Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 7.6.1840 (Keilhau)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 7.6.1840 (Keilhau)
(UBB 107, Bl 333-334, Brieforiginal 1 B 4° 3 ½ S.)

Keilhau bey Rudolstadt am frühen klaren Morgen des lieben
Pfingstfestes 1840.


Des hohen Gottes Geistes friedige und freudige Lebenseinigun[g] Dir
Langethal und Euch allen!

Wie so sehr gern feyerte ich dieß, in diesem Jahre durch die Natur
sellten, selten schöne Fest mit Dir und Euch allen. Die Himmels Reine
und der durchsichtigen Sonnenglanz läßt sich gar nicht beschreiben mit welchem
der heut[i]ge Tag geschmückt ist. Wie so gern wäre ich im Freyen, doch die Forderung
des begonnenen Werkes fesselt mich an den Schreibtisch[.] Middendorff arbeite[t]
schon seit 3 Uhr. Vorgestern haben wir die ganze Nacht hindurch bis 3 Uhr ge[-]
arbeitet um das Werk zu fördern. Allein der Himmel scheint es auch sicht[-]
bar zu seegnen. Eigentliche Stimmen dagegen sind mir auch gar nicht bekannt ge[-]
worden im Gegentheil spricht sich nach jeder Seite hin wo der Gegenstand be[-]
sprochen wird das lebhafteste Interesse dafür aus. Dieses ist es nun auch was
mich jetzt bestimmt Dir zu schreiben. Gestern Abend habe ich einen sehr eingeh[-]
enden Brief von dem Rath oder Senator Becker in Gotha mit dem Donnerstags
Stück No 151 des Allgem: Anzeigers erhalten worinn der Aufsatz ohne
Zweifel von Becker selbst über die Unternehmu[n]g enthalten ist; ich beeile
mich nun Dir diesen mitzutheilen. Es ist dieß die erste öffentliche Stimme oder
vielmehr die erste Stimme welche sich öffentlich darüber ausgesprochen hat und
darum für die Sache so wichtig. Meine beyden Sendungen wirst Du nun
hoffentlich nach einander und in der Folge wie sie abgeschickt wurden erhalten
haben: erstlich das Packet mit 15 Ex: Plänen zum Kindergarten und 30
Ex: Unterzeichnungsscheinen. Dann ein Rudolstädter Wochenblatt welches
die erste öffentliche Anzeige von uns über diesen Gegenstand enthält. /
[333R]
Ich kann Dir jetzt über den Fortgang der Sache weiter gar nichts sagen
als das dieselbe sehr guten Anklang allgemein zu finden scheint und
das höchste zuversichtliche Vertrauen ja den festen Glauben an das Durchge[hen]
des großen Lebensplanes habe. Dafür haben sich ausgesprochen - Dr Nebe,
Kern, Dr Scheidler, L. Marezoll, die Herausgeberin der Frauenzeit[un]g jetzt Frauen[-]
spiegel. Diese werden öffentlich dafür eintreten. Versandt ist die Sache an die
Redaction der allgem. Leipziger Zeit[un]g, an die Hanauer Zeitu[n]g. An die Abendzeit[un]g von Th. Holl, und an die Waimarsche Z[ei]tung rc[.] Und v. Leonhardi
ist aufgefordert
worden in der allgem: Augsburger Zeitung und in Süddeutschen Blättern dafür
zu wirken. Doch wozu alles dieß jetzt die Sache muß sprechen und der Erfolg
schreibe mir darum recht bald Deine Ansicht vom Ganzen und die Wirkung des
Gedankens in Deinen Umgebungen. Der Gedanke ist das Leben in seinen innersten
Tiefen und Wurzel[n] erfassend und es wäre auf das Höchste wichtig wenn die Schweiz
die Schweizer Frauenwelt in die Pflege desselben einginge, er würde seyn als käme
ein neuer Frühling über die Schweiz. Die Schweiz würde dann in menschheitlicher
Hinsicht werden wie bey uns die Landschaft an einem so glanzhellen Frühlings-
Tag wie der heutige. Auch in Deutschland erwartet man selbst, was
merkwürdig ist - wohl wegen der dort herrschend[en] Lebensfrische - viel
von der Pflege des Gedankens in der Schweiz. Worin sich alles hier
Ausgesprochene einigt ist, daß der Gedanke groß sey, daß er Menschen-
beglückend seyn würde und besonders Seegen bringend für Deutschland
würde er wirklich werden.- Obgleich der Gedanke mir eben erst ins
Leben getreten ist, so sind doch schon 14 Unterzeichnungen aller Stände ein[-]
gegangen.-
Doch das Wichtigste hätte ich bald vergessen, Du erhältst hier einen /
[334]
Brief ohne Adresse, er ist von der Fr: v. Ahlefeld und für Wil[-]
helm
Clemens
bestimmt. Du kennst dessen Anliegen und diesen
wie ich von der Fr: v. Ahlefeld höre betreff[en]t rc. Grüße ihn und wünsche
ihm Glück und Seegen von meiner Seite zu seinem Unternehmen. Habe er
das Werk einmal begonnen so solle er nun nur nicht auf halbem Wege
stehen bleiben. Mittel u Wege wie Kraft zur Ausführung würde er
gewiß dann auch erhalten auch sein Ziel erreichen wenn [er] nur das Werk in der höchsten
Lebenseinigung, in Einigung mit der ewigen Lebensquelle beh begänne und festhielte.
Nur wenn sein Unternehmen ein gotteiniges Fundament habe könne er
zum Frieden seines Geistes und zur Freudigkeit seines Herzens wie zum Glück
seines Lebens sein Ziel erreichen allein unter dieser Bedingung, doch nur einzig
und ganz ausschließend unter dieser Bedingung allein. Die Natur aber solle
er zu diesem Zweck tief ständig wie das Leben streng beachten und beobachten
denn in beyden spreche Gottes Stimme allein auch in der Wort[-] u Schriftoffen-
barung dieses alles in Einklang mit der stets fortgehenden Offenbarung im eignen
Innern im eigenen Gemüthe ergänzen und erklären sich gegenseitig.
Wenn er eines von diesen 4 unbeachtet lasse so könne er in Schwanku[n]gen
und Störungen [kommen,] welche das Leben zu vernichten scheinen. Wenn diese aber
eintreten solle er nur gleich im Leben in seinem Leben forschen nach wel[-]
cher Seite hin er unachtsam gewesen sey und den Fehler sobald er ihn
entdeckt verbessern. Sogleich würde er auch wieder wie friedig u freudig
so kräftig und zum Ziele führend seyn.-
Aber noch ein sehr wichtiger Punkt wegen Christian Friedrich: Die Fr
von Ahlefeld hat uns gebeten doch ja auf ihre Rechnung dafür Sorge
zu tragen - doch still ohne daß er es gerad weiß - daß er nicht in /
[334R]
die Entwickelung seines Lebens störende Geldverlegenheit komme[.]
Nach Ihrer Rückkehr von einer großen Reise nach Niederschlesi[e]n
die sie jetzt antritt wird sie alles berichtigen. Keiner der
Clemense soll ihr jetzt schreiben weil die Briefe enormes Postge]l]d
bis zum Orte ihrer Bestimm[un]g kosten auch dort erst spät ankomm[e]n würden.
So wüßte ich nun weiter nichts Wesentlicheres als unter den herzlichsten Grüßen
von allen und an alle die Wiederholu[n]g des Wunsches schreibe bald
DFrFr.