Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Frau v. Beulwitz in Rudolstadt v. 24.11.1840 (Blankenburg)


F. an Frau v. Beulwitz in Rudolstadt v. 24.11.1840 (Blankenburg)
(BN 234, Bl 1-2, hier: 2R u. 1R, dat. Entwurf fol 1 S. Mglw. lag dem Brief an Frau v. Beulwitz die Liste der Spielmaterialien bei, die F. am 11.11.1840 zusammengestellt hatte – s. BN 234, Bl 1-2 fol. 3 S., die hier dem Briefentwurf angeschlossen wird.)

[2R]
An die Frau Regierungsräthin von
Beulwitz in Rudolstadt

Blankenburg den 24 Nov 1840.
Zuvörderst meinen unterthänigen ergebensten Dank
für die gütige Übersendung der beiden Zei-
tungsblätter.
Die weitern Wünsche u Frage[n] Ihrer ver-
trauenden Zuschrift lassen Sie mich (nur
auch g[an]z offen) in der Ordnung beantworten
wie Sie dieselbe[n] mir aussprachen[.]
Also erstl[ich] in Hinsicht der Vergütigung: In
der Besprechung Ew Wohlgeb[oren] mit HE M[id]d[en]d[or]ff über d[iese]n G[e]g[en]st[an]d
sind irre ich nicht als Vergütung von jedem Kinde 2gl Pr Cnt
für ein Kind Vergütung für eine Stunde erwähnt
worden
der jedesmaligen Spielzeit von 1 ½ Stden
für jedes Kind erwähnt worden.
[*] wobey jedoch eine Anzahl von 24 Kindern
angenommen wurde; da aber deren gegenwärtig
nur 20 sind sind so könnte viel[-]
leicht festgesetzt werden daß diese Preisbestimmung
bliebe, auch wenn die Anzahl d Kinder
bis 30 stiege [.*] Meines da[-]
fürhaltens wäre dieß (ganz) wohl im Maaße
der Billigkeit
[*] dazu anderseits Stunden wirkl[ichen] Unterricht[s] (immer)
von theils einer von 6 Stunden Zeit erforderl[ich] (Zeiten)
werden [*], wenn solches festgehalten würde
ohne jedoch dadurch keinesweges der Bestimmung
von Seiten der Eltern vorgreifen zu wollen.
Zwey Bestimmungen könnten dabey jedoch wohl
noch aufgenommen werden näml[ich] daß diese
Preisbest.[immung] auch noch dann bliebe, wenn auch
noch mehrere Kinder hin zuträten[.]
Ein Punkt wäre noch [an]bey zu bestimmen: wie
es näml[ich] dann zu halten wäre, wenn von
den angemeldeten Kindern etwa welche von den
bestimmten Spielstunden wegblieben. Die Billigk[ei]t
der Eltern mag über diesen Punkt hierbey entscheiden[.] /
[1R]
Dagegen würden für den Anfang wenigstens zumal im Anfang
einer von uns zur Führung d Spielstunden
wenigstens 2 nach Rudolstadt kommen u die
Art der Überkunft dahin g[an]z unrer Sorge
überlassen seyn.
Ew Hochw. haben mich selbst aufgefordert
mich über diesen G[e]g[en]st[an]d so bestimmt auszusprechen
deßhalb hoffe ich auch, daß Sie mir d Offenh[ei]t,
mit der ich’s gethan habe, verzeihen werden[.]
Was das Spielmateriale betrifft, so
würde nun, da jedes Kind sein eigenes
besitzen soll für jedes derselben der theil-
nehmenden Kinder 1 Ball nebst Zubehör (1te
Spielgabe doch ohne Text), Kugel u Würfel nebst Zu-
behör doch ohne Text, (2te Spielgabe) der einmalge-
theilte Würfel nebst Lithographie (3te
Gabe) der in 8 Bauklötzchen getheilte
Würfel nebst Lithograph. (4te Gabe)
zunächst nöthig seyn. Der Betrag davon
würde ist 1 rt[h] 11 gl Pr Crt [.]
Zur Kenntniß für d Eltern lege ich Ihnen
noch einige Preisbestimmungen hier bey u ich
werde dafür Sorge tragen, d[a]ß Spiele mit <dletztern>
der ersten Stunde in dem Spiellocal in
Empfang genommen werden können. Sollte dieß
jedoch früher gewünscht werden, so bedarf es dazu
nur eines Wortes. – Da wegen der Zeit von Ew Hochw
Was nun den Anfang die Zeit d Stunden
<wie> erwähnt und <festhalten> wie die besprochene
selbst betrifft, so würde es uns lieb seyn
zunächst fest als Dienst u Frist nehmen von
wenn die <an[ge]geben[en]>Tage Dienst[ag] u Freyt[ag] 3 – 4
u die wirkliche Spielzeit von ½ 3 – 4 festge-
halten werden würde
[.]
Sollten nun die versch[iedenen] Theilnehmer
<-> mit alle diesem wegen einverstanden seyn, <-> so wird
es von Ihnen abhängen ob die Spielst[un]den schon
am Freyt.[ag] oder künftigen Dienst[ag] beginnen anfangen
sollen. Wäre das erstere der Wunsch, so bitten
wir uns heute od. <spätestens> morgen darüber
Nachricht aus.
Später vielleicht nun od. nach d Weihnachts[-]
zeit könnte für die größten dann wohl die
5te Gabe nöthig Lithogr. werden (Preis mit Lithograph
18 gl PrCrt) [.]
Daß die Ausführung auch der besterkannten Sache mit
größten Schwierigk[eiten] verbunden ist erfahre ich bey[nahe] täglich. Diese
Schwierigk[eiten] die Sie Sie [2x] in Ihrem gütigen Bestreben erfahren haben die
<Ursache> in <einigen wünschen u in einigen Herz Selbstthum auch Grundmisskönnen>,
so Ew Hochw[ürden] d Überzeugung Muth u Ausdauer gehören, daß Sie dad[urc]h
nach allen vorliegenden Erfahrungen u bis jetzt in vielfacher Anwendung aufstützendem Urtheil
Sie dadurch einen wesentlichen Grundstein zum Wohl d Kinder Rudolst[adts], <in also einem > weiterführenden Punkte zum Wohl vieler Kinder u zur Freude vieler Eltern Deutschl[ands] legen.
In dieser Hoffnung genehmigen Ew Hochwohlgeb[oren] den Ausdruck innigster Verehrung von mir u HE Midd[en]d[or]ff
Ew Hochwohlgeb[oren]
unterthän[iger]
[Unterschrift fehlt]

[1]
Blankenburg den 11 Novber
1840.
Nöthiges Spielmateriale
        für

den Spielkreis zu Rudolstadt

vorläufig angenommen, daß derselbe aus den ange-
zeigten 16 Kindern bestehen würde, als
zehn von 3 bis 5 Jahr eingeschlossen, u 6 sechs von 7 bis 8 Jahr eingeschlossen.
Erstl. für alle sechzehn würden als 1te Gabe Bälle nöthig seyn
*da aber wohl wenigstens einige der Größeren zu Zeiten daran
Antheil nehmen werden, so würden deren wenigstens 18 anzunehmen seyn. [*] Es fragt
sich ob sich die Kinder die Bälle selbst mitbringen wollten,
oder ob solche dem Spielganzen angemessen, solche einfarbigen
Bälle seyn sollen, wie deren überall in den bis jetzt ausgeführten
Spielkreisen angeführ wendet werden. Hier sey, als das voll- ent-
ständigere sprechendere u Wünschenswerthere das letztere angenommen,
wie es überhaupt gut wäre u sich durch die Erfahrung später hinlänglich
bestätigen wird, wenn der Spielapparat den Forderungen des
Ganzen angemessen gleich vom Anfange an vollständig wäre.
Da nun unter den angegebenen Kindern ohngefähr 5 bis 6
bis zum 4 vierjährige sind, so wäre es sehr zu wünschen, wenn
wenigstens 6 Expl. Bälle vollständig mit Kästen u kleinem nöthigem
Zubehör sich vorfänden. Die übrigen 10 12 Bälle könnten um
wenn man es um der Ersparniß willen für wegen vorzöge, ohne
Kästen u Zubehör seyn.
Zweytens. Von den Spielkästen 2ter Gabe, enthaltend Kugel u Würfel
wäre dasselbe zu sagen. Am zweckmäßigsten würde da
immer seyn, wenn man wenigstens 10 bis 12 vollständige
Expl. hätte.
Drittens. Von der 3ten u 4ten Gabe, dem einmal getheilten Würfel u den
Bauklötzchen wären wenigstens so viel Spielkästen nöthig
als Kinder sind, also zunächst 16. Da nun auch aber auch wie schon erwähnt wohl
von den Kinder begleitenden Größeren daran Theilnehmen, so könnten dürften
man [sc.: es] füglich 1 ½ Dutzend nehmen seyn. Zweckmäßig würde es dabey seyn
wenn wenigstens zu 12 Expl. zugleich auch sich die zugehörigen
Lithographien wären beständen.
Viertens. Von der 5ten Gabe würden mit Lithographien für die Größeren wenigstens 6 Expl
nöthig seyn mit Lithographien, nöthig seyn. /
[1R]
Fünftens. Zum Nachschlagen für die mitspielenden Er-
wachsenen hinsichtl[ich] des verschiedenen Spiel-
gebrauchs als auch für sie wie zur stets gegen-
wärtigen Übersicht über das Ganze und
zur Vergegenwärtigung des eigentlichen
Geistes des Ganzen, würde es gewiß wünschenswerth
seyn, wenn z B die der Gesammtheit d Spielmittel
auch 1 Expl. des Sonntagsblattes und
zu jeder der beyden ersten Gaben ein Textheft
mit Lithographien beygegeben würde.
Hiernach würde nun der Betrag des Spiel-
apparates folgender seyn
in Preuß Crt
18 Bälle mit Kästen u Zubehör à 6 gl  1 rth 12 gl
12 Bälle ohne Kästen mit <Schnur> à 3 gl   1   6 gl
1 Heft mit Text u Lithoraph.   -   4 gl
18 Ex 2ter Gabe ohne Text à 9 gl   618 gl
6 Stück einfache Kugel u Würfel 1 Text mit Lith.   4 gl
18 Ex 3te Gabe à 6 gl   4 12 gl
12 Ex Lithograph à 4 gl  2
18 Ex 4te Gabe à 6 gl  412 gl
12 Expl Lithograph. à 4 gl  2
6 Ex 5te Gabe mit Lithogr   4 12 gl
1 Ex Sonntagsbl[att] I u II Bd  3
          Sum Rth 30  8 gl
davon 1/5 oder 20 % Rabartt [Rabatt] ab  6
          blieben 24 rth   8
würde für jedes Kind ohngefähr 1 rth 8 gl
betragen.
Am angemessensten würde daher seyn
weil auch noch andere kleine Ausgaben
für Springseil u Springel u.d.gl. vorfallen,
wenn jedes der eintretenden Kinder zum
gemeinsamen Kostenbetrag 1 rt 12 gl prC
bezahlte, und so in der Zukunft jedes hinzu-
kommende. Dieß müssen wir über-
wiegend u entschieden für das Angemessenste
halten, denn sollte jedes Kind seinen nöthigen /
[2]
Spielapparat selbst mitbringen, so würde
dieß erstl[ich] mit Beschwerden für Eltern u Kind
verknüpft seyn; zweytens müßte es nothwen-
dig zur Unordnung führen, indem vielleicht bald
das eine, bald das andere Kind ein Spiel-
zeug nicht mit brächte, was eben gebraucht
würde. Drittens würde es leicht zu einer
Menge kleiner Streitigkeiten des Besitzes u des Eigen-
nutzes führen; Viertens zu vielen persönl[ichen] Un-
annehmlichkeiten, wenn dem einen Kind zu-
fällig von dem andern etwas verloren ginge
oder beschädigt würde. Überdieß würde zum
öfteren die Ursache des Verlustes u der Be-
schädigung häufig nicht aufzufinden seyn, wenigstens
der Verursacher vor beyder <Gericht> such[t]e sich
seine That zu verbergen wod[urc]h Unwahrheit u anderes
Nachtheilige herbeygeführt werden würde.
Sechstens würden alle Spielgaben dadurch
mehr geschont, stets in großer Ordnung u Rein-
lichkeit, auch die Spielsachen den Kindern immer
etw.[as] neues seyn, wodurch ihre Freude an
denselben sich erhöht.
Alle diese Gründe, die leicht noch zu erweitern
wären wecken also entschieden den Wunsch,
ja die Forderung, daß das Spielmateriale
im Ganzen angeschafft, somit ein Eigen-
thum desselben Ganzen sey u jedes der
mißlich Theil nehmende Glied mindestens
den angegebenen Eintrittsbetrag dazu
bey steure.
Daß von diesem Beytrage überhaupt außer
der Deckung des augenblickl[ichen] Bedarfes noch
etwas übrig bleibe ist um so wünschens-
werther, als nicht alle kleine Ausgaben
z.B. für Springseil u Springel, Papier
zum Falten u Herstellungen kleiner Beschädigungen
an den Spielkästen sich so genau vorher
angeben lassen. /
[2R]
Um nun den Kostenübersicht betrag welcher
das Ganze fordern würde, sogleich hier
übersichtl[ich] zu haben
*und somit volle Klarheit in das ganze Verhältniß zu bringen
also erstl[ich] die Vergütigung betreffend. In der
Besprechung Ew Hochwohlgeb[oren] mit HE M[id]d[en]d[or]ff
sind für die jedesmalige Spielzeit für jedes
Kind 2gl erwähnt worden. Hierbey ist auf
die Zahl von 24 Kinder Rücksicht angenommen worden,
da gegenwärtig 20 angerechnet sind, so könnte
vielleicht festgesetzt werden daß diese Preisbest[immun]g
bliebe wenn die Zahl der Kinder noch bis 30
stiege. Meines Erachtens wäre diese Vergütigung
in Maaß u Billigk[ei]t dazu 1 ½ Stunden Unterricht
von hier aus ein an 6 Stunden Zeit erforderl[ich]
seyn würden. Ein Punkt wäre jedoch dabey
noch zu bestimmen p. [*]
so füge ich noch hinzu,
daß nach reifer u vielseitiger Überlegung das
Honorar jedes Kindes für die Stunde
Beschäftigung d.i. von ½ 3 bis 4 Uhr
Dienstag u Freyt[a]g Nachmittag 2 gl prCrt
als in jeder Beziehung entsprechend gefunden wäre
noch anders vorausgesetzt, daß die Zahl der Theil-
nehmenden 24 betragen u diese die Stunden immer
besuchen würden.