Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Maria Leopoldine, Königin von Sachsen in Dresden v. <10.6.>1840 ( Blankenburg)


F. an Maria Leopoldine, Königin von Sachsen in Dresden v. <10.6.>1840 ( Blankenburg)
(BN 294, Bl 3-4, hier: 3V Mitte bis 4V Mitte, undat. Entwurf 8° 2 S., Adressat durch Anrede gesichert. Es handelt sich um den ersten Entwurf. In BN 735, Bl 31-32, hier: 31R u. 32V befinden sich zwei ausführlichere Entwürfe: 2. Entwurf Bl 32V fol 1 S., 3. Entwurf 31V-31R fol. 1 ½ S.Entwurf, dort genauere Datierung durch Kontextbriefe möglich, die auch für den 1. Entwurf übernommen wird. Der Text auf 32R mit Titel „Was fordert ächte Kindererziehung?“ gehört nicht zum Briefentwurf)

a) 1. Entwurf

Eure Königl[iche] Hoheit
möge huldvoll am Tage Ihrer glücklichen
Niederkunft die aufrichtigste Theilnahme
deutscher Erzieher u Kinderfreunde an ihrer [sc.: Ihrer]
so tiefgegründeten Mutterfreude empfangen.
Nur der wie Ew Königl Hoheit die Wahrheit
u die Begründetheit des Gedankens tief empfindet
was von Einem einzigen Menschen u Wesen,
ja eines einzelnen Kindes schon als Erderscheinung abhängt
für das Wohl nicht nur eines ganzen lebenden
Menschengeschlechtes, sondern sogar für /
[3R]
[das gesammte Menschengeschlecht]
kann die Wahrheit u Aufrichtigkeit
ächter Erzieher u Kinderfreunde an den neu auf[-]
knospenden Mutterfreuden empfinden.
Möchte sich nun den unterthänigst vertrauensvoll Un[-]
terzeichneten die Wahrheit des so eben aus[-]
gesprochenen sogleich durch die huldvolle
Theilnahme Annahme aussprechen welche
Ew Königl Hoheit, veranlaßt d[urc]h die Allerhöchst Ihnen
von Gott von neuem geschenkten Mutter[-]
freuden an dem Wohl u der Erziehung deutscher
Kinder u an der Allgemeinen Verbrei-
tung ächter Familienerziehung d[urc]h entsprechende
Kinderpflege, durch unterzeichnung
zu einem dafür auszuführenden
Werke nehmen worüber die unterthänigste
Beylage weitere Auskunft giebt, denn
die ächte Kindheit, die Menschheit u deren
Pflege u diese die Pflege des
Göttlichen im Kinde scheidet keine irdische
Grenze – im ächt christlichen Sinne[.] /
[4]
In tiefster Ehrerbietung ersterben
wir
Ew Königl Hoheit
aller unterthänigste
[Unterschrift fehlt]

[NB] Möchte SieHöchst dieß bestimmen Theil
an einem diesem Gewidmeten Werke
zu nehmen[.]
Möchte Höchstsie dieß bestimmen ein
diesem Gewidmetes Werk d[urc]h aller[-]
höchst Ihre huldvolle Theilnahme
daran wesentlich zu fördern[.]

b) 2. Entwurf

[32V]
EW Königl Hoheit

möge huldvollst am Tage höchst Ihrer glücklichen
Niederkunft auch die aufrichtigste Theilnahme
deutscher Männer u Gemüther Frauen; deutscher Er-
zieher u Kinderfreunde an höchst Ihrer so tief gegrün-
deten Mutterfreude empfangen.
Ew Königl Hoheit empfindet gewiß jetzt die
tiefe Wahrh[ei]t des Gedankens: daß von einem
einzigen Menschen, ja von einem neugebornen Kinde
das Wohl nicht nur einer ganzen Generation Menschengeschlechtes
sondern das Heil des mehrerer Geschlechtesr ganz[er] Menschengesch[lechter] abhangen könne
u darin wird Sie die aufrichtige werden höchst Sie die lebenvolle
Theilnahme ächter Erzieher u Kinderfreunde
an Ihren nun aufknospenden Mutterfreuden
begründet erkennen.
In der hohen Bedeutung des Menschen-
wesens, in der Wichtigkeit seiner frühesten
angemessensten Pflege, in dem Ver-
trauen zu Ew Majestät Königl Hoheit hohe h[öchst] ihre Einsicht u
huldvolle Menschengüte ist es begründet
daß wir es wagen Ew Königl Majestät Hoheit
allerunterthänigst einzuladen ein allgemeines
ErziehungsWerk der Erziehung deutscher Kinder
durch gnädigste Unterzeichnung zu fördern; denn die
ächte reine Kindheit u deren Pflege; die
Pflege des Göttl[ichen] im Kinde in ächt
christl[ichem] Sinne wird ja durch keine Grenze
geschieden.
Über das tiefbegründete u von so allseitigen
Bedürfniß geforderte Erziehungswerk giebt
die allerunterthänigste Beylage weite Auskunft[.]
Mögen sich Ew Königl Majestät Hoheit sich dadurch
bewogen finden auch aus der Ferne das
wichtigste Streben des geliebten Vaterlandes – An-
bahnung angemessener frühester ächter Kindheitpflege -
durch allerhöchst Ihre huldvolle Theilnahme
den reifen Seegen bringend zu unterstützen.
u so mittelbar das Wohl der Jugend ihres [sc.: Ihres] zweyten
jetzigen zweyten Vaterlandes ange zu begründen
durch heimisch machen ächt <germanisch> Christlich[en]
Gottvertrauens, Selbstvertrauens u vor allem
wahren Familiensinns - /

c) 3.Entwurf

[31]
Ew Königl Hoheit

möge huldvollst am Tage höchst Ihrer
glückl[ichen] Niederkunft auch die aufrichtigste
Theilnahme deutscher Männer u Gemüther
deutscher Erzieher u Kinderfreunde an höchst
Ihrer so tief gegründeten Mutterfreude
empfangen.
(Nur der, welcher wie) Ew Königl Hoheit
die tiefe Begründung die Wahrheit des
Gedankens in seinem ganzen Umfange
empfindet daß von einem einzigen
Menschen u Wesen, ja von einem neugebornen
Kinde schon als Erderscheinung für das Wohl
nicht nur eines ganzen lebenden Menschen-
geschlechtes ganzen sondern sogar für das Heil des
Menschengeschlechtes (hervorgeht u) oft soviel abhängt,
kann die lautere Wahrheit u innige
Aufrichtigkeit lebenvoller Theilnahme
ächter Erzieher u Kinderfreunde an
den neu aufknospenden Mutterfreuden
empfinden versicher[n].
Möchte sich nun den vertrauensvoll
Unterzeichnenden die Wahrh[ei]t des so eben
Ausgesprochenen durch die höchst huldvolle
Beachtung beurkunden, welche Ew König-
liche Hoheit, (veranlaßt durch die allerhöchst
Ihnen von Gott neu geschenkten Mutter-
freuden) an dem Wohl u der Erziehung auch
deutscher Kinder u an der allgemeinen
Verbreitung ächter Familienerziehung nehme (durch ent-
sprechende Kinderpflege)
dieß Vertrauen ermuthigt uns Ew Königl Hoheit
zur Unterzeichnung p einzuladen durch Unter-
zeichnung zu einem dafür auszuführenden
Werke nehme, indem ja die ächte Kindheit
die Menschheit u deren Pflege u so die Pflege
des Göttl[ichen] im Kinde selbst nach u in ächt
christl[ichen] Sinne durch keine irdische Grenze
geschieden wird; Möchte Ew Königl /
[31R]
Hoheit dieß bestimmen, dieß Werk (ein diesem ge-
widmetes Werk) , von welchem die aller-
unterthänigste Beylage weitere Auskunft
giebt, durch allerhöchst Ihre huldvollste
Theilnahme daran, wesentl[ich] zu fördern.
    In tiefster Ehrerbietung ersterben wir
         Ew Königl Hoheit
         allerunterthänigst.
Der Verein zur Ausführung
eines deutschen Erziehungswerkes
durch deutsche Frauen u Jungfrauen
für denselben: