Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an den Frauenverein in Jena v. 4.10.1840 (Blankenburg)


F. an den Frauenverein in Jena v. 4.10.1840 (Blankenburg)
(BN 723, Bl 1-2, Reinschrift/Abschr. 1 B 8° 3 S. Bei den beiden im Brief indirekt genannten
Adressaten könnte es sich um Fräulein von Penz und Luise Marezoll aus dem engeren
Kreis des Vorstands des Jenaer Frauenvereins handeln.)

Verehrte Fräulein

Sehr erfreut sind wir alle hier über Ihre bey-
derseitige glückliche Rückkehr gewesen, mögen
die Folgen Ihrer hiesigen Badekur ebenso unge-
trübt und immer mehr von den von Ihnen gehofften
Folgen Wirkungen seyn. Herr Vogt aus Weimar hat einen,
mit seiner Badekur höchst zufriedenen Brief hie-
her geschrieben mit der Versicherung, daß er künf-
tiges Jahr zur Vervollständigung derselben wie-
der hierher kommen werde. Möge dieß auch mit
Ihnen und den beyden anderen verehrten Fräulein
der Fall seyn.
Gestern Nachmittags war ich bey der Frau Bern-
hard um wegen des heutigen kleinen Festes Rück-
sprache zu nehmen, dieselbe konnte gar nicht Wor-
te finden mir all die vortrefflichen Eigenschaften
sämtlich ihrer lieben Badegäste zu schildern; ich
habe mich aufrichtig über den wackern Sinn der Frau
gefreut wie sie auch jedem Gerechtigkeit wieder-
fahren ließ und wie sie all die Vortrefflichkeit und
Liebenswürdigkeiten, welche seit Monaten in ihrem /
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Hause gewohnt hatten, in ihrem einfachen Sinn,
zu einem schönen Kranz verband. Wahr muß
ich darum gegen Sie auch seyn und sagen, daß
die erste Blume die sie ergriff und nannte Sinn-
grün mit seiner himmelblauen, einigen, tiefen
Blüthe war.
Sie haben mir, hochgeehrteste Fräulein, erlaubt
Ihnen für Fräulein St. Clair zu geeigneten Über-
gabe an die Fr: Herzogin von Orleans K. Hoheit
eine Festbeschreibung und somit Einladung zur
Unterzeichnung für den deutschen Kindergarten
übersenden zu dürfen. Ich bin so frey in der
Anlage von Ihrer Güte Gebrauch zu machen.
Damit Sie, Fräulein Saintclair und wem es sonst
noch zustehen sollte Inhalt und Form der Einla-
dung zu weiter prüfen können, so habe ich solche unserer Be-
stimmung gemäß hier abschriftlich beygefügt.
Gestern oder ehegestern vielmehr, war der fran-
zösische Minister Resident am Weimarschen Hofe
hier. Er nahm, wie ich von dem Herrn Dr Weißen-
born
höre, durch denselben auch Notiz von mei-
nem Wirken; leider war ich in Keilhau um nicht
persönlich ihn damit bekannt machen zu können.- /
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Die Theilnahme an entwickelnder, dem Menschenwe-
sen und der Kindernatur entsprechender Kindheit-
pflege scheint wirklich nun nach und nach immer
mehr rege zu werden, so wünscht auch, irre ich
nicht ein gewisser Herr Geheimrath Müller
in Ebersdorf von Keilhau aus, zum Behuf einer
in Ebersdorf zu errichtenden Kleinkinderpflege-
anstalt, ausführliche Kunde über das hiesige Wirken.
Ihnen und den sämtlichen verehrten, theilnehmen-
den Frauen in Jena den Gegenstand ächter Kind-
heitspflege weiter zur Einführung, zur allgemeinen
Einführung ins Leben weiter ans Herz zu legen,
bedarf es gewiß weiter keines Wortes, im Ge-
gentheil hoffe ich recht bald erfreuliche Mittheilung,
die Sache fördernder Schritte des verehrlichen Jenaischen
Frauenvereines von Ihnen.
All den hochzuehrenden theilnehmenden Frauen
namentlich d. Fr: Staatsräthin von Struwe,
Fr: Geh: Justizräthin Martin, Fräulein von
Penz und Fräulein Marezoll empfehle ich
mich auf das Hochachtungsvollste.
Mit der innigsten Hochachtung

Ihr
ergebenster
Friedrich Fröbel
Blkbrg b. R.
am 4. Oktbr. 40.