Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 18.1./29.1.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 18.1./29.1.1841 (Blankenburg)
(BN 634, Bl 6-40, dat. Abschrift/Fragment 17 B+1 Bl fol 70 S. auf numerierten Bögen. Schlußfloskel und Schlußdatum fehlen, sonst weitgehende Übereinstimmung mit Brieforiginal im BlM XIV,6, Bl 31-54, 12 B 4°, 48 S, datierte Reinschrift auf numerierten Bögen. Ed. Pösche 1887, 61-74 und Lück 1929, 49-63, Pösche mit 2 fehlenden Abschnitten. Bei Lück fehlen 3 S.)

a) Brieforiginal


1. [Bogen]
   Blankenburg am 18en Jenner 1841.


Innig hochgeschätzte, theure Muhme [.]

Ihr lieber Brief sagt mir so unzweydeutig, daß Sie wissen und empfunden haben, was wahre
Freude ist, so darf ich Ihnen nun <nur> sagen, daß mir Ihr gütiger Brief vom 25 xbr - 10 Jenner
wahre Christfestfreude als Nachfeyer dieses lieben Festes gebracht hat. Besonders beglückt
hat mich die mit einigen wenigen Zügen entworfene Christfreude Ihrer lieben Söhne auch bey mä-
ßigen Christgaben. — Ich habe nun selbst das Christfest während einer großen Reise vor Jahren
unter sehr vielen Formen und ausgestattet mit Geschenken vom verschiedensten und fast
unbedeutenden Werthe begangen; allein recht offen muß ich gestehen, daß die Christfest-
feyern eigentlich für mich selbst u mein Gemüthe die reichsten und freudegebendsten waren,
welche die mäßigsten und einfachsten Festgaben brachten. Sprechen Sie dieß immer nebst
meinem recht herzlichen Gruß unsern lieben Vetterchen aus, damit sie ja ihre jetzigen
Festfeyern in ihrer Einfachheit recht schätzen und sich die reinen Freuden, die sie ihnen bringen,
sich bewahren mögen. Festgaben haben ihre wahre Gewichtigkeit keinesweges in dem
äußern Werth, sondern in der Gesinnung, in und mit welcher wir sie empfangen. Mögen darum
die lieben kleinen Vettern Ihre Festgaben noch recht lange Zeit mit den reinen Seelenfreuden
empfangen. Herzinnig freue ich mich, solche ganz mit ihnen empfinden zu können.–
Bey Ihrer so lebenvollen Theilnahme an meinem Wirken und Bestrebungen müssen
Sie, liebste Muhme, mir nun schon erlauben, Sie nach und nach immer mehr in den innersten
Geist und die letzten Beziehungen derselben einzuführen:–Viel Gutes, viel Edles, ja
viel Herrliches, überhaupt Menschenwürdiges ist auf der Erde und namentlich unter
uns Deutschen, besonders in den Familien und in dem einzelnen Frauen- und Mutter-
leben zerstreut; allein es steht zu vereinzelt, sich selbst unbewußt da, und so mangelt
ihm als wahre Stütze gegen äußere Entgegnungen und so als ächtes Mittel zum frischen
kräftigen Emporwachsen, zu dem innern Muthe und der freyen Kraft das auch äußer-
lich zu werden, was das Gemüth in sich anstrebt – die wahre Lebenseinigung; /
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diese innige Lebenseinigung, das sich gegenseitig helfend achtende Verstehen edler, wenn
auch der äußern Erscheinung nach noch so einfacher Frauen und ächter Mütter zu gegen[-]
seitiger Klärung, Erstarkung und Erhebung, diese ist es, die ich erstrebe; damit
die einzelnen und vereinzelten Frauen, welche,– wie die Thautropfen die Sonne, in so herrlichen Farben
wiederspiegeln, – das höhere Menschheitleben im einfach häuslichen Leben offenbaren,
sich als ein Ganzes finden, fühlen und erkennen mögen, welches das Menschheitleben
in seinen verschiedenen Richtungen als ein Einiges kund thue, wie die vereinten
Thau-, Wasser- und Regentropfen im Regenbogen, im Friedensbogen Himmel und Erde
vereinen. Mögen Sie mich in dieser unvollkommenen Darstellung verstehen.
Darum nun habe ich das Büchlein „Der Beruf des Weibes“ als Gast in dieser Fest-
zeit bey einigen Frauen und Müttern erscheinen lassen; und ich freue mich, daß es
überall schwesterlich willkommen geheißen wurde. So unter andern auch der
Begründerin des Rudolstädter Müttervereines zur Ausführung eines Kindergartens
der Fr: Geheim: Legationsräthin von Beulwitz. Sie schreibt mir darüber: „Ich habe
das Büchlein (Der Beruf des Weibes) mit großem Interesse gelesen, es zog mich ganz
besonders durch seine große Klarheit und durch den schönen und seegenbringenden
Standpunkt, welcher den Müttern hier angewiesen, an. Ich möchte allen Müttern
dieses Buch in die Hände geben.“– Da dieses Büchleins Bestimmung nun in Rudolstadt
war, bey den verschiedenen Müttern des Vereins freundlich einzusprechen, so
wurde auch seyn Erscheinen bey Hofe bekannt und über dessen Inhalt gesprochen;
recht gefreut habe ich mich nun, daß es auch da besonders die Aufmerksam-
keit unserer so einfachen als selten mütterlichen Prinzeß Karl auf sich zog
und es von dieser zu sich gebeten wurde.– Meines Bedünkens nach, theure Muhme,
muß nun solcher sich einigender, gegenseitig sich erkennender und achtend anerkennen-
der Frauen- und Muttersinn aber als ein einiger und gemeinsamer auf das sorg-
lichste gepflegt werden. Möchte darum der Rudolstädter Frauen[-] u Mütterverein sich
immermehr als ein in sich ruhendes Ganzes finden und erkennen; möchte ein Gleiches bey /
[32]
Ihrem Vereine zur Ausführung eines Kindergartens sich finden. Wenn so jeder
dieser Vereine recht klar und seines Wesens sich bewußt dastehet; dann wird
auch bald die höhere Einigung, die Einigung in einen höheren Beziehungspunkte sich
finden, wie eine Aurikel oder Hyacinthe ein herrliches, vollkommnes Lebens-
ganze in sich tragendes Einige ist, deren mehrere aber durch einen einigenden
Stengel zu einem schönen Blüthenstrauße, Blumentraube verbunden werden.
Suchen Sie nur meine theure Muhme (: verzeihen Sie mir meine Offenheit:) recht
klar und einig in sich zu werden, was Ihnen bey Ihrem gesammten Stehen ge-
wiß sehr leicht werden wird; so wird Ihnen auch Klarheit und Einigung nach Außen
hin nicht fehlen. Haben wir nun nur erst einen solchen Kreis, so wird
auch ein zweyter nicht fehlen; haben wir dann deren zwey, welche so Gott giebt
wieder in höhere LebensEinigung treten, so glaube ich daß die Sache der Kindheit,
so des ächten Familienlebens und der Menschheit gewonnen hat; Darum theure
theure [2x] Muhme nur jetzt treu u ausdauernd! alles, was Sie mir so herrlich
über Frauenberuf und Geschäft schreiben, erkenne ich tief und ganz an; allein
wenn Sie in sich zugleich und mit voller Überzeugung einem allgemeineren Beruf
folgen, so kann Gott Ihnen für Ihren besonderen Beruf Kraft u Muth verdoppeln,
er kann Ihnen eine doppelte Willigkeit in all denen entwickeln, auf welche Sie
zur Erfüllung Ihres häuslichen u Familienlebens einzuwirken haben; und so gleicht
sich bald alles wieder aus. Auch will ich es Ihnen offen als Lebenserfahrung
aussprechen, daß die Kraft, der Muth, so wie besonders die Freudigkeit für das
Einzelne und Kleine ja Einzelnste u Kleinste wächst, wenn wir zugleich das
Bewußtseyn haben, für eine höh[e]re u zuletzt für die höchste Allgemeinheit
geradzu und unmittelbar zu wirken.– Glauben Sie mir liebe Muhme!
wenigstens mißverstehen Sie mich nicht:– die ächte Kinder- u Kindheitpflege,
die Pflege der Menschheit in der Kindheit, u so der Gottheit, Göttlichkeit
in der Menschheit, ist gleichsam ein wahrer Gottesdienst, welchen die jetzige Ent- /
[32R]
wickelungsstufe der Menschheit fordert.
Bey Gelegenheit meiner Mittheilungen von der Art, wie sich der Verein zur Aus-
führung des Kindergartens in Rudolstadt gebildet hat, meynen Sie, es sey eigen,
daß sich Ihr Verein in Gera auf entgegengesetzte Weise wie der in Rudolstadt zu
bilden scheine, nemlich durch Männer hin durchgehend, durch die besondere Mitwir-
kung von Männern, wie außer Ihrem l. Mann Herrn Pastor L. und HErr M.
während der Verein in Rudolstadt sich nur durch den freyen Zusammentritt von
Frauen und unter der Ägide einer Frau gebildet habe. Dieß dünkt mich ist nur
Schein, die Verhältnisse mögen in dieser Beziehung wohl ziemlich gleich und ich glaube
fast der Ausdruck eines höheren Lebensgesetzes seyn. Was bey Ihrem Verein
der geschätzte Vetter, Ihr lieber Mann, Herr M. u Herr P. L. sind, das sind
für Rudolstadt ein gewisser HErr Geheimer Kammerrath (Vicecanzler) von Ketelhodt (welcher zwar nicht so
persönlich und namentlich, allein doch sonst sehr wirksam hervortrat), dann vielleicht
HErr Middendorff u ich, wenigstens als Aufstützungspunkte.
Erlauben Sie mir, bey der großen Nachsicht, welche mir von dem lieben, hochgeehrten
Vetter hinsichtlich meiner Lebensmittheilungen wird, Ihnen ganz offen in dieser
Beziehung ganz offen meine Lebensansicht und Überzeugung mittheilen zu dürfen:
- Unser Schöpfer als ein liebender Vater hat uns in fast unzähligen Sinnbildern
mit den Forderungen und Gesetzen des Lebens bekannt gemacht und uns im
Sinnlichen das Übersinnliche kund gethan zB. in den Gewächsen, namentlich
in dem ein ganzes Welt- und Lebenssystem darstellenden Baume; ebenso in
den Jahreszeiten; in dem Gesetze des Sonnensystems rc. rc. Aber ganz
vor allem in der Ehe in deren Forderungen und Gesetzen; die Ehe in ihrem ganzen
Wesen, sie in ihren Gesetzen Forderung u Bedeutung erkannt und dieß alles auf die übrigen
Lebensforderungen angewandt, ist das wahre Knaul der Ariadne, welches uns
aus dem Labyrinthe des Lebens leitet. Die Gesetze der Ehe kehren in allem
wieder, wo der Mensch ein wahres Lebensganze erzielt, selbst in dem Menschen selbst /
[33]
2. [Bogen] wo das Gemüth (: das Weib :) und der Geist (: der Mann :) nach einer in sich einigen klaren
Lebensgestaltung strebt, wo Gemüth und Geist zu einem in sich Einigen: Lebensfrieden sich
durchdringen. Sie werden nun hoffentlich, ohne daß ich es nöthig habe, hier im Einzelnen es
weiter durchzuführen, einsehen, welche hohe Wichtigkeit, wie innere Wahrheit die Art
und Weise hat, wie sich Ihr Frauen- und Mütterverein zur Ausführung eines Kinder-
gartens bildete; pflegen Sie diese Art und Weise, theure Muhme, über derselben
wie zugleich in ihr stehend, auf das sorglichste: die Frauengemüther müssen durch den
männlichen Geist Haltung und Klarheit, der FrauenMännergeist muß durch die Frauenge-
müther Ein[i]gung, Leben, (Gestaltung) gewinnen, so erscheint dann das ächte menschliche
Leben als Kindheitpflege in Gestalt und als solche. Sie wissen meine theure Muhme
wie sorgsam und zart man in der Ehe und im häuslichen Leben oft bey dem Gewöhnlichsten u
Alltäglichen seyn muß und wie pflegend; so in jedem Verhältnisse: wo es - wie in der
Ehe zur Darstellung eines stetigen, friedigen und freudigen Lebensganzen kommen solle.–
Verzeihen Sie mir die Offenheit; allein Offenheit unter edlen Menschen führt
die Menschheit zu ihrem Ziel und warum sollten wir um so hohen Zweckes willen: –
Darstellung des Göttlichen im Leben, vom Leben und durch das Leben, nicht offen seyn?– Sie
sehen auch daraus, wie besonders dem achtsamen FrauenGemüthe u Muttersinn das Leben,
der Schlüssel zum Leben und dessen Beherrschung so nahe liegt - Sollten Mütter nun
diesen Vorzug, diesen Reichthum, ja Talisman, welchen ihnen Ihr Gott u Vater
gab, nicht zum Wohle der Menschheit, mindestens der Kinder anwenden, welche sie mit
Schmerzen gebären?.–
Ehe aber fordert u bedingt Klarheit über die Gesammtheit der Lebensverhältnisse,
wenigstens giebt sie die Mittel dazu, wer sie nicht dazu gebraucht, hat es sich selbst
beyzumessen. Darum also und daraus können wir ersehen, daß Klarheit im Leben
und über das Leben mit zur Lebensbestimmung gehört. Klar sollen wir in allen
Lebensbeziehungen, klar über alle Lebensverhältnisse seyn; dieß ist die eine wesent-
liche Bedingung zu wahrhaft bleibend und stetig seegensreichem Handeln. Die andere ist /
[33R]
möglichst das in und durch sich selbst zu seyn, was man außer sich zu wecken, darzustellen
strebt. Sie meine liebe Muhme, friedvolle Gattin und glückliche Mutter, Sie sind sorg-
same Hausfrau, wie erziehende Mutter. Bringen Sie nun dieß sich, wie den ganzen
Werth und die Bedeutung und gesammte Stellung recht zum Bewußtseyn, und halten
Sie die daraus hervorgehenden Forderungen für die Wirksamkeit im Leben, bey aller
Ruhe u Stille in sich, wie in und bey aller Einfachheit, Bescheidenheit und Zurückge-
zogenheit in sich recht fest. Sie haben ganz Recht: es giebt viele Dinge im Leben, über
die man gar nicht, andere, über welche man nur mit den Freunden sprechen soll;
allein in sich, im stillen Bewußtseyn und außer sich, im stillen Handeln soll man es
festhalten und zu immer größerer Klarheit bringen. So meyne ich es denn auch,
liebe Muhme, mit der Gesammtheit Ihrer Lebensverhältnisse. Ich halte solche
für selten glücklich und geeint, um zum Wohle der Menschheit durch sie zu wirken.
Die meisten und oft die edelsten Menschen denken über ihre Stellung im Leben und ihre
Wirksamkeit in demselben zu klein; dadurch bleibt sehr vieles Gute ungethan.
Wir sollten immer bedenken, daß wir alle Werkzeuge in Gottes Hand und
seine Diener auch im Kleinsten sind; dann würden, bey aller Bescheidenheit und wah-
rer Demuth, wir unserm Thun die Achtsamkeit erweisen, die ihm gebührt.
Daß jedes Ding seine richtige Stellung habe nach Ort, und seine rechte Wirksamkeit
nach Zeit, dieß halte ich für eines der größten Gesetze in allem, was nur immer
durch Gott da ist, und alles ist ja durch ihn; sehen Sie im Sonnen- u Weltensystem
alles ist nur dadurch so klar, so friedig und freudig! und sollte es bey dem Menschen
dem ersten bewußten Wesen, anders seyn?–Lassen Sie uns mindestens der (unbe-
wußten) Sonne, der Erde, dem Monde, dem Regen u Thau gleichen! Was thut
ein einziger Regen zur rechten Zeit, am rechten Orte und im rechten Maße?–
Ich sage mir, wie die Geschöpfe und Dinge unter dem Menschen nach Gottesgesetzen
durch Instinkt handeln, so soll der Mensch nach Gottes Willen mit Bewußtseyn
freyen Willen und Selbstwahl handeln, dieß ist seine Freyheit. – Also Muth! – Muth u Vertrauen[.] /
[34]
Wie in einzelnen Fällen oft zu viel, so legen wir im gewöhnlichen Leben oft zu wenig Werth
auf die Wirksamkeit des Einzelnen, ja auf einzelne Reden derselben, nehmen Sie nur z. B.
Ihren kleinen Hermann mit seinem Ausspruch: –„es ist schön!“– die Alten waren da-
rin ganz anders, darum begegneten sie auch so oft Engeln, wie überhaupt ihr Leben
dem Göttlichen so nahe war, sie sich selbst demselben so nahe fühlten.
Was soll Ihnen nun, meine theure Muhme! alles dieß sagen, was will ich Ihnen
durch dasselbe aussprechen? — Daß es auf der jetzigen Stufe des Lebens- und Mensch-
heitsentwicklung nicht nur darauf ankomme, daß etwas und was geschehe, sondern, daß es
auch mit Bewußtseyn geschehe.
Wenn wir uns etwas zum Bewußtseyn bringen, und sey es das Kleinste, so ge-
winnen wir immer an Klarheit und Einsicht. Nehmen Sie z. B. das „es ist schön!“
Ihres Hermann; warum hielt er nicht das von Ihnen ihm ausgesprochene: „es ist hübsch
fest?– Ich sage mir darüber das: – hübsch kommt durch Hub von heben; hübsch be-
zeichnet also und fordert ein Hervorheben aus etwas Anderm, setzt also ein Ver-
gleichen
voraus, macht also ein Sehen auf etwas Zweytes außerhalb des betrachteten Ge-
genstandes nöthig, ist, und fordert daher eine Zusammengesetzte, eine doppelte u da-
rum für das Kind zu schwierige geistige Thätigkeit. Dagegen kommt schön von scheinen, wo gleich-
sam das innere Wesen, die Einheit wie eine Sonne wie ein Licht aus der Mitte hervor leuchtet,
hervor scheint. Diese Beziehung fordert also die einfache geistige Thätigkeit
des Anschauens des Gegenstandes ganz allein und für sich, wie denn auch in
dem Worte scheinen, der Begriff einen liegt. Daraus sehen wir, wie es dem ein-
fachen unbefangenen Kinde näher liegt, diese sonnenartigen Formen lieber schön als
hübsch zu nennen. Während vielleicht ein anderes mehr an Vergleichung gewöhntes ältere
Kind diese Formen hübsch (: sich vor, unter und zwischen Anderem auszeichnend )
nennen würde.– Wem verdanke ich nun diese Erkenntniß? – Durch Ihre Güte
Ihrem kleinen Hermann! – Steht diese Erkenntniß allein? – Nein! Sie führt mich
dahin, daß das Leben u die Anschauung des Kindes noch im in sich Einigen ruht, und darum /
[34R]
auch die kreisförmigen Bewegungen liebt; was jedoch auch mit den von Ihnen ange-
gebenen Ursachen zusammenhängt.
Daß das kleine Büchlein Krüsis so vielen Beyfall gefunden hat, durch die Mittheilung
haben Sie mir wirklich Freude gemacht; ich danke Ihnen dafür; auch dieß ist ein
kleiner Liebling von mir, durch welchen ich Mütter zu höherem Bewußtseyn ihres
mütterlichen Verhältnisses und Wirkens allein auch zur Einigung für gemeinsame
Kinderbeachtung und Pflege gewinnen möchte. Sie werden es immer mehr einsehen,
liebe Muhme! ohne diese gemeinsame Beachtung ächter Kindheit- und Jugendpflege ist
kein sicheres Ergebniß unserer Erziehung, mit Sicherheit keine bleibende
Frucht zu erwarten.
Einigung im Frauensinn und Mütterleben, in Bewußtseyn und That, das ist es
was wir zum Wohle der Kindheit wie der Menschheit erstreben müssen; dieß
geschieht in der Frauen- und Mütterwelt nicht so wohl, wie in der Männerwelt,
daß man sich zusammenfindet zu Rath und Berathung und gemeinsam das
Einige Beschließt, sondern wie in der Blumen- und Baumwelt, daß durch
den weckenden, lichtenden und wärmenden Sonnenstrahl das individuelle,
das eigenthümliche Frauen- und Mutterleben in allen zugleich hervorblüht,
und nun jede Frau und Mutter ihr eigenes friediges und freudiges Leben
und Wirken und Weben rein und klar im Leben der anderen, ich möchte sagen
verschönet schauet, wie eine Aurikelblume ihr Leben rein und schön in dem
Leben der anderen, obgleich bey verschiedenen Aurikelstöcken wieder verschieden
in Form, wie in Farbe, in Größe wie in Zusammenfügung, in Duft wie im Ge-
sammtausdruck. Sehen Sie, meine theure Muhme, die höchste Lebenseinheit
wünsche ich für die Blumen der Menschheit, die Frauen und Mütter, nicht eine
äußerlich gemachte, nachgeformte, sondern eine, bey aller Festhaltung der reinen Persön-
lichkeit aus dem inneren rein und frey hervorwachsende, blühende und
duftende. Ich will blos, daß das Leben wie in der Gewächswelt, unter dem Einflusse /
[35]
3.) [Bogen] der höchsten Lebenssonne sich frey entwickele und gestalte, nach dem von Gott in dasselbe
gelegte Gesetz; die Einheit und Übereinstimmung, der höhere und höchste Lebenseinklang:
Melodie, Harmonie und Rhyt[h]mus findet sich dann schon von selbst. Ist ein Aurikelbeet nicht
etwas Herrliches? – Sieht uns darin nicht die Frauenwelt, ja die Menschheit mit ihren
Kinderaugen an?– Dieß, damit
wir beyde zunächst uns und endlich, damit Ihre Freundinnen Sie und mich verstehen.
Sehen Sie, dann spricht sich Gottes Wille mit Bewußtseyn und Selbstwahl (Freyheit)
im Leben des Menschen aus, wie er sich in der Natur und den Geschöpfen unter dem
Menschen, als Naturgesetz und zwingenden Instinct kund thut. Was ich für das einzelne
Frauen- und Mutterleben ersehne, erstrebe ich auch für das einzelne Familienleben.—
Ein solches Wecken will ich nun zunächst durch meine Spiele und Beschäftigungsmittel
anbahnen; ich hoffe es soll gelingen. Wenn nur die Frauen, und Mütter bestimmt den
edlen Männern ihrer Kreise blicken lassen, was ihr Herz und Gemüth, ihr Geist und
Leben zum Wohle der Kindheit und Familie ersehnt; die Männer werden sich ge-
wiß beeifern, solchen Wünschen entgegen zu kommen. Umgekehrt aber auch werden
Sie gewiß wieder Ihre Schwestern und Freundinnen erheben, bekräftigen, ermuthigen,
wenn Sie Ihnen [sc.. ihnen] eine Männerdrey zeigen, welche in wahrer Mannestreu
das Wohl der Kindheit und der Familien vom frühesten Keimen an im Auge haben,
und das können Sie ja so schön. —
Auch ich kann Ihnen wieder eine neue Hoffnungsknospe zur Fortentwickelung der guten
Sache zeigen: die regierende Fr: Fürstin von Sondershausen hat nemlich den bestimmten
Entschluß gefaßt, in ihrer Residenz auch einen Kindergarten nach dem Muster vielmehr nach der Idee des
Blankenburger auszuführen und sich durch den Erzieher der fürstl[ichen]
Kinder bey mir nach dem Näheren deßhalb erkundigen lassen. Die Antwort auf
diesen anfragenden Brief ist nun abgegangen und ich werde nun sehen, welche Ent-
wickelungen ich Ihnen später davon melden kann. Der Vermittler interessirt sich jedoch
ebenso lebhaft für die Sache, als wie es scheint die Frau Fürstin selbst.-
Dem HErrn Prof. Meyer kann ich heut noch keine ganz entscheidende Antwort auf
seinen vertrauenden Brief geben. Die Töchter, welche hier gebildet wurden, sind jüngst ab-
gegangen und noch keine anderen eingetreten; jedoch habe ich mit der Vorsteherin der fürstl[ichen] /
[35R]
Strickschule einer sehr eingehenden vorzüglichen Frau wegen des Wunsches des Herrn Prof. gesprochen und ich hoffe demnächst Antwort zu erhalten, welche ich sogleich über[-]
senden werde. – Der HErr Prof. hat, wie Sie gesehen haben werden, den Wunsch
ausgesprochen, für seine Gattin eine Actie für den K.G. zu unterzeichnen; sollte
er dieß noch Willens seyn, so bitte ich Sie die Güte zu haben, ihm den beyliegenden
Unterzeichnungsschein einzuhändigen, und solchen dann, im Fall der Unterzeichnung gele-
gentlich an mich zurück zu senden.—
Auch der vertrauenden Frl. Erwina wie Ihnen, sage ich den besten Dank für die freundliche
Begrüßung des deutschen K. G. gleich im neuen Jahre durch Unterzeichnung einer Actie.
Recht merkwürdig ist es mir, wie schwierig und langsam sich die deutsche Frauen[-] und Jungfrauen[-]
welt sich zur Beförderung dieses Unternehmens bestimmt, was, soweit mir bekannt
geworden ist, einerseits so viele Anerkennung findet und was anderseits doch besonders
durch Zusammentritt Mehrerer nicht schwierig auszuführen ist; indem, wie ausgesprochen,
die Einzahlungen nur nach und so fast innerhalb Jahresfrist erst ganz geschehen
sollen. Kommt nun aber eine bestimmte Anzahl der Unterzeichnungen gar nicht zusammen,
nun gut, so werden die Unterzeichnungen nie bezahlt; kommen sie aber zusammen, so
dünkt mich würde sich dann keine edeldenkende deutsche Frau und Jungfrau gern aus[-]
schließen; also ist bey der Unterzeichnung gar kein Wagniß, sie ist eigentlich recht be-
trachtet, weiter gar nichts als die vorläufige Versicherung: daß man die Unterneh-
mung in ihrem Wesen anerkenne und daß, wenn sie zu Stande kommen wird, man
sie förderlich mit unterstützen werde; und dennoch scheint man sich vor ihr vor der Unternehmung wie vor einer
großen Verbindlichkeit zu fürchten. Mir bleibt nach dem bis jetzt von mir deßhalb Ausge-
sprochen nichts mehr darüber zu sagen übrig.
Dem lieben alten Großpapa, welcher so freundlich in meine Idee zweckmäßiger
Kinderbeschäftigung eingeht, meinen herzlich dankenden Gruß, sagen Sie ihm, daß wenn es
ihm auch die Kräfte nicht gestatteten, unmittelbar noch dafür zu wirken, so möge er doch,
wie es möglich sey, seine Stimme dafür geltend machen; denn der Stimme des Alters und der Er- /
[36]
fahrung werde noch überall das Gewicht eingeräumt, welches ihr gebühre. Nur das scheint
man jetzt zu wollen, ja zu fördern, daß die Stimmen sich mit Bestimmtheit erheben u aussprechen.
Den lieben beyden Vettern meinen dankenden Gruß für ihre Zusendungen. Ich habe gleich
bey einem vergleichenden Blick in die Zeichnungen von ihnen und durch sie gelernt. Hoffentlich werde
ich bald geschrieben oder gedruckt ihnen beyden ganz auf diesem Gebiete eine Gegengabe zusenden können.
Daß der hochgeehrteste liebe Vetter die Spiele einer prüfenden Beachtung gewürdigt hat mich
ganz besonders gefreut; ja wenn es möglich wäre, denselben in den innern scientifischen
Geist, in das eigentlich innere Leben derselben einzuführen, dann zweifle ich wirklich nicht, daß sie
sich, als eines denkenden und erziehenden Lehrers seines Beyfalls und seiner Beystimmung noch mehr erfreuen
würden. Der eigentliche Geist dieser Spiele läßt sich ohne mathematisch trocken rc, rc. zu werden,
höchst schwierig durchs todte Wort geben, so leicht er sich in und aus der Anwendung und dem Leben
selbst frey macht. Grüßen Sie Ihren theuren Mann auf das achtungsvollste von mir und sagen Sie
ich ihm; – ich wolle den künftigen erziehenden Lehrern in ihren Zöglingen nur einen guten
Grund bereiten, daß nicht nur der Saame im Gemüth u Geiste derselben leicht keime, sondern
auch zu gesundem u kräftigem Wachsthume pp tiefe Wurzel fasse.
Wie so sehr erfreue ich mich Ihrer so vielfach eingestreuten Bemerkungen und Ahnungen.
Sie ahnen und erfassen so vielseitig den inneren, tiefern und tiefsten Sinn, mit welchem ich diese
Spiele von den Erwachsenen bey den Kleinern geleitet wissen möchte, daß ich mir das Beste
von Ihrer Anwendung und Führung verspreche: Suchen Sie sich nur recht bald un-
ter den größeren Mitspielenden kleine Gehülfen heraufzubilden; Mädchen thun dieß beson-
ders gern und dad[urc]h wird das Ganze sehr erleichtert. Suchen Sie zu Zeiten, wenn es angeht
zB. nach dem Schluß der Spielstunden noch eine kürzere Zeit mit den etwas größeren
und fähigeren Kinder[n] Einiges zu spielen oder zu singen, damit Sie bald nur ein paar Spiel ge-
übte und Spielgewandte, auch wohl etwas Stimm[-] und Gesangsfeste Spielgenossen erhalten.
Wir thun dieß häufig; es giebt für die Größeren Aufmunterung und für die Kleineren
Nacheiferung.
Nun hätte ich zunächst wohl [vor] Ihnen eine kleine Übersicht eines Spielganges und Spiel- /
[36R]
ganzen zu geben.
1.) So oft ich bis jetzt bey Kindern in größeren oder kleineren Kreisen die Spiele eingeführt
habe, habe ich immer mit dem Balle begonnen, und ich habe immer den Eindruck davon einigend
und beruhigend, überhaupt die gesammte Wirkung davon dem Zwecke ganz entsprechend gefunden.
2.) Den Anfang und Eingang habe ich immer so gemacht, daß ich mich größtentheils an das erste beste
mir nahe stehende Kind wandte, an seine Thätigkeit anknüpfte, dann zum Spiel im Allgemeinen
überleitete, dann auf einem bestimmten Spielgegenstand etwas ruhete und mir von da den Übergang
zum Balle bahnte. Dieser Übergang giebt ein natürlicher Sinn u Gewandtheit, oder die vorliegenden
Umstände, oder die Übung oder alles 3es zugleich. Jemehr der erste Anfang mit dem Leben des
Kindes sich verfließt, gleichsam aus ihm selbst hervorfließt, um so schöner entwickelt sich das
Ganze weiter. Sorglich braucht man, mindestens ängstlich nicht zu seyn; die Kinder zeigen
bald das Beste; auch haben Sie ja schon so viel mit den Kindern gespielt, daß Sie den Spiel-
kreis u das Spielganze als schon eröffnet betrachten können.
3.) Habe ich nur erst bey einem Kinde die Theilnahme an den Ball geweckt, so gesellen sich bald
mehr dazu und von der einfachen Frage was ist das?– oder was habe ich da?– geht es bald weiter
zu der Frage wie ist der Ball? – Die verschiedenen darauf erfolgenden besondern Antworten suche
ich dann, ihn vor die Kinder oder in der Mitte derselben zur Betrachtung haltend auf seine ganz allgemeine Eigenschaft: daß er in die Augen fallend, daß er gleichsam scheinend und so schön ist,
hinüber zu leiten. Und nun hebe ich mit Bestimmtheit hervor: [„]Das Bällchen das ist schön“ singe
es ihnen auch bald zu. Während diesem ordne ich gewöhnlich die Kinder stillschweigend und
ohne daß es ihnen auffallend ist, um mich in einen Kreis, indem ich zugleich an sie die
Frage richte:“Ihr möchtet es wohl besehn?“ - Auf Bejahung dieser Frage singe
ich ihnen zu: “Das Bällchen {das ist/ist so} schön, ich möcht es gern besehn.[“] - Oder auch erwei-
ternd: – „Das Bällchen ist doch gar zu schön, ich möcht es gern genau besehn.“ - Auch wohl
noch mehr erweiternd: – “Das Bällchen möcht ich wohl beachten, ich möcht es gern genau
betrachten, es ist so klar es ist so rein ich möcht mich seiner recht erfreun.“ —
4.) Ich habe nun einen solchen Vorrath von Bällchen bey mir, oder in meiner Nähe als Kinder /
[37]
4.) [Bogen] sind. Jedem derselben reiche ich nun einen Ball, indem ich dazu singe oder spreche: „Nun so mach {die Hand nur/ Dein Händchen} auf, einen den lieben Ball drinn auf: er ist so klar, er ist so rein Du kannst Dich
seiner wohl erfreun.“ Ich lasse nun auch wohl von den Kindern (wenn ich besonders beym Spiel noch
einen Gehülfen habe, mir entgegen sprechen oder singen: „Sieh/Nun} ich mach die Hand Dir auf, nehm
den lieben Ball [drin auf“] u.s.w. pp. - Leicht mach ich nun das Kind mir zuerst entgegen sprechend, dann
entgegen singend: — „Das Bällchen seh ich liegen ganz still in meiner Hand, drum will ich
es auch wiegen den Blick zu ihm gewandt.“ Bald kann man erweiternd hinzufügen: auf,
ab, auf, ab, oder hin, her; hin, her; – Der Spielführer kann auch wieder wie oben, (da-
mit des Neuen nicht gleich zu viel werde) dem Kinde zusingen: – „Das Bällchen kannst Du
wohl betrachten, du kannst es ganz genau beachten, es ist rc rc [“] – Das Kind kann auch,
vom Spielführer geleitet, demselben von sich aus zusingen oder sprechen: „Das Bällchen will
ich wohl beachten, ich will es pp pp pp.“
5.) Bey diesem Schaukeln oder Heben u Senken kann es gar nicht fehlen, daß der Ball sich bewegt;
wenn dieß bemerkbar hervortritt, nimmt es der Spielführer leicht mit den Worten auf,
spricht oder singt sie den Kindern zu: - „Das Bällchen will sich regen, will sich gern
bewegen, regen bewegen; regen, bewegen.“ Auf diesen Worten u Bewegen laß ich
nun die Aufmerksamkeit des Kindes wieder möglichst ruhen, wie vorher bey dem Be-
trachten und Beachten, wie vorher bey dem Liegen sehen: damit der Gegensatz von Ruhe
und Bewegung dem Kinde recht deutlich werde, es sich auch zu sinniger Beachtung und Ver-
gleichung geführt werde. — Nach Umständen erweitere ich aber auch bald sowohl die
Bemerkung als das Wort indem ich den Kindern zu singe: „Seht die Bällchen wollen
gar zu gerne rollen, wollen, rollen; Freude wollen sie {uns/Euch} zollen.“ Zollen
erklärt sich leicht durch abgeben, geben, darreichen.– Diese rollende Bewegung kann nun
entweder gleichlaufend der Brust I: - :I, oder senkrecht gegen sie I: I :I oder kreisend
I: O :I seyn und hier wieder bald rechts kreisend [Zeichnung] bald links kreisend [Zeichnung]. Sie
sehen welche Mannigfaltigkeit sich gleich entwickelt.— Das Rollen kann aber auch
als ein Wandern betrachtet werden. Nun die Erweiterung:— [6.] “Das Bällchen möchte wandern /
[37R]
6. von einer Hand zur andern.“ Weiter bald die Erweiterung: - [„] Hinüber, herüber;
hinüber, herüber.“ — Bey etwas getrennten Händen, also gleichsam hin, über
die Trennung; her, über die Öffnung
7. Dieses Wandern von einer Hand zur andern läßt sich aber bald erweitern in ein Wandern
von einem Kinde zum andern, und zwar bald links, bald rechts im Kreise, so
daß beyde Hände gleich geübt werden. Ich lasse nemlich bey diesem Spiele erst den
Ball aus einer in die andere Hand reichen z. B. aus der Linken in die rechte und
dann von der rechten Hand in die linke des Nachbars, der dann wieder den Ball sei-
ner rechten reicht, welche ihn wieder der linken des Nachbars giebt und so fort.
Die Kinder singen, oder sprechen auch nur dabey im Chor: – [„] Das Bällchen will auch wandern,
von einem Kind zum andern.“– Da es nun durch seine freundliche Erscheinung gleichsam
begrüßt, so werden auch noch die Worte erweiternd hinzu gefügt: – [„] und wünschen
einen guten Tag, guten Tag, gutenTag!“
8. Dieses Wandern des Balles von einem Kinde kann nun ganz leicht zu einem Wandern
eines Kindes zu einem andern und so im Kreise herum erhoben u erweitert werden
mit den Worten z. B. „Auch Lina möchte wandern rc rc und wünschen rc rc [“]
während dem geht das Kind (oder wird geleitet) im Kreise herum, reicht jedem
die rechte Hand so wie jedes Kind ihm die rechte Hand reicht und sagt: „Guten Tag! G. T.“
9. Dieses Wandern eines Kindes kann nun weiter leicht in ein Wandern aller zunächst in
der Stube herum erweitert werden mit den Gesangsworten: - „Wir alle möch-
ten wandern, von einem Ort zum andern. Das Wandern uns gar wohl gefällt man
schaut so fröhlich in die Welt; wandern, ja wandern!“ -
Sie werden daraus sehen wie so ganz einfach der todte Ball das Leben weckt und
das einzelne, ruhige Ballspiel zu einem allgemeinen Bewegungsspiele macht.
Die Kinder lernen die Liedchen unglaublich leicht, besonders wenn man sie langsam
und klar im Chor durchspricht. Wenn auch die Kinder äußerlich wirklich gar nicht mit
zu sprechen noch weniger mit zu singen scheinen, so thun sie es doch innerlich, und sind sie allein, so /
[38]
quillt Wort u Gesang wie eine klare Quelle hervor.
Dieß bis jetzt hier vorgeführte bildet nun ein schönes Spielganze, mindestens einen ganz
bestimmten Spielabschnitt und kann nun wenn es den Kindern Freude macht in einigen aufeinan-
derfolgenden Spielstunden wiederholt werden.
10. Eine ganz neue Spielweise beginnt wieder bey dem Hinüber, herüber mit getrennten Händen,
wo die Stelle der beyden Hände zwey verschiedene Personen [ver]treten. Das Leichteste ist hier sich den
Ball mit beyden Händen zuzuwerfen und mit beyden Händen zu fangen. Die kleinen Kinder rollen
fast den Ball in ihres Spielgenossen Hände, so daß sich die Hände der beyden Kinder fast berühren. Es
sieht dieß, so einfach es ist, doch sehr niedlich aus. Die Spielerweiterung ist hier sehr mannichfach:
es kann sich einmal die Entfernung vergrößern, dann kann man den Ball mit 2 Händen zu werfen
und mit beyden Händen fangen oder mit einer Hand werfen und nur mit einer Hand fangen;
und zwar hier wieder bald mit gleichen Händen z. B. rechts, fangen und werfen; dann mit einer
andern Hand z. B. der rechten, den Ball werfen und mit der andern, hier der linken Hand fangen.
Gesungen wird dabey: – „Hinüber, herüber kann leicht er springen und soll ich singen ein
Liedchen dazu.“ - Oder auch blos: [„]flieg weg, komm wieder!“—
11. Es können aber auch mehrere wie beym Wandern des Bällchens im Kreise, allein entfernter
von einander stehender Kinder sich den Ball oder auch mehrere z. B. ½ soviele Bälle als
Kinder sind, sich zuwerfen, so daß {der Ball/oder die Bälle}dabey, aber in größern Bogen wieder im Kreise
herum wandeln. Die Kinder singen dabey, so daß Gesang u Ballwerfen in Übereinstimmung ist :
“Liebe Bälle kommt zur Stelle, schlingt im Tanze Euch zum Kranze, Euch gleich Blumen ein
zu winden sollt bereit ihr alle finden.“ Dieß ist, gut ausgeführt und mit verschiedenfar-
bigen Bällen dargestellt, eines der schönsten Spiele; wenigstens das Schönste aller bisherigen.
12. Wie jetzt die Kinder im Kreise standen, so können sie auch in zwey langen geraden Linien
sich einander gegenüber stehen und sich gegenseitig den Ball zu werfen und dabey, indem sie
sich zuerst gegenseitig von einander entfernen und dann wieder sich nähern, singen: -–
„Hoch im Bogen komm geflogen, lieber Ball! Immer weiter, immer breiter sey das Maal! Näher
wieder, auf und nieder, flieg o Ball!“ Nun Da Capo, so daß abwechselndes Nähern u Entfernen stattfindet. /
[38R]
Dieß Spiel kann auch nur von Zweyen gespielt werden, und wird gewöhnlich auch zuerst nur
von zweyen allein aus geführt. Seiner Schönheit nach reiht es sich ganz an das vorhin
genannte [Spiel] an. Auch kann es von geübteren, größeren Spielern auch mit zwey Bällen,
welche sie sich gegenseitig zugleich zuwerfen, gespielt werden. – Diese Spiele schließen
sich überhaupt, und das ist eben ihr großer Vorzug, an die Größe und die Gewandtheit
der Spielenden an werden mit dem Kinde Kind, mit dem Mädchen zum Mädchen und mit
dem Knaben zum Knaben, wie mit dem Erwachsenen erwachsen sie selbst.
Hier ist nun wieder ein Spielreihe oder ein Spielganzes beendigt. Der Ball bewegte
sich mehrelich [sc.. mehrfach] überwiegend in wagrechter oder auch in Bogenlinie; er kann sich aber auch
überwiegend und ausschließend in senkrechter Richtung bewegen. Hier knüpft sich die Er[-]
weiterung an das frühere Hinauf, herab an. Und zwar so, daß
13, der Ball senkrecht in die Höhe geworfen und im senkrechten Herabfallen wieder
gefangen wird: Also singend, werfend und fangend. „Hinauf herab, hinauf herab.“
Weiter, ihn, den Ball höher werfend: [„]Hochhinauf kann er steigen tiefherab
sich auch neigen, kann steigen, sich neigen, steigen, neigen.“
14.) Jetzt kann der Ball nach Willkühr oft in die Höhe geworfen und gefangen werden,
wozu das Liedchen „Bällchen, Bällchen springe in die Luft hinein, wenn ich’s Liedchen
singe freudig klar u rein.“ Dieß Spiel reiht sich wegen seiner Schönheit an die
beyden früher genannten an, besonders wenn von vielen Spielenden die Bälle
verschiedenfarbig, zugleich und gleichhoch geworfen werden. Wie Leuchtkugeln
und Raketen spielen sie dann in der Luft. Hierbey kann auch gesungen werden: - „In der Luft bey seinem Fall dreht sich um sich selbst d[er] Ball.“
15. Die Würfe können auch gezählt u zugleich wie die Töne, der Höhe nach
gemessen werden, nemlich so: – „Das Bällchen möcht ich fangen, 1mal, 2mal, 3mal,
4mal, 5mal, 6mal (: dieß im Grundton 1 gesungen :) Dieses Fangen kann nun wieder
auf das verschiedenste verändert werden: mit beyden Händen (: hier auf 6 verschie-
dene Weisen :) mit einer Hand, bald mit der linken, bald mit der rechten; mit der
einen geworfen, mit der anderen gefangen. Auch wohl mit 2 Bällen zugleich.
15b Nun können aber auch senkrechte u wagrechte Richtungen mit einander verbunden werden z.B. /
[39]
5.) [Bogen] „Hinauf, herab, hinüber herüber“. Oder [„]Hinauf herab, hinüber, herüber, hinüber.[“] Oder
15c „Steig auf fall nieder, flieg weg, komm wieder, flieg weg.“ Da Capo. Wo das Aufsteigen wechselt.
Alle diese Spiele können auch wohl mit dem allgemeinen Ballliede: „Ball wie ich Dich liebe[“] pp
(S.S.Bl.) begleitet werden.
Alles dieß waren [Ball] Spiele im freyen Raume. Nun giebt es aber auch Spiele auf
oder an einer Fläche.
16) Auf einer Fläche, der Tischfläche z. B. Spring auf vom Tisch ich fange frisch (oder richtig=recht)
17. Von einer Fläche, der Wand „Springe Bällchen von der Wand, springe schnell in meine Hand“
18.[-] 20 (S. S.Bl.) Oder „Tipp, tapp, tapp, spring von der Wand hübsch ab; dich [zu fangen]“ pp pp
S. S.Bl [Sonntagsblatt] wo diese Liedchen alle ausgeführt sind.
Dieß letztere Spiel hat das Gute, daß es die Nachahmung weckt, um Lehrling, Geselle rc.
zu werden.
Dieß sind die wesentlichsten Spiele mit dem freyen Balle*, und die sich daran anknüpfenden Bewegungs-
Spiele nemlich reine Bewegungsspiele, welche nur den{Leib/Körper} zum Gegenstande haben.
Eine ganz neue Reihe von Spielen entwickelt sich von dem Balle an der Schnur
aus.
21. Der Ball an der Schnur wird dem Kinde gereicht, er entschlüpft dessen Hand
und der Spielführer singt: „Das Bällchen deiner Hand entschlüpft und froh hinaus
ins Freye hüpft.“ — Oder[:] Das Bällchen leicht beweget sich, hin her; hin her.
Bey dem letztern Spiel kann man die Kinder entweder in gerader Reihe, oder in ein
Geviert, oder am schönsten in einen Kreis treten lassen und jedem Kinde einen Ball
mit der Schnur geben und – entweder das vorige Liedchen singen lassen oder auch:
„- Sehet nur man denkt es kaum, das Bällchen läutet pim pim paum; pim paum;
pim pim paum, pim, paum; pim, pim, paum. D.C.“ Die Kinder spielen dieß Spiel sehr
gerne besonders wenn die Bewegungen recht gleichmäßig und die Töne rein sind. Auch haben
wir dazu noch ein schönes Liedchen:– „Hin, her; hin, her; wie das Zweiglein in dem
Winde; (hin, her; hin her,) wohl gefällts dem lieben Kinde, hin; her“ D.C
Fast bey all den genannten Spielen kann immer abwechselnd ein Kind in den Kreis
treten und das Spiel allein, oder nach Umständen zu zweyt ausführen; was neuen
[Fußnote:]* Siehe ferner die Beylage o [fehlt] /
[39R]
Reiz in das Spiel bringt.
An dieses Spiel knüpfen sich nun eine Menge zwar in sich gleichartiger aber doch
unter sich verschiedener Körperbewegungsspiele.
22. Eines der spielenden Kinder tritt in den Spielkreis und läßt das Bällchen mit dem
2en Liedchen schwingen. - Nach dessen Beendigung singen die Kinder oder vielmehr
jedes derselben im Kreise:– „Auch ich gar leicht bewege mich: hin her; hin her“ in[-]
dem dabey jedes Kind sich auf eine gewisse Weise schwebend von dem linken Fuß
abwechselnd auf den rechten bewegt, und so der Oberleib eine pendelartige Schwing-
ung erhält.
Wie vorher der ganze Körper so bewegt sich nun der rechte Arm hin her; oder vor
zurück dann der linke Arm; weiter beyde gleichlaufend nach vorn oder hinten,
dabey singend: „der rechte (der linke, beyde) Arm (e) bewegt (bewegen) sich hin her“
nun beyde Arm abwechselnd nach vorn u hinten, singend:- „die beyden Arme be-
wegen sich, hin u her, und her u hin; hin u her und her und hin.“ D.C.
Ebenso der rechte Fuß, oder vielmehr das rechte Bein; das linke Bein. Beyde Beine
zugleich geht natürlich nicht.– Jede Übung wird jedoch immer von einem Kinde in der
Mitte durch den schwingenden Ball gleichsam vorgemacht.
23. Wie der Ball jetzt an der Schnur schwang, so kann er auch an der Schnur gesenkt
und gehoben werden; dabey wird gesungen: Das Bällchen kann ich heben u kann es wieder senken
ab auf, ab auf.“- Dieß nun übergetragen auf den ganzen Körper.
“Auch ich ich kann mich heben und kann mich wieder senken, heben senken auf ab.“
Eben so mit einem Arme, erst rechts, dann links, dann mit beyden Armen.
Liedchen: Die beyden Arme bewege / hebe ich (zugleich) auf ab, auf ab.
Oder: Die beyden Arme beweg’ ich (abwechselnd) auf u ab und ab u auf. D. Cap.
24. Das Senken u Heben auf beyden geschlossnen Füßen giebt dann A, das
„Senkt Euch nieder; Stehet auf! Senkt Euch, hebt Euch!“ (Alle Spielenden stehen im Kreise
der Oberleib muß senkrecht gehalten werden.) Ist besonders für Mädchen so körperbildend als gesund. /
[40]
25, Zweytens B, Das Hüpfen auf geschlossenen Füßen. Der Spielführer singt: Reichet euch alle die Hände!
Füße geschlossen!“ – „Füße auswärts!“ – „Geschlossen!“ „Auswärts!“ „Geschlossen!“
Spielführer {sprechend/singend} „Zehenstand!“ Die Kinder versuchen mit geschlossenen Füßen im Kreise
stehend sich gegenseitig die Hand reichend auf den Zehen zu stehen.
Spielführer: - „Nun wollen wir so alleine einmal hüpfen.
Spielführer: - „Wir hüpfen aus dem Zehenstand (in die Hand klatschend) einmal!
Dieß muß gewöhnlich 4-6mal geübt werden, ehe das Hüpfen ein klares, gemeinsames
wird. – Nun zweymal. „Wir hüpfen aus dem Zehenstand (klatschend) ein- (klatschend) zwey
mal.“ (Wie geklatscht wird, wird auch zugleich gehüpft, so daß Klatschen, Hüpfen
und Zählen ein Einiges ist.) Wir üben gewöhnlich das Hüpfen bis 5mal, weil dieß
für uns eine Normalzahl ist. Warum? Davon vielleicht später einmal.
Hiermit ist nun wieder ein gewisses Spielganzes geschlossen. Diese Bewegungen waren
nemlich immer in gleicher Stellung auf einem und demselben Platze.–
26. Das sich gleich einem Pendel schwingende Bällchen kann sich aber auch wie ein Rad
um sich selbst drehen. Der in der Mitte stehende Spielführer macht es vor und singt:
- „Das Bällchen leicht beweget sich hin her, hin her und schwingt sich dann herum
und schwingt sich dann herum!“ -
„Wer von Euch will uns dieß auch zeigen?—“ Gewöhnlich tritt ein Kind gern hervor.
Dieß Kind singt und thut wie vorhin der Spielführer: - „Das Bällchen[“] pp pp.
Die Kinder im Kreise singen u stellen dar: - „Auch wir gar leicht bewegen uns hin her,
hin [her] und gehen dann rund um, und gehen dann rund um.[“]
Anstatt des Gehens, kann aber auch auf der Stelle jedes Kind sich um sich selbst drehen,
dabey singend: „Auch wir ganz leicht bewegen uns, und drehen uns dann rund <>um.“
27. Man kann nun auch wieder jeden der Arme, dann beyde zugleich wie oben rund um
schwingen lassen; eben so auch jeden der Füße: „Mein Arm a[uch] l[eicht] bew[eget] sich u schwingt sich dann rund um.“
28. Hieraus entwickelt sich leicht ein anderes Spiel: der Spielführer spricht u zeigt: -
„Wie der Ball auch steigt [Zeichnung] und neigt [Zeichnung] er doch stets zur Mitte zeigt.[“] /
[40R]
29. Die spielenden Kinder im Kreise ahmen dieß nach, indem sie zuerst den rechten, dann (bey entgegengesetztem Drehen) den linken Arm erheben und mit diesem nach der Mitte
zeigen, dabey singend: - „Alle die wir kreisen, nach der Mitte weisen.“
30. Wenn die Kinder so nach der linken und rechten Seite gedreht haben, so lassen sie
die Hände sinken fassen sich wieder an, schauen nun alle, möglichst genau nach der Mitte
u singen indem sie sich bald rechts bald links herum drehen:— „Wie wir uns
auch kreisend drehen stets wir doch die Mitte sehen.“ Oder: „Ist der Kreis schön
rund, thut er klar die Mitte kund.“
31. Nun wird ein einzelnes, und nach und nach jedes Kind aufgefordert die Mitte zu zeigen
mit den Worten: „Liebe(r) ich bitte zeig uns die Mitte!“ - Das Kind tritt bestimmt
und scharf in die Mitte. Alle singen ihm dann zu: „Du hast erfüllet unser Wort
tritt nun zurück an Deinen Ort.“- Die Kinder haben es sehr gern, wenn keines von
diesem Stehen in der Mitte ausgeschlossen wird.
32. Das Drehen im Kreise kann nun auch mit dem Hüpfen verbunden werden wo es dann
heißt: - „Laßt uns hüpfen auf den Zehen uns rechts (links) herum im Kreise drehen.“
33. Dieß kann nun wieder zu einem größeren Spiele ausgebildet werden. Alle Kinder
treten in einen großen Kreis [Zeichnung] Der Spielführer tritt an das eine Ende dieses Kreises
gerad einer Wand gegenüber [Zeichnung] Er fasst mit seiner rechten und linken Hand die ihm
zunächst stehenden gleichgroßen Kinder an und spricht:“Zehenstand!“ – dann singend: -
“Wir hüpfen aus dem Zehenstand Von dieser hier bis zu jener Wand.“ Er stellt nun die
beyden Kinder an den entgegengesetzten Seiten bey 1 und 2 in den Kreis und kehrt nun
ruhig gehend an seine vorige Stelle zurück; alle im Kreise singen dazu: - „Und rück-
wärts kehrt er seinen Blick und geht an seinen Platz zurück.“ - Nun erfaßt er ein
anderes Paar wieder gleich große Kinder und führt das Vorige wie vorhin aus. Bey
seiner Rückehr singt der Kreis wieder wie vorhin. So geht das Spiel fort bis
alle paarweise diese hüpfende Wanderung gemacht haben.
34 Ein anderes Spiel, was sich daraus entwickelt ist das:“Kindchen drehe dich“ — /
[41]
6.) [Bogen] Die im Kreise stehenden Kinder singen: - „Wir alle Hand an Hand nun stehn, u wollen uns im Kreise
drehn; möchten aber die Mitte sehn; wer sie uns will zeigen, dem woll’n wir uns neigen.“ -Ein
Kind (deren sich gewöhnlich, wenigstens später mehrere melden) tritt in die Mitte – der Kreis
singt und stellt es zugleich dar: - „Wir neigen uns, wir neigen uns, wir neigen uns. Laß nun
auch Dein Liedchen klingen wollen kreisend mit Dir singen.“ - Das Kind in der Mitte klatscht
in die Hände und singt:- „Rund um, rund um, im Kreis herum, im Kreis herum,
immer rund um, ja immer rund um.“ - Jetzt klatscht das Kind in der Mitte wieder und
singt wie vorhin; der Kreis dreht sich nun links herum. Nun klatscht das Kind abermals
dann singt der Kreis: „Jetzt wir alle stille stehn, wollen Dich nun tanzen sehn, wollen Dir
auch ein Liedchen singen, soll zu Deinem Tanze klingen.“ – Dann klatscht der ganze Kreis. Während dem nun das Kind
sich möglichst auf einer Stelle entweder mit frey leicht herabhängenden oder in die Seite
gesetzten Armen (: das erstere ist fast schöner:) um sich selbst dreht, singt der Kreis: - „Kind-
chen drehe Dich im Kreis herum, rechts herum, immer rund um, ja immer rund um.“ Eben-
so links herum. Zu Anfang und zu Ende des Liedchens wird jedes Mal von dem ganzen Kreis
einmal in die Hand geklatscht. - Nun singt der Kreis wieder: - „Kindchen hat sich müd
gedreht, nun zurück zur Stell’ es geht.“ „Wer will nun die Mitte zeigen, dem woll`n wir
uns dankbar neigen.“- So beginnt das Spiel wie oben. -
Dieß sind nun - mit Ausschluß der Spiele für die ganz kleinen und kaum einjährigen bis 2-
jährigen Kinder, welche der Text zur ersten Spielgabe enthält, – beynahe alle die Spiele,
so weit solche bis jetzt in einer ganz natürlichen sich ganz von selbst ergebenden Ordnung und
Reihe[n]folge aus dem einfachen Betrachten des ruhenden Balles sich entwickelt haben und
von uns in Ausübung gebracht worden sind. — Einige Einzelspiele mit dem Balle
an der Schnur; welche sich an die allerersten Kindchenspiele anschließen, habe ich auch aus-
geführt, doch will ich ich jetzt die Zeit nicht damit versäumen solche Ihnen mitzutheilen.
Sollte ich es später vergessen sie Ihnen mitzutheilen, so bitte ich mich daran zu erinnern. Siehe Beilage *[fehlt]
[s. Abschriftfragment 19R/20V: Liedchen für den „kleinen Hermann“]
Nun folgen die Kugel- und Würfelspiele. Doch erlauben Sie mir vorher ein wesentliches
Wort. – Die Spiele sind zwar in sich (:aus Gründen, die zwar früher anderswo schon ange- /
[41R]
deutet wurden, die aber hier weiter auszuführen weder Zeit, noch Raum noch Zweck ist) –
ein geschlossenes von einer einfachen, der einfachsten und nothwendigsten Einheit ausgehendes nach einem einfachen, dem einfachsten
und nothwendig[st]en Gesetze sich entwickelndes Ganzes; allein deßhalb ist es dennoch nicht
nöthig, diese Spiele streng nach der angegebenen Reihe[n]folge durchzuspielen, dieß würde das
fröhliche, frische Leben des Spieles, die dadurch bezweckte freye Entfaltung des Kindes, welches
beydes ja das Wesen und die Hauptsache des Spieles und beym Spielen ist – ganz vernichten.
Daß die Spiele in jeder Beziehung von dem möglichst Einfachsten und Festen in der Erscheinung
(: von dem Balle, wie die Pflanze aus dem Kern und das Thier aus dem Ei :) ausgehen, daß sie
sich nach dem ganz allgemeinen und unerläßlichen Gesetz der sich steigernden Entwickelung der Mannigfaltigkeit aus der größeren Einfachheit fortbilden, dieses Gesetz und dieser Entwicke-
lungsgang muß im allgemeinen bestimmt festgehalten werden; allein innerhalb dieser
Grenze ist freye Wahl und Beweglichkeit der Thätigkeit unbeschränkt offen. Sonst würde
das Spiel aufhören Spiel zu seyn und seine volle Entwicklungs- und Bildungskraft verliehren.
Sie selbst, verehrte Muhme und jeder Spielführer, würde sich dadurch gehemmt, ja ich möchte sagen getödtet
mindestens hölzern fühlen. Der Gedanke muß im Ganzen fest gehalten
werden; allein die ganz besondere Form und Art der Ausführung muß ein Erzeugniß
des Augenblickes seyn. Je freyer und ungesuchter dieß in Eins zusammenfällt, desto
schöner ist der Ausdruck des Spieles und Spielens. So kann man überhaupt wohl, viel-
leicht auf 12 verschiedene Weisen einen Kreis beschreiben oder vielmehr ein Kreis-
rund
machen und ausführen; welche von diesen Weisen man nun aber wirklich wäh-
len will, hängt von dem angegebenen Stoffe, durch und an welchen, und von den Umständen
ab, unter welchen man ihn ausführen soll und hier wieder in einer beschränkteren
Sphäre von der freyen Wahl und Selbstbestimmung. In dieser ewigen und ganz unzertrenn-
lichen Verknüpfung von Begrenzung und Unbegrenztheit, von Beschränkung und Unbeschränkt-
heit
jedesmal in bestimmten Sphären, (wie vorhin beym Kreise angedeutet,) darin ist besonders
die freye Entfaltung des Menschen, der Freyheit des Menschen und dennoch nach Gottes Willen
wie nach eigenem inneren (: göttlichen :) Gesetz (: Gewissen :) wie in Einklang mit dem großen Lebensganzen möglich. — /
[42]
Sehen Sie, so innig eingehende Muhme! darin hat es seinen Grund, daß die von mir aufge-
stellten Spiele, Spiel- und Beschäftigungsweisen theoretischen wie praktischen Werth, Werth
für das innere und innerste persönliche, wie für das äußere gesellige Leben haben, daß
sie wegen des Wesens und den Keimen, die sie in sich tragen, mindestens wecken, wissenschaftliche
wie ästhetische Bedeutung haben, daß sie so wichtig sind in sittlicher (moralischer) wie in Hinsicht
auf das Erkennen (in intellectueller Beziehung) daß sie gleich wichtig sind für Kopf und Herz
wie für das Leben, die That; daß sie gleich wichtig sind, wie für Entwickelung zur Tugend, wie
für Entwickelung zur Religion und hier ganz namentlich des rein christlichen Princips.
Sehen Sie hochgeschätzte Muhme! in dieser begründenden Allumfassendheit dieser Spiele,
Spiel- und Beschäftigungsweise hat der allgemeine Anklang seinen Grund bey jedem, der
sie selbst spielt oder mindestens spielen sieht und so ihre Wirkung an sich, wenn auch nur durchs
Schauen (wie bey jeder Kunstdarstellung u Kunstwerk) empfindet. Darum wird mit der Zeit
und bey wahrhaft eingehender Pflege Einzelner (:wie dieß sich so selten in Gera anzubahnen scheint:)
ein Dreyfaches Statt finden: Erstlich werden diese Spiele und Spielweise immer mehr Allgemeinen
Anklang und Anwendung finden. Zweytens werden diese Spiele immer mehr aus dem ganz
beschränkten Kinderkreis hervortreten in die Familien als ein Ganzes, ja sie werden
ein Eigenthum des Volkes und des Menschengeschlechtes werden, wie dieß früher bey den
griechischen Spielen rc der Fall war. Drittens werden sie sich von da aus zu ihrer Zeit
immer mehr in ästhetischer (ächter Kunst-) Beziehung und von diesem Punkte aus wieder in
allgemein menschheitlichen Beziehungen ausbilden. —
Ich habe mir erlaubt, Ihnen dieß auszusprechen, damit die Ihnen helfend zur Seite steh-
enden Männer sehen, damit Sie Ihnen [sc.: ihnen] klar zeigen, mindestens mit tief gefühlter Über-
zeugung aussprechen können, daß es sich keinesweges etwa blos um kindisches oder auch
nur einseitiges Spiel, sondern um Darstellung wahrer Mannesgedanken und Menschheits-
Ideen handelt, die wohl der helfenden Hand und der sinnigen und gewandten Frauen und
Mütter, so der denkenden und thatkräftigen Männer und Väter würdig ist sind;
welche ebenso wohl klärend in die Vergangenheit greifen als förderlich und wohlthätig in /
[42R]
der Gegenwart sind, wie seegensreich für die Zukunft wirken. — Wie dieß möglich? – Dadurch
daß sie auszuführen suchen was der Mensch soll: – das im Kleinen, Einzelnen und Unvollkommnen
aber mit Erstrebung des Vollkommenen zu thun, was Gott im Großen, im Ganzen
und auf das Vollkommenste, in Vollkommenheit thut. – Den Entwickelungs-, Bildungs- und
Erziehungsgang Gottes in Beziehung auf das Menschengeschlecht muß der Mensch zu
erkennen und diesen Gang in der eigenen Erziehung, wie in der Erziehung seiner
Kinder, seiner Familie und seines Volkes darzustellen streben. Sehen Sie hier meinen
Erzieher, meinen Lehrmeister, meinen Bildner, der eben darum mit dem Buche der
höchsten und heiligsten Lebensoffenbarungen, welches er nicht blos in der Hand hält
und im Herzen trägt, sondern im Thun darlebt, – nie in Widerspruch ist.— Dieser
Erziehungsgang und Plan Gottes aber zeigt uns: Wie er alles aus in sich einigem Lebens-
grunde, nach ewig in sich klaren sich nicht nur nicht widersprechenden, sondern sich ge-
genseitig lebenvoll fördernden Gesetzen schafft, nach welchen beyden Bestimmungen, nun
der Mensch frey aus sich emporsteigen, sich erziehen und bilden soll; darum erscheint
so vieles Entgegengesetzte und Gleichzeitige ungeordnet vor, ja oft in ihm, damit er davon
durch die mit seinem Wesen einigen höchsten Leiter, die Lebenseinheit und die Lebensgesetze
finde. - So meyne ich nun auch, oder vielmehr erkenne ich auch in den von mir
mir [2x] erkannten und aufgefundenen Spielen: — Es schadet ganz und gar nicht für die
Entwickelung des Kindes, wenn auch einmal etwas Späteres früher und etwas
Verschiedenzeitiges gleichzeitig kommt, wenn nur das Kind durch das Ganze
Erstlich zu der Ahnung kommt: es liegt aller Mannigfaltigkeit eine Einheit, aller
scheinbaren Willkühr und Zufälligkeit ein still und verborgen waltendes Gesetz
zum Grunde. Zweytens, daß das Kind durch das Spiel im allgemeinen so geleitet
werde daß es später, wenn es dazu in sich kräftig genug ist und will, diese Einheit
und diese Gesetze in dem ganzen Spielgange frey aus sich finden kann. Drittens,
daß es diese Einheit u Gesetzmäßigkeit der Entwickelung in Übereinstimmung mit seiner eigenen
in sich tragenden Lebenseinheit u deren Entwickelung finde. Viertens endlich, daß ihm dieser doppelte
Fund Mittel u Wege zeige die Einheit u die Gesetzmäßigkeit aller Lebenserscheinungen mindestens annähernd zu finden. — /
[43]
7. [Bogen] Nach dieser Abschweifung, welche größer wurde als ich Anfangs vermuthete nun zur Darstellung der
Spiele zurück. - Auf den Ball folgt bekanntlich nach den vielfach angegebenen Gründen die Kugel
und der Würfel. In Beziehung auf beyde nur einige Angaben, da der Text zur 2n Spielgabe aus-
führlich ist. — Die Einführung eines neuen Spielzeuges, d.h. besonders auch die Art derselben,
hängt, wie ausgesprochen, von Umständen ab. Doch ist es immer gut, sich auf eine bestimmte Art
in sich vorzubereiten, damit man nicht im Blosen stehe. Überhaupt ist es zu empfehlen, vor
Anfang einer Spielstunde sich solche durchzudenken, in Beziehung auf das, was man wohl ausführen könnte.
Nicht als ob dann auch alles so kommen müßte, nur daß man in sich sicher ist.
Die Sicherheit wirkt gar zu wohlthätig auf das Kind. Auch giebt das Kind wenn es nur spielen
kann, sich im Allgemeinen gern vertrauend den Bestimmungen der Erwachsenen seinen Spielführer hin.
So kann also der Spf.[sc.: Spielführer] z.B., indem er die Kugel aus dem Kästchen holt, den Kindern zusingen: -
1.„Die Kugel kommt hervorgegangen, sie trägt zu Euch gar groß Verlangen.“
Hat der Spielf. noch einen Gehülfen, so kann dieser mit den Kindern gemeinsam antworten: -
„Die Kugel rc rc sie trägt zu uns gar gr. Verlangen.“ - Der Splf. weiter: – „Gebt
nur auch acht, was sie wohl macht.“ Kinder singen mit dem Gehülfen entgegen: „Wir geben Acht pp
2. Spielf: singt gleichsam aus dem Munde der Kugel: „Ich drehe mich :/: Die Kinder antworten:
„Sie drehet sich :/: Spielf: „Ich drehe mich herum!:/: Chor: „Sie dreht sich herum:/:
Spielf: „Ich dreh mich um mich selbst herum, selbst herum.“ Chor „Sie dreht sich pp pp.
3. Spielf. „Ich dreh mich um mich selbst herum, immer um mich selbst herum, bald rechts herum,
bald links herum, bald r.h., bald l.h. (: Die Kugel wird dem Worte gemäß mit den
Fingern gedreht. [)] Oder auch: „Ich dreh mich u. s. w. (wie vorhin) dann weiter: bald zur Rechten,
bald zur Linken, wie mich Deine Finger lenken.“
4. Man kann nun auch die Kugel leicht mit den Fingerspitzen umfaßt im Doppelkreise [Zeichnung] vor
sich auf dem Tische drehen u dabey singen: „Rund um, rund um! Das ist meine Freude; rund
um, rund um, so dreh ich mich und freue mich; freue Dich auch wie ich!“ Wenn man Unter-
tassen hat oder anwenden will, kann man dieses Drehen auch so ausführen wie es im er-
klärenden Texte angegeben ist. 5. Der Spielf. läßt die Kugel bald ruhen, bald rollt er sie ein wenig, /
[43R]
dabey spricht oder singt er: „Ob die Kugel ruht, ob die Kugel geht, stets sie auf ihrem
Fußpunkte steht[“]. Die Kinder thun singen oder sprechen im Chor nach. Der Spielf. zeigt
genau, was der Fußpunkt ist, auch wohl warum er so heißt.
6. Der Spielf. [singt]: „Die Kugel sich leicht um sich selber dreht indem sie auf ihrem Fußpunkt steht.“
Oder: „Ich Kugel leicht um mich rc rc Gar leicht ich um mich selbst mich dreh wenn ich auf meinem Fußpunkt stehe.“ Indem die Kinder die Worte im Chore singen oder sprechen, führen sie auch die Sache gemeinsam aus.
7. Der Spielführer kann ferner, indem die Kugel sich dreht, zeigen und singen oder sprechen:
„Was ihr an der Kugel Grades seht, wenn sie auf ihrem Fußpunkt sich dreht,
das wird, Euch wird es nun bekannt, die Achse in der Kugel genannt.“ Oder:
„Seht Ihr mich auf dem Fußpunkt drehn, so könnt Ihr meine Achse sehn.“
Die Kinder dagegen können, indem sie die Kugel drehen, singen: „Kugel drehe Dich, Deine Achse sehe ich.“
8. Spielführer: „Wenn auf dem Fußpunkt die Kugel sich dreht, ihre Achse dann senkrecht steht.
Oder: „Wenn ich mich auf dem Fußpunkt drehe, mit meiner Achse ich senkrecht stehe.“ –
9. Spielführer: „Auf! schaut nur die runde Kugel an, wie sie auch Grades zeigen kann.“
(: Wenn auch die Kinder dieß weder laut noch weniger klar nachsprechen oder nachsingen können,
so ist es doch gut, wenn sie es klar ausgesprochen oder gesungen von dem Spielführer hören; we-
nigstens bemerken die Kinder dadurch so viel, daß man die Erscheinung auch klar und bestimmt durchs
Wort bezeichnen kann, und dieß ist schon genug.
Dieß in Bezug auf die stehende und drehende Bewegung der Kugel, nun in Beziehung auf
die liegende u rollende.
10. Der Spielführer rollt die Kugel zwischen seinen beyden Händen gerad hin u her, singend:
„Hinüber, herüber; hinüber, herüber; schaut nur die gerade Bahn die die Kugel machen kann.“
11. Anstatt nun, daß die Kugel zwischen den beyden Händen eines Spielenden hin und her
gerollt wird können sie auch zwey sich gerad gegenübersitzende Kinder einander
in gerader Richtung gegen- oder wechselseitig zurollen und dabey das vorige singen:
„Hinüber, herüber u.s.w. u.s.w.
12. Der Spielführer bemerkt, macht bemerkbar und singt: „ Die Kugel sich um sich selber dreht,
Wenn sie von Einem (Einer) z. Andern geht.“ 13. Der Spielführer: „Von Einem (r) /
[44]
z. Andern die Kugel laßt gehen dann wagrecht wir immer die Achse dann so sehen.“ Oder:
„Von einem Kind zum andern (: oder auch blos: Von einer Hand zur andern :) Laßt nun auch mich wandern
Meine Achse sollt ihr sehn wagrecht mit dem Tische gehn.“
Es kann auch bey dieser Anschauung wiederholt werden, was schon eben gesungen wurde: –
„Auf! Schaut nur die runde Kugel an wie sie auch Grades zeigen kann!“
Auch kann man von der Kugel aus singen oder sprechen: „Hinüber herüber mit leichtem Sinn
So roll ich auf ebener Fläche dahin“ (: Wo nun die unterliegende Fläche ins Auge gefaßt wird. :)
14.) Wie jetzt die Kugel dem gegenübersitzenden Kinde zugerollt wurde, kann sie auch dem Nach-
bar zur rechten (oder zur linken) und so immer weiter zu gerollt werden, so daß die
Kugel rund auf dem Tische herum zu jedem der daran sitzenden Kinder läuft. Die Spiel-
gesellschaft singt dazu: „Es rollt die auf dem Tische die Kugel rundum, immer rund um, immer rund um“
Oder: „Die Kugel läuft auf dem Tische herum immer rund um, immer rund um!“
Hier ist wieder ein Punkt wo sich freye Bewegungen der Kinder ohne Spielgegenstand anschließen. Der
15. Spielführer nehmlich tritt an die eine Breitenseite des Tisches und sammelt jede der Kugeln wie
sie an ihn kommt in ein Körbchen oder steckt sie in die Tasche. Hat er alle Kugeln gesammelt
so läßt er alle Kinder um den Tisch herum treten, sich die Hände anfassen und rechts (oder
links) herum gehen indem sie zugleich alle singen: „Auch wir gehn um den Tisch herum, Immer r[un]d
um, immer rund um.“
16. Dieses Spiel läßt sich aber auch noch dadurch gleichsam verschönen, wenn man die spielenden
Kinder in 2 gleiche Theile theilt, die eine Hälfte sitzt oder steht um den Tisch herum und rollt
die Kugel, wie oben angegeben, die andere Hälfte geht singend um den Tisch, d.h. um die daran sitzende Kinderschaar herum: „Auch wir gehen
um den Tisch herum, immer rund um, immer rund um“ -
Wenn sich so diese Hälfte rechts und links um den Tisch gedreht hat, so setzt sie sich an den
Tisch, rollt die Kugel und die andern drehn sich um den Tisch. Das vorige Liedchen kann
auch von den sich um den Tisch drehenden Kindern noch erweitert werden in den Worten:
„Und singen daß es laut erklingt, weil uns das Drehen Freude bringt.“
Auch kann, wenn mit dem Wandern dieß Spiel schließt, statt jener Worte gesungen werden:
“Und sagen nun zum Schluß Euch Kugeln unsern Abschiedsgruß.“
17. Es läßt sich aber auch das Rollen und Drehen zugleich verbinden [Zeichnung]
a b sey der Tisch um diesen stehen die Kinder 1,2,3,4,5,6, 1,2,3,4,5,6. In der Mitte der beyden Seiten
a b treten immer von der linken Seite winkend, erst 1 u 1, dann 2 u 2 u.s.w. Die andern Kinder /
[44R]
rücken immer nach. Die Kinder in a und b rollen sich die Kugel gegenseitig zweymal
zu und singen dabey: „Sieh, die Kugel hat Dich gerne kommt zu Dir aus weiter Ferne.“
Während dem die beyden Kinder in a u b rollen geben die Kinder an den beyden Längsseiten Acht,
daß die Kugel nicht herabfällt. Dieß Spiel schön gespielt macht den Kindern große Freude
nur darf der Tisch für die kleinern Kinder nicht zu hoch seyn, oder man muß den Kleinsten
damit das Spiel nicht gehemmt werde, das {Setzen/Steigen} auf den Stuhl erleichtern.
18. Das Rollen der Kugeln sowohl quer als auch längs des Tisches kann auch mit zwey Kugeln
zugleich gespielt werden und zwar wieder auf doppelte Weise, entweder so, daß
jedes der Kinder eine Kugel und sie sich solche gegenseitig zugleich zurollen. Dann singen
sie: „Die eine geht hinüber, die andre rollt herüber so giebt es des Wechsels viel
hier in unserm Kugelspiel.“
19. Oder das eine der Kinder kann zwey Kugeln zugleich, in jeder Hand eine, dem ihm gegen-
übersitzenden zurollen; dazu werden die Worte gesungen:
„Zwey Kugeln kommen in gleichem Lauf mit beyden Händen fange sie auf.“
Das sie empfangende Kind singt dagegen: „fang ich sie auf.“
20. Auch hieran knüpft sich nun gleich wieder ein reines Bewegungs- und Laufspiel.
Die Kinder treten sämmtlich in dem Spielzimmer in einen möglichst großen Kreis und zwar
so daß immer Kinder von gleicher Größe mindestens gleicher Kraft einander gegenüber
stehen. [Zeichnung] An die eine Seite in die Mitte z.B. bey A stellt sich der Spielführer
in B dessen Gehülfe oder was gleich ist das größte der Kinder.
Der Spielführer spricht oder singt: „Zwey Kinder kommen in gleichem Lauf
„Mit beyden Händen fang ich sie auf.“ Wie nun das Wort Lauf
gesagt wird, klatscht der Spielgehülfe in B in die Hand und die beyden
ihm zunächst stehenden Kinder 1 u 1, welche nun vor ihn getreten sind, laufen nach A
wo der Spielführer sie in seine beyden Arme empfängt. Die Kinder rücken nach so daß
nun 2 u 2 an die Stelle von 1 u 1 treten, wo dagegen 1 u 1 an der andern Seite in A an
die Stelle von 10 u 10. Auch dieß Spiel macht den Kindern wieder große Freude.
NB. Die Begriffe gleichlaufend, gleichlaufende Linien werden dadurch anschaulich rc rc. /
[45]
8. [Bogen] 20b Wie zwey Kugeln gleichlaufend rollen oder gehen können, so können sie auch gegen einander gerollt werden [Zeichnung] so dass jede
der andern Lauf aufhebt; es läßt sich dabey singen: „Zwey Kugeln sind gegen einander gerichtet, die eine der anderen Lauf vernichtet. —
21. Wie im Bisherigen das Wagrechte aufgenommen wurde, so muß nun auch das Senkrechte
fest gehalten werden. Wie also bis jetzt die Kugel wagrecht auf dem Tische gerollt wurde
so wird sie nun von dem Spielführer zuerst, dann von den Kindern senkrecht in die Höhe
geworfen und so wieder gefangen. (: Dieß setzt aber schon eine ganz bestimmte Sicherheit im Fangen voraus, einmal weil das öftere Hinfallen großen Lärmen und das häufige Aufheben
große Unordnung verursachen würde.[:)] Der Spielführer singt: „Senkrecht hinauf! (und indem
sie wieder herabfällt und er sie fängt:) „Senkrecht herab! Schauet nur mich Kugel an,
Wie ich auch Grades zeigen kann.“ Anstatt: Wie ich auch singen die Kinder: „Wie sie auch“ pp.
22. Endlich wird beydes, das Wagrechte und Senkrechte in einer und derselben Spiel-
übung miteinander verbunden. NB Bey senkrecht wird der Ball geworfen und
gefangen, bey wagrecht dagegen gerollt u ergriffen.
Spielf: „Senkrecht, wagrecht; senkrecht, wagrecht.
Senkrecht und wagrecht durch Rund verbunden läßt sich durch mich die Kugel erkunden.“
Die Kinder: „Senkr wagr senkr wagr rc rc Läßt sich durch Dich die Kugel erkunden.“
23. Oder: „Senkrecht auf und ab, wagrecht hin im Trab; rund die Kugel ist und doch grade mißt.“
Der Spielführer kann auch singen: „Rund ich Kugel bin, kann doch grade ziehn!“
24. Bey dem Rollen auf der Tischfläche kann auch noch folgende Veränderung eingeflochten werden.
Nemlich anstatt die Kugel dem gerad gegenübersitzende[n] zuzurollen kann sie auch dem
schief gegenübersitzenden zugerollt werden; also von 1 zu 2, von 2 zu 3 rc, siehe die Fig. [Zeichnung]
Allgemein wird dabey gesungen:- „Zick, Zack; Zick, Zack
Ist der Kugel Spur; Tick, Tack; Tick, Tack ist der Schlag der Uhr.“
Die Bedeutung solcher Spiele liegt so nahe, daß ich mir besonders in dieser einfachen summa-
rischen Vorführung derselben kein Wort darüber erlaube.
25. Ich habe schon oben bey der Bewegung, bey dem Rollen des Balles angegeben, wie da leicht Über-
gänge zur Erfassung des persönlichen Lebens des Kindes möglich sind; allein auch von dem
Ruhen der Kugel ist dieß möglich. Einen ganz neuen Reiz bekommen nemlich die angegebenen
Spiele wieder, ja sie werden wirklich ganz neu, wenn die Kinder diese Spiele stehend /
[45R]
an einem verhältnißmäßig niedrigen Tische spielen und die Kinder so weit es möglich ist
dasjenige nachmachen, was ihnen die Kugel gleichsam vormacht. zB. „Ich Kugel
auf meinem Fußpunkt steh“. - Oder: „Seht, seht, seht die Kugel auf ihrem Fußpunkt steht.“
Die Kinder gleich ausführen: „Wer will, der kann mich sehn.
       Hier auf einem Fuße stehn![“]
Oder: „Seht, seht seht ein Jedes auf seinen Füßen (auf einem Fuße) steht!“
26. Oder wo die Kugel sagt: „Ich drehe mich rc“ ahmt das Kind nach:„Ich drehe mich pp pp :/:
27. So das Kind vor dem Tische an seinem Platze stehend weiter: „Ich drehe mich herum :/:
28. Und weiter ausgeführt: [„] Ich dreh mich um mich selbst herum, immer um mich selbst
herum! Bald zur Rechten, bald zur Linken wie mir Deine Augen winken!“
„Wir gehen um den Tisch herum“, habe ich oben schon angegeben.
Die Spiele mit der Kugel an der Schnur bilden nun wieder eine neue Reihe.
Ich beziehe mich in dieser Hinsicht ganz auf den Text zur 2n Gabe.
Nur ein Spiel füge ich hier noch hinzu was dort noch nicht angegeben ist, nemlich wo die
Kugel an der Schnur sich auf der Boden- oder Tischfläche dreht; ich nehme das letzt erstere.
Die Ausführung ist hier wieder zweyfach, entweder dreht sich die Kugel vor dem Kinde
im Kreise; oder sie dreht sich zugleich mit dem Kinde um dasselbe. -
29. Die Kugel dreht sich vor dem Kinde im Kreise, d.h. sie wird vom Kind vor ihm an der Schnur gedreht.
Alle singen mit dem Kinde: „Schauet nur und seht, wie die Kugel sich dreht: Einmal um sich selbst
herum, dann auch um die Mitte ‘rum.“ (: Nun hebt das Kind die Kugel schnell an dem Faden
in die Höh und singt :) „Doch wird sie nun schnell erhöht leis nur um sich selbst sie dreht,
Hat sie sich rechts um gedreht, schnell sie dann auch links um geht; auch sich wieder
rechts um dreht, links um, rechts um, rechtsum, links um (: So oft nehmlich die Kugel ihre Drehung
ändert :). Schon Nachdem es das Kind in der Mitte dargestellt hat führen es auch alle Kinder
im Kreise als Doppeldrehung aus: [Zeichnung] „Schauet nur wir lassen sehn, wie auch wir uns
können drehn, einmal um uns selbst herum, dann auch um die Mitte ’rum; doch wenn
wir nun stille stehn, einzig um uns selbst uns drehn :/: bald rechts herum, bald links herum :/:
[46]
30. Wenn die Kugel zugleich mit dem Kinde um dasselbe sich dreht: - Alle singen: „Die Kugel an
dem Faden geht und doppelt sich im Kreise dreht. Nun nimmt der Spielf. eines der Kinder zuerst an
seine rechte und an seine linke Hand und dreht es so um sich herum, oder läßt es
vielmehr um sich herum laufen u singt: „Wie die Kugel am Faden sich dreht, so das Kind an
der Hand auch geht.“
Es liegt in der Natur der Sache, d.h. des Spieles, wie dieß auch oben schon erwähnt wurde,
daß eine Darstellung oft auf verschiedene Weise ausgeführt werden kann; eine wird
aber natürlich nothwendig der Sache am nächsten liegen, diese aufzusuchen wird die Aufgabe des
Spielführers seyn. Im vorstehenden Falle sind es wohl die beyden angegebenen. Oft wird
jedoch der Spielf. Dem von ihm Erfundenen den Vorrang geben, was eben auch nichts schadet.
Das Beste bleibt jedoch immer möglichst das Gegebene aufzufassen und darzustellen, weil dadurch
das Kind wirklich in die Natur der Dinge und in die Anschauung und Auffassung der Naturer-
scheinungen eingeführt wird, wie dieß namentlich bey No 29 der Fall ist. —
31. Auch mit 2, 3 und mehr Kugeln an der Schnur kann man zugleich spielen, z. B.
Zwey Kinder am besten zwey gleich große spielen mit einander; das eine hält die
2 oder 3 rc. Kugeln in einer gleichen Ebene, das andere windet die Schnüren
dicht zusammen; wenn dieß geschehen, so läßt das eine Kind die Kugeln los, welche
sich dann, in fast immer gleicher Entfernung im Kreise schwingend, abwinden.
Die Spielenden singen: „Das auch mag uns wohl gelingen daß zwey (3,4) Kugeln zugleich sich
schwingen; und gar schön sich es ansieht, wie jede hin nach Außen fließt.“
32. Dieß läßt sich gut mit zwey Kindern nachahmen. Während dem nemlich die
Kinder, welche immer schön geordnet im Kreise stehen, ihre Schnüren wieder aufwinden,
nimmt der Spielführer zwey gleichgroße Kinder, in jede Hand eines, faßt mit jeder
seiner Hände die beyden Hände eines Kindes, welche wieder die seinige festhalten,
und dreht sich mit den Kindern zugleich nun um sich selbst, wobey die Kinder
schwebend im Kreise gleichsam fliegen. Dabey wird gesungen: „Auch das mag uns
wohl gelingen, daß zwey Kinder zugleich sich schwingen; doch hab jedes festen Halt, /
[46R]
nach Außen treibt die Gewalt! Jedes flieht, flieht; flieht; doch die Mitt‘es fest
anzieht.“
33. Auch das Spiel kann noch von drey Kindern ausgeführt werden. Eins derselben hält zwey Kugeln
an den Schnüren in gleicher Höhe gegen einander. [Zeichnung] Von den beyden andern Kindern nimmt jedes eine Kugel und hält
sie auseinander [Zeichnung] Auf ein gleiches Zeichen z.B. 1.2. drey, läßt jedes Kind los, die Kugeln fliegen dann gegen u wieder auseinander. – „Die Kugel gleich Knaben die Kräfte wiegen, dann wieder sich aneinander schmiegen.“
Mehrere der Spiele, welche mit dem Ball ausgeführt werden, lassen sich wohl auch, besonders an
der Schnur mit der Kugel ausführen; allein die Spiele bekommen wegen der größeren
Schwere und Härte wie wegen der geringeren Springkräftigkeit der Kugel immer einen
etwas härteren weniger lebenvollen Ausdruck; doch ist nicht zu läugnen, daß die rollenden
und schwingenden Bewegungen mehr Schärfe und Mittigkeit als die beym Balle erhalten.
Der Würfel ist in all seinem Erscheinen der reine Gegensatz von der Kugel, darum
haben auch nothwendig alle Spiele mit ihm den entgegengesetzten Charakter der Kugelspiele,
das Kind fühlt es deßhalb gewiß leicht durch. - Der Würfel ist der Ausdruck des Schwerfälligen,
Unbehülflichen dan[n]die Kugel dagegen die Darstellung des Beweglichen ist. Bisher beschäft[igte]
sich aber das Kind mit dem letzteren, mit der Kugel, und so dünkt es mich ganz natürlich,
daß wenn das Kind den schwerfälligen Würfel sieht, es in sich fragt: – „Nun! was
werden wir wohl mit diesem machen?“ - Ich glaube nun daß es gut ist, wenn diese
gleichsam unbewußte Frage des Kindes und die sich daran anknüpfende innere Vergleichung
beyder dem Kinde zu einem gewissen Bewußtseyn gebracht wird. Dieß meyne ich nun
geschieht ganz einfach wenn der Spielführer den Würfel mit den Worten in den
1. Spielkreis der Kinder einführt: - „Jetzt kommt der Würfel gegangen, was werden
wir wohl mit dem (diesem schwerfälligen Körper) anfangen?“ Die Kinder sprechen singen} es nach.
2. Sein Ausdruck ist aber, wie ausgesprochen der der Ruhe. Dieser wird nun gleich, im Gegensatze mit dem
Beginne der Kugelspiele festgehalten. Jedes Kind wie es seinen Würfel von dem
Spielführer erhält setzt denselben mit den Worten vor sich hin: „Da steh nun fest,
steh fest, steh fest!“
3. Was jetzt reine Thätigkeit und That war, wird nun sogleich, ganz dem Entwickelungs-
gange des Menschen angemessen, Gegenstand der Betrachtung, der Erkenntniß.
Dieß spricht sich in dem Liedchen aus welches der Spielführer allen zusingt: -
„Er steht ganz fest, steht fest, steht fest.“ /
[47]
9 ]Bogen] 4. Um aber die nothwendige Eigenschaft dem Kinde und Kindesleben dadurch näher zu bringen,
daß man eine Art Willen und Selbstbestimmung, gleichsam ein Aufnehmen und Erfüllen des
Wunsches Anderer in den Würfel setzt, kann man auch dem Würfel von dem Kinde aus
zusingen lassen: „Steh fest in Ruh, mein Würfel Du!“ Die Kinder setzen sich gern auf diese
Weise durch Wort und Gesang mit ihrem Spielzeug in Wechselwirkung.
5. Daß nun der Würfel diesem Wunsche des Kindes entgegenkomme auch um seine schwere Be-
weglichkeit wahrnehmbar zu machen, läßt man den Würfel leis von dem Mittel- oder
Zeigefinger des Kindes berühren, doch so, daß der Würfel dadurch nicht von der Stelle bewegt
wird, dazu singt der Spf. gemeinsam mit dem Kinde: „Er geht nicht von der Stelle, der treue Spielgeselle.[“]
6. Doch nun hat der Würfel dem Kinde schon lang genug geruht, es wünscht nun auch dass er sich bewege
Der Spielf. kommt dem stillen Wunsche des Kindes entgegen indem er den Würfel leis schiebt und dazu
singt, oder recitirend spricht: - „Bist schon lange liegen geblieben, laß nun auch Dich weiter schieben“[.]
Dieses Schieben kann mehr ein Schieben geradaus, vor- und rückwärts wie seitwärts hin und her
seyn, doch schöner ist es, wenn es
7. in einem Kreise geschieht, wo der Würfel abwechselnd mit dem Mittelfinger bald der einen,
bald der andern Hand und hier wieder, bald rechts, bald links herum geschoben wird [Zeichnung]
Wie es nun dem Kinde Freude macht, wenn es in der Stube in der Fußbank, oder wie man hier sagt
in der Hitsche, oder im Stehschlitten auf dem Eise umhergeschoben wird, so wird auch hier – was
für das Kind immer so erfreuend als wirklich bildend ist, – dem Würfel Empfindung beygelegt,
welcher daher dem Kinde zusingt: - „Schiebst Du mich, beweg ich mich und freue mich.“*
[Fußnote] *Der Würfel kann aber wirklich als ein Schlitten mit einem Püppchen, Kindchen, Knäbchen, Mädchen angesehen werden, wo dann die Spielenden singen: „Mit meinem Schlitten, ein Kindchen drin, gleit ich auf ebener Fläche hin. – “
8. Weiter kann aber auch dieses Schieben, wie bey der Kugel das Rollen, von einem Kinde zum
andern geschehen, so daß der/die} Würfel an dem Rande oder an den Seiten des Tisches herum seine
Wanderung macht. Dabey wird von den Kindern, wie jedes seinen Würfel, den es hat oder bekommt,
tacdtmäßig seinem Nachbar zuschiebt – gesungen: „Weil nicht zu lang an einem Ort; Eil nun auch wieder
weiter fort.[“] Unsere Kinder hier in Blankenburg spielen diese Würfelspiele sehr gern; wie sie
etwas Einendes haben; so haben sie auch durch die Eigenschaft des Würfels etwas Stetiges.
9. Das Stehen des Würfels in No 2,3 u 4 kann nun auch wieder, wie bey der Kugel das Drehen auf
das Kind selbst übergetragen werden. /
[47R]
– Die Kinder stellen sich gerad vor ihre Plätze hin u singen: „Auch mich (uns) könnt ihr sehen hier gerade
stehen“ Oder: - „Auch ich steh grad Wie so eben der Würfel that.“ - Haben die Kinder einen
Augenblick ruhig gestanden läßt man sie geordnet sich wieder niedersetzen. Wenn und indem sie sich
10. setzen singen sie: - „Doch auch, wenn ich will, sitz ich wie der Würfel still.“ Dieses Stehen Setzen
und Sitzen kann abwechselnd, schön geordnet und gleichsam tacktmäßig von den Kindern geschehen.
Denn Alles worinn Bewegung, Wechsel, Gesetz, Darstellung, Beziehung des Einzel-
nen zum Ganzen und umgekehrt und so Einheit und Mannigfaltigkeit hervor
tritt kann als Spiel und soll für das Kind zu deren Erkenntniß, als Spiel be-
nutzt werden. (: Die Sitz- und Steh- Setzen und Stellspiele halte ich für Kinder, für Schule, Leben höchst wichtig :)
11.) Auch das Schieben des Würfels kann wieder auf die Kinder selbst übergetragen werden und zwar
durch Fortschieben oder Gleiten der Füße und zwar an das Stehen angeknüpft.
- „Wie ihr mich könnt sehen hier gerade stehen so kann ich auch leiten Meine Füße zum Gleiten.“
Oder: - „Wie jetzt die Füße stehen blieben kann ich sie auch vorwärts (seitwärts) schieben.
„Bald rechts vorwärts, bald links vorwärts“ u. s. w. u.s.w bis die Kinder um
den ganzen Tisch herum wieder an ihre erste Stelle gekommen sind; nun können sich die Kinder
wieder mit den Worten setzen: – „Doch auch wenn ich will sitz ich wie der Würfel still.“
Jetzt beginnt nun wieder irgendein Würfelspiel.
12. Um nun den Gegensatz der Kugel und des Würfels dem Kinde recht klar zu machen, kann
man auch den Würfel rollen; und zwar indem man ihn entweder nur allein vor sich
hin, oder aus einer Hand in die andere rollt oder, daß man den Würfel, welchen man ent-
weder schon hat oder von seinem Nachbar linker oder rechter Hand bekommt, seinem
Nachbar zur rechten oder linken Hand zurollt, mit den Worten: - „Versuchs nun auch zu
rollen und so Dich fort zu trollen.“ (: Den Würfel auch nur eine kleine Strecke schön fort zu rollen
fordert schon ein gewisses entweder natürliches oder angeübtes Geschick. :)
13. Eine gewisse Art von Rückwärtsrollen, oder mehrmaliges, rückwärtsgehendes Überschlagen
(: Kopfübern :) entsteht wenn man den Würfel vor sich hinstellt und mit der Spitze des
Zeigefingers so knapp auf Ecke oder Kante des Würfels drückt, daß dieser sich gleichsam überschlägt. /
[48]
Die Kinder, welche dieses Spiel, wie mehrere andere selbst erfunden haben, spielen es sehr gern; sie singen
dabey: - „Seht nur, man denkt es kaum, der Würfel schlägt einen Purzelbaum.“ - Das Spiel ist
jedoch, wie fast alle Spiele mit Kugel und Würfel, etwas lärmend; auch darf es nicht auf guten Tischen
gespielt werden, weil die Ecken des Würfels beym scharfen Aufdrücken Vertiefungen in den Tisch machen.
Die Nachahmung dieses Spieles für Knaben im Sommer auf schönen Rasen liegt klar vor.
14. Da nun der Würfel seinen Namen vom Werfen hat, und dem Wortausdruck nach das Mittel zum
Werfen bezeichnet ist, wie Gabel das Mittel zum Geben ist; so ist es natürlich daß die Kinder den Würfel
gern auch seinen Namen und dessen Bedeutung nach, verwenden wollen. Deßhalb lasse ich nun wohl auch
den Würfel, wie früher den Ball und die Kugel, senkrecht in die Höhe werfen und wieder fangen; doch dieß
setzt schon eine ganz bestimmte Fertigkeit im Fangen voraus, um weder sich noch Andern zu schaden; deßhalb
lasse ich diese Übung mit den Worten begleiten: „Werfen kann man d[en] Würfel auch, doch so ist es nicht d[er] Brauch.“ Und breche dieses Spiel bald ab. -
15. Wegen ihrer Anwendung auf das Kind selbst, ist hier noch eine Übung beachtenswerth. Dieses
ist das Drehen des Würfels auf einer seiner Flächen; indem man den Würfel entweder zwischen
den beyden Händen an seinen beyden schräg gegenüberstehenden Kanten faßt und so, schnell umdreht;
oder daß man den Würfel von oben mit den Fingerspitzen in seinen Seiten ergreift und so,
schnell herum dreht; Spielführer und Kinder singen dabey: - „Auch der Würfel, wie hier zu sehn
läßt sich auf einer Fläche drehn.“ Oder: „Schwerfällig sieht sich mein Drehen wohl an; doch seht ihr wenigstens
daß ich es kann.“ - Die Kinder können dieß leicht nachahmend, mehr im Wenden als im Drehen aus-
führen: - „Gleich dem Würfel, wie hier zu sehn, können wir rechts- und links um uns drehn.“
Stehen und Drehen oder Wenden kann auch verbunden werden: - „Auch mich könnt ihr sehen hier
gerade stehen, gleich dem Würfel mich drehen.“ - Nachdem nun die Kinder erst gestanden und dann
gedreht haben, können sie nun, wie oben angegeben, entweder erst gleiten oder sich gleich setzen. Immer läßt
es zu einem schon tacktischen Spielganzen sich ordnen. Daß das Gleiten mit den Füßen
die Kinder , d.h. ihre Füße, theils zum Gleiten oder Glitschen auf der Eisbahn, oder theils zum Fahren
auf den Schlittschuhen vorbereitet habe ich, glaub ich oben zu bemerken vergessen.—
Bey den folgenden Spielen mit dem Würfel bezieh‘ ich mich ganz auf den Text und die
Zeichnungen zur zweyten Spielgabe. Bemerken will ich nur, daß die Spiele auf drey verschied- /
[48R]
ene Weisen gespielt werden können. Erstlich, wenn hinlänglicher Raum dazu da ist; die Kinder
auch zu einer stillen, sinnigen und stetigen Selbstbeschäftigung entwickelt sind, als Einzelspiele,
wo jedes der Kinder thun und spielen kann, was es will; dieß setzt aber entweder noch eine sehr
unverdorben kindliche, oder eine schon sehr bestimmte Entwickelungsstufe, auch besonders schon eine gewisse Anzahl von Gehülfen, seyen es auch nur etwas größere, schon verständigere Kinder, voraus. Dabey kann aber
entweder gar nicht, oder nur leis, vielmehr gleichmäßig gesprochen und gesungen werden sobald eine
Wort- oder Gesangsausführung hervortritt, so ist diese sogleich das Einzelne, Untergeordnete
auflösend und sammelnd. Das Zweyte sind daher die Sammelspiele, wo von allen das Gleiche
gespielt wird, so, daß ein Spielführer zwar das Ganze überblickt und ordnet, jedes
Kind aber nur seine Darstellung im Auge hat; wobey aber von verschiedenen Helfenden
(: wenn sie da sind :) an verschiedenen Orten geholfen werden kann. Das Dritte nun sind
die Einheitsspiele, wobey diese Art von Spielen eines der spielenden Kinder abwechselnd hervor in
die Mitte tritt, und so gleichsam der Einigungspunkt für alle wird, indem es einmal
sich dem Spielführer und dem Ganzen zeigt ob es das Spiel gefaßt habe; ist es [sc.: dieß] nicht der Fall
dasselbe dann noch mehr als Einzelnes einübe, endlich dem ganzen Kreis das Spiel vormache
und so dasselbe dem Kreise mehr zur klaren Anschauung bringe. In der Regel sammeln sich
alle Kinder zu dem Spiele wo die Meisten und gewöhnlich auch wo die Größern und Größten
spielen; es ist dieß recht auffallend wie dieß selbst bey den allerkleinsten Kindern,
die kaum sicher laufen können der Fall ist, daß sie sich sehr gern in den Kreis der
Größeren stellen* Bey diesen Sammel- und Einheitsspielen ist der Kreis in der Re-
gel die beste Form, doch ist keinesweges das Geviert, ja selbst das Gedritt (: oder
gleichseitige Dreyeck :) und die Linie auch der Tisch nicht ausgeschlossen.– So hoffe ich denn hier
gelegentlich zugleich Ihre Frage hinsichtlich der Art der Spiele und ob man vieler-
ley zugleich spielen lassen dürfe, beantwortet zu haben: Ja! wo sich der angemessene Raum und der entsprechende
Bildungszustand dazu findet, wie oben angegeben; denn immer setzt es einen höheren Grad der Voll-
kommenheit voraus, sey es noch die der Naturvollkommenheit oder die Vollkommenheit
der Bildung (: des Bewußtseyns, Aneignung, Einübung rc:) Nein! Wo sich dieß nicht findet.
[Fußnote] * Knaben um das 5e Jahr scheiden sich am meisten aus, und bilden am liebsten ihren eigenen Kreis. /
[49]
10. [Bogen] Dann treten zuerst die Sammel- dann die Einheitsspiele ein, wie die Gemeinsamkeit durch Form,
Gegenstand, Wort, Rhythmus und Ton hervorgerufen wird.
Bey diesen nun hier folgenden Spielen kann ich mich ganz auf den Text zur zweyten Gabe be-
ziehen. Die dort aufgeführten Spiele sind wohl: (vergleichen Sie jedoch den Text, welchen ich eben nicht
zur Seite habe; leicht, daß Sie hier ein neues eingefügt; allein auch gegen meinen Willen, eines ausge-
lassen fänden.)
[Punkt 16. entspricht Punkt 18 im Abschriftfragment, ab hier entsprechende ordinale Verschiebung]
16. „Der Würfel Deine Hand drückt nieder; daß er nicht falle drück ihn wieder.“}
17. „Die Hand umschlossen den Würfel hält; Weßhalb er nicht zur Tiefe fällt.[“]}
18. „Der Würfel schnell zur Tiefe fällt; Weil ihn nicht fest die Hand mehr hält.[“]}
19. „Der Würfel seinen Raum nimmt ein; Drum kann wo er ist die Kugel nicht seyn.[“]}
20. „Die Kugel ihren rc rc. rc wo sie ist rc rc [“]}
[Text hinter } der Punkte 16 – 20.] Die physikalischen Beziehungen dieser Spiele liegen offen vor.
21. Die Rückbeziehung auf das Kind ist hier leicht: Keines kann an der Stelle eines anderen stehen rc. rc.
„Ich nehme meinen Raum auch ein; (Oder: Johannes, Lina nimmt rc)
„Drum kann wo ich bin, kein andres nicht seyn (: drum kann wo er (sie) ist Fritz Minna nicht seyn)
22. „Der Würfel nicht fällt, Ist er auf eine Fläche gestellt.“
Oder: – „Der Würfel stehet gut; Weil er auf einer Fläche ruht!“
23. Anwendung auf die spielenden Kinder: - „Ein Jedes stehet gut; das fest auf seinen Füßen ruht.“
24. „Frey auf einer Kante zu stehn, Kann vom Würfel schwerlich geschehn.“
Oder: – „Der Würfel auf eine Kante gestellt; Wohl schwerlich so in sich selbst sich hält.“
Oder: – „Er wanket hin, er wanket her, Zu stehen so, wird ihm zu schwer.[“] -
Oder: – „Ob er auch so uns stehen kann? - Er fällt uns nieder, Er fällt uns nieder!
O seht nur an, der arme Mann!“
25. Die Kinder stellen dagegen den Würfel auf einer Kante gegen das Kästchen oder gegen
einen andern Gegenstand und zwar Fläche gegen Fläche: „Er steht auf einen Fuß! warum er es wohl muß?“
(In diesem Falle hält sich der Würfel durch Reibung, Fläche an Fläche!)
Oder:– „Wenn fest an der Kante / Wand der Würfel sich hält
Und jene nicht wankt, er auch nicht fällt.“
Oder: – „Lehnet der Würfel an der Wand, Scheinbar nur ist sein sicherer Stand
(: Lehnt der Würfel an der Wand, Scheinbar ist sein sichrer Stand.)“
Der Würfel lehnt hier auf einer Kante stehend, mit einer zweyten Kante entweder
an einer Fläche oder einer Kante des Würfelkästchens. /
[49R]
26. Anwendung auf das Kind. - „Lehn’ ich an die Thür mich an; Ich leicht rückwärts fallen kann!“
27. — „Geht es Würfel, mein lieber Geselle, Daß ich auf eine Ecke Dich stelle?“—
Oder: - „Auf einem Bein, Auf einem Bein nur allein Kann der Würfel nicht stehen!
Doch wenn ihn leis mein Finger hält, Er dann nicht fällt! Und wie`s gefällt Und wie`s gefällt
Läßt er sich dann drehen, Bald rechts herum, Bald links herum, Bald auch ganz um sich herum!“
28. Hier knüpfen sich nun wieder auf eine ähnliche Weise wie bisher Bewegungsspiele und
Körperübungen an. A: Das Stehen auf einem Fuße a. auf dem rechten Fuße stehen
und den linken Fuß a in die Höhe gehalten oder b. vor- zurück[-] oder seitwärts gehalten;
was wieder entweder mit hängenden, verschränkten oder gespreitzten Armen geschehen
kann. b. auf dem linken Fuße stehen mit all den angegebenen Veränderungen.
Bisher kann war der Körper senkrecht; er kann aber auch geneigt werden und dieß wieder
wie oben in der dreyfachen Armstellung. B. Diese Stehübungen vom Würfel aus
können nun aber auch wieder mit den Hüpfübungen vom Bällchen aus verknüpft
werden, so, dass das Kind bald mit geschlossenen, bald mit gespreitzten Füßen steht;
bald aus einer Stellung in die andere hüpft. Dieß kann nun wieder statt finden
bey auswärts stehenden Füßen entweder auf dem Plattfuße oder auf den Zehen, d.h. vom
Zehenstande aus. Wie die Bewegungen nun seitwärts gemacht wurden, so können
sie auch vorwärts, rückwärts und kreuzweise gemacht werden. Bey Knaben läßt
sich auch wohl ein Hinkkampf ausführen.
Im Bisherigen wurde der Würfel stets frey bewegt; er kann aber auch
an der Schnur hängen und durch diese bewegt werden oder durch ein Stäbchen, was auf
verschiedene Weise durch denselben gesteckt wird. Ohne irgendein Einzelnes hier heraus
zu heben, so beziehe ich mich ganz auf die Ausführung im Texte zum 2en Spiele.
Eine ganz eigene und neue Reihe von Spielen sind die, wo sich das Kind, durch die wesent-
lichen und allgemeinen Eigenschaften des Würfels bestimmt, gleichsam etwas in
denselben hineindenkt, hineinbildet: Spiele der Einbildungskraft, der Phantasie.
Allein auch hier ist es gut den, gleichsam hinein- oder auch, wenn man lieber will, den /
[50]
aus denselben (aus dem Würfel) herausgebildeten Gegenstand durchs Wort und Reim in bestimmte Le-
bensverhältnisse zu setzen. z.B. „Sey Würfel mir nun auch ein Tisch Zu stellen drauf Braten und Fisch.“—
Oder: - „Der Würfel jetzt eine Kiste mir ist; Doch gar zu fest verschlossen sie ist.“ -
Oder: - „Sey Würfel mir doch auch ein Grenzstein; Zu scheiden das Mein von dem Sein!“
Oder: - „Aus dem Würfel einen Heerd zu machen, Das sind keine schweren Sachen.“
Oder: - „Nun sey Würfel mir ein Haus, Niemand kann zwar ein noch aus,
Verschlossen ist‘s aufs Beste Rund um ganz dicht und feste;
Doch tritt Frau Phantasie davor, gleich öffnen Fenster sich und Thor
Zum lieblichen Spielfeste, kommen die Freunde, die Gäste,
Und auf dem schönen platten Dach spaziren sie herum gemach.“-
Durch eingestreute, Phantasie wie Vorstellung bildende Erzählungen kann das Ganze für das Kind
gar sehr belebt werden; ja man kann die Kinder auffordern es selbst zu thun und manche
werden sich gern willig dazu finden lassen, wenigstens werden sie es im Einzelspiel ausführen.
Weiter:– „Sey Würfel nun auch ein Grundstein;Laß senken Dich in die Tiefe hinein.“*
Noch mehr Vergnügen werden jedoch die Gegenstandsdarstellungen des Würfels dem Kinde machen
wenn sich derselbe an einer Schnur, oder an einem Stäbchen sich befindet, weil sich dann
die Bewegung, welche dem Kinde immer besondere Freude macht, mehr damit verbinden
läßt. Ich beziehe mich hier wie schon so oft auf den erklärenden Text selbst, welcher
den Würfel als Wagen, Pflug, Schlitten, Egge anschauen macht. Den Würfel auf
zwey Stäbchen gelegt und mit den Fingern diese gezogen, kann als ein Waarenballen
auf einer Schleife angeschaut werden: - „Diesen Ballen mit Waaren, Sollst Du mir nach Hause fahren.“
[Fußnote]
---* Ob ich es gleich Anfangs nicht wollte, so mögen doch hier noch einige hieher gehörige Liedchen stehen.
Als: - „Der Würfel hier als Ambos steht, obgleich kein Schmidt [sc.: Schmied] daneben steht.“
Doch können auch die beyden zugehörigen Stäb[chen] das eine als Eisen, das andere als Hammer dienen.
Weiter: - „Hier bring ich einen Quaderstein, wer fügt ihn in die Mauer ein?“—
Ferner: - „Ein Altar auch kannst Du seyn, für die Kirche, schön und rein.“—
Auch: - „Bin im Garten ich allein, kannst du mir mein Schemel seyn.“
Nahe:- „Wenn das Seil den Stein, nur hält, daß er nicht zu Boden fällt.“}
Endlich: - „Würfel bist Du ein Heuwagen, kannst Du sanft nach Haus mich tragen.“}
In diesen beyden Fällen ist der Würfel an der Schnur befestigt.
Zuletzt: - „Mir einfachem Würfel, wer sieht mirs wohl an, Wie vielerley Alles bezeichnen ich kann?“/
[50R]
In dem Bisherigen wurde der Würfel in seinem beweglichen oder ruhenden Verhältnisse zu etwas
anderm in seiner Vergleichung mit etwas anderm als Spiel benutzt, allein der Würfel muß
auch in Beziehung auf sich selbst, in Beziehung auf seine Eigenschaften, also als ein Gegenstand
der Erkenntniß
, als ein Gegenstand der Betrachtung, zugleich auch als Spielgegenstand, wie
als Spielmittel behandelt werden können. Einen oder vielmehr den Anfang und {die/eine} Andeu-
tung dazu enthält ebenfalls der schon in dieser Beziehung so oft erwähnte Text zur 2ten Spielgabe,
S. [Lücke/Broschüre Kap. III], wo das Kind auf nur spielend beachtende, oder beachtende Spielweise auf die Mehrheit, auf die Zahl der Flächen hinge-
führt wird; wo eine Fläche als ein Auge, zwey Flächen als zwey Wangen rc angeschaut werden.
So könnten 3 Flächen, welche sich in einem Punkte berühren, wie es im Buche heißt: „Drey siehst du nur
allein wo mögen wohl die andern seyn?[“] – als ein Bauernhut [Zeichnung] u.s.w. angeschaut werden.
Auf eine ähnliche SpielWeise werden auch die Kanten, die Ecken durchgeführt. Das Kind lernt
dabey beachten, vergleichen, zählen, bezeichnen, durch das Wort bezeichnen, also Sprechen.
Diese Erkenntnißspiele sind also nothwendig zugleich Sprach- u Sprechspiele. Das Kind soll
hier durch seine Sinnesthätigkeit zugleich zur Entwickelung seiner Geistes-, seiner Denkkraft
wie zur Entwickelung u zum Gebrauche seiner Sprache und Sprachfähigkeit geführt werden. Spiele dieser Art
werden auf folgende Weise gespielt:
Die Kinder sitzen um einen Tisch, der Spielführer hat mehrere Würfel vor sich; einen derselben
reicht er dem, ihm zur Linken oder zur Rechten sitzenden Kinde; indem er ihm zugleich zusingt: -
„Ein Würfel, ein Würfel.“– Der Spielführer kann nur so viel Würfel herum reichen
als Kinder sind, damit immer alle Kinder zugleich thätig sind. Die Kinder können auch, indem
sie den Würfel zugleich ihn beachtend in der Hand drehen und wenden müssen zur Betrach-
tung desselben hingeführt werden. – Um den wandernden Würfel dem Leben des Kindes
noch näher zu bringen kann ihn der Spielführer noch einmal mit dem Zusatze: [„] Der Würfel
kommt!“ – ja mit der größern Erweiterung: – „Der Würfel kommt zu Dir“ kreisen lassen.
Hat der Würfel nun so ein oder 2 bis 3mal den Kreis gemacht und ist zum Spiel-
führer zurückgekehrt, so faßt er denselben zwischen zwey Finger der linken Hand, so daß
derselbe am meisten frey (sehbar) und beweglich ist, und führt mit den Fingern der rechten /
[51]
11.[Bogen] Hand leise auf jeder Fläche des Würfels hin indem er dabey singt: – „Fläche, Fläche, Fläche, Fläche, Fläche, Fläche.“ dann zusammenfassend: - „Der Würfel hat Flächen.“
So giebt der Spielführer den Würfel wieder seinem Nachbar, der dasselbe wiederholt, wobey er
vom Chor des Ganzen begleitet wird, bis auf diese Weise wieder der Würfel die ganze Wan-
derung im Kreise gemacht hat und so wieder zum Spielf. zurück gekehrt ist.
Nun kann aber auch die Bemerkung, daß der Würfel Flächen hat, in verschiedenen Redeweisen
ausgesprochen werden, zB. fragend: „Hat der Würfel Flächen?“ – und bejahend: „Ja, der W[ürfel] hat Flächen.“
Wie jetzt die Spielbemerkung gemacht wurde, daß der Würfel Flächen habe, so kann auf die gleiche Wie-
se die Bemerkung hervorgehoben werden, daß der Würfel sechs Flächen habe, indem man bey jeder
Berührung die Zahl der berührten Flächen zu gleicher Zeit ausspricht als erste Fläche, zweyte Fläche rc
bis sechste Fläche. Hierbey kann das Zählen, um zugleich Singspielübungen daran anzuknüpfen
das Zählen im Grundton beginnen, so in einfacher Fortschreitung bis zum 5en Tone hinaufgestiegen
und bey der 6en Fläche wieder in den Grundton zurück gegangen werden. – Die Bemerkung
daß der Würfel sechs Flächen hat, kann also wieder auf fragende und bejahende Weise ausgesprochen [werden.]
Auch kann man die Bemerkung, dass der Würfel Flächen hat in der Form einer Eigenschaft anschau-
en und aussprechen z.B. „der Würfel ist flächig“ „der Würfel ist sechsflächig“ dieses wie früher
fragend und bejahend wiederholt. Von dieser Bemerkung aus kann nun auch dem Würfel ein, sei-
ner Eigenschaft entsprechender Name gegeben werden: „Der Würfel ist ein Sechsflächner“ welcher
gleichsam seine sechs Flächen aus seinem innern Wesen hervorbringt, schafft.–
Wie hier die Flächen durchgeführt wurden, so können auf ganz gleiche Weise die Kanten
und später die Ecken durchgeführt werden. Das Ergebniß ist: - „Der Würfel ist zwölf kantig,“
der Würfel ist ein Zwölfkantner“ Hier werden immer nur 4 Töne aufwärts gesungen.
Bey den Ecken ist das Ergebniß: „Der Würfel ist achteckig.“ [„]Der Würfel ist ein Achteckner[“]
Der Bezeichnung Sechsflächner, Zwölfkantner, Achteckner liegt die Anschauung zum Grunde,
daß das Zusammengezählte auch immer ein, unter und in sich ganz Gleichartiges sey.–
Übrigens hängt es von der entwickelten Singkraft der Kinder ab, ob man bey den acht Ecken
4 Töne oder gleich 8 Töne aufsteigend singen kann und so will. /
[51R]
Bey diesen Spielen war die Zahl gleichsam nur zufällig, die Bezeichnung durch den Wortausdruck die
Hauptsache. Man kann nun aber auch die Zahl wie sie in verschiedenen Verhältnissen am Würfel
erscheint, besonders und bestimmt hervorheben; dann werden die Zählspiele Zahlspiele. Man fängt
hier wieder mit den Flächen an, wo man bemerkt, dass immer 2 u 2 Flächen durch ihr Verhältniß
zu einander, durch ihr Gleichlaufen zusammen gehören, also 3 x 2 Flächen auch 6 Flächen machen.
Ebenso wird der Würfel in der Eckenstellung [Zeichnung] angeschaut, wo immer 2 x 3 Flächen zusammen gehören und also auch 6 Flächen machen. Das Endergebniß ist also: 3 x 2 und 2 x 3 ist beydes = 6.
Anstatt daß hier zuerst die vermehrende Weise hervorgehoben würde, so kann auch die
hinzufügende Weise herausgehoben, ja mit dieser begonnen werden. Die Endergebnisse oder
das Endergebniß ist, daß 2+2+2 und 3+3 beydes = 6 ist.
Auch können hier wieder die zusammenziehende und die vermehrende Weise miteinander ver-
bunden werden z.B. 2+2+2 = 6, 3 x 2 ist auch 6; denn 3+3 und 2 x 3 ist auch 6.
Es giebt hier eine Menge Auffassungsweise[n], wovon jedesmal die hervorgehoben werden kann
und wird, welche im Augenblick auch am meisten mindestens am lebendigsten hervortritt.
Dadurch wird die Sache ob sie gleich der Gegenstand der Erkenntniß und des überwiegenden Denkens ist, doch
der Schule und dem Unterrichte, der Lehre in strenger Beziehung entzogen und wird reiner
Gegenstand des Spieles. Der Ton, Rhy[th]mus, die Sachanschauung die Melodie rc sind der Körper, sind die lebenvolle und so angenehme Gestalt für den Gedanken, für den Begriff.
Diese Spiele sind als Spiele des Wetteifers im Beachten und klaren Wortausdrucke für die Kinder sehr un
terhaltend, versteht sich von selbst auf der den Spielen entsprechenden Entwick-
lungsstufe; auch werden die Kinder dadurch leicht tonfertig wie tonrichtig, indem man die
Kinder nach Maaßgabe der Zahl und Zahlspiele z.B. bey 2+2+2 in Sekunden, bey 3+3+3 in Terzen
und bey 4+4+4 in Quarten fortschreiten lassen kann. So wird hier wieder, wie die Sinne
u der Geist beschäftigt, so das Herz und Gemüth erfreuet. Auch die Glieder, Hand und Finger
werden in geschicktem Anfassen und Bezeichnen des Gegenstandes geübt und so ist es klar
wie auch hier wieder das ganze Kind in der Allseitigkeit seines Wesens erfasst und bethätigt wird.
Oben, wo der Würfel an der Schnur als ein Wagen betrachtet und damit gefahren wurde, habe /
[52]
was die Knaben ganz vorzüglich gern thun, habe ich ein Fahrliedchen mitzutheilen übersehen, welches sich nach und nach wie eine große Menge unserer Spielliedchen herauf[-] und heraus gebildet hat. Für die Knaben
Gera‘s wird dieß Liedchen nun freylich wenig passen, indem die Eltern unsrer Kinder fast alle
Ackerbürger sind, auch wohl selbst Anspann und sey es auch nur eine Zerrkuh haben. Doch vielleicht
giebt Ihnen dieß Veranlassung mir gelegentlich ein Besseres mitzutheilen. Unser Fahrlied heißt:
1. [„] Fahren, fahren, fahren! Kostets uns auch große Müh, Rufen wir auch Hott und Hü!
Doch ists unsre Freud u Wonne Scheinet uns die liebe Sonne Hott hü; hott hü; Hott hü! -
2. Fahren, fahren, fahren! Dieser fährt ein Fuder Mist Wie gerad der Brauch es ist.
Schaut nur mit welchem Stolze Jener fährt mit seinem Holze. Hott hü; Hott, hü, Hott, hü! –
3. Fahren, fahren, fahren! Der da bringt ein Fuder Heu Jener fährt ein Fuder Streu
Gut für seine Pferd und Rinder Auf den lieben langen Winter. Hott, Hü! Hott, Hü! Hott, Hü!-
4. Fahren, fahren, fahren! Dieser bringet einen Baum Aus des Waldes dunklem Raum.
Blöcke fähret der zur Mühle, daraus werden Bretter viele Hott, hü; Hott, hü; Hott, hü! –
5. Fahren! fahren! fahren! Dieser fährt alleine dort Seine schweren Steine fort.
Jener fährt Kartoffeln u Kraut Die er auf seinem Felde gebaut. Hott, hü! Hott, hü! Hott, hü!-
6. Fahren! fahren! fahren! Jener fährt einen Wagen Reisig Obgleich Schnee ist`s doch nicht eisig
Ist sein Wagen auch beschwert Fährt er‘s doch mit einem Pferd. Brr steh; brr steh; brr, steh!“
Wir spielen dieß Spiel gewöhnlich so, dass wir jeden der Knaben fragen was er fährt oder sie
fahren, und dann nennen wir anstatt dieser u jener den Namen des Knaben: z.B. Albrecht pp
fährt. Dieß macht nun den Kindern besonders Freude, wenn der Spielführer jeden Knaben
den er nennt ansieht auch, wohl mit dem Finger auf ihn deutet. – Gewöhnlich fahren wir
im Kreise herum bald rechts, bald links herum, und dann lassen wir jederzeit die Schnur in eine
andere Hand nehmen; auch lassen wir oft zwey Knaben, die sich mit den Händen und mit diesen
beyden zugleich die Schnur anfassen, einen Wagen gemeinschaftlich fahren. Dieß weckt Brüderlich-
keit rc.
Kugel und Würfel in Verbindung.
Wie Kugel u Würfel allein jedes für sich bisher als erziehendes Spielzeug erschien, so können /
[52R]
es auch beyde geeint seyn. Durch diese gemeinsame Anwendung bildet sich auch noch eine andere Ver-
knüpfung; welche für das Kind zu beachten wichtig ist, die Verbindung von Ruhe und Bewegung.
1. Man kann z.B. die Kugel auf der Oberfläche des Würfels in kreisender Bewegung umdrehen
wozu das Liedchen ist: - „Dreh mich leise, dreh mich leise Auf der kleinen Fläche hier;
Sonst ich hüpfe sonst ich schlüpfe Ganz geschwind hinab zu Dir.“
2. Der ruhende Würfel kann weiter auf sehr verschiedene Weise bald auf dem Tische, bald auf
dem Fußboden zum Ziele der sich bewegenden, rollenden Kugel aufgestellt werden, erst
näher dann ferner; einmal in die Mitte zwischen zwey Kinder die sich die Kugel, den zwischen ihnen stehenden Würfel als Ziel habend gegenseitig zu rollen; dann in die Mitte zwischen mehrere
im Kreise stehende Kinder. Diese Spiele finden sich leicht selbst wie die dazu zu singenden Liedchen
auch tritt der Sinn und die Bedeutung dieser Spiele für das Leben und Gemüth der Kinder
bald so klar entgegen, daß ich es für überflüssig halte über letztere auch nur ein Wort zu sagen.
Einige Liedchen sind: -   „Dieser Würfel ist mein Ziel, Den ich gern jetzt treffen will!“ -
„Die Kugel roll ich zum Würfel hin, Ihn zu treffen steht mein Sinn.“ -
Wenn der Würfel weiter steht: - „Der Würfel steht nun weit entfernt, Ihn zu treffen wird jetzt gelernt.“
3. Wie das Fangen des Balls kann es auch dieses Kugelspiel, als ein Bild fortschreitender
Ausbildung behandelt werden. — Die Kinder treten schön geordnet in einen runden Kreis.
Sind es der Kinder wenige, so treten sie etwas weiter auseinander, damit der Kreis
nicht zu klein werde. — In der Mitte dieses Kreises nun sind am besten 3 Würfel auf
einander aufgestellt. – Bey diesem Würfel steht eines der größeren und gewandteren Kinder
oder, wenn er will, der Spielf. um die Würfel wenn sie getroffen worden, wieder auf und
an ihre rechte Stelle zu setzen. — An dem durch die Umstände bestimmten zweckmäßigsten
Orte im Kreise fängt nun ein Kind an nach den Würfeln die Kugel zu rollen. Trifft das
Kind (1) die Würfel nicht, so tritt das Kind (2) an dessen Stelle und das Kind 1 tritt um
eine Stelle weiter zur Linken. Hat auch das Kind 2 nicht getroffen, so tritt dieß um
eine Stelle weiter zur Linken und das Kind 3 tritt an dessen Stelle, wodurch der Kreis
in steter Bewegung bleibt. Hat ein Kind aber die Würfel einmal getroffen, so kann es
wiederholt so oft nach denselben rollen als es die Würfel nicht verfehlt; hat es sie aber ver- /
[53]
12. [Bogen] fehlt, so tritt das nächstfolgende Kind an seine Stelle. Nur das Treffen der Würfel wird gezählt was
ohne Unterbrechung nacheinander geschieht. — Das Kind was dem spielenden Kinde im Kreise gegen
übersteht rollt jedesmal die Kugel zurück. — Wie die Kinder von der rechten Seite zur Spielstelle
treten, so treten die Kinder von dieser nach der Linken. Wie also ein Kind an den Spielplatz tritt
treten alle Kinder im Kreise um eine Stelle weiter rechts, wodurch zunächst dem Spielenden eine
Stelle frey wird in die er eintritt, sobald als er gerollt hat. So ist der Kreis schön geord-
net immer in drehender Bewegung. — Das Lied, welches wir dazu singen wird hoffentlich das weitere erklären.
– „Wandre Kugel mit leichtem Sinn Schnell doch nach der Mitte hin. – Würfel sind dort auf-
gestellt, Wer sie trifft den Preis erhält. – Einmal Treffen ist leichtes Ding: Wer es thut, ist
ein Lehrling. – Zweymal Treffen kommt weniger schnell: Wer es thut, der ist Gesell.–
Dreymal Treffen den Meister macht: Wer es kann im Stillen lacht. – Viermal Treffen der
Meister Meister ist: Freundlich wird er von uns gegrüßt. – Wer‘s im Treffen höher bringt,
Dem ein schönes Lied erklingt. — Lasset darum munter wandern froh die Kugel von Einem zum Andern.
Wie wir so im Kreis uns drehn, Ist das Spiel doch gar zu schön: Mitte und Kreis die Kugel eint,
Drum das Spiel so schön erscheint. Würfel und Kugel mir wohl gefällt, Ruh u Bewegung mich froh erhält.“
Unsere Kinder spielen dieß Spiel sehr gern. Es hat aber auch wenn es klar gespielt wird einen
schönen Ausdruck und manche bildende Lebensbeziehungen. —
Dem gleichen Spiele kann aber auch ein entgegengesetztes Ziel gesetzt werden, nemlich anstatt
einen Würfel zu treffen zwischen zwey vorstehenden Würfeln ohne sie zu berühren, hindurch zu gehen.
Dazu das Liedchen: - „Kugel roll jetzt durch die Mitte; Streif nicht an darum ich bitte.“ -
Welches von beyden Spielen wohl die Mädchen am meisten anspricht? -
Doch können auch beyde Spiele so mit einander verbunden werden, daß hinter die zwey getrenn-
ten Würfel ein dritter gerad in der Mitte aufgestellt wird, welcher getroffen werden muß, nachdem die
Kugel durch die zwey getrennt stehenden Würfel hindurch gegangen ist.
Liedchen: - „Bin ich durch die zwey ganz fein, treff ich noch den dritten allein!“ -
Wer es will wird diese Spiele leicht fortbilden. Das Kugelspiel tritt dadurch auch in eine engere
und höhere Lebensbeziehung. Wer die Mitte trifft, bekommt die Meisten, dem lohnt die Treu, die Drey rc. /
[53R]
Auch einen oder beyde Gegenstände mit der Schnur verbunden, geben für das Kind angenehme und
belehrende Spiele. Der Würfel wird z.B. ganz ruhig hingestellt. Die Schnur, den Faden} an welchem die Kugel
befestigt ist, hält man ohngefähr 2 Spannen gerad über den Würfel. Die Kugel läßt man dagegen bis zur Mitte
einer der Seitenflächen des Würfels herab hängen. [Zeichnung] Nun wird die Kugel an der straffen
Schnur mit der andern Hand in einer Bogenlinie welche senkrecht auf dem Berührungsp[un]kte
steht /:bs:/ in einen halben rechten Winkel oder mehr in die Höhe gehoben und dann fallen gelassen
gegen die Seitenfläche des Würfels, von welcher sie dann vermöge der innewohnenden Schnellkraft
wieder zurück springen, der Würfel dagegen sich nur mäßig von der Stelle rücken wird. —
So können von dem Spielführer zugleich die Enden von 2 oder 4 Schnüren an welchen ebenso
viele Kugeln befestigt sind, zugleich in gleicher Länge über den Würfel gehalten und so von 4 Kin-
dern zugleich die 4 Kugeln gegen die 4 Würfelseiten fallen gelassen werden.
[Abschriftfragment 38R bietet einen weiteren Vers mit vier Zeilen, der hier fehlt]
Mehrere Erscheinungen sind hier, welche die Kinder fesseln und ihnen Freude machen. Am schönsten ist es,
wenn man hier die Kinder selbst Erfinder der verschiedenen Verknüpfungen werden läßt
und nur darauf sieht daß sie einen klaren, sprechenden Ausdruck bekommen. -
Dies wäre nun wohl das Wesentlichste geschätzte Muhme! was ich Ihnen über den Ge-
brauch der 1en u 2en Spielgabe mitzutheilen hätte. Daß sich unter sinniger, unter Ihrer
Behandlung noch viel Schönes, ja wohl Schöneres noch daraus entwickeln wird bin ich in
mir überzeugt; deßhalb bitte ich nur Ihre oder Ihrer lieben Kleinen Erfindung so weit
es möglich ist, fest zu halten, doch versteht sich ohne Nachtheil für Ihr häusliches und Familien-
leben, welches mir ein Heiligthum ist.
Ihnen jetzt den Spielgang weiter vorzuführen erlaube ich mir nicht; die Skizze wurde so
an manchen Stellen ausführlicher und so das Ganze länger als ich geahnet hatte. Bemerken
will ich nur noch, daß dadurch, daß in dem Spielkreise neue Spiele eingeführt werden, die
frühern nicht aus demselben zurück treten, sondern eben durch ihre abwechselnde Ausführung
um so mehr Erfreuendes und zugleich durch die in dem Kinde geweckte Vergleichung noch erhöhtere Be-
lehrung in den Kinderkreis bringen. — Auch ist es keinesweges nöthig daß vorher alle aufgezählten Spiele /
[54]
durchgespielt werden müssen ehe die nächstfolgenden neuen begonnen werden wenn nur im Allgemeinen
der Spiel- und so Entwickelungsgang festgehalten wird, welchen sich später das Kind auf einer höhern
Bildungsstufe zum Bewußtsein bringen kann, wenn es will. Diese spätere Auffassung vom
Geiste aus ist die Hauptsache, keinesweges aber die äußere Aneinanderreihung, welche nur
tödten würde , statt Leben zu wecken. Leben zu wecken, Leben zu pflegen, Leben und Lebensgesetz zur
Ahnung, zur Einsicht zum Bewußtseyn zu bringen und die Früchte des Darnachlebens, Freude und Frieden, recht
rein zu genießen, das ist der Zweck dieser Kinderspiele. So können Sie
nun auch wie Sie es nach den obenwaltenden Umständen am besten finden, später in Ihren
Spielkreis die 3e und 4e Spielgabe einführen. Das Wesentlichste sagt Ihnen das S.Bl.
welches Sie in Händen haben. Gern werde ich Ihnen jedoch später noch dafür gehörige
Liedchen wie besonders sich daraus noch weiter und dann selbstständig fortentwickelnde
Bewegungsspiele mittheilen. Vorher erwarte ich jedoch einige Nachricht über den Fortgang
des Ganzen, d. h. über die Ausführung eines Kindergartens in Gera, von Ihrer Güte liebe
Muhme. Vor der Hand sind Sie nun wenigstens, in Verbindung mit den Druckschriften
und namentlich mit dem Sonntagsblatte — weil sich nun eins das andere ergänzt und
erklärt - im Stande sich, so wie den förderlich eingehenden drey hochachtbaren Männern als
auch den etwa theilnehmenden Eltern die gewünschte Ein- und Übersicht über das Ganze
zu verschaffen, soweit solches jetzt mehrfach ausgeführt ist. -
Sehen Sie nun nur meine theure Muhme, daß es durch Vortritt der drey verehrlichen
Männer und im Verein mit denselben vor Allem erst möglich ist nur einen kleinen
allgemeinern Versuch der Ausführung zu machen; denn die That u Wirkung spricht mehr
als jedes noch so gestaltetes geschriebenes u gedrucktes Wort. So haben wir z.B.
in Rudolstadt schon die Freude gehabt daß bey einigen unserer kleinen Spielgenossen unschö-
ne Äußerungen rc geschwunden und an deren Stelle geordnete freye Bewegungen getreten sind.
Nur eines ist in solchen Fällen häufig nöthig; - ruhige Ausdauer und dem Kinde Zeitlassen
sich selbst zu finden.
Da es mir nicht alles mehr gegenwärtig ist, was ich im vorigen Briefe beantwortet habe, so /
[54R]
bitte ich wegen des Übersehenen um gütige Nachsicht; ein leiser Wink und ich werde es gern nachholen.
Auch wegen der großen Unvollkommenheit mit welcher dieser Brief vor Ihnen erscheint bitte
ich um Entschuldigung; ich habe ihn an vielen Stellen unter störenden Einwirkungen rc niedergeschrieben.
Bey Ihrer Pflege beste Muhme! welche Sie meinen erziehenden besonders Kindheit
pflegenden Bestrebungen angedeihen lassen muß ich Ihnen doch auch mittheilen, daß mir
eine englische Erzieherin aus höherem inneren Beruf, (ich glaube ich habe solche schon einmal
in meinen Briefen an Sie erwähnt) jüngst wieder sehr Erfreuliches über den Gedanken schreibt
den Ball in seinen Entwickelungen der Kindheit und Jugend zum Spiel zu geben und zugleich
zeigt was dem Menschen selbst in seinem späteren bewußten Mannesalter noch daraus hervorgehen
würde.
In Rudolstadt habe ich besonders die Freude, dass durch die Wirkung der Spiele auf die
eigentlichen Spielgenossen sich bald ältere, bald jüngere Geschwister auch wohl außer den Müttern
noch die Väter und Großmütter veranlaßt fühlen, den frohen Kindergarten zu Zeiten zu besuchen.
Auch Kinderwärterinnen spielen einige gar schön mit und wenn sie zugleich gute Stimmen haben,
geben sie dem Ganzen einen festeren Halt. Es ist ganz außerordentlich was ein klarer
bestimmter Gesang ordnet u gestaltet.—
So eben lese ich, daß Fr. Köhler in der Einleitung zu seiner Schrift „Die Mutterschule“
sagt: – „Musik, Rhythmus, Reime und die phantastische Zusammenwürfelung von Vorstel-
lungen gehören der innern Traumwelt (der Kinder) an, die Vorstellungen selber aber
der wirklichen Erscheinungswelt.“–Zwischen beyde Welten, keine verletzend, beyde pflegend
und beyde vermittelnd, treten nun die vielbesprochenen Spiele vom Balle aus, ihnen
bey der Lebensfülle die sie besitzen, Klarheit, und zu der Mannigfaltigkeit, der sie sich
erfreuen, Einheit geben. —
Ehe ich diesen Brief ganz schließe habe ich Ihren lieben, lieben Brief vom 23 Xbr/10 Jan mehrmals
durchgelesen. Gar manches habe ich wohl in meiner Beantwortung auch übersehen,
doch ist mir jetzt die Zeit zu kurz, damit dieser Brief endlich zu Ihnen gelange. Möchten
Sie wenigstens nicht Ihnen jetzt Wesentliches vermissen. Ihnen und Ihrer gesammten theuern
Familie von mir und uns allen die herzlichsten Grüße. Ihr treuer Vetter
FriedrichFröbel
Geschlossen am 29/I. 41.

b) Abschriftfragment

[6]
1. [Bogen] Brief an Frau M. Schmidt in Gera

Blankenburg am 18. Jenner 1841


Innig hochgeschätzte Fr[.]

Ihr lieber Brief sagt mir so unzwey[-]
deutig, daß Sie wissen und empfunden haben
was wahre Freude ist, so darf ich Ihnen nun
sagen, daß mir Ihr gütiger Brief vom
25 xbr v.J. - 10 Jan. wahre Christfestfreude
als Nachfeyer dieses lieben Festes gebracht hat.
Besonders beglückt hat mich die mit einigen
wenigen Zügen entworfene Christfreude
Ihrer lieben Söhne auch bey mäßigen Christgaben.
— Ich habe selbst das Christfest während einer
großen Reise vor Jahren unter sehr vielen
Formen u ausgestattet mit Geschenken vom
verschiedensten u fast unbedeutenden Werthe be-
gangen; allein recht offen muß ich gestehen,
daß die Christfestfeyern eigentlich für mich
selbst u mein Gemüth die reichsten u freudegebend-
sten waren, welche die mäßigsten und einfachsten
Festgaben brachten. Sprechen Sie dieß immer nebst
meinem recht herzlichen Gruß unsern lieben Vetter-
chen aus, damit sie ja ihre jetzigen Festfeyern in
ihrer Einfachheit recht schätzen und sich die reinen
Freuden, die sie ihnen bringen, sich bewahren mögen.
Festgaben haben ihre wahre Gewichtigkeit keines-
weges in dem äußern Werth, sondern in der
Gesinnung mit welcher wir sie empfangen.
Mögen darum die lieben kleinen Vettern ihre
Festgaben noch recht lange Zeit mit den reinen Seelen-
freuden empfangen. Herzinnig freue ich mich, solche
ganz mit ihnen empfinden zu können.–
Bey Ihrer so lebenvollen Theilnahme an meinem
Wirken u Bestrebungen müssen Sie, liebste Muhme
mir nun schon erlauben, Sie nach und nach immer
mehr in den innersten Geist u die letzten Beziehungen /
[6R]
derselben einzuführen. – Viel Gutes, viel
Edles, ja viel Herrliches, überhaupt Menschen-
würdiges ist auf der Erde, namentlich unter uns
Deutschen, besonders in den Familien und in dem ein-
zelnen Frauen[-] und Mütterleben zerstreut; allein
es steht zu vereinzelt, sich selbst unbewußt da. So
mangelt ihm als wahre Stütze gegen äußere Ent-
gegnungen und so als ächtes Mittel zum frischen kräf-
tigen Emporwachsen zu dem innern Muthe u der
freyen Kraft das äußerlich zu werden was das
Gemüth innerlich anstrebt – die wahre Lebens-
einigung; diese innige Lebenseinigung, das sich
gegenseitig achtende u helfende Verstehen edler,
wenn auch der äußern Erscheinung nach, noch
so einfacher Frauen u ächter Mütter zu gegen[-]
seitiger Klärung, Erstarkung und Erhebung, - diese
ist es, die ich erstrebe; damit die einzelnen u
vereinzelten Frauen, welche,– wie Thautropfen
die Sonne in so herrlichen Farben wiederspiegeln, –
das höhere Menschheitleben in dem einfach häus-
lichen offenbaren, sich als ein Ganzes finden, fühlen
u erkennen, welches das Menschheitleben in seinen
verschiedenen Richtungen als ein Einiges kundthue,
wie die vereinten Thau- Wasser- und Regentropfen
im Regen- im Friedensbogen Himmel und Erde ver-
einen. Mögen Sie mich in dieser unvollkommenen
Darstellung verstehen.
Darum habe ich das Büchlein „Der Beruf des Weibes“
als Gast in dieser Festzeit bey einigen Frauen u
Müttern erscheinen lassen; u ich freue mich, daß
es überall schwesterlich willkommen geheißen
wurde. So unter andern auch der Begründerinn
des Rudolstädter Müttervereines zur Ausführung
eines Kindergartens, der Frau Geh. Regierungs (Legations)räthinn
von Beulwitz. Sie schreibt mir darüber: „Ich
habe das Büchlein (Der Beruf des Weibes) mit
großem Interesse gelesen, es zog mich ganz be-
sonders durch seine große Klarheit und durch
den schönen, seegenbringenden Standpunkt, welcher /
[7]
„den Müttern hier angewiesen, an. Ich möchte
„allen Müttern dieß Buch in die Hände geben.“–
Da dieses Büchleins Bestimmung nun in Rudolstadt
war, bey den verschiedenen Müttern des Vereins
freundlich ein zusprechen, so wurde auch sein Erscheinen
bey Hofe bekannt und über seinen Inhalt gesprochen. Recht
gefreut habe ich mich, daß es auch die besonders die Auf-
merksamkeit unserer so einfachen als seltenen
Prinzeß Karl auf sich zog und von dieser zu sich ge-
beten wurde.– Meines Bedünkens nach, theure
Muhme, muß nun solcher sich einigende, gegenseitig
sich erkennende, achtend anerkennende Frauen- u
Müttersein, aber als ein einiger gemeinsamer
auf das sorgfältigste gepflegt werden. Möchte
darum der Rudolstädter Frauen[-] u Mütterverein
sich immermehr als ein in sich ruhendes Ganzes
finden und erkennen; möchte ein gleiches bey Ihrem
Vereine zur Ausführung eines Kindergartens sich
gestalten. Wenn so jeder dieser Vereine recht klar
und sich seines Wesens sich bewußt dasteht; dann wird
auch bald die höhere Einigung, die Einigung in einen
höheren Beziehungspunkt sich finden, wie eine Au-
rikel oder Hyacinthe ein herrliches, ein vollkomm-
nes Lebensganze in sich tragendes Einige ist, deren
mehrere aber durch einen einigenden Stengel zu
einem schönen Blüthenstrauße, Blumentraube
verbunden werden.
Suchen Sie nur meine theure Muhme (: verzeihen
Sie mir meine Offenheit:) recht klar u einig in
sich zu werden, was Ihnen bey Ihrem gesammten
Stehen gewiß sehr leicht werden wird, so wird
Ihnen auch Klarheit u Einigung nach Außen
hin nicht fehlen. Haben wir nur erst einen
solchen Kreis, so wird auch ein zweyter nicht aus-
bleiben; haben wir dann deren zwey, welche
so Gott giebt, wieder in höhere Lebenseinigung
treten, so glaube ich daß die Sache der Kindheit,
so des ächten Familienlebens u der Menschheit
gewonnen hat. Darum, theure Muhme, nur /
[7R]
jetzt treu u ausdauernd! alles, was Sie mir
so herrlich über Frauenberuf u Geschäft schrieben,
erkenne ich tief u ganz an. Allein wenn Sie in
sich zugleich u mit voller Überzeugung einem
allgemeinen Beruf folgen, so kann Gott Ihnen für
Ihren besonderen Beruf Kraft u Muth verdoppeln,
er kann Ihnen eine doppelte Willigkeit in all denen
entwickeln, auf welche Sie zur Erfüllung Ihres
häuslichen u Familienlebens einzuwirken haben;
und so gleicht sich bald alles wieder aus. Auch will
ich es Ihnen offen als Lebenserfahrung aussprechen,
daß die Kraft, der Muth, so wie besonders die
Freudigkeit für das Einzelne u Kleine, ja Einzeln-
ste u Kleinste wächst, wenn wir zugleich das
Bewußtseyn haben, für eine höhere u zuletzt für die
höchste Allgemeinheit gerade zu u unmittelbar
zu wirken.– Glauben Sie mir, liebe Muhme! we-
nigstens mißverstehen Sie mich nicht:– die ächte
Kinder- u Kindheitpflege, die Pflege der Menschheit
in der Kindheit, u so der Gottheit, Göttlichkeit in
der Menschheit ist gleichsam ein wahrer Gottesdienst
welchen die jetzige Entwicklungsstufe der Menschheit
fordert.
Bey Gelegenheit meiner Mittheilungen von der
Art, wie sich der Verein zur Ausführung des Kinder-
gartens in Rudolstadt gebildet hat, meynen Sie,
es sey eigen, daß sich Ihr Verein in Gera auf entgegen-
gesetzte Weise wie der in Rudolstadt zu bilden scheine,
nämlich durch Männer hin durchgehend, durch die
besondere Mitwirkung von Männern, wie außer
Ihrem l[ieben].Mann, Herrn Pastor L. und Herrn M.,
während der Verein in Rudolstadt sich nur durch
den freyen Zusammentritt von Frauen u unter
der Ägide einer Frau gebildet habe. Dieß, dünkt
mich, ist nur Schein, die Verhältnisse mögen in
dieser Beziehung wohl ziemlich gleich u ich glaube
fast, der Ausdruck eines höhern Lebensgesetzes seyn.
Was bey Ihrem Verein der geschätzte Vetter, Ihr
lieber Mann, HErr M. u Herr P. L. sind, das sind
für Rudolstadt ein gewisser Herr Geheimer /
[8]
2) Brief an Frau M. Schmidt in Gera
Kammerrath von Ketelhodt in, (welcher
zwar nicht so persönlich u namentlich, allein doch
sonst sehr wirksam hervortrat), dann vielleicht
HErr Middendorff u ich, wenigstens als Auf-
stützungspunkte.
Erlauben Sie mir, bey der großen Nachsicht,
welche mir von dem lieben hochgeehrten Vetter
hinsichtlich meiner Lebensmittheilungen wird,
Ihnen in dieser Beziehung ganz offen meine Lebens-
ansicht u Überzeugung mitzutheilen: Unser
Schöpfer als ein liebender Vater hat uns in fast
unzähligen Sinnbildern mit den Forderungen
u den Gesetzen des Lebens bekannt gemacht u uns
im Sinnlichen das Übersinnliche kund gethan,
zB. in den Gewächsen, namentlich in dem ein
ganzes Welt- u Lebenssystem darstellenden Baume,
ebenso in den Jahreszeiten; in dem Gesetze des
Sonnensystems rc., Aaber ganz vor allem in
der Ehe, in deren Forderung und Gesetzen. Die Ehe
in ihrem ganzen Wesen, wie in ihrem Gesetz, in ihrer
Forderung u Bedeutung erkannt, u dieß alles auf die
übrigen Lebensforderungen angewandt, ist das
wahre Knaul der Ariadne, welches uns aus dem
Labyrinthe des Lebens leitet Die Gesetze der Ehe kehren
in allem wieder, wo der Mensch ein wahres Lebens-
ganze erzielt, selbst in dem Menschen, wo das
Gemüth (das Weib) u der Geist (der Mann) nach einer
in sich einigen klaren Lebensgestaltung strebt,
wo Gemüth u Geist zu einem in sich Einigen: Lebensfrieden
sich durchdringen. Sie werden nun hoffentlich, ohne
daß ich es nöthig habe, hier im Einzelnen weiter
durchzuführen, einsehen, welche hohe Wichtigkeit,
welch innere Wahrheit die Art u Weise hat, wie
sich Ihr Frauen- u Mütterverein zur Ausführung
eines Kindergartens bildete. Pflegen Sie diese
Art und Weise, theure Muhme, über derselben
wie zugleich in ihr stehend, auf das sorglichste:
die Frauengemüther müssen durch den männlichen
Geist Haltung u Klarheit, der Männergeist muß
durch die Frauengemüther Einigung u Leben gewinnen,
so erscheint dann das ächte menschl[iche] Leben als Kindheit-
pflege in Gestalt u als solche. Sie wissen, meine theure/ 
[8R]
Muhme, wie sorgsam u zart man in dEhe u im
häuslichen Leben oft bey dem Gewöhnlichsten u All-
täglichen seyn muß, u wie pflegend: so in jedem
Verhältnisse, wo es - wie in dEhe, zur Darstellung
eines stetigen, friedigen u freudigen Lebensganzen kommen
soll.– Verzeihen Sie mir die Offenheit; allein
Offenheit unter edlen Menschen führt die Menschheit
zu ihrem Ziel, u warum sollten wir, um so hohen
Zweckes willen: – Darstellung des Göttl[ichen] im Leben,
vom Leben u durch das Leben, nicht offenseyn?– Sie
sehen auch daraus, wie besonders dem achtsamen
Frauengemüthe und Müttergemüthesinne das Leben,
der Schlüssel zum Leben u dessen Beherrschung so nahe liegt.
Sollten Mütter um diesen Vorzug, diesen Reichthum,
ja Talismann, welchen ihnen ihr Gott u Vater gab,
nicht zum Wohle der Menschheit, mindestens der
Kinder anwenden, welche sie mit Schmerzen ge-
bären?.–
Ehe aber fordert u bedingt Klarheit über die
Gesammtheit der Lebensverhältnisse, wenigstens
giebt sie die Mittel dazu; wer sie nicht dazu gebraucht,
hat es sich selbst bey zu messen. Darum also u daraus
können wir ersehen, daß Klarheit im Leben
u über das Leben mit zur Lebensbestimmung gehört.
Klar sollen wir in allen Lebensbeziehungen, klar
über alle Lebensverhältnisse seyn: dieß ist die eine
wesentliche Bedingung zu wahrhaft bleibenden u stetig
seegensreichem Handeln. Die andere ist möglichst
das in und durch sich selbst zu seyn, was man außer sich
zu wecken und darzustellen strebt. Sie, meine liebe Muhme,
friedevolle Gattin u glückliche Mutter, Sie sind sorg-
same Hausfrau wie erziehende Mutter. Bringen
Sie sich nur dieß, den ganzen Werth, die Bedeutung u gesammte
Stellung recht zum Bewußtseyn, u halten Sie die daraus her-
vorgehenden Forderungen für die Wirksamkeit im Leben
bey aller Ruhe u Stille in sich, wie bey aller Einfachheit, Be-
scheidenheit u Zurückgezogenheit in sich recht fest. Sie haben
ganz Recht: es giebt viele Dinge im Leben, über die man
gar nicht, andere, über welche man nur mit den Freunden
sprechen soll; allein in sich, im stillen Handeln soll man
es festhalten u zu immer größerer Klarheit bringen.
So meyne ich es denn auch l[iebe] Muhme mit der Gesammtheit Ihrer
Lebensverhältnisse[.] Ich halte dieselben für selten
glücklich geeint, um zum Wohle der Menschheit durch
sie zu wirken. Die meisten u oft die edelsten Menschen /
[9]
denken über ihre Stellung im Leben u ihre Wirk-
samkeit in demselben zu klein; dadurch bleibt
sehr vieles Gute ungethan. Wir sollten immer
bedenken, daß wir alle Werkzeuge in Gottes Hand
u seine Diener auch im Kleinsten sind; dann würden
bey aller Bescheidenheit u wahrer Demuth, wir unserm
Thun die Achtsamkeit erweisen, die ihm gebührt.
Daß jedes Ding seine richtige Stellung habe
nach Ort u seine rechte Wirksamkeit nach Zeit,
dieß halte ich für eines der größten Gesetze in allem
was nur immer durch Gott da ist, u alles ist ja
durch ihn da. Sehen Sie im Sonnen- u Weltensystem;
alles ist nur dadurch so klar, so friedig und freudig:
u sollte es bey dem Menschen, dem ersten bewussten
Wesen anders seyn?–Lassen Sie uns mindestens
der (unbewußten) Sonne, der Erde, dem Mond,
dem Regen u Thau gleichen! Was thut ein einziger
Regen zu rechter Zeit, am rechten Ort u im rechten
Maaße?– Ich sage mir, wie die Geschöpfe u
Dinge unter dem Menschen nach Gottesgesetzen durch
Instinkt handeln, so soll der Mensch nach Gottes Willen
mit Bewußtseyn, freyem Willen und Selbstwahl handeln,
dieß ist seine Freyheit. – Also Muth! – Muth u Vertrauen[.]
Wie in einzelnen Fällen oft zu viel, so legen wir
im gewöhnlichen Leben oft zu wenig Werth auf
die Wirksamkeit des Einzelnen, ja auf einzelne
Reden derselben. Nehmen Sie nur zB. Ihren kleinen
Hermann mit seinem Ausspruch: –„es ist schön!“–
die Alten waren darin g[an]z anders, darum begegne-
ten sie auch so oft Engeln, wie überhaupt ihr Leben dem
Göttlichen so nahe war, sie sich selbst demselben so nahe
fühlten.
Was soll ich Ihnen nun, meine theure Muhme! alles
dieß sagen, was will ich Ihnen durch dasselbe aussprechen?
— Daß es auf der jetzigen Stufe des Lebens- u Mensch-
heitsentwicklung nicht nur darauf ankomme, daß
etwas, und was geschehe, sondern daß es auch mit
Bewußtseyn geschehe.
Wenn wir uns etwas zum Bewußtseyn bringen
und sey es das kleinste, so gewinnen wir immer an Klar-
heit u Einsicht. Nehmen Sie zB. das „es ist schön!“
Ihres Hermann; warum hielt er nicht das von Ihnen /
[9R]
ihm ausgesprochene: „es ist hübsch“ fest?– Ich sage
mir darüber das: – hübsch kommt durch Hub von
heben; hübsch bezeichnet also ein Hervorheben
aus etwas Anderm, setzt also ein Vergleichen
voraus, macht darum ein Sehen auf etwas
zweytes, außerhalb des betrachteten Gegenstandes,
nöthig, ist und fordert deßhalb eine zusammen-
gesetzte, eine doppelte u daher für das Kind zu
schwierige geistige Thätigkeit. – Dagegen kommt
schön von scheinen, wo gleichsam das innere Wesen,
die Einheit, wie eine Sonne oder ein Licht, aus
der Mitte hervorleuchtet, hervorscheint. Diese
Beziehung fordert also nur die einfache geistige
Thätigkeit, das Anschauen eines Gegenstandes
ganz allein u für sich, wie denn auch in dem
Worte scheinen der Begriff einen liegt. Daraus
sehen wir, wie es dem einfachen unbefangenen
Kinde näher liegt, diese sonnenartigen Formen
lieber schön als hübsch zu nennen; während
vielleicht ein anderes mehr an Vergleichung
gewöhntes, ältere Kind diese Formen hübsch (:sich [sc.: sie]
vor, unter u zwischen Anderem auszeichnend )
nennen würde.– Wem verdanke ich nun
diese Erkenntniß? – Durch Ihre Güte Ihrem
kleinen Hermann! – Steht diese Erkenntniß allein?
– Nein! Sie führt mich dahin, daß das Leben
u die Anschauung des Kindes noch im in sich Einigen
ruht, und darum auch die kreisförmigen Be-
wegungen liebt; was jedoch auch mit den von
Ihnen angegebenen Ursachen zusammenhängt.
Daß das kleine Büchlein Krüsi’s so vielen
Beyfall gefunden hat, durch diese Mittheilung
haben Sie mir wirklich Freude gemacht; ich
danke Ihnen dafür. Auch dieß ist ein kleiner Lieb-
ling von mir, durch welchen ich Mütter zu höhern
Bewußtseyn ihres mütterlichen Verhältnisses und
Wirkens allein auch zur Einigung für gemeinsame
Kinderbeachtung und Pflege gewinnen möchte.
Sie werden es immer mehr einsehen, liebe Muhme! /
[10]
3. Brief an Fr. M. Schmidt in Gera.
ohne diese gemeinsame Beachtung ächter
Kindheit- und Jugendpflege ist kein sicheres
Ergebniß unserer Erziehung, mit Sicherheit
keine bleibende Frucht zu erwarten.
Einigung im Frauensinn u Mütterleben,
in Bewußtseyn u That, das ist es, was wir
zum Wohle der Kindheit wie der Menschheit er-
streben müssen. Dieß geschieht in der Frauen-
u Mütterwelt nicht so wohl wie in der Männerwelt
daß man sich zusammenfindet zu Rath u Berathung
u gemeinsam das Einige beschließt, und als viel-
mehr wie in der Blumenwelt, dadurch daß durch
den weckenden, lichtenden u wärmenden Sonnen-
strahl das individuelle, das eigenthümliche
Frauen- und Mutterleben in allen zugleich hervorblüht, und nun jede
Frau u Mutter
ihr eigens friediges u freudiges Leben u Wirken
u Weben rein u klar im Leben der andern,
ich möchte sagen, verschönet schauet, wie eine
Aurikelblume ihr Leben rein u schön in dem
Leben der andern, obgleich bey verschiedenen Aurikel[-]
stöcken wieder verschieden in Form, wie in Farbe,
in Größe wie in Zusammenfügung, in Duft wie
im Gesammtausdruck. Sehen Sie, meine theure
Muhme, die höchste Lebenseinheit wünsche ich für
die Blumen der Menschheit, die Frauen und Mütter,
nicht eine äußerlichgemachte, nachgeahmte, sondern
eine, bey aller Festhaltung der reinen Persönlichkeit
aus dem innern rein u frey hervorwachsende
blühende u duftende. Ich will bloß, daß das Leben
wie in der Gewächswelt, unter dem Einflusse
der höchsten Lebenssonne sich frey entwickle
und gestalte, nach dem von Gott in dasselbe
gelegte Gesetz; die Einheit u Übereinstimmung,
der höhere u höchste Lebenseinklang: Rhythmus,
Melodie u Harmonie findet sich dann schon
von selbst. Ist ein Aurikelbeet nicht etwas
Herrliches? – Sieht uns darin [nicht] die Frauenwelt,
ja die Menschheit mit ihren Kinderaugen an?– /
[10R]
Dieß, damit wir beyde zunächst uns u endlich
damit Ihre Freundinnen, Sie u mich verstehen.
Sehen Sie, dann spricht Gottes Wille mit Bewußtseyn
und Selbstwahl (Freyheit) im Leben der Menschen
aus, wie er sich in der Natur u in den Geschöpfen
unter dem Menschen als Naturgesetz u zwingenden
Instinct kund thut. Was ich für das einzelne
Frauen- und Mutterleben ersehne, erstrebe ich auch
für das einzelne Familienleben.—
Ein solches Wecken will ich nun zunächst durch
meine Spiele und Beschäftigungsmittel anbahnen;
ich hoffe es soll gelingen. Wenn nur die Frauen,
und Mütter bestimmt den edlen Männern ihrer
Kreise blicken lassen, was ihr Herz u Gemüth,
ihr Geist u Leben zum Wohle der Kindheit u Fa-
milie ersehnt, die Männer werden sich gewiß
beeifern, solchen Wünschen entgegen zu kommen.
Umgekehrt aber auch werden Sie gewiß wieder
Ihre Schwestern u Freundinnen erheben, bekräftigen,
ermuthigen, wenn Sie ihnen eine Männerdrey
zeigen welche in wahrer Mannestreu das
Wohl der Kindheit u der Familien vom frühesten
Keimen an im Auge haben; u das können Sie ja
so schön. —
Auch ich kann Ihnen wieder eine neue Hoff-
nungsknospe zur Fortentwicklung der guten Sache
zeigen: die regierende Fürstin von Sondershausen
hat nämlich den bestimmten Rathschluß gefaßt,
in ihrer Residenz auch einen Kindergarten nach
dem Muster, vielmehr nach der Idee des Blan-
kenburger auszuführen und sich durch den Er-
zieher der fürstlichen Kinder bey mir nach dem
Näheren deßhalb erkundigen lassen. Die Ant-
wort auf diesen anfragenden Brief ist nun
abgegangen u ich werde sehen, welche Entwicklungen
ich Ihnen später davon melden kann. Der Ver-
mittler interessirt sich jedoch ebenso lebhaft für
die Sache, als, wie es scheint, die Fr. Fürstin selbst. /
[11]
Dem HE. Prof. Meyer kann ich heute noch
keine entscheidende Antwort auf seinen
vertrauenden Brief geben. Die Töchter welche
hier gebildet wurden, sind jüngst abgegangen
u noch keine andern eingetreten. Jedoch habe ich
mit der Vorsteherinn der fürstl[ichen] Strickschule,
einer sehr eingehenden, vorzüglichen Frau, wegen
des Wunsches des Herrn Prof. gesprochen und
ich hoffe demnächst Antwort zu erhalten, welche
ich sogleich übersenden werde. – Der HE Prof. hat,
wie Sie gesehen haben werden, den Wunsch aus-
gesprochen, für seine Gattinn eine Actie für d.
K.G. zu unterzeichnen; sollte er dieß noch Wil-
lens seyn, so bitte ich Sie die Güte zu haben, ihn
den beyliegenden Unterzeichnungsschein einzu[-]
händigen, und solchen dann, im Fall der Unter[-]
zeichnung gelegentlich an mich zurück zu
senden.—
Auch der vertrauenden Frl. Erwina , wie
Ihnen, sage ich den besten Dank für die freund-
liche Begrüßung des deutschen K. G. gleich im
Neuen Jahre durch Unterzeichnung einer Actie.
Recht merkwürdig ist es mir, wie schwierig u
langsam sich die deutsche Frauen[-] und Jungfr[auen-]
welt zur Begründung dieses Unternehmens
bestimmt, was, soweit mir bekannt geworden
ist, einerseits so viele Anerkennung findet
und was anderseits, besonders durch Zusammen-
tritt Mehrerer, doch nicht schwierig auszuführen
ist; indem, wie ausgesprochen, die Einzahlungen
nur nach und so fast innerhalb Jahresfrist
erst ganz geschehen sollen. Kommt nun
aber eine bestimmte Anzahl der Unter-
zeichnungen gar nicht zu <sammen>, gut,
so werden die Unterzeichnungen nie bezahlt;
kommen sie aber zusammen, dann, dünkt
mich, würde eine edel denkende deutsche Frau
u Jungfrau nicht gern sich ausschließen.
Also ist bey der Unterzeichnung gar kein Wagnis. /
[11R]
sie ist, recht betrachtet, weiter gar nichts, als
die vorläufige Versicherung: daß man die
Unternehmung in ihrem Wesen anerkenne, u daß,
wenn sie zu Stande kommen wird, man sie
förderlich mit unterstützen werde. Dennoch scheint
man sich vor der Unternehmung wie vor einer großen
Verbindlichkeit zu fürchten. Mir bleibt nach dem
bis jetzt von mir deßhalb Ausgesprochen nichts
mehr darüber zu sagen übrig.
Dem lieben alten Großpapa, welcher so
freundlich in meine Idee zweckmäßiger Kinder[-]
beschäftigung eingeht, meinen herzlich dankenden
Gruß, sagen Sie ihm, daß wenn es ihm auch die
Kräfte nicht gestatteten, un mittelbar dafür
noch zu wirken, so möge er doch, wie es möglich
sey, seine Stimme dafür geltend machen, denn
der Stimme des Alters u der Erfahrung werde
noch überall das Gewicht eingeräumt, welches
ihr gebühre. Nur das scheint man jetzt zu wollen,
ja zu fordern, daß die Stimmen sich mit Bestimmt-
heit erheben u aussprechen.
Den lieben beyden Vettern meinen dankenden
Gruß für ihre Zusendungen. Ich habe gleich bey einem
vergleichenden Blick in die Zeichnungen von ihnen
und durch sie gelernt. Hoffentlich werde ich bald;
geschrieben oder gedruckt, ihnen beyden, ganz auf
diesem Gebiete
, eine Gegengabe zusenden können.
Daß der hochgeehrte liebe Vetter die Spiele einer
einer [2x] prüfenden Beachtung gewürdigt hat, hat mich
ganz besonders gefreut; ja wenn es möglich
wäre, denselben in den innern scientivischen
Geist, in das eigentliche innere Leben derselben
einzuführen, dann zweifle ich nicht, daß sie sich,
als eines denkenden und erziehenden Lehrers, seiner
Beystimmung, seines Beyfalls noch mehr erfreuen
würden. Der Geist dieser Spiele, läßt sich, ohne
mathematisch trocken rc, rc. zu werden, höchst
schwierig durchs todte Wort geben, so leicht er /
[12]
4. Brief an Fr. M. Schmidt in Gera.
sich aus der Anwendung u aus dem Leben
selbst frey macht. Grüßen Sie Ihren theuren
Mann auf das achtungsvollste von mir,
u sagen Sie ihm: – ich wolle den künftigen
erziehenden Lehrern in ihren Zöglingen nur
einen guten Grund bereiten, daß nicht nur
der Saame im Gemüthe und Geiste derselben leicht
keime, sondern auch zu gesundem u kräftigem
Wachsthume pp tiefe Wurzel fasse.
Wie sehr erfreue ich mich Ihrer sovielfach
eingestreuten Bemerkungen u Ahnungen:
Sie ahnen u erfassen so vielseitig den inneren
tiefen u tiefsten Sinn, mit welchem ich diese
Spiele von den Erwachsenen bey den Kleinern
geleitet wissen möchte, daß ich mir das Beste von
Ihrer Anwendung u Führung verspreche. Suchen
Sie sich nur recht bald unter den größern
Mitspielenden kleine Gehülfen heraufzubilden.
Mädchen thun dieß besonders gern u dadurch
wird das Ganze sehr erleichtert. Suchen Sie zu
Zeiten, wenn es angeht zB. nach dem Schluß
der Spielstunden noch eine kürzere Zeit mit den
etwas größeren und fähigeren Kindern Einiges
zu spielen oder zu singen, damit Sie bald nur ein
Paar spielgeübte u spielgewandte, auch wohl
etwas stimm- u gesangsfeste Spielgenossen erhalten.
Wir thun dieß häufig: es giebt für die Größeren
Aufmunterung u für die Kleineren Nacheiferung.
Nun hätte ich zunächst wohl [vor], Ihnen eine
kleine Übersicht eines Spielganges und Spiel-
ganzen zu geben.
1.) So oft ich bis jetzt bey Kindern in größeren
oder kleineren Kreisen die Spiele eingeführt habe,
habe ich immer mit dem Balle begonnen, u
ich habe immer den Eindruck davon einigend
u beruhigend, überhaupt die gesammte Wirkung
davon dem Zwecke ganz entsprechend gefunden.
2.) Den Anfang u Eingang habe ich immer so gemacht, /
[12R]
daß ich mich größtentheils an das erste beste,
mir nahe stehende Kind wandte, an
seine Thätigkeit anknüpfte, dann zum Spiel
im Allgemeinen überleitete; so dann auf
einem bestimmten Spielgegenstand etwas
ruhete u mir von da den Übergang zum
Balle bahnte. Dieser Übergang giebt ein
natürlicher Sinn u Gewandtheit, oder die
vorliegenden Umstände, oder die Übung
oder alles Dreyes zu gleich. Jemehr der erste
Anfang mit dem Leben des Kindes sich verfließt,
gleichsam aus ihm selbst hervorfließt, um so
schöner entwickelt sich das Ganze weiter.
Sorglich braucht man, mindestens ängstlich
nicht zu seyn. Die Kinder zeigen bald das
Beste; auch haben Sie ja schon soviel mit den
Kindern gespielt, daß Sie den Spielkreis
u das Spielganze als schon eröffnet betrachten können.
3.) Habe ich nur erst bey einem Kinde die
Theilnahme an den Ball geweckt, so gesellen
sich bald mehr dazu, u von der einfachen Frage:
was ist das?– oder was habe ich da?– geht
es bald weiter zu der Frage wie ist der Ball?–
Die verschiedenen darauf erfolgenden besondern
Antworten suche ich dann, ihn vor die Kinder
oder in der Mitte derselben zur Betrachtung haltend,
auf seine ganz allgemeine Eigenschaft: daß er
in die Augen fallend, daß er gleichsam scheinend
u so schön ist, hinüber zu leiten. Und nun hebe
ich mit Bestimmtheit hervor: „Das Bällchen
das ist schön
“, singe es ihnen auch bald zu. Währ[-]
rend diesem ordne ich gewöhnlich die Kinder still,
schweigend u ohne daß es ihnen auffallend ist,
um mich in einen Kreis, indem ich zugleich an
sie die Frage richte:“Ihr möchtet es wohl besehn?“
Auf Bejahung dieser Frage singe ich ihnen zu:
“Das Bällchen das ist /ist so schön, ich möcht es gern besehn.[“]
Auch wohl noch mehr Oder auch erweiternd: – „Das Bällchen /
[13]
ist doch gar zu schön, ich möcht es gern genau
besehn.“ - Auch wohl noch mehr erweiternd: –
“Das Bällchen möcht ich wohl beachten, ich möcht es
gern genau betrachten, es ist so klar, es ist so rein,
ich möcht mich seiner recht erfreun.“ —
4.) Ich habe nun einen solchen Vorrath von Bällchen
bey mir, oder in meiner Nähe als Kinder sind. Jedem
derselben reiche ich nun einen Ball, indem ich dazu
singe oder spreche: „Nun so mach {die Hand nur/ Dein Händchen} auf
einem den lieben Ball drin auf: er ist so klar, er
ist so rein, Du kann[st] Dich seiner wohl erfreun.“ Ich
lasse, nun auch wohl von den Kindern (wenn
ich besonders beym Spiel noch einen Gehülfen habe,
mir entgegensprechen oder singen: „Sieh, ich mach
die Hand Dir auf, nehm den lieben Ball drin auf“
Leicht mach ich nun das Kind mir zuerst entgegen[-]
sprechend dann entgegen singend: — „Das Bällchen
seh ich liegen ganz still in meiner Hand, drum
will ich es auch wiegen, den Blick zu ihm gewandt.“
Bald kann man erweiternd hinzufügen: „Auf, ab,
auf, ab,“ oder „hin, her; hin, her[“]. – der Spielführer
kann auch wieder wie oben, (damit des Neuen nicht
gleich zu viel werde) dem Kinde zusingen: – „Das
Bällchen kannst Du wohl betrachten, du kannst es
ganz genau beachten, es ist so rc [“] – Das Kind kann
auch, vom Spielführer geleitet, demselben von sich
aus zusingen oder sprechen: „Das Bällchen will ich
wohl beachten, ich will es pp “
5.) Bey diesem Schaukeln oder Heben u Senken
kann es gar nicht fehlen, daß der Ball sich bewegt;
wenn dieß bemerkbar hervortritt, nimmt der
Spielführer es leicht mit den Worten auf, spricht
oder singt den Kindern zu: „Bällchen will sich regen,
will sich gern bewegen, regen bewegen; regen,
bewegen.“ Auf diese Worte u Bewegen laß ich
nun die Aufmerksamkeit des Kindes wieder mög-
lichst ruhen, wie vorher bey dem Betrachten u Beachten;
wie vorher bey dem Liegen sehen: damit der
Gegensatz von Ruhe und Bewegung dem Kinde
recht deutlich werde, es auch zu sinniger Beachtung /
[13R]
und Vergleichung geführt werde. — Nach
Umständen erweitere ich aber auch bald
sowohl die Bemerkung als das Wort, indem
ich den Kindern zusinge: „Seht die Bällchen
wollen gar zu gerne rollen, rollen, rollen;
Freude wollen sie {uns/Euch} zollen.“ (Zollen erklärt
sich leicht durch abgeben, geben, darreichen.–)
Diese rollende Bewegung kann nun entweder
gleich laufend der Brust I: - :I, oder senkrecht
gegen sie I: I :I oder kreisend I: O :I seyn und
hier wieder bald rechts kreisend [Zeichnung] bald
links kreisend [Zeichnung]. Sie sehen, welche
Mannigfaltigkeit sich sogleich entwickelt.—
Das Rollen kann aber auch als ein Wandern be-
trachtet werden. Nun die Erweiterung:—
6.“Das Bällchen möchte wandern von einer Hand
zur andern.“ Weiter bald die Erweiterung:
[„] Hinüber, herüber; hinüber, herüber.“ —
Bey etwas getrennten Händen, also gleichsam
hin, über die Trennung; her, über die Öffnung
7. Dieses Wandern von einer Hand zur andern
läßt sich aber bald erweitern in einem
Wandern von einem Kinde zum andern,
u zwar bald rechts, bald links im Kreise,
so daß beyde Hände gleich geübt werden. Ich
lasse nämlich bey diesem Spiele erst den Ball
aus einer in die andere Hand reichen zB.
aus der Linken in die rechte, und dann
von der rechten Hand in die linke des Nachbarn,
der dann wieder den Ball seiner rechten reicht,
welche ihn wieder der linken des Nachbarn giebt
u.s f. Die Kinder singen, oder sprechen auch
nur dabey im Chor: – [„] Das Bällchen will auch
wandern, von einem Kind zum andern.“–
Da es nun durch seine freundliche Erscheinung
gleichsam begrüßt, so werden auch noch die
Worte erweiternd hinzugefügt: – [„] und
wünschen einen guten Tag! guten Tag! g[uten].T[ag]! /
[14]
5. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
8. Dieses Wandern des Balles von einem
Kinde kann nun ganz leicht zu einem Wan-
dern eines Kindes zu einem andern u so im
Kreise herum, erhoben u erweitert werden,
mit den Worten, zB. „Auch Lina möchte
wandern rc rc u wünschen rc rc [“]. Während
dem geht das Kind (oder wird geleitet) im
Kreise herum, reicht jedem die rechte Hand
so wie jedes Kind ihm die rechte Hand reicht
u sagt: [„] Guten Tag! G[uten].T[ag]![“]
9. Dieses Wandern eines Kindes kann nun
weiter leicht in ein Wandern aller, zu-
nächst in der Stube herum erweitert werden,
mit den Gesangsworten: „Wir alle möch-
ten wandern, von einem Ort zum andern.
Das Wandern uns gar wohl gefällt, man
schaut so fröhlich in die Welt: wandern, ja
wandern!“
Sie werden daraus sehen, wie so ganz
einfach der todte Ball das Leben weckt
und das einzelne, ruhige Ballspiel zu einem
allgemeinen Bewegungsspiele macht.
Die Kinder lernen die Liedchen unglaub-
lich leicht, besonders wenn man sie lang-
sam u klar im Chor durchspricht. Wenn
auch die Kinder äußerlich wirklich gar
nicht mit zu sprechen noch weniger mit
zu singen scheinen, so thun sie es doch in-
nerlich, und sind sie allein, so quillt Wort
u Gesang wie ein klarer Quell hervor[.]
Dieß bis jetzt hier Vorgeführte bildet nun
ein schönes Spielganze, mindestens einen ganz
bestimmten Spielabschnitt, u kann nun
wenn es den Kindern Freude macht, in eini-
gen auf einander folgenden Spielstunden wie-
derholt werden. /
[14R]
10.) Eine ganz neue Spielweise beginnt
wieder bey dem Hinüber herüber mit
getrennten Händen, wo die Stelle der beyden
Hände zwey Personen vertreten. Das
Leichteste ist hier, sich den Ball mit beyden
Händen zuzuwerfen u mit beyden Händen zu
fangen. Die kleinen Kinder rollen fast den
Ball in ihres Spielgenossen Hände, so daß sich die
Hände der beyden Kinder fast berühren. Es
sieht dieß, so einfach es ist, doch sehr niedlich aus.
– Die Spielerweiterung ist hier sehr man[n]igfach:
es kann sich einmal die Entfernung vergrößern,
dann kann man den Ball mit 2 Händen
zu werfen u mit beyden Händen fangen;
oder mit einer Hand werfen u nur mit
einer Hand fangen; u zwar hier wieder
bald mit gleichen Händen zB. rechts fangen
u werfen; dann mit einer andern Hand
zB. der rechten, den Ball werfen u mit der
andern, hier der linken Hand fangen. Gesungen
wird dabey: – „Hinüber, herüber kann schnell
er springen, u soll ich singen ein Liedchen dazu.“
Oder auch bloß: [„]flieg weg, komm wieder“—
11.) Es können aber auch mehrere wie beym
Wandern das Bällchen im Kreise, allein
entfernter voneinander stehender Kinder
sich den Ball oder auch mehrere zB. ½ so-
viel Bälle als Kinder sind, sich zu werfen,
so daß {der Ball/oder die Bälle}dabey, aber in größern
Bogen wieder im Kreise herum wandeln.
Die Kinder singen dabey, so daß Gesang u Ball-
werfen in Übereinstim[m]ung ist :“Lieben Bälle,
kommt zur Stelle, schlingt im Tanze auch zum
Kranze, Euch gleich Blumen ein zu winden,
sollt bereit ihr alle finden.“ Dieß ist, gut
ausgeführt und mit verschiedenfarbigen Bällen
dargestellt, eines der schönsten Spiele; wenig-
stens das Schönste aller bisherigen. /
[15]
12.) Wie jetzt die Kinder im Kreise
standen, so können sie auch in zwey langen
geraden Linien sich einander gegen über
stehen und sich gegenseitig den Ball zu werfen
und dabey, indem sie sich zuerst gegenseitig
von einander entfernen und dann wieder
sich nähern, singen: –„Hoch im Bogen,
komm geflogen, lieber Ball! Immer
weiter, Immer breiter sey das Mahl [sc.: Mal]!
Näher wieder, auf u nieder, flieg o Ball!“
Nun Da Capo, so daß abwechselndes Nähern
u Entfernen Statt findet.
Dieß Spiel kann auch nur von zweyen ge-
spielt werden, u wird gewöhnlich auch zuerst
nur von zweyen allein gespielt ausgeführt.
Seiner Schönheit auch reiht es sich ganz an das
vorhin genannte an. Auch kann es von ge-
übteren größeren Spielern mit zwey Bällen,
welche sie sich gegenseitig zu gleich zuwerfen,
gespielt werden. – Diese Spiele schließen sich
überhaupt, u das ist eben ihr großer Vorzug,
an die Größe u Gewandtheit der Spielenden
an, werden mit dem Kinde Kind, mit dem
Mädchen zum Mädchen u mit dem Knaben
zum Knaben. u mit dem Erwachsenen
erwachsen sie selbst.
Hier ist nun wieder ein Spielreihe oder
ein Spielganzes beendigt. Der Ball bewegte
sich mehrfach überwiegend in wagrechter
oder auch in Bogenlinie; er kann sich aber
auch überwiegend oder ausschließend in
senkrechter Richtung bewegen. Hier knüpft
sich die Erweiterung an das Frühere „Hinauf
herab“ an. Und zwar so, daß
13, der Ball senkrecht in die Höhe geworfen
wird im senkrechten Herabfallen wieder
gefangen wird; also singend, werfend
und fangend. „Hinauf, herab; hinauf, herab.“ /
[15R]
Weiter, den Ball höher werfend: Hoch
„hinauf kann er steigen, tief herab sich
„auch neigen, kann steigen, sich neigen,
„steigen, neigen.“
14.) Jetzt kann der Ball nach Willkühr
oft in die Höhe geworfen u gefangen werden,
wozu das Liedchen „Bällchen, Bällchen springe
„in die Luft hinein, wenn ich’s Liedchen singe
„freudig, klar u rein.“ Dieß Spiel reiht sich wegen
seiner Schönheit an die beyden früher genannten
an, besonders wenn von vielen Spielenden
die Bälle verschiedenfarbig zugleich u gleich hoch
geworfen werden. Wie Leuchtkugeln u Raketen
spielen sie dann in der Luft.—Hierbey kann
auch gesungen werden: „In der Luft bey seinem
„Fall dreht sich um sich selbst der Ball.“
15. Die Würfe können auch gezählt u zugleich
wie die Töne der Höhe nach gemessen werden,
nämlich so: – „Das Bällchen möcht ich fangen,
„1mal, 2mal, 3mal, 4mal, 5mal, 6mal
(: dieß letzte ein Grundton 1 gesungen:) Dieses
Fangen kann nun wieder auf das verschie-
denste verändert werden: mit beyden Händen
(hier auf 6 verschiedene Weisen:) mit einer
Hand, bald mit der linken, bald mit der rechten;
mit der einen geworfen, mit der anderen gefangen.
Auch wohl mit 2 Bällen zugleich.
15b: Nun können senkrechte u wagrechte
Richtung mit einander verbunden werden zB.
„Hinauf herab; hinüber herüber“. Oder:
„Hinauf herab, hinüber, herüber, hinüber.“ Oder
15c „Steig auf, fall nieder, flieg weg komm wieder,
„flieg weg!“ Da Capo, wo das Aufsteigen wechselt.
Alle di[e]se Spiele können auch mit dem allge-
meinen Ballliede: Ball, wie ich Dich liebe pp
(S.Sbl.) begleitet werden.
Alles dieß waren Spiele im freyen Raume.
Nun giebt es aber auch Ballspiele auf oder an
einer Fläche. /
[16]
6. Brief an Frau M. Schmidt in Gera.
Auf einer Fläche, der Tischfläche zB.
zB. Spring auf vom Tisch ich fange frisch (ruhig)
17. Von einer Fläche, der Tischfläche der Wand
„Springe Bällchen von der Wand,
springe schnell in meine Hand“
18. (S.Sbl.) „Tipp, tapp, tapp, spring von
der Wand hübsch ab; dich zu fangen“ (S.Sbl)
wo diese Liedchen alle ausgeführt sind.)
Dieß letztere Spiel hat das Gute, daß es die
Nachahmung weckt, um Lehrling, Geselle pp
zu werden.
Dieß sind die wesentlichsten Spiele mit
dem freyen Ball u die sich daran anknüpfen-
den Bewegungs-Spiele, nämlich reine Bewegungs-
spiele, welche nur den{Leib/Körper} zum Gegen-
stande haben.
Die wesentlichen der kleinen einfachen
Spiele mit dem Ball können nun auch in
[ein] einziges Spiel zusammengefaßt werden,
wobey dann die Kinder folgendes Liedchen
singen können:
„Mein Bällchen ist gar lieb und gut,
„Was ich nur wünsche, gleich es thut.
„Wenn ich ihm sage: „Bleibe liegen!“
„So läßt es sich gar lieblich wiegen.
„Wenn ich ihm sage:“Magst Dich bewegen!
„Gleich seh ichs wie ein Mäuschen regen.
„Auch rollen möcht ich gern Dich sehn!“
„So rollts wie ein Thautröpfchen schön.
„Wenn ich ihm sage: „Spring hinüber!“
„{So kommt es gleich zu mir herüber
oder /Gleich dem Eichhörnchen springts herüber}
„Wenn ich ihm sage: „fliege doch!“
„{Gleich fliegt es wie ein Schwälbchen hoch
Oder/Gleich fliegt es hoch, so hoch! So hoch!}
„Wies Bällchen ist mein Kindchen gut,
„Was ich nur sage, gleich es thut.—
„Doch bald sucht sichs auch zu verstecken
„Und will mirs kleine Kindchen wecken:
„fort ist, fort,“ „fort, fort; fort, fort.“
„Wer sagt mir den verborgnen Ort?“—
Doch jetzt ists ja, zur Freude da. /
[16R]
Eine ganz neue Reihe von Spielen entwickelt
sich von dem Balle an der Schnur aus.
21.) Der Ball an der Schnur wird dem Kinde ge-
reicht, er entschlüpft des Kindchens Hand u der
Spielführer singt:
Das Bällchen deiner Hand entschlüpft
Und froh hinaus ins Freye hüpft. —
Oder
Das Bällchen leicht beweget sich
Hin, her; hin, her
Bey dem letztern Spiel kann man die Kinder
entweder in gerader Reihe oder in ein Geviert,
oder am schönsten in einen Kreis treten lassen,
und jedem Kinde einen Ball mit der Schnur
geben und – entweder das vorige Liedchen
singen lassen oder auch
„Sehet nur, man denkt es kaum
Das Bällchen läutet (:bim bim baum
bim bim baum, bim bim baum. D.C.
Die Kinder spielen dieß Spiel sehr gern, besonders
wenn die Bewegungen recht gleichmäßig und die
Töne rein sind. Auch haben wir dazu noch ein
schönes Liedchen:– Hin her; hin her: wie das
Zweiglein in dem Winde;
wohl gefällts dem li[e]ben Kinde;
hin her, hin her, hin her. D.C
Fast bey all’ den genannten Spielen kann
immer abwechselnd ein Kind in den Kreis treten
und das Spiel allein, oder nach Umständen zu
zweyt ausführen; was neuen Reiz in das
Spiel bringt.
An dieses Spiel knüpfen sich nun eine Menge
in sich gleichartiger, aber doch unter sich verschie-
dener Körperbewegungsspiele.
22. Eins der spielenden Kinder tritt in den Spielkreis
u läßt das Bällchen mit dem 2ten Liedchen schwingen.
Nach dessen Beendigung singen die Kinder oder
vielmehr jedes derselben im Kreise:–
Auch ich gar leicht bewege mich:
hin her; hin her, hin her. /
[17]
indem dabey jedes Kind sich auf eine gewisse
Weise schwebend von dem linken Fuß abwechselnd
auf den rechten bewegt und so der Oberleib eine
pendelartige Schwingung erhält.
Wie vorher der ganze Körper so bewegt sich
nun der rechte Arm hin her, oder vor zurück,
dann der linke Arm; weiter beyde Arme
gleich laufend nach vorn oder hinten, dabey singend:
der rechte (linke, beyde) Arm beweget sich
hin, her p:
nun beyde Arm abwechselnd nach vorn u hinten, singend.
die beyden Arme bewegen sich
(:hin u her u her u hin:) D.C.
Eben so der rechte Fuß, oder vielmehr das rechte
Bein; das linke Bein. Beyde Beine zu gleich geht
natürlich nicht.– Jede Übung wird jedoch immer
von einem Kinde in der Mitte durch den schwin-
genden Ball gleichsam vorgemacht.
23. Wie der Ball jetzt an der Schnur schwang,
so kann er auch an der Schnur gesenkt u ge-
hoben werden; dabey wird gesungen:
Das Bällchen kann ich heben
und kann es wieder senken
auf ab, auf ab[.]
Dieß nun übergetragen auf den ganzen Körper
Auch ich ich kann mich heben
und kann mich wieder senken
heben senken, auf ab.
Ebenso mit einem Arme, erst rechts, dann
links, dann mit beyden Armen. Liedchen:
Die beyden Arme beweg’ ich zugleich
auf ab, auf ab.
Oder: Die beyden Arme beweg’ ich abwechselnd
auf u ab, ab u auf. D. Cap.
24. Das Sinken u Heben auf beyden geschlossnen
Füßen giebt dann A, das
„Senkt Euch nieder; (bis ganz hinab)
Stehet auf!
Senkt Euch, hebt Euch!
(Alle Spielenden stehen im Kreise, der Oberleib
muß senkrecht gehalten werden.) Ist für
Mädchen besonders körperbildend u gesund.
25, Zweytens B, Das Hüpfen auf geschlossenen
Füßen , der Spielführer singt:
Reichet euch alle die Hände! /
[17R]
Füße geschlossen!
Füße auswärts!
Geschlossen, Auswärts
Geschlossen!
Spielführer sprechend oder singend:
Zehenstand!
Die Kinder versuchen mit geschlossenen Füßen
im Kreise stehend, sich gegenseitig die Hand reichend
auf den Zehen zu stehen. Spielführer [Schlängellinie]
<-> Nun wollen wir so einmal hüpfen.
Spielführer: Wir hüpfen aus dem Zehenstand
(in die Hand klatschend) einmal!
Dieß muß gewöhnlich 4-8mal geübt werden
ehe das Hüpfen ein klares, gemeinsames wird. –
Nun zweymal:
„Wir hüpfen aus dem Zehenstand (klatschend) ein-
(klatschend) zweymal.“
(Wie geklatscht wird, wird auch zugleich gehüpft,
so daß Klatschen, Hüpfen und Zählen ein Einiges ist.)
Wir üben gewöhnlich das Hüpfen bis 5mal,
weil dieß für uns eine Normalzahl ist.
Warum? Davon vielleicht später einmal.
Hiermit ist nun wieder ein gewisses Spiel-
ganzes geschlossen. Diese Bewegungen waren
nämlich immer in gleicher Stellung, auf einen
und demselben Platze.–
26.) Das sich gleich einem Pendel schwingende
Bällchen kann sich aber auch wie ein Rad
um sich selbst drehen. Der in der Mitte stehende
Spielführer macht es vor u singt:
Das Bällchen leicht beweget sich
hin her, hin her:
/:und schwingt sich dann herum:/
„Wer von Euch will uns dieß zeigen?—“
Gewöhnlich tritt ein Kind gern hervor. Dies
Kind singt u thut wie vorhin der Spielführer:
Das Bällchen leicht bewegt sich p.
Die Kinder im Kreise singen und stellen dar:
Auch wir gar leicht bewegen uns
Und hin her, hin her,/
/:Und gehen dann rund um:/ /
[18]
7. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
Anstatt des Gehens rund um von allen,
kann auch auf der Stelle jedes Kind sich
um sich selbst drehen, dabey singend:
Auch wir ganz leicht bewegen uns
/:Und drehen uns dann rund um:/
27. Man kann nun auch wieder jeden der
Arme, dann beyde zu gleich wie oben rund
um schwingen lassen; eben so auch jeden
der Füße:
Mein Arm auch leicht beweget sich (links rechts)
/:Und schwingt sich dann rund um:/
28. Hieraus entwickelt sich leicht ein anderes
Spiel: der Spielführer spricht u zeigt: -
Wie der Ball auch steigt u neigt
Er doch stets zur Mitte.zeigt
[Rand] Ein anderes Spiel ist das <Sch?>
des Balles vom <Finger auf ?>
Innre näher
Innre ferner.
29. Die spielenden Kinder im Kreise ahmen
dieß nach, indem [sie] zuerst den rechten, dann
(bey entgegengesetztem Drehen) den linken Arm
erheben u mit diesem nach der Mitte zeigen,
dabey singend:
Alle die wir kreisen
Nach der Mitte weisen.“
[Rand] <Winden, winden> auf die <Welle>
dazu singen klar und helle
O, es erfreut das Kind
Alle beysammen sind (Lied v. Lthl)
Nun auflösen von der <Welle>
Wiederkehren zu der Stelle
O es erfreut das Kind
Alle im Kreise sind[.]
30. Wenn die Kinder so nach der rechten u
linken Seite gedreht haben, so lassen sie die
Hände sinken, fassen sich wieder an, schauen
nun alle, möglichst genau nach der Mitte
u singen, indem sie sich bald rechts, bald links
herum drehen:—
Wie wir uns auch kreisend drehen
Stets wir doch die Mitte sehen.
Oder: Ist der Kreis schön rund
Thut er klar die Mitte kund.
31. Nun wird ein einzelnes u nach und nach jedes
Kind aufgefordert die Mitte zu zeigen, mit
den Worten:
Liebe(r) ich bitte
Zeig uns die Mitte!
Das Kind tritt bestimmt u scharf in die Mitte.
Alle singen ihm dann zu:
Du hat erfüllet unser Wort,
Tritt nun zurück an Deinen Ort.
[18R]
Die Kinder haben es sehr gern, wenn keines
von diesem Stehen in der Mitte ausgeschlossen
wird.
32. Das Drehen im Kreise kann auch mit dem
Hüpfen verbunden werden, wo es dann heißt:
Laßt uns hüpfen auf den Zehen
Rechts (Links) herum im Kreis uns drehen.
33.) Dieß kann nun wieder zu einem größeren
Spiele ausgebildet werden. Alle Kinder treten
in einen großen Kreis [Zeichnung] Der Spielführer
tritt an das eine Ende dieses Kreises gerad
einer Wand gegenüber [Zeichnung] Er fasst
mit seiner rechten u linken Hand die ihm zu-
nächst stehenden gleichgroßen Kinder an u
spricht:“Zehenstand!“ – dann singend:
Wir hüpfen aus dem Zehenstand
Von dieser hier bis zu jener Wand.
Er stellt nun di[e] beyden Kinder an den ent-
gegengesetzten Seiten bey; u 2 in den Kreis u
kehrt nun ruhig gehend an seine vorige Stelle
zurück; alle im Kreise singen dazu:
Und rückwärts kehrt er seinen Blick
Und geht an seinen Platz zurück.
Nun erfaßt er ein anderes Paar wieder
gleich große Kinder u führt das Vorige wie
vorhin aus. Bey seiner Rückehr singt der Kreis
wieder wie vorhin So geht das Spiel fort bis
alle paarweise diese hüpfende Wanderung ge-
macht haben.
34 Ein anderes Spiel, was sich daraus ent-
wickelt, ist das:“Kindchen drehe dich“—
Die im Kreise stehenden Kinder singen:
Wir alle Hand an Hand nun stehen
Und wollen uns im Kreise drehen;
Möchten aber die Mitte sehen:
Wer sie uns wird zeigen,
Dem woll’n wir uns neigen.
Ein Kind (deren sich gewöhnlich, wenigstens später,
mehrere melden) tritt in die Mitte – der Kreis
singt u stellt es zugleich dar: /
[19]
Wir neigen uns,
Wir neigen uns,
Wir neigen uns.
Laß nun auch Dein Liedchen klingen
Wollen kreisend mit Dir singen[.]
Das Kind in der Mitte klatscht in die Hände u singt:
Rund um, rund um,
Im Kreis herum, Im Kreis herum,
Immer rund um, ja immer rund um.
Jetzt klatscht das Kind in der Mitte wieder u
singt wie vorhin; der Kreis dreht sich aber
links herum. Nun klatscht das Kind abermals[,]
dann singt der Kreis:
Jetzt wir alle stille stehn,
Wollen Dich nun tanzend sehn;
Wollen Dir auch ein Liedchen singen
Soll zu Deinem Tanze klingen.
Jetzt klatscht der Kreis und – wozu das Kind
in der Mitte sich möglichst auf einer Stelle ent-
weder mit frey leicht herabhängenden oder in
die Seite gesetzten Armen (: das erstere ist fast
schöner:) um sich selbst dreht, – singt:
Kindchen drehe Dich
Im Kreis herum,
Rechts herum (Links herum)
Immer rund um
Ja immer rund um.
Jetzt klatscht der Kreis, und das Kind bewegt
sich zu dem wiederholten Gesang, links herum.
Nun klatscht der ganze Kreis wieder u singt:
Kindchen hat sich müd gedreht,
Nun zurück zur Stell’ es geht.
Mit des ganzen Kreises gesungenen Worten:
Wer will nun die Mitte zeigen,
Dem woll`n wir uns dankbar neigen,
beginnt das Spiel von Neuem.
Dieß sind nun - mit Ausschluß der Spiele
für die ganz kleinen und kaum ein- bis
zweyjährigen Kinder, welche der Text zur
ersten Spielgabe enthält, – beynahe alle
die Spiele, so weit solche sich bis jetzt in einer
ganz natürlichen, sich ganz von selbst ergebenden
Ordnung u Reihe[n]folge aus dem einfachen Be- /
[19R]
trachten des ruhenden Balles sich entwickelt
haben u von uns in Ausübung gebracht
worden sind. — Einige Einzelspiele mit
dem Balle an der Schnur; welche sich an die
allerersten Kindchenspiele anschließen, habe
ich ausgeführt. Ihr kleiner Hermann, von
welchem Sie schreiben, daß er gern mit dem
Ball spiele, kann sich daran erfreuen.
Hopp! übern Stein
Springt mein Hündchen fein
*
Hopp! über die Hecke
Springt (Sitzt) mein Pferdchen, die Schäcke.
*
Hopp! über’n Zaun
Springt (Sitzt) mein Pferdchen braun
*
Hopp! übern Graben
Kann mein Rappe traben.
*
Hopp! über’n Graben ’nüber
Kann mein Pferdchen setzen über;
Doch eh es seinen Sprung gewagt,
Hat`s sich die Sache wohl bedacht.
*
Über Stein und Steinchen
Springt mein Pferdchen (Händchen, Klötzchen) schön;
Doch hebt`s auf sein Beinchen
Wer will, der kanns sehn.
*
Mein Schäfchen führ ich an der Hand,
Ich führe es am langen Band:
Ich führ’ es auf die Weide,
Wie ihm, so mir zur Freude.
*
Mein Hündchen führ ich an der Schnur,
Gern folgt es meines Ganges Spur:
Ich führe es ins freye Feld
Was ihm so wohl wie mir gefällt
*
[Randbemerkung]
Mein Füllen führ ich an dem Seil,
Sonst springt’s davon in großer Eil,
Doch ist es dabey wohlgemuth,
Es fühlt die Leitung ist ihm gut. /
[20]
8. Brief an Frau M. Schmidt in Gera.
Das Kätzchen klettert auf den Baum,
Da schaut sichs um im weiten Raum
Es sagt: ja, ja! Das ist wohl fein
Doch muß man auch bedachtsam seyn;
Sonst fällt man von der steilen Höh
Herab zu Boden, das thut weh.
(Das Bällchen an der Schnur wird hier drehend
um den linken Vorderarm bis in die Mitte der
ein Nest bildenden linken Hand geführt; dort
ruht er einige Zeit: bey den letzteren [Versen] läßt man
es zwischen dem Daumen u dem Kleinfinger
herab zur Tiefe gleiten.)
*
Wenn meine liebe Mutter
den Täubchen /:Hühnchen:/ streut das Futter,
dann kommen sie in schnellem Lauf
Und sammeln alle Körnchen auf:
Pick, pick, pick;
Pick, pick, pick.
Hab Dank, hab Dank! nun flieg ich heim,
Und bring zu essen den Kindern klein.
Die schlafen daheim
Ganz ruhig u fein.
*
Nun folgen die Kugel- und Würfelspiele.
Doch erlauben Sie mir vorher ein wesent-
liches Wort. – Die Spiele sind zwar in sich–
(:aus Gründen, die zwar früher anderswo
schon angedeutet wurden, die aber hier
weiter auszuführen weder Zeit, noch Raum
noch Zweck ist) – ein geschlossenes, von einer
einfachen, von der einfachsten u nothwendig-
sten Einheit ausgehend, nach einem einfachen
dem einfachsten u nothwendigsten Gesetze
sich entwickelndes Ganzes; allein deßhalb
ist es dennoch nicht nöthig, diese Spiele streng
nach der angegebenen Reihe[n]folge durchzuführen.
Dieß würde das fröhliche, frische Leben des Spieles,
die dadurch bezweckte freye Entfaltung des
Kindes, welches beydes ja das Wesen und die /
[20R]
Hauptsache des Spieles u beym Spielen
ist – ganz vernichten.
Daß die Spiele in jeder Beziehung von
dem möglichst Einfachsten u Festen in der
Erscheinung (:von dem Balle, wie die Pflanze
aus dem Kern, das Thier aus dem Ey :) ausgehen;
daß sie sich nach dem ganz allgemeinen und
unerläßlichen Gesetz der sich steigernden Ent-
wickelung der Mannigfaltigkeit aus der größern
Einfachheit fortbilden, dieses Gesetz u dieser
Entwickelungsgang muß im Allgemeinen
bestimmt festgehalten werden; allein inner-
halb dieser Grenze ist freye Wahl und Be-
weglichkeit der Thätigkeit unbeschränkt offen.
Sonst würde das Spiel aufhören, Spiel zu
seyn und seine volle Entwicklungs- und
Bildungskraft verlieren. Sie selbst, verehrte
Muhme und jeder Spielführer, würde sich da-
durch gehemmt, ja ich möchte sagen getödtet,
mindestens hölzern fühlen. Der Gedanke muß
im Ganzen festgehalten werden, aber die ganz
besondere Form und Art der Ausführung muß
ein Erzeugniß des Augenblickes seyn. Je freyer
und ungesuchter dieß in Eins zusammenfällt,
desto schöner ist der Ausdruck des Spieles und
Spielens. So kann man überhaupt wohl, viel-
leicht auf 12 verschiedene Weisen einen Kreis
beschreiben oder vielmehr ein Kreisrund machen
und ausführen; welche von diesen Weisen man
nun aber wirklich wählen will, hängt von
dem angegebenen Stoffe, an welchen, von den
Umständen, unter welchen man ihn ausführen
soll, und hier wieder in einer beschränkteren
Sphäre, von der freyen Wahl u Selbstbestimmung ab.
In dieser ewigen und ganz unzertrennlichen
Verknüpfung von Begrenzung u Unbegrenztheit
von Beschränkung u Unbeschränktheit, jedes
Wohl in bestimmten Sphären, (wie vorhin beym
Kreise angedeutet,) darin ist besonders die /
[21]
freye Entfaltung des Menschen, der Freyheit
des Menschen und dennoch nach Gottes Willen,
wie nach eigenem inneren (:göttlichen)
Gesetz (:Gewissen:) <schön> in Einklang mit dem
großen Lebensganzen möglich.—
Sehen Sie, so innig eingehende Muhme,
darin hat es seinen Grund, daß die von mir
aufgestellten Spiele, Spiel- und Beschäftigungs[-]
weisen theoretischen wie praktischen Werth haben,
Werth für das innere u innerste persönliche
wie für das äußere, gesellige Leben, daß sie wegen
des Wesens u der Keimen, die sie in sich tragen, min-
destens wecken, wissenschaftliche wie ästhetische
Bedeutung haben, daß sie so wichtig sind inhaltlicher
(moralischer) wie in Hinsicht auf das Erkennen,
(in intellectueller Beziehung), daß sie gleich wichtig
sind für Kopf u Herz, wie für das Leben, die That;
daß sie gleich wichtig sind für Entwicklung zur
Tugend wie für Entwickelung zur Religion,
und hier ganz namentlich des rein christlichen Prin-
cips. Sehen Sie hochgeschätzte Muhme, in dieser
begründenden Allumfassendheit dieser Spiele,
Spiel- und Beschäftigungsweise hat der allgemeine
Anklang seinen Grund bey jedem, der sie selbst
spielt oder spielen sieht und so ihre Wirkung an
sich, wenn auch nur durchs Schauen (wie bey
jeder Kunstdarstellung, bey jedem Kunstwerk) em-
pfindet. Darum wird mit der Zeit u bey wahr-
haft eingehender Pflege Einzelner (:wie dieß sich
so selten in Gera anzubahnen scheint:) ein Drey-
faches
Statt finden: Erstlich werden diese Spiele,
(wird diese) und Spielweise immermehr allgemeinen
Anklang u Anwendung finden. Zweytens werden
diese Spiele immermehr aus dem ganz beschränkten
Kinderkreise hervortreten in die Familien als
ein Ganzes, ja sie werden ein Eigenthum des
Volkes u des Menschengeschlechtes werden, wie
dieß früher bey den griechischen rc Spielen der
Fall war. Drittens werden sie sich von da aus /
[21R]
zu ihrer Zeit immer mehr in ästhetischer (ächter
Kunst) Beziehung und von diesem Punkte aus
wieder in allgemein menschheitlichen Beziehungen
ausbilden.—
Ich habe mir erlaubt, Ihnen dieß auszusprechen,
damit die Ihnen helfend zur Seite stehenden Männer
sehen, damit Sie Ihnen [sc.: ihnen] klar zeigen, wenigstens mit
tief gefühlter Überzeugung aussprechen können,
daß es sich keinesweges etwa bloß um kindisches
oder auch nur einseitiges Spiel, sondern um Dar-
stellung wahrer Mannesgedanken und Mensch-
heits-Ideen handelt, die wohl der helfenden Hand,
wie der sinnigen u gewandten Frauen und
Mütter, so der denkenden u thatkräftigen Männer
und Väter würdig sind; welche ebenso wohl
klärend in die Vergangenheit greifen als förder-
lich u wohlthätig in der Gegenwart sind, wie
seegensreich für die Zukunft wirken. — Wie
dieß möglich? – Dadurch, daß sie auszuführen
suchen, was der Mensch soll: – das im Kleinen,
Einzelnen und Unvollkommnen aber mit Er-
strebung des Vollkommenen zu thun, was
Gott im Großen, im Ganzen u auf das Voll-
kommenste, in Vollkommenheit thut. – Den
Entwicklungs-, Bildungs- u Erziehungsgang
Gottes in Beziehung auf das Menschengeschlecht
muß der Mensch zu erkennen und diesen Gang
in der eigenen Erziehung, wie in der Erziehung
seiner Kinder, seiner Familie u seines Volkes
darzustellen streben. Sehen Sie hier meinen
Erzieher, meinen Lehrmeister, meinen Bildner,
der eben darum mit dem Buche der höchsten und
heiligsten Lebensoffenbarungen, welches er
nicht bloß in der Hand hält u im Herzen trägt,
sondern im Thun darlebt, – nie in Wider-
spruch ist.— /
[22]
9). Brief an Frau M. Schmidt in Gera.
Dieser Erziehungsgang und Plan Gottes
aber zeigt uns: Wie er alles aus in sich
einigem Lebensgrunde, nach ewig in sich klaren
sich nicht nur nicht widersprechenden, sondern
sich gegenseitig lebenvoll fördernden Gesetzen
schafft, nach welchen beyden Bestimmungen
nun der Mensch frey aus sich emporsteigen,
sich erziehen u bilden soll; darum erscheint
so vieles Entgegengesetzte und Gleichzeitige ungeordnet
vor – ja, in ihm, damit er davon durch die
mit seinem Wesen einigen höchsten Leiter
die Lebenseinheit und die Lebensgesetze
finde. - So meyne ich nun, oder vielmehr
erkenne ich auch in den von mir aufge-
fundenen Spielen: — Es schadet ganz und
gar nicht für die Entwicklung des Kindes,
wenn auch einmal etwas Späteres früher
und etwas Verschiedenzeitiges gleichzeitig
kommt, wenn nur das Kind durch das Ganze
Erstlich zu der Ahnung kommt: es liegt
aller Mannigfaltigkeit eine Einheit, aller
scheinbaren Willkühr und Zufälligkeit ein
still und verborgen waltendes Gesetz zum
Grunde. Zweytens, daß das Kind durch das
Spiel im allgemeinen so geleitet werde,
daß es später, wenn es dazu in sich kräftig genug
ist und will, diese Einheit und diese Gesetze
in dem Spielgang frey aus sich finden kann.
Drittens, daß es endlich diese Einheit u Gesetzmä-
ßigkeit der Entwickelung in Übereinstim-
mung mit seiner eigenen in sich tragenden Lebens-
einheit u deren Entwickelung finde. Viertens,
endlich, daß ihm dieser doppelte Fund Mittel u
Wege zeige die Einheit u die Gesetzmäßigkeit
aller Lebenserscheinungen mindestens an-
nähernd zu finden. — /
[22R]
Nach dieser Abschweifung, welche
größer wurde als ich anfangs vermuthete,
nun zur Darstellung der Spiele zurück.—
Auf den Ball folgt bekanntlich nach den
vielfach angegebenen Gründen die Kugel
und der Würfel. In Beziehung auf beyde
nur einige Angaben, da der Text zur 2ten
Spielgabe ausführlich ist. — Die Einführung
eines neuen Spielzeuges, d.h. besonders
auch die Art derselben, hängt, wie ausge-
sprochen, von Umständen ab. Doch ist es
immer gut, sich auf eine bestimmte
Art in sich vorzubereiten, damit man
nicht im Bloßen stehe. Überhaupt ist es zu
empfehlen, vor Anfang einer Spielstunde
sich solche durchzudenken, in Beziehung auf
das, was man wohl ausführen könnte.
Nicht als ob dann auch alles so kommen
müßte, nur daß man in sich sicher ist.
Die Sicherheit wirkt gar zu wohlthätig
auf das Kind. Auch giebt das Kind, wenn
es nur spielen kann, sich im Allgemeinen
gern vertrauend den Bestimmungen der
Erwachsenen (seinen Spielführer[n]) hin.
So kann also der Sp[iel]f.[ührer] zB., indem er die
Kugel aus dem Kästchen holt, den Kindern zusingen:
1. Die Kugel kommt hervorgegangen,
Sie trägt zu Euch gar groß Verlangen.
Hat der Spielf. noch einen Gehülfen, so kann
dieser mit den Kindern gemeinsam ant-
worten: —
Die Kugel rc rc
Sie trägt zu uns gar gr. Verlangen.-
Der Splf. weiter: –
Gebt nur auch acht,
Was sie wohl macht.“ /
[23]
Kinder singen mit dem Gehilfen entgegen:
Wir geben Acht
Was sie wohl macht.
2. Spielführer singt gleichsam aus dem Munde der
Kugel:      /:Ich drehe mich:/
Die Kinder antworten:
/:Sie drehet sich:/
Spf.        /:Ich drehe mich herum!:/
Chor       /:Sie drehet sich herum:/
Spielf:     :/: Ich dreh mich um mich selbst herum,
selbst herum:/:
Chor        Sie dreht sich pp
3. Spielf.  Ich dreh mich um mich selbst herum,
immer um mich selbst herum,
/:bald rechts herum, bald links herum:/
(Die Kugel wird dem Worte gemäß mit d[en] Fingern gedreht.)
Oder auch: „Ich dreh mich u. s. w. (wie vorhin)
dann weiter:      Bald zur Rechten,
         Bald zur Linken,
         Wie mich Deine Finger lenken.“
4. Man kann nun auch die Kugel leicht mit den
Fingerspitzen umfaßt im Doppelkreise
[Zeichnung] vor sich auf dem Tische drehen u dabey
singen: „Rund um, rund um! Das ist meine
Freude; rund um, rund um, so dreh ich mich
u freue mich, freue Dich auch wie ich!“
Wenn man Untertassen hat oder anwenden
will, kann man dieses Drehen auch so ausführen
wie es im erklärenden Texte angegeben ist.
5. Der Spielf. läßt die Kugel bald ruhen, bald
rollt er sie ein wenig; dabey spricht oder singt er:
Ob die Kugel ruht oder geht,
Stets sie auf ihrem Fußpunkte steht[.]
Die Kinder thun, singen oder sprechen im Chor nach.
Der Spielf. zeigt genau, was der Fußpunkt ist,
auch wohl, warum er so heißt. /
[23R]
 6. Der Spielf. singt:
Die Kugel sich leicht um sich selber dreht
Indem sie auf ihrem Fußpunkte steht.
Oder: Gar leicht ich um mich selbst mich dreh
Ich Kugel leicht rc rc
Wenn ich auf meinem Fußpunkt steh.“
Indem die Kinder die Worte im Chore singen
oder sprechen, führen sie auch die Sache gemein-
sam aus.
7.) Der Spielführer kann ferner, indem die
Kugel sich dreht, zeigen u singen oder sprechen:
Was ihr an der Kugel Grades seht,
Wenn sie auf ihrem Fußpunkt sich dreht,
Das wird, Euch wird es nun bekannt,
Die Achse in der Kugel genannt.
Oder die Kinder Seht Ihr mich auf dem Fußpunkt drehn
So könnt Ihr meine Achse sehn.
Die Kinder dagegen können, indem sie die
Kugel drehen, singen:
Kugel drehe Dich,
Deine Achse sehe ich.
8. Spielführer:
Wenn auf dem Fußpunkt die Kugel sich dreht,
Ihre Achse dann senkrecht steht.
Oder: Wenn ich mich auf dem Fußpunkt drehe,
Mit meiner Achse ich senkrecht stehe.
9. Spielf. Auf! Schaut nur die runde Kugel an,
Wie sie auch Grades zeigen kann.
(: Wenn auch die Kinder dieß weder laut
noch weniger klar nachsprechen oder nachsingen
können, so ist es doch gut, wenn sie es klar
ausgesprochen oder gesungen von dem Spielführer
hören; wenigstens bemerken die Kinder da-
durch so viel, daß man die Erscheinung auch
klar und bestimmt durchs Wort bezeichnen kann,
und dieß ist schon genug.
Dieß in Bezug auf die stehende u drehende Bewegung
der Kugel, nun in Beziehung auf die liegende u rollende. /
[24]
10. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
10.) Der Spielführer rollt die Kugel zwischen
seinen beyden Händen gerade hin u her, u singt:
„Hinüber, herüber; hinüber, herüber;
Schaut nur die gerade Bahn
Die die Kugel machen kann.
11. Anstatt nun, daß die Kugel zwischen
den beyden Händen eines Spielenden hin u her
gerollt wird, können sich sie auch zwey sich gerad
gegen übersitzende Kinder einander in gerader
Richtung gegen- oder wechselseitig zu rollen und
dabey das vorige singen:
Hinüber, herüber; hinüber herüber
Schaut nur
12. Der Spielführer bemerkt, macht bemerkbar
u singt:
Die Kugel sich um sich selber dreht,
Wenn sie von Einem(r) z. Andern geht.
13. Der Spielführer:
Von Einem(r) z. Andern die Kugel laßt gehen
Dann wagrecht wir immer die Achse so sehen.
Oder: Von einem Kind zum andern
(Oder bloß) Von einer Hand zur andern)
Laßt nun auch mich wandern;
Meine Achse sollt ihr sehn,
Wagrecht mit dem Tische gehn.
Es kann bey dieser Anschauung wiederholt werden,
was schon eben gesungen wurde: –
Auf! Schaut nur die runde Kugel an
Wie sie auch Grades zeigen kann.
Auch kann man von der Kugel aus singen oder sprechen:
Hinüber, herüber, mit leichtem Sinn
So roll ich auf ebener Fläche dahin, (wo nun
die unterliegende Fläche ins Auge gefaßt wird.)
14.) Wie jetzt die Kugel dem gegenübersitzen-
de[n] Kinde zugerollt wurde, kann sie auch dem
Nachbar zur Rechten (oder zur Linken) und so
immer weiter zu gerollt werden, so daß die
Kugel rund auf dem Tische herum zu jedem der
daran sitzenden Kinder läuft. Die Spielgesell-
schaft singt dazu- /
[24R]
Es rollt auf dem Tische die Kugel rundum
Immer rund um, immer rundum
Oder: Die Kugel läuft auf dem Tisch herum
immer rundum, immer rundum,
Hier ist wieder ein Punkt, wo sich freye
Bewegungen der Kinder ohne Spielgegen-
stand anschließen. Der Spielführer nämlich
15. tritt an die eine Breitenseite des Tisches
und sammelt jede der Kugeln, wie sie an
ihn kommt, in ein Körbchen oder steckt
sie in die Tasche. Hat er alle Kugeln ge-
sammelt, so läßt er alle Kinder um den
Tisch herum treten, sich die Hände anfas-
sen und rechts (oder links) herum gehen, in-
dem sie zugleich alle singen:
Auch wir gehn um den Tisch herum,
Immer rund um, immer rund um.
16. Dieses Spiel läßt sich auch noch dadurch
gleichsam verschönen, wenn man die spie-
lenden Kinder in 2 gleiche Theile theilt;
die eine Hälfte sitzt oder steht um den Tisch
herum u rollt die Kugel, wie oben angegeben
wurde, die andere Hälfte geht singend um
den Tisch, d.h. um die daran sitzende Kinder-
schaar herum:
Auch wir gehen um den Tisch pp.
Wenn sich so diese Hälfte rechts u links um
den Tisch gedreht hat, so setzt sie sich an den Tisch,
rollt die Kugel u die andern drehn sich um
den Tisch. Das vorige Liedchen kann auch
von den sich um den Tisch drehenden Kindern
noch erweitert werden in den Worten:
Und singen, daß es laut erklingt,
Weil uns das Drehen Freude bringt.
17. Es läßt sich aber auch das Rollen und Drehen
zugleich verbinden
Auch kann, wenn mit
dem Wandern dieß Spiel schließt, statt jener
Worte gesungen werden:
Und sagen nun zum Schluß
Euch Kugeln unsern Abschiedsgruß. /
[25]
17. Es läßt sich aber auch das Rollen und Drehen zugleich
verbinden [Zeichnung] a b sey der Tisch
um diesen stehen die Kinder 1,2,3,4,5,6,1,2,3,4,5,6.
In der Mitte der beyden Seiten a b treten immer
von der linken Seite winkend, erst 1 u 1, dann 2 u 2
u.s.w. Die andern Kinder rücken immer nach.
Die Kinder in a u b rollen sich die Kugel gegen-
seitig zweymal zu u singen dabey:
      Sieh, die Kugel hat Dich gerne
      Kommt zu Dir aus weiter Ferne.
Während dem die beyden Kinder in a u b rollen, geben
die Kinder an den beyden Längsseiten Acht, daß die
Kugel nicht herabfällt. Dieß Spiel schön gespielt
macht den Kindern große Freude, nur darf der
Tisch für die kleinern Kinder nicht zu hoch seyn, oder
man muß den kleinsten, damit das Rollen Spiel nicht
gehemmt werde, das {Setzen/Steigen} auf den Stuhl erleichtern.
18. Das Rollen der Kugeln sowohl queer als auch
längs des Tisches kann auch mit zwey Kugeln zu-
gleich gespielt werden u zwar wieder auf
doppelte Weise, entweder so, daß jedes der Kinder
eine Kugel und sie solche gegenseitig zugleich zurollen.
Dann singen sie:
Die eine geht hinüber, die andre rollt herüber
So giebt es des Wechsels viel
Hier in unserm Kugelspiel.
19. Oder das eine der Kinder kann zwey Kugeln
zugleich, in jeder Hand eine, dem ihm gegenüber-
sitzenden zurollen; dazu werden die Worte ge-
sungen:
Zwey Kugeln kommen in gleichem Lauf
Mit beyden Händen fang‘ ich sie auf.
Das sie empfangende Kind singt dagegen:
fang ich sie auf.
20. Auch hieran knüpft sich nun gleich wieder
ein reines Bewegungs- und Laufspiel.
Die Kinder treten sämmtlich in dem Spiel-
zimmer in einen möglichst großen Kreis u
zwar so, daß immer Kinder von gleicher Größe
mindestens gleicher Kraft einander gegenüber
stehen. An die eine Seite in die Mitte zB.
bey A stellt sich der Spielführer, in B dessen /
[25R]
Gehülfe oder was gleich ist [Zeichnung]
das größte der Kinder. Der
Spielführer spricht oder singt:
„Zwey Kinder kommen in gleichem Lauf
„Mit beyden Händen fang ich sie auf.“
Wie nun das Wort Lauf gesagt
wird, klatscht der Spielgehülfe in B in die Hand,
und die beyden ihm zunächst stehenden Kinder
1 u 1, welche nun vor ihn getreten sind, laufen
nach A, wo der Spielführer sie in seine beyden
Arme empfängt. Die Kinder rücken nach,
so daß nun 2 u 2 an die Stelle von 1 u 1
treten, wo dagegen 1 u 1 an der andern
Seite in A an die Stelle von 12 u 12.
Auch dieß Spiel macht den Kindern wieder
große Freude. NB. die Begriffe gleichlauf[en]d
gleichlaufende Linien werden dadurch anschau-
lich rc rc.
20 b Wie zwey Kugeln gleichlaufend rollen
oder gehen können, so können sie auch gegen
einander gerollt werden [Zeichnung] so daß
jede der andern Lauf aufhebt; es läßt sich
dabey singen:
Zwey Kugeln sind gegeneinander gerichtet,
Die eine der anderen Lauf vernichtet. —
21. Wie im Bisherigen das Wagrechte auf-
genommen wurde, so muß nun auch das
Senkrechte festgehalten werden. Wie also
bis jetzt die Kugel wagrecht auf dem Tische
gerollt wurde, so wird sie nun von dem Spiel-
führer zuerst, dann von den Kindern senkrecht
in die Höhe geworfen u so wieder gefangen.
(: Dieß setzt aber schon eine ganz bestimmte
Sicherheit im Fangen voraus, einmal weil
das öftere Hinfallen großen Lärmen und
das häufige Aufheben große Unordnung
verursachen würde. Der Spielführer singt: /
[26]
11. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
Senkrecht hinauf! (und indem sie wieder
herabfällt und er sie fängt:)
Senkrecht herab!
Schauet nur mich Kugel an,
Wie ich auch Grades zeigen kann.
Anstatt: Wie ich auch Grades zeigen kann
singen die Kinder: Wie sie auch Grades zeigen kann.
22. Endlich wird beydes, das Wagrechte u Senk-
rechte in einer u derselben Spielübung mit-
einander verbunden. NB Bey senkrecht wird
der Ball geworfen u gefangen, bey wagrecht
dagegen gerollt u ergriffen.
Spielf: Senkrecht, wagrecht; senkrecht, wagrecht.
Senkrecht u wagrecht durch Rund verbunden
Läßt sich durch mich Kugel erkunden.
Die Kinder: Senkrecht wagrecht rc rc p
Läßt sich durch Dich die Kugel erkunden.
23. Oder: Senkrecht auf u ab
Wagrecht hin im Trab;
Rund die Kugel ist
Und doch grade mißt.
Der Spielführer kann auch singen:
Rund ich Kugel bin,
Kann doch grade ziehn!
24. Bey dem Rollen auf der Tischfläche kann
auch noch folgende Veränderung eingeflochten
werden. Nämlich anstatt die Kugel dem gerad
gegenübersitzenden zuzurollen, kann sie auch
dem schief gegenübersitzenden zugerollt werden:
also von 1 zu 2, von 2 zu 3 rc, [Zeichnung]
allgemein wird dabey ge-
sungen:
Zick, Zack; Zick, Zack
Ist der Kugel Spur;
Tick, Tack; Tick, Tack
Ist der Schlag der Uhr.
Die Bedeutung solcher Spiele liegt so nahe, daß
ich mir besonders in dieser einfachen summarischen
Vorführung derselben kein Wort darüber erlaube.
25. Ich habe schon oben bey der Bewegung,
bey dem Rollen des Balles angegeben, wie
da leicht Übergänge zur Erfassung des per- /
[26R]
sönlichen Lebens des Kindes möglich sind; allein
auch von dem Ruhen der Kugel ist dieß möglich.
Einen ganz neuen Reiz bekommen nämlich die
angegebenen Spiele wieder, ja sie werden
wirklich ganz neu, wenn die Kinder diese
Spiele stehend an einem verhältnißmäßig nie-
drigen Tische spielen u die Kinder, so weit es
möglich ist, dasjenige nachmachen, was ihnen
die Kugel gleichsam vormacht. zB.
   „Ich Kugel auf meinem Fußpunkt steh“
Oder: Seht, seht, seht
   Die Kugel auf ihrem Fußpunkt steht.
Die Kinder gleich ausführen:
   Wer will, der kann mich sehn.
   Auf Einem Fuße stehn.
Oder: Seht, seht, seht
   Ein Jedes auf seinen Füßen (auf einem Fuße) steht.
26. Oder wo die Kugel sagt: ich drehe mich rc
ahmt das Kind nach :/:„Ich drehe mich:/
27. So das Kind vor dem Tische an seinem Platze
stehend weiter: „Ich drehe mich herum pp
28. Und weiter ausgeführt:
   Ich dreh mich um mich selbst herum,
   immer um mich selbst herum!
   Bald zur Rechten, bald zur Linken
   Wie mir Deine Augen winken.
„Wir gehen um den Tisch herum“, habe ich
oben schon angegeben.
Die Spiele mit der Kugel an der Schnur
bilden nun wieder eine neue Reihe. Ich
beziehe mich in dieser Einsicht ganz auf den
Text zur 2tn Gabe.
Nur ein Spiel füge ich hier noch hinzu, was
dort noch nicht angegeben ist, nämlich, wo
die Kugel an der Schnur sich auf der Boden-
oder Tischfläche dreht. Ich nehme das erstere.
Die Ausführung ist hier wieder zweyfach,
entweder dreht sich die Kugel vor dem Kinde
im Kreise; oder sie dreht sich zugleich mit dem /
[27]
Kinde um dasselbe.
29. Die Kugel dreht sich vor dem Kinde im Kreise,
d.h. sie wird vom Kind vor ihm an der
Schnur gedreht. Alle singen mit dem Kinde:
   Schaut nur und seht,
   Wie die Kugel sich dreht:
   Einmal um sich selbst herum,
   Dann auch um die Mitte ‘rum.
(:Nun hebt das Kind die Kugel schnell an dem Faden
in die Höh und singt:)
   Doch wird sie nun schnell erhöht
   Sie leis nur um sich selbst sich dreht
   Hat sie sich rechts um gedreht
   Schnell sie dann auch links um geht;
   Auch sich wieder rechts um dreht,
   Links um, rechts um, links um (so oft
   nämlich die Kugel ihre Drehung ändert).
Nachdem es das Kind in der Mitte dargestellt hat,
führen es auch alle Kinder im Kreise als Doppel-
drehung aus: [Zeichnung]
   Schauet nur, wir lassen sehn,
   Wie auch wir uns können drehn,
   Einmal um uns selbst herum,
   Dann auch um die Mitte hrum; —
   Doch wenn wir nun stille stehn,
   Einzig um uns selbst {uns/wir} drehn
   :/: bald rechts herum, bald links herum :/:
30. Wenn die Kugel zugleich mit dem Kinde
um dasselbe sich dreht:—Alle singen:
   Die Kugel an dem Faden geht
   Und doppelt sich im Kreise dreht.
Nun nimmt der Spielf. eines der Kinder zuerst an
seine rechte u an seine linke Hand u dreht es um
sich herum, oder läßt es vielmehr um sich herum
laufen u singt:
   Wie die Kugel am Faden sich dreht,
   So das Kind an der Hand auch geht.
Es liegt in der Natur der Sache, d.h. des
Spieles, wie dießs auch oben schon erwähnt wurde,
daß eine Darstellung oft auf verschiedene Weise
ausgeführt werden kann; eine wird aber
natürlich (nothwendig) der Sache am nächsten
liegen, diese aufzusuchen ist Aufgabe des Spielführers /
[27R]
Im vorstehenden Falle sind es wohl die beyden
angegebenen. Oft wird jedoch der Spielf. dem
von ihm Erfundenen den Vorrang geben, was
eben auch nichts schadet. Das Beste bleibt jedoch
immer, möglichst das Gegebene aufzufassen u
darzustellen, weil dadurch das Kind wirklich
in die Natur der Dinge u in die Anschauung u
Auffassung der Naturerscheinungen einge-
führt wird, wie dieß namentl[ich] bey No 29 der
Fall ist. —
31. Auch mit 2, 3 und mehr Kugeln an
der Schnur kann man zugleich spielen, zB.
Zwey Kinder, am besten zwey gleich große,
spielen mit einander; das eine hält die
2 oder 3 rc. Kugeln in einer gleichen Ebene,
das andere windet die Schnüren dicht zusammen;
wenn dieß geschehen, so läßt das eine Kind die
Kugeln los, welche sich dann, in fast immer
gleicher Entfernung im Kreise schwingend, ab-
winden. Die Spielenden singen:
   „Das auch mag uns wohl gelingen
   Daß zwey (3,4) Kugeln zugleich sich schwingen;
   Und gar schön es sich ansieht,
   Wie jede hin nach außen fließt.
32. Dieß läßt sich gut mit zwey Kindern nach-
ahmen. Während dem nämlich die Kinder, wel-
che immer schön geordnet im Kreise stehen,
ihre Schnüren wieder aufwinden, nimmt
der Spielführer zwey gleichgroße Kinder, in
jede Hand eines, faßt mit jeder seiner Hände
die beyden Hände eines Kindes, welche wie-
der die seinige festhalten, und dreht sich mit
den Kindern zugleich nun um sich selbst, wobey
die Kinder schwebend im Kreise gleichsam
fliegen. Dabey wird gesungen:
   Auch das mag uns wohl gelingen,
   Daß zwey Kinder zugleich sich schwingen;
   Doch hab jedes festen Halt
   Auswärts treibts die Gewalt.
   Jedes fließt, fließt; fließt; doch die Mitt‘es fest anzieht. /
[28]
12. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
33. Auch kann das Spiel noch von drey Kindern
ausgeführt werden, Eins derselben hält zwey
Kugeln an den Schnüren in gleicher Höhe gegen ein-
ander. [Zeichnung] Von den beyden andern Kindern nimmt
jedes eine Kugel u hält sie auseinander [Zeichnung]
Auf ein gleiches Zeichen zB. 1.2. drey, läßt jedes Kind
los, die Kugeln fliegen dann gegen u wieder aus-
einander.—       Die Kugeln gleich Knaben die Kräfte wiegen
         Dann wieder sich aneinander schmiegen.
Mehrere der Spiele, welche mit dem Ball ausge-
führt werden, lassen sich wohl auch, besonders an der
Schnur, mit der Kugel ausführen; allein die
Spiele bekommen wegen der größeren Schwere
u Härte wie wegen der geringeren Springkräf-
tigkeit der Kugel immer einen etwas härte-
ren, weniger lebenvollen Ausdruck; doch ist
nicht zu läugnen daß die rollenden und schwin-
genden Bewegungen mehr Schärfe u Mittigkeit
als die beym Balle erhalten.
Der Würfel ist in all seinem Erscheinen
der reine Gegensatz von der Kugel. Darum
haben auch nothwendig alle Spiele mit ihm den
entgegengesetzten Charakter der Kugelspiele,
das Kind fühlt es deßhalb gewiß leicht durch.—
Der Würfel ist der Ausdruck des Schwerfälligen,
Unbehülflichen, die Kugel dagegen die Dar-
stellung des Beweglichen. Bisher beschäftigt
sich aber das Kind mit dem letzteren, mit der
Kugel, u so dünkt es mich ganz natürlich, daß
wenn das Kind den schwerfälligen Würfel sieht,
es in sich fragt:–Nun! Was werden wir
wohl mit diesem machen?—Ich glaube nun,
daß es gut ist, wenn diese gleichsam unbewußte
Frage des Kindes u die sich daran anknüpfende
innere Vergleichung beyder dem Kinde zu einem
gewissen Bewußtseyn gebracht wird. Dieß,
meyne ich nun, geschieht ganz einfach, wenn
die [sc.: der] Spielführer den Würfel mit den Worten
in den Spielkreis der Kinder einführt: /
[28R]
1. Jetzt kommt der Würfel gegangen,
was werden wir wohl mit dem anfangen?
(diesem schwerfälligen Körper). Die
Kinder sprechen (singen) es nach.
2. Sein Ausdruck ist aber, wie ausgesprochen,
der der Ruhe. Dieser wird nun gleich, im Ge-
gensatz mit dem Beginne der Kugelspiele,
festgehalten. Jedes Kind, wie es seinen
Würfel von dem Spielführer erhält, setzt
denselben mit den Worten vor sich hin:
Da steh nun fest,
steh fest, steh fest!
3. Was jetzt reine Thätigkeit u That war,
wird nun sogleich, ganz dem Entwicklungsgang
des Menschen angemessen, Gegenstand der
Betrachtung, der Erkenntniß. Dieß spricht
sich in dem Liedchen aus, welches der Spiel-
führer allen zusingt:
Er steht ganz fest,
steht fest, steht fest.
4. Um aber die nothwendige Eigenschaft
dem Kinde u Kindesleben dadurch näher
zu bringen, daß man eine Art Willen u
Selbstbestimmung, gleichsam ein Aufnehmen
u Erfüllen des Wunsches Anderer in den
Würfel setzt, kann man auch dem Würfel
von dem Kinde aus zusingen lassen:
Steh fest in Ruh,
Mein Würfel Du!
Die Kinder setzen sich gern auf diese Weise
durch Wort u Gesang mit ihrem Spielzeug in
Wechselwirkung.
5. Daß nun der Würfel diesem Wunsche
des Kindes entgegenkomme, auch um
seine schwere Beweglichkeit wahrnehmbar
zu machen, läßt man den Würfel leis
von dem Mittel- oder Zeigefinger des
Kindes berühren, doch so, daß der Würfel /
[29]
dadurch nicht von der Stelle bewegt wird.
Dazu singt der Spf. gemeinsam mit dem Kinde:
Er geht nicht von der Stelle
der treue Spielgeselle.
6. Doch nun hat der Würfel dem Kinde schon
lang genug geruht, es wünscht nun auch, daß
er sich bewege - Der Spielf. kommt dem stillen
Wunsche des Kindes entgegen, indem er den
Würfel leis schiebt u dazu singt, oder reciti-
rend spricht:
Bist schon lange liegen geblieben,
Laß nun auch Dich weiter schieben[.]
Dieses Schieben kann mehr ein Schieben
geradaus, vor- u rückwärts, wie seit-
wärts
hin u her seyn. Doch schöner ist es,
wenn es
7. in einem Kreise geschieht, wo der Würfel
abwechselnd mit dem Mittelfinger bald der
einen, bald der andern Hand, u hier wieder,
bald rechts, bald links herum geschoben wird
[Zeichnung] Wie es nun dem Kinde Freu-
de macht, wenn es in der Stube in der Fußbank
oder wie man hier sagt, in der Hitsche, oder
im Stehschlitten auf dem Eise umhergeschoben
wird, so wird es auch hier – was für das Kind
immer so erfreuend als wirklich bildend ist,–
dem Würfel Empfindung beygelegt, welcher
daher gleichsam selbst dem Kinde zusingt:
Schiebst Du mich, beweg ich mich,
Und freue mich.
Der Würfel kann aber wirklich als ein Schlitten
mit einem Püppchen, einem Kindchen, Knäbchen, Mädchen
angesehen werden, wo dann dSpielenden singen:
Mit meinem Schlitten, ein Kindchen drin
Gleich [sc.: gleit] ich auf ebener Fläche hin.
8. Weiter kann aber auch dieses Schieben,
wie bey der Kugel das Rollen, von einem
Kinde zum andern geschehen, so daß {der/die}
Würfel an dem Rande oder an den Seiten
des Tisches herum seine Wanderung macht.
Dabey wird von den Kindern, wie jedes seinen
Würfel, den es hat oder bekommt, tactmäßig
seinem Nachbar [zuschiebt] – gesungen: /
[29R]
 Weil nicht zu lang an einem Ort
Eil nun auch wieder weiter fort.
Unsere Kinder hier in Blankenburg spielen
diese Würfelspiele sehr gern; wie sie etwas
Einendes haben; so haben sie auch durch die
Eigenschaft des Würfels etwas Stetiges.
9. Das Stehen des Würfels in No 2,3 u 4
kann nun auch wieder, wie bey der Kugel
das Drehen auf das Kind selbst überge-
tragen werden. – Die Kinder stellen
sich gerad vor ihre Plätze hin u singen:
Auch mich (uns) könnt ihr sehen
Hier gerade stehen
Oder: Auch ich steh grad
Wie so eben der Würfel that.
Haben die Kinder einen Augenblick ruhig
gestanden, läßt man sie geordnet sich wieder
niedersetzen. Wenn u indem sie sich setzen,
10. singen sie: Doch auch, wenn ich will,
Sitz ich wie der Würfel still.
Dieses Stehen, Setzen u Sitzen kann ab-
wechselnd, schön geordnet u gleichsam takt-
mäßig
von den Kindern geschehen. Denn
Alles, worin Bewegung, Wechsel,
Gesetz, Darstellung, Beziehung des Ein-
zelnen zum Ganzen und umgekehrt
und so Einheit und Mannigfaltigkeit
hervortritt, kann als Spiel und soll
für das Kind zu deren Erkenntniß,
als Spiel benutzt werden.
(: Die Sitz- u Steh- Setzen und Stellspiele halte ich
für Kinder, für Schule, Leben höchst wichtig:)
11.) Auch das Schieben des Würfels kann wieder
auf die Kinder selbst übergetragen werden,
und zwar durch Fortschieben oder Gleiten der
Füße u zwar an das Stehen geknüpft. /
[30]
13. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
„Wie ihr mich könnt sehen
Hier gerade stehen;
So kann ich auch leiten
Meine Füße zum Gleiten.“
Oder:
Wie jetzt die Füße stehen blieben;
Kann ich sie auch vorwärts (seitw[ärts) schieben.
Bald rechts vorwärts,
Bald links vorwärts u. s. f.
bis die Kinder um den ganzen Tisch herum wieder
an ihre erste Stelle gekommen sind. Nun können
sich die Kinder wieder mit den Worten setzen: –
„Doch auch wenn ich will,
Sitz ich wie der Würfel still.“
Jetzt beginnt nun wieder irgendein Würfelspiel.
12. Um nun den Gegensatz des Würfels und der
Kugel recht klar zu machen, kann man auch den
Würfel rollen; und zwar indem man ihn nur
allein vor sich hin, oder aus einer Hand in die
andere rollt, oder daß man den Würfel welchen
man entweder schon hat oder von seinem Nach-
bar linker oder rechter Hand bekommt, seinem
Nachbar zur rechten oder linken Hand zurollt,
mit den Worten:
„Versuchs nun auch zu rollen
Und so Dich fort zu trollen.“
Den Würfel auch nur eine kleine Strecke
schön fortzurollen fordert schon ein gewisses,
entweder natürliches oder angeübtes Geschick.
13. Eine gewisse Art von Rückwärtsrollen, oder
mehrmaliges, rückwärtsgehendes Über-
schlagen (:Kopfübern:) erfolgt, wenn man den
Würfel vor sich hinstellt und mit der Spitze des
Zeigefingers, so knapp auf die Ecke oder Kante
des Würfels drückt, daß dieser sich gleichsam
überschlägt. Die Kinder welche dieses Spiel,
wie mehrere andere, selbst erfunden haben,
spielen es sehr gern; sie singen dabey:
„Seht nur man denkt es kaum
Der Würfel schlägt einen Purzelbaum.“
Dieses Spiel ist jedoch, wie fast alle Spiele
mit Kugel und Würfel, etwas lärmend;
auch darf es nicht auf guten Tischen gespielt /
[30R]
werden, weil die Ecken des Würfels beym schar-
fen Aufdrücken Vertiefungen in den Tisch machen.
Die Nachahmung dieses Spieles für Knaben im
Sommer auf schönen Rasen liegt klar vor.
14. Da nun der Würfel seinen Namen vom Werfen
hat, und dem Wortausdruck nach das Mittel
zum Werfen ist, wie Gabel das Mittel zum Geben;
so ist es natürlich, daß die Kinder den Würfel auch
gern seinen Namen und dessen Bedeutung nach, an-
wenden wollen. Deßhalb lasse ich nun wohl auch
den Würfel, wie früher den Ball und die Kugel,
senkrecht in die Höhe werfen und wieder fangen;
doch dieß setzt schon eine bestimmte Fertigkeit im
Fangen voraus, um weder sich, noch Andern zu
schaden; deßhalb lasse ich diese Übung mit den
Worten begleiten:
„Werfen kann man den Würfel auch;
Doch so ist es nicht der Brauch.
Und breche dieses Spiel bald ab.
15. Wegen ihrer Anwendung auf das Kind selbst,
ist hier noch eine Übung beachtenswerth. Dieses ist
das Drehen des Würfels auf einer seiner Flächen;
indem man den Würfel entweder zwischen seinen
beyden Händen, an seinen beyden schräg gegenüber
stehenden Kanten faßt und so, schnell umdreht;
oder daß man den Würfel von oben mit den
Fingerspitzen in seinen Seiten ergreift und so,
schnell herum dreht. Spielf. u. Kdr. [sc.: Kinder] singen dabey:
„Auch der Würfel, wie hier zu sehn
Läßt (kann) sich auf einer Fläche drehn.“
Oder: Schwerfällig sieht sich mein Drehen wohl an;
Doch seht ihr wenigstens, daß ich es kann.“
16. Die Kinder können dieß leicht nachahmend, mehr
im Wenden, als im Drehen ausführen:
Gleich dem Würfel, wie hier zu sehn,
Können wir rechts- und links um uns drehn.“
17. Stehen und Drehen oder Wenden, kann auch ver-
bunden werden:
„Auch d mich könnt ihr sehen
Hier gerade stehen,
Gleich dem Würfel mich drehen.“
Nachdem nun die Kinder erst gestanden und /
[31]
dann gedreht haben, können sie nun, wie oben an-
gegeben, entweder erst gleiten, oder sich gleich setzen.
Immer läßt es zu einem taktischen Spielganzen
sich ordnen. Daß das Gleiten mit den Füßen
die Kinder , d.h. ihre Füße, theils zum Gleiten
oder Glitschen auf der Eisbahn, theils zum Fah-
ren auf den Schlittschuhen vorbereitet habe ich,
glaub ich oben zu bemerken vergessen.—
Bey den folgenden Spielen mit dem Würfel
bezieh‘ ich mich ganz auf den Text und die Zeichnungen
der zweyten Spielgabe. Bemerken will ich nur
daß die Spiele auf drey verschiedene Weisen
gespielt werden können.
Erstlich, wenn hinlänglicher Raum dazu da ist;
die Kinder auch zu einer stillen, sinnigen und stetigen
Selbstbeschäftigung entwickelt sind, als Einzelspiel,
wo jedes der Kinder thun und spielen kann, was es
will; dieß setzt aber entweder noch eine sehr un-
verdorbene kindliche, oder eine schon sehr bestimmte
Entwickelungsstufe, auch besonders schon eine ge-
wisse Anzahl von Gehülfen, seyen es auch nur
etwas größere, schon verständigere Kinder, voraus.
Dabey kann aber entweder gar nicht, oder nur leis,
vielmehr gleichmäßig gesprochen oder gesungen werden
sobald eine Wort- oder Gesangsausführung her-
vortritt, so ist diese sogleich das Einzelne, Unterge-
ordnete auflösend und sammelnd.
Das Zweyte sind daher die Sammelspiele, wo
von allen das Gleiche gespielt wird, so, daß ein
Spielführer wohl das Ganze überblickt und ord-
net, jedes Kind aber nur seine Darstellung im
Auge hat; wobey aber von verschiedenen Helfenden
(wenn sie da sind)) an verschiedenen Orten geholfen
werden kann.
Das Dritte nun sind die Einheitsspiele wobey
eines der spielenden Kinder abwechselnd hervor
in die Mitte tritt, und so gleichsam der Einigungs-
punkt für alle wird, indem es einmal sich, dem
Spielführer und dem Ganzen zeigt ob es das Spiel
gefaßt habe; ist dieß nicht der Fall dann noch
mehr als Einzelnes einübe; endlich dem
ganzen Kreis das Spiel vormache und so
dasselbe dem Kreise mehr zur klaren Einsicht
bringe.—/
[31R]
In der Regel sammeln sich die Kinder zu dem Spiele
wo die Meisten und gewöhnlich auch wo die Größern
und Größten spielen. Es ist recht auffallend, wie
es dieß selbst bey den allerkleinsten Kindern, die
kaum sicher laufen können, der Fall ist, daß sie sich
sehr gern in den Kreis der Größeren stellen: Kna-
ben um das 5e Jahr scheiden sich am meisten aus
und bilden am liebsten ihren eigenen Kreis.
Bey diesen Sammel- und Einheitsspielen ist der
Kreis in der Regel die beste Form, doch ist kei-
nesweges das Geviert, ja selbst das Gedritt,
(gleichseitige Dreyeck) auch die Linie, selbst der
Tisch nicht ausgeschlossen.–
So hoffe ich denn hier gelegentlich zugleich Ihre
Frage hinsichtlich der Art der Spiele und ob man
vielerley Spiele zugleich spielen lassen dürfe, be-
antwortet zu haben: Ja! wo sich der angemesse-
ne Raum und der entsprechende Bildungszust[an]d
dazu findet, wie oben angegeben; denn immer setzt
es einen höheren Grad der Vollkommenheit vor-
aus, sey es noch die der Naturvollkommenheit,
oder die Vollkommenheit der Bildung (:des Bewußt-
seyns, der Aneignung, Einübung rc:)–Nein! Wo
sich dieß nicht findet. Dann treten zuerst die Sammel-
oder dann die Einheitsspiele ein, wie die Gemeinsamkeit
durch Form, Gegenstand, Wort, und Ton und Rhythmus
hervorgerufen wird.
Bey den nun folgenden Spielen kann ich mich ganz
auf den Text zur zweyten Gabe beziehen. Die
dort aufgeführten Spiele sind wohl:–(vergleichen
Sie jedoch den Text, welchen ich eben nicht zur Hand
habe; leicht, daß Sie hier ein neues eingefügt;
allein auch gegen meinen Willen, eines ausge
lassen fänden.)
18. „Der Würfel Deine Hand drückt nieder;
      Daß er nicht falle drück ihn wieder.
19. Die Hand umschlossen den Würfel hält;
      Weßhalb er nicht zur Tiefe fällt.
20. Der Würfel schnell zur Tiefe fällt;
      Weil ihn nicht fest die Hand mehr hält.
21. Der Würfel seinen Raum nimmt ein;
      Drum kann wo er ist die Kugel nicht seyn.
Die Kugel ihren rc rc. rc wo sie ist rc rc
[Der folgende Text steht mit Klammer hinter den Punkten 18-22]
Die physikalischen Beziehungen dieser Spiele liegen offen vor /
[32]
14. Brief an die Frau M. Schmidt in Gera
23. Die Rückbeziehung auf das Kind ist hier leicht.
Keines kann an der Stelle eines anderen
stehen rc. rc.
„Ich nehme meinen Raum auch ein:/Oder Lina:/
Drum kann wo ich bin kein andres nicht seyn
(drum kann wo sie ist Auguste nicht seyn)
24. „Der Würfel nicht fällt, ist
Ist er auf eine Fläche gestellt.“
Oder: – „Der Würfel stehet gut;
Weil er auf einer Fläche ruht.“—
25. Anwendung auf die spielenden Kinder:
„Ein Jedes stehet gut;
Das fest auf seinen Füßen ruht.“
26.          –„Frey auf einer Kante zu stehn,
Kann vom Würfel schwerlich geschehn.“
Oder: – „Der Würfel auf eine Kante gestellt;
Wohl schwerlich so in sich selbst sich hält.“
Oder: – „Er wanket hin, er wanket her,
Zu stehen so, wird ihm zu schwer.
Oder: – „Ob er auch so uns stehen kann?—
Er fällt uns nieder,
Er fällt uns nieder!
O seht nur an
Der arme Mann!“
27. Die Kinder stellen dagegen den Würfel auf einer
Kante gegen das Kästchen oder an einen andern
ähnlichen Gegenstand und zwar Fläche gegen Fläche:
„Er steht auf einen Fuß!
Warum er es wohl muß?—„
In diesem Falle hält sich der Würfel durch Reibung
Fläche an Fläche.
Oder:–
„Wenn fest an der Kante / Wand der Würfel sich hält
Und jene nicht wankt, er auch nicht fällt
Oder:–
„Lehnet der Würfel an der Wand
Scheinbar nur ist sein sicherer Stand
(:Lehnt der Würfel an der Wand
Scheinbar ist sein sichrer Stand.)
Der Würfel lehnt in diesen beyden Fällen auf
einer Kante stehend, mit einer zweyten Kante
entweder an einer Fläche (Seite) oder an einer
Kante des Würfelkästchens.— /
[32R]
28. Anwendung auf das Kind.
„Lehn ich an die Tür mich an
Ich leicht rückwärts fallen kann!
29. — Geht es Würfel mein lieber Geselle
Daß ich auf eine Ecke Dich stelle?“—
Oder:
Auf einem Bein
Auf einem Bein
Nur allein
Kann der Würfel nicht stehn!
Doch wenn ihn leis
Mein Finger hält
Er dann nicht fäl[l]t!
Und wie`s gefällt
Und wie`s gefällt
Läßt er sich dann drehen
Bald rechts herum
Bald links herum
Bald auch ganz um sich herum!“
30. Hier knüpfen sich nun wieder auf ähnliche Weise
wie bisher Bewegungsspiele und Körperübungen
an.
A. Das Stehen auf einem Fuße
a. auf dem rechten Fuße stehen und den
linken Fuß
a in die Höhe gehalten oder
b. vor- rück[-] oder seitwärts gehalten; was
wieder entweder mit hängenden,
verschränkten oder gespreitzten Ar-
men geschehen kann.
b. auf dem linken Fuße mit all den angege-
benen Veränderungen.
Bisher war der Körper senkrecht; er kann aber
auch geneigt werden und dieß wieder wie oben
in der dreyfachen Armstellung.
B. Die Stehübungen vom Würfel aus, können
aber auch wieder mit den Hüpfübungen vom
Bällchen aus verknüpft werden, so daß
das Kind bald mit geschlossenen, bald mit
gespreitzten Füßen steht. Bald aus einer
Stellung in die andere, bald in der Schwebe,
gleich einem Pendel sich bewegend, hüpft.– /
[33]
Dieß kann nun wieder statt finden bey aus-
wärts stehenden Füßen entweder auf dem Platt-
fuße
, oder auf den Zehen, d.h. vom Zehenstande
aus. Wie die Bewegungen nun seitwärts gemacht
werden, so könnenn sie auch vor- rückwärts und
kreuzweise gemacht werden. Bey Knaben läßt sich
auch wohl der Hinkkampf ausführen.–
Im Bisherigen wurde der Würfel stets frey be-
wegt; er kann aber auch an der Schnur hängen
und durch diese bewegt werden oder durch ein Stäb-
chen, was auf verschiedene Weise durch denselben
gesteckt wird. Ohne irgendein ein Einzelnes hier
heraus zu heben, so beziehe ich mich ganz auf
die Ausführung im Texte zum 2en Spiele.
Eine ganz neue und eigene Reihe von Spielen
sind die, wo sich das Kind, durch die Eigenschaften
des Würfels bestimmt, gleichsam etwas in
denselben hineindenkt, hineinbildet: Spiele
der Einbildungskraft, der Phantasie.
Allein auch hier ist es gut, den gleichsam hin-
ein- oder wenn man lieber will, den aus
denselben (aus dem Würfel) herausgebildeten
Gegenstand durchs Wort und Reim in bestimmte
Lebensverhältnisse zu setzen. z.B.
„Sey Würfel mir nun auch ein Tisch
Zu setzen drauf Braten und Fisch.“—
„Der Würfel jetzt eine Kiste mir ist;
Doch gar zu fest verschlossen sie ist.“
„Sey Würfel mir doch auch ein Grenzstein
Zu scheiden das Mein von dem Sein.“
„Aus dem Würfel einen Heerd zu machen,
Das sind keine schweren Sachen.“
„Nun sey Würfel mir ein Haus,
Niemand kann zwar ein noch aus
Verschlossen ist‘s aufs Beste
Rund um ganz dicht und feste;
Doch tritt Frau Phantasie davor,
Gleich öffnen Fenster sich und Thor
Zum lieblichen Spielfeste,
Kommen die Freunde, die Gäste,
Und auf dem schönen platten Dach
Spaziren sie herum gemach.“ /
[33R]
Durch eingestreute, Phantasie wie Vorstellung
bildende Erzählungen, kann das Ganze für das
Kind gar sehr belebt werden; ja man kann die
Kinder auffordern es selbst zu thun und manche
werden sich gern willig dazu finden lassen, wenig-
stens werden sie es im Einzelspiel ausführen.
Hier in Blankenburg haben mir u uns die Kinder mehr-
mals die Geschichtchen dessen was sie dargestellt
hatten erzählt.
Weiter:–Sey Würfel nun auch ein Grundstein
Laß senken Dich in die Tiefe hinein.
Der Würfel hier als Ambos steht
Obgleich kein Schmidt [sc.: Schmied] daneben geht.
Doch können auch die beyden in dem Köcher sich
befindlichen und zum Würfel gehörigen Stäbchen
hierbey benutzt werden, so daß z.B. im gegen-
wärtigen Falle das eine eine Eisenstange
und das andere einen Hammer vorstellt
welcher jene schmiedet. Es kann hier z.B.
die Geschichte von „Ludwig werde hart“ dem
thüringschen Landgrafen erzählt werden.
Ferner: Hier bring ich einen Quaderstein
Wer fügt ihn in die Mauer ein?—
„Ein Altar auch kannst Du seyn,
Für die Kirche, schön und rein.“—
„Bin im Garten ich allein
Kannst du mir mein Schemel seyn.“
Noch mehr Vergnügen werden jedoch die GegenstandsDar-
stellungen des Würfels dem Kinde
machen; wenn derselbe sich an einer Schnur oder
an einem Stäbchen sich befindet, weil sich dann die
Bewegung, welche dem Kinde immer mehr Freude
macht, mehr damit verbinden läßt.
Ich beziehe mich hier, wie schon oft auf den er-
klärenden Text selbst, welcher den Würfel
als Wagen, Egge, Pflug. Schlitten anschauen
macht. Den Würfel auf oben gedachte zwey
Stäbchen gelegt und mit den Fingern fvorn zusammen-
gehalten gezogen, kann als Waarenballen
auf einer Schleife angeschaut werden: —
[34]
15. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
Diesen Ballen Waaren
Sollst Du mir nach Hause fahren.
*
Wenn das Seil den Stein nur hält,
Daß er nicht zu Boden fällt.
*
Würfel bist Du ein Heuwagen,
Kannst Du sanft nach Haus mich tragen.
*
Mir einfachem Würfel, wer sieht mirs wohl an,
Wie vielerley Alles bezeichnen ich kann.
*
In dem Bisherigen wurde der Würfel
in seinem beweglichen oder ruhenden Verhält-
nisse zu etwas anderm in seiner Vergleichung
mit etwas anderm als Spiel benutzt. Allein
der Würfel muß auch in Beziehung auf sich selbst,
in Beziehung auf seine Eigenschaften, also als ein
Gegenstand der Erkenntniß, als ein Gegenstand der
Betrachtung
, zugleich auch als ein Spielgegenstand,
wie als Spielmittel behandelt werden können.
Einen oder vielmehr den Anfang und {die/eine} Andeu-
tung dazu enthält ebenfalls der schon in dieser Be-
ziehung so oft erwähnte Text zur 2ten Spielgabe,
S. [Lücke/Broschüre Kap. III], wo das Kind auf nur spielend beachtende,
oder beachtende Spielweise auf die Mehrheit, auf
die Zahl der Flächen hingeführt wird; wo eine
Fläche als ein Auge, zwey Flächen als zwey
Wangen
rc angeschaut werden. So könnten 3 Flächen,
welche sich in einem Punkte berühren, wie es im
Buche heißt: „Drey siehst du nur allein, wo
mögen wohl die andern seyn?– als ein Bauern-
hut [Zeichnung] rc angeschaut werden. Auf eine
ähnliche Weise werden auch die Kanten, die Ecken
durchgeführt. Das Kind lernt dabey beachten, ver-
gleichen, zählen, bezeichnen, durch das Wort bezeich-
nen, also sprechen. Diese Erkenntnißspiele
sind also nothwendig zugleich Sprach- u Sprechspiele.
Das Kind soll hier durch seine Sinnesthätigkeit
zugleich zur Entwicklung seiner Geistes-, seiner
Denkkraft wie zur Entwicklung u zum Gebrauch seiner
Sprache und Sprachfähigkeit geführt werden. /
[34R]
Spiele dieser Art werden auf folgende Weise
gespielt:
Die Kinder sitzen um einen Tisch, der Spielführer
hat mehrere Würfel vor sich; einen derselben
reicht er dem ihm zur Linken oder zur Rechten
sitzenden Kinde; indem er ihm zugleich zusingt:
„Ein Würfel, ein Würfel.“– Der Spielführer
kann nur soviel Würfel herumreichen als
Kinder sind, damit immer alle Kinder zugleich
thätig sind. Die Kinder können auch, indem sie
den Würfel zugleich ihn beachtend in der Hand
drehen u wenden müssen zur Betrachtung des-
selben hin geführt werden.–Um den wan-
dernden Würfel dem Leben des Kindes noch
näher zu bringen, kann ihn der Spielführer noch
einmal mit dem Zusatze: [„] Der Würfel kommt!“–
ja mit der größern Erweiterung:–„Der Würfel
kommt zu Dir.“ kreisen lassen.
Hat der Würfel nun so ein oder 2 bis
3mal den Kreis gemacht und ist zum Spiel-
führer zurückgekehrt, so faßt er denselben zwischen
zwey Finger der linken Hand, so daß derselbe
am meisten frey (sehbar) und beweglich ist,
und führt mit den Fingern der rechten Hand
leise auf jeder Fläche des Würfels hin, indem
er dabey singt:–
   Fläche, Fläche, Fläche, Fläche, Fläche, Fläche
dann zusammenfassend:
   Der Würfel hat Flächen
So giebt der Spielführer den Würfel wieder
seinem Nachbar, der dasselbe wiederholt, wobey
er vom Chor des Ganzen begleitet wird, bis auf
diese Weise wieder der Würfel die ganze Wan-
derung im Kreise gemacht hat und so wieder zum
Spielf. zurückgekehrt ist.
Nun kann aber auch die Bemerkung, daß der
Würfel Flächen hat, in verschiedenen Redeweisen
ausgesprochen werden, zB. fragend:
   „Hat der Würfel Flächen?[“]–und bejahend
   — Ja, der Würfel hat Flächen. /
[35]
Wie jetzt die Spielbemerkung gemacht wurde,
daß der Würfel Flächen habe, so kann auf die
gleiche Weise die Bemerkung hervorgehoben werden,
daß der Würfel sechs Flächen habe, indem man
bey jeder Berührung die Zahl der berührten Flächen
zu gleicher Zeit ausspricht, als erste Fläche,
zweyte Fläche rc bis sechste Fläche. Hierbey
kann das Zählen, um zugleich Singspielübungen
daran anzuknüpfen, das Zählen im Grundton
beginnen, so in einfacher Fortschreitung bis
zum 5ten Tone hinaufsteigen und dann kann
bey der 6ten Fläche wieder in den Grundton zurück-
gegangen werden. – Die Bemerkung daß
der Würfel sechs Flächen hat, kann also wieder
auf fragende u bejahende Weise ausgesprochen
werden. Auch kann man die Bemerkung, daß
der Würfel Flächen hat, in der Form einer
Eigenschaft anschauen u aussprechen zB „der
Würfel ist flächig.“ „DerWürfel ist sechsflächig.“
Dieses wie früher fragend u bejahend wieder-
holt. Von dieser Bemerkung aus kann nun
auch dem Würfel ein seiner Eigenschaft ent-
sprechender Name gegeben werden:
„Der Würfel ist ein Sechsflächner
welcher gleichsam seine sechs Flächen aus seinem
Wesen hervorbringt, schafft.–
Wie hier die Flächen durchgeführt wurden,
so können auf ganz gleiche Weise die Kanten
und später die Ecken werden. Das Ergebniß
ist:           „Der Würfel ist zwölfkantig,“
Der Würfel ist ein Zwölfkantner
Hier werden immer nur 4 Töne aufwärts
gesungen.
Bey den Ecken ist das Ergebniß:
„Der Würfel ist achteckig.“
Der Würfel ist ein Ach[t]eckner.“
Der Bezeichnung Sechsflächner, Zwölfkantner,
Achteckner liegt die Anschauung zum Grunde,
daß das Zusammengezählte auch immer ein
unter u in sich ganz Gleichartiges sey.– /
[35R]
Übrigens hängt es von der entwickelten
Singkraft der Kinder ab, ob man bey den
acht Ecken 4 Töne oder gleich 8 Töne auf-
steigend singen kann und so will.
Bey diesen Spielen war die Zahl gleichsam
nur zufällig, die Bezeichnung durch den Wort-
ausdruck die Hauptsache. Man kann nun
aber auch die Zahl wie sie in verschiedenen Ver-
hältnissen am Würfel erscheint, besonders u
bestimmt hervorheben; dann werden es die Zähl-
spiele oder Zahlspiele. Man fängt hier wieder
mit den Flächen an, wo man bemerkt, daß
immer 2 u 2 Flächen durch ihr Verhältniß zu-
einander, durch ihr Gleichlaufen zusammen-
gehören, also 3 x 2 Flächen auch 6 Flächen
machen. Eben so wird der Würfel in der
Eckenstellung [Zeichnung] angeschaut, wo immer
2 x 3 Flächen zusammengehören u also
auch 6 Flächen machen. Das Endergebniß ist
also: 3 x 2 und 2 x 3 ist beydes = 6.
Anstatt daß hier zuerst die vermehrende
Weise hervorgehoben würde, so kann auch die
hinzufügende Weise herausgehoben, ja mit
dieser begonnen werden. Die Endergebnisse
oder das Endergebniß ist, das [sc.: daß] 2+2+2,
und 3+3 beydes = 6 ist.
Auch können hier die hinzufügende und die
vermehrende Weise miteinander verbunden
werden zB. 2+2+2 = 6, 3 x 2 ist auch 6;
denn 3+3 und 2 x 3 ist auch 6.
Es giebt hier eine Menge Auffassungs-
weisen, wovon jedesmal die hervorgehoben
werden kann u wird, welche im Augenblick
auch am meisten, mindestens am lebendig-
sten hervortritt. Dadurch wird die Sache, ob sie
gleich Gegenstand der Erkenntniß u des über-
wiegenden Denkens ist, doch der Schule u dem
Unterrichte, der Lehre in strengerer Beziehung,
entzogen und wird reiner Gegenstand des
Spieles. Der Ton, Rhythmus, die Sachanschauung rc /
[36]
16. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
sind der Körper, sind die lebenvolle und so
angenehme Gestalt für den Gedanken, für den
Begriff.
Diese Spiele sind als Spiele des Wetteifers im
Beachten u klaren Wortausdrucke für die
Kinder sehr unterhaltend, versteht sich von
selbst, auf der den Spielen entsprechenden
Entwicklungsstufe. Auch werden die Kinder
dadurch leicht tonfertig wie tonrichtig, in-
dem man die Kinder nach Maaßgabe der Zahl
und Zahlspiele zB. bey 2+2+2 in Secunden,
bey 3+3+3 in Terzen und bey 4+4+4 in
Quarten fortschreiten lassen kann. So wird
hier wieder, wie die Sinne u der Geist beschäf-
tigt, so das Herz u Gemüth erfreuet. Auch die
Glieder, Hand und Finger, werden in geschickterm
Anfassen u Bezeichnen des Gegenstandes geübt,
u so ist es klar, wie auch hier wieder das ganze
Kind in der Allseitigkeit seines Wesens erfaßt
und bethätigt wird.
Oben, wo der Würfel an der Schnur als ein
Wagen betrachtet u damit gefahren wurde,
was die Knaben ganz vorzüglich gern thun,
habe ich ein Fahrliedchen mitzutheilen, übersehen,
welches sich nach und nach, wie eine große Menge
unserer Spielliedchen herauf[-] und herausgebildet
hat. Für die Knaben Gera‘s wird dieß
Liedchen nun freylich wenig passen, indem
die Eltern unsrer Kinder fast alle Acker-
bürger sind, auch wohl selbst Anspann und
sey es auch nur eine Zerrkuh haben. Doch
vielleicht giebt Ihnen dieß Veranlassung
mir gelegentlich ein Besseres mitzutheilen.
Unser Fahrliedchen heißt:
1. Fahren, fahren, fahren!
Kostets uns auch große Müh,
Rufen wir auch Hott und Hü!
Doch ists unsre Freud u Wonne
Scheinet uns die liebe Sonne
Hott hü; hott hü; Hott hü. /
[36R]
2. Fahren, fahren, fahren!
Dieser fährt ein Fuder Mist
Wie gerad der Brauch es ist.
Schaut nur mit welchem Stolze
Jener fährt mit seinem Holze.
Hott hü; Hott, hü, Hott, hü!
3. Fahren, fahren, fahren!
Der da bringt ein Fuder Heu
Jener fährt ein Fuder Streu
Gut für seine Pferd und Rinder
Auf den lieben langen Winter.
Hott, Hü! Hott, Hü! Hott, Hü!
4. Fahren, fahren, fahren!
Dieser bringet einen Baum
Aus des Waldes dunklem Raum.
Blöcke fähret der zur Mühle,
daraus werden Bretter viele
Hott, hü; Hott, hü; Hott, hü.
5. Fahren! fahren! fahren!
Dieser fährt alleine dort
Seine schweren Steine fort.
Jener fährt Kartoffeln u Kraut
Die er auf seinem Felde gebaut.
Hott, hü! Hott, hü! Hott, hü!
6. Fahren!fahren!fahren!
Jener fährt einen Wagen Reisig
Obgleich Schnee ist`s doch nicht eisig
Ist sein Wagen auch beschwert
Fährt er‘s doch mit einem Pferd.
Brr steh; brr steh; brr, steh!
Wir spielen dieß Spiel gewöhnlich so, daß
wir jeden der Knaben fragen: was er
fährt oder sie fahren, und dann nennen
wir anstatt dieser u jener den Namen
des Knaben: zB. Albrecht pp fährt. Dieß
macht nun den Kindern besonders Freude,
wenn der Spielführer jeden Knaben, den
er nennt, ansieht, auch wohl mit dem
Finger auf ihn deutet.—Gewöhnlich /
[37]
fahren wir im Kreise herum bald rechts, bald
links herum, u dann lassen wir jederzeit die
Schnur in eine andere Hand nehmen, auch
lassen wir oft zwey Knaben, die sich mit den Hän-
den und mit diesen beyden, zugleich die Schnur
anfassen, einen Wagen gemeinschaftlich fahren
dieß weckt Brüderlichkeit rc.
   Kugel und Würfel in Verbindung
Wie Kugel u Würfel allein jedes für sich
bisher als erziehendes Spielzeug erschien[en], so
können es auch beyde geeint seyn. Durch diese ge-
meinsame Anwendung bildet sich auch noch
eine andere Verknüpfung; welche für das
Kind zu beachten wichtig ist, die Verbindung
von Ruhe u Bewegung[.]
1. Man kann zB. die Kugel auf der Ober-
fläche des Würfels in kreisender Bewegung
umdrehen, wozu das Liedchen ist:
      Dreh mich leise, dreh mich leise
      Auf der kleinen Fläche hier;
      Sonst ich hüpfe sonst ich schlüpfe
      Ganz geschwind hinab zu Dir.
2. Der ruhende Würfel kann weiter auf
sehr verschiedene Weise bald auf dem Tische,
bald auf dem Fußboden zum Ziele der sich
bewegenden, rollenden Kugel aufgestellt werden
erst näher, dann ferner; einmal in die Mitte
zwischen zwey Kinder, die sich die Kugel, den zwi-
schen ihnen stehenden Würfel als Ziel habend
gegenseitig zu rollen; dann in die Mitte zwischen
mehrere im Kreise stehende Kinder; diese Spiele
finden sich leicht selbst, wie die dazu zu singenden
Liedchen. Auch tritt der Sinn u die Bedeutung
dieser Spiele für das Leben u Gemüth der Kinder
bald so klar entgegen, daß ich es für überflüssig
halte, über letztere auch nur ein Wort zu sagen.
Einige Liedchen sind:
Dieser Würfel ist mein Ziel,
Den ich gern jetzt reffen will! /
[37R]
Die Kugel roll ich zum Würfel hin,
Ihn zu treffen steht mein Sinn.
Wenn der Würfel weiter steht:
Der Würfel steht nun weit entfernt,
Ihn zu treffen wird jetzt gelernt.
3. Wie das Fangen des Balls kann es auch
dieses Kugelspiel, als ein Bild fortschreiten-
der Ausbildung behandelt werden.—
Die Kinder treten schön geordnet in einen runden
Kreis. Sind es ihrer wenige, so treten sie etwas
weiter auseinander, damit der Kreis nicht
zu klein werde. — In der Mitte dieses Kreises
nun sind am besten 3 Würfel aufeinander
aufgestellt. – Bey diesem Würfel steht eines
der größeren u gewandteren Kinder, oder,
wenn er will, der Spielführer selbst, um die
Würfel, wenn sie getroffen worden, wieder
auf u an ihre Stelle zu setzen. — An dem
durch die Umstände bestimmten zweckmäßigsten
Orte im Kreise fängt nun ein Kind an nach
den Würfeln die Kugel zu rollen. Trifft das
Kind (1) die Würfel nicht, so tritt das Kind (2)
an dessen Stelle und das Kind 1 tritt um
eine Stelle weiter zur Linken. Hat auch
das Kind 2 nicht getroffen, so tritt dieß um
eine Stelle weiter zur Linken und das
Kind 3 tritt an dessen Stelle, wodurch der
Kreis in steter Bewegung bleibt. Hat ein
Kind aber die Würfel einmal getroffen,
so kann es wiederholt so oft nach denselben
rollen als es die Würfel nicht verfehlt; hat
es sie aber verfehlt, so tritt das nächstfol-
gende Kind an seine Stelle. Nur das Treffen
der Würfel wird gezählt, was ohne Unter-
brechung nacheinander geschieht.—Das Kind,
was dem spielenden Kinde im Kreise gegen-
übersteht, rollt jedesmal die Kugel zurück.—
Wie die Kinder von der rechten Seite zur
Spielstelle treten, so treten die Kinder von
dieser nach der Linken. Wie also ein Kind /
[38]
17. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
an den Spielplatz tritt, treten alle Kinder
im Kreise um eine Stelle weiter rechts, wo-
durch zunächst dem Spielenden eine Stelle frey
wird in die er eintritt, so bald er gerollt hat.
So ist der Kreis schön geordnet immer in drehen-
der Bewegung. — Das Lied, welches wir dazu
singen, wird hoffentlich das Weitere erklären.–
Wandre Kugel mit leichtem Sinn
Schnell doch nach der Mitte hin.–
Würfel sind dort aufgestellt,
Wer sie trifft den Preis erhält.–
Einmal Treffen ist leichtes Ding:
Wer es thut, ist ein Lehrling.–
Zweymal Treffen kommt weniger schnell:
Wer es thut, der ist Gesell.–
Dreymal Treffen den Meister macht:
Wer es kann im Stillen lacht.–
Viermal Treffen der Meister Meister ist:
Freundlich wird er von uns gegrüßt.–
Wer‘s im Treffen höher bringt,
Dem ein schönes Lied erklingt.—
Lasset darum munter wandern
Froh die Kugel von Einem zum Andern.
Wie wir so im Kreis uns drehn,
Ist das Spiel doch gar zu schön:
Mitte u Kreis die Kugel eint,
Drum das Spiel so schön erscheint.
Würfel und Kugel mir wohlgefällt,
Ruh u Bewegung mich froh erhält.
Unsere Kinder spielen dieß Spiel sehr gern. Es
hat aber auch, wenn es klar gespielt wird, einen
schönen Ausdruck und manche bildende Lebens-
beziehungen.—
Dem gleichen Spiele kann aber auch ein ent-
gegengesetztes Ziel gesetzt werden, nämlich an-
statt einen Würfel zu treffen, zwischen zwey
vorstehenden Würfeln ohne sie zu berühren, hin-
durch zu gehen. Dazu dieses Liedchen:
Kugel roll jetzt durch die Mitte;
Streif nicht an, darum ich bitte.
Welches von beyden Spielen die Mädchen wohl am meisten anspricht. /
[8R]
Doch können auch beyde Spiele so mit ein-
ander verbunden werden, daß hinter die
zwey getrennten Würfel ein dritter gerad
in der Mitte aufgestellt wird, welcher getroffen
werden muß, nachdem die Kugel durch die zwey
getrennt stehenden Würfel hindurch gegangen ist.
Liedchen:
Bin durch die zwey ganz fein,
Treff ich noch den dritten allein!
Wer es will, wird diese Spiele leicht fortbilden.
Das Kugelspiel tritt dadurch auch in eine engere
und höhere Lebensbeziehung. Wer die Mitte trifft;
bekommt die Meisten, dem lohnt die Treu, die Drey rc.
Auch einen oder beyde Gegenstände mit der
Schnur verbunden, geben für das Kind ange-
nehme u belehrende Spiele. Der Würfel wird
z.B. ganz ruhig hingestellt. Die Schnur, (den Faden
an welchem die Kugel befestigt ist, hält man
ohngefähr 2 Spannen gerad über den Würfel,
die Kugel läßt man dagegen bis zur Mitte
einer der Seitenflächen des Würfels herab
hängen. [Zeichnung] Nun wird die Kugel an der straffen
Schnur mit der andern Hand in einer Bogen-
linie, welche senkrecht auf dem Berührungs-
punkte steht /:br:/ in einen halben rechten Win-
kel oder mehr in die Höhe gehoben u dann fallen
gelassen gegen die Seitenfläche des Würfels,
von welcher sie dann vermöge der innewohnen-
den Schnellkraft wieder zurück springen, der
Würfel dagegen sich nur mäßig von der Stelle
rücken wird.—
So können von dem Spielführer zugleich
die Enden von 2 oder 4 Schnüren, an welchen
eben so viele Kugeln befestigt sind, zugleich
in gleicher Länge über den Würfel gehalten
und so von 4 Kindern zugleich die 4 Kugeln
gegen die 4 Würfelseiten fallen gelassen werden.
Weil zugleich u gleiche Kraft
Von zwey (4) Seiten drückt;
Drum der Würfel nicht
Von der Stelle rückt. /
[39]
Mehrere Erscheinungen sind hier, welche
die Kinder fesseln u ihnen Freude machen.
Am schönsten ist es, wenn man hier die
Kinder selbst Erfinder der verschiedenen Ver-
knüpfungen werden läßt, u nur darauf
sieht, daß sie einen klaren sprechenden Aus-
druck bekommen.—
Dies wäre nun wohl das Wesentlichste
g[ütige].M[uhme]., was ich Ihnen über den Gebrauch
der 1ten u 2ten Spielgabe mitzutheilen hätte.
Daß sich unter sinniger, unter Ihrer Behandlung
noch viel Schönes, ja wohl Schöneres daraus
entwickeln wird, bin ich in mir überzeugt;
deßhalb bitte ich nur Ihre oder Ihrer lieben
Kleinen Erfindung, so weit es möglich ist,
festzuhalten. Doch versteht sich, ohne Nachtheil
für Ihr häusliches und Familienleben, welches
mir ein Heiligthum ist.
Ihnen jetzt den Spieltanz weiter vorzu-
führen, erlaube ich mir nicht; die Skitze wurde
so an manchen Stellen ausführlicher und
so das Ganze länger als ich geahnt hatte.
Bemerken will ich nur noch, daß dadurch,
daß in dem Spielkreise neue Spiele eingeführt
wurden, die frühern nicht aus demselben zurück
traten, sondern eben durch ihre abwechselnde
Ausführung um so mehr Erfreuendes u zugleich
durch die in dem Kinde geweckte Vergleichung
noch erhöhtere Belehrung in den Kinderkreis
bringen. — Auch ist es keineswegs nöthig,
daß vorher alle aufgezählten Spiele durchgespielt
werden müssen, ehe die nächstfolgenden neuen
beginnen können, wenn nur im Allgemeinen
der Spiel- u so Entwicklungsgang festgehalten
wird, welchen sich später das Kind auf einer
höhern Bildungsstufe zum Bewußtsein bringen
kann, wenn es will. Diese spätere Auffassung /
[39R]
vom Geiste aus ist die Hauptsache, keines-
weges aber die äußere Aneinanderreihung,
welche nur tödten würde , statt Leben zu
wecken. Leben zu wecken, Leben zu pflegen,
Leben und Lebensgesetz zur Ahnung, zur Einsicht
zum Bewußtseyn zu bringen und die Früchte
des Darnachlebens, Freude und Frieden, recht
rein zu genießen, das ist der Zweck dieser
Kinderspiele.—So können Sie nun auch, wie
Sie es nach den obenwaltenden Umständen am
besten finden, später in Ihren Spielkreis
die 3te und 4te Spielgabe einführen. Das
Wesentlichste sagt Ihnen das S.Bl., welches
Sie in Händen haben. Gern werde ich Ihnen
jedoch später noch dafür gehörige Liedchen,
wie besonders sich daraus noch weiter und
dann selbstständig fortentwickelnde Be-
wegungsspiele mittheilen. Vorher er-
warte ich jedoch einige Nachricht über
den Fortgang des Ganzen, d. h. über die
Ausführung eines Kindergartens in Gera
von Ihrer Güte, l[iebe].M[uhme]. Vor der Hand
sind Sie nun wenigstens, in Verbindung
mit den Druckschriften u namentlich mit
dem Sonntagsblatte — weil sich nun eins
das andere ergänzt u erklärt—im Stande
sich so wie den förderlich eingehenden drey
hochachtbaren Männern als auch den etwa
theilnehmenden Eltern die gewünschte Ein-
u Übersicht über das Ganze zu verschaffen,
soweit solches jetzt mehrfach ausgeführt ist.—
Sehen Sie nun nur, m[eine].th[eure] M[uhme]., daß es
durch Vortritt der drey verehrlichen Män-
ner u im Verein mit denselben vor
allem erst möglich ist, nur einen kleinen /
[40]
18. Brief an Frau M. Schmidt in Gera
allgemeinern Versuch der Ausführung zu machen
denn die That u Wirkung spricht mehr als jedes
noch so gestaltete geschriebene u gedruckte Wort.
So haben wir zB. in Rudolstadt schon die Freude
gehabt, daß bey einigen unsrer kleinen Spielge-
nossen unschöne Äußerungen rc geschwunden u
an deren Stelle geordnete freye Bewegungen getreten
sind. Nur eines ist in solchen Fällen häufig nöthig;
— ruhige Ausdauer u dem Kinde Zeitlassen,
sich selbst zu finden.
Da es mir nicht alles mehr gegenwärtig
ist, was ich im vorigen Briefe beantwortet
habe, so bitte ich wegen des Übersehenen um
gütige Nachsicht; ein leiser Wink u ich werde
es gern nachholen. Auch wegen der großen Un-
vollkommenheit; mit welcher dieser Brief vor Ihnen
erscheint, bitte ich um Entschuldigung; ich habe ihn
an vielen Stellen unter störenden Einwirkungen rc
niedergeschrieben.
Bey Ihrer Pflege, l[iebe].M[uhme]! welche Sie meinen er-
ziehenden, besonders Kindheit pflegenden Bestrebungen
angedeyhen lassen, muß ich Ihnen doch auch mit-
theilen, daß mir eine englische Erzieherinn aus
höherem, inneren Beruf, (ich glaube, ich habe solche
schon einmal in meinen Briefen an Sie erwähnt)
jüngst wieder sehr erfreuliches über den Gedanken
schreibt, den Ball in seinen Entwicklungen der
Kindheit u Jugend zum Spiel zu geben u zugleich zeigt,
was dem Menschen selbst in seinem späteren, bewußten
Alter noch daraus hervorgehen würde[.]
In Rudolstadt habe ich besonders die Freude, daß
durch die Wirkung der Spiele, auf die eigentlichen
Spielgenossen sich bald ältere, bald jüngere Geschwister,
auch wohl außer den Müttern noch die Väter und
Großmütter veranlaßt fühlen, den frohen Kinder-
garten zu Zeiten zu besuchen. Auch Kinderwärte-
rinnen spielen einige gar schön mit u wenn sie
zugleich gute Stimmen haben, geben sie dem Ganzen
einen festeren Halt. Es ist ganz außerordentlich, was
ein klarer bestimmter Gesang ordnet u gestaltet.— /
[40R]
So eben lese ich, daß Fr.Köhler in der
Einleitung zu seiner Schrift „Die Mutterschule“
sagt:–„Musik, Rhythmus, Reime u phantasti-
sche Zusammenwürfelung von Vorstellungen
gehören der innern Traumwelt (der Kinder) an,
die Vorstellungen selber aber der wirklichen
Erscheinungswelt.“–Zwischen beyde Welten,
keine verletzend, beyde pflegend u beyde vermittelnd,
treten nun die vielbesprochenen Spiele vom Balle
aus, ihnen bey der Lebensfülle, die sie besitzen,
Klarheit, und zu der Mannigfaltigkeit, der
sie sich erfreuen, Einheit geben.— /