Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 3.10.1840 (Blankenburg)


F. an Heinrich Langethal in Burgdorf v. 3.10.1840 (Blankenburg)
(UBB 111, Bl 341-342, Brieforiginal 1 B 8° 4 S. Über die Hälfte von 341V ist durchgestrichen, was aber inhaltlich nicht nachvollziehbar ist; daher Streichung wohl sekundär. Anrede fehlt.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 3en October 1840.

Um Dir auf alle Deine früheren Anfragen einmal genügend zu
antworten habe ich sämtlich Deine Briefe seit Monat April noch[-]
mals durchgelesen und ich will Dir nun weiter Punkt nach Punkt
beantworten. Zuerst muß ich aber bemerken, daß von Spieß
Freyübungen für Middendorff uns überhaupt kein Exemplar
beyliegt, was uns sämtlich gar sehr leid thut, ich begreife nicht
recht wie es hatt vergessen werden können indem Du es so
bestimmt erwähnst. Auch vermißt Barop ein Verzeichniß der
Noten er wird darum unmittelbar beym Auspacken derselben
ein Verzeichniß anfertigen lassen und selbiges Ferdinanden dem-
nächstens zu seiner Nachachtung übersenden. Daß Du nicht alle
von Ferdinand für Keilhau ausgewählten Noten geschickt hast
war auch dem Barop sehr unlieb er sagte Ratzenberger kenne
gar das jetzige musikalische Bedürfniß von Keilhau nicht. U[nd]
er läßt nochmals sagen daß dem R. ja keine den Anstalten ge-
hörige Noten in die Hand gegeben werden möchten, denn er sey
furchtbar nachlässig damit umgegangen, wovon er, Barop, gleich
stehenden Fußes Beyspiele erzählt.
Doch nun zu Deinen Briefen. Du sagst daß man die 2' 3 u 4'
Gaben zu theuer fände. Lieber L. sagen [sc.: sage] den Leuten die dieß
meynen sie möchten doch bey ihren Tischlern Würfel, Klötzchen
und Kästchen von solcher Genauigkeit und Dauerhaftigkeit <in> sehr schönem Holze wie
Stettigkeit [sc.: Stetigkeit] machen lassen, und sehen, was sie dann, bey gleichen
Eigenschaften dafür bezahlen müßten. Dazu kommen die Aus[-] /
[341R]
gaben der Versendung, die Interessen des Auslage Kapitals rc.
Wenn jedoch feste Bestellung von wenigstens 800 bis
1,000 Stück Würfel oder ebensoviel Bauklötzchen ge-
macht werden, wenn die Zahlung mir unmittelbar nach der
Absendung eingeht, wenn alle Kosten der Versendung getragen
und durch Nachnahme bey Ablieferung der Collis zur Fuhre
bezahlt werden, so will ich das 1000 vom Platze weg zu
Rth 15 prß. den rth = 1 fl. 15 Xr Rhn oder 24 <f fst>.- liefern
Kann und will mir aber der Tischler die Arbeit billiger lie-
fern, warum sollte ich sie dann nicht auch billiger ablassen; doch
versichert mich derselbe daß er bey diesem Holze u Arbeit kaum
das [sc.: den] Tagelohn verdiene.
Auch die rechtwinklichen Dreyecke große (braune) und ¼
so große (gelbe) will ich auf feste Bestellung bey 4 bis 500 Stück
der größeren und 800 bis 1000 Stück der kleineren ohne
Kästchen rc. den billigsten Preis machen, nur müssen eben-
falls alle Versend[un]gskosten getragen und die Zahlung nach Ablie-
ferung geleistet werden.
Meine Herr[en] Commissionäre, Herrn Hochstädter u Herrn Schneider
in Frkfurt a/m ausgenommen, legen mir keine Z Rech[nun]g und zahlen
mir nicht, wie soll ich bestehen. Leonhardi hat mich aufgefor-
dert an Schmerber Sendung zu machen ich habe es gethan, allein
an Zahlung denkt auch er ebensowe[ni]g als an Berechnung. Dörf[f]ling
hat eine Rechnung gemacht wo nur wenig blieb u auch das hat er noch nicht
bezahlt.- /
[342]
Macht bestimmte, feste nicht zu unbedeutende Bestellungen
gegen Baarsendung und ohne Risico von meiner Seite und ich
will Euch die billigsten Preise S stellen. Kommen dann bald
wie es mit Bestimmtheit scheint die Eisenbahnen hier in der
Nähe vorbey so wird sich die Fracht vielleicht um 3/4 ver-
mindern.
Wenn gleich durch den besondern Abdruck des der Festbeschreibung
bis jetzt nur 3 Nrn des S. Bl. fertig sind, nemlich No 7-9
so wollte ich doch diese Gelegenheit nicht vorbey lassen Dir
die gewünschten 18 Ex: als Fortsetzung zu senden. Dieß
durch den Buchhandel zu thun ist unmöglich indem schon Ver-
sendungen von diesem Bande an Dich geschehen sind. Ich bitte
nur über Empfang und Abgabe ordentlich Buch zu halten da-
mit es zuletzt zu einem klaren Ergebniß komme; auch die Nummern
von welchen Du nun mehr Exemplare hast als die Fortsetzungen
beträgt, wohl zu verwahren, damit ich nicht zu viel inct incom-
plete [sc.: unvollständige] Exemplare erhalte.
Im Fall Du Gelegenheit haben solltest von der Festbe-
schreibung nach irgend einer Seite hin zur Förderung des
Werkes guten Gebrauch zu machen, deßhalb lege ich
noch ein zweytes bey. Sie ist über Leipzig aus der Wetz-
steinschen Handl[un]g in Schweinfurt zu beziehen, deren Commissio-
nar in Leipzig, Wilhelm Engelmann ist. In Chr. Fischer
Buchhandlung in Bern ist ein Freund von Chr: Wetzstein Gehülfe,
er heißt Kersting, Du kannst ihm von letzteren durch mich Grüße [bestellen,] /
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vielleicht kann Dir und dem Ganzen seine Bekanntschaft einmal
förderlich werden.
ChristianFriedrich S schreibt an Herrn Lommatzsch, daß er
ganz abgebrannt an Gelde sey, Du kannst ihm, wenn Du es
sonst gerathen findest, auf meine Rechnung 4 bis 6 Frken
mit Gruß von mir geben.
Die Nachricht von Wilhelms neu angebundenem <Bären> kam
mir recht unerwartet indem d[ie] Fr[au] v. A. jeden [sc.: jedem] der beyden
älteren Brüder durch den ChrFrdrich einen Doppelfriedrichsd'or
gesandt hatte.
Doch nun endlich mag es auch genug seyn.
Wäre nur dieser Brief schon bey Dir. Vielleicht noch
ehe derselbe bey Dir ankommt erhältst Du einen unmittel[-]
bar durch die Post.
Nochmals den herzlichsten Gruß an Euch alle.
D. u E. FrFr.

Die Beschreibung des vereinten Gutenbergs[-] und Turnfestes
zu Plauen im Voigtlande wird Euch hoffentl. ChrFrdr
mittheilen so wie das was ich ihm sonst von daher
schrieb, das Exempl. ist auch mit für Dich u Euch, ich
habe nur dieß eine.-