Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an <Dr.?> in <Merseburg/Halle> v. Neujahr <1.1.1841> (Blankenburg)


F. an <Dr.?> in <Merseburg/Halle> v. Neujahr <1.1.1841> (Blankenburg)
(BlM XXIX, 4,3 undat. Briefentwurf auf 3 grünen, meist beidseits beschriebenen und numerierten schmalen Streifen, Variante des Briefanfangs auf 3, Datierung aufgrund Angaben im Brieftext)

[1]
1)
1. Es wird Sie sehr wundern auf Ihre frdl
        Besprechungen mit unserm Fr[eu]nd u Miterzieher
        Frknbg [sc.: Frankenberg] noch keine Nachricht von uns u mir erhalten
        zu haben; der Grund lag darinn daß ich erst
        eine gewisse Abschließung des G[an]zen erwartete[.]
        Nun ist diese wohl schon seit einigen Wochen
        eingetreten aber da kamen dann wieder
        neue g[an]z nahe liegende u unmittelbar einwirkende Unterbrechungen dazwischen, so
        daß die Miththeilung an Sie nach welcher ich mich
        so lange gesehnt habe sich bis zum heutigen ver-
        schob. Jetzt sey solche aber im neuen Jahre
        mein erstes Geschäft.
2. Erlauben Sie mir nun mich gleich in die Mitte
        des im Herbste v. J. mit Herrn Fr[an]k[e]nb[er]g besprochen[en]
        zu versetzen um daraus das Weitere mögl[ichst]
        darauf die von Ihnen das von Ihnen von hier aus Gewünschte darauf gewünschte Mittheilung
        Ihnen machen zu können.
3. Hfrr Frkbg schreibt mir: Unter Ihrer tüch[ti]gen
        Vertretung habe sich ein Verein in Merse[-]
        burg zwar zu erst für ein[en] g[an]z besondern Zweck gebildet welcher aber eine allgemeinere Sendung
        gewonnen habe
   Auch die Kinder der Armen, überh[au]pt
   auch der arbeitenden Klasse so zu er[-]
   ziehen, daß sie nicht in die Zuchthäuser
   kommen.
In dieser Beziehung schreibt mir ferner HrFr[kbg]
haben Ihnen nun die Mittheilungen welche Ihnen derselbe Fr. u
über meine Bestrebungen gemacht habe
Ihre Aufmerk[sam-]
keit so erregt,
daß Sie mit diesen gleich näher bekannt wer
werden möchten um vielleicht von denselben
für die Erreichung Ihres so menschenfreundl
Zweckes wirklich entsprechenden Nutzen zu
ziehen.
Dieß nun das eine worüber auch Hfrr
Frkenbg aufgefordert Ihnen zunächst mitzu-
theilen damit Sie von dessen Ergebnisse nach den Forderungen des Gzen zu Ihre[m]
Zweck verarbeiten
könnten.
Dieß das eine.
Ferner schreibt er mir: Daß Sie verehrter
Hfrr Dr. überhaupt eine solche liebe Beyst[immun]g
für die Pflege Sache der klein Kinderpflege
überhaupt für die Sache Ausführung der
Idee einer rein menschliche[n] u allseitigen Entwicke[-]
lung u Erzieh[un]g der Kindheit u Jugend geäußert
gewonnen hätten, daß Ihnen selbst nicht allein der Wunsch
sondern selbst die Möglichkeit
der Ausführung einer solchen Anstalt in Halle
entgegengetreten wäre indem sich dazu in der
Gesammtheit Ihrer Lebensverhältnisse u Umgebung
selten günstige Verhältnisse zeigten. Hfrr
Frkenbg theilte mir in dieser Beziehung alles
das mit worinn Ihre hohe Theilnahme Iihn einge[-]
führt hatte und ich gestehe Ihnen offen, daß
es mich darnach dünkt es könnte[n] die Verhältnisse Um[-]
stände nicht zusammenwirkender getroffen
werden ohne das Einzelne zu wiederholen was Hfrr
Frkbg mir darüber aussprach.
Nach all dießem bleibt mir nun zunächst nichts
übrig als Ihnen hochgeehrtester Hfrr Dr zu rein[er]
Würdigung derzum Wohle der Kindheit mit Aufrichtigkeit
die Hand zu biethen u Ihnen zur Prüfung, Bearbeitung öffent[-]
licher Mittheilungen oder weiteren Anforderung an mich
alles das Mitzutheilen was ich bis jetzt der
Öffentlichkeit darüber mitgetheilt habe. Ich werde
dann gerne jede weitere Anfrage beantworten[;]
jetzt nur dieß wenige.
Die Grundsätze meines Wirkens, die Richt[un]g meiner u d[adurc]h Ziele u der
der [2x] Zweck meines Strebens ist einfach, ich
finde es es [2x] in dem Streben aller Menschenfreunde
vor allem aller erziehenden Menschenfreunde (und jeder
ächte Menschenfreund ist als solcher nothwendig auch u wirkl
erziehen[d]) - wieder. Ich suche mir freue mich zu erhoffen was
die Pflicht jedes später ist die Thätigkeitstriebe die ächten
Strebungen aller frühen [Kindheit] zu einen u in der absol[ute]n
Mitte zu einigen, wie jedes noch so unschuldige [Kind] d[or]t
sein[en] einigen Schwerpunkt in sich hat. - Mein Streben
erkenne ich darin in gewisser Beziehung wie eine IX, 87 [sc.: Archivsignatur]/
[1R]
wie eine Fortentwickelung so eine Erfüllung
frühern Menschheits Streben und aller Erden u Zeiten.
Leben ist der Grund u die Quelle aller
Lebenserscheinungen alles Daseyenden, ein sich selbst
klares einiges Leben u dieses Leben
theilt sich überall als ein wirkendes u
schaffendes Leben in Thun u That kund. [sc.: mit;]
der Trieb nach Lebensoffenb[arun]g, der Trieb
des Lebens herauszuwirken, in Thun u That
thätig auf durch das Gze als Thätigkeits-
trieb kund auf höherer Stufe als Bildungs[-]
trieb u im Menschen als Trieb sich zu
beschäftigen, als Beschäfti[gun]gstrieb.
An der Durch die Pflege dieses Triebes, an der
Hand desselben erzieht sich der Mensch
selbst, d.h. steigt er seinem Wesen, seiner
Bestimmung gemäß aus sich selbst hervor.
Die Pflege dieses Triebes ist der Ausggspkt [sc.: Ausgangspunkt]
aller wahren MenschenErziehung d[urc]h Mütter
Väter Eltern Erzieher, die Pflege dieses
Triebes in der Allseitigkeit seiner Erscheinung
als physisch u psychisch, sich kundthun[sc.: kundthuend] im Fassen
(machen) Denken (Erkennen) u Handeln (Darstellen)
ist nun die Grundlage meines Erziehenden Bestr[ebens]
besonders auf frühe Kindheitpflegeerziehung. Da nun
hier das Kind als Mensch (wie dieß Bild fast von
allen gründlichsten Erziehern aller Zeiten als das
erschöpfendste erkannt worden ist) wie ein
Gewächs aufgefaßt wird welches vom
im Garten in der Allseitigkeit, ja Allheit
seiner Verknüpfungen u Einwirkungen gepflegt
wird, so nannte ich die Erfassendste An[-]
stalt zur allseitig entsprechenden Kindheit[-]
pflege - „Kindergarten“ - wo d[urc]h sich selbst
klar ist, daß jede Familie in sich zuerst
der schönste der entsprechendste Kindergarten seyn soll; doch alles
wächst schöner im
größ[ern] Lebensverband, jede Pflege
schöner im großen gemeinsamen Garten
der Natur hervor u so meine ich soll
für gemeinsame Kinderpflege, mindestens
ein Verein re[s]p eine Mehrheit von Familien
Eeinen Kindergarten aus u jeder Ort u sey
er noch so klein, ihren gemein[samen] Kindergarten haben[.]
Wo die Kräfte allseitig u frey sich entfalten
da ist gesundes frisches, ja freudiges Leben
sagt nicht der Gärtner von der Linde: „seht
nur wie freudig dieß empor wächst“.-
u ist dieß nicht bey jedem entsprechend gepflegten
Garten u Gewächs der Fall? - Und wächst - sind
da nicht alle Kräfte im Zusammenhang mit dem Vollkommnen rc. rege, fördern sich im muntern
Bunde, wie Schiller wieder vom wohlgeordneten
bürgerl Leben singt. [Schiller,Werke, Hanser II, S.818] Alles thätig wirksam
zu einem Ziel - zur klaren anschaulichen Offenb[arun]g
des in sich einigen Lebens, geistigen Lebens. So werden die Stockung[en]
der Lebenssäfte u Kräfte vermiethen [sc.: vermieden.] Stockung[en] der
Lebenssäfte u Kräfte bewirken Krankheit
u Unwahrheit u Unklarheit diese sind aber
der Anfang alles fehlerhaft Schlechten [,] Bösen in der Welt, wo sie aber
vermieden werden
erscheinen Gesundheit Wahrheit u
Klarheit, die Engel des Lebens, u so
erscheint auch wieder der Mensch in seiner
wahren Würde sowie sein[em] Wesen u das Leben
wäre wieder das was es [sein] soll ei[ne] ächte
Offenb[a]r[un]g Gottes in allem u d[urc]h alles <beglück[end]>
u <befreiend> ja beseeligend für alle.
In diesem Wenigen bildlich ausgesprochen
liegt dünkt mich klar ausgesprochen mindestens bestimmt
lebensvoll angedeutet was /
[2]
2) was ich mit der Ausführung
meiner Kindergärten erstrebe
nicht nur in Familie u Familien
Vereine sondern auch in Stadt u
auf dem Lande als Gemeinschafts[-]
Anstalten [erstrebe]. In der ächt er-
fassenden A
daß ich
darum nun wohl erfreut seyn
würde wenn sich eine solche
Anstalt in Halle einen [von] den
der ersten Orte von welchen in
Deutschland höhere Lebensbild[un]g aus[-]
ging einen seit Herm[ann] Franke[s]
Wirken daselbst <erbrachten faxorial>
geworden[en] Erzieh[un]gsOrte Deutsch[-]
lands - und überdieß unter
so günstigen Umständen wie uns
solche Hfrr Frankenber[g] schildert
- ausbilden entwickeln würde; dieß be[-]
darf wohl kaum
eines Aussprechens nochweniger
besonderer Versicherung, so wie
auch, daß ich von meiner Seite
zur Ausführung dieses so volks-
thüml[ich]en als menschheitlichen Un-
ternehmens ganz die Hand bie-
then würde. Was historisch
gegeben ist muß nach meiner
Meinung pflegend u fortentwickelnd festge[-]
halten werden u
so dünkt es mich das g[an]ze
hallische Erziehungswesen müßte
d[urc]h eine solches Herabsteigen
zur richtigen Erfassung u Pflege
der Kindheit gz neues Leben
einen Schwung u für Deutschland
eine gz neue Bedeutung bekommen
eine - dem jetzigen Standpunkte
der Menschheitsentwickelung an-
gemessene Standpunkt Bedeutung bekommen
wie die der Erziehung zu Halle
in seiner blühendsten Zeit.
In dem ächt erfassenden
Allseitigen ist aber auch noth[-]
wendig die BeErfassung u Be-
friedigung des besondern mit
gegeben u eingeflossen
und so würde[n] sich denn dad[urc]h
auch bald die Mittel u Wege
zeigen wie das Streben des
Haller allseitigen hallischen Vereins
    Auch die Kinder der Armen über[-]
    haupt auch der arbeitenden /
[2R]
Klasse so zu erziehen, d[a]ß
    sie nicht in Zuchthäuser
    kommen [eingerücktes Zitat]
erreicht werden könne, denn
wo frühe Thätigkeit in dem Menschen
nicht blos den Zweck hat, ma-
terielle Producte auf entsprech[endem] Wege zu gewinnen
sondern zugl Gemüth u Geist
zu bilden, d h in ihn[en] angenehm
u zugl productiv in Thätigkeit
zu setzen; da wird auch
wie schon obenerwähnt alles
das vermied[en] was besonders zur
Unwahrheit u Unklarheit über[-]
haupt zur Geistes Krankheit
führt welcher leider so oft den
Menschen zu Verbrechen führt
die ihn zu einem Bewohner der
Zuchthäuser stempeln.
Wie nun aber alles
ächte Leben productiv ist
u alle Producte v[on] irgend
einer Stufe für irgend eine
ande[re] Stufe reellen u so natürlichen
Werth haben, so müßte besonders
auch hier darauf gesehen werden
selbst den Spielproducten der Kinder einen
außen stehenden
Werth zu geben - was ohne
die Freyheit der Entfaltung u im
hohen Sinne des Wortes
die spielende u Spielthätigkeit
des Kindes zu beschränken
bey ächtem u tiefen Eingehen
in das Wesen dieser Kindheit[-]
pflege[-] u Beschäftigungsanstalt
leicht mögl seyn würde. -
Und somit lege ich denn hierd[urc]h
das Gze abermals Ihrer
prüfenden Beachtung vor und
erwarte von Ihrer Bestimmung
Ermessen u Erfah[run]g ob sich wohl
wenn auch nur erst im Kleinen
u d[urc]h Zusammentritt von privaten ein Kindergarten
in Halle ausführen lasse, oder
vielleicht ein zweyter mit den
untersten Classen der elemen-
tarschule des Waisenhaus[es] IX 86 [sc.: Archivsignatur] /
[3]
* Zur prüfenden Beurtheilung nun
auch für Ihr in seiner Wirksamkeit so weitverbrei[tetes]
Blatt                 -----------
Herr Frankenberg Miterzieher wie früher mehrjährig in
unsern eignen so nun in unsern weitern
Eerziehenden Kreise Kreise schrieb mir schon
im October 8ber verfl Jahres mit
großer Freudigkeit Begeisterung welche Eingehende
Theilnahme bey Ihnen hochgeehrtester
Herr Dr besonders auch in Beziehung
auf mein jüngstes u letztes Erziehendes
Unternehmen die entsprechende Pflege und so Erziehung
vorschulfähiger
Kinder d[urc]h angemessene Beachtung u Pflege
ihres Beschäftigungstriebes - bey Ihnen
gefunden habe. Da er sich Ihnen nun gewiß
auf gleiche Weise ausgesprochen haben wird
so wird es Sie gewiß sehr wundern auf [bricht ab] /
[Im 2. oberen Viertel der Seite folgen Additionen, untere Hälfte vakat mit Signatur IX 90]
[3R]
*Zur prüfenden Beurtheilung für Ihr
Da es doch immer Aufmunternd
u Vertrauenerweckend ist wenn
eine Sache u besonders eine mindestens in seiner
Erscheinung neue Sache
sich schon einer gewissen öffentl allge[-]
meinen Anerkennung - besonders auch in
der der Prüfung nahestehenden Nähe
Umgebung findet, so freut es mich
in ersterer Beziehung mehrseitig u
in letzter[er] Beziehung besonders eine
sehr sprechende Anerkennung mittheilen
zu können, welche seit Fr[an]kenb[er]gs Anwesen-
heit in Halle sich entwickelt hat, ich
will zuerst die letztere, als die in der
Zeitfolge auch die erstere hervorheben[.]
---------------
Da sich mehrere Mütter Rudolstadt[s]
d[urc]h den häufigen Besuch des hiesigen Kinder[-]
gartens auch mit Ihren [sc.: ihren] Kindern u
d[urc]h unmittelbare Theilnahme an den
Spielen u Beschäftigung[en] der Kinder von
den wesentl Einfluß derselben auf
das Wohl der Kinder überzeugt haben
so sind In der Mitte des letzten Herbstes
in Rudolstadt IIII IIII IIIIIIIII 8 adl u 9 bürgl
17 theils adl theils bürgerl Familien mit 24-25
Kindern zur Ausführung eines Kindergartens
zusammengetreten welcher am 1 des vorigen
Monats eröffnet wurde u von mir
u Hfr Middendorff Wöchentl an 2
Nachmittagen gepflegt wird zu welchen Zweck
ich wir jederzeit von hier nach Rudolst[adt] gehen[.]
Bis jetzt so muß ich der Wahrheit gemäß aussprechen
erfreuen sich Eltern u Kinder seines Geistes
und Lebens wie seines Erfolges.
Als weitere Anmerk[un]g muß ich Ihnen
aussprechen, daß uns auch von im Auftrag
von der Fr. Fürstin von R. - gemeldet worden
ist, daß sie eine gleiche der hiesigen Anstalt
gleiche für vorschulfähige Kinder errichten
möchte u deßhalb mit Ostern d J. einen jungen
Mann zur Ausbildung als Führer hierher thun
möchte u in dieser Beziehung die nöthigen Fragen
an mich thut.
Auch von Gera ist uns geschrieben worden
daß die mit den kleinsten Mädchen der untersten Klasse der Mädchen[-]
schule in Verbind[un]g mit noch nicht schulfähigen Kindern
ein erster Versuch gemacht worden ist Spiel[-] u
Beschäft[igun]gs Stunden zu verbinden u d[a]ß es
nun nach dem erfreul. Ergebnisse von dem Vorstande dieser Schule, den Eltern den ersten Lehrern u ersten Ortsgeistlichen
den bestimmten Entschl[uß]
gefaßt hat [sc.: wurde] mit dieß von Neujahr an mit
Bestimmtheit d[urc]hzuführen u festzuhalten[.]
Wie auch die Redaction des Allgem: Anz.
der Deutschen eines so viel verbreiteten Blattes besonders die Idee des
Deutschen Kindergartens“
erfaßt hat ist Ihnen gewiß nicht [unbekannt wie auch, daß] in der
Nummer des Allgem: Anzeigers in betr. [Nr.]
auch Ihres Vereines so bestens
u anerkennend gedacht ist - (N°...)
[werden Sie] nicht übersehen haben, wie er sich gleich
Leipziger u Hamb[ur]ger Blätter rc schon
früher darüber anerkennend aussprach[.]
In dieser letzten N° spricht das Bl.
aus wie es wesentlich sey wenn rc. rc. rc./