Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 30.8.1840 (Blankenburg)


F. an Wilhelm Middendorff in Keilhau v. 30.8.1840 (Blankenburg)
(KN 56,2, Brieforiginal 1 B fol 2 S. + Adr. - Der Brief hat folgenden Aufbau: Er beginnt auf 1V oben mit einem Zeugnisentwurf für Karl Scheider von F.s Hand. Aus dem eigentlichen Brief an Middendorff geht hervor, daß Middendorff das Zeugnis ins Reine schreiben soll, F. wolle es dann am Abend siegeln und unterschreiben. Wegen der Dringlichkeit soll die Arbeit ansonsten von Barop ausgeführt werden.)

a) Zeugnisentwurf

[1]
Daß der Predigtamtscandidat He Karl Scheider aus Ebenhards
bei Hildburghausen seit dem 19. Novbr. v. J[.] in den hiesigen Bildungs-
Anstalten sich aus Liebe zum Gegenstande mit dem Studium und der Ausübung
der frühern Kindheitpflege alles Fleißes und allen Ernstes beschäftiget und sich nicht
allein dieselbige sowohl theoretisch als u praktisch für eigene Ausübu[n]g <nöthig> klar angeeignet, wie sich
in dessen Aus Ausarbeitungen darüber zum Theil darüber <verschiedentliche> Abhandl[un]g[e]n> klar <zu erkennen> <läßt sich> <ist> bestimmt aussprech, <sondern> daß er
überhaupt angelegentlich das Studium der Pädagogik <wie> der pädagogischen Schriften
zum Gegenstand seines Fleißes gemacht hat, so wie daß er in dieser Zeit in jeder
Beziehung ein des Erziehens würdiges u musterhaftes sittl. Betragen be-
wiesen; dieß wird demselben gern der Wahrheit gemäß mit dem
besonderen Bemerken bezeugt, daß, obgleich hier keineswegs die Wirk-
samkeit in einer Lehranstalt gefordert wurde, die Befähigung dazu sich doch
in dessen Kinderbehandlung bestimmt aussprach.
Blkenbg bey Rudolstadt am 30t August 1840.       [*gezeichnetes
                    Siegel*]
           FriedrichFröbel
Gründer u Vorsteher der hiesige Bild[un]gsanstalten
zur Pflege des Beschäftig[un]gstriebs der Kindheit & Jgd.

b) Brief

[1]
Lieber Middendorff

Gestern noch sagte mir Herr Scheider, daß er jetzt sein Zeugniß noch nicht wolle,
jetzt sagt er mir daß er so eben Befehl erhalten habe es schnell einzusenden,
darum will er es nun morgen selbst mitnehmen. Ich bitte Dich daher, aus
den bekannten Gründen es bis gegen Abend abzuschreiben wo es dann
Herr Scheider persönlich bey Dir abholen wird. Besiegeln und unter[-]
schreiben werde ich es hier.
Zugleich übersende ich für Barop Paß und Brief von Frankenberg
welchen ich an diesem Morgen erhalten habe.
Möglich wäre es daß ich diesen Nachmittag nach Keilhau käme.
Sollte Barop heut schon an Frkenbg nach Lübeck schreiben, so soll
er ihm doch melden[:]
1. Alle die Personen, welche Grimme in Hambu[r]g, Bremen oder Lübeck
kennt; es könnte doch wohl seyn daß er mit einer oder der anderen in Ver[-]
bind[un]g käme. 2ens soll er ihm den Kindergarten empfehl[e]n u es ihm heraus
heben, daß er um so mehr u tiefer als es nicht im Worte hervorträt[e] im christlichen
Elemente ruhe. 3ens soll er ihm sagen daß Auguste Ritter eine
Tochter aus dem Döllstädter Pfarrhause 4 Stunden von <H? > Hamburg (wohin
jetzt eine Eisenbahn führt) S die Gattin des dasigen Rectors sey. Besonders soll
Frankenbg in Hamb[u]rg den Dr Riesser aufsuchen welcher dort Notar ist. Auf dem /
[1R]
Rückweg soll Frkenbg in Magdeburg den reform: Prediger
Dr Wilhelm Berger auf suchen. Kennst Du noch die Namen
der Magdeburger Gymnasiasten so kannst Du solche hinzufügen.
Hat Barop nicht Zeit dem Frkenberg diese Notizen zu geben so thue
Du es.
Die Anknüpfungen mit Hambu[r]g Bremen & Lübeck scheinen mir zu
pflegen wichtig wie überhaupt alle stetige Verbindung mit dem
Menschenleben wo sich ungesuchte einfache Gelegenheit dazu
bietet; es scheint mir dieß <wie> alle Beschleunig[un]g und Einigu[n]g
des Lebensverkehres in dem Weltenplan, in dem Entwickel[un]gs-
plane der Erdmenschheit zu liegen.
Blkbg am 30 August 1840

DFrFr.

Ehe sich in der gegenwärtigen Stellu[n]g der Keilhaue[r]
Frauenwelt eine entschiedene Änderu[n]g zeigt glaube
ich wäre es am besten die Luise Frkenbg nach Ro-
thenburg gehen zu lassen. Es ist recht traurig daß
alle diese Frauen kaun [sc.: kaum] so gebildet sind, man weiß
gar nicht was man mit ihnen mach[e]n m soll, wie sie,
wenn sie ganz gebildet, weiblich, ächt weiblich ganz ge[-]
bildet wären, Wohlthäteri[nne]n der Menschheit werd[e]n
könnten. Ich trage wohl in dieser Bezieh[un]g einen Geda[n]k[e]n
in mir allein eben aus diesen Gründ[e]n muß ich ihn tiefer
ruhen lassen. /
[2]
[Adressierung:]
Herrn Wilhelm Middendorff
In dessen Abwesenheit an Herrn Barop
in
Keilhau. /
[2R]
[zunächst leer, nachträglich mit Nichtrelevantem beschrieben]