Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Johann Arnold Barop in Keilhau v. 6.11.1840 (Blankenburg)


F. an Johann Arnold Barop in Keilhau v. 6.11.1840 (Blankenburg)
(KN 56,27, tw. dat. Brieforiginal 1 Bl 8° 1 ½ S. mit Wasserflecken im oberen Blattteil. Datierung: SBB/KN-Datierung „1844“ nicht zutreffend. Im Nov. 1844 befand sich F. in Frankfurt/M. Für „1840“ spricht die Erwähnung des „deutschen Kindergartens“, F.s Kreation von 1840, aber auch der Bezug auf den ehemaligen Keilhauer Zögling Karl Clemens, der 1835 von Keilhau abging und in F.s Briefwechsel mit Langethal von 1840 immer wieder eine Rolle spielt.)

Blankenburg am 6 Nov. Abends spät


       Lieber Barop.

Da ich so eben an Middendorffen in Angelegenheit des deutschen
Kindergartens auf Veranlassung eines Briefes der Fr.v.
Ahlefeld
schreibe worüber Middendorff sich Dir mittheilen
wird, so will ich <doch> zugleich auch zu Dir kommen und Dir
abschreiben was Sie [sc.: sie] <mir> über Karl Clemens Ange-
legenheit schreibt damit, wenn Du ihm schon im Geiste unserer
Verabredung geschrieben hast Du Dich davon überzeugest
wie recht wir gehandelt haben und im Fall es je noch nicht
geschehen ist <Du wünschest> daß es schlechterdings unmöglich
ist auf Karls Antrag einzugehen. Frau v. A. schreibt
wörtlich: „Eben schreibt mir Christian, daß Karl bey ihm
<frey> säße
, (was mir gar nicht lieb ist) und daß er in
Lenzburg Antwort erwarten wolle, da er eine Hoffnung
habe (daß [sc.. das] heißt:) eine Anfrage gemacht habe, ob er in
Stuttgard oder Keilhau ein Unterkommen finden könne.
Ich wollte er wäre so fern als möglich von seinen Brüdern
denn sein Beyspiel ist ihnen nichts nütze. Für Keilhau
scheint er mir nicht zu passen
.“
Du kennst Fr: v. Ahlefeld die jedem Urtheil gern Raum läßt
was bey ihr das einfache Wort: „für Keilhau scheint er mir
nicht zu passen
“ sagen will und wie sie in solchen Fällen ihr eige-
nes Gefühl zurück hält. Allein Du kennst doch auch mit mir
Fr.v.A. sogenau, daß Du weißt wie fein u leis sie ihre
Wünsche anzudeuten versteht und es im vorliegenden
Falle gewiß tun würde wenn Sie [sc.: sie] einen Wunsch für Karl
in Beziehung auf Keilhau habe. Übrigens wenn Karls Bey-
spiel nachtheilig für seine Brüder seyn soll die ihn doch
ganz genau in seiner, lindestens gesagt: zweydeutigen Wind-/
[1R]
beuteley kennen, wie viel mehr würde er nachtheilig auf
unsere jungen Leute in Keilhau einwirken die ihn in all
diesen Beziehungen nicht kennen auf welche er im Gegentheil
durch seine Suate durch sein Gewandtseyn und <fast> als
ein halber, freyer Schwizer Eindruck machen würde.
Eben fällt mir ja auch noch ein was auch Middendorff weiß
daß uns Jemand – wer weiß ich aber nicht –gesagt hat,
wie er durch seine ausgeschmückten Erzählungen, aber nicht
immer in den Grenzen der Wahrheit den unterhaltenden
Gesellschafter an öffentl[ichen] Stellen der Schweiz gemacht habe.
Du müßtest ja da ewig eine geheime Polizey haben.
Doch die Sache ist abgemacht.
Wäre der thörichte Mensch auf ¼ oder <½> Jahr nach Burg-
dorf gegangen, wäre dann Ferdinand für ihn eingetreten
wie gern hätte ich dann seinen Wunsch unterstützt.
Aber so-
Nochmals Deiner Schwester vom Grund meines Herzens
eine glückliche Reise.
DFrFr.