Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an J. A. Brockhaus / Redaktion der Allgemeinen Leizpiger Zeitung in Leipzig v. <um> 15.9.1840


F. an J. A. Brockhaus / Redaktion der Allgemeinen Leizpiger Zeitung in Leipzig v. <um> 15.9.1840
(BlM XI,3, Bl 33, hier: 33R-33V, undat. Entwurf 1 Bl 8° 2 S., nach dem Blankenburger Stiftungsfest am 28.6.1840 geschrieben, wahrscheinlich Mitte September 1840, also nach dem Erscheinen der Festschrift-Monographie zum Stiftungsfest, abgefasst. Zum Erscheinungsdatum der Festschrift s. F.an Langethal v. 12.9.1840, 336V.)

[33R]
An die verehrliche Redaction der allgemeinen Leipziger Ztg J.A.Brockhaus Wohlgeboren in Leipzig
Ihre mit so großem Beyfall viel[-] u weitgelesene Zeitung hat in seiner sorgsamen Beachtung alles dessen was auch nur nach dem Keime
zur Förderung von Volkswohlbürgerwohl u Familienglück u Staatenerhebungbeglückung Staatensicherungbelebung in sich trägt meinen und unsern
im Beginn noch so kleine auszuf erhebende allgemein u besonders begründende[s] erziehendes Wirken u Bestreben einige mal seine Aner-
kennende Aufmerksamkeit geschenkt u ihre Mittheilungen darüber auch ein <Räumchen> in ihren Spalten gütig u fördernd
eingeräumt. Wenn nun auch schon die <entwickelnd> beachtende Pflege auch nur des kleinsten Hervorkeimens sich bestrebenden Guten schon seinen Lohn in
sich selbst trägt, so ist es doch auch ganz natürlich wenn die Anerkennung auch den Dank hervorruft, und mich
dünkt wir sollen in allen Beziehungen auch in dem sogenannten Geschäftsleben das menschliche u so auch vor allem wohl auch die Empfindung
des Dankes nicht zurück drängen u wir sollen an deren Stelle nicht eine vornehme sich darüber erhebende Gleichgültigkeit setzen
denn es scheint nun tief in der menschlichen Natur gegründet, daß der Mensch sich dankbar nicht jede Beachtung u Förd[erun]g des Guten
wo sie auch immer nur sich fände <-> und so klein es immer seyn möge Dankbar erkennen u seinen Dank dafür bethätigen soll.
Denn dieser natürl[iche] Ausdruck des Dankes ist selbst wieder wie pflegend belebend, so prüfend fördernd. In dem Sinne dieser innigsten Lebens-
pflege auch in dem Kleinsten, welche hervorzurufen und allgemein zu machen mir als Kindheitpfleger u Erzieher Bestreben u Lebensziel
ist mögen Sie es nun gegründet finden, wenn ich mir erlaube Ihnen die beyliegende Festbeschreibung unserer Gutenbergs<fest>feyer in mehrfacher
Beziehung wie als Zeichen des Dankes, so als Mittel ernster Prüfung zu übersenden. Möchte sich Ihnen in letzterer Beziehung darinn aussprechen
daß dem Ganzen ein in sich einiger Gedanke zum Grunde liegt, wie jeden Würfel u jeder Kugel ein eigner Mittelpunkt; wie aber
in dem Mittelpunkt eines Kreises u einer Kugel sich die verschiedenartigsten u scheinbar wiederstrebenden Richtungen sich einen, so lösen sich
auch in einem u wie den erziehenden u vor allen kindheitpflegenden Bestrebungen alle Richtungen der wahrhaftigen Bestrebungen zu einen in sich einigen und in ein in sich einigen Wesen
G[an]ze[n] auf, indem das Wesen u Leben des Kindes und der Kindheit als die gze Menschheit in sich tragend in seiner
Einheit erfaßt und in der Allseitigkeit seiner Thätigkeit pflegend entwickelt wird, daß es sich <freudig-ruhig>, kräftig u gesund
nach dem in ihm selbst ruhenden Gesetze allein mit Selbstwahl Selbstbestimmung u so endl. mit Klarheit des Bewußtseyns u Ver[-]
nünftigkeit entfalte, wie das Gewächs im Garten sich nach eignem Gesetz in Gesundheit u Fruchtbarkeit entfaltet. - Doch dieß
geschiehet nur wenn das Gewächs sich in Einklang u Zusammenhang mit dem großen Lebens[-] u Naturganzen und in und unter dessen
Einwirkungen entfalte u entwickele. Dieß ist das Streben meines deutschen Kindergartens, dieß der Grund meines deut[sche]n
allgemeinen Erziehungs Unternehmens u Werks, dieser Name.
Sich zu dieser Einsicht, Anerkenntniß u Wirksamkeit dafür aber von Seiten u d[urc]h das Denken zu erheben, dieß kann
aber von der Menge - wegen der Unsumme des im Leben auf den Menschen niedergehenden Mannigfaltigkeiten u Ver-
schiedenartigen - nicht gefordert werden indem sie ja selbst erst das Ergebniß einer vieljährigen prüfenden
u vergleichenden Lebensbeachtung ist. Darum erstrebe ich die Ausführung des ganzen in einer gewissen
allgemeinen Gültigkeit, in einem gewissen Umfange, damit jeder der nur hier das Ganze blick[e] zu allererst
nächst wenigstens die Ahnung komme daß auch er hier etwas finden köne was ihm für seine
Verhältnisse u Bedürfnisse ersprieslich u förderlich sey - wie wenn man in ein[en] großen Garten {geht/blickt}
sogleich auf einen Blick sieht welche verschiedene <Behand[lung]> - Pflege u Behandlung jede eigenthümlich[e] Pflege
fordert. Das kleinste, einfachste verbergende Bedürfnisse, - das einfachste edelste Leben u der einfachsten Familie
kann dann mit einmal u auf einen Blick das Mittel u den Gegenst[an[d seiner Befriedigung finden u wie man
aus einem großen Garten leicht Pfleglinge, Samen, Stecklinge u Absencker, Augen u Pfropfreiser
nach dem verschiedensten einzel[nen] Bedürfnisse Einzelner vorfinden kann, so kann dann auch von einer
solchen Anstalt aus - wie z. B. auch von Kunstanstalten, Akademien u Univer[-]
sitäten aus - die Bildung sich leicht in das kleinste Dörfchen u in die verborgendste Hütte u
einfache Familie trage[n]. Dieß ist in wenigen Andeutungen der {Grundgedanke/Plan} welche[r] (bey) dem Gedanken
der Ausführung eines „deutschen Kindergartens“ zugl als eines Denkmals nicht blos der 400jährigen Jubelfeyer der Erf[in]d[un]g der Buchdruckkunst, [sondern auch] als ächtes lebendiges Denkmal des Erfinders selbst zum Grunde lag. Wenn ich mich auch nun aber nächst der Kindheit zugleich an die Frauenwelt an
die deutsche Frauenwelt u das deutsche Frauengemüth wandte so ist es natürlich daß dem von deutschen Geiste
gefundene erkannte Gedanke auch nur wahrhafte Pflege vom deutschen Gemüthe [er]hoffen kann, es gehört aber
auch zur Ausführung des Ganzen vor allem ein stiller beachtender innigerer ein wahrer Gotteiniger Sinn. So ist denn dieses Dreyes [sc.: Trias] findet
sich am ersten noch in seiner ungetrübten Gesundheit u <Einig>keit
eine ungetrennt u unzertrennt zu pflegende Einse. Dieß scheint sich auch dem einfachen Gefühle u klar auszusprechen, dem ein-
fachsten Sinne in seiner Wahrheit leicht zugleich zu seyn; darum der allgemeine Anklang welchen der Gedanke in seinen 2fachen Rücksichten u Beziehen [1]mal als d Kindergarten, dann als Anstalt zur Pflege der Thätig Beschäftigung der Besuch[er] betreff[end] bey allen denen findet denen er nur etwas anschaul u Lebenvoll nahe kommt findet. /
[33V]
Mich dünkt wenn erfahrene Männer mit deutschen Sinn Gemüth u Geist sich zur Förderung einer ächt deutschen Sache sich die deutsche Hand reichten
es müßte mögl seyn einer guten ächt deutschen Sache den nöthigen nothwendigen Raum u die richtig nöthigen Mittel zu ihrer Ausführung zu verschaffen
u dieß um so mehr wenn einer derselben ein die allgem[eine] Achtung sich erfreuenden öffentl. Organ zu gebote stehe u in meinem Gemüthe
spricht sich die Überzeugung aus daß d[urc]h Förderung derselben es sich zu den welchem
Anerkenntniß es sich durch Förderung auch eine Bürgerkrone erwerben würde.
Möge die verehrl. Redaction in der Offenheit u dem Vertrauen mit welchem ich mich erlaubte derselben auszu[-]
sprechen den Ausdruck der vorzügl Hochschätzung finden mit welcher ich bin Ew. Wohlgeb.
[ebenfalls auf 33, könnte Fortsetzung des Briefs von 32V sein]
ein Hinderniß ein scheinbar kleines u unbedeutendes u doch so wesentlich hemmendes tritt dabey entgegen
es ist dieß das Gefühl des vereinzelt u allein stehens und dieß besonders dem großen in sich
einigen Ganzen welches die Ausführung des Gedankens fordert - gegen über - dad[urc]h verliehrt der einzelne
Muth u Kraft; erscheint sich klein dem Ganzen gegen über was ihn in seinen Forderungen groß
riesig erscheint, nicht bedenkend, das [sc.: daß] eben jeder Einzelne, der sich so vereinzelt klein u schwach
mfühlt in seinem Zusammentritt das Einige, das Große, ja das so riesig erscheinende anknüpft.
Wäre es mögl auf irgend eine Weise d[urc]h ein öffentliches, das menschheitliche in jeder Form
u eben als menschheitliches u Nals Nationalsache pflegende[s] Organ jene Einigung des Einzelnen
jenes Gemeingefühl der sich vereinzelt Fühlenden zu wecken, so würde es gewiß bald
möglich seyn Hand an die Ausführung des Werkes zu legen zumal da außer der Frauen[-]
welt auch die stimmfähigstenberechtigsten erziehende[n] deutsche Männer {dafür zu sprechen/darauf einzugehen}
sich gedrungen fühlen; da die Sache wie in der Anschauung u Ausführung so in
der Anwendung u Dauer bewährt in welcher Beziehung ich mir hier einige Beylagen erlaube
von denen es sich der Sache gegenüber von selbst versteht, daß dabey von keinen
persönlichen Beziehungen u <Werthungen> sondern blos von der Wichtigkeit u Wahrheit
wie Ausführbarkeit der Idee die Rede seyn kann.
Ein anderes Hinderniß ist die scheinbare Größe des Beytrages, diese ist wirklich
nur scheinbar, ich habe mir dieß in dem zur Stiftungsfeyer gesprochenen Worte siehe
Festbeschreibung S. [Lücke] anzudeuten bemüth[t], doch nochmehr verschwindet dieser
Gedanke wenn selbst die Frauen u Jungfrauen g[an]zer Dörfchen als ein G[an]zes daran Antheil nahmen, nehmen wir nun
in einem solchen Dörfchen um 20 Fr[auen] u Jungfr[auen] an, nehmen wir an daß von jetzt an der letzte
Beytrag in 2 Jahren bezahlt werde so würde dieß auf den Tag zur <respec> für jede Person
½ <d.>10. = <5x10> = 60 = 5 <xl> = 20 <xl> monatl = 120 <xl> jährl = 5 rth = 20 <B> in 2 Jahren betragen[.]
Diesen Gedanken sprach daß g[an]ze Orte dafür eintreten möchten Sprach mir ein geachteter Gesch[äftsmann]
aus - spricht sich auch in der Äußerung des HErrn Schulr[ath] Z. [sc.: Zerrenner] aus welche ich mir darum auch
erlaube hier bey zu legen.
Außer den Unterzeichnungen sind noch mehrere mit den schönsten Bemerkungen eingegangen (z. B.
Weißenburg - Müller Ritter - Spangenberg) Ich erlaube mir Ihnen das Verzeichniß schriftl nebst einigen briefl. Bemerk[ungen] schriftl. zu beyzul[egen]
damit es Ihnen mögl werde, denn [sc.: den] Sinn welcher in <?> Deutschland[s] dafür herrscht
kennen zu lernen u denselben vielleicht zu einem schönen Ganzen zu einen.