Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Becker (Redaktion des All. Anzeigers d. Deutschen) in Gotha v. 8.10. 1840 (Blankenburg)


F. an Friedrich Gottlieb Becker (Redaktion des All. Anzeigers d. Deutschen) in Gotha v. 8.10. 1840 (Blankenburg)
(BN 717, Bl 9-12, 2 Entwürfe 2 B fol 8 S., a) datierter 5seitiger Entwurf mit Korrekturen [Bl 9-11], b) undatierter und korrigierter Entwurf [Bl 11R-12R] mit 3 S. Umfang)

a) 1.Entwurf

     Blkburg den 8 Octob. 1840

An die verehrliche Redaction des Allge-
meinen Anzeiger d.D. Herrn Hofrath
J.F. Becker in Gotha

Hochzuverehrender Hfrr Hofrath!

Ew Wohlgeboren haben nicht nur die Güte gehabt in
Ihrem geschätzten u vielgelesenen Blatte
des A. Anzeig. D. Deutschen vom 4ten Jul., auch unsre
zur Mitfeyer des Gutenbergfestes begon-
nene Erziehungsunternehmung: zu sichere
u entsprechende Pflege der Kindheit als ein
Werk deutscher Frauen u Jungfrauen, - mit
angemessenen Begleitworten in das
größere Publicum einzuführen.
Ob nun gleich ein solches Wirken für
so allgemeines als zu gleich besonderstes Men-
schenwohl seinen wahren u bleibenden
Dank in sich selbst trägt, so erlauben Sie
aber doch auch, hochzuverehrender Herr
Hofrath, mir Ihnen dafür meinen herz-
lichen und aufrichtigsten Dank zu sagen,
indem diese Ihre angemessenen Begleit-
worte, wie Sie gefälligst aus der Anlage
des Leipz. Tagebl. Ersehen mögen wollen, zur
weitern allgemeinen Einführung der Un-
ternehmung in das deutsche Publicum wörtlich be-
nutzt worden sind; was mir noch auf
gleiche Weise von einigen andern Blättern
ausgesprochen worden ist. –
Möchte dieß schöne Ergebniß Ihrer
eingehenden Mitwirkung Sie veranlassen
uns ferner zur Ausführung der Unterneh-
mung Ihre kräftiges wirksames Wort u kräftige
Hand zu reichen. <-> /
[9R]
Erlauben Sie mir daher, Ihnen die Er-
gebnisse der bisherigen Bestrebungen
zur Begründung u Förderung des Erzie-
hungswerkes des deutschen Kinder-
gartens mitzutheilen.
Das Verzeichniß der bis zum 8 Sept.
eingegangenen Unterzeichnungen finden
Sie in der Festbeschreibung, welche ich
mir erlaube Ihnen hierbey beyzulegen
<Außerdem> sind noch mehrere Unterzeich-
nungen theils eingesandt theils angezeigt worden.
wenn solche Ihnen gleich solche schon durch Hrn
Cand. Lommatz[sch] mit getheilt seyn mag, dem wir auf seiner jüngsten
Reise nach Gotha unsern achtungsvollen Gruß
mit ergebnem Dank für Sie mitgegeben aufgetragen haben[.]
Aus dem fast aus allen Gegenden
u in allen Richtungen Deutschlands
mir brieflich über diesen Gegenstand
u ganz namentlich von stimmfähigen
Erziehenden Männern u Frauen
Ausgesprochenen geht einstimmig <-->
die Anerkenntniß des Grundgedankens,
der Idee, also wie das Hochwünschenswerthe
seiner Ausführung hervor. Wunderbar
ist es nur, daß eben in Beziehung auf diese
Ausführung jeder Einzelne sich als verein-
zelt stehend fühlt u so vor dem Gedanken
der Ausführung ich möchte fast sagen, zurück-
bebt, anstatt sich als ein Glied des großen
deutschen u deutschsinnigen, Kindheit
u Menschheit liebenden Ganzen u Volkes
zu fühlen, demgegenüber das Ganze Unternehmen
keinesweges ein Riesenwerk sondern als
ein solches, wo Zweck, Mittel u Forderung ganz im Gleich[-]
maß <?> sind.
Doch auch in dieser Beziehung sind mir
mündlich u schriftl[ich] sehr achtbare anziehende Mit- /
[10]
theilungen gemacht worden. So sagte
mir in erster Beziehung zB ein achtbarer
u gebildeter aber doch einfacher Geschäfts-
u Fabriksmann, der Vater von einer an-
sehnlichen Familiewar, wie das Ganze in
die Ausführung des Ganzen sey nicht nur
auf das höchste wünschenswerth son u
durch das Fa milien- und Kinderbedürfniß
gefordert, sondern wie er glaube, auch
wirkl[ich] ausführbar, wenn so näml[ich] daß in jeder
Stadt ein namhafter u achtbarer
Bürger sich an die Spitze der Unternehmung
stelle u durch ein Rundschreiben mit
Anführung der triftigen Localgründe seine
Mitbürgerinnen u resp. Mitbürger zur
Unterzeichnung auffordere.
Derselbe Gedanke wurde mir
merkwürdiger Weise wie Ew Wohl-
geb[oren] aus der Beylage No 2 ersehen
werden, auch schriftl[ich] von einem
meiner Freunde, als die Äußerung des
Hrn Schulrathes Zerrenner in Magdeburg
ausgesprochen. Sollte es nicht vielleicht
mögl. seyn diesen Gedanken in Ihrem weit-
verbreiteten Blatte Anerkenntniß u Verwirklichung u Verwirklichung besond[ers]
durch Ew.Wohlgeb[oren] zu ver-
schaffen, wie soll[en] Sie durch die Wichtig-
keit des Gegenstandes veranlaßt und denselben,
nun als eine wirkl[iche] Thatsache erscheinend,
den Gegenstan in Ihren Blatte ferner
vertreten wollen?
Von den weiter mir zu Gesicht ge-
kommenen Einführungen der Sache in das größere
Publicum, besonders in mehreren Localblättern
erlaube ich mir nur zwey (No 3 u 4)
aus der allgem. Leipz. Zeit[un]g hier bey-
zulegen. Auch in andere[n] Blättern, /
[10R]
die ich jedoch nicht gesehehen [sc.. gesehen] habe, soll
dieß auf achtende die Sache reiflich anerken-
nende u fördernde Weise geschehen seyn.
Sollten Sie daher hochzuverehrender
H Hofrath sich auf den Grund der
jetzt erschienenen Festbeschreibung u der
damit verbunden[en] Unterzeichnungs liste
stützend, die Leser Ihres alles Gute so gern und
ausdauernd fördernden Blattes die Les
von dem Fortg[an]g der unternehmung in
Kenntniß setzen, so würde es dieß in so kräfti-
ger als warmer fördernder Anerkennt-
niß der Sache, keinesweges allein stehen
sondern sich gleichfalls einer warmen
u thatkräftigen Genossenschaft er-
freuen; seine diese Aufforderung auch u würde ge-
wiß auch in vielen für die Sache nicht
nur warmen sondern wirklich er-
glühten namentl Frauen herzen
wiederhallen; welche nichts mehr
wünschen, als daß ihre einzelnen
Stimmen sich zu einer allgemeinen
einigen möchten.
Wie aber schon Auf gleiche Weise wie der Kindergarten so
findet der Gedanke zweckmäßige Beschäf-
tigung u Bethätig[ung] der Kinder großen Ankl[ang]
wie Ew Wohlgeb[oren] besonders auch aus den
abschriftl[ichen] Beylagen aus Magdeburg und Ham-
burg (No 3[1] u 5) ersehen werden. Auch
werden Ew Wohlgeb[oren] dieses aus dem Bericht S. No 6 betr entnehmen,
welcher der Leiter derKleinkinderanstalt für
die israelit Bürg[er]schule an sein Consistorium
eingereicht hat, wobei nebst welchem ich mir zugleich erlaube
in Abschrift eines Schreibens des israelit. Schulrathes
an mich, welches die Anerkenntniß des Grundge-
dankens ausspricht, beyzulegen; denn auf diese
[Randnotiz*-*] Wie schon früher ein reisender Pole Ausländer
welcher sich d[urc]h mehrwöchentl[ichen] Aufenthalt mit der Sache
bekannt zu machen suchte sich zu dieser in der Allgem. Leipziger
darüber aussprach mögen Sie aus der abschriftl Beylage No 7 ersehen*[.]
[11]
Anerkenntniß des Grundgedankens wie auf
die Bewährung desselben in der Anwendung, welches
jener Bericht darthut, indem die Kinderpflegean-
stalt, auf diese sich bezieht, nun schon seit Jahr u
Tag besteht – kommt ja am Ende alles an[.]
Und so schwindet gegen den Zweck des Ganzen jedes
Persönl[iche] der Mittheilung, was schwerlich nun noch
dabey in Betracht kommen kann.
Wenn ich mir erlaubte in diesen Mittheilungen
so weitläufig zu seyn, so geschah dieß einzig in
der Absicht (aus dem Grunde), daß es Ihnen nun,
hochverehrter u so innig an dem Ganzen Theilnehmender
Hf Hofrath nun mögl werden möge, sich selbstständig
u so ein Urtheil über d Ganze zu bilden um so
mit größerer Kraft u Überzeugung, vielleicht ver-
anlaßt durch die Beylagen, wenn auch nur ein Paar,
kräftige u eindringende Worte praktisch deutschen
Geistes u Gemüthes eben wieder solchem Sinn u Geiste zugänglich,
in Ihrem soviel Güter begründendes u pflegendes
Volks[-] u NationalBlatte auszusprechen. Es wäre gewiß höchst
seegensreich, wenn dieses Blatt in dem 400-
jährigen Jubeljahre der Gutenbergserfindung
u zur Feyer derselben ächte Kindheitpflege u wahre
Familienerziehung im deutschen Vaterlande
mit begründete u sich zu seinen vielen sich noch
eine Bürgerkrone mehr erwürbe. -
Um Sie zu diesem Zweck genau mit der Stimmung
die dafür im Publicum herrscht bekannt zu machen
lege ich auch noch schriftl das Verzeichniß der
weiter eingegangenen Unterzeichnungen bey.
Wenn erfahrene deutsche Männer mit
reinem Sinn u Ausdauer für eine anerkannt
gut deutsche Sache sich still u vertrauend die
Hand reichen, u wenn einer dieser Männer u
dessen Organ, ihr deutschsinniges Blatt, das Vertrauen
des kräftigsten Theils des Volkes besitzt, sollte es da
nicht möglich seyn, dieser Sache zu ihrer Entfaltung den
möglichsten Raum u. die nöthigsten Mittel zu verschaffen?
In dieser Hoffnung bin ich mit der ausgezeichnetsten Hochachtung

b) 2. Entwurf

[11R]
Wenn nun auch schon die fördernd beachtende Pflege auch nur des
kleinsten hervorzukeimenden strebenden Guten seinen Lohn in sich selbst trägt,
so ist es doch auch ganz natürlich, wenn daß die Anerkennung auch den Dank
hervorruft. Und mich dünkt wir sollen in allen Beziehungen, auch in
dem sogenannten Geschäftsleben, das Menschl[iche] u so vor allem die Empfin-
dungen des Dankes nicht zurückdrängen. Denn es scheint tief in der
menschl[ichen] Natur gegründet daß d Mensch jede Beachtung u Förderung des Guten,
wo sie auch nur aufzufinden u so klein sie immer seyn möge, dankbar erkennen
u seinen Dank dafür bethätigen solle. Denn dieser natürl Ausdruck des
Dankes ist selbst wieder für das Gute pflegend, belebend u es prüfendfördernd.
In dem Sinne dieser sinnigen Lebenspflege noch in des Kleinsten, welche her-
vorzu rufen u allgemein zu machen, mir als Kindheitspflege Bestrebung u
Lebensgut ist, mögen Sie es nun gegründet finden, wenn ich mir erlaube
Ihnen die beyliegende Beschreibung dieser Gutenbergsfestfeyer wie in mehrfacher Beziehung theils
als Dankeszeichen, wie auch theils als Mittel zur <->geneigten Prüfung u Beför-
derung des sich daran anknüpfenden Erziehungsunternehmens zu übersenden.
Möchte sich Ihnen, besonders in letzter Beziehung, darin aussprechen, daß dem Ganzen ein
in sich einiger Gedanke zu Grunde liegt, wie jeder Umkreis u jede Kugel
einen Mittelpunkt hat [sc.: haben]. Wie aber in diesem hierin solchem die verschiedensten u scheinbar
widerstreitendsten Richtungen sich einigen, so lösen sich auch in dem unserm erziehenden
vor allem Kindheit pflegenden Bestreben zum Grunde liegenden einigenden Gedanken
alle menschl Bestrebungen zu einem in sich einigen Ganzen auf; indem das
Wesen u Leben d Kindes, der Kindheit, als die Menschh[ei]t in sich tragend, in seiner
E[inheit] erfaßt u in der Allseitigkeit seiner Thätigkeit Wirkung seines Thuns
<--> pflegend entwickelt wird, so daß es sich stetig u friedl[ich], kräftig u gesund nach
dem in ihm selbst ruhenden Gesetze, allein doch mit Selbstwahl u Selbstbestimmung
u so endl[ich] in Klarheit des Bewußtseyns, in Vernünftigkeit entfalten, wie das
Gewächs im Garten nach ewigen Gesetzen in Gesundheit u Fruchtbarkeit sich darlebt.
Doch dieß geschieht nur einzig kann nur geschehen, wenn dasselbe in Einklang u Zusammenhang mit dem
Lebens- u Naturganzen u so in dessen ungestörter Einwirkung sich entwickelt. Dieß das Streben
meines allgemeinen Erziehungsunternehmens, dieß der Grund warum demselben
der Name ist: deutscher Kindergarten.
Sich In dieser Hinsicht u Anerkenntniß u zur Wirksamkeit dafür von [sc.: vom]
Seiten des Denkens u der durch dasselbe Denken aus sich zu erheben, dieß kann aber von
der Menge - wegen der Unsumme des im Leben auf d Menschen eindringenden
Mannigfaltigen u Verschiedenartigen - nicht gefordert werden, indem sie ja zu dieser Einsicht
selbst das Ergebniß einer vieljährigen prüfenden u vergleichenden Lebensbeachtung
ist. Darum erstrebe ich die Ausführung des Ganzen in einem gewissen Umfange u Allgemeingültigkeit wie in einfachklarer allen leicht zugänglicher
Darstellung u Lebensgestaltung, damit Jedem der nur in das Ganze blickt, so gleich
wenigstens die Ahnung <Kunde> komme: daß auch er hier etwas finden könne was
also für seine Bedürfnisse u Verhältnisse ersprießl[ich] u angemessen sey u von ihm
u durch seine Kraft in derselben ausführbar ausgeführt werden könne, /
[12]
ähnl[ich], wie man in einem (großen) wohl eingerichteten Garten auf den ersten
Blick wahrnimmt, welchen eigenthümlichen Stand u Pflege jede verschiedene
Pflanzengattung fordert. Das kleinste verborgene Bedürfniß des stillsten Lebens
und der einfachsten Familie soll dann mit einemmal u auf einen Blick
in dem auszuführenden Ganzen das Mittel u d Gegenst[an]d seiner zu seine
Befriedigung finden wie man in einem großen dafür gepflegten Garten gleich
Pflänzlinge u Saamen, Stecklinge u Absenker, Augen u Pfropfreiser
finden u nach dem verschiedenen Bedürfnisse Einzelner versenden kann[.]
So soll von der beabsichtigten Anstalt aus, wie zg [sc.: zugleich] auch schon von
andern geistigen Kunstanstalten aus Akademien u Universitäten aus,
die Mittel u Bedingungen ächter Kindheitpflege u die daraus
möglicher Weise hervorgehende allgem. menschl[iche] u Volksbildung durch
Selbstanschauung, durch Mittheilung in Wort u Schrift u durch für die
verschiedenen Verhältnissse auszubildenden Kinderpfleger, hier namentl[ich]
Jungfrauen, in das kleinste Dörfchen, in die verborgene Hütte
u einfachste Familie tragen ausgehen, wie solche Familien[-] u Kindervereine
an größern Orten zugängl[ich] machen. -?
Dieß ist sind in wenig allgem. Umrissen der Gedanke, welcher
dem Plane zur Ausführung des deutschen Kindergartens, zugleich als ein
Denkmal nicht blos der 400jährigen Buchdruckerfindung sond[ern] als ächtes
lebendiges Denkmal des Erfinders selbst, zu Grunde lag u liegt.
Kindheit u Frauenleben, christl[i]ches Kinderleben u deutsches Frauengemüth
ist aber beson noch besonders durch ein höheres Drittes innig geeint. Es ist der
in dem Kinde noch verborgen schlummernde, sich aber bey zarter Berührung schon
leise regender, das Frauengemüth aber schon mit Bestimmtheit bewegende
Gotteiniger Sinn. Dieses Dreyes als ein ungetrennt einiges zu beachten
u zu pflegen, daß es Blüthen u Früchte bringe fürs Leben, das ist die erste u
wesentl[iche] Aufgabe des ErziehungsGanzen. Dieß scheint sich aber auch dem einfachen
Gefühle klar auszusprechen einzuleuchten, wie dem unbefangenen Sinn in seiner Wahrh]ei]t
leicht zugängl[ich] zu seyn. Darum der allgem Anklang welchem der Gedanke
in seiner 2fachen Richtung als namentl[ich] als Anstalt zur Pflege des Beschäftigungstriebes d Kindh[ei]t
überh[aup]t dann als deutscher Kindergarten insbesondere, bey allen denen
zu finden, welchen er nur in seiner bisherigen noch unvollkommenen Ausführung
etw. anschaut u lebenvoll nahe kommt. Allein ein Hinderniß ein scheinbar
kleines unbedeutendes u doch so wesentl[ich] hemmendes tritt ihm dabey ent-
gegen.
Ein anderes Hinderniß ist die scheinbare Größe des Bey-
trages. Daß dieß wirklich nur scheinbar ist, habe ich in dem
von mir zur Stiftungsfeyer gesprochenen Worte (Sieh[e] Festbeschr.
Seite [Lücke]) anzudeuten gesucht, indem der ganze Beytrag
sich ja auf mehr als ein Jahr in einzelnen Zahlungen vertheilt
da mehrere wie dieß auch bis jetzt schon geschehen ist, zu
einer Unterzeichnung zusammentreten können, ja daß dieß in einem Dorfe sogar von der Gesammtheit der OrtsFrauen u Jung-
frauen geschehen <ist u> könne, wo der sich auf einen Tag vertheilende Beytrag für jeden Einzelnen ganz unbedeutend seyn würde.
Diesen Gedanken, daß ganze Orte oder in denselben wenigstens eine Mehrheit von Frauen zur Ausführung des Ganzen antreten möchten
sprach mir ein gerechter Geschäftsmann aus, indem er noch hinzufügte: in jeder Stadt möchte ein namhafter Mann
den Plan mit einem Rundschreiben begleiten u gestützt auf die Localgründe u die Nothwendigkeit (durchgreifender)
geeigneter Kinderbeschäftigungsmittel zur Unterzeichnung einladen. Jenen Gedanken sprach auch der Hr Schulrath /
[12R]
Zerrenner in Magdeburg aus, welchen mir
einer meiner Freunde in seinen Reise-
bemerkungen mittheilt, welchen ich mir erlaube
auch wegen der darin enthalten[en] auch noch
andern Bemerkungen hier abschriftl. beyzulegen.
Seit dem Abdruck der Unterzeichnungsliste
sind noch einige Unterzeichnungen eingegangen,
wovon ich mir auch erlaube das Verzeichniß
besonders wegen einiger hinzugefügter Be-
merkungen der Unterzeichner [beizulegen], damit es Ihnen mögl[ich]
werde, den Sinn, welcher in einzelnen Punkten
Deutschlands für den Gegenstand herrscht,
kennen zu lernen, u denselben inskünftig zu
einem schönen, zur Nacheiferung auffordernden stimmenden
Ganzen zu einen.
Mich dünkt wenn ein erfahrener hocha[cht]barer Mann
mit deutschem Sinn Gemüth u Geist zur för-
derung dieser ächt deutschen Sache die deutsche Hand
reiche, es müsse mögl[ich] seyn derselben den entspre-
chenden Raum
die nöthigen Mittel zu ihrer Ausfüh-
rung zu verschaffen u dadurch ein Werk zu begründen
daß [sc.: das] deutscher Kraft u deutschen Geist würdig
u zugleich ein lebenvolles Denkmal der An-
erkenntniß desselben sey u dieß um so mehr
wenn denselben ein die allgemeine Achtung sich
erfreuendes Öff[en]tliches Organ zu Gebote stehe
u in meinem Gemüthe spricht sich die Überzeugung
aus - daß es sich durch Förderung derselben zu
dem ehe vielfältig wirkenden Anerkenntniß
noch eine Bürgerkrone wenigstens bey dem
späteren Geschäfte erwerben würde.
Die Erziehung der kommenden
Geschlechter ist <jetzt> Sache
eines allgem. deutschen Erziehungs-
unternehmens[.]
Möge die verehrliche Redact., möge Ew
Wohlgeb[oren] in d Offenh[ei]t in dem Vertrauen
mit welchem ich mich [sc.: mir] erlaubte mich auszu[-]
sprechen den reinen Ausdruck der vor[-]
züglichen Hochschätzung finden mit welcher ich bin
Ew Wohlgeb[oren]
ergebenster [Unterschrift fehlt]