Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <?> in <?> v. <nach 28.6.1840>


F. an <?> in <?> v. <nach 28.6.1840>
(BlM XI,3,32-32R, Briefentwurf 1 Bl 8°, undatiert)

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Innig hochgeehrter Herr und Freund:

So erlauben Sie mir gewiß Sdie beyden vielfach gleichen Beachtungen freundlichen Bezeugungen unserer Bestrebungen unserer
Sinnes Denkens Handlungsweise zu Ihnen sprechen dSie anreden zu dürfen; denn wie sollte mir nicht der
Mann ein hochachtender Freund seyn, welcher deutschem frischen und doch <jungen> Jugendleben im ganzen Umfange
seiner Kraft ein so starker so starker Hort u <-> hingegebener Pfleger ist; wie sollte uns
mir nicht
der Mann der den wandernden Gliedern eines Erziehungshauses so freundschaftlicher als ein so deutscher sinniger herzl Freund
begegnete nun nicht erlauben auch ihn Freund nicht nur Freund nennen, sondern auch
seyn zu dürfen warum sollten Sie darum bey so vielfachen gleichen Lebensrechten mir nicht erlauben Ihnen
Freund
Sie nicht nur Fr[eu]nd nennen sondern auch Ihnen seyn sie [sc.: Sie] um Ihre Freundschaft bitten zu dürfen? -
Arbeiten Sie gleich schon in einer gesund u kräftig herangewachsenen Pflanz[-] u Baum[-]
schule und ich erst in einer BaumSaatschule in welcher kaum noch äußerl. etwas zu sehen
ist, so wissen sSie doch gewiß als ächter Baumgärtner u Jugenderzieher wieviel zur
allseitig geist[-] u körperkräftigen an Leib u Seele gesunden Jugendtüchtigkeit u Gesundheit eine angemessene deutschMenschen[-]
pflege beyträgt wahre wie der Kindesnatur entsprechende Kindheit
und wie ich gleichsam noch in u unter der Erde noch in dem Zeitpunkt des Knospens ja erst des Keim-Quellens vor
der Zeit des Blühens u Aufbrechens arbeite so wissen sSie doch als aufmerksamer Natur[-]
u Lebensbeachter wieviel es zum frischen Wachsen auf ein gesundes kräftiges Keimen Erscheinen und dieser zur zum frohen
Aufknospen u Blühen auf eine unbeschäftigte, von keine[m] armen Wurm u äußern Gespinst beschäftigte
Knospe ankommt und so bin ich tief von ihrem [sc.: Ihrem] edlen deutschen Menschen Geiste u Gemüthe überzeugt
daß auch Sie mir, zur geleg wenn auch nur erst zum Anbahnen meines Kindheitpflegenden Erziehungs{-]
werkes, ihren [sc.: Ihren] kräftigen deutschen Mannesrathe uns helfend reichen werden, wenn sich Ihnen dazu nur ein
Anhalt- wie ein Anknüpfungspunkt zeigt. - Erlauben Sie mir nun <es ?> daß ich den Ihnen vielleicht denselben von meinem
Standpunkt aus zeigen reichen darf. - Unsere Gutenbergsfeyer , erlauben Sie mir daß ich es zu
meiner Freude und Erhebung Ihnen aussprechen darf breichen sich - wie aus gleichem Geiste
Ggeboren so schön die Hand, selbst bis in kleine Begebenh[ei]ten hin zeigt sich das Gleichlautende
Gestatten Sie mir darum daß ich Ihnen beykommend eine Beschreibung unseres Gutenberg Erziehungsfestes
übersenden darf. Vielleicht daß sich Ihnen so von Ihrem schönen Feste ausgehend u auf das unsere
dem ihrigen [sc.: Ihrigen] verschwisterte hinweisend - Gelegenheit zeigt den edlen Frauen ihrer [sc.: Ihrer] Stadt u Um[-]
kreis auf den eigentl Zweck unsers allgem: deutschen Erziehungsunter[-]
nehmens: unseres „deutschen Kindergartens“ als eines Werkes zur Beförderung u Möglichmachung ächter Kindheitpflege im
häuslichen u besondern wie im öffentlichen u gemeinsamen Leben welches selbst auf ihre Verhältnisse wieder wirkt zudarzulegen.
Vielleicht verbürgt vorläufig das Verzeichniß der edlen Unterzeichnern wovon
fast die Hälfte sich durch Sach- u Thatanschauung sich von der Zweckmäßigkeit unseres Be-
strebens überzeugt haben - denselben die Nutzbarkeit desselben /
[32R]
Zwar wird einer meiner u unser[er] Freunde, der HE Cand.
Lommatzsch
, der Lehrer an meiner Erziehungsanstalt zu Keilhau,
welchen ich besonders darum gebeten habe, Ihnen mündl[ich]
da mir zur schriftl[ichen] Mittheilung die Zeit zu kurz war,
Ihnen von dem Fortgang unserer Unternehmung zur Ver-
allgemeinerung wahrer Kindheitpflege überhaupt wie
der Ausführung {eines/des} deutschen Kindergartens insbesondere
Nachricht gegeben [sc.: zu geben] u die zu diesem Zwecke jetzt ver[-]
öffentl[ichte] Festbeschreibung mit dem wärmsten Dank
für die so entsprechende Einführung des Unternehmens
in das deutsche Publicum überreicht hat [sc.: überreichen soll, dies tun.]
Dennoch erscheint es mir auch als Pflicht
Ew. Wohlgeb[oren] summarisch schriftl[ich] von
dem gegenwärtigen Stand der Unternehmung Nach-
richt zu geben.Aus der Anlage No 1 werden Sie ersehen wie
in dem Leiz. Tagesblatte Ihre so entsprechenden Begleit-
worte Einführungsworte weiter benutzt worden um nicht
nur das größere Publicum immermehr auf das Daseyn der
Unternehmung aufmerksam zu machen, sondern auch zur
fördernden Unterstützung derselben aufzufordern. Das Gleiche
höre ich, soll auch noch in einigen andern Localblättern
geschehen seyn[.]
Wenn pp schon v. HE L. [Lommatzsch] Ihnen übergeben seyn wird dann mit hochachtungsvoll[em] Gruß und
Ergebensten Dank für [bricht ab]