Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an “Fräulein” (um 1840) (Blankenburg)


F. an “Fräulein” (um 1840) (Blankenburg)
(BlM XXIX, 1,3, 1 Bl 4° 1 ¼ S. Undatierter Entwurf)

[1]
L. Hochgeschätzte[s] Fräulein[.]

Daß Sie durch die dem Briefe Ihres hochgeacht[et]en Bräutigam beygefügten freundl <be> Zeilen vollkommen Ihren [sc.: ihren] schönen Zweck mir
damit eine Freude zu machen erreicht haben, brauche ich Ihnen wohl kaum auszusprechen Ihr
lieber Brief so wie g[an]z besonders die mir in demselben mir mitgetheilte schöne gefundene Lebenseinig[ung] welche derselbe mir auch rein mittheilen will
gehört zu den schönsten u freun[d]l <wahrhaft innigen> Blüthen u <präch[ti]sten> Erscheinungen meines Lebens. Wie so sehr
wünschte ich so sehr wünschte daher ich daß diese freundl liebe Erscheinung in dem Maaße Gefühl bliebe gepfleget u
daß sie sich ungetrübt zu der schönsten Lebensfrucht entwickeln könnte.
Eigentl. gemeinsame Freude dem reinsten Kinderleben u an der hingebenden Beachtung u Pflege dM[en]sch[en]
dieß ist es was Sie liebensw. Fräul. mit ihrsehr [sc.: Ihrem sehr] geschätzten Bräutigam [zu] finden
gemacht, was Sie mit demselben geeint hat ja wenigstens wie d[urc]h Sie sich schon als schöne Ein[igun]g erkannt haben. Hohe Achtung für das reine Menschheits[-]
leben wie es sich im Kind u in der Kindheit wohl
noch offenbart u Pflege, Sinn, Liebe u Hingabe Zur Pflege desselben das was also
das Einigende Ihres schönen Lebens, Ihres Herzens[-] u Seelenbundes, wo
kann es ein schöneres höheres u herrlicher tiefer begründeteres Lebensband geben -
ist es ja doch eigentl. zugl. das Bedürfniß das unbewußte Suche[n], das unbewußte Ahnen des gewissen
Funkens dieser Höchsten Lebensentwickelungpflege einzig was dieser Menschheitentwickelung u
Pflege was edle Gemüther sind, und so soll es ja auch einzig nur seyn, darum
muß auf einem so gefundenen so geknüpften Lebensbund nothwendig auch des Himmels
Seegen ruhen; ja er wird gewiß auf diesem u so Ihnen beyen sehr werthen verlobt[en] ruh[en]
wenn Kundnahme, Darlebung u Gestaltung reiner Menschheit im Leben u d[ur]ch d[a]sel[be], wenn ächt[e] Pflege derselben in Menschheit
der Kindheit u im einzelnen Kinde Ihnen <beyden> bewegend das schönste Geschäfte im Leben seyn wird,
ja wenn Sie beyde bald geeint
in dem Kinde die Kindheit, in der Kindheit u Menschheit u in der Menschheit das Gött[liche]
u die Gottheit erkennen, ehren u zur Betrachtung anerkennen. Diese Einigung Ihres beyderseitigen nun
geeinten Lebens in der einigen höchsten Lebensquelle u daß in dieser höchsten u einigen Lebensquelle alle
Ihre höchsten Lebenserscheinungen wie Ihres Ursprungs u Ausgangs so ihren [sc.: Ihren] Rückbeziehungspunkt
haben mögen ist mein sehnlichster Wunsch. Sollten Sie mir dieß Ihr darin begründetes Lebensglück
fernerer Mittheilungen theilen lassen so würde ich Ihnen wenn Sie mir
es anders erlaubten zur Pflege desselben gern als<baldig> mittheilen was ich zur Pflege desselben gefunden
zu haben glaube. Vergessen Sie liebende hochachtungswerthe Fräul[ein] Braut nicht daß eigentl
jede neu begründete Famil[i]e von Gott berufen ist daß aus ihr das Seyn für sie selbst, so für ihr
Geschlecht, ihr Volk u die Menschheit hervorgehen soll u jede Familie soll eigentl streben diese Berufung zu erfüllen[.] Wollen Sie mich später von
Zeit zu Zeit d[urc]h ein Blümchen aus Ihrem schönen Leben d. i. mit einigen Zeilen erfreuen so würde ich versuchen
mich Ihnen dankbar zu erweisen. –
Mit der aufrichtigsten Hochachtung Ihnen wie Ihrem lieben Bräutigam u so beyen herzl.
ergeben
FriedrichFröbel

[1R]
Ist doch dad[urc]h der schönste meiner Wünsche, daß aus ächter Kinderpflege des Kinderlebens
höhere Lebenseinigung Lebensklarheit u Lebensfriede u Lebens<freude> hervorgehe erfüllt