen seyn einen Weg d
Verallgemeinerung [gefunden zu haben]
der Ew Majestät Beystimmung erhält[*]
Möchte es mir nun ge-
lungen seyn Ew Königl Majestät als
bleibenden aus sich selbst erneuernden
Dank als ein Mittel zu dieser Verall-
gemeinerung zu Ew. Höchsten allerhöch-
ster Prüfung vorzulegen, welches im
Stande wäre allerhöchst Ihre Beystim-
mung in dem Maaße zu gewinnen
daß Ew Majestät sich entschließen könnten
selbst zur Begründung u Ausführung
durch vertrauende Mitwirkung das
schlummernde Vertrauen Vieler /
[18]
zu wecken, gleichwie Ew Majestät
Kindheit Beachtung der Kindheit
den die Kindheit beachtenden Sinn Vieler weckte
klärte u dafür den rechten Gesichts-
punkt zeigte.
Und so lege ich den Plan zum Ver-
ein aller deutschen Frauen und
Jungfrauen für entsprechendste
früheste Kindheitpflege Ew
Königl Majestät Huld u Gnade
zu allerhöchster Prüfung u zur be-
gründenden u befördernden Mit-
wirkung allerunterthänigst vor.

b) 2. Entwurf

[19]
Brief an die Königin von Sachsen

6 Juny 1840


Königl Majestät

In der Erinnerung Noch ist mein ganzes Gemüth
noch (durchdrungen) durchglüht von der Huld u Gnade,
mit welcher Ew Königl Majestät vor nun fast
anderthalb Jahren meinen Vortrag über den
Geist u das Wesen der von mir aufgestellten
Spiel- u Beschäftmittel mittel und der Beschäftigungs-
weisen kleinerer Kinder allerhöchst Ihre er-
hebende menschenfreundliche Aufmerk-
samkeit schenkten. Hierdurch ward der
prüfende und beachtende Blick Vieler
auf einen Gegenstand gerichtet, welchen ich
für jeden Einzelnen, sey er Bewohner des
Palastes oder der Hütte wie für das ganze
Geschlecht in dieser der Gegenwart u Zukunft, für
unaussprechlich wichtig halte achte.
Mein Dank dafür ist unauslöschlich.
Der wahre Dank aber ist kein todter, kein
blos genießender sondern vielmehr ein er-
zeugender das Gute wieder schaffender.
Der beste Dank für die empfangene Huld
u Gnade scheint mir das Streben u Wir-
ken zu seyn: der Sache dem Gegenstande, welchem
solche Huld zu Theil huldvolle Aufmerksamkeit
geschenkt wurde, die größtmöglichste
Vollkommenheit u Ausbildung zu geben.
Darum war es seit jener Zeit mein
unausgesetztes Streben, den Gedanken
frühester u entsprechender Kindheitpflege
besonders durch angemessene Befriedi-
gung des Thätigkeitstriebes, welchen
Ew Majestät d[urc]h huldvolle u gnädigste
Beystimmung in seiner Wicht[i]gk[ei]t anerkannte,
einmal durch die möglichste Vereinfachung
auch bis in die Hütten zu bringen u den
Ärmsten zu gänglich zu machen, dann /
[19R]
ihm demselben durch größtmögliche Verallgemeine-
rung ihm Anwendung zu verschaffen.
Das Ergebniß nun dieser Bestrebungen
nun ist es, welches ich Ew Königl Majestät
als schwaches Zeichen meines unvergäng-
lichen Dankgefühls hier allerunterthänigst
hier vorzulegen wage.
Seit einem Jahre gelang es mir
durch das Zutrauen der Behörden u der
Einwohner des hiesigen Städtchens eine
Spiel- und Beschäftigungsanstalt für
kleinere Kinder bis zur Schulfähigkeit
nach den Grundsätzen auszuführen,
welche Ew Königl Majestät darzulegen
ich das hohe Glück genoß. Die Kinder
des Städtchens aller Stände u jedes
Alters, selbst solche, die welche noch unter einem
Jahr ja öfter kaum über ein halbes Jahr,
von ihren erwachsenen Geschwistern
oder ihren Müttern dahin gebracht
werden, nehmen mit diesen ihren Wär-
terinnen daran Theil. Ew Königl Majestät
darf ich in einem entsprechenden Bilde,
so wahr als großartig, darüber ausspre-
chen: - wenn der rein menschliche
pflegende Geist, welcher in dieser Anstalt
<keimt>
sich hier pflegend zu bethätigen sucht,
nur leise das Leben der Kinder
berührt, so ist es als wenn im Frühling
die Sonne die schwellenden Knospen
erschließt. Nicht blos regen sich die
Gliedchen, nicht nur öffnet sich nur das Auge u Ohr
des Kindchenses sich öffnet. nein, seine
Seele sucht wie ein der Hülle ent-
schlüpfender Schmetterling die zarten /
[20]
Schwingen entfaltet, die schwachen Kräfte
zu gebrauchen u freudig zu üben.
Zwar darf ich mir nicht erlauben Ew.
Königl Majestät durch Vorfüh
Einzelnheiten
hier vorzuführen. Doch eines mögen Ew.
Königl Majestät huldvoll gestatten zu erwähnen.
Kinder aus den ärmsten u gedrücktesten
Familien, selbst solche die bis her sich nur überlassen
gewesen waren, sind nach dem einstimmigen
Urtheile aller Beachtenden, wie dieß
namentlich von Eltern, Nachbarn und Lehrern
(indem mehrere schon ältere Kinder oft die jüngern
in die Spielanstalt begleiten), ausgesprochen wird
sinniger u sittiger, achtsamer u thätiger
geworden. Und diese Erfahrungen fanden
nicht blos hier Statt, sie traten auch ander-
wärts hervor wo diese Spiel- u Erziehungs-
weise ihre Anwendung fand. Denn schon fast seit
fast einem Jahre schenkte besonders die freye
Stadt Frankfurt diesem Gegenstande
ihre Aufmerksamkeit. Drey Anstalten [,] durch
Männer gegründet, welche theore-
tisch mit dem Erziehungswesen schon bekannt
sich längere Zeit hier aufhielten um in den
Geist dieser Kinderbeschäftigungsweise ein[-]
zudringen u ihre Anwendung sich anzueignen
sind daselbst bereits, nach vielseitig vor-
hergegangener Prüfung entweder durch die
Behörden selbst oder mit deren Ein-
willigung ins Leben getreten; so wie
[vollständig gestrichene Randnotiz*-*]
[*] denn schon drey Anstalten in diesem
Geist u Sinn hat allein seit einem Jahre
die freye Stadt Frankfurt gegründet,
wie der betr das[igen] kathol Gemeinde, wie auch
wie in Eisenach
wird, wie uns gemeldet
ist, der Weg gebahnt, so wie in Eisenach
u jüngst in Bockenheim bey Frkf. Spiel Anstalten nach
diesen Grundsätzen ins Leben getreten sind[*]
auch zur Errichtung einer vierten, von der katho-
lischen Gemeinde daselbst der Weg wird, wie
ich höre, der Weg angebahnt <->
so wie schon früher besonders in der Schweiz, jüngst
in Eisenach, jetzt in Bockenheim Anstalten
nach diesen Grundsätzen ins Leben getreten
sind.
Sehr beachtenswerth ist es ohne Zweifel, daß alle
Confessionsverwandte, in Erkenntniß der
Wichtigkeit sich zu der frühesten angemessenen
Kinderpflege hinwenden. Es erscheint /
[20R]
als ein Zeichen, daß der wahre Christus[-]
sinn sich zu offenbaren strebt, u daß der Geist
dessen welcher zuerst sprach: Lasset
die Kindlein zu mir kommen - wieder alle
vereinigen wird.
Es konnte nicht fehlen daß nun der
Wunsch aufstieg u immer lebendiger wird,
solche Beachtung u Beschäfti-
gungsweise kleiner Kinder möchte immer
allgemeiner werden; Es ist nicht anders wie wenn der
Frühling kommt u das Leben des Keimes zur
Wirksamkeit u Thätigkeit gerufen werden soll:
nicht die Sonne noch der laue Frühlingshauch
schränken sich nach dem höchsten Lebensgesetz
welches sie in sich tragen u ausführen, darauf
ein nur einzelne Pflänzchen zu wecken
u blühend zu machen; nein der neue
Lebensathem u der wärmende Strahl
rufen alle schlummernden Keime
hervor u öffnen die lang verschloss[enen] Knospen
wie Sollte nicht so der Mensch, der Einzelne wie
wie die Familien wie die Gesammtheiten
bis <zur> wie Völker endlich dafür erwachen, daß
sie <-> in Beziehung auf ihre Kinder den
Wegen Gottes, welche die Natur u Wort-
offenbarung gleich klar uns kund thun, nach
gehen; daß sie frühe den Lebens[-] u Thätigkeits-
trieb der Kinder, wenn für sie die Keim[-] u
Knospenzeit eingetreten ist, allgemein
u gleichmäßig pflegen? – pflegen durch den
erweckenden Lebenshauch, pflegen durch
die so gern sich in That äußernde Liebe des Kindes? –
Bethätigung der in dem Kinde sich so gerne
Mittel u Wege bestim[menden] sinnigen Liebe im Kinde
die sich so gern in That äußern mag
Dieß weckte den Gedanken einer
allgemeinen Musteranstalt (indem /
[21]
Brief an Königin v. Sachsen 2.
That u Anschauung mehr fruchten als Worte
u Schrift) einer einigen Doppelanstalt
einmal zur Pflege u Erziehung der kleinen
Kinder dann zur wie zur Bildung von
Kinderpflegerinnen für die verschie-
denen Altersstufen u Lebensverhältnissen
oder zu Vorsteherinnen von Kleinkinder-
anstalten schulen [.]
Diese Anstalt aber, wenn soll sie
den an sie zu machenden Forderungen
genügen muß umfassend u sicher ge-
gründet seyn. Wie ist beydes anders
zu erreichen, als durch die Einigung
Vieler welche von gleicher Lebenseinsicht
durchdrungen sind. An wen könnte sich
das Vertrauen in dieser wichtigen großen
Angeleg[en]h[ei]t der Kindheit wenden als
an die treue Mutterliebe, an das fromme
FrauenGemüth vor allem an die
Herzen der deutschen Frauen
in dem ja in der Ausführung einer
solchen Anstalt die höchsten religiösen wie
heiligsten Lebenspflichten erfüllt werden.
Ja der Glauben und die Überzeugung daß
drängt sich [auf] auf ein Land daß die reichsten Seegnungen
des Himmels auf ein g[an]zes Land einfließen
werden, wo der Lebens[-] u Thätigkeits-
trieb der Kinder besonders in d[er] Masse
des Volkes frühe auf die angemessene
Weise beachtet u geleitet würde.
Wie kann ich in diesem Glauben
anders als in tiefer Ehrfurcht an Ew Majestät <gedenken>der höchst ver-
ehrten und überall seinen Seegen verbreitenden
Mutter eines großen Landes <gedenken>
<-> vertrauensvoll <dadurch mich> wenden in der
Hoffnung daß Ew Königl Majestät wie höchstdieselben /
[21R]
durch huldvolle Beachtung des ersten Keimes
der frühen Kindheitpflege den Sinn <Bildung> Vieler
dahin lenkten u dafür klärten, jetzt auch sich
entschließen könnten, zur Begründung u Aus-
führung dieses Volks[-] u Menschheitswerkes durch
vertrauende Mitwirkung u Vertrauen um
das schlummernde Vertrauen Vieler in
noch größern Maaße wie ein <erlauchtes> kinderliebendes
Mutter<streben> (wie ein erleuchtendes Gestirn) zu wecken
[.]
zur Begründung u Ausführung dieses
Volks[-] u Menschheits-Werkes zum Seegen des Volks
allgemein früher Kindheitpflege
huldvoll mit
wirken werden und durch Ihr leuchtendes
Beyspiel das sich zeigende Vertrauen
Vieler zur That führen werden.
Und so lege ich <an> So wage ich den Plan zum
Verein aller deutschen Frauen u Jung-
frauen für entsprechende früheste Kindheit-
pflege Ew Königl Majestät Huld u Gnade
zu allerhöchster Prüfung wie zur begründenden u befördern-
den Mitwirkung allerunterthänigst vorzulegen[.]
Daß sich die Gründung dieses Werkes
an die Feyer des Jubelfestes der Erfin-
dung der Buchdruckerkunst, zugleich als
ein Denkmal u Dankeszeichen der
Frauen[-] u Kinderwelt anschließe
erschien als ein günstiges Zusammen-
treffen u in größerm Lebenszusammen-
hange. Die Kinder- u die Frauenwelt
empfing die Seegnungen dieses Himmelsge-
schenkes in gleich reichem Maaße; darum muß
ist in beyden das Bedürfniß des Dankes sich regen
Wie kann sich dieser angemessener kund
geben als dadurch daß, wie die Buchdruckerkunst
das geistige Licht in alle Welt ausströmt
die Frauenwelt in geeinter Gemein-
samkeit Liebe u ächte Lebenspflege
der Kindheit Kinderwelt bringe u die Kinder-
welt in solche wahre Pflege des in ihr ruhenden
göttlichen Licht u Leben zur Freude Aller offenbare.
In tiefster Ehrfurcht Ew Majst Allerunterthänigst
wohl begründet. Denn allgemein spricht sich die
Überzeugung aus daß d Erfindung dBuchdruckerkunst
für d Menschheit im Ganzen wie für d Einzelnen beyer Geschlechter
bis zum Geringsten u Kleinsten Bestreben, dadurch ihren allseitigen Einfluß
auch auf die Entwickelung d weibl Lebens u d Kindheit, eines der
wichtigsten Geschenke d Vorsehung äußert .Wie kann sich aber der
Dank dahin angemessener kund geben als wenn, gleich
wie d Buchdruckerkunst d geistige Licht in alle Welt trägt, die
Frauenwelt in geeinter Gemeinsamkeit Liebe u ächte
Lebenspflege d Kindheit bringe, daß <-> auch diese in klarer
u wahrer Lebensentwicklung für jene hohe Gabe sich
dankbar beweise
In tiefster Ehrfurcht
[Folgender Abschnitt *-* vollständig gestrichen]
[*] und diese in Stand gesetzt durch wahre Erziehung früher an[-]
gemessene Befriedigung ihrer Thätigkeitstriebes
in Stand setze für jene hohe Gabe in reiner Entwicklung sich dankbar
zu beweisen.
Möge es Ew Königl Majestaät gefallen über das übrige beyliegende
selbst zu verfügen [*] /
[22]
Daseyn und Leben, ein Leben welches durch
schaffenden Thätigkeits- durch Beschäftigungs-
trieb früh schon den Menschen als Kind zum
Bewußtseyn seiner selbst führt ist das
höchste Geschenk Gottes an den Menschen;
das Leben selbst. Den Gebrauch welchen
der Mensch von seinem Leben macht
muß dafür ein steter Dank gegen Gott
seyn; zunächst kann sich aber besonders
von Seiten der Eltern dieser Dank aus
kund thun in der Beachtung und Pflege
dieser Himmelsgabe; zu diesem Danke
wie zu dieser Beachtung, Pflege und Anwen-
dung dieses Gottesgeschenkes kann aber
der Mensch nicht früh genug angehalten
werden. Dieß ist die Grundlage mei-
ner erziehenden Bestrebungen in Beziehung
auf die frühe und angemessene Beachtung
und Pflege des Lebens- und Thätigkeits-
triebes im Kinde, und es ist dieß ge-
wiß der Keim ächter Erziehung des Kindes.
Doch wenn der Frühling kommt und das Leben
des Keimes zur Wirksamkeit u Thätigkeit
gerufen werden soll, so schränkt sich
weder die Sonne noch der laue Früh-
lingshauch durch das höchste Lebensgesetz
welches beyde in sich tragen und aus-
führen darauf ein nur ein einziges
Pflänzchen, oder auch nur vereinzelt
stehende [nicht] blühend und zuletzt fruchtend zu
machen sondern der weckende Frühlings-
hauch und der wärmende Sonnenstrahl /
[22R]
ruft alle schlummernden Keime ins Leben
entwickelt alle noch verschlossenen Knospen;
Sollte nun der Mensch in Beziehung auf
seine Kinder den Gottes Wegen die uns
Natur- und Wortoffenbarung gleich klar
kund thun nicht gleichfalls nachgehen und
frühe den Lebens- den Thätigkeitstrieb
der Kinder wenn für sie ihre Keim- und
Knospenzeit angetreten ist allgemein
und gleichmäßig pflegen? – pflegen durch
den erweckenden Lebenshauch, - pflegen
durch die sich im Kinde so gern in That äußernde
Liebe? – Dagegen muß man sehen
wie so häufig der ursprüngl allseitige von Gott
(dem Menschen) zur allseitigen Erfüllung (seiner) ihrer
Bestimmung gegebene Lebens- und Thätigkeits[-]
trieb der Kinder durch Unkunde der selbst von den
Müttern mindestens durch unverständige
Wärterinnen in Fesseln geschlagen auf Geist
und Körper schwächende Weise zur Un[-]
thätigkeit herabgezogen oder die Thätigkeit
der Kinder auf eine solche Weise geleitet
wird.
Dieß weckte den Gedanken einer allge-
meinen Musteranstalt sowohl zur
Behandlung und Erziehung
Pflege der Kinder (indem That, Anschauung
u Beyspiel mehr als Belehrung u Worte fruchten)
als zur Pflege Bildung von Kinderpflegerinnen
für die verschiedenen Altersstufen und
Lebensverhältnisse oder zu Vorsteherinnen
von Kleinkinderanstalten.
Diese Anstalt aber soll sie den an
sie zu machenden Forderungen genügen
muß eine umfassende muß sicher
gegründet seyn. Wie ist beydes zu anders
zu erreichen als durch die Einigung Vieler /
[23]
von gleicher Lebens Einsicht durchdrungen.
An wen könnte ich mich nun in dieser
wichtigen und großen Angelegenheit der Kindheit
nun vertrauensvoller wenden als
an die treue Mutterliebe, an das edle fromme
Frauengemüth vor allem deutscher Frauen
u Jungfrauen, indem ja in der Aus-
führung einer solchen Anstalt die höchsten
religiösen wie die heiligsten Lebens-
pflichten erfüllt werden. Ja der Glaube
die Überzeugung dringt [sc.: drängt] sich auf, daß auf
ein Land die reichsten Seegnungen des Him-
mels einfließen würden wo der Le-
bens- und Thätigkeitstrieb der Kinder
besonders in der Masse des Volkes
frühe auf die angemessene Weise
beachtet u geleitet <-> würde. An wen
könnte ich mich eher wenden p. Der Um[-]
fang des Planes müßte aber auch
die allgemeine Mitwirkung selbst
für das deutsche Kinderliebende
deutsche Jungfrauen Gemüthe möglich
machen. Und so w
Und so wage ich Ew K M. ange[-]
schlossen einen Plan für Ausführung
des dargelegten, Werkes allerunter[-]
thänigst zur Prüfung vorzulegen und
sollte er sich allerhöchst Ihrer Königl Bey-
stimmung erfreuen demselben Ew K. M.
allergnädigsten u huldvollsten förder-
lichen
allerunterthänigst zu
empfehlen[.] /
[23R]
Daß sich das Ganze an die Feyer
des Jubelfestes der Erfindung der
Buchdruckerkunst zugleich als ein
Denkmal und Dankeszeichen der Frauen-
und Kinderwelt anschließe erschien
mir als ein sehr günstiges Zusammentreffen
indem ja die Kinder- wie die Frauen-
welt die Seegnungen dieses Himmelsge-
schenkes in so reichem Maaße empfingen.
In tiefster Ehrfurcht
Ew. Majestät
allerunterthänigster

Die Kinder[-] u Frauenwelt empfing [durch den Buchdruck] <in reichem> Maaße. Darum
(auch das) in beyden das Bedürfniß des Dankes. Wie
kann sich dieser angemessen kund geben, als daß
die Frauenwelt, wie die Buchdruckerkunst das
geistige Licht nach allen Seiten hin ausströmt, in geeinter Gemeinsamkeit
Liebe u auch Lebenspflege auf wahr der Kindheit bringe
u die Kinderwelt in solcher Pflege das in ihr
ruhende göttl[iche] Licht u Leben (rein u schön) zur Freude Aller entfalte.