Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 6.7.1840 (Blankenburg)


F. an Johannes Arnold Barop in Keilhau v. 6.7.1840 (Blankenburg)
(KN 56,1, Brieforiginal 1 B 8° 2 ½ S. +Adr.)

Blankenburg am 6 July 1840

Guten Morgen lieber Barop.

Warum ich so früh zu Dir komme ist, weil ich gestern abend über
die verschiedenen Mittheilungen anderer Art vergessen habe einen
Gegenstand zur Sprache zu bringen welcher mir für uns alle sehr
wichtig erscheint; es ist dieß Lomatzsch[es] Predigt in so fern solche ge-
druckt werden soll und namentlich der sich darinn befindliche
sich im guten wie im üblen Sinne auf so viele Persönlichkeiten u
Örtliches beziehende Theil.- Ich bin von mehreren Seiten auf das
Unstatthafte aufmerksam gemacht worden schon daß es Lomatzsch
in so persönlicher Form auf die Canzel gebracht habe; nun das ist
geschehen ist im engeren Kreise geschehen also mag dieß an
seinen Ort gestellt seyn. Nun aber alle diese Persönlichkeiten
und Örtlichkeit[en] gedruckt werden, das kann ich unmöglich in vielfacher
Hinsicht gut heißen. Ich habe mich gestern sehr bestimmt gegen
Herrn Lomatzsch ausgesprochen, er ist natürlich ganz entgegenge-
setzter Meynung, dieß kann bey einem Gegenstand den wir mit
ganzer Hingabe ausgearbeitet haben gar nicht anders seyn; allein
ein anderes ist die Sache an sich. Da ich nun seit meiner Rückkehr
nach Blkbg wieder auf diesen Gegenstand und zwar durch Äußerungen
von Punkten aus die wohl ein Urtheil dafür haben aufmerksam
gemacht werde, so hielt ich es für meine Pflicht auch Dich und Euch
nochmals bestimmt zur Prüfung der Sache aufzufordern. Erstlich
scheint es mir daß noch Manches in dieser Sache vor Abdruck ab-
geändert werden kann; zweytens wirkt wenigstens ein Unangenehmes /
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nicht ganz so nachtheilig wenn wir darauf vorbereitet sind.-
Ihr könnt nun die Sache besprechen ohne L mich, Lumatzsch [sc.: Lomatzsch]
kennt meine Ansicht und Gründe: - die Rüge bessert auf diese
Weise nicht sondern sie erbittert - das Lob Anderer verknüpft
diesen [sc.: diese] Andere nicht sondern entfernt sie s wohl gar, wie uns selbst
so dünkt es mich das Leben gezeigt hat[.]- Und warum sollen wir
nun durch den Druck Andere in den Mangelhaften Zustand g un-
seres größeren Familienlebens - das ist doch am Ende unser
Dörflichesleben und das Leben in unserem ganzen Pfarrspiele -
hineinblicken lassen. Ein gewöhnliches Sprichwort sagt: wer
sich die Nase abschneidet beschimpft sich sein ganzes Gesicht und
zuletzt sind wir ja doch und selbst nach unserer eigenen Ansicht
und Überzeugung mitsammt der Erziehungsanstalt Glieder dieses
Pfarrspieles.- Middendorff war auch dabey als ich mit Lomatz[sch] sprach
und so kann er mich wenn es nöthig seyn sollte vertreten. Auch
gegen Kohl habe ich des Gegenstandes schon erwähnt und er selbst
schien nicht ganz gegen mich. Darum wenigstens noch vorher Be-
sprechung wo es noch eben Zeit ist.
Nun das Zweyte. Du gehst mit Kohl heut nach Rudolstadt.
Ich habe in der Druckerey einige Hundert besondere Abdrucke
der Anzeige des der Festschrift bestellt. Lasse Dir doch aus der
Buchdruckerey 50 Stück geben und lege jedem der Briefe
der Zöglinge oder den Zuhörern eine bey ebenso wenn sonst
Ihr - Du - Middendorff, Kohl - Lomatzsch - Grimme Briefe schreibt
auch nach Westphahlen; solltest Du an einen ½ Hundert nicht genug [haben] /
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nun so lasse Dir 3/4 Hundert geben oder was Du glaubst zu bedürfen.
NB! Middendorff soll ja nicht vergessen durch Euch ein
paar Zeilen an die Fräulein E. Heubel zu schreiben.
Solltet Ihr zu Schüler, oder vielleicht auch zur Prinzeß gehen
gienge es nicht an auch diesen jeden einige Exemplare
der Anzeige zu gelegentlichen Einlagen zu übergeben[?]-
Endlich eine Frage ganz unter uns beyde[n].- Indem ich sie aber
niederschreiben will erheben sich in mir große Zweifel dagegen;
doch sie steht angezeigt so will ich sie auch aussprechen:- Wie wäre
es wenn zum Geburtsfest unserer Emilie einige Kinder aus dem
hiesigen Kindergarten die Eurigen besuchten?- Doch wie gesagt hätte
die Frage nicht schon gestanden, hätte ich sie nicht ausgesprochen.
Mit dem herzlichsten Morgengruß

D uEFrFr. /
[2R]
[Adresse:]
Herrn J A Barop
 in
        Keilhau
frey!