Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friedrich Gottlieb Becker in Gotha v. 16.12.1840 (Blankenburg)


F. an Friedrich Gottlieb Becker in Gotha v. 16.12.1840 (Blankenburg)
(BN 717, Bl 13-14, datierter Entwurf 2 Bl fol 4 S. Bei dem in 14R angesprochenen, aber fehlenden Schillerzitat des 13. oder 15. Briefs könnte es sich um den zentralen Satz des 15. Briefs handeln: „der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“)

An den HErn Senator G. L. [sc.: F.] Becker Redacteur des Allgem Anzeigers der Deutschen in Gotha


         Blankenburg b Rudolstadt am 16 Decbr 1840.


         Wohlgeboren
Hochverehrter Herr.

Sie werden gar nicht wissen was Sie von mir denken sollen daß Sie auf Ihre abermal[s] so <menschenfreund[lich]> eingehende Zuschrift vom [Lücke] noch keine Antwort von mir erhalten haben, um so mehr als solche so sehr wesentlich jenen Gemein Vortheil der von mir als heilbringend so sehr angestrebten Sache zerbricht. Der Grund davon ist, daß ich Ihren gütigen Brief recht zeugend beantworten wollte, wozu ich der Beendigung einer Drucksache bedurfte, bey welcher mich aber mein Drucker ungünstiger Weise zu lang warten ließ. Allein nun treibt es mich auch mir mein[en] <?> lange ersehnten Wunsch zu erfüllen und Ihnen die so lange schuldige Antwort zu ertheilen.
Ich freue mich gar sehr Ihnen zum Dank für Ihre fördernde Theilnahme Ihnen wieder gute Nachricht von dem wenn auch langsamen doch guten Fortgange der Sache der Kindheit melden zu können. Zuerst beginne ich mit von dem Fortgange welchen die Spiel[-] und Beschäftigungs-Anstalten für vorschulfähige Kinder von dem frühesten bis zum schulfähigen Alter derselben am bezeichnendsten, den Namen - ”Kindergarten” wählen gebrauchen geben, der auch, wo er bis jetzt gebraucht wurde gern festgehalten wurde.
Zunächst nun von dem Kindergarten hier in Blankenburg, er begann auch bey Anfang dieses Winterhalbjahres unter der Allgemeinsten Theilnahme aller Bewohner des Städtchens. Mehrere Mütter mit kaum [1]jährigen Kindern waren dabey gegenwärtig versuchten zu ihrer Befriedigung selbst die aufgestellten Spielmittel u -weisen auch bey ihren Kleinen u ließen sich für ihre Kinder zu einem festgesetzten Besuche der Anstalt einzeichnen. Die Anzahl der zur Theilnahme sich meldenden und eingetragenen Kinder betrug gegen 75 und mehr. Seit jener Zeit nun war der hiesige Kindergarten immer fleißig besucht, so daß mit den Müttern u die Kinder führenden Erwachsenen oft mehr als 80 gegenwärtig waren. Es ist thut mir so sehr leid, daß ich Ew. Wohlgeboren nicht mehrere sprechende Beyspi Thatsachen von der entwickelnden Wirkung der Spiel[e] auf die Kinder mittheilen kann, ganz Auffallend ist im Ganzen die entwickelnde Wirkung der sinnig gemeinsamen u geordneten Spiele der unser[er] Kleinen auch auf die Kleinsten. - Oft ist ihr das Auge daher unverwandt auf die spielend sich bewegende Menge gerichtet; sie verfolgen die Bewegung, man kann es im Auge lesen mit vergleichender Aufmerksamkeit, der Rhythmus u die Melodie besonders der Kleinen Bewegungslieder wirken sehr wohlthätig auf die Kinder sie, die Kinderchen, sie bewegen sich nicht wie selbst rhythmisch ganz aus innerm Triebe ohne Zuthun der Mütter, (wie mir von diesen gz bestimmt versichert worden ist. - Kleinere Kinder aber welche aber gehen konnten, verlangten von den Armen der Mütter herab und in den allgemein[en] Spielkreis der Größeren einzutreten, wo sie dann so richtig als und achtsam den Kin Forderungen desselben zu entsprechen suchten.- Da ich für schon kräftigere Kinder besonders für Knaben, wie dieß auch aus der Darstellung des HErn Hochstädters hervorgeht, zur Übung ihrer Kraft auch große Bauwürfel habe, mit welchen Gegenstde dargestellt werden können auf welche sich wohl ganz kleine Kinder setzen können; so zeigte sich vor einigen Tagen folgendes uns sehr Auffallende. Eine Mutter war dabey mit einem Kinde gegenwärtig was noch nicht gehen kann. Als dieß das fertige kleine Bauwerk einer Bank sahe auf welches auch schon einige zu sitzen versucht hatten, so verlangte es wiederholend vom Arme der Mutter, rutschte dan[n] nach der kleinen Bank oder Stuhl u war seelenvergnügt darauf zu sitzen, so weckt still Kraft die Kraft u gebildete Kraft weckt das Streben nach eigener Kraftbildung. Es is gewiß für den Menschen- u Kinderfreund rührend dieß zu sehen. Bey Kindern mit verdumpfendem Gesicht u matten Augen, welche kaum fühlen an einen Umgegenden Antheil nehmen, bricht nach einiger Zeit, wenn ich still mit denselben besonders mit dem Ball an der Schnur kleine Spiele mache, wie zu Zeiten die Sonne über uns aus aus dunklem Nebel, der leuchtende freundliche Blick der Augen hervor, der Mund beginnt zu lächeln und die Hand bewegt sich zum Mitspiel. Es ist für den Kinder- u Menschenfreund rührend erhebend dieß zu sehen. Könnte ich doch in dem Augenblicke wo solche Erscheinungen sich vor mir entfalten alle deutsche Männer u Mütter besonders Frauen um mich versammeln welche ihrer Kraft u Stellung u Mitteln nach zum Wohle der aufkeimenden Kindheit wirken können und wie viele verschiedenartige Erscheinungen dieser Gattung könnte ich Ihnen mittheilen. O! wäre es doch mir mögl durch Ihr Organ, durch den allgem. Anz. d. Deutschen Männer und Frauen von Wirksamkeit für die Ausführung von solchen Kindergärten zu gewinnen welche Segnungen würden für das menschengeschlecht gewiß daraus hervorgehen. Unser großer, deutscher Schiller schreibt[:] Freude; Freude treibt die Räder in der großen Welten Uhr, sollte Freude reine Freude nicht in Kindern nicht auch die bewegende Kraft zur Entwickelung eines sittlichen ja eines sittlich religiösen Lebens seyn? Der Beweis scheint mir nicht fern zu seyn liegen; und welch’ ein Gewinn, für die Menschheit von Kindheit auf angereget in freudig sittlich religiöses Leben herauf zu wachsen? - Doch ich kehre zu dem mir zunächst Vorliegenden zurück. - /
[13R]
Durch die 1 ½ jährige aufmerksame Beachtung und wiederholte persönl Prüfung der Ergebnisse u Wirksamkeit des hiesigen Kindergartens (der hiesigen Kinderpfleg-, Spiel- und Beschäftigungsanstalt) sind nun auch ein Verein von Familien u Müttern in Rudolstadt zusammengetreten um einen Kindergarten für ihren lieben Kinder bis zum schulfähigen Alter zu errichten[.] Ich halte dieß Ergebniß in mehrerer Beziehung in socialer Hinsicht so wichtig; daß ich mir erlaube, Ihnen den Namen dieser Familien zu nennen wenn es sind die ersten adlichen u die ersten bürgerl Familien Rudolstadts, welche Kinder dieses Alters haben hier verei[ni]gt: adlich 2 Familien Ketelhodt 2 Familien von Gleichen 1 Fam. v. Beulwitz 1 Fam. von Hopffgarten 1 Familie von Bamberg. 1 Fam. Schwartz 1 Fam Bergmann 1 Familie Schwarz, 1 Fam. Courioni Fam. 1 Fam. Körbitz 1 Fam. Ellerwein 1 Fam. Morsberger 1 Familie Greiner. Mit 94 Kindern dieser Familien wurde die Anstalt dieser R[udolstadt]sche Kindergarten am 1‘ Decbr eröffnet. Viele Die Mütter nehmen großentheils seit dieser Zeit ununterbrochen sinnig thätigen Antheil an den Spielen ihrer Kinder. Was durch diesen Verein von adlichen bürgerl Frauen dessen Zweck Ziel[-] u Ein[igun]gspunkt ein einiger allen gemeinsamer, das Wohl ja das Heil ihrer Kinder ist - zum Segen der bürgerlichen u menschlichen Gesellschaft Gutes erreicht werden wird bedarf ich Ew Wohlgeboren reicher Lebenserfahrung gewiß nicht erst auszusprechen ja nicht einmal anzudeuten. Wöchentlich 2 mal gehe ich mit meinem langjährigen treuen und geprüften Freunde HErrn Middendorff nach Rudolstadt um diesen schönen Garten nach Möglichkeit genügend zu pflegen. Die Fr. Fürstin Mutter Durchl hat die hohe Gnade gehabt dem Verein ein großes Zimmer in ihr[er] Strickschule zu diesem Gebrauche einzuräumen. Vor einigen Tagen erzählte mir eine dieser vortrefflichen Mütter daß ihr kleines Töchterl vielleicht im 3. Jahre sich zu Hause schon bemühe auch ihrem noch kleinen was ich glaube kaum das erste Jahr zurück gelegt haben[de] Geschwister, die kleinen Spiele mit dem Ball zu spielen u ihm die kleinen Liedchen dazu zu <zusingen>; wirklich gab sich dieß Kind in beyden Beziehungen in Spiel u Singen solche Mühe das [sc.: daß] es schien als habe sie dab[ey] den Zweck gefaßt wieder ihr liebes Geschwister dadurch zu erfreun. So wird Geschwisterliebe u Eintracht dadurch frühe genährt u ächtes Familien Leben ist ja ein Pfleggarten Gottes zu allem Guten. Ich erlaube mir Ihnen diese Einzelheiten herauszuheben, um wenn es möglich wäre durch Ihr so hohe Achtung u Vertrauen genießendes Blatt u Organ, die Sache der Kindheit u durch diese der Menschheit in Deutschland so tief zu begründen als Lebenvoll erweiternd zu fördern - Sie verzeihen wenn ich nochmals hervorhebe daß und ich und wir diese Anerk[enn]ung der Sache selbst in Rudolstadt und unter den angegebenen Umständen für höchst wichtig für den Geist derselben und als einen unzweydeutigen Beweis halten daß dadurch eine <sc.: die> längst tiefgefühlten Bedürfnisse der Familien begegnet wird.
Doch auch in größerer Form keimt der Saame des Guten: Aus Gera liegt ein Brief vor mir, wo ebenfalls auf Veranlassung von Müttern u namentlich einer, welche sich durch mehrseitige Anwendung der Spiele im Kreise ihrer u ander[er] Kinder u durch das darüber bereits aus öffentl. ausgesprochene - (: Hier hat wie ausdrücklich erwähnt wird auch die mehrfache Besprechung der Sache im allgem. Anz. d. D. begründend u fördernd mitgewirkt:) - von der Angemessenheit der Sache überzeugt hat, durch einige Vorsteher dort bestehender Schulen unter den kräftigen Vortritt ihres würdigen Herrn Pastor Lang an der Ausführung von Spiel[-] u Beschäftigungsstunden in Verbindung mit einer der gedachten Schulanstalten jetzt thätig gearbeitet wird, so daß solche wie zu Hoffen steht nach Neujahr ins Leben treten soll. Aus einer andern seit langen Jahren normal erziehenden Stadt Deutschlands ist mir mit der Anzeige eines sich reifenden trefflichen Locales u anders wesentl. die Aufforderung geworden dort einen solchen Spielgarten auszuführen anzubahnen mit dem Bemerken daß mit dem nöthig[en] Sinn begabte Frauen u Männer zur Fortführung desselben die Hand bieten würden. Nur war es mir in dieser Jahreszeit u bey meinem beschränkten Hülfspersonale un[mög]l[ich] jenen schriftlichen Wunsch entgegenzukommen so sehr er den Wünschen Forderungen meines eigenen Herzens entspricht - /
[14]
Ein dreifaches drängt sich mir hier wie ich glaube allgemein entgegen: erstl. daß ich glaube es wäre nun ganz an der Zeit u alles dazu gleichsam reif daß sich zur Ausführung solcher Familien Vereine oder wie ich sie lieber nenne solcher - ”Kindergärten” - eine namhafte öffentl. Stimme erhöbe und gestützt auf bereits vorliegende Thatsachen u Ergebnisse u besonders das allgemeine Bedürfniß die Nothwendigkeit solcher Anstalten u die Aufforderung sie auszuführen, bestimmt ausspreche. – Seit dem ich mir erlaubte, auch Ihnen das letztere mal darüber anzusprechen sind mir Stimmen von hochachtbaren praktischen Erziehern bekannt geworden welche sich schon vor 35 --- Jahren für die Nothwendigkeit derselben ausspr[achen]. Sollte nun nach ... Jahren nicht auszuführen seyn was nun schon seit ... Jahren als Bedürfniß gefühlt wird? -
Zweytens so viele junge Männer wissen nicht was sie ergreifen sollen, alles sagen sie <sey> über<[be]setzt> Handwerk wie <Geschäft[stand]>, wie Lehrer u Gelehrtenst[an]d, hier eine neue Wirklichkeit welchen vielen Unterhalt verschaffen könnte u von deren Hand sie sich wie zu regen praktischen erziehenden Lehrern so gz besonders zu guten Väter[n] emporbilden könnten[.] Von mehreren Seiten werde ich jetzt um junge Männer zu SpielFührern u. Arbeitern an solchen Kinderpflegeanstalten ersucht, der Mangel derselben ist allgemein fühlbar, darum dünkt es mich sollte unpartheiische Lebenserfahrung jungen Männern diesen Wirkungskreis nachweisen, der Staat dünkt mich würde dann dadurch die erfahrensten und wahrhaft erziehende Lehrer bekommen.
Drittens tritt bey dem allen nun die Wichtigkeit ja <Noth>wendigkeit der Ausführung des von mir dargelegten großen Erziehungsunternehmen, des deutschen Kindergarten entgegen. - Es ist wahr auf eine selten eingehende Grundlage u durch einfache Weise haben Sie dieses in Ihren letzten Aufsatz in No.- [Lücke] des Allgem. Anz. d. D. ausgesprochen; doch leider kann das Gute selbst den Deutschen nicht oft u nicht eindringlich genug vorgeführt werden und muß darum geschehen. Ich freue mich nun auch in dieser Beziehung nun darauf in Ihrem Blatte zurück kommen zu können Ihnen hochverehrter HEr. Senator günstige Mittheilung machen zu können. Nicht nur das erste Hundert der Unterzeichnungen ist schon seit längerer Zeit geschlossen sondern auch das 2‘ Hundert hat wieder begon zählt schon mehrere Unterzeichnungen. Ich lege zu diesem Ende das Verzeichniß des ersten Hunderts der Unterzeichnungen bey. Vielleicht daß sich dadurch veranlaßt in den allgem. Anzeiger der Deutschen wieder auf diesen Gegenstand zurück kommen ließe.
Doch auch hochverehrter gütig förderl erziehender HEr. Senator erlauben Sie mir ganz offen u vertrauensvoll die Mittheilung eines Gedankens, ich glaube, Sie werden ihn den [sc.: dem] es endlich seyend[en] Thüringer u <Thüring>schen Landsmann nicht übel deuten: - Sie feyern am 1 Jan. daß 50 jährige Jubelfest des Bestehens des allgem ihres [sc.: Ihres] so viel Gutes begründet habenden deutschen Volks- Nationalblattes. Wäre es nicht ein würdiger Gegenstand wenn sie [sc.. Sie] die deutsche Kindheitpflege - eine Sache welche schon so lange von den edelsten deutschen Männern u Frauen angestrebt wurde - wenn Sie die Ein[-] u Ausführung der LocalKindergärten so wie die des ”deutschen Kinderkindergartens” u die kräftige Aufforderung u Mitwirkung zu dessen u jener Verwirklichung zum Hauptpunkt der Festfeyer zum Hauptgegenstand ihrer [sc.: Ihrer] Fest[-] und Jubelnummer nähmen? Mich dünkt - sie [sc.: Sie] verzeihen mir die Offenheit u Unbefangenheit mit welcher ich zu ihnen [sc.: Ihnen] spreche - mich dünkt ein[en] würdigern großenartige[r]n, bleiben[den] /
[14R]
das Leben und die höchste Bedeutung in sich (selbst) tragenden Gegenstand zur wahren Verherrlichung der Jubelfeyer könnten Sie nicht finden. Außer dem oben angeführten sagt auch der noch jüngst so hoch gefeyerte deutsche Sänger Friedr Schiller in seinen Briefen über ästhetische Erziehung des Menschen am Ende des <15> Briefes ............... [Zitat fehlt]
Und ließe sich wohl ein würdiger[er] Gegenstand zur eine Jubelfeyer finden als der welcher einst der Träger der menschlichen Kultur seyn wird, denn was heißt dieß anders als die Pflege des Göttlichen in der Menschheit u im Kinde eben als eines Göttl. d[urc]h Feyer würdige u doch ensprechende gesetzmäßige Entfaltung wird der Träger des menschl Lebens seyn - kann es anders seyn. Wo ist etwas anders tiefer gegründet als im Ewigen Göttlichen? wo fließt anders die Quelle des wahren Lebens als im in sich einigen Leben. -
Sie sind so rücksichtsvoll mich zu fragen ob Sie von Hochstädters Darlegung für Ihr Blatt Gebrauch machen dürfen. Als ich mir Ihre Anfrage bekannt wurde war sie schon dem Drucker für das S.Bl. übergeben. Jetzt empfangen Sie solche in u mit dem S.Bl. I Bd 2 1n Heft in No ....[Lücke] Machen Sie nun davon welchen für Ihr Blatt den besten Gebrauch - Heben Sie aus dem Blatte u sonst aus den Ihnen von mir vertrauensvoll übersandten Schriften aus was Sie nur immer zur Förderung der Sache für Hülfen halten - Sie haben Ihr Blatt hat es ja sonst bey anderer Gelegenheit u Gegenständen zum besten des Bezweckten auch so gehalten. - Möchten Sie das Blatt wenn Sie es besonders in ihrem letzten Heft durchsehen, es besonders für geeig[ne]t halten zu einem Haus[-] u Familienblatt für Eltern u Mütter, so wie besonders für Erzieher u Erziehung kleiner Kinder u namentl auch als ein Handbuch für Vorsteher u Leiter von Kleinkinderpflege-, sogenannten Bewahranstalten u zu diesem Zwecke empfehlen können. Es wird in seiner Ausführung, wie ich hoffe daß dieß die letzten Nummern immer mehr beweisen - immer praktischer für den vorliegenden Zweck immer belehrender leitender Mittel u Weg an die Hand gebender besonders das Wesen des Kindes erschließender also auch entsprechender werden es angemessen zu behandelnder werden. Um eine möglichst allseitige Prüfung des Ganzen herbey zu führen lege ich auch die Spiele soweit solche in dem u d[urc]h das Sonntags Bl. übergeben sind neml 1-4 Gabe nebst Text u Lithographien hier bey.- Möchte es mögl seyn irgend in ein Kindergemüthe dadurch eine kl. Festfreude hervorzur[ufen] und bitte solche darum gütig als Mitgabe zum Ganzen aufzunehmen.- Sollten irgend wo einmal diese Spiele irgend in großer Menge gebraucht werden wie dieß schon in einigen Anstalten der Fall ist, so werden von der hiesigen Anstalt dann stets zur Förderung der Sache von den in den literarischen Anzeiger auf dem Umschlage dort Heft 2 angegebenen Preisbestimmungen die billigsten Bedingungen gestellt werden, dieß im Fall bey Ihnen deßhalb Anfrage geschehen sollte. - Ich werde mir erlauben, <weil> in der nächsten Nr. die 5e Gabe bearbeitet worden ist solche alsbald zu übersenden jetzt tut es mir nur leid daß es so spät geschiehet allein umsonst der Drucker war schuld.
[14V]
[gestrichene Randnotiz *-*]
[*] Es wird Niemand in Abrede seyn es handelt sich jetzt im Leben um die Wiedergeburt, vielmehr Erneuung, Veredelung der der [2x] bürgerlichgesellschaftlichen, der socialen Verhältnisse worinn aber hat diese anders ihren Grund und Ausgangspunkt als in der Familie, in dem Familienleben und wo hier wieder anders seinen Keim u seinen Quellpunkt als in der Erziehung, als in der Erziehung in ihrem Anfangspunkt in der Beachtung und Pflege der Kindheit; daß aber von dieser, sie recht und als Pflege des von Gott selbst in den Menschen gelegten, ja das Wesen des Menschen eigentlich ausmachenden Thätigkeits[-] u Beschäftigungs- kurz Lebenstriebes erkannt - wirklich eine sociale Erhöhung u Veredlung ausgehen wird, habe ich im vorstehenden angedeutet. Möchte es mir gelingen Ew. Wohlgeboren Ihnen hochverehrter HErr Senator die von mir angebahnte Pflege- und Beschäftigungsweise der Kinder von dieser Seite [aus] in ihrer wahren Wichtigkeit zu zeigen. - Möchte es Ihnen dieß d[urc]h Ihr geachtetes Organ mit dem deutschen Publikum gelingen.- Ich erlaube mir Ihnen auch die Fortsetzung des Briefwechsels einer Frau, welche d Spiele bey den Ihrigen u Andern mit förderl Erfolge anwandte, mitzutheilen zur weiteren Förderung <?> d Äußerung von Wolke [*]
[14R]
[ebenfalls gestrichene Randnotiz *-*]
[*] in dieser Beziehung bekannt zu machen [der] jetzt seit ein[ig]erzeit in Deutschland u jetzt in Berlin lebt. Darüber vielleicht später. - Zuletzt die seelenvollsten besten Wünsche zur Feyer Ihres Jubelfestes - Es giebt schwerlich einen welcher inniger aufrichtiger Antheil an dieser Feyer nimmt als Ew. Wohlgeboren ganz ergebenster FrFr Verzeihen Sie mir gütigst meine abermalige so lange Mittheilung. Nur gar zu gern hätte ich mich, um Ihnen schnelle Kunde u Übersicht von dem Ganzen zu verschaffen - kürzer gefaßt wenn es den Reichthum des Mitzutheil[ende]n verstattet hätte. In den Neuesten Nummern des S. Bl[.] wird von der Karl Schneiderschen Anstalt in Frankfurt a/m Nachricht gegeben werden. Eins muß ich doch noch erwähnen daß auch die engl Erziehung sich recht ernstlich für den Gegenst[an]d zu interessiren scheint u zwar zunächst d[urc]h eine Engländerin eine praktische Erzieherin welche <?> sich mit den deutschen Ergebnissen [beschäftigt.*]