Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 30.1.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 30.1.1841 (Blankenburg)
(BlM XIV,7, Bl 55-56, Brieforiginal 1 B 8° 4 S., tw. ed. Pösche 1887, 74f.; tw. ed. Lück 1929, 63-66)

Blankenburg am 30n Januar 1841.


Theuerste, liebste Muhme.

Noch ist ein Theil meiner Ihnen schuldigen Antwort auf Ihren so
vielfach hoch erfreuenden Brief vom 25. Xbr./10. Jan. zurück, als ich mich
schon wieder eines so beglückenden Briefchens von Ihnen erfreue;
eines Briefchens welches mir sagt, daß, für mich unerwartet schnell
schon Ihr schöner Garten bereitet ist, daß er geordnet weiter be-
arbeitet und in festem Gang wie die Jahres- und Tageszeiten mit
entsprechendem, mannichfachen Saamen besäet wird. Ja l. M.
ein Kindergarten hat das Schöne, daß man säend schon die
Blüthen und Früchte gewinnt und zwar doppelt in sich und
in den Kindern.
Daß Sie im festen und sicheren Vertrauen das Rechte zu finden, frey
aus sich begonnen haben, hat mich hoch erfreut, innig erfreut daß
Sie das Rechte und fast scheint es mir noch mehr gefunden haben,
als wenn ich Ihnen vorher eine bestimmte Ansicht und Form aus-
gesprochen hätte; und warum sollten Sie es denn nicht, habe ich
nicht von Müttern und Kindern gelernt und lerne täglich von
ihnen, Sie aber sind Mutter: unmittelbar aus der Quelle zu
schöpfen, ist aber immer das Beste; alles Ursprüngliche wirkt am besten.
Daß Sie einen eingehenden männlichen Geist und eine solche Kraft
unmittelbar als Stütze zur Seite haben, freut mich ganz be-
sonders, es giebt dieß einen mehrfachen Halt; wenn ich hoffen
darf nicht mißverstanden zu werden, so sage ich dem Herrn
Pastor Lang meinen recht herzlichen Dank dafür.-
Ob Sie nun gleich schon begonnen haben, ich auch glaube, daß Sie ohne
meine besondere Leitung mit den verschiedenen Materialien welche /
[55R]
Sie besitzen, vor Allem durch Ihre rechte Ansicht vom Ganzen
und der richtigen Erfassung derselben, das Ganze noch weiter
fortführen könnten, so ist es mir dennoch auch gar sehr lieb,
daß ich mein Wort gelöset Ihnen den mehrfach von mir und uns
betretenen Spielgang übersandt habe - (:denn erhalten werden
Sie denselben doch haben, ob es mir gleich Ihr liebes Briefchen
nicht bestimmt ausspricht?-:) auch lasse ich mich in dieser Hinsicht
nicht abhalten Ihnen auch beykommend die Fortsetzung zu über-
schicken. Da es ferner schön ist bey den verschiedenen Liedchen
eine Mehrheit von Melodien Anderer zu kennen, so habe ich
unsern Herrn Cantor hier gebeten mir einen Theil derselben ab-
zuschreiben und ich hoffe solche noch dieser Sendung beyfügen
zu können. Da nun aber gewiß Sie sehr häufig viel schönere besonders einfachere
Liedchen selbst erfinden, als ich Ihnen zu überschicken im Stande
bin - ob ich gleich hoffe, daß Sie einige auch recht angemessen finden
werden - so wünschte ich wohl daß unter den Ihren Bemühungen
so herzlich befreundeten Männern einer wäre, welcher nach
Ihrem Vorsingen sogleich tonrichtig niederschreiben könnte;
Sollten Sie eine solche freundliche Hülfe im Bereich Ihrer Bekannt-
schaft zu haben, so bitte ich solche ja wenn es einigermaßen
angeht zu benutzen und uns gefälligst gelegentlich diese
schönen Erzeugnisse Ihres sich frey entwickelnden gemeinsa-
men Lebens zum Nutzen und zur Freude anderer Kinder-
gärten mitzutheilen.
Noch habe ich im Interesse der Kinder, der Mütter und des
ganzen rein menschlichen Zweckes wohl ein Anliegen, daß [sc.: das]
[ich] wenigstens Ihrem hochverehrten Herrn Pastor Lang mitgetheilt
wünschte, im Fall ihm die Gesammtheit seiner Thätigkeit ein Räumchen /
[56]
übrig ließ, wenigstens die wichtigsten der in den verschiedenen Spiel-
stunden sich ergebenden Thatsachen schriftlich festzuhalten.- Es dünkt
mich zur Erkenntniß des Wesens der Kinder, so wie zu ihrer rich-
tigen Behandlungsweise gar zu wichtig, daß solche Bemerkungen
von Zeit zu Zeit öffentlich mitgetheilt werden, damit die Kinder
in ihren Äußerungen immer mehr verstanden und dem gemäß
richtig behandelt werden, sich auch immer mehr wahre Achtung
und Beachtung reinen Kindeswesens sich mehre.-
Für die doppelten Zahlungen von Rth 4. 6 prCt
und von - Rth 7. 4   "
sage ich den besten Dank. Aber sagen Sie mir l. Muhme
wie und warum sind Sie auf den Gedanken gekommen
in vorigen Briefe 4 gl für Porto beyzulegen?- Ich muß
Ihnen die Sachen mindestens Porto frey übersenden; wie sollten
Sie dazu kommen deßhalb Auslagen zu haben; welche ich so
zu fürchten Ursache habe. Auf die Sendung von Rth 11 pp.
wäre ich Ihnen so einen bedeutenden Rabbat schuldig, es
thut mir jetzt leid, daß er nicht gleich in Abzug gebracht worden
ist; ich habe wirklich nicht geglaubt, daß Sie die Sachen
so bald absetzen und mir den Betrag so schnell übersenden
würden. Ich bleibe deßhalb Ihr Schuldner. Auch hätten
Sie l. Muhme beyde Geldsendungen nicht frey machen sollen
wie kommen Sie dazu, ich sage [e]s nochmals, Ausgaben
für Ihre Theilnahme zu haben. Bitte thun Sie es nicht
behandeln Sie diesen Gegenstand rein als Geschäftssache[.]
In diesem Augenblick als ich die Sachen zum Absenden fertig machen
will erfahre ich daß von der 3en Gabe zufällig nicht ein g[an]zes Dzzd
mehr gepackt sind, ich sende daher um diesen Brief nicht länger /
[56R]
zurück zu halten einstweilen ½ Dzzd.- Es ist doch Recht das [sc.: , daß]
ich die Lithographien hinzu gelegt habe?- Wir nemlich in
unsern Kreisen machen es so, daß wir zu jedem Spiel auch 1 Ex[.]
Lithographien nehmen, weil, wenn die Kinder zum Nachbauen
ihrer erfundener und aufgezeichneter Gegenstände kommen (:wel-
ches für die Kinder wie eine ganz neue Übung so wie ganz neues
Vergnügen giebt:) - weil es dann gut ist daß jedes Kind
sein eigenes Vorlegblatt hat oder daß alle ein großes
G gemeinsames Vorlegblatt haben; denn in beyden Fällen ist
die Entwickelung jedes Einzelnen frey gegeben. Die Vorlegblätter
im großen Maaßstabe sind besonders für sogenannte Klein[-]
kinderbewahranstalten bestimmt.-
Auch mein Notenschreiber ist nicht fertig geworden, und
so werden die Liedchen ebenfalls auch mit nächster Sendung
folgen.- Spätestens heut in 8 Tagen (:Sonntags habe ich immer
von hier aus directe Post nach Gera:) werde ich die Fortsetzung
schicken. Sollten Sie darum noch Wünsche an mich in Hinsicht
Ihres Unternehmens haben und ich könnte solche bis dahin er-
fahren, so würde ich solche sie gern zu erfüllen suchen.-
- In Rudolstadt geht es sehr gut, viele Eltern haben sehr
erfreuliche Erfahrungen an ihren Kindern gehabt: möge
es auch bey Ihnen der Fall seyn.- Sehr freue ich mich, daß
Ihnen eine Mutter zur Seite stehen will.
Verzeihen Sie meine heutige unvollständige Sendung. Der Eisgang
hatte die Brücke, welche d. Verbindung zwischen meinem Wohn- und
meinem Geschäftshaus macht zerstört und so waren auch die Ar-
beiten dort unterbrochen worden.- Ich freue mich zum Voraus
gar sehr auf Ihren nächsten Brief, welcher mir den guten Fort-
gang Ihres Kindergartens bringt. Ihr dankbarer Vetter Fr Fr.