Briefausgabe Friedrich FröbelBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung / Fröbel-Forschungsstelle der Universität Duisburg-Essen

F. an Friederike Schmidt in Gera v. 7.2.1841 (Blankenburg)


F. an Friederike Schmidt in Gera v. 7.2.1841 (Blankenburg)
(BlM XIV,8, Bl 57-58, Brieforiginal 1 B 8° 3 S.)

Blankenburg bey Rudolstadt am 7n Febr 1841.


Theure liebste Muhme.

Meinem Versprechen zu Folge sende ich beykommend zur Ver[-]
vollständigung der von Ihnen gewünschten Spielkästen 3' G[a]be
das zweyte ½ Dzzd so wie die noch rückständigen 9 Exempl.
Lithographien. Weil Sie es wünschen lege ich auch die
Rechnung bey. Will Ihre Güte mir nun verstatten dabey
meine Ansicht auszusprechen?- Damit Sie dem Vereine
nicht jede Kleinigkeit für Porto pp zu berechnen haben, so
dünkt mich wäre es angemessen wenn der Familienverein,
den ganzen Betrag jede Familie nach Maaßgabe der
theilnehmenden Kinder berichtigte, der Rabbat aber zu den
kleinen Ausgaben verblieb. Sie verzeihen mir diese Äuße[-]
rung gewiß; allein ich wünschte nicht, daß Ihre gütigen
menschenfreundlichen und kinderliebenden Gesinnungen Ihnen
noch Geldopfer verursachen sollen.
Wenn mich mein Herr Cantor hier nicht abermals im
Stiche läßt, so hoffe ich heut wenigstens einen Theil der
Liedchen beylegen zu können.-
Es wird mich nun recht freuen wenn Sie in dem nächsten
Ihrer lieben Briefe mir bestimmt das weitere und
nächste Bedürfniß Ihres lieben Kindergartens aus- /
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sprechen wollen, damit ich demselben spätestens 8 Tage
nach dem Empfange des Briefes entgegen kommen kann.
Ich wünsche, daß wenigstens von meiner Seite zur besten
Pflege der neuen und schönen Pflanzung nichts fehle, da
Sie beste Muhme und die übrigen hochachtbaren Männer
und besonders der treffliche Herr Pastor Lange [sc.: Lang]
sich dem ganzen mit solcher Liebe hingeben. Ich bitte
sämtlich auf das achtungsvollste von mir zu grüßen.
- Der Kindergarten von Rudolstadt erfreut sich bis jetzt
des besten Fortgangs: Kinder, Eltern u. Großeltern selbst
die Kinderpflegerinnen, deren einige sich regelmäßig
als Mitspielende einfinden, jedes findet sich von seinem
Standpunkte aus befriedigt. Gar mancher kleiner Blüthen
und Früchte deren uns einige selbst von den Eltern dankend
und anerkennend mitgetheilt worden sind, erfreuen wir
uns schon. Auch ein junger Lehrer findet sich dadurch an[ge]zogen pp.
Wenn es von hier nach Gera nicht weiter wäre als nach
Pösnek oder S Neustadt, so wären Sie bey der schönen Schlitten[-]
bahn welcher wir uns hier erfreuen vor einem Besuche
von mir und einem Spielgehülfen nicht sicher um Ihnen
mündlich und durch die Ausführung einige Liedchen und Spiele
zu überbringen.
Doch jetzt muß ich schließen, wenn Sie den Brief mit /
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der heutigen Post noch bekommen sollen.
Ich freue mich gar sehr darauf bald einmal
wieder wenn auch nur mit wenigen Worten einige
Kunde von Ihrem schönen Wirken zu empfangen[.]
Leben Sie recht wohl. Grüßen Sie Ihren
ganzen Kreis mir bekannt u unbekannt
recht herzlich von
Ihrem
dankbar ergebenen Vetter

FriedrichFröbel

Zum Liede No 38. finden Sie die weiteren Verse
an frührer Stelle im S. Bl.
Sollten die Liedchen gelegentl. von einem theil[-]
nehmenden Freunde abgeschrieben worden seyn,
so erbitte ich mir solche zurück da es jetzt nicht mögl
s war mir selbige im Violinschlüssel abschreiben
zu lassen. Auch werden Sie bemerken, daß hier
mehr eine zufällige Folge statt findet. Beym
Abschreiben kann man, wenn man will sie
nach dem Spielgang ordnen lassen.
Nochmals bitte ich um Singweisen aus Ihrem Kreise.