Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Seminardirektor <Kern> in Hildburghausen v. 10.6.1840 (Blankenburg)


F. an Seminardirektor <Kern> in Hildburghausen v. 10.6.1840 (Blankenburg)
(Brieforiginal nicht überliefert; 2 Dokumente, ein vollständiger u. datierter Entwurf in BN 735, Bl 30-30R fol 2 S. und ferner ein undatiertes Reinschriftfragment im BlM X,8, Bl 119, hier: 119V, fol 1 S. Beide Dokumente enthalten keinen Adressatnamen. Es könnte sich um Seminardirektor Kern in Hildburghausen handeln, den F. im Brief an Langethal v. 3./8.1.1842 erwähnt und bereits kannte. In Frage käme evtl. noch Seminardirektor Otto in Dresden.)

a) Entwurf (BN)

Herrn Seminardirector

Blkb 10 Juny 1840
Ew Wohlgeboren werden uns wie wir zuversichtl[ich] hoffen,
nach Einsicht u Prüfung des beyliegenden Planes die Zusen-
dung desselben u die ergebenste Bitte um geneigte
befördernde Mitwirkung zur Ausführung des darin
Dargelegten, dem reinsten Streben nach wahrer Begrün-
dung ächten Menschenwohles entkeimten Gedankens,
gütigst verzeihen.
Der Zweck des Ganzen ist: den Gedanken der frühen
dem Menschenwesen entsprechenden Kindes- und Kindheit-
pflege, besonders durch angemessene, allseitig entwickeln-
de u stärkende Pflege des Thätigkeitstriebes u allsei-
tig entwickelnden u stärkenden tigen Lebens- u Beschäf-
tigungsweges der Kinder allgemeiner, möglichst
allgemein zu machen; eine solche Kinderpflege, über-
all, wo nur Kinder sind, den Forderungen der Mensch-
heitsentwicklung getreu zu fördern und für werk-
thätige Ausübung zu einigen.
Ebenso glauben wir, daß vor allem das Erziehungs-
wesen
Grund u Fug habe der 400jährigen Jubelfeyer der
Erfindung der Buchdruckerkunst ein würdiges
, d.i. ein
einfaches, den Keim der Fortentwickelung zur Vollen-
dung des Menschengeschlechtes bleibend in sich tragendes
u dahin führendes Denkmal zu setzen.
Auch schien es uns, wie in der Natur der Sache, so
in dem Entwickelungsgange des Menschengeschlechtes
zu lieg und der gegenwärtigen Stufe desselben zu
liegen, daß das Denkmal von den Frauen und
Jungfrauen ausgehe, durch sie begründet u ausge-
führt werde.
Die tief gegründete Wahrheit des Ganzen ermuthigt
uns nicht allein Ihnen die Übersendung zu machen /
[30R]
sondern Sie auch vertrauensvoll zu bitten, mit den Ihnen in
Ihren verschiedenen Lebens- berufl[ichen] u überhaupt
Wirkungskreisen zu Gebot stehenden Mitteln
für die Ausführung einer Unternehmung gütigst mit
zu wirken, welche im Kleinsten, Unscheinbarsten
u Vergänglichsten das Bleibendste, Wesentlichste
u Größte zu pflegen, zu entwickeln und
zu begründen strebt. –
Da wir hoffen, daß dGegenst[an]d lebenvoll und
eingreifend genug für sich selbst spricht, und
zwar durch der Kinder Mund u aus dem Kinder-
leben, so fügen wir nichts mehr hinzu, als daß
uns mehrseitig von den achtbarsten u stimmberechtigsten
Männern u Frauen die thätigste Mitwirkung aus tiefer
Überzeugung von der Wahrh[ei]t Wichtigk[ei]t der Sache zugesagt worden
ist. Doch ein solches Werk wie das vor uns liegende
kann nur durch die innige u vertrauende Mitwirkung
Vieler entstehen u nur durch diese die nothwendige
Vollendung erhalten.
Wir bitten nur, daß es Ihnen gefallen möge uns von der
<evt> Ihr[en] gütigen Mitwirkung in Kunde zu setzen, so wie
wenn Sie zur weitern Förderung noch Pläne zu haben wünschten.
Mit Vergnügen ergreifen wir diese Gelegenheit Ihnen die ausgezeich-
nete Hochachtung auszusprechen mit welcher wir <uns> Ihnen erlauben
uns zu unterzeichnen
dVerein p.
        FFr

b) Reinschriftfragment (BlM)

[119]
         Wohlgeborner Herr,
Hochverehrter Herr Seminardirector!

Ew: Wohlgeboren werden uns, wie wir zuversichtlich hoffen, nach Einsicht und Prüfung
des beyliegenden Planes die Zusendung desselben und die ergebenste Bitte um geneigte
befördernde Mitwirkung zur Ausführung des darin Dargelegten, dem reinsten
Streben nach wahrer Begründung ächten Menschenwohles entkeimten Gedankens
gütigst verzeihen.
Der Zweck des Ganzen ist: den Gedanken der frühen, dem Menschenwesen entspre-
chenden Kindes- und Kindheitpflege, besonders durch angemessen, allseitig entwickeln-
de und stärkende Pflege des Thätigkeitstriebes und allseitigen Lebens- und Beschäftigungs-
dranges der Kinder allgemeiner, möglichst allgemein zu machen; eine solche Kinderpflege
überall wo nur Kinder sind, den Forderungen der Menschheitsentwickelung getreu
zu fördern und werkthätig dafür zu einigen.
Ebenso glauben wir, daß vor allem das Erziehungswesen Grund und Fug habe
der 400jährigen Jubelfeyer der Erfindung der Buchdruckerkunst ein würdiges, d.i.
ein einfaches, den Keim der Fortentwickelung zur Vollendung des Menschengeschlech-
tes bleibend in sich tragendes und dahin führendes Denkmal zu setzen.
Auch schien es uns wie in der Natur der Sache, so in dem Entwickelungsgange des Men-
schengeschlechtes und der gegenwärtigen Stufe desselben zu liegen, daß das Denkmal von
den Frauen vor allem von den deutschen Frauen und Jungfrauen zur Begründung einer solchen
beachtenden ersten Kindererziehung ausgehe, wie durch sie ausgeführt werde. [Text bricht ab]