Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an „Verehrte deutsche Frauen und Jungfrauen“ in <Blankenburg> v. <1840> (<Blankenburg>)


F. an „Verehrte deutsche Frauen und Jungfrauen“ in <Blankenburg> v. <1840> (<Blankenburg>)
(BlM XXIX, 1, 1 (Entwürfe) Zettel (Briefkuvert), ca 10x10 cm, beidseitig flüchtig beschrieben)

[1]
Verehrte deutsche Frauen u Jungfrauen

Der Gedanke, oder vielmehr die Idee, diese[s] innere Lebenswesenbild,
welches ich Ihnen hier zur äußern Gestaltung, zur Verwirklichung vorführe, ist - vertrauen
Sie zunächst und einige Zeit dem Worte eines, wenn auch
unbekannten u einfachen, doch deutschen Mannes - ist wahr
ist so gewiß wahr als Wahrheit in der Menschh[ei]t
ist, sie ist ewig wahr so gewiß die Menschh[ei]t
ewig ist allein und sie wird, sie wird ver[-]
wirklicht werden so gewiß als
die Menschheit nicht aufhören
wird der Vollendung
sich entgegen zu ent[-]
wickeln und als der gewisse Ausgangsp[un]kt
Ausgangspunkt [2x] welcher zur
Vollendung führt von
der rechten Würdigung u Erfassung der frühen u ersten
Kindheit ausgeht. Allein
warum sollte ich der ich in der gegenwärtigen
Zeit lebe der ich von der gegenwärtigen Zeit
so vieles Gute empfangen habe nicht wünschen daß
der Gedanke auch jetzt für die Zukunft u zur Ausbildung für
die Zukunft erfaßt werde u daß die gegenwärtige
Frauenwelt sich den Dank der Nachwelt erwerbe. Darum
bitte ich Sie um Ihrer künftigen Selbstzufriedenheit willen und bey der
Achtung der Nachwelt lassen Sie diesen Gedanken der Menschheits[-]
beachtung nicht unbeachtet vorbey gehen. Stoßen Sie sich
nicht an die [sc.: der] sogenannte runde Summe in der die
Förderung geschehen müßte, bedenken Sie doch [daß]
während 2 Jahr[e] tgl zurückgelegte
Pfege [sc.: Pfennige] diesen Ertr[a]g b[ringt]
u bedenken Sie daß es ein allgemeine[s] Werk gilt; ja aber
dieß ist ja eben der Haken jeder sagt das nächste
ist mir das Wichtigste, ja aber was ist dann das
nächste [:] Brot oder Luft - die Luft doch gewiß in der wir leben dieß ist das allgemeinste
leben wir in ersterbender verdumpfender Luft wo selbst Brot u selbst <Braden> [sc.: Braten] e[tc.]
<mangelt>[;] u eine solche reine gesunde Beziehung Atmosphäre für die Kinder
der g[an]zen Welt wollen wir darstellen, da worin klare schöne Luft /
[1R]
für Stadt u Dorf, Berg u Thal u wie schön lebt sich’s
in klarer frischer Luft überall; darum lassen Sie mich
nicht vergebens zur Förderung des Werkes auffordern, ich sage nicht
lassen Sie mich nicht vergebens um Förderung der Sache bitten, denn
das wäre schmachvoll für ein Geschlecht wenn man
nun noch für die Unterstützung eines solchen Unter[-]
nehmens bitten sollte. Lassen Sie sich nicht
den Gedanken beschleichen der wie ein
Lügner von der Wahrheit
[ab]wenden möchte
, daß Ei[-]
gennutz diesem Gedanken zum Grunde läge; wie
könnte der Eigennutz diese Sprache reden; doch gut Ja! Der
Vorwurf hat recht der größte Eigennutz spricht aus dieser
Forderung, allein der edelste; denn
nur wenn das in dem Ganze[n] glücklich jeder für seine Stufe gebildet ist
kann der einzelne wahrhaft glückl[ich]
seyn so handelt sich es also um
das Glücke, den Frieden u die Freude
des Einzelnsten Eigensten auf das was
dem Einzelnsten nützt, also um
wahren Eigennutz[.]/