Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 12.9.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 12.9.1840 (Blankenburg)
(UBB 108, Bl 335-336, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. +Adr.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 12 Septbr 1840


Mein lieber Langethal.

Der Grund meines heutigen Briefes und Schreibens an Dich, ist der bey-
liegende. Er ist von einer [sc.: einem] gewissen Fräulein von Pentz aus dem Mecklen-
burgischen einer früheren Hausgenossin Deines Bruders Christian in Jena.
Durch diesen glaub ich hat sie mehreres von Dir und Deinem Wirken
in Burgdorf gehört, so wie sie sich überhaupt mit mehreren anderen Frauen
Jenas für unser gesammtes so wie auch besonders für unser hiesiges Wirken in-
teressirt. Diese[s] Fräulein Pentz nun hat eine Freundin eine gewisse [sc.: ein gewisses] Fräulein
<Nina von Pahlin> und wie andere Bekanntin Frau Bürgermeisterin Sillem
(jetzt Wittwe) welche gegenwärtig in die Schweiz reisen. Fräulein von Pentz
wünscht nun daß diese beyden genannten Frauen über Burgdorf reisen, Deine
Bekanntschaft machen und Dich dort in Deinem Wirken sehen möchten. Auch wünscht sie,
irre ich nicht, daß Du Ihnen, wenn es im Laufe des Gespräches möglich wäre,
Mittheilungen über den deutschen Kindergarten machen möchtest. Zu all diesen
Beziehungen hat sie nun für angemessen gehalten ausdrücklich an Frl. v. <Pahlin>
zu schreiben ob sie gleich wohl schon früher darüber mit ihr verkehrt haben mag.
Fräulein von Pentz fragte mich nun in dieser Beziehung ob ich nächstens an
Dich schreibe um ein Briefchen an Frl v. Pahlin beylegen zu können; da ich dieß
nun nicht verneinen konnte ich auch nicht bestimmen konnte ob sich nicht irgend
eine Lebensverbindung an die Einkehr bey Dir da und eine Wirksamkeit für das Allgemeine anknüpfen könnte, so
habe ich es für angemessen gehalten in den Wunsch des Frl v. Pentz einzugehen.
Irre ich nicht so kennst Du den Herrn Pastor Wendt in Genf persönlich u
es ist Dir vielleicht lieb mit demselben wieder in schriftlichen Verkehr zu
kommen; wenn Du anders die Beylage an ihn mit einigen Worten begleiten willst. /
[335R]
Was ich zu Deinen Nachrichten von den Gebrüdern Clemens sagen soll, weiß ich wirklich
nicht, ihr Streben erfreut mich von der einen s Seite allein ihre Mittel zum Ziel zu kommen
ihre Geistes- Gemüths- und Thatkraft durchschaue ich nicht genug. Nach meiner Ansicht
sollten sie nach einem gemeinsamen Ziele streben; doch über einen Gegenstand dieser
Art kann man nur nach langem und gründlichen mündlichen und persönlichen Verkehr
urtheilen und so bescheide ich mich gern jedes Urtheils. Allein 3 solche - wie es nicht zu
läugnen ist, kräftige und anlagsvolle Jünglinge und zum Theil bald junge Männer könnten
gewiß wesentliches zur Förderung der Menschheit und des gegenwärtigen Geschlechtes
wirken wenn wenn [2x] sie sich die Begründung und Forderung des Menschheitswohles in
seinem Ausgangspunkte, in der Kindheit und deren Pflege zum Ziel u Zweck ihrer
gesammten Thätigkeit machten. Ich weiß sehr wohl es ist höchst schwierig sich, mit schon
im Wissen u Erkennen klaren Menschen über diesen Punkt zu verständigen, geschweige
denn mit sich erst entwickelnden Jünglingen wenn nicht ein tiefes fast liebendes
gläubiges u vertrauendes Gemüth bey ausdauernd hingegebenen Sinn dazu
kommt. Ich hatte mich in dieser einen Beziehung wirklich recht innig darauf gefreut, daß
mich Carl besuchen würde, um, wenn es möglich gewesen wäre mich über diesen Punkt
zu verständigen, so sorgenvoll ich auch sonst seine Ankunft erwartet indem ich
sagte, wie sehr er sich in dem was er von der Mitwirku[n]g der Fr. v. A. erwarte[-]
te geteuscht haben werde, die derselben würde der gegenwärtige Heyrathsplan
ein, wirklich vernichtendes Schrecken gewesen seyn. Fr: v. A. denkt nicht daran
und ahnet es nicht solche Opfer noch bringen zu sollen welche Carl von ihr erwartet.
Sie hat bey der Sendu[n]g ChristianFriedrichs ihre gegenwärtigen Mittel u ihre
künftigen bis auf lange hin auf das letzte erschöpft; an wem sie wohl noch, wie
ich Dir ja auch schon schrieb, mit thatsächlicher Hülfe denkt das ist ChristianFrdh[.]
Daß Wilhelm von neuem einen Bären in Kirchheim angebunden hat, das /
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wird Fr v. A kaum verstehen und überwinden, auch ich verstehe es nicht,
denn sie hat jeden der beyden älteren Brüder einen Doppelfriedrichsd'or
durch ChristianFrdrich gesandt.- Wann Fr v. A. zurück kommt kann
ich nicht wissen, vielleicht erst spät im Jahr und ich kenne nicht immer den
Ort ihres Aufenthaltes in Schlesien so daß ich gar nichts an sie beförde[r]n kann.
Mir und uns geht es Gott sey dank gut. Alles ist auf Reisen.
Barop seit 10 Tag[e]n über Wunsiedel nach Prag. Middendorff seit 3
Tage[n] über Coburg u Meiningen über u d[urc]h den Thüringer Wald. Frkenbg
Über Leipzig u Magdeburg nach Lübeck Bremen, Hamb[ur]g? Von
letzterem die <fördernsten> Nachrichten.- In einigen Tagen kommt
die Festbeschreibung bey Wetzstein heraus; am besten u billigsten kommst Du
dazu wenn Du Dir solche d[urc]h den Buchhandel besorgen lässest.
Das einzelne Senden kommt gar zu kostbar. Auch Deine Abbone-
ments des Sonntagsbl. werde ich Dir d[urch]h die Buchhandl[un]g zu kommen lasse[n]
oder vielmehr Du thust am besten solche an eine Buchhandlu[n]g in Bern oder
Burgdorf abzugeben, denn ich wie Du haben durch die persönliche Besorgung
nur s Schaden. Es ist am besten es geht alles den natürlichen Buch[h]ändler
Weg. Doch magst Du Dich mir noch besonders darüber aussprechen.
Von den verschiedensten Punkten aus zeigt sich jetzt in Deutschl[an]d
Theilnahme für mein Wirken. In Halle Niemeyer, in Magdeburg
Zerrenner. Selbst bis nach Reval u <Nirtau>, so wie bis nach
Ungarn hin zeigt sich Theilnahme.-
So sey denn Dein wie unser Wirken Gott befohlen. Mit
herzlich[em] Gruß an Ernest[ine,] Ferdinand und an die 3 Clemens
DFrFr. /
[336R]
[Adresse:]
Herrn Heinrich Langethal,
Vorsteher der WaisenhausErziehungsanstalt
in
Burgdorf
Kanton Bern
          Schweiz