Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 19.12.1840 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 19.12.1840 (Blankenburg)
(BlM XIV,5, Bl 29-30, Brieforiginal 1 B 8° 3 S. - Es gibt zwei F.-Briefe vom selben Tag an Schmidt, hier handelt es sich um den 2. Brief, der einer größeren Sendung beigelegt wurde; darauf deutet auch das Papierformat (ein kleines Quartblatt, das längs zum Bogen gefaltet wurde. Der andere Brief v. 19.12.1840 im Besitz des BLV/Berliner Lehrer Verein ging 1945 verloren).
(Verhältnis Originalzeile : Transkriptionszeile nicht 1 : 1)

         Blankenburg bey Rudolstadt am 19 Decbr 1840.


Hochgeschätzte liebe Muhme.

Daß der Verpackende die Texte der letzteren Sendung beyzulegen vergessen hat, thut mir gar sehr leid. Ich beeile mich nun den Fehler womöglich zu verbessern. Ich lege hier einige Preißbestimmungen bey wonach Sie gütigst die Preise bey Abgabe der Exemplare bestimmen können. Der von mir bey der jüngsten Sendung im Umschlage eiligst angegebene Preis bezieht sich jederzeit auf ein vollständiges Exemplar mit Text und Lithographien, oder mit letztern allein; doch werden auch von der ersten und zweyten Gabe
wenn mehrere Exemplare gewünscht werden, die Spiele ohne Text nach dem angegebenen Preis allein abgegeben, weil der Text mehr für den Spielführenden ist. Bey der 3en und 4en Gabe sind jedoch die Lithographien zu dem Spiele wesentlich; es sey denn in größeren Kindervereinen, wo sich auch wohl eine Einschränkung machen läßt, doch immer mit einigen Nachtheil für das Ganze; daß jedoch dann bedeutender Rabbat eintritt habe ich schon früher bemerkt.- /
[29R]
Das beygefügte Päcktchen ersuche ich Sie, liebste Muhme, ergebenst zur Zeit der Christbescherung Ihrer lieben Söhne zu öffnen. Ich wollte es erst so absenden, daß es gerad zur rechten Zeit bey Ihnen einträfe, doch finde ich es nun gerathener sogleich diese Gelegenheit zur Absendung zu benutzen.
Von dem Fortgang der Sache habe ich Ihnen blos zu melden: die Frauen und Mütter in Rudolst: nehmen zum großen Theil persönlich sehr eingehenden Antheil an den Spielen ihrer Kinder im Darstellen sowohl als Gesange und ich hoffe für die Familien Seegen davon; so habe ich z.B. gehört, daß größere Geschwister zu Haus mit ihren Kleineren, die Spiele nachzuspielen sich bemühen.- Die Nothwendigkeit der Ausführung des "deutschen Kindergartens" tritt jedoch dabey recht bestimmt entgegen; einmal damit die Spiele in ihrer ganzen Vollständigkeit und Klarheit ausgeführt werden, damit man sich gleich auf einen Blick von der Bedeutung derselben überzeugen kann; dann damit es möglich wird wahrhaft erziehende Kinderpfleger durch Einsicht und Übung (:theoretisch-praktisch:) heraufzubilden. /
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Welchen Fortgang nun dieß Unternehmen bis jetzt gefunden hat mag aus dem beyliegenden Verzeichnisse des ersten Hunderts der Unterzeichnungen hervorgehen. Auch das zweyte Hundert hat schon begonnen. Haben Sie liebste Muhme die Güte den verehrlichen Unterzeichnerinnen in Gera und Ronneburg jeder ein Exemplar dieser Listen, theils als Dokument, theils zur weiteren Förderung der Sache zu überreichen.-
Versuchsweise wurde jüngst auch ein Exempl. der 4 ersten Spielgaben für die Kleinkinderschule in Gotha, so wie früher eines zu gleichem Zwecke nach Weimar gefordert.
Nochmals meine herzlichsten Wünsche zur beglückenden Feyer des Christfestes, zum heiteren Austritt aus dem alten und zum freudigen Eintritt in das neue Jahr und erfüllen Sie mit Ihrem lieben Gatten und Söhnen die herzliche Bitte um Ihr fortgehendes freundliches Wohlwollen auch im neuen Jahre
Ihrem
aufrichtigen Vetter
FriedrichFröbel. /
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[leer] /