Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Lohse?> (2. Hälfte 1840) (Blankenburg)


F. an <Lohse?> (2. Hälfte 1840) (Blankenburg)
(BlM XXIX, 3,1, 1 Bl 4° 1 S., Rückseite vakat, undatierter Entwurf ohne Anrede, könnte zu Brief an Otto Wiegand gehören, andererseits wird Plauen erwähnt, evtl. Lohse)

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Vielleicht wird es dad[urc]h mögl die edlen u achtbaren Frauen Ihrer Stadt u Umgegend zur
fördernden Theilnahme an dem Werke auf wirksame Weise einzuladen. Sie können ihnen
jetzt das sprechendste Beyspiel an Ihrer u Plauens Wirksamkeit zeigen wie das fördernd u
nachahmend weiter wirkt. –
Ja hochgeehrtester Herr u Fr[eun]d es wäre wohl ganz vorzügl. schön wenn auf dem
Grund des Gutenbergfestes und d[urc]h die Feyer desselben veranlaßt sich 2
deutsche u ächt deutschsinnige Männer zur entsprechenden Erziehung u Führung
deutscher Kindheit u Jugend sich wenn wir beyde uns dazu brüderlich und still die Hand reichten. Mein Vertrauen
haben Sie, Sie kommen so freundschaftlich den Gliedern
meines Kreises als eines erziehenden als eines in mein[em] Geiste und mit mir nach
einem Ziele – ächte deutschmenschliche Tüchtigkeit u Güte st strebend – entgegen, daß
ich mich auch Ihres Vertrauens zu erfreuen, hoffe Sie besitzen das Vertrauen
Ihres Wohnortes wie Ihrer Vaterst[a]d[t] u G[an]zen Umge[gen]d ja des ganzen schön[en] u
<denksinnigen> Vogtlandes ich darf mich des Zutrauens in meinen kleinen u großen
Kreise erfreuen sollte daraus nicht ein still duftendes deutsches Mädchen
erblühen? – Versuchen Sie daran den Gedanken ächter der Menschen Wesen
wie der Kindheitpflege, den Gedanken der Ausführung eines deutschen Kindergartens
- (was hat z B die deutsche Kunstgaler[ie] zu Dresden auf deutsche Kunstbild[un]g ge[-]
wirkt ein Frankisches ErziehungsHaus zu Halle für deutsche Volksb[il]d[un]g
so ein Schnepfenthal rc rc) in ihrem [sc.: Ihrem] Umkreis Anklang zu Ver und
Theilnahme u so Unterzeichnung zu verschaffen, wofür Sie Theilnahme zu erwecken
suchen, daß [sc.: das] will ich Ihnen ausführen[.] So wie das von Ihnen angebahnte
kräftige Jugendleben hier wieder wieder aus seyn[er] Kraft weiter fortbilde damit Ihre Wirksam[-]
keit nicht allein stehe u sich Ihre Turner auch in andern deutschen Gauen
Genossen erfreuen, so lassen Sie uns die Menschheit wieder in der Kindheit
u deutschen Sinn u deutsches Leben in der Jugend pflegen. Wo Jahn schreibt daß alles
aus dem ff gehen müsse so lassen Sie uns als Ziel unser[es] Streben[s] zwey andere dem R[echtschaffenen] an[-]
[ver]trauter f. als Ziel im Auge haben sei’s d[er] Friede des Herzens u Gefühls (Reinheit u Verläß[lichkeit] Wahr[heit] und Freude
u Freudigkeit des Lebens u Gemüthes, deutschen Her[zens] u Gem[üths] – Geistes u Lebens
[1R]
[Mit Bleistift:] Dann das letzte Familienerziehung der letzte u Hauptzweck.
Sorge Mütter zu bilden, Müttern da sie bey den jetzigen Umfang der Frauen<arbeit> der Hausfrauen diese nicht ohne dauernde Gehülf[inn]en seyn u wirken können dafür zu sorgen ihnen erziehend gebildete Gehülf[inn]en zur Seite zu geben
Es ist mir nun nichts mehr zu sagen übrig als die herzlichsten u hochachtungsvollsten
Grüße von meinen jetzt gegenwärtigen Freunden Herrn Middendorf[f], [und] Herrn Barop
und den Ausdruck der innigsten Hochachtung zu wiederholen mit welcher ich
bin Hochgeehrtester Herr
   Ihr

Ergebenster